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Berichtszeitraum: 1945-65
Dem Beschaffungsamt obliegt die Beschaffung, Lagerhaltung
und Ausgabe des gesamten Sachbedarfs mit Ausnahme elektrotechnischer
Artikel, Baumaterialien und Kraftfahrzeugen. Zu diesem Zweck werden
einzelne Läger unterhalten, aus denen grundsätzlich alle
im Warenverzeichnis aufgeführten Gegenstände von den Bedarfsstellen
gegen Verlangschein bezogen werden können. Ferner werden in
der Druckerei und Buchbinderei vorwiegend Arbeiten verrichtet, die
sich ihrem Charakter nach nicht zur Vergabe an private Betriebe
eignen. Außerdem besteht eine Werkstätte zur Instandhaltung
von Büromaschinen. In diesen Werkstätten sind jedoch keineswegs
Regiebetriebe zu erblicken. Hauptsächlich werden Drucksachen,
aber auch Buchbinderarbeiten und Maschinenreparaturen nach den Bestimmungen
der VOL und den hierzu erlassenen Vorschriften im Ausschreibungsverfahren
an geeignete private Unternehmen vergeben.
Bei allen Beschaffungsvorhaben hat sich in organisatorischer,
wirtschaftlicher und finanzieller Hinsicht der Vorteil eines straffen
zentralen Einkaufes ganz eindeutig abgezeichnet. Hierdurch wurde
folgendes erreicht:
Hohe Mengenrabatte und Kassenskonti, möglichst
bei sämtlichen Einkäufen. Durch die Koordinierung des
Bedarfs von Institutionen gleicher Art erhebliche zusätzliche
Umsatzboni. Beanspruchung der vorteilhaftesten Bezugsquellen (soweit
als möglich Ausschaltung des Zwischenhandels). Ausnutzung der
Konjunktur durch Hereinnahme günstiger Gelegenheitsposten.
Zurückführung nicht verantwortbarer Anforderungen auf
ein der Finanzierung aus öffentlichen Mitteln entsprechendes
Niveau. Gleichmäßigkeit der verschiedenen Einrichtungsgegenstände
und Verbrauchsgüter hinsichtlich Art, Qualität und Aufwand.
Saubere Durchführung der Vergabe von Lieferungen und Leistungen.
Im Berichtszeitraum wurden noch weitere Aufgaben
wahrgenommen. Es ist hier vor allem an die Marktbeobachtung und
an die Markterforschung, die fachkundige Beratung aller Bedarfsstellen
und nicht zuletzt an die ständige Weiterentwicklung und Verbesserung
von für die Verwaltung besonders wichtigen Gegenständen
und Waren gedacht.
Nach der Vernichtung fast aller Betriebe und Unternehmen
wurde im Jahre 1945 in mühseliger Kleinarbeit das Beschaffungswesen
wieder neu aufgebaut und eingeführt. Das Beschaffungsamt wurde
in noch zum großen Teil vom Kriege zerstörten Behelfsräumen
untergebracht. Die Verbindungen zu Handel, Handwerk und Industrie
mußten erst wieder geknüpft und neue günstige Einkaufsquellen
zur Deckung des vielfältigen Bedarfs erschlossen werden. Nach
dem Wiedereintritt geordneter Verhältnisse und dem Einzug des
Amtes in geeignete Räume des Rathauses und der wieder erstandenen
Liegenschaft Mühlbruchstraße sind in den folgenden Jahren
im Zuge des Wiederaufbaues unserer Stadt große Anforderungen
an das Amt gestellt worden.
So ist das Beschaffungsamt neben der laufenden
Versorgung aller Ämter, Betriebe, Schulen, Gesellschaften,
Krankenanstalten u.a. Institutionen mit den zu ihrem Fortbestand
und der Erfüllung ihrer Aufgaben notwendigen Waren, Gütern
und Gegenständen in den vergangenen 20 Jahren mit der Erstausstattung
einer stattlichen Reihe von Neubauten befaßt worden. Es handelt
sich hierbei vor allem um Möbeleinrichtungen, Fenster- und
Bühnendekorationen, textile Bodenbeläge, Wäsche sowie
Küchen- und Werkraumeinrichtungen.
In der Berichtszeit wurden folgende größere
Neubauten ausgestattet: Stadt- und Universitätsbibliothek,
Volksbüchereien, Nord-West-Krankenhaus, Krankenhauserweiterungsbauten,
Mütterschutzheime, 5 Sozialstationen mit Kindergärten
und Kinderkrippen, Kraftfahrzeugzulassungsstelle, 6 Bürgergemeinschaftshäuser,
8 Personalwohnhäuser mit insgesamt 726 Zimmern, 40 Volksschulen,
8 Mittelschulen, 12 Gymnasien, 10 Berufsschulen, 3 Sonderschulen,
108 Schulpavillons mit 216 Einzelklassen, 41 Kindertagesstätten.
Konzept "Kita"
Auf dem textilen Sektor sind hauptsächlich
bei der Beschaffung von Krankenhauswäsche und -matratzen sowie
Uniformtuchen und Kunststoff-Fasergeweben Weiterentwicklungen und
Koordinierungen erfolgt. Bemerkenswert ist die Schaffung einer einheitlichen
Bekleidung für alle städtischen Uniformträger.
Im Jahre 1959 ist die Abteilung Büromaschinen
mit Werkstatt vom Amt für technische Anlagen losgelöst
und dem Beschaffungsamt angegliedert worden. In der Folgezeit wurde
der Einkauf aller Büromaschinen sowie deren Wartung und Instandsetzung
grundlegend reorganisiert. Heute sind rund 8500 Büromaschinen
zu verwalten und instandzuhalten. Es handelt sich um mechanische
und elektrische Schreibmaschinen, Additions-, Rechen- und Buchungsmaschinen
sowie Automaten und Spezialgeräte.
Der Erwähnung bedarf auch die Brennstoffversorgung
aller Ämter, Krankenhäuser, Schulen, Betriebe, Gesellschaften
usw. in dem strengen und lang anhaltenden Winter 1962/63.
Es ging erstrangig um die Herbeischaffung der benötigten
großen Mengen Heizöl und Koks. Der Notstand war hauptsächlich
in der Lösung des Transportproblems, d.h. der Heranführung
des wertvollen Öles von den Raffinerien zu den leeren Tanklagern
der Ölfirmen und nicht zuletzt an die Bedarfsstellen zu suchen.
Diese Schwierigkeiten sind rechtzeitig erkannt und mit Umsicht und
Tatkraft ausgeräumt worden, so daß die Versorgung der
Stadt sichergestellt werden konnte. Infolge starker Arbeitsvermehrung
und dem Hinzukommen neuer Aufgaben, begünstigt durch eine lang
anhaltende Hochkonjunktur, sind die jährlichen Umsätze
sichtlich gestiegen. Der Umsatz betrug 1948 = 2,8 Mill. DM, 1955
bereits 12 Mill. DM und schließlich 1964 über 24 Mill.
DM.
Durch Vereinheitlichungen auf allen Warengebieten,
Arbeitseinsparungen, Abschlüsse von Rahmenverträgen, Einführung
einer permanenten Inventur und Neuorganisation des Verrechnungswesens
war es möglich, diesem vermehrten Arbeitsaufwand trotz einer
dauernden Personalnot wirksam zu begegnen.
Berichtszeitraum: 1965-68
Beim Beschaffungsamt sind seit Beginn des Jahres
1965 wiederum Schwierigkeiten auf dem personellen Sektor entstanden.
Teils durch Pensionierung, teils durch Kündigung sind einige
Fachkräfte ausgeschieden. Infolge des Lohn- bzw. Gehaltsangebotes
seitens der Stadt sind insbesondere 4 Planstellen in der Druckerei
und Buchbinderei (= 30% des Stellensolls) seit Jahren unbesetzt.
Dadurch mußten sehr viele Druckaufträge an private Unternehmen
vergeben werden, die oftmals bis zu 50% über dem Preisniveau
der Hausdruckerei lagen. Außerdem führten die Stillegung
bzw. unwirtschaftliche Ausnutzung des vorhandenen modernen Maschinenparkes
zu ungünstigen Betriebsergebnissen. Um der Unwirtschaftlichkeit
zu begegnen, wurde im Sommer 1965 das sogenannte Foto-Direkt-Verfahren
eingeführt. Damit wurde der Druckerei die Möglichkeit
eröffnet, mit verhältnismäßig geringem Aufwand
sehr schnell auf fotografischem Wege zu einer Druckplatte - allerdings
aus Papier - zu gelangen (alter Preis = 60,- DM - neuer Preis =
6,- DM). Diese Anlage hat sich voll bewährt. Viele Aufträge
konnten im eigenen Hause mit Kostenersparnissen bis zu 75% des seitherigen
Vergabewertes hergestellt werden. In der Büromaschinen-Werkstatt
konnte die Personallage durch Einstellung von 2 Fachkräften
verbessert werden. Dadurch war das Beschaffungsamt in der Lage,
Wartungsverträge mit privaten Firmen zu kündigen und so
der Stadt größere Ausgaben (ca. 50000,- DM jährlich)
zu ersparen. Außerdem wurde der Reparaturdienst in verstärktem
Umfange von städtischen Dienstkräften übernommen.
Mit Ablauf des Monats Juni 1968 ist der seitherige
Leiter des Amtes, Herr Obermagistratsrat Freyer, in den Ruhestand
getreten. Zum Berichtszeitpunkt war ein Nachfolger noch nicht bestimmt.
Die im Jahre 1967 begonnene Zentralisierung des
Rechnungswesens innerhalb des Amtes hat sich bisher bewährt.
Die Hollerith-Lagerbuchhaltung wurde im Zusammenhang mit der Einführung
der Mehrwertsteuer verschiedenen Änderungen unterworfen.
Ab 1.1.1968 ist die seither beim Personalamt geführte
Adrema, die mit mehr als 50% für andere Dienststellen tätig
wird, dem Beschaffungsamt angegliedert worden. Ab Rechnungsjahr
1969 sollen die Arbeiten dieser Abteilung den auftraggebenden Ämtern
in Rechnung gestellt werden, um ähnlich wie bei Druckerei und
Büromaschinen-Werkstatt die Kostendeckung zu erreichen. Dies
bereitet mit Rücksicht auf die vorhandene Hollerith-Lagerbuchhaltung
keine Schwierigkeiten.
Außerdem wird das Amt zur Zeit durch die
Organisationsabteilung des Hauptamtes einer eingehenden Überprüfung
unterzogen, um gewisse Rationalisierungsmöglichkeiten im Zusammenwirken
mit den städtischen Dienststellen zu ermöglichen. Hierbei
ist insbesondere an eine Straffung des gesamten Ein- und Verkaufes
der Verwaltung gedacht.
Im Rahmen seiner Einkaufstätigkeit hat das
Beschaffungsamt mit langfristigen Abrufaufträgen bzw. Rahmenverträgen
und einer angemessenen Lagerhaltung den Bedarf der städtischen
Dienststellen gedeckt. Hierbei hat sich der Trend zum Festpreis
bis zur Abwicklung der Einzelaufträge als besonders günstig
erwiesen. In der Berichtszeit wurden folgende größere
Neubauten ausgestattet:
15 Schulen, Kindertagesstätten, Krankenhaus
Höchst, Personalwohnhaus Nerven- und Uniklinik, verschiedene
Polizeidienststellen, verschiedene Heime der Sozialverwaltung. Die
Umstellung der Polizeiuniform von Blau auf Grün im Jahre 1967
brachte der Textilabteilung eine starke Arbeitsbelastung. Gegen
Ende des Jahres 1966 hat sich deutlich ein Rückgang der industriellen
Produktion und eine Verminderung der Umsätze bei Handwerk und
Handel abgezeichnet.
Die Umsätze betrugen:
- 1965 = 24,24 Mio DM
- 1966 = 23,26 Mio DM
- 1967 = 23,25 Mio DM
Im Rahmen der allgemeinen Sparmaßnahmen wurde
ferner angeordnet, daß das Beschaffungsamt gebrauchtes und
nicht mehr benötigtes Mobiliar bei den Ämtern erfaßt
und eventuellen Neubedarf damit deckt. In engster Zusammenarbeit
mit dem Hauptamt konnten seit Beginn der Aktion im Sommer 1967 in
45 Fällen Neuanschaffungen vermieden werden. Im einzelnen handelte
es sich u. a. um 35 Schreibtische, 24 Bürotische, 17 Schränke
und 62 Stühle. Nach vorsichtiger Schätzung hätten
hierfür etwa 18000,- DM aufgewendet werden müssen. Die
im Frühsommer 1967 im Nahen Osten ausgebrochenen Feindseligkeiten
müssen erwähnt werden, da sie direkte Belieferungsschwierigkeiten
auf dem Heizölsektor mit sich brachten. Durch die Unpassierbarkeit
des Suezkanals und die von den arabischen Staaten verhängte
Liefersperre war die Lieferung von Erdöl für etliche Monate
erschwert. Eine Preissteigerung von ca. 20% war nicht zu vermeiden.
Im Jahre 1968 ist nach den seitherigen Beobachtungen wieder mit
einer Umsatzsteigerung zu rechnen.
Berichtszeitraum: 1969-72
Der Bericht des Hauptamtes für eine Organisationsuntersuchung
beim Beschaffungsamt vom März 1970 hatte eine Neuorganisation
und Straffung des Beschaffungswesens zur Folge. Die darin festgelegten
organisatorischen Veränderungen konnten zwischenzeitlich realisiert
werden und brachten insbesondere folgende Auswirkungen:
- 1. Reduzierung der Einkaufsabteilungen von 6
auf 3 Abteilungen
- 2. Zusammenfassung der technischen Dienste in
einer Betriebsabteilung
- 3. Bildung einer Verwaltungsabteilung, der auch
der gesamte Verkauf obliegt
- 4. Zusammenlegung der Läger und des Auslieferungsdienstes
im Lager Mühlbruchstraße.
Zwar konnten in diesem Zusammenhang 8 Planstellen
gestrichen werden, es zeigt sich aber immer wieder, daß infolge
des geringen Lohnangebotes ausscheidende Fachkräfte sehr schwer
zu ersetzen sind. Könnten in den eigenen Werkstätten z.B.
mehr Druckaufträge oder Maschinenreparaturen ausgeführt
werden, wäre damit ein weitaus größerer wirtschaftlicher
Nutzen zu erzielen als durch die Einsparung von Personenkosten allein.
Eine intensive Beobachtung des Dienstleistungsmarktes beweist das.
Im Rahmen der Einkaufstätigkeit und der Marktbeobachtung müssen
auch die im Berichtszeitraum zum Teil erheblichen Preiserhöhungen
bei allen Branchen erwähnt werden. Lediglich durch die Ausschreibung
von großen Mengen an Verbrauchsgütern, den Abschluß
von langfristigen Abrufaufträgen und Rahmenverträgen mit
Druckereien und Büromaschinenwerkstätten konnten trotz
hohem Preisniveau größere Preisvorteile erzielt werden.
In diesem Zusammenhang muß erneut auf die Wichtigkeit der
zentralen Bedarfsermittlung und Bedarfsdeckung und die damit zu
erreichenden Einkaufsvorteile verwiesen werden. Diesem Umstand sollen
neue Richtlinien für das Beschaffungswesen Rechnung tragen,
die z.Zt. erarbeitet werden. Durch die Neuregelung des Direkteinkaufs
erhielten die städtischen Dienststellen die Möglichkeit,
bei von uns vertraglich verpflichteten und namhaft gemachten Firmen
direkt zu vom Beschaffungsamt ausgehandelten Preisen einzukaufen.
Das bringt eine Verminderung des Verwaltungs- und Lageraufwandes
mit sich, ohne daß Preisvorteile verloren gehen. Nennenswerte
Engpässe bei der Versorgung mit Vermögensgegenständen
und Verbrauchsmaterialien waren nicht zu verzeichnen mit Ausnahme
des Brennstoffsektors, wo es vorübergehend zu einer Verknappung
von Koks gekommen war. Die Raumsituation des Amtes konnte zufriedenstellend
gelöst werden; lediglich die Unterbringung des Lagers müßte
noch durch einige bauliche Veränderungen verbessert werden,
um optimale Lagermöglichkeiten und Versorgung unserer rund
550 Abnehmerstellen zu erreichen.
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