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Berichtszeitraum: 1945-65
Aufgaben
Der Begriff "Polizei" ist im Laufe der
Zeit in völlig verschiedener Bedeutung gebraucht worden. Man
verstand darunter die gesamte staatliche Tätigkeit auf dem
Gebiete der Gefahrenabwehr, alle Behörden, die mit der Gefahrenabwehr
betraut sind, die Behörden und Beamten des Polizeivollzugsdienstes.
Oberster Leitsatz ist aber stets die Aufgabenstellung nach der polizeilichen
"Generalklausel" geblieben. Sie umfaßt treffend
die Aufgaben der Polizei, die auf die Gefahrenabwehr abgestellt
sind. Auch das neue Hessische Gesetz über die öffentliche
Sicherheit und Ordnung (HSOG) vom 17.12.1964 sagt in § 1 :
"Die zuständigen Behörden (Verwaltungsbehörden,
Polizeibehörden) und die Vollzugspolizei haben im Rahmen der
geltenden Gesetze die nach pflichtmäßigem Ermessen notwendigen
Maßnahmen zu treffen, um von der Allgemeinheit oder den einzelnen
Gefahren abzuwehren, durch die die öffentliche Sicherheit oder
Ordnung bedroht wird (Gefahrenabwehr)". Aus dem umfassenden
Aufgabengebiet der Polizei sind in der Absicht der Entpolizeilichung
nach und nach immer wieder Teile herausgelöst und Spezialbehörden
übertragen worden. Mit der Gefahrenabwehr ist daher heute keineswegs
nur die Vollzugspolizei beauftragt. Neben der Schutz- und Kriminalpolizei,
die hauptsächlich in der Gefahrenabwehr bzw. in der Strafverfolgung
tätig sind, werden Verwaltungsabteilungen insbesondere mit
polizeilichen Aufgaben betraut, die der Gefahrenabwehr dienen.
Entwicklung seit 1945
Mit dem totalen Zusammenbruch im Jahre 1945 und
der Übernahme der gesamten öffentlichen Gewalt durch die
Besatzungsmächte wurde die deutsche Reichspolizei in ihrer
bestehenden Organisation aufgelöst. Schon gleich nach der Besetzung
der Stadt Frankfurt am Main am 29.3.1945 wurde anstelle der staatlichen
Polizei eine kommunale Ordnungspolizei gebildet, die zum Schutze
der verbliebenen Verpflegungs- und Materiallager sowie der Lebensmittelgeschäfte
eingesetzt wurde. Sie versah ihren Dienst in bürgerlicher Kleidung.
Die Rechtsgrundlage für die Neuordnung der
Polizei ergab sich aus dem Titel 9 der Vorschriften der Militärregierung.
Untergebracht wurde die Polizei zunächst im leerstehenden Allianzgebäude
in der Taunusanlage .
Das Polizeipräsidium war zum Teil zerstört, der verbliebene
Rest besetzt, genau wie auch die Polizeiunterkunft "Gutleutkaserne".
Die Polizeireviere waren verwaist. Ende Juni 1945 wurde eine Alarmbereitschaft
aufgestellt und in dem inzwischen freigewordenen Polizeipräsidium
untergebracht. Die Hauptaufgabe dieser Alarmbereitschaft bestand
später in der Bekämpfung des Schwarzen Marktes. Nach und
nach wurden mit Unterstützung bzw. Genehmigung der Besatzungsmacht
Kraftfahrzeuge, Pferde, Nachrichtenmittel und später auch Waffen
beschafft. Einen unmittelbaren Einfluß übte die Besatzungsmacht
auf die Einstellung des Personals aus. Bei jeder Wieder- und Neueinstellung
mußte die Zustimmung der Besatzungsmacht eingeholt werden.
Die meisten Bewerber waren bisher nicht im Polizeidienst tätig.
Es wurde darum eine eigene Polizeischule eingerichtet. Eine große
Anzahl der Neueingestellten ist nach kurzer Zeit wieder aus dem
Polizeidienst ausgeschieden. Bei der Schutzpolizei trat nahezu ein
dreimaliger Wechsel des Personals ein.
oben: Eine der Hauptaufgaben der Polizei nach
dem Krieg war die Bekämpfung des schwarzen Marktes
Zur Personalsituation ist folgendes festzustellen:
Ersatz für die Schutzpolizei des gesamten
Landes wird seit 1953 in der Hessischen Bereitschaftspolizei ausgebildet.
(Die Frankfurter Polizeischule ist 1954 aufgelöst worden.)
Durch die Zunahme der Aufgaben und die Steigerung
des Arbeitsanfalles waren neue Wege zu suchen, um die Personalknappheit
der Exekutive zu überwinden. So sind seit Jahren innerhalb
der Schutzpolizei laufend alle diejenigen Beamten abgelöst
worden, deren Tätigkeit auch von Zivilkräften ausgeübt
werden konnte (Kraftfahrer, Werkstattpersonal, Meldeschreiber, Hauswache,
Lagerverwalter u.a.). Eine wesentliche Verbesserung, insbesondere
in der Überwachung des ruhenden Verkehrs, brachte auch noch
die Einstellung von insgesamt 99 Hilfspolizeibeamten. Die Kriminalpolizei
erhält ihren Beamtennachwuchs aus der Schutzpolizei auf der
Basis der freiwilligen Meldung.
Gesamtpersonalstärke der Polizei:
| |
Verwaltung |
Schutzpolizei |
Kripo |
Sonderpolizei |
Gesamt |
| 1948 |
216 |
1773 |
268 |
75 |
2332 |
| 1964 |
557 |
2091 |
371 |
50 |
3069 |
In engem Zusammenhang mit der Personalfrage steht
die Frage der Unterbringung von Polizeidienststellen. Seit 1945
sind aus dem außerordentlichen Polizeihaushalt rund 10,5 Millionen
DM für Baumaßnahmen ausgegeben worden; z.B. Wiederaufbau
des Polizeipräsidiums und Einrichtung eines Kasinos, Verwaltungsneubau
mit Tiefgarage in der Ludwigstraße, Neubau für die Zulassungsstelle
für Kraftfahrzeuge am Rebstock, Werkstätten, Garagen und
Sozialbau für die Kraftfahrabteilung in der Ginnheimer Straße,
Neubau des 5. Polizeireviers. Daneben wurden weitere 12 neue Gebäude
für die Unterbringung von Polizeirevieren ermietet.
Polizeipräsidenten in Frankfurt um Main nach
1945
- Mührdel, Ferdinand vom 1.4.1945 bis 31.8.1945
- Dr. Siegert, Rudolf vom 1.9.1945 bis 11.9.1946
- Klapproth, Willi vom 12.9.1946 bis 29.2.1952
- Dr. Littmann, Gerhard seit 16.5.1952
Die Verwaltungsabteilungen
Durch den Titel 9 der Vorschriften der Militärregierung
ergab sich nicht nur die Umwandlung von der staatlichen zur kommunalen
Polizei. Notwendig wurde auch eine Neugliederung der Verwaltungsabteilungen.
Von der Polizei wurden Aufgaben an andere Behörden, zum Teil
auch an andere städtische Ämter (z.B. Gewerbe- und Ordnungsamt)
übertragen. Bedeutungsvoll waren hier besonders die Herausnahme
der Sachgebiete Gewerbepolizei, Preisüberwachung, Jagdangelegenheiten,
Polizeistunde, Tanzerlaubnis. Der Polizei wurde das Recht zum Erlaß
von Strafverfügungen bei Übertretungen genommen. Heute
erfolgen derartige Bestrafungen ausschließlich durch den Amtsrichter.
Das neue Hessische Sicherheits- und Ordnungsgesetz
vom 17.12.1964 hat im wesentlichen diese Entwicklung bestätigt,
jedoch wurden auch einige Aufgaben wieder an die allgemeine Polizeibehörde
zurückübertragen. Über die Tätigkeiten der verschiedenen
Verwaltungsabteilungen wird nachstehend berichtet. Sie zeigen besonders
deutlich die Entwicklung nach dem Zusammenbruch.
1. Meldebehörde - Verwaltungsabteilung
II M
Aufgaben:
- Erfassung aller meldepflichtigen Personen der
Stadt Frankfurt am Main, laufende Fortschreibung bei An-, Ab-
und Ummeldungen, Geburten, Eheschließungen, Scheidungen,
Sterbefällen usw., Auskunft aus dem Melderegister.
- Im Jahre 1952 kam als neue Aufgabe die Wohnsitzwechselstelle
hinzu. Bei Einführung der allgemeinen Wehrpflicht im Jahre
1956 wurde die Meldebehörde als Erfassungsbehörde bestimmt.
Gliederung:
- Zentrales Melderegister im Polizeipräsidium,
Meldebüros bei den Polizeirevieren (außer Reviere 1,
2 und 3) und Großmeldestelle 1.
Entwicklung:
- Durch Kriegseinwirkungen wurden 1945 die gesamte
zentrale Meldekartei und teilweise auch die Unterlagen bei den
Polizeirevieren vernichtet. An Hand der nach dem Stand vom 5.10.1945
ausgefüllten Haushaltslisten wurde die Meldekartei neu angelegt.
2. Ausweis- und Ausländerwesen - Verwaltungsabteilung
II
Aufgaben:
- Staatsangehörigkeitsangelegenheiten, Ausländerpolizeiliche
Aufgaben, Bundespersonalausweise, Einbürgerungen, Führungszeugnisse,
Namensänderungen, Deutsche Reisepässe, Suchstelle für
vermißte Ausländer und deutsche Juden.
Entwicklung:
- Die erste große Aufgabe bestand in der
Ausstellung von Kennkarten für alle Einwohner, die das 18.
Lebensjahr vollendet hatten (VO.d.HMdl vom 13.4.1946). Durch das
Bundesgesetz über Personalausweise vom 19.2.1950 wurde der
Bundespersonalausweis (ohne Fingerabdruck) für Personen,
die das 16. Lebensjahr überschritten hatten, eingeführt.
- Mit der Wiedererlangung der Paßhoheit
konnten an Deutsche nach dem Paßgesetz vom 4.3.1952 "Deutsche
Reisepässe" ausgestellt werden. Der vorübergehende
Stillstand im Auslandsreiseverkehr wurde damit beseitigt.
- In dem Sachgebiet "Staatsangehörigkeitsangelegenheiten"
traten erst nach Verkündung des Grundgesetzes und der danach
folgenden Gesetze geordnete Verhältnisse ein. Ebenso brachte
das Grundgesetz auch für die Einbürgerungen die notwendige
Klärung. Auf dem Gebiet der Vor- und Familiennamensänderungen
wurde die Polizei erst wieder nach 1948 tätig. Durch die
Zuwanderung deutscher Flüchtlinge aus den osteuropäischen
Gebieten wurde häufig eine Verdeutschung fremdländischer
Vor- und Zunamen beantragt.
- Führungszeugnisse, die Auskunft darüber
geben, ob in den polizeilichen Listen Strafen vermerkt sind, werden
seit 1946 ausgestellt.
3. Straßenverkehrsbehörde
- Abteilung III
Aufgaben:
- Erlaubnisse und Einschränkungen für
den ruhenden und fließenden Verkehr,
- Erteilung und Entziehung der Fahrerlaubnis,
- Erlaubnisse und Einschränkungen im Güterkraftverkehr
und in der gewerblichen Personenbeförderung,
- feuer- und sicherheitspolizeiliche Maßnahmen,
- Wegereinigung.
Entwicklung:
- Die Aufgaben der Straßenverkehrsbehörde
haben sich gegenüber der früheren Regelung kaum verändert.
Abgetrennt wurde lediglich die Zulassungsstelle für Kraftfahrzeuge
aus personellen und räumlichen Gründen.
- Während im Jahre 1948 kaum Entscheidungen
über Erlaubnisse bzw. Einschränkungen des Straßenverkehrs
zu treffen waren, mußten 1964 u.a. 1620 Schwertransporte
durch das Stadtgebiet geleitet, 2800 Ausnahmegenehmigungen zur
Straßenverkehrsordnung erteilt und bei rund 1400 Straßenaufbrüchen
Maßnahmen zur Sperrung bzw. Umleitung getroffen werden.
In Frankfurt am Main gab es 1948 nur 30 Fahrlehrer. Heute sind
es 110 Fahrschulen, die durchschnittlich 4 Fahrlehrer beschäftigen.
Im Jahre 1964 allein wurden 33890 Führerscheinanträge
bearbeitet. Angestiegen ist auch die Zahl der Entziehung der Fahrerlaubnis
wegen Trunkenheit am Steuer (1964 = 1238).
- Im Güterkraftverkehr wurde erst mit dem
Güterkraftverkehrsgesetz vom Oktober 1952 die Erlaubnispflicht
eingeführt.
- Im Jahre 1948 waren in Frankfurt am Main 110
Kraftdroschken, 70 Mietwagen, 25 Pferdedroschken und 350 ET-Taxen
(Ausländertaxen) zugelassen. Die Pferdedroschken haben nach
und nach ihren Betrieb eingestellt; die letzte am 13.10.1958.
Zur Zeit ist die Gesamtdroschkenzahl mit 755 Einheiten festgesetzt.
Über 500 Bewerber sind jedoch noch vorgemerkt.
- In Zusammenarbeit mit der Feuerwehr und den
Ämtern der Bauverwaltung werden die notwendigen feuer- und
sicherheitspolizeilichen Maßnahmen festgestellt und angeordnet.
Überwacht werden insbesondere Waren- und Geschäftshauser,
Theater, Sportstätten, Tankstellen und Garagen, Volksfeste
usw.
4. Technischer Referent für Verkehrsfragen
- Abteilung III A
Aufgaben:
- Mitwirkung bei der Planung von Baumaßnahmen
auf dem Gebiet des Straßenverkehrs,
- Planungsarbeiten für provisorische Umgestaltung
von Knotenpunkten - sogenannte kleine Lösungen -,
- Bearbeitung der Verkehrsunfallstatistik,
- Beratung der Polizei in allen verkehrstechnischen
Fragen.
Entwicklung:
- Um alle Planungsaufgaben auf dem Verkehrssektor
zu koordinieren und um die Voraussetzungen zu schaffen, daß
die Straßenverkehrsbehörde ihrer Aufgabe besser gerecht
werden kann, wurde seit dem 1.7.1960 bei der Polizei ein Referat
für Verkehrsfragen eingerichtet. Diese Maßnahme hat
sich zu einem wichtigen Bindeglied zwischen den im Dezernat Verkehr
zusammengefaßten Ämtern und der Polizei entwickelt.
5. Sonstige verwaltungspolizeilichen Aufgaben
- Abteilung IV
Aufgaben:
- Amtshilfe,
- Beglaubigungen,
- Leumundszeugnisse,
- Gnadensachen,
- verwaltungsmäßige Bearbeitung von
Übertretungsstrafanzeigen einschl. Strafvorschläge,
- Bearbeitung von Ordnungswidrigkeiten einschl.
Bußgeldbescheide,
- Fundwesen,
- Sprengstoffangelegenheiten,
- Lärmbekämpfung,
- Waffenerwerbscheine,
- Waffenscheine,
- Wohnraumbeschlagnahme,
- Unterkunftsauflagen,
- Mitwirkung bei der Bekämpfung des Dirnenunwesens.
Entwicklung:
- Die Abteilung IV wurde von der sich nach 1945
ergebenden Umgliederung der Verwaltungsabteilungen am stärksten
betroffen. In dieser Abteilung ist unter dem Begriff "sonstige
verwaltungspolizeiliche Aufgaben" alles zusammengefaßt,
was nicht in den Rahmen der Zuständigkeiten der einzelnen
Fachabteilungen hineinpaßt.
- Aus Gründen der Geschäftsvereinfachung
sind der Abteilung IV neben der verwaltungsmäßigen
Bearbeitung von Übertretungsanzeigen auch die Bearbeitung
aller Ordnungswidrigkeitsanzeigen und die Fertigung der Bußgeldbescheide
übertragen. Ausgenommen sind die Vorgänge aus dem Güterkraftverkehr.
Die 1961 eingeführte "Kurzanzeige" und der "Anhörungsbogen"
brachte für die Beamten der Schutzpolizei zwar eine Erleichterung,
für die Abteilung IV ist jedoch durch die zunehmende Zahl
der Anzeigen eine Mehrarbeit entstanden. Die im Jahre 1953 eingeführte
"gebührenpflichtige Verwarnung" hatte keine Auswirkung
auf die Anzahl der erstatteten Anzeigen. Aus der Fülle der
übrigen Aufgaben der Abteilung IV nimmt das Fundwesen einen
besonderen Platz ein.
- Der Vollständigkeit halber wird auf die
Tatsache hingewiesen, daß durch die Abteilung IV alle schriftlichen
Verfügungen gefertigt werden, die sich aus den Gebieten Wohnraumbeschlagnahme,
Unterkommensauflage, Dirnenunwesen, Einziehung von Abschleppkosten
usw. ergeben.
6. Zulassungsstelle für Kraftfahrzeuge
- Abteilung V
Aufgaben:
- Zulassung von Kraftfahrzeugen und Anhängern
zum Verkehr,
- Erteilung von Probefahrtkennzeichen,
- Ausgabe von Zollkennzeichen und internationalen
Zulassungen,
- technische Abnahme von Kraftfahrzeugen.
Entwicklung:
Durch den ungewöhnlich stark angewachsenen
Straßenverkehr mußte für das Sachgebiet "Zulassung
von Kraftfahrzeugen" eine selbständige Abteilung geschaffen
werden. Auch räumlich wurde eine Erweiterung notwendig. Vom
Hof des Polizeipräsidiums über die Liegenschaften Ginnheimer
Straße und Messegelände an der Philipp-Reis-Straße
ist die Zulassungsstelle nunmehr zum Römerhof -ehemaliger Flugplatz
Rebstock - verlegt worden. Folgende Zahlen sollen das Anwachsen
der Aufgaben herausstellen:
- Am 1.7.1923 waren in Frankfurt am Main insgesamt
3622 Fahrzeuge, davon 1741 Personenkraftwagen, erfaßt.
- Am 1.7.1938 waren es bereits 34658 Fahrzeuge,
davon 18542 Personenkraftwagen.
- Im Jahre 1945 gab es in Frankfurt am Main nur
4592 Fahrzeuge (1680 Personenkraftwagen).
- Am 1.7.1958 waren insgesamt 94438 Fahrzeuge
registriert und
- am 1.3.1965 ist die Gesamtzahl auf 172696 Fahrzeuge
angewachsen. Auch in diesem Falle war die Zuwachsrate bei Personenkraftwagen
mit 142169 am stärksten.
Zur Zeit werden täglich rund 450 Kraftfahrzeuge
neu bzw. wiederzugelassen. Von besonderer Bedeutung ist die Führung
und Fortschreibung der Kraftfahrzeugkartei, die für Auskünfte
ständig auf dem neuesten Stand gehalten werden muß.
7. Polizeiärztliche Abteilung
Aufgaben:
- Freie Heilfürsorge,
- werksärztlicher Dienst für den Bereich
der Polizeiverwaltung und Branddirektion und ärztliche Versorgung
der Insassen des Polizeigewahrsams.
Gliederung:
- Ambulanz,
- Labor,
- Röntgen,
- Therapeutikum,
- Badeeinrichtungen und
- Sanitätsstelle im Polizeigewahrsam.
Entwicklung:
- Die "Freie Heilfürsorge" der
Stadt Frankfurt am Main umfaßt ärztliche Behandlung,
stationäre Behandlung, Medikamente, Heilmittel und Kuren.
Der hierdurch erfaßte Personenkreis betrug durch all die
Jahre jeweils etwa 800-1200 Beamte. Im Jahre 1954 wurde der Werksärztliche
Dienst eingeführt und die Polizeiärztliche Abteilung
mit den Aufgaben des Werksarztes V für Polizeiverwaltung
und Branddirektion betraut. Im Rahmen dieser Tätigkeit werden
cirka 3600 städtische Bedienstete ärztlich betreut und
zur Erhaltung ihrer Gesundheit und Arbeitskraft beraten.
- Im Polizeigewahrsam wurden in der Berichtszeit
im Jahresdurchschnitt zwischen 12000 bis 15000 Insassen sanitätsdienstlich
betreut, Erkrankte behandelt und hinsichtlich ihrer Haftfähigkeit
begutachtet.
Schutzpolizei
Aufgaben:
- Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit
und Ordnung im Bereich der Stadt Frankfurt am Main (Einzeldienst
und großer Sicherheits- und Ordnungsdienst),
- Strafverfolgung,
- Verkehrslenkung und Verkehrsführung,
- Unfallaufnahme und Unfallsachbearbeitung,
- Rechts- und Amtshilfe,
- Durchführung von Gefangenentransporten.
Gliederung:
- Kommando der Schutzpolizei,
- Kommandodienststellen (Kraftfahrabteilung, Abteilung
Waffen und Gerät),
- Fernmeldeabteilung,
- 1. Polizeibereitschaft,
- Berittene Abteilung und Hundestaffel,
- 3 Polizeiinspektionen
- 18 Polizeireviere mit Außenstellen,
- Posten und Wachen,
- Verkehrssicherheitsabteilung und Polizeigewahrsam.
- Der Schutzpolizei unterstellt ist die Sonderpolizei
für Feldschutz.
Entwicklung:
- Wie bereits im Anfang dieses Berichts dargestellt,
wurde nach dem Zusammenbruch zuerst eine Ordnungspolizei aufgestellt,
zu der dann eine Alarmbereitschaft kam. Durch öffentlichen
Aufruf wurden die ehemaligen Polizeibediensteten aufgefordert,
ihren Dienst wieder aufzunehmen. Ende Mai 1945 waren alle Polizeireviere
wieder besetzt und auch das notwendige Führungspersonal stand
zur Verfügung. Für den Objektschutz wurde ein besonderes
"Wachkommando" in Stärke von 500 Mann aufgestellt.
Das Wachkommando wurde wieder aufgelöst und die Bediensteten
z.T. nach entsprechender Ausbildung in die Schutzpolizei übernommen.
- Der Schutzpolizei unterstellt wurde die Sonderpolizei
für Feldschutz, deren Angehörige mit Zustimmung der
Besatzungsmacht mit Waffen ausgerüstet wurden. Die Zahl der
Polizeireviere betrug zunächst 24 und ab 1954 = 25. Im Jahre
1958 wurden im Zuge von Rationalisierungsmaßnahmen diese
Polizeireviere zu insgesamt 18 Großraumrevieren zusammengefaßt
und die Zahl der Polizeiinspektionen von 4 auf 3 verringert. Mit
der Zunahme des Straßenverkehrs wurde die Verkehrssicherheitsabteilung
aufgestellt und ständig erweitert. Die Ausstattung mit technischen
Mitteln wurde verstärkt und modernisiert. Für den Streifendienst
kam immer mehr der Funkwagen zum Einsatz. Polizeirufsäulen
und automatische Verkehrsregelungsanlagen traten stärker
in Erscheinung. Der taktische Einsatz der Schutzpolizei erfolgt
zentral durch das Kommando der Schutzpolizei - Einsatzleiter der
schnellen Kommandos -.
- Eine Verstärkung des polizeilichen Schutzes
ist durch die Einrichtung des "Notrufes" erreicht worden.
Aus den anfänglich zur Verfügung stehenden beschlagnahmten
bzw. sichergestellten Kraftfahrzeugen ist inzwischen ein Kraftfahrzeugpark
mit rund 300 Fahrzeugen entstanden. Eigene Werkstätten für
Kraftfahrzeuge, Nachrichtengeräte, Waffen und Bekleidung
machen die Polizei weitgehend unabhängig.
- Für die polizeiliche Sicherung der unbebauten
Stadtgebiete und für Großeinsätze steht die Berittene
Abteilung mit 37 Dienstpferden zur Verfügung. Angeschlossen
ist die Hundestaffel mit einem Bestand von 41 Diensthunden. Das
bei der Abteilung für Waffen und Gerät eingerichtete
Sprengkommando beschäftigt sich mit der Beseitigung von Spreng-
und Brandbomben. Seit 1945 wurden im Stadtgebiet Frankfurt am
Main insgesamt 813 große Sprengbomben, 17903 Granaten etc.,
11107 Stabbrandbomben, 3964 Flüssigkeits- und Phosphorbrandbomben
und rund eine halbe Tonne Gewehrmunition geborgen und vernichtet.
- Die der Schutzpolizei unterstellte Sonderpolizei
für Feldschutz versieht ihre Aufgabe außerhalb des
bewohnten Stadtgebietes und in den Feldgemarkungen.
Kriminalpolizei
Aufgaben:
- Die Kriminalpolizei hat strafbare Handlungen
zu erforschen, soweit es sich nach den Gesetzen um Verbrechen
oder Vergehen handelt, und vorbeugende Maßnahmen zur Verhütung
von Straftaten durchzuführen.
Gliederung:
- Kriminaldirektion,
- Direktionsabteilung,
- Weibliche Kriminalpolizei,
- Erkennungsdienst,
- Personen- und Sachfahndung,
- 4 Kriminalinspektionen,
- 18 Kriminalkommissariate und
- die Kriminalaußenstellen in Frankfurt
am Main-Höchst.
Entwicklung:
- Für die Durchführung der o.a. Aufgaben
standen im Jahre 1946 225 Beamte zur Verfügung (1 Beamter
auf 1799 Einwohner). Heute hat die Kriminalpolizei eine Stärke
von 306 Vollzugsbeamten (1 Beamter auf 2261 Einwohner). Für
den Aufbau der Kriminalpolizei waren nach dem Kriege wenig geeignete
bzw. vorgebildete Kräfte vorhanden. Das hat sich insofern
gebessert, als nunmehr nach dem Aufbau einer Polizeischule auf
Landesebene und Heranbildung von Lehrkräften laufbahnmäßig
vorgebildete Nachwuchsbeamte in den Dienst der Kriminalpolizei
übernommen werden können. Leitende Beamte der Kriminalpolizei
werden im Polizeiinstitut Hiltrup ausgebildet.
- Die Arbeit der Kriminalpolizei wird durch die
Bereitstellung moderner kriminaltechnischer Ausrüstung unterstützt.
Außer dem Mord-Kw (Spezialfahrzeug) verfügt die Kriminalpolizei
über 19 Kraftfahrzeuge, von denen 5 mit Funk ausgestattet
sind.
- Im Dezember 1960 hat die Kriminalpolizei im
Verwaltungsneubau neue, ihren Zwecken entsprechende Arbeitsräume
erhalten.
An bedeutenden Kriminalfällen, die über
die Grenzen der Stadt bekannt geworden sind, seien einige genannt:
- 1947: Mord an Albert Neumann, dessen Ehefrau
und Frau Rehklau in der Feldbergstraße 21. Das Verbrechen
konnte bis heute noch nicht aufgeklärt werden.
- 1952: Raubüberfall auf die Zweigstelle
der Deutschen Effecten- und Wechselbank in Frankfurt a.M.-Bockenheim,
Kurfürstenplatz 30. 2 Bankangestellte wurden getötet,
einer schwer verletzt. Die Täter erhielten lebenslange Zuchthausstrafen.
- 1954: Raubüberfall auf eine Rentenzahlstelle
der Bundespost im Oeder Weg. Die Täter wurden 1955 gefaßt
und zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt.
- 1957: Mord an Rosemarie Nitribitt in der Stiftstraße.
Der Täter wurde bis heute noch nicht überführt.
- 1960: Die Verantwortlichen der INWOG-Treuhandgesellschaft
für Aufbau und Verwaltung GmbH, Frankfurt am Main, haben
200 Wohnungsuchende um die von ihnen bezahlten Baukostenzuschüsse
in Höhe von 2 Millionen DM geprellt. Das Strafverfahren ist
noch nicht abgeschlossen.
- 1961: Margarethe Zimmermann und ihre Tochter
wurden von Hermann K. und seiner Ehefrau heimtückisch ermordet.
- 1961: Aus einem Flugzeug der "Middle East
Airlines" stiehlt ein Angestellter der Gesellschaft eine
Kiste mit 3129 Gold-Sovereigns imWerte von 129750 sfr.
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