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Berichtszeitraum: 1945-65

 

Die grüne Wiedergeburt

Die Aufgaben der Gartenämter haben nach dem Kriege ganz allgemein eine beträchtliche Wandlung und Ausweitung erfahren. Sie umfassen das eigentliche Grünflächenwesen einschließlich Spiel- und Sportplatzbau, das Kleingartenwesen, den Naturschutz und die Landschaftspflege sowie die Förderung des gewerbsmäßigen Gartenbaues.

Diese Aufgaben können in eine verwaltungsübliche Rangfolge wie folgt eingeordnet werden:

  • Hoheits- und Verwaltungsaufgaben (Planung, Sicherheit und Ordnung, Naturschutz und Landschaftspflege, Verwaltung),
  • Fachliche und betriebliche Aufgaben im direkten Zuständigkeitsbereich (spezielle Grünflächen-, Spielplatz- und Kleingartenplanung, Veranschlagung, Ausschreibung, Bauleitung, Unterhaltung, Anzuchtstätten und Betriebe),
  • Mitwirkende Aufgaben (z.B. in der Bauleit- und Verkehrsplanung, im Friedhofswesen, beim Straßenbau, der Stadtentwässerung -offene Gewässer -, der Bauaufsicht usw.),
  • Auftragsangelegenheiten für andere Dienststellen (Grünflächenplanung und Durchführung an öffentlichen Bauvorhaben aller Art, Sportplatz- und Bäderbau),
  • Beratende Aufgaben (insbesondere zur Förderung der Gartenkultur).

Gemüse in den Anlagen

Die schweren Jahre nach 1945 gehören zu den entscheidenden in der Entwicklung des Frankfurter Stadtgrüns. Die Kriegseinwirkungen hatten vor den öffentlichen Anlagen und Parks, Kinderspielplätzen und Betriebseinrichtungen nicht haltgemacht: Hunderte von Bombentrichtern hatten schwerste Zerstörungen angerichtet, unzählige Bäume waren vernichtet (oder kranken noch heute an den erlittenen Splitterwunden), und die einst so schönen Anlagen hatten sich mangels Pflege zu einem undurchdringlichen Dickicht entwickelt. Leicht hatte das alles das Ende des Stadtgrüns bedeuten können. Weitblickende kommunale Grünvorsorge und die trotz allem lebendig gebliebene Gartentradition dieser Stadt bahnten die Wege zu einem umfassenden Neubeginn - Wie so viele öffentliche Einrichtungen wurde auch das Gartenamt zunächst "zweckentfremdet": es entwickelte sich zum größten Gemüse- und Heilpflanzenanbauer im Stadtbereich auf den mühsam wieder eingeebneten Freiflächen der großen Parks, der Sportplätze, der Anzuchtgärtnereien und Baumschulen, um die Krankenhäuser und Heime wenigstens einigermaßen versorgen zu helfen. Dienten auch alle diese Maßnahmen zunächst der Behebung der nackten Not und der Beseitigung der Gefahrenquellen, so legten sie doch auch den Grundstock für den allmählichen Wiederaufbau des Stadtgrüns, und erste hoffnungsvolle Ansätze - am Opferdenkmal, am Bahnhofsvorplatz, am Goetheplatz und am Platz der Republik - fanden- die begeisterte Zustimmung der in ihren Behausungen zusammengepferchten Bürger, die sich nach den Jahren des Schreckens nach der Schönheit eines Stückchens gepflegten Rasens mit ein paar Blumen geradezu sehnten.

Von Jahr zu Jahr

Doch erst nach der Währungsreforrn machte die Wiederherstellung der zu 65% zerstörten Anlagen sichtbare Fortschritte; einer großangelegten Enttrümmerungsaktion folgte die Wiederbegründung auf dem Fuße, man arbeitete zielstrebig von innen nach außen: Der Wallanlagenring, das Nizza, innerstädtische Grünplätze und Parks erhielten in Anpassung an die neuen Bedürfnisse ein zeitgemäßes Gesicht, die Wiederherstellung kam meist einer völligen Neugestaltung gleich.

Aus den folgenden Jahren einer stetigen Aufwärtsentwicklung können hier nur noch einige bemerkenswerte Tatsachen erwähnt werden:

  • 1951 Grünflächenzuwachs 4 ha, Rothschildpark durch die Stadt erworben.
  • 1952 Grünflächenzuwachs 6,5 ha, Wallanlagenring und Mainufer fertiggestellt (Erweiterung bis 1964).
  • 1953 Grünflächenzuwachs 4 ha, erste öffentliche Grünflachen in neuen Wohnsiedlungen. Ausbau der grünen Wohnhöfe im Sanierungsgebiet um den Dom.
  • 1954 Bernuspark an der Schloßstraße durch die Stadt erworben. Erster Blumenschmuckwettbewerb nach dem Kriege. Erste "Kleinsportplätze" an Schulen. Um- und Ausbau der Hauptkampfbahn des Stadions auf über 80000 Plätze fertiggestellt.
  • 1955 Grünflächenzuwachs 16 ha, Erweiterung des Grüneburgparks um ca. 10 ha (südliches Freigelände). Erwerb und Umgestaltung des Brüning-Parks zur 600-Jahr-Feier von Höchst.
  • 1956 Grünflächenzuwachs 18 ha, "Montagegarten" am Hauptbahnhof. Neuanlage des Botanischen Gartens der Universität. Pflanzung der "Walter-Kolb-Eiche" an der Paulskirche. Schaffung eines Ehrenhains für niederländische Kriegstote im Waldfriedhof Oberrad.
  • 1957 Grünflächenzuwachs 15 ha, Ehrenfriedhof für 4388 italienische Kriegsopfer auf dem Bezirksfriedhof Westhausen angelegt. 4 neue Sportplätze gebaut. Volkspark Rebstock begonnen.
  • 1958 Grünflächenzuwachs 15,8 ha, Erschließung des Carl-von-Weinberg-Parks in Niederrad. Bezirkssportanlage Rebstock fertiggestellt. Der 200. Kinderspielplatz (Alter Friedhof Seckbach) feierlich übergeben.
  • 1959 Grünflächenzuwachs 12 ha, Anhaltender Arbeitskräftemangel erzwingt steigende Mechanisierung der Arbeiten und erhebliche Maschinenbeschaffung. 3 neue Sportanlagen gebaut.
  • 1960 Grünflächenzuwachs 21 ha, Anlage des ersten Minigolfplatzes durch private Träger (bis 1964 insgesamt 9 Anlagen). Jugendverkehrsgarten im Grüneburgpark gebaut. Fertigstellung der Freibäder Eschersheim und Hausen. Entschilfung des Naturschutzgebietes "Enkheimer Ried". Das Gartenamt betreut 7700 Nistkasten und 250 Futterstellen für Singvögel. Der Gesamtwert aller beim Gartenamt eingesetzten Maschinen und Geräte, Fahrzeuge, Gartenmöbel und Spielgeräte beträgt Ende 1960 rd. 1800000,- DM. Das "Grüne Dezernat" unter Bürgermeister Menzer gebildet.
  • 1961 Grünflächenzuwachs 13 ha, darunter 6 Kinderspielplätze, 2 Rollschuhbahnen, 1 Wasserspielplatz. 6 neue Sportplätze gebaut.
  • 1962 Grünflächenzuwachs 14 ha, Übergabe des ca. 42 ha großen Rebstockparkes nach mehrjähriger Bauzeit mit einem großen Kinderfest. Beginn der Grünplanung Nordweststadt . Kleingartenwesen mit rd. 192000 DM Darlehen und rd. 182000 DM verlorenen Zuschüssen gefördert. Erstes Wohnheim für 20 italienische Gastarbeiter an der Motzstraße. Rationalisierung des Rasenschnittes durch zentrale Mähkolonnen für 175 ha Grünflächen und Sportanlagen. Neubau des zentralen Betriebshofes Wetteraustraße und Erweiterung der Gewächshausanlage mit moderner Heizung fertiggestellt.
  • 1963 Grünflächenzuwachs 14,5 ha, u.a. Grünanlage Zeppelinallee-Frauenfriedenskirche (Taunusblick). Wiederbegrünung von Alleen. Bauvorhaben für Frankfurter Aufbau-A.G., Hochbauamt, Saalbau A.G., Sozial- und Gesundheitsverwaltung, Schulamt sowie Sport- und Badeamt erreichen Bausumme von 2,5 Mill. DM, etwa die Hälfte wegen Mangel an technischem Personal über freischaffende Gartenarchitekten abgewickelt. 17 ha Dauerkleingärten fertiggestellt oder im Bau. Wiederbepflanzung der regulierten Nidda von Stadtgrenze Bad Vilbel bis Eschersheimer Strandbad (6 km x 2 = 12 km Ufer). 367 Blumenkübel im ganzen Stadtgebiet.
  • 1964 Grünflächenzuwachs 12,5 ha, damit insgesamt rd. 600 ha = 8,5 qm/Einwohner erreicht. Rd. 200000 Blumenzwiebeln und Frühjahrsblumen, rd. 90000 Sommerblumen, rd. 10000 Herbstblumen in den Anlagen gepflanzt. Bezirkssportanlage Hahnstraße fertiggestellt. Neuanlage öffentlicher Grünzüge in Großsiedlungen Zeilsheim, Sossenheim, Griesheim, Preungesheim, Sindlingen und in Teilen der Nordweststadt. Neubau von 8 Kinderspielplätzen und 3 Rollschuhbahnen, damit insgesamt 236 Kinderspielplätze und 12 Rollschuhbahnen sowie 9 Kleingolfplätze vorhanden. Das Gartenamt war 1964 tätig an 41 Baustellen im eigenen Bereich, an 58 Baustellen für andere Dienststellen, an 8 Baustellen im Kleingartenwesen: insgesamt an 107 Baustellen verschiedenster Größe.

Jugendverkehrsgarten im Grüneburgpark

 

Positive Bilanz

Im Jahre 1951 taucht erstmals im Verwaltungsbericht eine Mitteilung auf, die in der Folge immer wiederkehrt und Stadt- und Grünplaner vor manche sorgenvolle Schwierigkeit gestellt hat: "Die unabweisbare Forderung, den ständig anwachsenden Motorverkehr wieder flüssig zu gestalten, hat uns leider gezwungen, einige kleinere und doch der Bevölkerung ans Herz gewachsene Grünflächen aufzugeben - dafür hatten wir aber den Erwerb besonders wertvoller, weil gut gelegener alter Parkanlagen zu verzeichnen."

Dennoch sieht die Gesamtbilanz des Frankfurter Stadtgrüns nach diesen 20 Jahren entgegen mancher Kritik durchaus positiv aus:

Der Wallanlagenring, die Mainuferanlagen und das Innenstadtgrün wurden wesentlich erweitert, um Dom und Römer neue Gartenhöfe geschaffen. Grünfläche innerhalb des Wallanlagenringes - diesen eingeschlossen 1945: 23,6 ha, 1964: 33,5 ha. Jahr für Jahr wurden 12 bis 15 ha neues Stadtgrün angelegt, zumeist in den neuen Wohngebieten, bzw. wiederhergestellt, so daß die vom Gartenamt direkt zu betreuende Gesamtgrünfläche von 425 ha auf rd. 600 ha anwuchs.

Seit 1945 wurden 236 Kinderspielplätze (einschließlich 12 Rollschuhbahnen und 2 Rollerbahnen) neu geschaffen.

Die Zahl der Straßenbäume konnte trotz beträchtlicher Einbußen infolge von Verkehrsausbauten von rd. 25000 auf 33314 gesteigert werden. Der Bevölkerung stehen wieder über 6000 Anlagenbänke und 300 Stühle zur Verfügung, insgesamt also rd. 24300 Sitzplätze. Die Sanierung des Kleingartenwesens in Anpassung an den Flächennutzungsplan macht sichtbare Fortschritte. Von rd. 14000 Kleingärten haben 4430 Gärten den Status von Daueranlagen (Neuanlagen und sanierte Altanlagen).

Wenn auch die Frankfurter Grünflächenbilanz im Ganzen positiv ist, so bereiten doch folgende Tatsachen zunehmende Sorgen:

Die gesamte öffentliche Anlagenfläche von 600 ha verteilt sich auf über 500 Einzelanlagen im gesamten Stadtgebiet, davon sind rd. 80 Prozent kleiner als 1 ha, also unrationell zu pflegen. Gleichwohl sind diese Kleinanlagen wegen ihrer Wohnungsnähe besonders wertvoll. Das Gartenamt ist damit ein "Transportunternehmen wider Willen" und betriebswirtschaftlich besonderen Schwierigkeiten ausgesetzt.

Der Personalbestand ist im Soll seit Jahren annähernd konstant, tatsächlich sind aber etwa 12 Prozent der Stellen unbesetzt. Der erreichte Tiefstand von 0,32 AK/ha in der Anlagenpflege gefährdet die Erhaltung der Substanz.

Die Betriebs- und Unterhaltungsmittel müssen dem wachsenden Grünflächenbestand angepaßt werden, um die nachhaltige Weiterentwicklung des Stadtgrüns und seine ordnungsgemäße Pflege zu sichern.


Foto:Vack

Frankfurts wärmster Platz: Das Nizza am Mainufer

 

 

Berichtszeitraum: 1965-68

 

Die außerordentliche Anspannung der Gemeinde-Finanzlage hat sich beim Gartenamt in zum Teil sehr drastischer Weise ausgewirkt. So entschied der Magistrat am 6.12.1965, die für 1969 übernommene Bundesgartenschau abzusagen.

Wenn dennoch weitere Fortschritte in der Durchgrünung des Stadtgebietes möglich waren, so lag das daran, daß entweder begonnene oder bereits finanzierte Maßnahmen zu Ende geführt oder Sonderprogramme - wie in der Nordweststadt - erledigt werden mußten. Im letzteren Falle konnte die Hilfe einer amerikanischen Pioniereinheit gewonnen werden, die 1967 umfangreiche Erdarbeiten zur Modellierung der Hauptgrünzone durchführte. Nur durch diese sehr wesentliche Kosteneinsparung war es möglich, unmittelbar anschließend den Wegbau und die gärtnerischen Arbeiten in Auftrag zu geben. Insgesamt konnten der Bevölkerung im Berichtszeitraum 63 Grünanlagen verschiedenster Größe, zum Teil in sehr vereinfachtem Ausbau, mit 31 Spielplätzen und 9 Spiel und Tummelwiesen übergeben werden. Der Flächenzuwachs betrug damit rund 77 ha, so daß nunmehr rund 684 ha mit 277 Kinderspielplätzen und 58 Spiel- und Tummelwiesen der Bevölkerung als aktives Erholungsgrün zur Verfügung stehen.

Für städtische Dienststellen, wie Schulamt, Sport- und Badeamt und Straßenbauamt wurde eine Reihe von Neubaumaßnahmen fertiggestellt, z.B. die Außenanlagen an der Helene-Lange-Schule, am Liebig-Gymnasium, an der Grundschule II in der Nordweststadt, ferner die Bezirkssportanlage Hahnstraße und das neue Brentano-Bad. Begrünungsarbeiten ergaben sich an Straßen und Brückenköpfen wie in der Eschersheimer Landstraße und an der Schwanheimer Brücke und Uferstraße. Der Personalbestand blieb trotz des Flächenzuwachses unverändert. Sparmaßnahmen zwangen sogar zur Sperrung von 38 Arbeiterstellen. Trotzdem stieg der Anteil der Personalkosten im Ordentlichen Haushalt (ohne Geldbeschaffungskosten, die von 5,4% auf 12% anwuchsen) von rund 60% im Jahre 1965 auf rund 69% im Jahre 1968. Das Arbeitskräfteverhältnis ist inzwischen auf 0,31 Mann pro ha abgesunken, während 0,6 AK/ha bei normalem Pflegeanspruch notwendig wären. Die Erhaltung der Grünanlagen konnte bei dem stetig wachsenden Flächenbestand nur durch steigende Betriebs- und Unterhaltungsmittel einigermaßen sichergestellt werden. Wegen des unzureichenden Personalbesatzes muß der Pflegezustand der Anlagen zwangsläufig allmählich absinken. Es gelang jedoch durch Zentralisierung bestimmter Arbeiten (Einsatz von Mähkolonnen) und weitere Ausstattung des Maschinen- und Fahrzeugparks sowie Vergabe von Arbeiten an Unternehmen (123 Grünflächen mit 61 ha) den Arbeitskräftemangel wenigstens notdürftig aufzufangen. Gleichzeitig wurden aufwendigere Arbeiten, wie die jahreszeitliche Bepflanzung von Schmuckbeeten, von bisher viermaligem auf dreimaliges Bepflanzen reduziert und zum Teil wegen des geringeren Pflegeaufwandes auf Rosenpflanzungen umgestellt. Der Baumbestand an Straßen konnte trotz zahlreicher Eingriffe infolge notwendiger Straßenverkehrsbauten durch Neupflanzungen ergänzt werden, so daß zur Zeit 34856 Straßenbäume betreut werden.

Kleingartenwesen

Die Stadt Frankfurt am Main hat sich 1965 erstmalig nach dem Kriege an dem vom Bundesministerium für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung veranstalteten Kleingarten-Wettbewerb beteiligt. Aufgrund der Vorprüfung der Landeskommission für Hessen erhielt die Stadt Frankfurt am Main den Siegespreis des Landes in der Gruppe der Städte über 200000 Einwohner, der mit einem Geldbetrag von 12000 DM verbunden war. Auf Bundesebene wurden die Stadt Frankfurt am Mein und die Stadtgruppe Frankfurt am Main der Kleingärtner mit der bronzenen Siegerplakette ausgezeichnet. 525 Kleingärten fielen Baumaßnahmen, insbesondere Großbauten und dem Straßenausbau zum Opfer. Dem steht ein Zugang von 474 Ersatzkleingärten gegenüber, während 253 Gärten sich noch im Bau befinden. Rund 750000 DM wurden für diese Neuanlagen aufgewendet, wobei ein Teil als Darlehen und ein Teil als verlorener Zuschuß gewährt wurden.

Schul- und Lehrgärten

Im Hauptschulgarten macht sich der Mangel an Arbeitskräften ebenfalls bemerkbar. Die Belieferung der Frankfurter Schulen mit Pflanzen und Pflanzenteilen für den Biologie- und Zeichenunterricht mußte deshalb um 30 Prozent gegenüber den Vorjahren gekürzt werden.

Aus diesem Grunde wurden mit dem Schulamt Überlegungen angestellt, wie ein moderner Biologie-Unterricht mit den wertvollen Pflanzenbeständen als Anschaungsmaterial an Ort und Stelle durchgeführt werden kann. Die Gespräche mit dem Schulamt und den Schulleitern sind noch nicht abgeschlossen. Der Flächenzuwachs von Grün- und Sportanlagen an den Schulen und Kindertagesstätten betrug 6 ha, so daß heute 43 ha Schulgrünflächen zu unterhalten sind. 21 ha mußten an Unternehmer zur Pflege vergeben werden. Auch hier waren geringe Substanzverluste und ein Absinken des Pflegezustandes unvermeidlich.

Reges Interesse und große Beteiligung zeigten Frankfurter Bürger an den Führungen, Lehrgängen und Beratungen in der Beispielobstanlage Lohrberg sowie beim "Pflanzendoktor" im Bethmannpark.

Natur- und Landschaftsschutz

Aus tatsächlichen und rechtlichen Gründen mußte die Verordnung zum Schutz von Landschaftstellen im Stadtkreis Frankfurt vom 30. Juni 1949 neu überarbeitet werden. Am 14. September 1967 wurde die einstweilige Sicherstellung von Landschaftsteilen in der Stadt Frankfurt a.M. und der Entwurf einer "Verordnung zum Schutz von Landschaftsteilen in der Stadt Frankfurt am Main" beschlossen. In den geschützten Landschaftstellen sind Veränderungen oder Beseitigungen, die die Natur schädigen, den Naturgenuß beeinträchtigen oder das Landschaftsbild verunstalten, untersagt.

In der Gemarkung Bergen-Enkheim wurde die Entschlammung des der Stadt Frankfurt am Main gehörenden Enkheimer Riedes beendet. Dieses interessante und wissenschaftlich bedeutende Naturschutzgebiet dient ebenso wie der Berger Hang der Erhaltung geschützter Pflanzen und Tiere. Die als Naturdenkmäler anerkannten Bäume wurden mit den zur Verfügung stehenden Mitteln in gutem Zustand erhalten.

Frankfurt in Blumen

Den Wettbewerb zur Verschönerung des Stadtbildes durch Blumenschmuck führt das Gartenamt in Verbindung mit der Arbeitsgemeinschaft "Frankfurt in Blumen" alljährlich durch. Er erfreut sich bei den Frankfurter Bürgern großer Beliebtheit. Seit 1967 war die Durchführung des Wettbewerbs nur noch durch Spenden von Freunden und Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft "Frankfurt in Blumen" möglich, da städtische Mittel nicht mehr zur Verfügung gestellt werden konnten. Im Berichtszeitraum wurden 121 Ehren- und Wanderpreise, 400 sonstige Preise und 2730 Anerkennungen ausgesprochen.

Zum Auftakt des Wettbewerbs 1968 fand am 18. und 19. Mai auf dem Römerberg der 1. Frankfurter Blumenmarkt statt. Prominente Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, an der Spitze Herr Oberbürgermeister Prof.Dr.Brundert, bepflanzten im Rahmen einer Eröffnungsfeier Blumenkästen. Amerikanische und deutsche Musikkapellen und Chöre umrahmten diese Veranstaltung. Zur Anregung und als Beispiel waren 34 mit Blumen bepflanzte Kästen und Kübel aufgestellt. Um die erfolgreiche Durchführung dieses Blumenmarktes hat sich die Kreisgruppe Frankfurt am Main des deutschen Gartenbauverbandes besonders verdient gemacht.

Anläßlich der Grundsteinlegung zur Wiedererrichtung der Hauptwache fand auch die Feier zum "Tag des Baumes" statt, bei der die ersten 8 Platanen einer größeren Gruppe gepflanzt wurden.

 

 

Berichtszeitraum: 1969-72

 

Der Berichtszeitraum ist charakterisiert durch das stark gestiegene Umweltbewußtsein aller Bevölkerungsschichten. Dazu hat insbesondere die Fülle von Aktivitäten und einschlägiger Publikationen im ,,Europäischen Naturschutzjahr 1970" entscheidend beigetragen. Parallel dazu waren wesentliche Initiativen des verstorbenen Oberbürgermeisters Möller zur Verbesserung des „Lebenswertes der Stadt" zu verzeichnen.

Neuanlage von Grünflächen

Im Berichtszeitraum wurden 90 Grünanlagen mit 40 Spielplätzen und 20 Spiel- und Tummelwiesen fertiggestellt, während wegen Verkehrsumbauten 21 Grünanlagen mit 6 Kinderspielplätzen und 2 Spiel- und Tummelwiesen aufgegeben werden mußten. Der Zugang betrug 38,2 ha, der Abgang 18,1 ha, so daß der Fiächenzuwachs sich auf 20,1 ha belief. Der Bevölkerung stehen somit 704,1 ha öffentliche Grünflächen und Parkanlagen mit 311 Kinderspielplätzen und 76 Spiel- und Tummelwiesen zur Erholung und aktiven Freizeitgestaltung zur Verfügung. Zusätzlich ist der kurz vor der Vollendung stehende „Miquelpark" zu erwähnen, der von der Bundesbank finanziert und der Stadt Frankfurt später übereignet wird. Weitere Fortschritte sind bei der Herstellung der öffentlichen Grünflächen in den Siedlungsbereichen Nordweststadt, Nieder Kirchweg und Atzelberg zu verzeichnen. Neben der baureifen Planung vieler Spiel- und Sportplätze, Außenanlagen an Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen wurden Planungen von Erholungs- und Freizeitbereichen überregionaler Bedeutung erarbeitet, wie für den Grünraum Niddatal einschließlich Nidda-Zoo, das Schwanheimer Feld und für einen kombinierten Kleingarten- und Sportpark westlich der Nordweststadt. Schwerpunkte der Neuanlagen für andere städtische Dienststellen lagen vorwiegend im Bereich der Schulen, der Sportanlagen und des Straßenbegleitgrüns. So wurden z.B. die Außenanlagen der Volksschule Preungesheim, der Goldsteinschule und der Karl-von-Weinberg-Schule fertiggestellt. Ferner wurden 6 neue Bezirkssportanlagen u.a. an der Ginnheimer Landstraße, in Fechenheim und in Zeilsheim ihrer Bestimmung übergeben. Auch die Vorbereitungsarbeiten für den Umbau des Waldstadions - Spielfelder und Begrünung - sind abgeschlossen. In den Berichtszeitraum fällt die Eröffnung des Eschersheimer Freibades, dessen Außenanlagen vom Gartenbauamt geplant und ausgeführt wurden. Von den über 40 fertiggestellten Projekten von Straßenbegleitgrün sind zu erwähnen: Kurt-Schumacher-Straße, Durchbruch Gartenstraße, Umfahrung Ginnheim, Nieder Kirchweg, Uferstraße Schwanheim u.a. Hierbei konnten in erheblichem Umfange auch neue Bäume gepflanzt werden. Daneben ist die Durchgrünung von Fußgängerbereichen, insbesondere im Hauptwache-Bereich mit Rathenauplatz, Börsenplatz und angrenzenden Fußgängerstraßen, Konstabler Wache sowie dem Nord-West-Zentrum hervorzuheben. Unter der Federführung des Gartenamtes hat sich eine Arbeitsgruppe für Kinderspielplätze konstituiert, die sich der Sanierung überalterter Spielplätze und der Erarbeitung neuer Spielplatzmodelle im Rahmen eines Spielplatz- Entwicklungsplanes widmet. Ein erster Untersuchungsbericht liegt vor.

Anlagenunterhaltung

Der Zustand der Grünanlagen hat sich im Berichtszeitraum weiterhin verschlechtert, obwohl gegenüber 61 ha im Jahre 1968 heute 126 ha an Fachfirmen zur Pflege vergeben werden. Dies hängt vor allem mit dem Zugang an Grünflächen bei unverändertem Personalbestand zusammen. Die Neupflanzungen von Straßenbäumen und deren Abgang infolge Alters und schlechter Lebensbedingungen oder Beseitigung wegen Verkehrsmaßnahmen hielten sich etwa die Waage, so daß heute in den Straßen rd. 22150 Bäume stehen. Der Zugang an Bäumen in Öffentlichen Grünanlagen betrug 4666 Exemplare aller Baumarten. Das einsetzende Sterben von Straßenbäumen ist auf das Zusammenwirken einer Reihe von Faktoren zurückzuführen. Hauptursache dürfte der trockene Sommer 1971 mit seinem ganz erheblichen Absinken des Grundwasserspiegels sein. Hinzu kommt die Bodenverdichtung durch parkende Fahrzeuge, wodurch die notwendige Belüftung des Wurzelbereichs verhindert wird. Streusalze, Abgase aus Motoren und Heizungen sowie z.T. erhebliche mechanische Verletzungen sind weitere Ursachen für die schlechten Wachstumsbedingungen. Um diesen Auswirkungen nach Möglichkeit zu begegnen, sollen durch den Bau von Hochbeeten die Pflanzstreifen für die Straßenbäume geschützt werden. Die Stadtwerke haben wegen Unwirtschaftlichkeit zum 1.1.1969 gemäß §12 der Wasserabgabeordnung die Versorgung der öffentlichen Grünanlagen mit Flußwasser gekündigt. Die Umstellung von Flußwasser auf Trinkwasser erforderte 355000,-DM, ohne Folgekosten für die laufende Lieferung von Trinkwasser von 0,90 DM/cbm.

Kleingartenwesen

1173 Kleingärten mußten geräumt werden, um insbesondere Platz zu schaffen für den Ausbau der Bundesautobahn-Anschluß West, der Friedberger Landstraße, der Bundesautobahn Bingen-Fulda - Knotenpunkt Miquelallee, sowie für den Neubau des Fernmeldeturmes auf der Ginnheimer Höhe. Dem steht bisher ein Zugang von nur 408 Ersatzgärten gegenüber, so daß sich der Bestand um 665 Gärten verringerte. Daß der Verlust noch nicht aufgefangen wurde, liegt in erster Linie daran, daß kein geeignetes Gelände bereitgestellt werden konnte. Auch die steigenden Kosten für Grunderwerb und die Einrichtung der Gärten wirkten verzögernd. Damit die Kleingartenvereine ihren Aufgaben gerecht werden können, hat die Hessische Landesregierung erstmalig 1969 Mittel zur Förderung des Kleingartenwesens in den Haushalt aufgenommen. Unter Mitwirkung des Gartenamtes sind bis heute sowohl der Stadt Frankfurt am Main als auch den Kleingartenvereinen für die Sanierung bestehender Einrichtungen für Landerwerb und Errichtung neuer Kleingartenanlagen insgesamt 574600,- DM an nicht rückzahlbaren Beihilfen zugeflossen. Im gleichen Zeitraum hat das Gartenamt für denselben Zweck 607300,- DM bereitgestellt, wovon den Vereinen 310000,- DM als verlorene Zuschüsse gewährt wurden. Der Pachtzins ist ab 1.1.1971 aufgrund eines Beschlusses der Stadtverordneten-Versammlung auf 8,- DM/ar anstelle von 6,- DM/ar erhöht worden.

Natur- und Landschaftsschutz

Im Baugenehmigungsverfahren wurde auf die intensive Durchführung der Begründung der Baugebiete und der einzelnen Objekte eingewirkt. Die zur Zeit gültigen Rechtsgrundlagen zum Schutze des Baumbestandes und dessen Vermehrung sind nicht ausreichend genug, um den Erfordernissen der Praxis voll gerecht zu werden. Deshalb haben die städtischen Körperschaften eine Ortssatzung als Bebauungsplan für die Erhaltung und das Anpflanzen von Bäumen und Sträuchern nach dem Bundesbaugesetz beschlossen, der sich allerdings noch im Genehmigungsverfahren befindet. Die Naturdenkmäler und die Natur- und Landschaftsschutzgebiete wurden im Benehmen mit der Polizei- und Ordnungsbehörde (Feld- und Anlagenschutz) intensiv überwacht. Verstöße wurden als Ordnungswidrigkeiten verfolgt.

Schulgrün

Im Rahmen der öffentlichen Einrichtungen nehmen die Bauten für die Jugend eine besondere Stellung ein. Sie können ihrer Funktion in einer modernen Gesellschaft nur gerecht werden, wenn sie dem heranwachsenden Menschen einen ausreichend großen, von Umweltgefährdungen geschützten Freiraum zur Verfügung stellen, der Platz zur Besinnung, zum freien Spiel, zum Training körperlicher Leistungen wie auch zum Üben von Lernprozessen sein kann. Bei den Neubauten von Schulen und Kindertagesstätten wurden diese Forderungen neuzeitlicher Erziehung weitgehend durch ein vielseitiges Freiflächenangebot realisiert. An den 145 Schulen und 90 Kindertagesstätten in Frankfurt am Main bestehen zur Zeit ca. 20 ha Schulsportanlagen, 22 ha allgemeine Grünanlagen an Schulen, 1 ha Schulgärten, 8 ha Spiel- und Gartenanlagen an Kindertagesstätten. Der Bestand an den vom Gartenamt zu unterhaltenden Außenanlagen ist jedoch seit 1968 nur um 5 ha angestiegen, was auf die flächenmäßige Beengtheit der meisten Objekte schließen läßt.

 
Quelle: Jahresberichte der Stadt Frankfurt 1945-72
frankfurt baut auf