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amt für wirtschaft, fremdenverkehr und kongreßwesen.  
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Berichtszeitraum: 1945-65

 

Verkehrswerbung

In den ersten Nachkriegsjahren galt es, die Wirtschaftskraft der Stadt unter Ausnutzung ihrer zentralen verkehrsgünstigen Lage innerhalb Deutschlands und Europas zurückzugewinnen. Das Frankfurter Fremdenverkehrsgewerbe wurde bei Fragen des Wiederaufbaus tatkräftig gefördert. Im Zeitraum 1949-1950 standen über 2000 Hotelbetten zur Verfügung. Von diesem Zeitpunkt ab konnte die eigentliche Fremdenverkehrsarbeit beginnen und schon bald beachtliche Erfolge erzielen. Vom Jahre 1949 ab war für die Einzelwerbung ausreichendes mehrsprachiges Prospektmaterial vorhanden. Mit der Wiederherausgabe der "Frankfurter Wochenschau" wurde 1949 begonnen. Ergänzt wird dieses Heft - in besonderer Aufmachung seit dem Jahre 1964 durch eine vierteljährliche Veranstaltungsvorschau. Im Jahre 1950 begann man mit der Herausgabe eines Bildbandes, dessen zwischenzeitlich entstandene Serie sich im Laufe der Jahre nicht nur als wirkungsvolle Werbung, sondern auch als ausgesprochene Repräsentationsgabe herausgebildet hat. Im gleichen Jahr beteiligte sich Frankfurt am Main an einem Werbefilm unter dem Titel "Alte Liebe zu Frankfurt am Main und seinem Kurgarten Bad Hamburg". Der nächste Film "Unser Frankfurt heute" entstand 1956, zwei Jahre später der Film "Kunststudentin Ursula", der auch heute noch von den Auslandsvertretungen der Deutschen Zentrale für Fremdenverkehr in aller Welt eingesetzt wird. Ein neuer Film ist in Vorbereitung.

Die Auslandswerbung wurde durch Herausgabe von Plakaten (Römer-Plakat, Karl der Große, Frankfurt am Main sollte auch Sie interessieren) und durch den Verleih von Schaufensterdekorationen und Großfotos gefördert. Eine Werbung besonderer Art wurde im Jahre 1964 von 19 Städten im Umkreis von 100 km um den Frankfurter Flughafen mit dem Prospekt "When going to Germany ..." gestartet. Zur Vertiefung der Werbung im Ausland wurde und wird laufend auf die Kontaktpflege mit ausländischen Presse- und Reisebürovertretern und Mitarbeitern von Fluggesellschaften besonderer Wert gelegt. Mit dem Aufbau eines Archivs für Bildunterlagen und Matern wurde unmittelbar nach dem Kriege wieder begonnen. Diese Unterlagen werden laufend auf dem neuesten Stand gehalten. Die Werbewirksamkeit von Annoncen im Inland wird für gering erachtet. Annoncen im Ausland konnten wegen der hohen Kosten in früheren Jahren nur sehr wenig aufgegeben werden. Aus diesem Grunde haben sich im Jahre 1957 acht westdeutsche Großstädte unter Beteiligung von Frankfurt zu einer Vereinigung unter der Bezeichnung "Big Eight" zusammengeschlossen und werben gemeinsam vor allem in Amerika mit Kollektivanzeigen. Seit Jahren wird das vom Ihle-Verlag herausgegebene Vierteljahresheft für Kultur, Wissenschaft und Verkehr "Frankfurt - Lebendige Stadt" mit jeweils 7000 Exemplaren für unsere Werbung eingesetzt. Das Heft wird in allen fünf Erdteilen verteilt. Wesentlich in der Werbung und Förderung des Fremdenverkehrs ist die Heranziehung von Tagungen und Kongressen nach Frankfurt am Main. Hier wurde durch gezielte Werbung erreicht, daß Frankfurt am Main seine Bedeutung als Tagungsort über all die Jahre hinaus hat erhalten und vergrößern können. Es wird hier nur auf die bedeutenden Veranstaltungen hingewiesen:

  • Evangelischer Kirchentag (1956),
  • Jubiläumsveranstaltung ILA 1909 (1959),
  • Welterdölkongreß (1963),
  • Weltkongreß der Krankenschwestern (1965).

Zu erwähnen ist auch die Beteiligung an der Deutschen Woche in Rotterdam; darüber hinaus wurden Verbindungen besonders mit den Städten Zürich, Basel, Amsterdam, Antwerpen und Birmingham gepflegt. Die Auskunftserteilung, der Zimmernachweis und die Ausgabe von Prospekten an Einzelreisende erfolgt in Frankfurt am Main durch den Frankfurter Verkehrsverein e.V., der in seinen Aufgaben durch Zuweisung der erforderlichen Geldmittel unterstützt wird.

Unter Federführung des Amtes für Wirtschaft entwickelten sich enge Beziehungen zu der Stadt Lyon, die im Rahmen der "Französisch-Deutschen Woche" 1960 in Frankfurt am Main zu einer echten Partnerschaft führten.

Große Bedeutung hat auch die Kontaktpflege mit der Deutschen Zentrale für Fremdenverkehr und ihren Auslandsvertretungen, dem Deutschen Fremdenverkehrsverband, dem Landesverkehrsverband Hessen, dem Deutschen Reisebüro, der Deutschen Lufthansa, den ortsansässigen Verkehrsämtern, der Industrie- und Handelskammer und dergleichen mehr. All diesen Bemühungen ist es zu danken, daß Frankfurt heute wieder im Fremdenverkehr eine führende Rolle spielt. Die zur Zeit (April 1965) vorhandenen 9200 Hotelbetten sind im Jahresdurchschnitt zu 66% belegt. Im Jahre 1964 haben 1051677 Fremde unsere Stadt bei 2087482 Übernachtungen besucht. Frankfurt liegt damit im Bundesgebiet hinter München und Hamburg an 3. Stelle.

 

Industrieansiedlung

Die Abteilung Industrieansiedlung wurde im Jahre 1919 auf Grund eines Beschlusses der städtischen Körperschaften gebildet. Es wurde ihr als Aufgabengebiet die Betreuung der als Industriegebiet ausgewiesenen Flächen sowie insbesondere die gesamte Verwaltung des städtischen Grundbesitzes, soweit er als Industriegebiet ausgewiesen ist, übertragen. Seit dieser Zeit ist es Aufgabe der Abteilung, im Industriegebiet Gelände zu erwerben, zu erschließen, zu besiedeln und an die angesiedelten Firmen, soweit es sich nicht um Hafengelände handelt, als Eigentum zu übertragen. Mit dem Erlös wird wiederum neues Industriegelände erschlossen. Während der Kriegsjahre (1939-1945) war auf dem Gebiete der Industrieansiedlung ein gewisser Stillstand eingetreten. Ein großer Teil der im Industriegebiet angesiedelten Betriebe wurde durch Luftangriffe zerstört. In der ersten Zeit nach dem Kriege beschränkte sich die Tätigkeit im wesentlichen auf die Instandsetzung von kriegszerstörten Gebäuden und auf die Wiederbeschaffung von Plan- und Vertragsunterlagen.

Nach der Währungsreform konnten dann eine Reihe von Firmen angesiedelt werden. Dafür wurden Grundstücksflächen in einer Gesamtgröße zwischen 60000 und 100000 qm jährlich zur Verfügung gestellt. Im Jahre 1951 bestanden bereits Mietverhältnisse über rund 350000 qm erschlossenes Industriegelände. Zur Ansiedlung standen zunächst folgende Industriegebiete zur Verfügung:

  • Industriegebiet Osthafen (zwischen Ostbahnhof und Ratsbrücke sowie beiderseits der Hanauer Landstraße),
  • Industriegebiet Oberhafen (zwischen Ratsbrücke und Fechenheim),
  • Industriegebiet Seckbach Nord (im Bereich nördlich der Borsigallee),
  • Industriegebiet Gutleutstraße,
  • Industriegebiet Rödelheim,
  • Industriegebiet Höchst, Silostraße.

Im Jahre 1955 wurde mit der Erschließung des Industriegebietes Seckbach Süd, das zwischen Borsigallee und Orber Straße liegt, begonnen. Dabei wurden folgende Straßen ausgebaut:

  • Wächtersbacher Straße,
  • Orber Straße,
  • Schlitzer Straße,
  • Salzschlirfer Straße und
  • Sontraer Straße.

Nach Fertigstellung dieses Industriegebietes war es möglich, in den darauffolgenden Jahren rund 80 Firmen, insbesondere Klein- und Mittelbetriebe, anzusiedeln.

1956 wurde mit den vorbereitenden Arbeiten für den endgültigen Ausbau des Oberhafenbeckens II und für den Ausbau des Gutleuthöfer Feldes zwischen Gutleuthof und Niederräder Eisenbahnbrücke als Flußhafen begonnen. Der Ausbau des Oberhafenbeckens II konnte 1958, der des Gutleuthöfer Feldes mit seinen Bauabschnitten I-III erst 1964 beendet werden. Der Ausbau soll durch einen Bauabschnitt IV abgeschlossen werden. Während in den ersten Jahren nach der Währungsreform eine große Anzahl auswärtiger Firmen neu angesiedelt werden konnte, waren es in den letzten Jahren im wesentlichen Unternehmen aus dem Stadtzentrum selbst, die aus den verschiedensten Gründen ihr Domizil in die Industriegebiete verlegen mußten.

Bis zum Jahre 1961 wurden den angesiedelten Firmen, mit denen zunächst ein Mietvertrag abgeschlossen war, in der Regel die Grundstücke nach erfolgter Bebauung verkauft. Seit 1961 werden die Grundstücke, nach einem Beschluß der städtischen Körperschaften, nicht mehr verkauft. Der Gesamtbestand des städtischen Grundeigentums im Bereiche der Industriegebiete soll nicht mehr zu stark vermindert werden. Um den am Grund und Boden interessierten Firmen jedoch die Möglichkeit eines Eigentumserwerbes zu geben, wurde die Möglichkeit von Grundstückstauschverträgen vorgezogen. Durch derartige Tauschverträge erhält die Stadt unerschlossene und nicht freigelegte Streuparzellen aus dem künftigen Industriegebiet Oberhafen. Es konnten in den Jahren 1962 bis 1964 rund 25 ha Streubesitz erworben werden. Damit besteht für die Stadt die Möglichkeit, in absehbarer Zeit das Industriegebiet Oberhafen weiter zu erschließen und damit in den nächsten Jahren eine weitere Ansiedlung zu gewährleisten.

 

Städtische Gaststätten

Sämtliche dem Amt unterstehenden Gaststätten wurden durch Luftangriffe völlig zerstört oder stark beschädigt. Sogar die beliebten Waldwirtschaften wurden so erheblich beschädigt, daß sie nicht mehr zu bewirtschaften waren. Alsbald nach dem Krieg wurde mit dem Wiederaufbau der Gaststätten "Bürgerliche Schießstände", "Oberforsthaus", "Oberschweinstiege" und "Unterschweinstiege" begonnen. Im Sommer 1947 war es möglich, die Waldgaststätten wieder in Betrieb zu nehmen. Das Hotel "Hohemark" war während des Krieges ein Lazarett. Nach dem Krieg hatte die Stadt Oberursel hier ausgebombte und heimatvertriebene Familien untergebracht. Im Jahre 1949 war es möglich, auch diese Gaststätte teilweise wieder zu eröffnen.

Foto:Rasch

Der Frankfurter Ratskeller wurde 1948 wiedereröffnet

 

1951 war der Wiederaufbau des "Cafe Hauptwache" abgeschlossen . Zum gleichen Zeitpunkt wurden die völlig zerstörten Küchen und Nebenräume des "Ratskellers" wieder erstellt und die Gaststättenräume wieder hergerichtet. Wegen der ständigen Aufwärtsentwicklung des Frankfurter Flughafens wurde 1952 an der "Unterschweinstiege" ein Hotel gebaut. Das "Steinerne Haus" wurde, in Abschnitten seit 1952, wieder aufgebaut.

1956 konnte an der "Oberschweinstiege" ein neuer Gaststättenbau erstellt werden, der das vorherige Provisorium ablöste. 1959 wurde in der Siedlung Goldstein der Wiederaufbau der "Parkgaststätte Goldstein" abgeschlossen. Es hat sich jedoch in den letzten Jahren als notwendig erwiesen, sich von einer Reihe von Gaststätten zu trennen. So wurden die Gaststätten "Am Erlenbruch" und "Festeburg" verkauft. Im Hinblick auf Straßenneubauprojekte mußte die Gaststätte "Oberforsthaus" im Jahre 1963 abgebrochen werden. Ebenso wurde die "Parkschänke Höchst" abgebrochen. Der "Ratskeller" wurde 1964 geschlossen, da er in seiner derzeitigen Form nicht mehr modernen gastronomischen Erfordernissen genügte. Zur Zeit stehen noch 15 Gaststätten in der Verwaltung des Amtes für Wirtschaft.

Die städtischen Gaststätten werden grundsätzlich gegen eine prozentuale Abgabe vom Umsatz aus der Bewirtschaftung des Pachtgegenstandes verpachtet. Diese Pachtsätze betragen je nach Lage und Ausstattung der Gaststätte 6 bis 10%.

 

Vergabe öffentlicher Plätze

Die Nachfrage nach Straßenstandplätzen setzte erst wieder nach der Währungsreform im Jahre 1948 ein. Im Jahre 1949 waren im Stadtgebiet etwa 300 Straßenstandplätze vorhanden. Der Magistrat hat Ende 1952 beschlossen, keine weiteren Standplätze mehr auf öffentlichen Straßen und Plätzen zuzulassen. Das Amt wurde beauftragt, auf eine allmähliche Verminderung hinzuwirken. So waren zum Anfang des Rechnungsjahres 1965 nur noch 37 Standplätze im Stadtgebiet vorhanden.
Das Volksfest Wäldchestag wurde genauso wie das Mainfest nach dem Kriege erstmals wieder im Jahre 1949 durchgeführt.

 

 

Berichtszeitraum: 1965-68

 

Verkehrswerbung

Der Fremdenverkehr zeigte nach dem Kriege in Frankfurt am Main eine erfreuliche Entwicklung. Während bis zum Jahre 1966 die Zahl der Besucher und Übernachtungen ständig zunahm und damals mit fast 1,16 Mio Besuchern und über 2,25 Mio Übernachtungen ein Höchststand verzeichnet wurde, ist im Jahre 1967 eine leicht fallende Tendenz zu verzeichnen. Diese negative Entwicklung setzt sich im Jahr 1968 in erheblich verstärktem Maße fort. Zum Teil mag diese Entwicklung auf die konjunkturelle Abschwächung in der Bundesrepublik sowie auf die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, mit denen auch andere Länder zu kämpfen haben, zurückgeführt werden können, alleinige Ursachen sind sie jedoch zweifellos nicht. Auf Einzelheiten soll in den folgenden Abschnitten eingegangen werden.

Frankfurt am Main ist keine Stadt des Fremden- oder Urlaubsverkehrs im eigentlichen Sinne. Dies zeigt schon ein Vergleich der Zahlen für Besucher und Übernachtungen, deren Verhältnis ungefähr 1 : 2 ist. Der Fremde, der hier übernachtet, besucht wohl auch die Sehenswürdigkeiten und kulturellen Einrichtungen, aber diese sind nicht überwiegend Ursache seines Kommens. Er ist vielmehr in Frankfurt am Main, um eine Messe oder Ausstellung zu besuchen, um an einer Tagung oder an einem Kongreß teilzunehmen, um Geschäftsabschlüsse zu tätigen, oder er ist auf der Durchreise hier. Die Fremdenverkehrsarbeit der Stadt kann deshalb nicht entscheidend darauf ausgerichtet sein, Fremde lediglich für einen Besuch oder gar für einen längeren Urlaub in Frankfurt am Main zu gewinnen, sondern sie muß sich auf die Betreuung der aus sonstigen Gründen nach Frankfurt am Main kommenden Fremden erstrecken und auf eine Verbesserung des Ansehens der Stadt in der Welt hinzielen.

Aufgrund seiner verkehrsgünstigen Lage bietet sich Frankfurt am Main als Tagungs- und Kongreßstadt geradezu an. Die Zahl der hier stattfindenden Veranstaltungen dieser Art ist auch erheblich. Sie wird jedoch keinesfalls gesteigert werden können; Frankfurt am Main fehlt ein Kongreßgebäude, das auch Veranstaltungen mit 1200 bis 4000 Teilnehmern zuläßt und im übrigen die heutzutage geforderten Dienstleistungen anbietet.

Da das Wirtschaftsleben einer Stadt durch Großveranstaltungen aller Art, insbesondere auch durch Tagungen und Kongresse wesentliche Impulse erhält, sollte Frankfurt am Main verstärkte Anstrengungen unternehmen, um der Stadt ihre Stellung auf dem Gebiete des Tagungs- und Kongreßwesens zu erhalten.

Die Zahl der Hotelbetten hat sich in Frankfurt am Main in den letzten Jahren ständig erhöht. Sie beträgt gegenwärtig etwa 9500. Trotzdem macht sich während der Großveranstaltungen und insbesondere dann, wenn sich Termine der Messe- und Ausstellungs-GmbH und anderer Veranstalter überschneiden, ein Mangel an Hotelbetten bemerkbar. Es ist dringend erforderlich, das Hotelbettenangebot zu erhöhen. Am vordringlichsten ist dies zweifellos bei den Luxushotels, die von Flugreisenden aus Übersee, insbesondere den USA, bevorzugt in Anspruch genommen werden.

Frankfurt am Main nahm und nimmt im deutschen Fremdenverkehr eine bedeutende Stellung ein, auch wenn seine Erfolgszahlen durch Ursachen, die zum Teil nicht in der Stadt selbst zu suchen sind, eine etwas rückläufige Tendenz aufweisen. Seine Stellung als Wirtschaftsmetropole zu erhalten und auszubauen, ist selbstverständliches Ziel. Dieses Ziel wird nur dann erreicht werden können, wenn u.a. die bisherigen Bemühungen auf den Gebieten der Fremdenverkehrswerbung, der Besucherbetreuung und der Kongreßwerbung erheblich verstärkt werden.

 

Partnerschaft Frankfurt am Main - Lyon - Birmingham

Oberbürgermeister Brundert (links) mit den Bürgermeistern der Partnerstädte

 

Die 1960 mit Lyon geschlossene Partnerschaft hat im Laufe der Jahre zu zahlreichen Begegnungen, Austauschen und Besuchen aller Schichten der Bevölkerung geführt. Besonders erfreulich ist die starke Unterstützung des Partnerschaftsgedankens durch Jugendliche und Sportler aller Art. Auch die starke Aktivität der Musikfreunde (Chöre, Instrumentalvereinigungen, Gesangvereine) sowie der Verbände der ehemaligen Kriegsteilnehmer verdient hervorgehoben zu werden. Hervorragende Verdienste um die Partnerschaft mit Lyon hat sich die Europa-Union erworben, die im Laufe der letzten Jahre mit unserer ideellen und materiellen Unterstützung viele Hunderte junger Arbeitnehmer aus den verschiedensten Berufszweigen zu Studienaufenthalten in die Partnerstädte gebracht hat. Die persönlichen Kontakte, die sich aus den Gruppenbesuchen ergeben, haben vielfach zu nachhaltigen Freundschaften geführt. Aufgrund dieser persönlichen Bande finden heute häufig Begegnungen - auch von Gruppen auf rein privater Ebene ohne Zutun amtlicher oder halbamtlicher Stellen statt. Diese Entwicklung ist begrüßenswert und gibt zu besonderen Hoffnungen Anlaß. Im April 1966 wurde nach Jahren freundschaftlicher Beziehungen die Partnerschaft mit Birmingham eingegangen, was zu dem Dreier-Bund Frankfurt am Main -Lyon -Birmingham führte. Die Beziehungen zu Birmingham ließen sich vergleichsweise langsam an. Die größere Entfernung, die höheren Reisekosten und die mit der Überquerung des Kanals verbundenen Unbequemlichkeiten ließen zunächst wohl viele vor einem Besuch der Partnerstadt zurückschrecken. Inzwischen hat die Entwicklung einen beachtlichen Aufschwung genommen. So ist im Herbst 1967 ein Programm angelaufen, das einen regelmäßigen Austausch junger Arbeiter und Angestellter vorsieht. Die ersten Versuche dieser Art sind dank der guten Zusammenarbeit mit der Stadt Birmingham, der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung und dem Jugendsozialwerk sehr erfolgreich verlaufen, so daß auf eine Verstärkung dieser Austausche und ihre Ausdehnung auf Lyon hingearbeitet wird. 1968 zeigen auch die Gruppenreisen eine deutlich aufsteigende Tendenz. Es kann erwartet werden, daß diese günstige Entwicklung auch in Zukunft anhält.

 

Städtische Industriegebiete

In den Jahren 1965 bis 1968 war es möglich, durch den Abschluß von Tauschverträgen 107000 qm Streuparzellen aus dem Industriegebiet Oberhafen (dem sog. Fechenheimer Mainbogen) zu erwerben, die für die weitere Erschließung dieses Gebietes dringend benötigt werden.

Für Erschließungsmaßnahmen wurden im Berichtszeitraum 3156000 DM aufgewandt, die aus der Rücklage zur Erschließung von Industriegebieten finanziert werden konnten.

Als besondere Erschließungsmaßnahmen wären zu erwähnen:

  • Ausbau der Gutleutstraße bis zum Damm der Niederräder Eisenbahnbrücke,
  • Verlegung eines Entwässerungskanals in der Karl-Benz-Straße,
  • Ausbau der Karl-Benz-Straße um weitere 300 m,
  • Verlegung von Strom und Wasser in die Karl-Benz-Straße,
  • endgültiger Ausbau der Flinschstraße.

Im Rechnungsjahr 1968 ist vorgesehen, die Karl-Benz-Straße bis zum Anschluß an die Dieburger Straße auf eine Strecke von ca. 600 m durchzubauen. Mit der Vollendung wird im Rechnungsjahr 1969 zu rechnen sein. Mit der Fertigstellung der Karl-Benz-Straße wird dann eine direkte Verbindung von der Hanauer Landstraße (Einmündung Dieselstraße) nach der Offenbacher Brücke (Carl-Ulrich-Brücke) geschaffen, so daß damit eine erhebliche Entlastung des Durchgangsverkehrs durch den Ortsteil Fechenheim eintritt.

In den erschlossenen Industriegebieten Seckbach Süd, Seckbach Nord, Osthafen und Höchst wurden im Berichtszeitraum weitere Verbesserungen in der Ausstattung vorgenommen, wie Herrichtung von Bürgersteigen, Herstellung von Hafenbahngleisen und endgültiger Ausbau von Straßen.

Der Berichtszeitraum stand unter dem Einfluß der sich abschwächenden Konjunktur und mangelnden Investitionsbereitschaft der Wirtschaft. Demzufolge ging die Nachfrage nach Grundstücken im Verhältnis zu den vorangegangenen Jahren erheblich zurück. Diese Erscheinung hat dennoch zu keiner arbeitsmäßigen Entlastung geführt, weil die ansiedlungswilligen Unternehmen stärker durchleuchtet werden mußten. Nicht alle Unternehmen, die der Nachprüfung ihrer gewerbesteuerlichen Wirksamkeit und ihrer finanziellen Basis standhielten, waren zu einer Ansiedlung zu bewegen.

Mehrere bereits angesiedelte Firmen strebten zur Erzielung einer größeren Rechtssicherheit einen längerfristigen Mietvertrag an.

Ähnlich entwickelten sich die Einnahmen aus Mieten und Pachten. Während im Jahre 1964 nur Miet- und Pachteinnahmen von rund 1,4 Mio DM erzielt werden konnten, betrugen diese im Jahre 1965 ca. 1,7 Mio DM; im Jahre 1966 verminderten sich die Einnahmen auf ca. 1,5 Mio DM, die auch im Jahre 1967 in etwa gleich blieben. Der Einnahmezuwachs im Jahre 1965 resultiert aus einer Anhebung der Mietsätze, die jetzt für gleisloses Gelände 3,- DM/qm/Jahr und für Gelände mit Bahnanschluß 3,60 DM/qm/Jahr betragen; im Industriegebiet Höchst liegt der Mietzins bei 2,20 DM/qm/Jahr für gleisloses Gelände. Der Rückgang der Pachteinnahmen im Jahre 1966 erklärt sich aus der Tatsache, daß umfangreiche Geländeflächen im Gutleuthöferfeld und am Oberhafenbecken II vom Amt für Wirtschaft in die Vermögensverwaltung der Hafenbetriebe überführt wurden.

Das vom Amt für Wirtschaft verwaltete Industriegelände zeigt folgende Entwicklung:

  • Am 1.1.1965 belief sich der Grundbesitz auf 2211437 qm,
  • am 1.1.1966 auf 2205007 qm,
  • am 1.1.1967 auf 2144937 qm und
  • am 1.1.1968 auf 2120738 qm.

 

Städtische Gaststätten

Die baulichen Maßnahmen erstreckten sich in den Rechnungsjahren 1965 bis 1968 im wesentlichen auf die Erhaltung und Verbesserung der vorhandenen Gaststättenobjekte. In Einzelfällen konnten Pachtobjekte mit zusätzlichen technischen Einrichtungen versehen werden.

Im Herbst 1965 wurde die im Stadtwald gelegene Gaststätte "Bürgerliche Schießstände" geschlossen, nachdem das Objekt infolge seiner schlechten Lage und der teilweisen Beschlagnahme durch die Amerikaner für den Pächter keine Existenzmöglichkeit gewährleistete. Die Amerikaner haben den von ihnen genutzten Teil des Objektes zum 31.5.1967 geräumt und zurückgegeben. Seit dieser Zeit werden Verhandlungen über die weitere Nutzung des Geländes geführt. Nunmehr steht der Abschluß eines Erbbauvertrages mit der Esso-AG unmittelbar bevor, die auf dem Gelände ein Motel errichten will.

Zum 1.Oktober 1965 wurde der Betrieb des Cafe Hauptwache infolge der U-Bahn-Bauarbeiten eingestellt. Zuvor mußten die Geschäftsinhaber der ehemaligen beiden Ladenstraßen an der Hauptwache ebenfalls ihre Geschäfte aufgeben. Mittlerweile sind die Bauarbeiten an dem Wiederaufbau dieses Objektes soweit vorangeschritten, daß mit der Eröffnung des historischen Cafes sowie des Restaurants in den verschiedenen Ebenen des U-Bahnhofes Hauptwache durch die Firma Steigenberger-Hotelgesellschaft noch in diesem Jahr gerechnet werden kann. Im Rahmen der Neugestaltung des Bereiches Hauptwache wird z.Zt. eine in drei Ebenen liegende Terrasse in Verbindung mit dem Cafe Kranzler errichtet, die in den Sommermonaten von dem jeweiligen Pächter bewirtschaftet wird.

Das "Waldhotel Unterschweinstiege" wurde zum 31.12.1966 an die A. Steigenberger Grundbesitzverwaltung GmbH verkauft, die auf dem Gelände ein Flughafenhotel errichten wird. Die Grundsteinlegung für den Neubau ist vor einigen Monaten erfolgt.

Die "Parkgaststätte Goldstein" wurde mit Wirkung vom 1.8.1967 an den Bürgerhausverein Goldstein e.V. auf dem Wege des Erbbaurechts übertragen.

Das "Hotel" und die "Bahnhofsgaststätte Hohemark" wurden zum 31.10.1967 an die Bau-Treuhand GmbH verkauft. Das Hotel war bereits seit Januar 1965 geschlossen, da der Betrieb sowohl für die Verpächterin als auch für den Pächter durch erhebliche und dringend notwendige Investitionen unrentabel geworden wäre.

Das bei dem Unterabschnitt "Städtische Gaststätten" geführte "Tierheim" in der Schwanheimer Straße wurde zum 1.8.1967 an das Stadtentwässerungsamt wegen Werterstattung übertragen, das dieses Grundstück zur Erweiterung des Klärwerkes Niederrad benötigte. Der Betrieb des ehemaligen Tierheimes war bereits mit Ablauf des Monats September 1965 eingestellt worden, da auch hier Investitionen in einem Ausmaß erforderlich geworden wären, die von wirtschaftlicher Seite nicht zu verantworten waren.

 

 

Berichtszeitraum: 1969-72

 

Entwicklung des Fremdenverkehrs

Die Übernachtungszahlen im Fremdenverkehr weisen in den Jahren 1969-1972 keine einheitliche Entwicklung auf. Während in den Jahren 1969 und 1970 eine Steigerung der Übernachtungen verzeichnet werden konnte, die zu einer verhältnismäßig hohen Auslastung der Bettenkapazität führte, ist seit Mitte 1971 eine ständig rückläufige Entwicklung eingetreten. Die mit 2617515 erreichte Spitze der Übernachtungen im Jahre 1970 konnte im Jahr 1971 nicht gehalten werden. Es setzte eine rückläufige Entwicklung sowohl bei den Inlands- als auch bei den Auslandsübernachtungen ein. Bei den rückläufigen Ausländerübernachtungen ist die Ursache im wesentlichen in der Veränderung der Währungsparitäten zu suchen. Bei der rückläufigen Entwicklung der Inlandsübernachtungen sind in erster Linie Sparmaßnahmen der Industrie und Wirtschaft entscheidend. Da in der Berichtszeit parallel mit der zuletzt rückläufigen Entwicklung der Übernachtungszahlen (1971 = -3,6%) eine erhebliche Steigerung der Bettenkapazität (1971 +10%) durch Errichtung neuer Hotels und Erweiterung bestehender Hotels zu verzeichnen war, ist die Ausnutzung der Bettenkapazität 1971 auf 60% zurückgegangen und 1972 weiter im Absinken begriffen. Die Bemühungen, der rückläufigen Entwicklung entgegenzuwirken, richten sich vor allem dahin, möglichst viele der Fluggäste, die auf dem Flughafen Rhein-Main ankommen, zu einem Besuch der Stadt anzureizen. In diesem Zusammenhang wurden in Zusammenarbeit mit anderen Verkehrsträgern sogenannte „Stopover-Programme" ausgearbeitet, die den Fluggästen erhebliche Vergünstigungen beim Besuch der Frankfurter Sehenswürdigkeiten, wie Museen, Zoo und Palmengarten sowie bei der Beteiligung an der Stadtrundfahrt einräumen. In ähnlicher Weise wurden auch die Gäste des Programms „Himmelblaues Wochenende" bevorzugt.

Ein weiteres Programm unter der Losung „3 Tage Frankfurt links und rechts des Mains" zielt darauf ab, Gästen an Wochenenden besondere Vergünstigungen, angefangen von Reduzierungen der Hotelpreise bis zum freien Eintritt der Museen, einzuräumen. Die effektive Beteiligung an den Programmen steckt jedoch noch im Anfangsstadium und es bedarf weiterer Verbesserungen der Angebote, um zu einer erheblichen Steigerung der Übernachtungszahlen beizutragen. Auf dem Sektor des Tagungs- und Kongreßwesens ist es nicht gelungen, die Position Frankfurts als einer führenden Kongreßstadt, die sie einmal gewesen ist, zurückzugewinnen. Wenn es auch im Berichtszeitraum eine größere Anzahl mittlerer und kleinerer Kongresse gegeben hat, so kann nicht übersehen werden, daß Frankfurt am Main heute nicht mehr zu den führenden Kongreßstädten der Bundesrepublik gehört. Um diese Situation zu ändern, wäre die Errichtung eines modernen Kongreßzentrums erforderlich, das den Anforderungen, die heute von Veranstaltern gestellt werden, genügt. Solche Kongreßzentren werden zur Zeit in Hamburg und Berlin errichtet, auch in München und Stuttgart sind die Einrichtungen für Kongresse wesentlich verbessert worden oder es sind Verbesserungen vorgesehen. Sollte sich Frankfurt am Main dieser Entwicklung nicht anschließen, so ist damit zu rechnen, daß das Kongreßgeschäft noch mehr als in der Vergangenheit an unserer Stadt vorbeigehen wird.

Städtische Industriegebiete

Im Berichtszeitraum konnten im Wege von Grundstückstauschgeschäften weitere 50000 qm unerschlossene Streuparzellen im Industriegebiet Oberhafen erworben werden. Im gleichen Zeitraum wurden ca. 100000 qm im Wege des Erbbaurechts vergeben und zudem ca. 108000 qm an Firmen vermietet. An Erschließungsmaßnahmen wurden insgesamt 3100000,-DM für das Industriegebiet Oberhafen aufgewendet und aus der Rücklage zur Erschließung von Industriegebieten finanziert. Insbesondere wurde damit die Ferdinand-Porsche-Straße im Industriegebiet Oberhafen gebaut. Im Berichtszeitraum konnte außerdem die Karl-Benz-Straße fertiggestellt und damit die direkte Verbindung zwischen der Hanauer Landstraße und der Offenbacher Brücke (Carl-Ulrich-Brücke) hergestellt werden. In den übrigen Industriegebieten wurden weitere Verbesserungen, wie Herstellung von Bürgersteigen usw., vorgenommen. Der Grundbesitz des Amtes für Wirtschaft betrug am 1.1.1972 in den Industriegebieten rd. 2090000 qm. Bei der Firmenansiedlung überwiegt die Zahl der Interessenten aus dem Handels- und Dienstleistungsbereich. Die Zahl der ansiedlungswilligen Interessenten aus dem Produktionsbereich ist rückläufig.

Städtische Gaststätten

Vom Amt für Wirtschaft werden zur Zeit folgende Gaststätten verwaltet:

  • Restaurantbetriebe Hauptwache,
  • Terrassen-Cafe Kranzler,
  • Steinernes Haus,
  • Cafe Odeon,
  • Waldgaststätte Oberschweinstiege,
  • Frankfurter Haus,
  • Lohrbergschänke,
  • Bornheimer Ratskeller,
  • Friedberger Warte,
  • Down by the Riverside -Mainkai 7.

Am 1.10.1968 wurde das Cafe Hauptwache wieder eröffnet, das am 1.10.1965 wegen der U-Bahn-Bauarbeitsn seinen Betrieb eingestellt hatte. Zum historischen Gebäude, in dem das Cafe betrieben wird, kamen in den beiden darunter liegenden Ebenen weitere gastronomische Räumlichkeiten hinzu, die insgesamt von der A. Steigenberger Hotelgesellschaft KGaA bewirtschaftet werden.

 
Quelle: Jahresberichte der Stadt Frankfurt 1945-72
frankfurt baut auf