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Berichtszeitraum: 1945-65

 

Das Sozialverwaltungsamt, 1957 aus der bis dahin bestehenden Verwaltungsabteilung hervorgegangen, hat die Aufgabe, dem Jugend- und Sozialamt die für die Erfüllung ihrer Aufgaben benötigten personellen, räumlichen und materiellen Voraussetzungen zu schaffen.

Mit der Konstituierung der Bundesrepublik setzte eine Flut neuer Gesetze ein, die in den Arbeitsbereich der Sozialverwaltung hineinwirkten:

  • Gesetz über die Unterhaltsbeihilfen an Angehörige von Kriegsgefangenen,
  • Heimkehrergesetz,
  • Soforthilfegesetz,
  • Bundesversorgungsgesetz,
  • Jugendschutzgesetz,
  • Lastenausgleichsgesetz,
  • Bundesvertriebenengesetz,
  • Mutterschutzgesetz,
  • Kriegsgefangenenentschädigungsgesetz,
  • Mietgesetze,
  • Freiheitsentziehungsgesetz,
  • Rentenneuregelungsgesetz,
  • Unterhaltssicherungsgesetz,
  • Tuberkulosenhilfegesetz,
  • Körperbehindertengesetz,
  • Bundessozialhilfegesetz,
  • Jugendwohlfahrtsgesetz.

Dazu noch Gesetze und Abkommen über die zwischenstaatlichen Beziehungen auf sozialem Sektor, Kriegsfolgenhilfegesetz, Änderungen des Familienrechtes usw. sowie eine Vielzahl von Verordnungen und Erlassen.

Es ist selbstverständlich, daß all die vielfältigen Aufgaben nur bewältigt werden konnten, indem die Zahl der Bediensteten den wachsenden Anforderungen angepaßt wurde. So darf es nicht wundern, wenn ihre Zahl von 421 am 1.11.1945 auf 1236 am 1.7.1964 (ohne Ausgleichsamt) angestiegen ist. Zu bedenken ist bei einem Vergleich dieser Zahlen ferner, daß sich auf dem Gebiete Jugendhilfe durch Errichtung neuer Heime ein großer zusätzlicher Personalbedarf ergeben hat.

An die Stelle der Publikumsabfertigung tritt die Beratung und das individuelle Eingehen auf die Besonderheiten des Einzelfalles, wobei dem Ermessen ein großer Spielraum gegeben ist. Daß hierdurch hohe Anforderungen an die Fähigkeiten der Bediensteten des Sozial- und Jugendamtes gestellt werden müssen, bedarf keiner Erwähnung. Aus diesem Grunde wird der Ausbildung von Nachwuchskräften besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Aus den 20er Jahren besaß Frankfurt am Main vor dem 2.Weltkrieg eine große Anzahl von ehrenamtlichen Mitarbeitern in allen Stadtteilen, deren Aufgabe es war, das Vertrauen zwischen Behörde und Bevölkerung zu festigen und die Beziehungen zwischen den Hilfesuchenden und den sozialen Ämtern zu fördern. Diese Einrichtung, die viel zur Demokratisierung der Verwaltung beitragen kann, war mit Ende des 2.Weltkrieges völlig zusammengebrochen. Nach einer Normalisierung der Verhältnisse wurde im Jahre 1950 der "ehrenamtliche Dienst" wieder aufgebaut. Er verfügt heute über 58 Sozialbezirksvorsteher und 399 Pfleger und Pflegerinnen Auf dem Gebiete der Sozialarbeit ist Rationalisierung nur bedingt möglich. Selbstverständlich wird durch Einsatz moderner Büromaschinen (Diktiergeräte, Ablichtungsmaschinen, Rechenautomaten, elektrische Schreib- und Buchungsmaschinen), durch Lochkartenzählverfahren, Motorisierung des Außendienstes usw. getan, was im Rahmen der begrenzen Möglichkeiten unternommen werden kann.

Nach Kriegsende verfügte die Sozialverwaltung über keine Liegenschaft mehr, die nicht ganz oder zu einem großen Teil zerstört war. Ebenso wie die zentrale Verwaltung des Dezernats, die sich in der Brentano-Schule in der Arnsburger Straße befand, waren auch die übrigen Dienststellen in Schulen und Bunkern untergebracht.

Nahezu alle Kinder- und Altenheime waren evakuiert und konnten nur mit größter Mühe unterhalten werden, da es oft an den lebensnotwendigsten Dingen fehlte. Daneben entstand bedingt durch die Wohnungsnot, die durch zurückkehrende Evakuierte und durch Flüchtlinge immer größer wurde, eine Vielzahl von Notunterkünften, die in Barackenlagern und Bunkern eingerichtet wurden. Für die Sozialverwaltung ergaben sich hieraus im Hinblick auf den Wiederaufbau vier große Aufgabengebiete, die ihrer Dringlichkeit nach hier aufgezählt seien:

  • Auflösung der Notunterkünfte,
  • Räumung der Schulen,
  • Schaffung geeigneter Dienstgebäude,
  • Rückführung und Wiederaufbau der Kinder- und Altenheime.

In den Jahren 1945 bis 1949 wurden fünf Heime und eine Kinderkrippe neu eingerichtet. Es waren dies das Kinderheim Odenwaldstraße, Breubergstraße, die Jugendheime Rendeler Straße und Germaniastraße sowie die Jugendbleibe. Durch diese Häuser konnte die Heimplatzzahl bis 1949 auf 952 angehoben werden.

Nach 1950 erfuhr die Entwicklung im Heimbereich eine Wandlung. Es wurden jetzt wieder qualitative Forderungen an neu zu schaffende Heime gestellt. Die Zeit des Improvisierens wurde abgelöst durch den Heimneubau, der wieder die pädagogischen Erkenntnisse zu berücksichtigen hatte.

Gleichzeitig bedingte die Entwicklung einen Bruch mit dem bisherigen Heimsystem. Einmal wurde die gemeinsame Erziehung von Jungen und Mädchen angestrebt, zum anderen gehörte der "Waisenhaustyp" mit seinen großen Gruppen der Vergangenheit an. Bei dem Bau weiterer Heime waren neue Wege zu beschreiten. Das familienähnliche Gruppensystem in abgeschlossenen Wohneinheiten setzte sich durch.

Von 1950 bis 1955 wurden neu errichtet das Entbindungs-, Mütter- und Säuglingsheim in der Scheidswaldstraße, die Kinderkrippe Scheidswaldstraße und das Kinderheim Eppenhain. Das behelfsmäßige in einem Bunker eingerichtete Mädchenheim Germaniastraße wurde in der gleichen Zeit wieder aufgelöst. Im Rechnungsjahr 1955/56 verfügte die Stadt Frankfurt am Main über 13 Vollheime und 2 Kinderkrippen mit insgesamt 1203 Plätzen.

Bei der Neuschaffung von Heimplätzen wurden die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte auf dem Gebiet des Heimwesens ausgewertet. Danach hatte sich gezeigt, daß es richtig ist, neben einer Reihe von Vertragsheimen vor allem auch über einen Stamm stadteigener Einrichtungen zu verfügen. Die Regieheime stellen letztlich die Grundlage für die Unterbringungsmöglichkeiten dar und bieten Heimplätze, über die das Jugendamt jederzeit vollkommen unabhängig verfügen kann. Die Vertragsheime hingegen haben die Aufgabe, den zeitlich wechselnden Heimplatzbedarf auszugleichen und zugleich pädagogische und pflegerische Sondererfordernisse zu erfüllen. Unter diesem Gesichtspunkt wurden in den folgenden Jahren neben den Kinderkrippen Sachsenhausen, Eschersheim, Gallus und Lange Straße die Kinderheime Bürgermeister-Gräf-Haus mit dem Altenheim, das Hermann-Luppe-Heim als heilpädagogisches Kinderheim und das Kinderheim Gustav-Freytag-Straße errichtet.Unabhängig von den Neuschaffungen an Heim- und Krippenplätzen wurden wesentliche Verbesserungen durchgeführt.

So erfolgte im Jahre 1951 ein Anbau zum Kinderheim und -krankenhaus Böttgerstraße für infektiös erkrankte Kinder. 1954 wurde das Dr.-Hoffa-Haus im Kinderkurheim Bad Sodenthal überholt und für Kinder unter 6 Jahren hergerichtet. 1956 konnte das Haupthaus des Kinderheimes und -krankenhauses Böttgerstraße umgebaut und einrichtungsmäßig wesentlich verbessert werden. Gleichzeitig wurde das Kurmittelhaus im Kinderkurheim Bad Sodenthal mit einem Kostenaufwand von mehr als 1000000,- DM als eine der mustergültigsten Einrichtungen in Betrieb genommen.

Das Kinderkurheim Bad Sodenthal nimmt im Bereich der Sozialverwaltung eine Sonderstellung ein, weil ihm seine Quellen den Charakter eines anerkannten Solbades verleihen. In Verbindung mit den günstigen klimatischen Verhältnissen ist es möglich, Frankfurter Kindern, die an Bronchitis, Asthma, Kalkmangelzuständen, Magen-Darm-Störungen, Erkrankungen der Gallenwege, Hautkrankheiten, Kreislaufschäden, Peripheren Durchblutungsstörungen, Drüsenschwellungen, Blutarmut, allgemeiner Körperschwäche, Unterentwicklung, nervösen Störungen usw. leiden, eine 6-wöchige Kur mit Solbädern, Trinkkuren und Sole-Inhalationen zukommen zu lassen.

1957 wurde das Kinderheim Wolfsmünster umgebaut. Für die Sonderschule konnten neue gut ausgestattete Räume im sog. Wandervogelhaus geschaffen werden. Auch das übrige Heim wurde in seiner Innenraumgestaltung den zeitgemäßen Erfordernissen angepaßt. Für 36 entwicklungsgestörte und heilpädagogisch zu behandelnde Kinder stellt es heute eine mustergültige Heimstätte dar. Im gleichen Jahr konnte die behelfsmäßige Unterbringung des Kinderheimes in der Breubergstraße nach Umbau eines Hauses in der Niederräder Landstraße als Kinderheim Buchenrode in Betrieb genommen werden.

1961 unterhielt die Sozialverwaltung 17 Vollheime und 6 Kinderkrippen mit insgesamt 2001 Heimplätzen. In den folgenden Jahren verlangte die Entwicklung auflockernde Maßnahmen in den einzelnen Heimen. Überbelegungen der Räume mußten korrigiert und allmählich auf ein vertretbares Maß zurückgeführt werden.

Das Jugendwohnheim Rendeler Straße, in einem Bunker untergebracht, konnte mit erweiterter Aufgabenstellung in ein neu errichtetes Heim in Rödelheim umgesetzt werden.

Auch das J.C. Junior'sche Kinderkurheim der Stadt Frankfurt am Main in Vielbach im Westerwald wurde räumlich erweitert und betrieblich wie funktionell erheblich verbessert.

Alle diese der Normalisierung im Heimbereich dienenden Maßnahmen bewirkten, daß 1965 bei ebenfalls 17 Vollheimen und 6 Kinderkrippen nunmehr 1933 Heimplätze zur Verfügung stehen. Die seit der Währungsreform bis 31.12.1964 investierten Mittel belaufen sich auf über 40000000,- DM.

Weitere soziale Verbesserungen für die Mitarbeiter in den Heimen haben zur Folge, daß selbst in neueren Heimen die vorhandenen Personalräume nicht mehr genügen, zumal heute eindeutig das Einzelzimmer verlangt wird. So wurden in den letzten Jahren 6 Personalhäuser neu errichtet oder ermietet.

Unabhängig hiervon konnten bis Ende 1965 die Planungen für eine neue Jugendbleibe in Rödelheim, für eine Neuerrichtung des Kinderheims Taunusheim sowie für neue Kinderkrippen in Bornheim, Höchst und in der Nordweststadt abgeschlossen werden. Weiterhin sind in Planung eine Erweiterung für das Kinderheim Ebersheimstraße, das Kinderheim Eppenhain, ein Aufnahmeheim sowie eine Kinderkrippe für Niederrad und für Fechenheim.

Neben den noch geplanten Bauvorhaben im Heimbereich sind weitere Personalunterkünfte und Verwaltungsräume erforderlich. So sind z.B. die Sozialstation Bockenheim noch in einer Schule und die Sozialstation Höchst im Bolongaro-Palast untergebracht. Für die Sozialstation Bockenheim sind die Planungsarbeiten so weit fortgeschritten, daß mit Baubeginn im Jahre 1966 zu rechnen ist. In Planung befindet sich gegenwärtig die Sozialstation Nordwest-Stadt, deren Errichtung infolge der starken Bevölkerungszunahme in den nördlichen Stadtteilen notwendig wird.

 

 

Berichtszeitraum: 1965-68

 

Während des Berichtszeitraumes schied Herr Stadtrat Dr.Prestel aus Altersgründen aus und Herr Stadtrat Gerhardt übernahm am 1.7.1966 das um die Gesundheitsverwaltung erweiterte Dezernat IX - Soziales und Gesundheit -.

Die seit Mitte 1964 andauernde Organisationsprüfung im Bereich der Sozialverwaltung fand Anfang 1966 für den 1.Teilbereich ihren Abschluß. Für das Sozialverwaltungsamt ergaben sich, obwohl nur die Heimabteilung und 2 Stellen der Verwaltungsabteilung einbezogen waren, folgende Konsequenzen:

  • Die bis dahin dezentral - z.B. bei der Heimabteilung, bei der Abteilung Altenhilfe (Sozialamt) und der Abteilung Jugendpflege (Jugendamt) wahrgenommenen Tätigkeiten im Zusammenhang mit Neubau, Bauerweiterung, Bauunterhaltung, Ermietung usw. wurden der Verwaltungsabteilung zur zentralen Bearbeitung übertragen.
  • Die fürsorgerische Betreuung des Heimpersonals, die bis dahin von der Heimabteilung durchgeführt wurde, ging in die Zuständigkeit der Personalstelle über.
  • Die Hauptfürsorgerin, die bis dahin dem Dezernenten unmittelbar unterstand, wurde dem SVA eingegliedert. Unabhängig von dem noch ausstehenden 2.Teil der Organisations-Prüfung wurde die Hauptregistratur mit der Hauptaktei und der Bücherei vereinigt.

Infolge der 1967 eingetretenen Rezession konnten einige baureife Objekte nicht erstellt werden. Betroffen sind u.a. die Sozialstation Bockenheim sowie der bereits mit Mag.-Beschluß Nr. 1112 vom 31.5.1966 genehmigte Bau der Kinderkrippe Bornheim. Weitere Pläne zum Ausbau und zur Modernisierung der städtischen Kinderheime mußten ebenfalls zurückgestellt werden.

Der finanzielle Engpaß zwang auch dazu, trotz möglicher negativer sozialpädagogischer Auswirkungen gerade auf den bei der Sozialverwaltung verkehrenden Personenkreis, die Reinigung der Dienstgebäude drastisch einzuschränken. Positiv zu vermerken ist die Tatsache, daß die Sozialstation Nordweststadt mit Abteilungen des Sozialamtes, des Jugendamtes, mit Kinderkrippe, Mütterberatungsstelle für Säuglinge und Jugendberatungsstelle, Haus der offenen Tür, Jugendclub und Altenclub noch vor dem ursprünglich vorgesehenen Termin im Herbst 1968 ihren Betrieb wird aufnehmen können. Ihre innerbetriebliche Gestaltung und Einrichtung wurde in enger Zusammenarbeit mit der Bauverwaltung und dem Architektenbüro Beckert & Becker von der Sozialverwaltung geplant und beschafft.

Aus dem personellen Sektor ist zu berichten, daß die Zahl der Bediensteten der Sozialverwaltung von 1229 am 1.1.1965 auf 1420 Personen am 1.1.1968 gestiegen ist. Die Zunahme um 191 Stellen ist auf folgende Ursachen zurückzuführen:

  • Auswirkungen der Stellenplanänderungen aufgrund des 1.Teiles der Organisationsprüfung, wobei neue Meßzahlen für die Abteilungen Wirtschaftliche Sozialhilfe und Wirtschaftliche Jugendhilfe festgesetzt wurden.
  • Stellenvermehrung im Bereich der städtischen Kinderheime und Krippen durch Magistrats-Beschluß Nr. 450 vom 28.2.1966.
  • Übernahme des Personals der Psychiatrischen Abteilung. Diese Maßnahme ergab sich aus der Aufgabenstellung der beiden Sachgebiete dieser Abteilung, deren Fürsorgestelle für Gemüts- und Nervenkranke dem Sozialamt und deren Erziehungsberatung dem Jugendamt eingegliedert wurde. Die Ärzte der Psychiatrischen Abteilung unterstehen allerdings auch weiterhin der Fachaufsicht und den Weisungen des Gesundheitsamtes auf medizinischem Gebiet.

In den Heimen und Krippen sind z.Zt. ca. 60 Stellen überwiegend Erziehungs- und Pflegepersonal - unbesetzt. Die Folge ist, daß in verschiedenen Heimen die Belegungskapazität nicht voll ausgenutzt werden konnte. Besonders unangenehm wirkte sich im Heimbereich auch die starke Fluktuation aus.

Wegen der verstärkten Nachfrage nach Krippenplätzen wird das Kinderheim und -krankenhaus Böttgerstraße 22 seit dem 1.1.1968 ausschließlich als Kinderkrankenhaus betrieben, wurde die Platzzahl im Kleinkinderheim Odenwaldstraße 25 seit 1968 auf 52 Plätze erhöht und in der Sozialstation Nordweststadt, die am 1.10.1968 eröffnet werden soll, eine Kinderkrippe für 81 Kinder vorgesehen.

Erfreulicherweise kann gerade im Heimbereich festgestellt werden, daß die Mäzene noch nicht ausgestorben sind. Besonders zu Weihnachten gehen zahlreiche Beweise der Hilfsbereitschaft für unsere Kinderheime ein. Neben kleinen Spenden und Geschenken verdient eine Frankfurter Firma Erwähnung, die in den beiden letzten Jahren auf die Versendung von Werbegeschenken zum Jahreswechsel verzichtete und stattdessen einem unserer Kinderheime durch Spenden in Höhe von insgesamt 11000 DM die Errichtung und Einrichtung eines Spiel- und Bastelraumes ermöglichte. Darüber hinaus haben Mitarbeiter dieser Firma eine Art von Patenschaft für die Kinder des Hauses übernommen, die sich z.B. darin äußert, daß jedes Kind an seinem Geburtstag ein Geschenk erhält oder einzelne Kinder oder Gruppen übers Wochenende eingeladen werden usw. Wir glauben, daß in unserer materiell eingestellten Zeit ein solches Beispiel hervorgehoben zu werden verdient.

 

 

Berichtszeitraum: 1969-72

 

Während es möglich wurde, den Bau der Sozialstation Bockenheim zu beginnen und ihn im Laufe des Jahres 1972 zu vollenden, mußten zahlreiche andere ebenso dringende Vorhaben zurückgestellt werden. Geplant sind weiterhin die Erweiterung und Modernisierung der Kinderkrippe Niederrad, die Modernisierung des Kinderkrankenhauses Böttgerstraße, der Ausbau des Kinderheimes Taunusheim und der Bau eines Personalwohnhauses im Kinderheim Eppenhain. All diese Maßnahmen sind dringend erforderlich. Erschwert wird die Situation durch die explosionsartig angestiegenen Baukosten. So hat sich beispielsweise der Neubau der Sozialstation Bockenheim am Rohmerplatz vom Baubeginn 1970 bis zur Fertigstellung im Herbst 1972 um 2,5 Mill. DM (auf 10,9 Mill.) verteuert, das sind rd. 30% Nach rd. zehnjähriger Vorbereitungszeit wurde der Bockenheimer Bevölkerung eine neuzeitliche Sozialstation mit Büroräumen für die Dienststelle des Sozialamtes und des Jugendamtes, einer Altentagesstätte einschl. Essenausgabestelle, einer Kinderkrippe für 81 Kinder, Beratungsstelle des Stadtgesundheitsamtes für Mütter mit Säuglingen und Jugendlichen, Räumlichkeiten für die Gruppenarbeit der Erziehungsbeistandschaft sowie für das Nachbarschaftsheim zur Verfügung gestellt. In Betrieb genommen wurde Anfang 1969 die Sozialstation Nordweststadt. Im Hinblick auf die geplanten Änderungen der Stadtgrenzen im Nordosten der Stadt wird sie an Bedeutung gewinnen. Die Zahl der bei den sozialen Ämtern Beschäftigten hat sich im Berichtszeitraum um 66 auf 1486 erhöht, was auf die Inbetriebnahme der Kinderkrippe Karl-Flesch-Straße, die Neuschaffung von Stellen bei der Abteilung Gefährdetenhilfe beim Sozialamt, der Abteilung Erziehungsbeistandschaft und der pädagogischen Abteilung beim Jugendamt sowie auf die Vermehrung der Sachbearbeiterstellen aufgrund gestiegener Fallzahlen in den Sozialstationen und Fachstellen zurückzuführen ist. Jährlich werden im Bereich der sozialen Ämter etwa 120 Nachwuchskräfte (Beamtenanwärter, Lehrlinge) ausgebildet. Außerdem praktizieren rd. 100 Praktikanten aller Ausbildungsrichtungen. Die Ausbildungsplätze für den Beruf der Sozialarbeiter wurden von 12 auf 30 erhöht. Weiterhin wurden 15 neue Ausbildungsstellen für Praktikanten der Berufsrichtung Sozialpädagogik eingerichtet.

Nach wie vor erschwert die ungewöhnlich starke Fluktuation, besonders in den Bereichen des Erziehungspersonals und der Sozialarbeiter, eine kontinuierliche Arbeit. Der Grund hierfür dürfte hauptsächlich darin zu finden sein, daß diese Berufsgruppen die Möglichkeit der Weiterbildung auf anderen Arbeitsplätzen nutzen. Im Heimbereich bewirkten Veränderungen in der Gesellschaft durch Aufklärung, Familienplanung und Verhütungsmittel, daß einige Änderungen im Angebot unserer Heime vorgenommen werden mußten. Immer mehr scheint sich die Erkenntnis durchzusetzen, daß insbesondere Säuglinge und Kleinstkinder am besten bei ihren Müttern aufgehoben sind. Das hat dazu geführt, daß das Kleinkinderheim Gustav-Freytag-Straße geschlossen werden mußte. Es dient jetzt dem Verein Arbeits- und Erziehungshilfe als Beratungs- und Behandlungsstelle für geistig behinderte Kinder. Eine weitere Auswirkung ist die erkennbare Verschiebung in der Nachfrage nach Plätzen in den Kinderkrippen. Während der Bedarf für Säuglinge leicht rückläufig ist, nehmen die Anträge auf Unterbringung von Kindern ab 1 Jahr zu. Erfreulicherweise konnte am 3.5.1971 die neue Kinderkrippe für den Stadtteil Bornheim in der Karl-Flesch-Straße mit 81 Plätzen in Betrieb genommen werden. Da die Zahl der Entbindungen im Mutterschutzheim Scheidswaldstraße ständig abnahm, wurde die Entbindungsabteilung zum 30.4.1971 geschlossen. Die 30 Schwangeren und Wöchnerinnen und 77 Kinder konnten daraufhin etwas zeitgerechter untergebracht werden. Die sehr primitiv ausgestattete Jugendbleibe, die zur kurzfristigen Unterbringung obdachloser oder aufgegriffener männlicher Jugendlicher diente, konnte endlich aufgegeben werden. Statt ihrer wurde in der Rödelheimer Landstraße 127 ein nach unseren Vorstellungen ausgebautes, modern eingerichtetes Haus ermietet, das organisatorisch dem Jugendheim Kleemannstraße angeschlossen ist. Es umfaßt 21 Betten für die Jugendbleibe und 7 Betten in der Festhalteabteilung. Die elektronische Datenverarbeitung hat im Berichtszeitraum Zugang auch zu den sozialen Ämtern gefunden. Die bislang meist in bar oder auf dem Überweisungsweg erfolgte Auszahlung der laufenden Leistungen ist inzwischen in die EDV übernommen worden, so daß sie den Empfängern direkt auf deren Konten bei Banken oder Sparkassen überwiesen werden können. Die Anschaffung zweier elektronischer Buchungs- und Fakturiermaschinen hat zum Ziel, daß die Buchungsarbeiten aller Zahlstellen zukünftig zentral von der Rechnungsführung ausgeführt werden, was eine erhebliche Entlastung der Sozialstationen und Fachstellen bedeutet.

 
Quelle: Jahresberichte der Stadt Frankfurt 1945-72
frankfurt baut auf