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Berichtszeitraum: 1945-65
Das Sozialverwaltungsamt, 1957 aus der bis dahin
bestehenden Verwaltungsabteilung hervorgegangen, hat die Aufgabe,
dem Jugend- und Sozialamt die für die Erfüllung ihrer
Aufgaben benötigten personellen, räumlichen und materiellen
Voraussetzungen zu schaffen.
Mit der Konstituierung der Bundesrepublik setzte
eine Flut neuer Gesetze ein, die in den Arbeitsbereich der Sozialverwaltung
hineinwirkten:
- Gesetz über die Unterhaltsbeihilfen an
Angehörige von Kriegsgefangenen,
- Heimkehrergesetz,
- Soforthilfegesetz,
- Bundesversorgungsgesetz,
- Jugendschutzgesetz,
- Lastenausgleichsgesetz,
- Bundesvertriebenengesetz,
- Mutterschutzgesetz,
- Kriegsgefangenenentschädigungsgesetz,
- Mietgesetze,
- Freiheitsentziehungsgesetz,
- Rentenneuregelungsgesetz,
- Unterhaltssicherungsgesetz,
- Tuberkulosenhilfegesetz,
- Körperbehindertengesetz,
- Bundessozialhilfegesetz,
- Jugendwohlfahrtsgesetz.
Dazu noch Gesetze und Abkommen über die zwischenstaatlichen
Beziehungen auf sozialem Sektor, Kriegsfolgenhilfegesetz, Änderungen
des Familienrechtes usw. sowie eine Vielzahl von Verordnungen und
Erlassen.
Es ist selbstverständlich, daß all die
vielfältigen Aufgaben nur bewältigt werden konnten, indem
die Zahl der Bediensteten den wachsenden Anforderungen angepaßt
wurde. So darf es nicht wundern, wenn ihre Zahl von 421 am 1.11.1945
auf 1236 am 1.7.1964 (ohne Ausgleichsamt) angestiegen ist. Zu bedenken
ist bei einem Vergleich dieser Zahlen ferner, daß sich auf
dem Gebiete Jugendhilfe durch Errichtung neuer Heime ein großer
zusätzlicher Personalbedarf ergeben hat.
An die Stelle der Publikumsabfertigung tritt die
Beratung und das individuelle Eingehen auf die Besonderheiten des
Einzelfalles, wobei dem Ermessen ein großer Spielraum gegeben
ist. Daß hierdurch hohe Anforderungen an die Fähigkeiten
der Bediensteten des Sozial- und Jugendamtes gestellt werden müssen,
bedarf keiner Erwähnung. Aus diesem Grunde wird der Ausbildung
von Nachwuchskräften besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Aus
den 20er Jahren besaß Frankfurt am Main vor dem 2.Weltkrieg
eine große Anzahl von ehrenamtlichen Mitarbeitern in allen
Stadtteilen, deren Aufgabe es war, das Vertrauen zwischen Behörde
und Bevölkerung zu festigen und die Beziehungen zwischen den
Hilfesuchenden und den sozialen Ämtern zu fördern. Diese
Einrichtung, die viel zur Demokratisierung der Verwaltung beitragen
kann, war mit Ende des 2.Weltkrieges völlig zusammengebrochen.
Nach einer Normalisierung der Verhältnisse wurde im Jahre 1950
der "ehrenamtliche Dienst" wieder aufgebaut. Er verfügt
heute über 58 Sozialbezirksvorsteher und 399 Pfleger und Pflegerinnen
Auf dem Gebiete der Sozialarbeit ist Rationalisierung nur bedingt
möglich. Selbstverständlich wird durch Einsatz moderner
Büromaschinen (Diktiergeräte, Ablichtungsmaschinen, Rechenautomaten,
elektrische Schreib- und Buchungsmaschinen), durch Lochkartenzählverfahren,
Motorisierung des Außendienstes usw. getan, was im Rahmen
der begrenzen Möglichkeiten unternommen werden kann.
Nach Kriegsende verfügte die Sozialverwaltung
über keine Liegenschaft mehr, die nicht ganz oder zu einem
großen Teil zerstört war. Ebenso wie die zentrale Verwaltung
des Dezernats, die sich in der Brentano-Schule in der Arnsburger
Straße befand, waren auch die übrigen Dienststellen in
Schulen und Bunkern
untergebracht.
Nahezu alle Kinder- und Altenheime waren evakuiert
und konnten nur mit größter Mühe unterhalten werden,
da es oft an den lebensnotwendigsten Dingen fehlte. Daneben entstand
bedingt durch die Wohnungsnot, die durch zurückkehrende Evakuierte
und durch Flüchtlinge immer größer wurde, eine Vielzahl
von Notunterkünften, die in Barackenlagern und Bunkern eingerichtet
wurden. Für die Sozialverwaltung ergaben sich hieraus im Hinblick
auf den Wiederaufbau vier große Aufgabengebiete, die ihrer
Dringlichkeit nach hier aufgezählt seien:
- Auflösung der Notunterkünfte,
- Räumung der Schulen,
- Schaffung geeigneter Dienstgebäude,
- Rückführung und Wiederaufbau der Kinder-
und Altenheime.
In den Jahren 1945 bis 1949 wurden fünf Heime
und eine Kinderkrippe neu eingerichtet. Es waren dies das Kinderheim
Odenwaldstraße, Breubergstraße, die Jugendheime Rendeler
Straße und Germaniastraße sowie die Jugendbleibe. Durch
diese Häuser konnte die Heimplatzzahl bis 1949 auf 952 angehoben
werden.
Nach 1950 erfuhr die Entwicklung im Heimbereich
eine Wandlung. Es wurden jetzt wieder qualitative Forderungen an
neu zu schaffende Heime gestellt. Die Zeit des Improvisierens wurde
abgelöst durch den Heimneubau, der wieder die pädagogischen
Erkenntnisse zu berücksichtigen hatte.
Gleichzeitig bedingte die Entwicklung einen Bruch
mit dem bisherigen Heimsystem. Einmal wurde die gemeinsame Erziehung
von Jungen und Mädchen angestrebt, zum anderen gehörte
der "Waisenhaustyp" mit seinen großen Gruppen der
Vergangenheit an. Bei dem Bau weiterer Heime waren neue Wege zu
beschreiten. Das familienähnliche Gruppensystem in abgeschlossenen
Wohneinheiten setzte sich durch.
Von 1950 bis 1955 wurden neu errichtet das Entbindungs-,
Mütter- und Säuglingsheim in der Scheidswaldstraße,
die Kinderkrippe Scheidswaldstraße und das Kinderheim Eppenhain.
Das behelfsmäßige in einem Bunker eingerichtete Mädchenheim
Germaniastraße
wurde in der gleichen Zeit wieder aufgelöst. Im Rechnungsjahr
1955/56 verfügte die Stadt Frankfurt am Main über 13 Vollheime
und 2 Kinderkrippen mit insgesamt 1203 Plätzen.
Bei der Neuschaffung von Heimplätzen wurden
die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte auf dem Gebiet des Heimwesens
ausgewertet. Danach hatte sich gezeigt, daß es richtig ist,
neben einer Reihe von Vertragsheimen vor allem auch über einen
Stamm stadteigener Einrichtungen zu verfügen. Die Regieheime
stellen letztlich die Grundlage für die Unterbringungsmöglichkeiten
dar und bieten Heimplätze, über die das Jugendamt jederzeit
vollkommen unabhängig verfügen kann. Die Vertragsheime
hingegen haben die Aufgabe, den zeitlich wechselnden Heimplatzbedarf
auszugleichen und zugleich pädagogische und pflegerische Sondererfordernisse
zu erfüllen. Unter diesem Gesichtspunkt wurden in den folgenden
Jahren neben den Kinderkrippen Sachsenhausen, Eschersheim, Gallus
und Lange Straße die Kinderheime Bürgermeister-Gräf-Haus
mit dem Altenheim, das Hermann-Luppe-Heim als heilpädagogisches
Kinderheim und das Kinderheim Gustav-Freytag-Straße errichtet.Unabhängig
von den Neuschaffungen an Heim- und Krippenplätzen wurden wesentliche
Verbesserungen durchgeführt.
So erfolgte im Jahre 1951 ein Anbau zum Kinderheim
und -krankenhaus Böttgerstraße für infektiös
erkrankte Kinder. 1954 wurde das Dr.-Hoffa-Haus im Kinderkurheim
Bad Sodenthal überholt und für Kinder unter 6 Jahren hergerichtet.
1956 konnte das Haupthaus des Kinderheimes und -krankenhauses Böttgerstraße
umgebaut und einrichtungsmäßig wesentlich verbessert
werden. Gleichzeitig wurde das Kurmittelhaus im Kinderkurheim Bad
Sodenthal mit einem Kostenaufwand von mehr als 1000000,- DM als
eine der mustergültigsten Einrichtungen in Betrieb genommen.
Das Kinderkurheim Bad Sodenthal nimmt im Bereich
der Sozialverwaltung eine Sonderstellung ein, weil ihm seine Quellen
den Charakter eines anerkannten Solbades verleihen. In Verbindung
mit den günstigen klimatischen Verhältnissen ist es möglich,
Frankfurter Kindern, die an Bronchitis, Asthma, Kalkmangelzuständen,
Magen-Darm-Störungen, Erkrankungen der Gallenwege, Hautkrankheiten,
Kreislaufschäden, Peripheren Durchblutungsstörungen, Drüsenschwellungen,
Blutarmut, allgemeiner Körperschwäche, Unterentwicklung,
nervösen Störungen usw. leiden, eine 6-wöchige Kur
mit Solbädern, Trinkkuren und Sole-Inhalationen zukommen zu
lassen.
1957 wurde das Kinderheim Wolfsmünster umgebaut.
Für die Sonderschule konnten neue gut ausgestattete Räume
im sog. Wandervogelhaus geschaffen werden. Auch das übrige
Heim wurde in seiner Innenraumgestaltung den zeitgemäßen
Erfordernissen angepaßt. Für 36 entwicklungsgestörte
und heilpädagogisch zu behandelnde Kinder stellt es heute eine
mustergültige Heimstätte dar. Im gleichen Jahr konnte
die behelfsmäßige Unterbringung des Kinderheimes in der
Breubergstraße nach Umbau eines Hauses in der Niederräder
Landstraße als Kinderheim Buchenrode in Betrieb genommen werden.
1961 unterhielt die Sozialverwaltung 17 Vollheime
und 6 Kinderkrippen mit insgesamt 2001 Heimplätzen. In den
folgenden Jahren verlangte die Entwicklung auflockernde Maßnahmen
in den einzelnen Heimen. Überbelegungen der Räume mußten
korrigiert und allmählich auf ein vertretbares Maß zurückgeführt
werden.
Das Jugendwohnheim Rendeler Straße, in einem
Bunker
untergebracht, konnte mit erweiterter Aufgabenstellung in ein neu
errichtetes Heim in Rödelheim umgesetzt werden.
Auch das J.C. Junior'sche Kinderkurheim der Stadt
Frankfurt am Main in Vielbach im Westerwald wurde räumlich
erweitert und betrieblich wie funktionell erheblich verbessert.
Alle diese der Normalisierung im Heimbereich dienenden
Maßnahmen bewirkten, daß 1965 bei ebenfalls 17 Vollheimen
und 6 Kinderkrippen nunmehr 1933 Heimplätze zur Verfügung
stehen. Die seit der Währungsreform bis 31.12.1964 investierten
Mittel belaufen sich auf über 40000000,- DM.
Weitere soziale Verbesserungen für die Mitarbeiter
in den Heimen haben zur Folge, daß selbst in neueren Heimen
die vorhandenen Personalräume nicht mehr genügen, zumal
heute eindeutig das Einzelzimmer verlangt wird. So wurden in den
letzten Jahren 6 Personalhäuser neu errichtet oder ermietet.
Unabhängig hiervon konnten bis Ende 1965 die
Planungen für eine neue Jugendbleibe in Rödelheim, für
eine Neuerrichtung des Kinderheims Taunusheim sowie für neue
Kinderkrippen in Bornheim, Höchst und in der Nordweststadt
abgeschlossen werden. Weiterhin sind in Planung eine Erweiterung
für das Kinderheim Ebersheimstraße, das Kinderheim Eppenhain,
ein Aufnahmeheim sowie eine Kinderkrippe für Niederrad und
für Fechenheim.
Neben den noch geplanten Bauvorhaben im Heimbereich
sind weitere Personalunterkünfte und Verwaltungsräume
erforderlich. So sind z.B. die Sozialstation Bockenheim noch in
einer Schule und die Sozialstation Höchst im Bolongaro-Palast
untergebracht. Für die Sozialstation Bockenheim sind die Planungsarbeiten
so weit fortgeschritten, daß mit Baubeginn im Jahre 1966 zu
rechnen ist. In Planung befindet sich gegenwärtig die Sozialstation
Nordwest-Stadt, deren Errichtung infolge der starken Bevölkerungszunahme
in den nördlichen Stadtteilen notwendig wird.
Berichtszeitraum: 1965-68
Während des Berichtszeitraumes schied Herr
Stadtrat Dr.Prestel aus Altersgründen aus und Herr Stadtrat
Gerhardt übernahm am 1.7.1966 das um die Gesundheitsverwaltung
erweiterte Dezernat IX - Soziales und Gesundheit -.
Die seit Mitte 1964 andauernde Organisationsprüfung
im Bereich der Sozialverwaltung fand Anfang 1966 für den 1.Teilbereich
ihren Abschluß. Für das Sozialverwaltungsamt ergaben
sich, obwohl nur die Heimabteilung und 2 Stellen der Verwaltungsabteilung
einbezogen waren, folgende Konsequenzen:
- Die bis dahin dezentral - z.B. bei der Heimabteilung,
bei der Abteilung Altenhilfe (Sozialamt) und der Abteilung Jugendpflege
(Jugendamt) wahrgenommenen Tätigkeiten im Zusammenhang mit
Neubau, Bauerweiterung, Bauunterhaltung, Ermietung usw. wurden
der Verwaltungsabteilung zur zentralen Bearbeitung übertragen.
- Die fürsorgerische Betreuung des Heimpersonals,
die bis dahin von der Heimabteilung durchgeführt wurde, ging
in die Zuständigkeit der Personalstelle über.
- Die Hauptfürsorgerin, die bis dahin dem
Dezernenten unmittelbar unterstand, wurde dem SVA eingegliedert.
Unabhängig von dem noch ausstehenden 2.Teil der Organisations-Prüfung
wurde die Hauptregistratur mit der Hauptaktei und der Bücherei
vereinigt.
Infolge der 1967 eingetretenen Rezession konnten
einige baureife Objekte nicht erstellt werden. Betroffen sind u.a.
die Sozialstation Bockenheim sowie der bereits mit Mag.-Beschluß
Nr. 1112 vom 31.5.1966 genehmigte Bau der Kinderkrippe Bornheim.
Weitere Pläne zum Ausbau und zur Modernisierung der städtischen
Kinderheime mußten ebenfalls zurückgestellt werden.
Der finanzielle Engpaß zwang auch dazu, trotz
möglicher negativer sozialpädagogischer Auswirkungen gerade
auf den bei der Sozialverwaltung verkehrenden Personenkreis, die
Reinigung der Dienstgebäude drastisch einzuschränken.
Positiv zu vermerken ist die Tatsache, daß die Sozialstation
Nordweststadt mit Abteilungen des Sozialamtes, des Jugendamtes,
mit Kinderkrippe, Mütterberatungsstelle für Säuglinge
und Jugendberatungsstelle, Haus der offenen Tür, Jugendclub
und Altenclub noch vor dem ursprünglich vorgesehenen Termin
im Herbst 1968 ihren Betrieb wird aufnehmen können. Ihre innerbetriebliche
Gestaltung und Einrichtung wurde in enger Zusammenarbeit mit der
Bauverwaltung und dem Architektenbüro Beckert & Becker
von der Sozialverwaltung geplant und beschafft.
Aus dem personellen Sektor ist zu berichten, daß
die Zahl der Bediensteten der Sozialverwaltung von 1229 am 1.1.1965
auf 1420 Personen am 1.1.1968 gestiegen ist. Die Zunahme um 191
Stellen ist auf folgende Ursachen zurückzuführen:
- Auswirkungen der Stellenplanänderungen
aufgrund des 1.Teiles der Organisationsprüfung, wobei neue
Meßzahlen für die Abteilungen Wirtschaftliche Sozialhilfe
und Wirtschaftliche Jugendhilfe festgesetzt wurden.
- Stellenvermehrung im Bereich der städtischen
Kinderheime und Krippen durch Magistrats-Beschluß Nr. 450
vom 28.2.1966.
- Übernahme des Personals der Psychiatrischen
Abteilung. Diese Maßnahme ergab sich aus der Aufgabenstellung
der beiden Sachgebiete dieser Abteilung, deren Fürsorgestelle
für Gemüts- und Nervenkranke dem Sozialamt und deren
Erziehungsberatung dem Jugendamt eingegliedert wurde. Die Ärzte
der Psychiatrischen Abteilung unterstehen allerdings auch weiterhin
der Fachaufsicht und den Weisungen des Gesundheitsamtes auf medizinischem
Gebiet.
In den Heimen und Krippen sind z.Zt. ca.
60 Stellen überwiegend Erziehungs- und Pflegepersonal - unbesetzt.
Die Folge ist, daß in verschiedenen Heimen die Belegungskapazität
nicht voll ausgenutzt werden konnte. Besonders
unangenehm wirkte sich im Heimbereich auch die starke Fluktuation
aus.
Wegen der verstärkten Nachfrage nach
Krippenplätzen wird das Kinderheim und -krankenhaus Böttgerstraße
22 seit dem 1.1.1968 ausschließlich als Kinderkrankenhaus
betrieben, wurde die Platzzahl im Kleinkinderheim Odenwaldstraße
25 seit 1968 auf 52 Plätze erhöht und in der Sozialstation
Nordweststadt, die am 1.10.1968 eröffnet werden soll, eine
Kinderkrippe für 81 Kinder vorgesehen.
Erfreulicherweise kann gerade im Heimbereich
festgestellt werden, daß die Mäzene noch nicht ausgestorben
sind. Besonders zu Weihnachten gehen zahlreiche Beweise der Hilfsbereitschaft
für unsere Kinderheime ein. Neben kleinen Spenden und Geschenken
verdient eine Frankfurter Firma Erwähnung, die in den beiden
letzten Jahren auf die Versendung von Werbegeschenken zum Jahreswechsel
verzichtete und stattdessen einem unserer Kinderheime durch Spenden
in Höhe von insgesamt 11000 DM die Errichtung und Einrichtung
eines Spiel- und Bastelraumes ermöglichte. Darüber hinaus
haben Mitarbeiter dieser Firma eine Art von Patenschaft für
die Kinder des Hauses übernommen, die sich z.B. darin äußert,
daß jedes Kind an seinem Geburtstag ein Geschenk erhält
oder einzelne Kinder oder Gruppen übers Wochenende eingeladen
werden usw. Wir glauben, daß in unserer materiell eingestellten
Zeit ein solches Beispiel hervorgehoben zu werden verdient.
Berichtszeitraum: 1969-72
Während es möglich wurde, den Bau der
Sozialstation Bockenheim zu beginnen und ihn im Laufe des Jahres
1972 zu vollenden, mußten zahlreiche andere ebenso dringende
Vorhaben zurückgestellt werden. Geplant sind weiterhin die
Erweiterung und Modernisierung der Kinderkrippe Niederrad, die Modernisierung
des Kinderkrankenhauses Böttgerstraße, der Ausbau des
Kinderheimes Taunusheim und der Bau eines Personalwohnhauses im
Kinderheim Eppenhain. All diese Maßnahmen sind dringend erforderlich.
Erschwert wird die Situation durch die explosionsartig angestiegenen
Baukosten. So hat sich beispielsweise der Neubau der Sozialstation
Bockenheim am Rohmerplatz vom Baubeginn 1970 bis zur Fertigstellung
im Herbst 1972 um 2,5 Mill. DM (auf 10,9 Mill.) verteuert, das sind
rd. 30% Nach rd. zehnjähriger Vorbereitungszeit wurde der Bockenheimer
Bevölkerung eine neuzeitliche Sozialstation mit Büroräumen
für die Dienststelle des Sozialamtes und des Jugendamtes, einer
Altentagesstätte einschl. Essenausgabestelle, einer Kinderkrippe
für 81 Kinder, Beratungsstelle des Stadtgesundheitsamtes für
Mütter mit Säuglingen und Jugendlichen, Räumlichkeiten
für die Gruppenarbeit der Erziehungsbeistandschaft sowie für
das Nachbarschaftsheim zur Verfügung gestellt. In Betrieb genommen
wurde Anfang 1969 die Sozialstation Nordweststadt. Im Hinblick auf
die geplanten Änderungen der Stadtgrenzen im Nordosten der
Stadt wird sie an Bedeutung gewinnen. Die Zahl der bei den sozialen
Ämtern Beschäftigten hat sich im Berichtszeitraum um 66
auf 1486 erhöht, was auf die Inbetriebnahme der Kinderkrippe
Karl-Flesch-Straße, die Neuschaffung von Stellen bei der Abteilung
Gefährdetenhilfe beim Sozialamt, der Abteilung Erziehungsbeistandschaft
und der pädagogischen Abteilung beim Jugendamt sowie auf die
Vermehrung der Sachbearbeiterstellen aufgrund gestiegener Fallzahlen
in den Sozialstationen und Fachstellen zurückzuführen
ist. Jährlich werden im Bereich der sozialen Ämter etwa
120 Nachwuchskräfte (Beamtenanwärter, Lehrlinge) ausgebildet.
Außerdem praktizieren rd. 100 Praktikanten aller Ausbildungsrichtungen.
Die Ausbildungsplätze für den Beruf der Sozialarbeiter
wurden von 12 auf 30 erhöht. Weiterhin wurden 15 neue Ausbildungsstellen
für Praktikanten der Berufsrichtung Sozialpädagogik eingerichtet.
Nach wie vor erschwert die ungewöhnlich starke
Fluktuation, besonders in den Bereichen des Erziehungspersonals
und der Sozialarbeiter, eine kontinuierliche Arbeit. Der Grund hierfür
dürfte hauptsächlich darin zu finden sein, daß diese
Berufsgruppen die Möglichkeit der Weiterbildung auf anderen
Arbeitsplätzen nutzen. Im Heimbereich bewirkten Veränderungen
in der Gesellschaft durch Aufklärung, Familienplanung und Verhütungsmittel,
daß einige Änderungen im Angebot unserer Heime vorgenommen
werden mußten. Immer mehr scheint sich die Erkenntnis durchzusetzen,
daß insbesondere Säuglinge und Kleinstkinder am besten
bei ihren Müttern aufgehoben sind. Das hat dazu geführt,
daß das Kleinkinderheim Gustav-Freytag-Straße geschlossen
werden mußte. Es dient jetzt dem Verein Arbeits- und Erziehungshilfe
als Beratungs- und Behandlungsstelle für geistig behinderte
Kinder. Eine weitere Auswirkung ist die erkennbare Verschiebung
in der Nachfrage nach Plätzen in den Kinderkrippen. Während
der Bedarf für Säuglinge leicht rückläufig ist,
nehmen die Anträge auf Unterbringung von Kindern ab 1 Jahr
zu. Erfreulicherweise konnte am 3.5.1971 die neue Kinderkrippe für
den Stadtteil Bornheim in der Karl-Flesch-Straße mit 81 Plätzen
in Betrieb genommen werden. Da die Zahl der Entbindungen im Mutterschutzheim
Scheidswaldstraße ständig abnahm, wurde die Entbindungsabteilung
zum 30.4.1971 geschlossen. Die 30 Schwangeren und Wöchnerinnen
und 77 Kinder konnten daraufhin etwas zeitgerechter untergebracht
werden. Die sehr primitiv ausgestattete Jugendbleibe, die zur kurzfristigen
Unterbringung obdachloser oder aufgegriffener männlicher Jugendlicher
diente, konnte endlich aufgegeben werden. Statt ihrer wurde in der
Rödelheimer Landstraße 127 ein nach unseren Vorstellungen
ausgebautes, modern eingerichtetes Haus ermietet, das organisatorisch
dem Jugendheim Kleemannstraße angeschlossen ist. Es umfaßt
21 Betten für die Jugendbleibe und 7 Betten in der Festhalteabteilung.
Die elektronische Datenverarbeitung hat im Berichtszeitraum Zugang
auch zu den sozialen Ämtern gefunden. Die bislang meist in
bar oder auf dem Überweisungsweg erfolgte Auszahlung der laufenden
Leistungen ist inzwischen in die EDV übernommen worden, so
daß sie den Empfängern direkt auf deren Konten bei Banken
oder Sparkassen überwiesen werden können. Die Anschaffung
zweier elektronischer Buchungs- und Fakturiermaschinen hat zum Ziel,
daß die Buchungsarbeiten aller Zahlstellen zukünftig
zentral von der Rechnungsführung ausgeführt werden, was
eine erhebliche Entlastung der Sozialstationen und Fachstellen bedeutet.
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