|
Berichtszeitraum: 1945-65
Das Historische Museum hatte bei Kriegsende alle
Gebäude verloren, in denen seine Schausammlungen, Depots, Werkstätten
und Verwaltungsräume untergebracht waren; das Archivgebäude
mit dem Leinwandhaus (Weckmarkt 1-3), das Haus zur Goldenen Waage
(Höllgasse 13), das Haus zum Grünen Baum (Große
Fischergasse 4), die Gebäude der Rosenberger Einung (Battonstraße
48/Klostergasse 24-26) waren durch Bomben und Brand völlig
zerstört. Der größte Teil der umfangreichen und
bedeutenden Sammlungen zur Kunst- und Kulturgeschichte der Stadt
Frankfurt (Gemäldesammlung, Graphische Sammlung, Sammlung kulturhistorischer
Gegenstände aller Art, Münzkabinett) war rechtzeitig ausgelagert
worden und hatte den Krieg, abgesehen von Plünderungsschäden
an einem der 18 Auslagerungsorte, gut überstanden. Die Museumsverwaltung
hatte eine allerdings höchst unzulängliche Unterkunft
in einem mit einem Notdach versehenen Flügel der Ruine des
Dominikanerklosters gefunden.
Die Rückführung des Museumsgutes nach
Frankfurt zog sich bis zum Jahre 1948 hin. Der ehemalige Luftschutzbunker
in Griesheim ,
der die Bestände nun aufnahm, war weder heizbar, noch ausreichend
belüftet, so daß sich bald vor allem an Gemälden,
Möbeln, Textilien und Eisengegenständen Feuchtigkeitsschäden
zeigten, deren Behebung viele Mühe und erhebliche Mittel erforderte.
Erst im Jahre 1954 konnte ein Teil der Gemälde
in trockenen Nebenräumen der Paulskirche untergebracht werden.
Von März 1956 an wurden für die am meisten gefährdeten
Sammlungsstücke im Bernusbau des Saalhofes, der im Außenbau
wiederhergestellt, im Inneren jedoch als Rohbau belassen worden
war, bessere, aber immer noch behelfsmäßige Depoträume
eingerichtet. Für den Rest der Sammlungsbestände wurden
dem Museum im Jahre 1958 das Refektorium und einige hinlänglich
trockene Kellerräume des Karmeliterklosters als Behelfsdepots
zugewiesen. Die Museumsverwaltung und die Graphische Sammlung zog
im November 1955 in den Burnitzbau des Saalhofes um. Auch das Münzkabinett,
das bis dahin im Holzhausenschlößchen
untergebracht war, wurde im November 1957 in den Saalhof verlegt.
Die wissenschaftliche Arbeit des Museums war in den Jahren unmittelbar
nach dem Krieg durch die ungünstige Unterbringung der meist
in Kisten verpackten Museumsbestände und durch den Verlust
des größten Teils der alten Inventarkartei stark gehemmt.
Erst nach dem Umzug in den Saalhof konnte die systematische Revision
des Gesamtbestandes in Angriff genommen werden, die die Feststellung
der Kriegsverluste und den Aufbau einer neuen wissenschaftlichen
Kartei zum Ziele hatte. Durch zahlreiche Neuerwerbungen, Geschenke
Frankfurter Bürger sowohl wie Ankäufe aus städtischen
Mitteln, konnten Kriegsverluste zum Teil ausgeglichen und bestehende
Lücken in den einzelnen Abteilungen ergänzt werden. Besonders
zu erwähnen sind die Vermehrung der Sammlung Frankfurter Fayencen
durch den Ankauf der Sammlung Kratz, die Erwerbungen für die
Sammlung Höchster Porzellan und der Ausbau der Kostümsammlung.
Trotz der ungünstigen Umstände bemühte sich das Museum
unmittelbar nach dem Kriege wieder, Kontakt mit der Öffentlichkeit
aufzunehmen. Als erste Abteilung wurde 1948 die Graphische Sammlung
mit ihren reichen Materialien zur Topographie und Geschichte der
Stadt dem Publikumsverkehr geöffnet. Größere und
kleinere Ausstellungen hielten das Interesse der Bevölkerung
am Historischen Museum wach. Von 1956 an wurden im Bernusbau des
Saalhofes jedes Jahr mehrere Ausstellungen, jeweils unter einem
bestimmten Thema, aus den Beständen des Museums veranstaltet,
ebenso Ausstellungen mit Leihgaben anderer Museen, Institute und
Privatsammlungen, von denen nur die "Synagoga, Jüdische
Altertümer, Handschriften und Kultgeräte" genannt
sei. Konzerte auf alten Instrumenten des Museums, die der Patronatsverein
veranstaltete, und andere Vorführungen ergänzten das Ausstellungsprogramm.
Dem Frankfurter Kunstverein, dem Museum für
Völkerkunde und dem Kuratorium Kulturelles Frankfurt stellte
das Historische Museum mehrmals Räume, Material und Personal
für den Aufbau von Ausstellungen zur Verfügung. In der
wissenschaftlichen Reihe der Schriften des Historischen Museums
erschienen seit 1954 die Bände VII-XI, von den Kleinen Schriften
die Hefte 1-5, die jeweils einen Führer durch eine Sonderabteilung
des Museums darstellen. Zu jeder größeren Ausstellung
wurde ein ausführlicher Katalog herausgegeben. Als Sonderbände
erschienen "Kunst und Kultur in Frankfurt am Main" (1955),
und "Gemälde des Historischen Museums Frankfurt am Main"
(1957).
Das Historische Museum steht mit 350 Museen und
wissenschaftlichen Instituten des In- und Auslandes im Schriftenaustausch.
Leider konnten die Pläne für einen Museumsneubau bis jetzt
nicht realisiert werden. An einen Wiederaufbau in der alten Form
war aus vielen Gründen nicht zu denken. Von den verschiedenen
Vorschlägen nahm der Plan, die ausgebrannten Gebäude des
Saalhofes mit der Saalhofkapelle und dem Rententurm für die
Zwecke des Historischen Museums auszubauen und die historischen
Gebäude durch einen nördlich davon gelegenen modernen
Trakt zu ergänzen, Gestalt an. Die Architekten Kellner und
Wagner wurden mit der Vorplanung für das Gesamtprojekt beauftragt;
die vorgelegten Pläne wurden am 9.11.1959 einstimmig vom Magistrat
und am 11.3.1960 auch durch die Stadtverordnetenversammlung gebilligt.
Die Detailplanung und der Kostenanschlag in Höhe von 16,9 Millionen
konnte im März 1963 dem Bauamt übergeben werden. Im Investitionsplan
der Stadt Frankfurt sind die ersten Mittel für den Baubeginn
für das Jahr 1968 vorgesehen. Ein dringender Wunsch nicht nur
der Museumsleitung, sondern auch weiter Bevölkerungskreise
ginge in Erfüllung, wenn der Neubau im Jahr 1978, in dem das
Historische Museum sein 100jähriges Bestehen feiern kann, der
Öffentlichkeit übergeben werden könnte. Für
die nächsten Jahre wird die Hauptaufgabe des Museums die Fortführung
der Gesamtrevision, die Vervollständigung der wissenschaftlichen
Kartei und die Verbesserung der Behelfsdepots sein. Gegenwärtig
ist bereits ein großer Teil der Bestände systematisch
geordnet und kann, soweit die Enge der Räume es erlaubt, von
Wissenschaftlern und Studierenden, von Lehrern und Schülern,
von Presse, Rundfunk und Fernsehen benutzt werden. Auch die Handbibliothek
steht Besuchern des Hauses zur Verfügung. Sonderausstellungen
aus Museumsbeständen sind auch für die nächsten Jahre
geplant; ebenso soll die Reihe der Schriften weiter fortgeführt
werden.
Foto:Schröder-Kiewert
Historisches Museum, Rententurm am Fahrtor
Berichtszeitraum: 1965-68
Das Historische Museum hat trotz der ungünstigen
Unterbringung seine Arbeit nach innen und außen weiter aktiviert.
Die Revision der Bestände wurde fortgeführt und die wissenschaftlichen
Inventare wurden vervollständigt. In Verbindung damit wurden
große Teile der Depots neu geordnet und für die wissenschaftliche
Benutzung zugänglich gemacht.
Die Bestände konnten durch Erwerbungen des
Vereins für das Historische Museum, durch Geschenke und durch
Zuweisungen vermehrt werden, in den Jahren 1965, 1966 und 1968 auch
durch Ankäufe aus Etatmitteln. Unter den Erwerbungen sind hervorzuheben:
- Großes Stilleben von Otto Scholderer (erworben
durch den Verein für das Historische Museum),
- Porträt des Bürgermeisters Guaita
von Ferdinand Georg Waldmüller (Leihgabe der Bundesrepublik),
- Gemälde von Hans Thoma, Knabe am Bach (Leihgabe
der Bundesrepublik),
- Kreidezeichnung von Ernst Ludwig Kirchner, Königstein
im Taunus,
- Belagerungsplan von 1552 von Conrad Faber von
Kreuznach, Unikum, Probedruck zwischen der 2. und 3. Ausgabe,
- Frankfurter Silberschale um 1670/80,
- Frankfurter Fayence-Schüssel von 1675,
- zwei Höchster Fayence-Vasen,
- zweiteiliger Tafelaufsatz aus Hanauer Fayence,
- Fayence-Platte, signiert von Joseph Philipp
Dannhöfer,
- Büste der Frau May von Weinberg von Alexander
Archipenko 1923,
- Bronzestatuette eines Fischers von Fritz Boehle,
- Einrichtung eines Biedermeier-Zimmers,
- Einrichtung einer Goldschmiedewerkstatt.
Ausstellungen:
Das Museum veranstaltete folgende Ausstellungen:
- 20.11.1965 bis 16.1.1966 Glasgemälde des
Historischen Museums Frankfurt a.M. (4641 Besucher)
- 9.12.1966 bis 30.1.1967 Optisches Wintervergnügen
anno dazumal (9554 Besucher)
- 2.5.1967 bis 16.6.1967 Münzstätten
in und um Frankfurt a.M. (in der Stadtsparkasse Frankfurt a.M.)
- 27.7.1967 bis 27.8.1967 Handelszentrum Frankfurt
a.M. in alter Zeit (im US Trade-Center Frankfurt a.M.
)
Außerdem haben wir viele Ausstellungen mit
Leihgaben beschickt, darunter die 10. Ausstellung des Europarates
1965:
- "Karl der Große" in Aachen (26.Juni
bis 19.September 1965);
- die Ausstellung der Staatlichen Museen Berlin
"Deutsche Barockmalerei" (26.August bis 16. Oktober
1966);
- die Ausstellung des Städelschen Kunstinstituts
"Adam Elsheimer" (2.Dezember 1966 bis 5. Februar 1967).
Zahlreichen Besuchern der Ausstellungen und Benutzern
der Graphischen Sammlung und des Münzkabinetts wurden mündliche
und schriftliche Auskünfte erteilt, außerdem für
Wissenschaftler, Verlagsunternehmen, Schulen und Arbeitsgemeinschaften
Materialien aus den Sammlungen bereitgestellt.
Veröffentlichungen
- Glasgemälde aus Frankfurter Sammlungen
von S. Beeh-Lustenberger, 1965 mit Unterstützung des Kuratoriums
Kulturelles Frankfurt herausgegeben,
- Heft XII der Schriften des Historischen Museums,
1966 mit folgenden Beiträgen:
- Otto Stamm: Der königliche Saalhof zu Frankfurt
am Main
- Horst Reber: Der Frankfurter Bildhauer Johann
Wolfgang Fröhlicher und seine Arbeiten in Trier
- Guido Schoenberger: Der Frankfurter Goldschmied
Johann Matthias Sandrart
- Wolfgang Einsingbach: Der Sarkophag der Fürstin
Henriette Dorothea von Nassau-Idstein in der Unionskirche zu Idstein
- ein Werk des Frankfurter Zinngießers Georg Jost Benedikt
Cronobolt
- Ludwig Baron Döry: Zwei Nutzbauten von
Johann Jakob Samhammer
- Bernward Deneke: Beiträge zur Geschichte
nationaler Tendenzen in der Mode von 1770 bis 1815
- Neuerwerbungen des Historischen Museums
Wissenschaftliche Forschungsarbeiten
- Materialsammlung für ein "Corpus der
mittelrheinischen Barockplastik" durch Dr. Baron Döry,
- Finanzierung durch die Akademie der Wissenschaften
und der Literatur Mainz (Hechtsheim),
- Materialsammlung für eine wissenschaftliche
Bearbeitung der Kurfürstlichen Porzellanmanufaktur in Höchst
durch Dr.Horst Reber,
- Finanzierung des Fotomaterials und der Studienreisen
durch die Ceramica-Stiftung,
- Materialsammlung zur Malerei am Mittelrhein
mit besonderer Berücksichtigung Frankfurts durch Frau Dr.
Suzanne Beeh-Lustenberger,
- Finanzierung durch die Adolf und Luisa Haeuser-Stiftung,
- Inventarisierung der Globen und wissenschaftlichen
Instrumente des Historischen Museums Frankfurt a.M. durch Frau
Dr. Mary Holbrook,
- Finanzierung mit Unterstützung der Deutschen
Forschungsgemeinschaft und der Bank für Gemeinwirtschaft.
Die Arbeiten sind noch nicht abgeschlossen.
Besondere Ereignisse
In den Jahren 1966 und 1967 wurde das Innere der
Saalhofkapelle restauriert; gleichzeitig wurden zwei Vorräume
für Ausstellungszwecke hergerichtet.
Die Kapelle konnte am 6.Mai 1968 durch den Herrn
Oberbürgermeister feierlich der Öffentlichkeit übergeben
werden.
Durch Magistratsbeschluß vom 13.2.1967 wurden
dem Historischen Museum die Gebäude der ehemaligen Rothschildbibliothek,
Untermainkai 14/15 als Ausstellungs- und Magazingebäude übergeben.
Da uns Umzugsgelder nicht zur Verfügung standen, transportierte
uns die Frankfurter Speditionsfirma ISPA kostenlos Teile unserer
Sammlung (insbesondere die Kostüm- und Spielzeug-Abteilung)
in die neuen Räume. Den Einbau einer Raumsicherungsanlage,
mit der im Januar 1968 begonnen wurde, ermöglichte die Adolf
und Luisa Haeuser-Stiftung durch Vorlage der erforderlichen Gelder.
Die Firma Telefonbau und Normalzeit gewährte auf die Gesamtsumme
einen Nachlaß von 20%.
Die Instandsetzung der Erdgeschoßräume
für Ausstellungszwecke begann ebenfalls im Januar 1968. Dafür
bewilligten die städtischen Körperschaften Sondermittel.
Die Eröffnung der Ausstellungsräume ist für September
1968 geplant.
Berichtszeitraum: 1969-72
Museumsneubau
Die Arbeit des Historischen Museums in den vergangenen
vier Jahren erhielt ihren Hauptakzent durch den Magistratsbeschluß
Nr. 782 vom 28.April 1969, mit dem das Hochbauamt beauftragt wurde,
für den Ausbau und den Neubau des Historischen Museums im Saalhof
Vorentwurf und Kostenvoranschlag zu erstellen. Dieser nach langen
Jahren des Wartens kaum mehr erhoffte Beschluß stellte die
Mitarbeiter des Museums vor die Aufgabe, zu einem Zeitpunkt, da
die Diskussion über die Funktion des Museums in unserer modernen
Gesellschaft in vollem Gange war und noch keineswegs zu konkreten
Ergebnissen geführt hatte, eine Konzeption zu formulieren,
die den Planern als Grundlage für den Vorentwurf dienen konnte.
Angestrebt wurde, um auch für eine zukünftige Entwicklung
der Museumstechnik und -didaktik offen zu sein, eine möglichst
große Variabilität und Flexibilität der neuen Museumsräume.
Das Museumsprojekt wurde am 19.März 1970 von der Stadtverordnetenversammlung
genehmigt. Im Frühjahr 1970 wurde nach den Plänen des
Hochbauamtes mit dem Aushub der Baugrube für den Neubau begonnen.
Während dieser Erdarbeiten durchforschten die Kollegen vom
Museum für Vor- und Frühgeschichte den von den Baggern
aufgewühlten Boden und gewannen neue Erkenntnisse über
die ursprüngliche Bebauung des Saalhofgeländes. Die noch
im aufgehenden Mauerwerk erhaltenen, aus dem 12. und 13. Jahrhundert
stammenden Bauteile wurden untersucht, vermessen und zeichnerisch
aufgenommen, um Unterlagen für die Rekonstruktion des ursprünglichen
Zustandes zu erhalten. Begünstigt durch die milde Witterung
des Winters 1970/1971 machte der Rohbau trotz unvorhergesehener
Schwierigkeiten rasche Fortschritte, so daß am 25.Juni 1971
die Richtkrone aufgezogen werden konnte. Das neue Museum kann sich
nicht darauf beschränken, die im Laufe der Zeit gesammelten
oder durch Vermächtnisse, Geschenke und Zuweisungen in seinen
Besitz gekommenen Kunstwerke und sonstigen historischen Materialien
wohlsortiert und in gefälliger Form darzubieten und es im übrigen
dem Besucher zu überlassen, welchen Gewinn er je nach Veranlagung
und Bildungsstand daraus zieht. Es kommt vielmehr darauf an, dem
Museumsbesucher Einsicht in historische und gesellschaftliche Zusammenhänge
zu vermitteln, die Beziehung der ausgestellten Gegenstände
sowohl untereinander wie auch zu den gesellschaftlichen, politischen
und kulturellen Erscheinungen der Gegenwart transparent zu machen
und Erkenntnisse zu ermöglichen, die für den einzelnen
wie für die Gesellschaft von Bedeutung sind. So wird das Museum
Bestandteil eines modernen Bildungssystems, das allen zur Verfügung
steht.
Innenhof des neuen Historischen Museums
Die reichhaltigen, vielfältigen und verschiedenartigen
Sammlungen des Historischen Museums sind von Anfang an, wenn auch
unter wechselnden Gesichtspunkten, auf die Dokumentation historischer
Fakten und Abläufe angelegt und bilden eine brauchbare Grundlage
für die Verwirklichung des angestrebten Zieles. Sie enthalten
Materialien zur Geschichte der Stadt Frankfurt von ihren Anfängen
bis zur Gegenwart, Kunstwerke von hohem Rang ebenso wie Gegenstände
des täglichen Gebrauchs aus allen Epochen. Die Ergebnisse der
historischen und gesellschaftskundlichen Wissenschaften ermöglichen
die Einordnung dieser Materialien in die verschiedenen Bezugssysteme.
Am Beispiel der Stadt Frankfurt können auch historische Zusammenhänge
allgemeiner Art, ihre Gesetzmäßigkeiten und Widersprüche,
die Vielfalt menschlicher Existenz- und Daseinsformen, soziale und
kulturelle Strukturen dargestellt und erkennbar gemacht werden.
Dazu ist es notwendig, alle zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen
Erkenntnisse und die Möglichkeiten der modernen Informations-
und Kommunikationstechnik zu nutzen. Mit Magistratsbeschluß
Nr. 1786 vom 19.Juli 1971 wurde das Institut für Visuelle Kommunikation
Professor Herbert W.Kapitzki beauftragt, die museographische Gestaltung
des Historischen Museums durchzuführen. Trotz der Kürze
der zur Verfügung stehenden Zeit ist der innere Ausbau des
Museums inzwischen soweit fortgeschritten, daß der erste Abschnitt
im Oktober 1972 eröffnet werden konnte. Der Vortragssaal des
Museums steht vom gleichen Zeitpunkt an dem Kommunalen Kino für
seine Veranstaltungen zur Verfügung.
Das Historische Museum Im Rothschild-Palais
Wenn auch die Arbeiten für die Planung und
Einrichtung des neuen Museums die Hauptaufgabe waren, so mußte
doch die laufende Museumsarbeit ohne allzu große Einschränkungen
weitergeführt werden. Die Arbeitsräume und Werkstätten
sowie das Münzkabinett, die Bibliothek, die Graphische Sammlung
und ein Teil der übrigen Sammlungen wurden im Sommer und Herbst
1969 in das Rothschild-Palais, Untermainkai 14/15, verlegt, in dessen
Erdgeschoß schon im September 1968 Ausstellungsräume
des Historischen Museums eröffnet worden waren. Die dort geplante
Einrichtung weiterer Ausstellungs- und Studienräume mußte
zurückgestellt werden, ebenso wie die Räumung der Behelfsdepots
im Karmeliterkloster. Auf Wechselaustellungen aus Museumsbeständen
in eigenen Räumen mußte unter diesen Umständen verzichtet
werden, doch stellte das Historische Museum eine Ausstellung Geld
im Wandel der Zeit" zusammen, die, von Günther Kieser
gestaltet, von der Bank für Gemeinwirtschaft in der Schalterhalle
ihrer Hauptstelle in Frankfurt vom 6.Dezember 1969 bis 30.Januar
1970 und im Jahre 1971 in mehreren Großstädten der Bundesrepublik
mit Erfolg gezeigt wurde. In der Partnerstadt Lyon zeigte das Museum
vom 1. bis 30.April 1971. in Verbindung mit dem Amt für Wirtschaft
der Stadt Frankfurt und dem Goethe-Institut Lyon eine Ausstellung
Francfort au temps de Goethe, art et culture dans la deuxième
moitié du XVIIIe siècle", die in der Lyoner wie
in der Frankfurter Presse anerkennend gewürdigt wurde. Für
zahlreiche andere Ausstellungen wurden Leihgaben zur Verfügung
gestellt. Die Restaurierung von Museumsgegenständen und die
Revision der Bestände wurde fortgesetzt. Die Spielkartensammlung
wurde neu inventarisiert und wissenschaftlich bearbeitet; im Herbst
1972 erscheint ein ausführlicher, von Detlef Hoffmann verfaßter
Katalog dieser Sammlung. Zum gleichen Zeitpunkt wird auch der Band
XIII der Schriften des Historischen Museums" fertiggestellt;
er enthält folgende Beiträge:
- Günther Binding: Die Saalhof-Kapelle
zu Frankfurt am Main";
- E. Schenk z.S.: Pictura Francofordiana";
- Christian Theuerkauff: Justus Glesker
oder Ehrgott
- Bernhard Bendl? - Zu einigen Elfenbeinbildwerken
des Barock";
- Horst Reber: Vier Bilder von Philipp Augustyn
Immenraet";
- Mendel Metzger: Eine illustrierte Estherrolle
der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts im Historischen Museum
Frankfurt am Main", mit einem Anhang über Megilla- Hülsen;
- Rainer Rückert: J.P.Melchiors Porträtdarstellungen
des Grafen Philipp zu Eltz und des Freiherrn v. Groschlag";
- Detlef Hoffmann: Ein Kartenspiel Alfred
Rethels - Bemerkungen zum Verhältnis von Spielkarten und
Historienmalerei";
- Walter Röhler: Frankfurter
Kinder- und Haus-Theater"; Neuerwerbungen des Historischen
Museums Frankfurt am Main 1964-1967.
Personelle Veränderungen
Der Stellenplan des Historischen Museums wies zu
Beginn der Berichtszeit 3 wissenschaftliche Beamte, 1 Verwaltungsbeamtin,
9 Angestellte, 10 Arbeiter aus. Inzwischen wurden Planstellen für
3 wissenschaftliche Mitarbeiter, einen Gemälderestaurator,
einen Betriebsangestellten, eine Stenosekretärin, 2 Pförtner,
einen Arbeiter, 2 Aufseher, 1 Garderobenfrau neu genehmigt. Die
Wissenschaftler haben ihre Tätigkeit am Museum bereits aufgenommen.
Die anderen neu genehmigten Stellen sind noch nicht besetzt.
|
|