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Berichtszeitraum: 1945-65

 

Das Forstamt bewirtschaftet die Wälder der Stadt mit einer Gesamtflächengröße von fast 5000 ha. Knapp 4000 ha liegen im Stadtkreis selbst. Der rd. 400 ha große Wald zwischen Gehespitz und Mitteldick, unmittelbar südlich der Gemarkungsgrenze, ist von der Hessischen Staatsforstverwaltung im Tausch gegen einen großen Teil unserer Taunus-Waldungen erworben worden. Der Stadt gehören weiter die Waldflächen am Staufen bei Eppstein mit rd. 150 ha, Wasserschutzwaldungen bei Hattersheim, im Vogelsberg und Spessart und ein ideeller Anteil von fast 50% am 480 ha großen Hohemarkwald. Die Stadt Frankfurt am Main ist damit einer der größten kommunalen Waldbesitzer der Bundesrepublik.

Am Ende des Krieges waren 1800 ha Waldfläche kahl oder stark verlichtet. Auch auf die verbliebenen Restbestände haben Kriegsschäden durch Millionen von Splittern nachteilig eingewirkt. 40% der Holzbodenfläche war dadurch verwüstet. Der Stadtwald, einst einer der ertragreichsten der deutschen Wälder, war mit 1,3 fm Ertrag pro Jahr zum leistungsschwächsten Betrieb in Hessen geworden. Das biologische Gleichgewicht des Waldes war vollkommen zerstört, große Sandstürme traten auf, forstschädliche Insekten hatten ihre idealen Brutstätten.

Der Waldbesitz Frankfurts war äußerst gefährdet. Der Entschluß des Magistrats und der Stadtverordneten, den Wald in seinem vollen Umfange zu erhalten und ihn so schnell wie möglich wieder aufzuforsten, war weitsichtig. Dem Forstamt wurden die erforderlichen Geldmittel zur Verfügung gestellt. Der Weg war frei zu einer umfassenden Wiederaufforstungsplanung. Um die Holzarten in Mischung anpflanzen zu können, die dem jeweiligen Standort entsprechen, ist die gesamte Waldfläche nach einem modernen, in Hessen entwickelten Verfahren nach ihrem Ernährungshaushalt untersucht worden und auf ihre physikalische Struktur und ihren Wasserhaushalt. Es sind 12 verschiedene Standorteinzelformen flächenmäßig ausgeschieden und mit den dem Standort gemäßen Holzarten in Mischung zur Bepflanzung vorgesehen worden. Die Forsttechnik kannte zur Aufforstung bis dahin im wesentlichen nur Handgeräte. Neue forstliche Bodenbearbeitungsmaschinen, wie Streifenpflüge, Vollumbruchpflüge, Untergrundpflüge, Eggen, Pflanzlochbohrer, Fräsen u.a. kamen zum Einsatz. Sie wurden zum Teil im Betriebshof des Forstamtes im Benehmen mit den Erzeugerfirmen kostensparend fortentwickelt. Die Bodenarbeit von Hand war kaum mehr nötig. Es hätten auch bei weitem nicht die notwendigen Arbeitskräfte hierfür zur Verfügung gestanden.

Bis heute hat das Forstamt rund 2000 ha, also 50% seiner Waldfläche im Stadtkreis neu aufgeforstet oder umgewandelt. 50 Millionen Eichen, Buchen, Eschen, Ahörner, Erlen, Birken, Linden, Pappeln, Akazien, Kiefern, Weymouthskiefern, Douglasien, Fichten, Lärchen, um nur die hauptsächlichsten Holzarten zu nennen, sind gepflanzt worden und mittlerweile zu geschlossenen, bis 18 jährigen jungen Waldbeständen herangewachsen.

Es gibt schon lange keine Kahlflächen mehr. Der standortgerechte moderne Waldbau führte dazu, daß für den Wirtschaftszeitraum 1952-1962 der Holzertrag je Jahr und Hektar sich von 1,3 fm auf 3,8 fm Ertrag anhob. Für den Wirtschaftszeitraum 1962-1972 ist mit einem Ertrag von fast 5 fm je Jahr und ha wieder zu rechnen. In einigen Jahrzehnten wird bei der gegebenen Holzartenwahl und der waldbautechnischen Behandung mit einem Ertrag zu rechnen sein, der noch über dem früheren zu liegen kommt, ohne daß die Wirtschaftsfunktion der Wassererzeugung dadurch gestört wird. Das Pflanzgut, das wir zur Wiederaufforstung brauchten, ist im wesentlichen am Poloplatz im hiesigen Zweigbetrieb einer Holsteinischen Forstbaumschule herangezogen worden. Die Pflanzungen konnten im wesentlichen aus der Baumschule zu dem Zeitpunkt herausgenommen werden, da sie Zug um Zug wieder in den Waldboden umgepflanzt wurden.

Waldfeind Nr. 1 war der Maikäfer, insbesondere seine Larve, der Engerling. Von 400 ha vor der Währungsreform im Herbst 1947 und Frühjahr 1948 aufgeforsteten Flächen hat der Engerling 360 ha = 90% aufgefressen. Eine großflächige Bekämpfung des Engerlings und Maikäfers war bis dahin unbekannt. Das Forstamt war gezwungen, neue Bekämpfungsmethoden zu erforschen, so daß es gelang, die Maikäferplage zu bannen. Der maximale Anfall an toten Maikäfern je qm 5000 Stück.

Der Erfolg der Behandlung konnte im Jahre 1952, 4 Jahre nach der ersten Schadensermittlung - der Waldmaikäfer hat eine 4jährige Generation - festgestellt werden. Fast 1600 ha Waldflächen waren wieder aufgeforstet. Die Pflanzen waren nur auf 1,2 ha vom Engerling vernichtet. Der Schaden war von 90% auf 0,7% abgesunken. Die Kulturen waren gerettet.

Helfer bei der Vertilgung von Forstschadinsekten sind insbesondere die Vogelwelt, die kleine rote Waldameise und die Fledermäuse. Es wurden über den gesamten Stadtwald verteilt Vogelschutzgehölze eingerichtet und maximal 800 ha insektengefährdete Waldbestände mit Vogelschutzeinrichtungen bestückt. Insgesamt wurden 11000 Nistkästen zur Vermehrung der Höhlenbrüter ausgehängt und ebenso viele Einrichtungen für Freibrüter durch Schaffung von Nistquirlen, Nisttaschen und Nisthaufen erstellt. Die Vogelbrutdichte konnte in den Gehölzen auf 50 Brutpaare je ha und in den Waldbeständen auf durchschnittlich 25 Brutpaare je ha angehoben werden. Durchschlagenden Erfolg hatten die vorbeugenden Vogelschutzmaßnahmen, insbesondere auf den Kiefern-Standorten vom Stangenholzalter an bis zum Abtriebsalter, in denen in früheren Jahrzehnten die Kiefernspinner, Spanner, Eulen und Nonnen erheblichen Schaden anrichteten. Waldbauliche Maßnahmen, vorrangig der Unterbau von Buchen unter Kiefern und damit Begründung von Mischbeständen, stellten das durch die eingetretenen Waldverwüstungen gestörte biologische Gleichgewicht auf diesen Standorten wieder her. Die errichteten Vogelschutzlehrgehölze:

  • 1949 das Kullmann-Gehölz, Ecke Niederräder/Mörfelder Landstraße,
  • 1964 das Lehrgehölz Grastränke an der Babenhäuser Landstraße,

dienen insbesondere der Unterrichtung unserer Schuljugend, aber auch der gesamten interessierten Bürgerschaft. Die Gehölze wurden von Tausenden von Bürgern, vor allem aber von Schulkindern, besucht und weckten das Verständnis und die Freude an unseren nützlichen gefiederten Sängern. In den Erholungswaldteilen wurden der ethischen Wirkung wegen Vogelschutzmaßnahmen getroffen, weil die erholungssuchende Bürgerschaft gerade hierdurch zum Waldbesuch angeregt wird. Mehrere hundert Futterstellen für die überwinternden Vogelarten wurden eingerichtet. Sie werden während der Wintermonate mit ausreichendem Vogelfutter versorgt. Das Auslegen von Vogelfutter an diesen Stellen im Erholungswaldgebiet durch die Bevölkerung nimmt von Jahr zu Jahr zu.

Der gute Wildbestand im Frankfurter Stadtwald war durch Wilderei in den ersten Nachkriegsjahren und die Zerstörung des Waldes und damit der Wildeinstände weitgehend dezimiert. Es waren 1947 nur noch 2 Stück Damwild und etwa 20 Stück Rehwild vorhanden. Das vorhandene Wild ist den Forstleuten ein Maßstab dafür, daß der Wald in seinem natürlichen Gefüge erhalten und echter Naturwald ist. Es war daher ein verständliches Bestreben des Forstamtes, diesen natürlichen Wildbestand wieder aufzubauen. Durch Schaffung und Erhaltung der ruhigen Einstande für das Wild, durch Anlage von Äsungsflachen und Winterfütterung, durch Mehrung des Rehwildes, Wiedereinbürgerung von Damwild, durch Mehrung von Schwarzwild und Neueinbürgerung von Muffelwild, Fasanen und anderer Wildarten ist es gelungen, den Wildbestand wieder so anzuheben, daß der Frankfurter Stadtwald zu einem der besten Wildeinstandsgebiete Hessens zahlt. Die genaue Wildzahl festzustellen, ist bei dem ausgedehnten Waldbestand nur sehr schwer möglich.

Nachdem die Kitze im Mai 1964 gesetzt waren, hatten wir, um nur eine Wildart zu nennen, einen Bestand von etwa 450 Stück Rehwild in unserem Wald. Auch das scheueste Wild, das Schwarzwild, hat sich gut vermehrt. Im Jagdjahr 1963/64 kamen einschl. Fallwild 60 Sauen zur Strecke. Eine der beliebtesten Wildarten bei der Bevölkerung ist der Fasan. Der Bestand an Fasanen im Stadtwald und in der Frankfurter Feldgemarkung ist durch das Aussetzen von Fasanen aus der Fasanerie des Forstamtes sehr gut. Wir haben mehrere tausend Fasane in der Frankfurter Gemarkung in der freien Wildbahn. Der Fasan hilft als sehr nützlicher Insektenvertilger bei der biologischen Bekämpfung von Schadinsekten.

Um den Bürgern Frankfurts unser im Stadtwald frei lebendes Wild zeigen zu können, ist im Jahre 1964 der rund 20 ha große Wildpark Louisa eingerichtet worden, in dem Damwild, Muffelwild, Sauen und Rehwild wie im Wald natürlich lebt. Aber auch in den Erholungswaldgebieten kann die Bevölkerung- besonders morgens und abends - wenn sie den Wald ruhig durchwandert, von den Wegen aus Wild in freier Wildbahn beobachten. Diese Möglichkeit regt zum Besuch des Stadtwaldes an.

Die Wege und Schneisen im Stadtwald waren durch die Kriegs- und Naturereignisse weitestgehend zerstört und insbesondere durch die Autobahnen, die auf 24 km Länge den Stadtwald durchziehen, unterbrochen. Das Wegenetz von rund 400 km Waldschneisen ist im wesentlichen wiederhergestellt. Die trennende Wirkung der Autobahnen ist durch Anbindung des Wegenetzes beseitigt, und die Wege sind in einen Zustand versetzt, daß der Betriebsverkehr durch die motorisierte Holzabfuhr, für die notwendige Waldbrandbekämpfung, zur Erreichung der zahlreichen Einrichtungen im Stadtwald, wie Wasserwerke, Brunnen, Kabeltrassen, Sende-Anlagen, Einrichtungen des Flughafens auf den Einflugschneisen usw. gesichert ist. Es ist selbstverständlich, daß die Waldschneisen für sämtliche Kraftfahrzeuge, soweit das Befahren durch den Betrieb nicht erforderlich ist, gesperrt bleiben.

Neben den großen Parkplätzen von 18,9 ha rund um das Waldstadion hat deshalb das Forstamt an den Wald und Schneiseneingängen beschattete Waldparkplätze für rund 2000 Personenkraftwagen geschaffen. Den Stadtwald besuchen heute durchschnittlich täglich etwa 20000, maximal an schönen Wochenendtagen bis zu 40000 Bürger Frankfurts und der Umgebung.

Schon am Ende der Aufforstungsperiode hat das Forstamt begonnen, den Wald so zu erschließen und zu behandeln, daß er seine Sozialfunktion für alle Bürger unserer Stadt und ihrer Umgebung erfüllt. 400 km Fuß und Radfahrwege erschließen unseren Wald und verbinden die einzelnen Blickpunkte. 80 km Reitweg sind angelegt. An den 17 Haupteingangsstellen sind Wegweisertafeln aufgestellt, und die Wege sind mit symbolischen Hinweistafeln markiert. Eine Wanderkarte, von der Vereinigung der Freunde des Frankfurter Stadtwaldes herausgegeben, hilft das Wanderziel finden. Rund 4000 Frankfurter Waldbänke sind längs dieser Wanderwege aufgestellt, zahlreiche Schutzhütten gewähren bei Regen Unterschlupf. Die historischen Rastplätze, wie Mendelssohnruhe, Schillerruhe, Goetheruhe, Stumpfbrunnen, Körnereiche, Königsbrünnchen, um nur einige wenige zu nennen, sind neu gestaltet und erschlossen und beliebte Ausflugsziele. Der Oberschweinstiegweiher, nach seinem Erbauer "Jacobiweiher" genannt, und der Maunzenweiher sind instandgesetzt und an ihren Ufern neu gestaltet, der Tiroler- und "Scherbelinoweiher" neu gebaut, der Försterwiesen- und der Kesselbruchweiher wurden vor kurzem eingeweiht. Diese Waldseen beleben und bereichern unseren Wald. Auch die Tummelwiesen an der Unterschweinstiege und dem Hölzernen Kreuz, an der Gehespitz, sowie die Bürgerwiese sind neu geschaffen oder instandgesetzt worden und besonders bei der Jugend beliebt.

Weithin bekannt geworden ist der Frankfurter Erholungswald besonders durch seine beliebten Kinderspiel- und Erholungsparke. Die Kinderspielparke an der Louisa, an den Schwanheimer Wiesen und am Goetheturm sind mit den Frankfurter Waldspielgeräten aus Holz, wie Springböcke, Hirschschlitten, Kletterberg, Rutschbahnen, Kletterbaum, Rundlaufpilze, Stufenkarussells usw. ausgestattet. Planschbecken und Mauerwerk sind mit dem örtlich anstehenden Naturstein verkleidet. Die Einrichtungen und Aufbauten sind harmonisch in die Waldlandschaft eingefügt.

Der Goetheturm
Foto:Wissenbach

Noch anziehender sind die Walderholungsparke Scheerwald und Tannenwald , in denen diese Einrichtungen durch Kleingolfbahnen (mit Tieren des Waldes als Hindernisse), Rollschuh- und Rollerbahnen, Tischtennishallen, Federball-, Handball-, Hockey- und Fußballfeldern, Skat und Schachtischen, Bocciabahnen usw. ergänzt wurden. Die beliebtesten Einrichtungen dieser Waldparke aber sind die Sprühfelder, bei denen man unter einem Wasserschleier tummeln und toben kann. In diesen rund 5 ha großen Parken spielen Kinder jeglichen Alters von 5-90 Jahren. Sie sind als in die Waldlandschaft hineingebaute Parke weltweit bekannt geworden. Der Spielpark Tannenwald bei Neu-Isenburg hat eine durchschnittlich tägliche Besucherzahl zwischen 2000 und 3000 Menschen. An diesem Park insbesondere wird das Bedürfnis der Großstadtbürger nach spielerischer Erholung im Wald ab vom Verkehr eindringlich bewiesen.

Der Frankfurter Stadtwald ist zum Musterbeispiel eines großstadtnahen Waldes geworden, der auf seiner Fläche von knapp 5000 ha alle Funktionen, die man an einen stadtnahen Wald stellen muß, die Sozialfunktion, die Schutzfunktion und die Nutzfunktion, erfüllt. Die Waldsubstanz anzugreifen, ist nach dem Willen unserer Stadtväter bisher ein Tabu. So möge es bleiben. An seinen Grenzen aber wird der Wald bedroht.

Es wird Aufgabe der Regionalen Planungsgemeinschaft Untermain sein, diese vielseitigen nützenden und schützenden Funktionen des Waldes und des Grüns auf das gesamte Untermaingebiet zu beziehen, um dadurch den Zeitkrankheiten und Zivilisationsschäden entgegenzuwirken. Es ist ohnehin z.Zt. schon die Schutzfunktion unseres Waldes durch die Immissionen aus Industrie und durch die Erosionen als Folge von Kahlschlägen in der Umgebung gefährdet.

Den Wald zu erhalten, ihn im weiteren Raum zu mehren und ihn zum Nutzen der Bürger weiter voll funktionsfähig zu gestalten, wird vorrangige Aufgabe unseres Forstamtes in den nächsten Jahren und Jahrzehnten sein.

 

 

Berichtszeitraum: 1965-68

 

Grundbesitz

Obgleich stets besonderer Wert darauf gelegt wurde, den Umfang des Waldbesitzes zu erhalten, ließ es sich nicht vermeiden, daß der Stadtwald vor allem zur Trassenführung verschiedener Verkehrsmaßnahmen herangezogen wurde. So mußten z.B. Flächenverluste für die Verlegung bzw. den Ausbau der B 43 und 44 und für die Erweiterung des Rhein-Main-Flughafens in Kauf genommen werden, und außerdem wurde ein Gelände um das Hotel Unterschweinstiege an die Firma Steigenberger AG zum Bau eines Großhotels abgegeben.

Die aus den Grundstücksverkäufen erzielten Einnahmen beliefen sich im Berichtszeitraum auf 3,15 Mill. DM, die der gesetzlich vorgeschriebenen Forstrücklage zugeführt wurden.

Aus dieser Rücklage wurde im Jahre 1967 der Ankauf eines 205 ha großen Waldstückes in den Gemarkungen Neu-Isenburg und Zeppelinheim vom hessischen Staat für 2,8 Mill. DM finanziert, durch den die in den vergangenen Jahren erlittenen Flächenverluste in etwa ausgeglichen werden konnten. Der städtische Waldbesitz reicht nun weiter denn je nach Süden bis zur Gemarkung Zeppelinheim.

Aufforstung und Holzeinschlag

In den Jahren 1965 bis 1968 wurden, einschließlich Nachbesserungen, bei einem Kostenaufwand von insgesamt 1,2 Mill. DM 279 ha aufgeforstet, das sind jährlich durchschnittlich ca. 72 ha.

Die im Berichtszeitraum eingeschlagene Derbholzmasse von 51150 fm brachte eine Einnahme von 1841000 DM. Infolge der gegenüber den Vorjahren verschlechterten Holzmarktlage, die zu einem Teil auf die im Bundesgebiet in den Jahren 1966 und 1967 zu verzeichnenden Windwürfe mit 15 Mill. Festmetern zurückzuführen ist, sanken die Durchschnittserlöse pro fm von 41,80 DM im Jahre 1965 auf 36,- DM im Jahre 1968.

Beliebte Wanderwege

Die Ansätze im Haushaltsplan für die Unterhaltung des Wegenetzes durch den Stadtwald mußten infolge der angespannten Finanzlage von je 50000 DM in den Jahren 1965 und 1966 auf jeweils 30000 DM für 1967 und 1968 gekürzt werden. Mit diesen Beträgen können nur die dringendsten Instandsetzungen durchgeführt werden, was letzten Endes für einen vorübergehenden Zeitraum nur deshalb möglich sein konnte, weil die Wege sich von früheren Jahren her in gutem Zustand befanden.

Daneben konnten im Berichtszeitraum für die Erweiterung des Wegenetzes durchschnittlich jährlich 24000 DM aufgewendet werden, wobei als markantester neuer Weg der Schäfersteinpfad mit einer Länge von 13 km zu erwähnen ist. Der Schäfersteinpfad mit einem westlichen und einem östlichen Teil wurde zum Tag des Baumes 1967 der Öffentlichkeit übergeben und ist inzwischen ein sehr beliebter Wanderweg geworden, der stark frequentiert wird.

Ähnliches gilt auch für den Golfrundweg, der 1965 fertiggestellt wurde. Alle Wegebauarbeiten wurden zum größten Teil mit eigenen Arbeitskräften ausgeführt. Zu erwähnen sind noch die im Berichtszeitraum für die Stadtwaldbesucher an verschiedenen Schneiseneingängen geschaffenen Waldparkplätze, deren Anlage wegen der zunehmenden Motorisierung und der hohen Besucherzahlen im Stadtwald erforderlich wurde.

Neue Erholungswaldanlagen

1965 wurde der Kesselbruchweiher fertiggestellt und der daneben gelegene Försterwiesenweiher erweitert. Im gleichen Jahr wurde die Planung zur Umwandlung des Müllberges in ein Walderholungsgebiet fortgeführt. 1966 erfolgten die Aufschüttungen und Überdeckungen des Ost- und Westplateaus des Müllberges und in den Jahren 1967 und 1968, nach Beendigung der Müllschüttung durch das Stadtreinigungsamt, die ersten Anpflanzungen mit Weißerle, Schwarzkiefer und anderen Holzarten sowie die Begrünung von verschiedenen Teilflächen im sogenannten Finn-Verfahren. Das Projekt wird jedoch maßgeblich beeinflußt von Straßenbaumaßnahmen, wie z.B. der Verbreiterung der Babenhäuser Landstraße und dem Anschluß der Osttangente an die Autobahn, so daß eine abschließende Planung z.Zt. noch nicht möglich ist. Wir rechnen mit der Fertigstellung des Projekts im Jahre 1972, womit dann eine weitere attraktive Erholungswaldeinrichtung im Stadtwald geschaffen wäre.

Die Arbeiten im Waldspielpark Fechenheim wurden fortgeführt und sind inzwischen so weit gediehen, daß die Eröffnung der Anlage für 1969 vorgesehen ist.

Das Badeprovisorium Gehespitz wurde ausgebaut und mit Toilettenanlagen und Umkleidekabinen ausgestattet. Nachdem 1968 von der Firma Holzmann der Baggerbetrieb eingestellt wurde, kann der endgültige Ausbau ins Auge gefaßt werden, wobei allerdings die entsprechenden Beschlüsse von den städtischen Organen noch nicht gefaßt sind. Für die Notwendigkeit einer solchen Anlage im Frankfurter Raum sprechen jedoch am deutlichsten die Besucherzahlen, die an schönen Wochenendtagen bei annähernd 18000 lagen.

Wasserwirtschaft

Vom Hessischen Landesamt für Gewässerkunde und wasserwirtschaftliche Planung in Wiesbaden wurden zum ersten Male größere forsthydrologische Versuche angestellt, um zu ermitteln, ob für die Zukunft eine Wasserertragswirtschaft möglich und rentabel ist mit dem Ziel, sodann eine Wasserertragstafel aufzustellen. Für diese Versuche wurde der Frankfurter Stadtwald ausgesucht, weil hier schon seit etwa 100 Jahren von den Stadtwerken Lysimeter-Versuche durchgeführt worden sind, die dem Landesamt dienlich sind, und weil außerdem der Stadtwald sich sowohl vom Standort als auch von den Holzarten her als besonders geeignet anbot. Alle Versuche werden in Zusammenarbeit mit dem Forstamt ausgeführt.

Personelle Veränderungen

Die Zahl der Planstellen verminderte sich bei den Arbeitern von 117 auf 115, bei den Angestellten von 16 auf 11 und bei den Beamten von 20 auf 19, wovon außerdem 1 Angestellten- und 2 Beamtenstellen mit einem "kw"-Vermerk versehen sind. 1 Angestellten- und 1 Beamtenstelle sind zudem noch unbesetzt. Von den 115 Arbeiterstellen, können schon seit längerer Zeit 22 Stellen nicht besetzt werden. Das zeigt wohl am deutlichsten die Schwierigkeiten des Amtes, die in der Forstwirtschaft anfallenden Arbeiten mit eigenen Kräften durchzuführen, so daß in erhöhtem Maße auf Firmeneinsätze zurückgegriffen werden muß.

Finanzielle Auswirkungen

Die Rechnungsergebnisse der letzten 3 Jahre bringen im ordentlichen Haushalt in bezug auf den Zuschußbedarf, der im Jahre 1965 2,8 Mill. DM und im Jahre 1967 2,5 Mill. DM betrug, ein etwas günstigeres Bild, was im wesentlichen auf Rationalisierung, Personaleinsparung und die zuvor erwähnten unbesetzten Stellen zurückzuführen ist. Im außerordentlichen Haushalt fällt neben verschiedenen kleineren Vorhaben vor allem die Bewilligung von 2,8 Mill. DM für den Waldankauf, der bereits in einem früheren Abschnitt erwähnt wurde, besonders ins Gewicht. Die erforderlichen Mittel konnten aus der Forstrücklage entnommen werden.

 

 

Berichtszeitraum: 1969-72

 

Am 2. Juni 1972 war der Frankfurter Stadtwald 600 Jahre im Besitz der Stadt. Aus diesem Anlaß hat das Forstamt in Zusammenarbeit mit dem Presse- und Informationsamt eine Broschüre unter dem Titel „600 Jahre Frankfurter Stadtwald" herausgegeben. Vom 12.-31. Mai 1972 fand unter dem gleichen Thema eine Ausstellung in den Römerhallen statt, an der sich die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald mit ihrer Ausstellung „25 Jahre Schutzgemeinschaft Deutscher Wald" und „100 Jahre Tag des Baumes" beteiligte. Die Bundesfeier zum Tag des Baumes fand aus gleichem Anlaß am 12. und 13. Mai 1972 in Frankfurt statt. Am 13. Mai 1972 wurde das Großerholungsgebiet „Monte Scherbelino" im Rahmen einer Feierstunde der Bevölkerung übergeben. Die Deutsche Dendrologische Gesellschaft veranstaltete ihre Mitgliederversammlung in der Zeit vom 23.-27. Mai 1972 in Frankfurt und Bad Homburg und besuchte mit einer Exkursion den Frankfurter Stadtwald. Der Deutsche Forstverein lud zur Mitgliederversammlung vom 12.-17. Juni 1972 nach Frankfurt ein, tagte mit beinahe 1000 Forstleuten in der Paulskirche und besuchte ebenfalls in mehreren Exkursionen den Frankfurter Stadtwald.

oben: Oberbürgermeister Arndt bei der Eröffnung des "Monte Scherbelino" 1972

 

Grundbesitz

Das Forstamt verwaltete bis 31.7.1972 insgesamt 4900 ha städtischen Waldbesitz. Durch die Eingliederung der ehemaligen Gemeinden Kalbach mit 85 ha, Harheim mit 129 ha, Nieder-Eschbach mit 148 ha und Nieder-Erlenbach mit 175 ha vergrößerte sich der städtische Waldbesitz auf insgesamt 5437 ha, wovon 4500 ha in der Gemarkung Frankfurt und Umgebung gelegen sind, während 937 ha Wald im Taunus und Vogelsberg - davon alleine rd. 700 ha im Vordertaunus - liegen. Obwohl das Forstamt nach besten Kräften bemüht war, den Umfang des Waldbesitzes unter allen Umständen zu erhalten, konnte es nicht vermeiden, daß der Stadtwald vor allem aus Verkehrsgründen Waldverluste hinnehmen mußte. Für die Flughafenbahn, den Neubau der B 43 mit Querspange Kelsterbach, ferner den Neubau der Osttangente, die Verbreiterungen der bestehenden Autobahnen A 10 und A 15 und für die Verlegung einer 110 kv-Bahnstromleitung hat das Forstamt 81,8 ha Waldfläche hergeben müssen. Die Fläche ist für diese großen Verkehrsprojekte trotzdem gering, weil das Forstamt gleich zu Beginn der Planung eingeschaltet wurde und frühzeitig auf die Verkehrspläne einwirken konnte, um den Flächenbedarf so gering wie möglich zu halten. Auch beim Aufhieb der Trasse und der späteren Bepflanzung hat das Forstamt zum frühestmöglichen Zeitpunkt mitgewirkt und mithin den Waldeingriff mindern helfen, so daß beispielsweise an der verbreiterten Babenhäuser Landstraße (B 459) heute von dem Waldaufhieb kaum mehr etwas zu sehen ist. Das Landschaftsbild im Nahbereich der Straße kann nach unserer Auffassung sogar als verbessert bezeichnet werden. Die aus den Grundstücksverkäufen erzielten Einnahmen in Höhe von rd. 4 Mill. DM wurden der Rücklage der Forstverwaltung zugeführt. Aus dieser Rücklage soll der Ankauf von etwa 200 ha Wald im Süden des Gehespitzweihers finanziert werden, sobald es zwischen der Stadt und dem Land Hessen zu einer entsprechenden vertraglichen Vereinbarung gekommen ist. Damit wird der Flächenverlust für die Verkehrsmaßnahmen innerhalb des Waldes zwar wieder ausgeglichen, aber im Nahbereich der Stadt ist der Wald oft Einflüssen ausgesetzt, die es dem Forstamt außerordentlich schwer machen, den Fortbestand zu garantieren.

Aufforstung

Im Berichtszeitraum wurden mit einem Kostenaufwand von 856000 DM 192,32 ha neu aufgeforstet, nachgebessert und unterbaut. Es wurden insgesamt 1730000 junge Bäume gepflanzt, davon 400000 Eichen, 460000 Buchen, 670000 Kiefern und Weymouthskiefern sowie 76000 Douglasien, 29000 Lärchen und 47000 Fichten. Die übrigen Pflanzungen verteilen sich auf Hainbuchen, Akazien, Linden und Erlen.

Holzeinschlag

Die eingeschlagene Derbholzmasse betrug im Berichtszeitraum 54026 fm und erbrachte einen Erlös von 2565000,- DM. Infolge der verschlechterten Holzmarktlage ist jedoch ein erheblicher Teil des Einschlags 1971/72 nicht zur Ausführung gekommen.

Wegebau

Nach den guten Erfahrungen, die das Forstamt bei der Anlage der ersten Rundwanderwege, wie Golfrundweg, Schäfersteinpfad und dergleichen, gemacht hat, ist von der Vereinigung der Freunde des Frankfurter Stadtwaldes die Schaffung eines Naturpfades angeregt worden, und zwar als Naturpfad Weilruh, der dann auch am 13. Juni 1970 anläßlich des Europäischen Naturschutzjahres feierlich der Öffentlichkeit übergeben wurde. Die Försterei Weilruh, zwischen Babenhäuser und Darmstädter Landstraße gelegen, gehört mit ihren verschiedenartigen Mischbeständen zu den schönsten Waldteilen. Sie ist eines der Zentren des Erholungsgebietes und - eignete sich mithin besonders für die Anlage eines Naturpfades. Der Waldlehrpfad endet z.Zt. am Kesselbruchweiher, wird aber in einem zweiten Bauabschnitt zum Scherbelino geführt und dort zurück zum Ausgangspunkt Hainerweg. Insbesondere unsere Jugend, so schreibt der verstorbene Stadtverordnetenvorsteher Heinrich Kraft in einem Vorwort zum „Wegweiser" des Naturpfades, sollte sich im größten und besten Klassenzimmer, wie er den Stadtwald nennt, nicht nur austoben, sondern das Wissen für die Natur vertiefen. Auf einer Strecke von mehr als 10 km wird z.Zt. ein Naturpfad um die Schwanheimer Wiesen gebaut. Mehr als 60 Punkte zeigen nach Fertigstellung dem Wanderer Bemerkenswertes am Wege. Die Park- und Einstellplätze am Waldrand und an den Schneiseneingängen sind inzwischen auf 2000 erhöht worden. Nach dem gegebenen Besucherdruck ist damit z.Zt. der Bedarf an Parkplätzen erfüllt.

Erholungswaldanlagen

Am 21. Juni 1969 ist der Fechenheimer Spielpark durch den verstorbenen Stadtverordnetenvorsteher Heinrich Kraft und Oberbürgermeister Dr. Brundert eröffnet worden. Einen solchen Erholungspark im Fechenheimer Wald einzurichten, war ein besonderes Anliegen des verstorbenen Stadtverordnetenvorstehers gewesen. Nach seinem Tode hat die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, dem Park den Namen „Heinrich- Kraft-Park" zu geben. Der Park, an der Ecke Vilbeler Landstraße/Wilhelmsbader Weg gelegen, nimmt eine Waldfläche von rd. 7 ha ein. Er ist wie alle unsere Waldparks in der Zeit von Anfang April bis zum 31.Oktober geöffnet. Inmitten der Wiesenfläche ist ein Sprühfeld wie in unseren Waldparks Tannenwald und Scheerwald geplant, dessen Ausbau anfangs 1973 begonnen wird. Aufgrund eines Vertrages zwischen der Stadt Frankfurt a.M., Bergen-Enkheim und Bischofsheim, der den Ausbau des 300 ha großen Waldbesitzes im Osten als Erholungswald vorsieht, ist im Bischofsheimer Wald der 2,5 ha große Gänseweiher im Europäischen Naturschutzjahr 1970 der Öffentlichkeit übergeben worden. Das Wegenetz in diesen Waldgebieten wurde weiter ausgebaut. Durch Führung eines zweckmäßigen Wegenetzes ist auch das Enkheimer Ried und der Berger Hang in das Erholungsgebiet einbezogen worden und die Wanderwege wurden mit zahlreichen Bänken bestückt. Mit dem Ausbau des Badeweihers im Fechenheimer Wald ist im Jahre 1971 begonnen worden. Er sieht eine Fläche von 3 ha vor und kann voraussichtlich 1974 eingeweiht werden. Der weitere Ausbau des "Monte Scherbelino", der 32 ha großen Müllhalde, hat im Berichtszeitraum so gute Fortschritte gemacht, daß er fristgerecht zur 600-Jahrfeier des Frankfurter Stadtwaldes eingeweiht werden konnte. Der Müll ist mit insgesamt 1,1 Mill. cbm Bauaushub aus dem Stadtbahnbau und großen Siedlungsvorhaben 5 m stark abgedeckt worden. Die Flächen wurden im Finn-Verfahren begrünt, die Bepflanzung mit rd. 120000 Bäumen und Sträuchern in den unteren Hangteilen als Wald angelegt, in den Mittelpartien als Parkwald gestaltet und am oberen Hang mit Sträuchern bepflanzt. 9 ha Wiesen durchziehen das Gebiet, die teilweise als Grasskibahnen ausgeformt sind. Das Wegenetz von 5,3 km ist fast fertig. Die Entwässerung ist vollendet, Bewässerung und Beleuchtung sind gesichert. Der 1,5 ha große Scherbelinoweiher, ein Grundwasserteich, dessen Wasser durch die Mülleinwirkung sehr stark verschmutzt war, beginnt sich biologisch zu reinigen. In den bestehenden Spiel- und Erholungsparks sind die vorhandenen Spielgeräte ergänzt worden. Der Besucherdruck in den Erholungswaldteilen nimmt ständig zu, und wir zählen in unseren Waldspielparks jährlich rd. 700000 Besucher. Insgesamt werden aufgrund von vorgenommenen Zählungen in Teilgebieten Besucherzahlen von rd. 10 Mill. errechnet.

 
Quelle: Jahresberichte der Stadt Frankfurt 1945-72
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