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Berichtszeitraum: 1945-65
Der Frankfurter Flughafen ging aus dem Krieg als
Trümmerfeld hervor. Mehr als 2000 Bomben haben das Rollfeld
unbrauchbar gemacht, die meisten Gebäude schwer, die Flugzeughalle
(die heutige Halle 1), das Betriebsgebäude und die Tankdienstanlagen
zu mehr als 60 Prozent zerstört.
In dieser für die deutsche Luftfahrt hoffnungslosen
Situation gehen vier Betriebsangehörige mit Schaufel und Spitzhacke
ans Werk, um vor allem das noch vorhandene hochwertige Material
und die Reste der zerstörten Versorgungsanlagen zu retten.
Die amerikanische Luftwaffe, die den Flughafen benutzt, erteilt
Aufträge. Das Strom- und Wasserversorgungsnetz wird noch 1945
instandgesetzt. Im Februar 1946 werden der Gesellschaft die Unterhaltungsarbeiten
an Gebäuden und Einrichtungen und der Betrieb der Versorgungsanlagen
übertragen. Amerikanische Feldtruppen legen mit Hilfe von deutschen
Kriegsgefangenen die erste Startbahn mit einer Länge von 1800
m und einer Breite von 45 m an. Zum südlichen Flughafengebiet,
dem ehemaligen Luftschiffhafen, werden Verbindungsrollbahnen gebaut.
1946 sind auch Empfangsgebäude und Flugzeughalle soweit instandgesetzt,
daß ein beschränkter Luftverkehr der Besatzungstruppen
aufgenommen werden kann. Im Mai 1946 ergeht an den Ministerpräsidenten
des Landes Hessen die Weisung, den Rhein-Main-Flughafen weiter auszubauen.
Der Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main als Bauherr
beauftragt die Südwestdeutsche Flugbetriebs-AG mit den Aufbauarbeiten.
Am 18. Mai 1946 landet als erste Verkehrsmaschine
nach Kriegsende ein Flugzeug der American Overseas Airlines. Als
erste planmäßige Strecke einer europäischen Fluggesellschaft
wird am 15. August 1946 die Route Kopenhagen - Zürich -Marseille
der Skandinavischen Luftverkehrsgesellschaft eröffnet.
Die Organe der Gesellschaft werden durch das Kontrollratsgesetz
52 aufgelöst. Der Hessische Finanzminister bestellt Oberverwaltungsdirektor
Adolf Kohl zum Treuhänder. An die Spitze eines vom Amtsgericht
eingesetzten Aufsichtsrats tritt der neue Oberbürgermeister
von Frankfurt, Walter Kolb. Im Erbbauverhältnis mit der Stadt
errichtet die Gesellschaft aus Trümmersteinen neben dem Forsthaus
Unterschweinstiege ein neues Verwaltungs- und Betriebszentrum. Der
Name "Südwestdeutsche Flugbetriebs-AG Rhein-Main"
wird durch "Verkehrs-Aktiengesellschaft Rhein-Main" ersetzt.
Ein am 25. September 1947 von den Aktionären
gewählter Aufsichtsrat übernimmt seine Funktionen, Oberverwaltungsdirektor
Kohl wird Vorstandsmitglied der Gesellschaft. Zum 1. Januar 1948
werden die beiden Geschäftsführer, der von der Stadtverwaltung
Frankfurt am Main abgestellte Verwaltungsdirektor Hans Grau und
der seit 1937 bei der Gesellschaft tätige Ingenieur Rudolf
Lange, zu weiteren Vorstandsmitgliedern bestellt.
Im März 1948 wird die Vermögensüberwachung
beendet. Nach der Währungsreform am 20. Juni 1948 wird das
inzwischen auf 3 Millionen Reichsmark erhöhte Grundkapital
auf 1,8 Millionen DM umgestellt.
Die unmittelbar nach dem Krieg geschaffene Startbahn
ist bis 1949 die alleinige betriebstechnische Grundlage für
den gesamten militärischen und zivilen Flugverkehr und somit
auch für die Luftbrückenflüge Frankfurt-Berlin. In
Frankfurt am Main startet in jenen politisch so überaus schwierigen
Tagen alle drei Minuten ein Flugzeug im Tag- und Nachteinsatz. Die
Startbahn weist bald erhebliche Schäden auf. Es wird deshalb
1949 eine zweite Startbahn von 2150 m Länge angelegt und die
erste überholt und verbessert.
Durch Vertrag mit der US-Zivilluftfahrtbehörde
wird die Gesellschaft ab 1. Dezember 1949 wieder Träger der
Bodenorganisation für den zivilen Luftverkehr. Als neue Aufgabe
kommt der Vorfelddienst, die Abfertigung der Flugzeuge, hinzu. Da
es eine deutsche Luftverkehrsgesellschaft seit der Kapitulation
nicht mehr gibt, wird der Flughafen ausschließlich von ausländischen
Gesellschaften angeflogen, und zwar im innerdeutschen wie im europäischen
und transatlantischen Dienst.
Die zweite Startbahn war am 22. Dezember 1949 dem
Verkehr übergeben worden. "Mit ihr ist Rhein-Main",
so berichtet der Vorstand, "zu einem der führenden und
bestausgestatteten Flughäfen in Europa geworden". Das
Grundkapital wird 1950 von 1,8 auf 4,8 und 1951 auf 6,8 Millionen
DM erhöht. Vermögensteile der "Rhein-Main Luftschiffhafen
GmbH" in Höhe von 1,14 Millionen DM werden als Bundesbeteiligung
in die Verkehrs-Aktiengesellschaft eingebracht. Zur Deckung des
wachsenden Investitionsbedarfs werden von den Aktionären weitere
4,06 Millionen DM zur Verfügung gestellt. Damit erhöht
sich das Grundkapital auf 12 Millionen DM. Von Pfingsten 1950 an
ist der Flughafen wieder für den Besucherverkehr freigegeben.
Ein Tanklager und ein Tankdienstgebäude wurden erstellt, das
Empfangsgebäude aufgestockt .
1952 wird ein Instrumenten-Landesystem installiert,
ein Jahr später Deutschlands derzeit größte Flugzeughalle
in Betrieb genommen. Ein Feuerwehr-, das Luftpostgebäude und
ein Betriebsbürogebäude werden gleichfalls ihrer Bestimmung
übergeben. 1954 wird eine zweite elektronische Landehilfe -
ein Präzisions-Anflug-Radargerät - in Dienst gestellt,
ein Jahr darauf durch ein Rundsicht-Radargerät für den
Nahbereich ergänzt. "Rhein-Main" erhält als
erster deutscher Flughafen ein Frachtabfertigungsgebäude. Schon
1956 muß es erweitert werden, ebenso das Empfangsgebäude.
Für die Flugsicherung wird ein moderner Kontrollturm fertiggestellt
.
Aus der "Verkehrs-Aktiengesellschaft Rhein-Main" wird
1954 die "Flughafen Aktiengesellschaft Frankfurt/Main"
und später die jetzt gültige Bezeichnung "Flughafen
Frankfurt/Main Aktiengesellschaft". Durch Landesgesetz wird
der Kommunalverband für den Regierungsbezirk Wiesbaden, der
Aktionär der Gesellschaft ist, aufgelöst und der Aktienanteil
an das Land Hessen übergeführt. Dadurch wird Hessen größter
Aktionär der Gesellschaft und stellt in der Person des Ministerpräsidenten
Dr. Georg-August Zinn den Vorsitz des Aufsichtsrates. Der Frankfurter
Oberbürgermeister, der bisher den Vorsitz führte, übernimmt
die Stellvertretung. Stadtkämmerer Dr. Klingler wirkt seit
Kriegsende als Vorsitzer des Finanzausschusses im Aufsichtsrat tätig
mit. Die Zahl der Aufsichtsratsmitglieder wird auf 15 erhöht,
davon stellen die Aktionäre zehn und die Arbeitnehmer fünf.
Das Aktienkapital wird von 12 Millionen DM auf 24175000,- DM erhöht.
Am 5. Mai 1955 erhält die Bundesrepublik Deutschland
die Lufthoheit zurück. Eine neue "Deutsche Lufthansa"
entsteht. Bedeutung und Aufgabenbereich des Frankfurter Flughafens
vergrößern sich abermals: "Rhein-Main"wird
Schnittpunkt der Luftverkehrslinien der Deutschen Lufthansa.
1960 wird die große Wartungshalle fertig
Am 20. September 1956 verliert die Gesellschaft
ihren langjährigen Aufsichtsratsvorsitzer, Oberbürgermeister
Dr. h.c. Walter Kolb. Das nebenamtliche Vorstandsmitglied, Oberverwaltungsdirektor
Kohl, tritt aus dem Vorstand aus. An seine Stelle wird der Staatssekretär
im Hessischen Finanzministerium, Dr. Otto Krauß, berufen.
Aus dem hauptamtlichen Vorstand scheidet am 1. Januar 1956 Verwaltungsdirektor
Hans Grau aus und übernimmt wieder Aufgaben in der städtischen
Verwaltung. An die Seite des verbleibenden hauptamtlichen Vorstandsmitgliedes
Rudolf Lange, der die Entwicklung des Flughafens seit 1937 miterlebt
hat, wird am 1. April 1956 Walter Luz in den Vorstand berufen.
Die Düsenflugzeuge kündigen sich an.
1957 wird die Startbahn Nord zunächst auf 3000 m verlängert
und mit einer Hochleistungsbefeuerung versehen. Zur schnelleren
Betankung der bis zu 90000 l Kraftstoff fassenden Strahlturbinen-Giganten
erstellt die Esso AG eine Unterflurtankanlage. Für die Deutsche
Lufthansa wird eine weitläufige Wartungsbasis als Betriebszentrum
ihrer Langstrecken-Strahlflotte projektiert. Deren erster Abschnitt,
das zentrale Borddienstgebäude, ist 1959 fertiggestellt. Die
Länge der Startbahnen reicht nicht aus - in Etappen verlängert
man die Startbahn Nord auf 3900, die Startbahn Süd bis zum
Jahre 1964 auf 3750 m. 1960 nimmt die Deutsche Lufthansa ihre Strahlturbinenflugzeuge
in Betrieb, ihre große Doppelkandelaber-Flugzeughalle wird
fertig, bis zum Jahresende auch das Verwaltungsgebäude der
LH-Basis. Für die Schulung wird ein stationärer Boeing-Simulator
eingerichtet. Die Flugwetterwarte erhält ein Radargerät
zur Beobachtung von Wolkenfeldern. Der durch das rasch anwachsende
Verkehrsaufkommen bedingte weitere Ausbau des Flughafens macht 1960
die Erhöhung des Grundkapitals auf 30 Millionen DM und drei
Jahre später auf die zur Zeit gültige Summe von 46 Millionen
DM erforderlich. Ein Erweiterungsbau verdreifacht die Kapazität
des Luftfrachtgebäudes. Für Flughafenbesucher wird ein
neues Aussichtsrestaurant errichtet. Diese notgedrungen stark geraffte
Aufzählung zeigt, daß die Frankfurter Flughafenverwaltung
seit Jahren ohne Unterlaß planen, bauen, erweitern, vergrößern
mußte. Dieser Prozeß ist bei weitem noch nicht abgeschlossen.
Rund 180 Millionen DM wurden seit Kriegsende investiert - rund 400
Millionen DM Investitionen stehen fest bevor. Bislang war es noch
möglich, das Fluggast-Abfertigungsgebäude zu erweitern
und zu modernisieren. Im Jahre 1963 wurden besonders tiefgreifende
Veränderungen vorgenommen ,
die einen Durchgang von rund 5 Millionen Passagieren pro Jahr ermöglichen
werden. Damit aber dürfte die Ausbaufähigkeit der in einigen
Bauteilen auf das Jahr 1936 zurückgehenden Anlage restlos erschöpft
sein. Auf rund 800000 Quadratmeter Fläche entsteht das neue
Abfertigungszentrum für ein Jahresaufkommen von zehn bis zwölf
Millionen Fluggästen.
Die Anlage wird nach ihrer Fertigstellung - voraussichtlich
im Jahre 1968 - zu den modernsten der Welt gehören. Der Fluggast
wird alle Annehmlichkeiten genießen, die dem schnellsten,
fortschrittlichsten Verkehrsmittel angemessen sind. Das Gebäude,
für dessen Erstellung 300 Millionen DM angesetzt sind, wird
für den Frankfurter Flughafen einen neuen Beginn setzen.

der Frankfurter Flughafen,
ca 1962, davor das Frankfurter Kreuz 
Berichtszeitraum: 1965-68
Verkehrsentwicklung
Das seit Jahren auf dem Frankfurter Flughafen in
allen Bereichen des Luftverkehrs kontinuierlich steigende Verkehrsvolumen
sichert ihm seine Spitzenposition unter den deutschen Flughäfen
und seine Stellung in der Spitzengruppe der westeuropäischen
Verkehrsflughäfen. Seit 1965 wurden folgende Aufkommenswerte
erreicht:
| |
1968
|
1967
|
1966
|
1965
|
| Flugzeugbewegungen |
166657
|
161949
|
148566
|
136370
|
| Fluggäste |
7050459
|
6256045
|
5663103
|
4875850
|
| Luftfracht (t) |
229896
|
179254
|
158707
|
124929
|
| Luftpost (t) |
51403
|
46198
|
42733
|
37169
|
Eine allgemein konjunkturell bedingte Abschwächung
der Zunahme des Luftfrachtverkehrs zu Beginn des Jahres 1967 machte
bald wieder dem seit Jahren als normal bekannten stärkeren
Anstieg Platz. Der bisherige Aufwärtstrend hat sich auch im
Verlaufe des Jahres 1968 mit Steigerungsquoten von 2,9% (Flugzeugbewegungen),
12,7%, (Fluggäste), 28,2%, (Luftfracht) und 11,3% (Luftpost)
fortgesetzt.
Frankfurt wurde im Jahre 1967 von 51 Luftverkehrsgesellschaften
im Linienverkehr und von 81 Fluggesellschaften im Gelegenheitsverkehr
angeflogen. Insgesamt bestanden im Sommer 1967 vom Frankfurter Flughafen
1770 Verbindungen nach 130 Städten in 70 Ländern aller
Erdteile. Im Frankfurter Luftverkehrsangebot der letzten Jahre verzeichnete
der Verkehr mit den osteuropäischen Staaten eine günstige
Entwicklung.
Baumaßnahmen
Um allen aus der bisherigen und künftigen
Verkehrsentwicklung resultierenden Kapazitätsanforderungen
entsprechen zu können, hat die Flughafen Frankfurt/Main AG
(FAG) in den vergangenen Jahren eine Reihe dringender Baumaßnahmen
durchgeführt oder geplant. Im Frühjahr 1965 wurde die
von 3000 m auf 3750 m verlängerte Startbahn Süd (07R/25
L) in Betrieb genommen. Frankfurt wurde von der internationalen
Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) in die Flughafenkategorie A-1
eingestuft. Als erste Vorbereitungen für den Allwetterflugbetrieb
wurden die erforderlichen Instrumenten-Landeanlagen installiert.
Vorfelderweiterungen, der Bau von Gerätehallen, einer Gepäckhalle
für das Transit-Gepäck, einer Feuerwehr-Außenstation
schufen zusätzliche Abfertigungspositionen. Die Lagerkapazität
für Turbinenkraftstoffe wurde durch den Bau von zwei weiteren
Lagerbehältern auf insgesamt 25 Mio Liter erhöht. Zur
Entlastung der Empfangsanlage in den Spitzen-Verkehrsstunden wurde
für den innerdeutschen Verkehr eine Inlandhalle von rund 6000
qm errichtet.
Zur weiteren Vereinfachung und Beschleunigung der
Frachtabfertigung wurde im September 1966 eine zentrale Zoll- und
Freifrachtlagerverwaltung eingeführt. Ergänzt wurden diese
auf die Gewinnung von Raum für den Güterverkehr abgestellten
Bauten durch zwei Büro-Fertighäuser im Luftfrachthof
und ein Gebäude für die amerikanische Luftpost-Umschlagstelle.
Außerdem werden z.Zt. ein größeres Frachtgebäude
für zwei amerikanische Fluggesellschaften gebaut und verschiedene
Vorfeldflächen überdacht. Auf Vorschlag des Magistrats
der Stadt Frankfurt erfolgte die Zusammenfassung der bisher einzeln
von den Fluggesellschaften betriebenen Omnibus-Zubringerdienste
Stadt-Flughafen in einem auf die Bedürfnisse eines City-Air-Centers
zugeschnittenen Bürohaus in der Nähe des Hauptbahnhofes
(Mannheimer-Ecke Karlsruher-Straße). Die FAG hat die auf Straßenebene
liegende Halle mit Galeriegeschoß (ca. 365 qm Fläche)
gemietet und zu einer modernen Aufenthaltshalle für die Fluggäste
ausgestaltet.
Am 16. Juni 1965 legte der Hessische Minister für
Wirtschaft und Verkehr den Grundstein für die neue Empfangsanlage
West .
Nach Fertigstellung des ersten Parkhauses für 1000 Fahrzeuge
sind die Rohbauarbeiten an den Hauptabschnitten der neuen Anlage
(Halle und Bürogebäude Mitte, Keller und Tiefkeller, Flugsteigfinger)-
bis Jahresmitte 1968 entscheidend vorangetrieben worden.
Die Anbindung der neuen Abfertigungsanlage-West
an das Zufahrtstraßensystem wird noch in diesem Jahre zügig
weitergeführt. Der Bau des Zubringers zum Autobahnanschluß
im Zuge der Verlegung der Bundesstraße 43 ist in Angriff genommen.
Im Hinblick auf die zu erwartende weitere Aufwärtsentwicklung,
Flugbewegungsdichte und notwendige Kapazitätssteigerung hat
der Hessische Minister für Wirtschaft und Verkehr außerdem
im Frühjahr 1968 den Plan zur Anlage einer 4000 m langen Nord-Süd-Startbahn
festgestellt. Inzwischen wurde das Planfeststellungsverfahren eingeleitet.
Diese Startbahn 18-West wird ausschließlich für Starts
nach Süden verwandt.
Für den ständig steigenden Flugtouristik/Pauschalflugreiseverkehr,
dessen Passagieraufkommen sich in den letzten Jahren überdurchschnittlich
gesteigert hat und für den Frankfurt eine führende Stellung
einnimmt, wird zur Zeit ein eigenes Abfertigungsgebäude errichtet.
Um die von Frachtexperten für die Zukunft
vorausgesagte expansive Luftfrachtentwicklung bewältigen zu
können, plant die FAG ein neues Frachtzentrum von 2,2 km Länge
und 600 m Tiefe, das eigene Abfertigungsanlagen für die größten
Fracht-Fluggesellschaften, einen Gleisanschluß, Containerumschlags-
und andere Einrichtungen aufweisen wird. Die Grundfläche des
neuen Frachtzentrums wird ungefähr 17 mal so groß sein
wie das heutige Gebiet von etwa 30000 qm Lagerfläche. Außerdem
erfordert der bevorstehende Einsatz der Großraumflugzeuge
auf der Lufthansa-Wartungsbasis den Bau einer Wartungshalle, die
in ihren Abmessungen zu den größten Projekten dieser
Art der Welt zählen wird. Sechs Großraumflugzeuge ("Jumbo-Jets")
oder 14 Flugzeuge des Musters Boeing-707 sollen dort auf 27000 qm
Grundfläche abgestellt werden können. Mit dem Bau wurde
im Frühjahr 1968 begonnen.
Wirtschaftliche
Bedeutung
Aus dem Planfeststellungsverfahren zum Ausbau des
Flughafens Frankfurt/Main geht eindeutig hervor, daß es im
öffentlichen Interesse liegende gewichtige ökonomische
Gründe sind, welche die Notwendigkeit unterstreichen, der Frankfurter
Luftverkehrsentwicklung die weitere Teilnahme am Aufschwung des
Flugverkehrs zum Nutzen des rhein-mainischen Wirtschaftsraumes zu
ermöglichen. Während Frankfurt bei Ausbaubeschränkungen
seine Stellung unter den deutschen und westeuropäischen Flughäfen
durch Abwanderungen, Neu- bzw. Umorientierung der Luftverkehrsströme
verlieren würde, und mit Betriebsverlagerungen in produzierenden
und tertiären Bereichen und infolgedessen mit schwerwiegenden
Folgen für die gesamte Wirtschaft dieses Raumes rechnen müßte,
wird der systematische Flughafenausbau als ein Motor des wirtschaftlichen
Wachstums für das ganze Rhein-Main-Gebiet weiterhin günstige
Folgewirkungen auf Beschäftigung und Einkommen haben.
Neuere Ermittlungen sowie Hochrechnungen haben
bei einer Beschäftigtenzahl von rund 15500 (Stand Anfang März
1968; einschließlich der Zivil-Beschäftigten auf dem
Militärflughafen) eine derzeitige Bruttolohnsumme (1968) von
etwa 335 Mio DM, ein Gesamtauftragsvolumen (Baumaßnahmen,
Einkauf von Betriebsmitteln) von 250 Mio DM und ein Handelsumsatzvolumen
auf dem Flughafen ansässiger Handels- und Dienstleistungsunternehmen
(Flugpassagen, Autokäufe, Übernachtungen) von annähernd
270 Mio DM ergeben. Der Gesamtbetrieb Flughafen als Arbeitgeber,
Auftraggeber und Handelsplatz bewirkt somit im Jahre 1968 direkte
Umsätze von insgesamt mehr als 850 Mio DM, die nachfragesteigernde
Impulse auf die Bauwirtschaft und vorgelagerte Produktionsstufen
auslösen, deren Beschäftigte wiederum mittelbar Einkommen
aus der Aktivität des Flughafens erzielen und als Nachfrager
am Markte in Erscheinung treten.
Diese Auswirkungen entziehen sich zwar in mancher
Hinsicht der genauen zahlenmäßigen Erfassung, lassen
aber trotzdem die ökonomische Schlüsselfunktion des Frankfurter
Flughafens deutlich erkennen.
Flugzeuglärm
Die starke Entwicklung des Verkehrs auf dem Frankfurter
Flughafen hat die Flughafen-Frankfurt/Main-Aktiengesellschaft veranlaßt,
Überlegungen anzustellen, die geeignet sind, vermeidbare Flugzeuglärmbeeinträchtigungen
zu mindern und auszuschalten. Mit einem Kostenaufwand von rund 1,3
Mio DM wurden die technischen und personellen Voraussetzungen für
ein Netz von Flugzeuglärmkontrollstellen geschaffen, das dem
Schutz der Bevölkerung vor vermeidbarem Fluglärm dient.
In enger Zusammenarbeit mit Behörden, Luftverkehrsgesellschaften,
der Kommission zur Abwehr des Fluglärms, dem Lärmschutzbeauftragten
des Hessischen Ministers für Wirtschaft und Verkehr und der
US-Air-Force sind verbesserte An- und Abflugverfahren geschaffen
worden.
Terminal-Ost 1965
Berichtszeitraum: 1969-72
Die Eröffnung des Terminals Mitte am 14. März
1972 durch Bundespräsident Dr. Gustav Heinemann markiert auf
dem Flughafen Frankfurt eine neue Etappe im Luftfahrtverkehr. Als
Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafen Frankfurt/Main AG sprach
Herr Finanzminister Rudi Arndt von einem mutigen Schritt in die
Zukunft, der auch für die Aktionäre eine gewaltige Anstrengung
bedeute, da immerhin - einschließlich der Flughafenbahn, der
Tiefgarage und anderer Anlagen - ein Investitionsvolumen in Höhe
von einer Milliarde Mark zu realisieren gewesen sei. Allein diese
Zahl, fuhr Arndt fort, weise auf die Schlüsselstellung des
Flughafens im Rhein-Main-Gebiet hin. Das Terminal Mitte hat eine
Kapazität von 30 Millionen Fluggästen im Jahr. 1972 werden
auf dem Flughafen Frankfurt rund 12,2 Millionen Passagiere erwartet,
nachdem das Fluggastaufkommen 1971 erstmals die 10 Millionen-Grenze
überschritten hatte. Den Prognosen nach wird das Terminal Mitte
allen Anforderungen des modernen Luftverkehrs bis in die achtziger
Jahre gewachsen sein. Der Flughafen Frankfurt bietet rund 25000
Beschäftigten einen sicheren Arbeitsplatz und bildet damit
für 75000 Menschen die unmittelbare Existenzgrundlage. Allein
die Zahl der Beschäftigten der Flughafen Frankfurt/ Main AG
stieg von 3533 Mitarbeitern (1969) auf 4369 (1971); davon waren
2451 Arbeiter, 1883 Angestellte und 35 Lehrlinge. Rund 28% der Mitarbeiter
(1224) waren Ausländer, die aus insgesamt 28 Nationen kamen.
Die Geschäftsjahre von 1969 bis 1972 standen im Zeichen des
fortschreitenden Ausbaus des Flughafens Frankfurt. Im Mittelpunkt
aller Baumaßnahmen stand das Terminal Mitte, früher Neue
Empfangsanlage West (NEW) genannt. Die Flughafen Frankfurt/Main
AG hatte sich auf den Einsatz der Großraumflugzeuge vom Typ
Boeing 747 vorzubereiten. Die Jumbo-Jets benötigen - aufgrund
ihrer Größe - eine völlig neue Garnitur von Vorfeldgeräten
und Einrichtungen. Als dann am 28.Januar 1970 überraschend
zum ersten Mal eine von London umgeleitete Boeing 747 auf Rhein-
Main landete, klappte alles. Im Liniendienst sind Jumbo-Jets in
Frankfurt seit dem 1. April 1970 anzutreffen. Inzwischen werden
am Tag 16 bis 18 Großraumflugzeuge auf diesem Flughafen abgefertigt.
Nach längeren Vorbereitungen nahm die Flughafen Frankfurt/Main
AG, an der die Stadt Frankfurt am Main mit 28,89% beteiligt ist,
im April 1969 mit eigenem Personal die Passagiervollabfertigung
für Sonderflüge auf. Dieser Dienst bewährte sich
schon nach kurzer Anlaufzeit; er wurde in den folgenden Jahren stark
ausgebaut und schließt heute Linienflüge ein. Und last,
not least: im Kampf gegen Schnee und Eis ist der Flughafen Frankfurt
seit Jahren bestens gewappnet. Die Räumkolonnen auf Rhein-Main
geben hier dem Winter keine Chance, den Luftverkehr zu blockieren.
Für den Winterdienst stehen modernste Fahrzeuge und Geräte
zur Verfügung (für rund 4 Millionen Mark), die in der
zweiten Hälfte des Winters 1968/69 mehrere Wochen lang mit
vollem Erfolg tagtäglich eingesetzt wurden. Zeitweilig war
der Flughafen Frankfurt als einziger in der Bundesrepublik in der
Lage, den Flugbetrieb trotz starken Schneefalls aufrechtzuerhalten.
Verkehrsentwicklung
Die Verkehrsentwicklung auf dem Flughafen Frankfurt
erwies sich - dem Trend früherer Jahre folgend - auch in der
vergangenen Periode weiterhin als sehr expansiv. 1971 lag Frankfurt
mit seinem Passagiervolumen hinter London-Heathrow und Paris-Orly
an dritter Stelle der westeuropäischen Verkehrsflughäfen.
Gemessen an der umgeschlagenen Luftfracht erreichte Frankfurt fast
den mengenmäßig bedeutendsten europäischen Flughafen
London-Heathrow. Die Verkehrsleistung im einzelnen stellt sich wie
folgt dar:
| Verkehrsart |
Jahr |
Anzahl/Mengen |
| Flugzeugbewegungen |
1971 |
207354 |
| |
1970 |
195802 |
| |
1969 |
176589 |
| |
1968 |
166657 |
| |
|
|
| Fluggäste |
1971 |
10584667 |
| |
1970 |
9401842 |
| |
1969 |
8028702 |
| |
1968 |
7050459 |
| |
|
|
| Luftfracht (t) |
1971 |
352945 |
| |
1970 |
327323 |
| |
1969 |
291639 |
| |
1968 |
229896 |
| |
|
|
| Luftpost (t) |
1971 |
63159 |
| |
1970 |
59353 |
| |
1969 |
54973 |
| |
1968 |
51403 |
Während 1971 auf vielen Flughäfen der
Welt ein Stillstand oder ein leichter Rückgang der Verkehrsergebnisse
verzeichnet wurde, trat auf dem Flughafen Frankfurt erneut eine
Verkehrszunahme ein. Das Luftfrachtaufkommen stieg auf rund 353000
Tonnen. Dagegen blieb die Zunahme der Flugzeugbewegungen, also der
Starts und Landungen, hinter der der Transportmengen zurück.
Mit den Verkehrsergebnissen 1971 hatte der Flughafen Frankfurt einen
fast gleichbleibenden Anteil am gesamten Luftverkehr in der Bundesrepublik.
In Frankfurt wurden 29,4% aller Fluggäste, 64,3% der Luftfracht
und 54,7% der Luftpost der Bundesrepublik abgefertigt. In verkehrsstarken
Zeiten wurden bis zu 12 Jumbo-Jets pro Tag abgefertigt. Insgesamt
flogen 58 Gesellschaften des Linienverkehrs und 182 Gesellschaften
des Bedarfsverkehrs den Flughafen Frankfurt im Verlauf des Jahres
1971 an.
Baumaßnahmen
Ohne große Zeremonien wurde am 6. Juni 1970
der erste Teil des neuen Terminals, dessen Grundsteinlegung am 16.
Juni 1965 erfolgt war, seiner Bestimmung übergeben. Schon wenige
Wochen später, am 1. April 1970, wurde dann auch der Fingerkopf
West dem Verkehr übergeben. Von Wind und Wetter geschützt
gelangten die Passagiere nun von 14 Positionen aus über Fluggastbrücken
in die neue Empfangsanlage. Doch neben den Arbeiten zur Fertigstellung
des Terminals Mitte mußten auch in der bestehenden Empfangsanlage
Ost erhebliche Erweiterungsbauten in Angriff genommen oder abgeschlossen
werden, um den steigenden Fluggastverkehr in der Übergangszeit
vergleichsweise reibungslos bewältigen zu können. Das
war im letzten heißen Sommer" von 1971 nicht immer
ganz einfach. Am 18. April 1969 fand auf dem Rhein-Main-Flughafen
die feierliche Unterzeichnung des Vertrags über den Bau der
Flughafenbahn statt. Vertragspartner waren die Deutsche Bundesbahn
und die Flughafen Frankfurt/Main AG. Mit der Einweihung des Terminals
Mitte konnte die Flughafenbahn, die mit einem Kostenaufwand von
100 Millionen Mark erstellt wurde (50% der Kosten übernahm
die Flughafen AG und 50% die Deutsche Bundesbahn), bereits ihrer
Bestimmung übergeben werden. Die Fahrt vom Flughafen zum Frankfurter
Hauptbahnhof dauert zwölf bis dreizehn Minuten. Von vier Uhr
in der Frühe bis nach Mitternacht halten unter dem Terminal
mehr als hundert Züge, die über die Eisenbahnknotenpunkte
Frankfurt und Mainz die Verbindung mit dem europäischen Schienennetz
herstellen. Drei Bahnsteige im Bahnhof Frankfurt Flughafen ermöglichen
neben dem Linienverkehr die Abfertigung der längsten Sonderzüge.
Von den drei Flugsteigen des Terminals Mitte aus, an denen gleichzeitig
36 Flügzeuge (darunter 16 Jumbo-Jets) abgefertigt werden können,
gelangt der Fluggast, ohne das Gebäude verlassen zu müssen,
vom Jumbo in die Eisenbahn. Am 10. Mai 1971 wurde das größte
Luftfracht-Umschlagszentrum Europas in Betrieb genommen. Die Halle,
die von der Flughafen Frankfurt/Main AG für die Deutsche Lufthansa
errichtet wurde, verfügt über eine Nutzfläche von
40000 Quadratmetern. Die Anlage ist 290 Meter lang und 140 Meter
tief. In dem Neubau wurde eine weitgehend automatisierte Stückgut-Sortieranlage
installiert, die als die größte Europas gilt. Diese Sortieranlage,
das Kernstück der Halle, verfügt über 14 Eingabeplätze,
3 Programmiererplätze und 48 Destinationsbänder.
Im Westen des Flughafens hat die Flughafen AG im
Bereich der Lufhansa-Basis den Hangar V errichtet, der als die größte
Flugzeug-Wartungshalle der Welt gilt. Die Halle, die am 2. Oktober
1970 offiziell eingeweiht wurde, ist von der Flughafen AG langfristig
an die Deutsche Lufthansa verpachtet worden. Der Jumbo-Hangar ist
320 Meter lang, 100 Meter tief und 34 Meter hoch, er kann gleichzeitig
6 Jumbo-Jets (Boeing 747) oder 14 Boeing 707 aufnehmen. Jedes der
8 Tore, die die Vorfeldseite des Hangars abschließen, wiegt
rund 100 Tonnen. Mit einem Kostenaufwand von 5,5 Millionen Mark
wurde das Datenverarbeitungszentrum erstellt, das im Juni 1971 offiziell
eingeweiht wurde. Seine Aufgaben: Fluggastführungssystem (Fluginformationstafeln
und Fernsehmonitore), Erfassung von Fluginformationen zur Steuerung
der Betriebsabläufe, Fernschreibvermittlungssystem und Flugzeugpositionierung.
Auf dem Flughafen, der unmittelbar an das Frankfurter Autobahnkreuz
angebunden ist, wird es für eine Reihe von Jahren keine Parkplatzsorgen
mehr geben, denn gleich vor der Empfangsanlage wurde die größte
Tiefgarage der Welt gebaut, in der eine Rechnerzentrale den gesamten
Betrieb regelt und kontrolliert. Der Bau ist dreigeschossig und
bietet nahezu 6000 Autos Platz. Statisch und konstruktiv ist diese
unterirdische Garage so ausgelegt, daß eine achtgeschossige
Überbauung möglich ist. Gedacht ist dabei zunächst
an ein Hotel, später könnten hier noch Park- und Bürogebäude
(mit umfangreichen Einrichtungen für Konferenzen) entstehen.
Fluglärm-Überwachung
Auf dem Gebiet der Lärmbekämpfung hat
der Flughafen Frankfurt, der tagtäglich rund 600 Flugbewegungen
verzeichnet, Schrittmacherdienste geleistet. So wurde bereits 1970
entlang der ASR-4-Straße mit einem Kostenaufwand von rund
drei Millionen Mark eine 760 Meter lange und 15 Meter hohe Schallschutzwand
erstellt. Sie soll den Lärm von Flugzeugen, die mit eigener
Kraft am Boden rollen, von der Bevölkerung der Stadt Kelsterbach
fernhalten. Außerdem wurden in den letzten Jahren Lärmmeßstellen
eingerichtet, an denen ständig Kontrollen durchgeführt
werden, man gründete die Kommission zur Abwehr des Fluglärms,
schränkte den Nachtflugverkehr ein und erprobte erfolgreich
neue An- und Abflugverfahren.
Planfeststellungsverfahren
Ende des Jahres 1965 hatte die Flughafen Frankfurt/Main
AG beim Hessischen Minister für Wirtschaft und Verkehr die
Genehmigung für die Verschiebung des bestehenden Parallelbahnsystems
bei gleichzeitigem Bau der dritten Startbahn in Nord-Süd-Richtung,
ebenfalls in einer Länge von 4000 Meter, beantragt. Nach Abschluß
des für diese Ausbaumaßnahmen erforderlichen Planfeststellungsverfahrens
erließ der Hessische Minister für Wirtschaft und Verkehr
am 26. März 1968 den Planfeststellungsbeschluß gemäß
§10 Abs. 1 LuftVG. Dieser Planfeststellungsbeschluß wurde
indessen nicht rechtswirksam. Insgesamt 44 natürliche und juristische
Personen, darunter fünf Städte und Gemeinden aus der Flughafenumgebung,
erhoben Anfechtungsklage beim Verwaltungsgericht in Darmstadt. Im
November 1968 hob das Verwaltungsgericht den erwähnten Planfeststellungsbeschluß
durch Urteil auf. In der Berufungsinstanz wurde der Beschluß
dann endgültig aufgehoben. Unter diesen Umständen war
es erforderlich, ein neues Planfeststellungsverfahren durchzuführen.
Das Planfeststellungsverfahren wurde vom Hessischen Minister für
Wirtschaft und Technik am 23. März 1971 erlassen. Dieser neue
Beschluß hatte die gleichen Ausbaumaßnahmen zum Gegenstand
wie der alte Planfeststellungsbeschluß. Er unterschied sich
allerdings vom ersten unter anderem dadurch, daß er für
sofort vollziehbar erklärt wurde, soweit er die Verschiebung
des vorhandenen Parallelsystems nach Westen betraf. Am 7. Juli 1971
entschied jedoch das Verwaltungsgericht in Darmstadt in einem Eilverfahren
durch Beschluß, daß die sofortige Vollziehung des Planfeststellungsbeschlusses
aufgehoben werde. Eine Beschwerde der beigeladenen Flughafen Frankfurt/Main
AG verwarf der zweite Senat des Hessischen Verwaltungsgerichtshofes
mit Beschluß vom 27. September 1971. In dem anschließenden
Hauptverfahren über den Ausbau des Flughafens hat das Verwaltungsgericht
in Darmstadt dann am 22. Februar 1972 in 28 von insgesamt über
hundert Anfechtungsklagen gegen den neuen Planfeststellungsbeschluß
vom Jahr 71 Urteile gefällt. Das Gericht entschied sich gegen
den Bau der dritten Startbahn 18 West, wies aber zugleich die Klagen
ab, die sich gegen die Verschiebung des Parallelbahnsystems wendeten.
Sowohl Kläger, als auch das beklagte Land Hessen und die beigeladene
Flughafen Frankfurt/Main AG haben Berufung eingelegt, so daß
mit dem Urteil der IV. Kammer des Verwaltungsgerichts in Darmstadt
noch kein Schlußpunkt in den Rechtsstreitigkeiten um die Erweiterung
des Start- und Landebahn-Systems auf dem Flughafen Frankfurt gesetzt
worden ist. Weder kann die Flughafenverwaltung nunmehr das bestehende
Bahnsystem wie vorgesehen nach Westen verschieben, noch ist der
Bau der projektierten Startbahn 18 West nicht endgültig unmöglich
geworden. Aufgrund der eingeleiteten Berufungen findet die nächste
Prozeßrunde vor dem Verwaltungsgerichtshof in Kassel statt.
Die wirtschaftliche Bedeutung
Der hohe Verkehrswert des Flughafens Frankfurt
hat erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen auf den Handel und die
Industrie nicht nur im Frankfurter Raum, sondern auch weit darüber
hinaus. Die aufstrebende Wirtschaft des Landes Hessen verdankt ihren
Erfolg und ihr weit überdurchschnittliches Wachstum nicht zuletzt
der Existenz dieses Weltflughafens. Die wirtschaftliche Vorrangstellung
Hessens hängt eng zusammen mit der Rolle von Frankfurt als
Industrie- und Handelszentrum sowie als Stadt der Banken, der Versicherungen
und Messen. Die Mobilität, die für Unternehmen dieser
Wirtschaftszweige erforderlich ist, kann ohne einen Weltflughafen
mit hohem Verkehrswert nicht erreicht werden.
Veränderungen im Vorstand und im Aufsichtsrat
Am 1. Juli 1971 wurde Erich Becker (der seit Januar
1969 Vorstandsmitglied war) der Vorstandsvorsitz übertragen.
Walter Schröder wurde am 1. Oktober 1971 Vorstandsmitglied
für das Ressort Technik.
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