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Berichtszeitraum: 1945-65

 

Dem Stadtentwässerungsamt obliegen der Entwurf, der Bau und die Unterhaltung von Kanälen, Pumpstationen und Klärwerken, der Anschluß der Grundstücksentwässerungen an das städtische Kanalnetz sowie der Ausbau der Wasserläufe II. und III. Ordnung und Hochwasserschutz und damit die Wasserrechts-, Wasserwirtschafts- und Fischereiangelegenheiten dieser Gewässer.

Nach Beendigung des Krieges im Jahre 1945 besaß Frankfurt am Main ein Kanalnetz von ca. 716 km Länge und eine Kläranlage in Frankfurt/M.-Niederrad und eine in Frankfurt/M.-Höchst für die westlichen Vororte. Das Kanalnetz wies zu diesem Zeitpunkt über 800 Bombenschäden auf. Auch die Kläranlage Niederrad war von den Kriegseinwirkungen nicht verschont geblieben. Sie war damals schon 58 Jahre im Betrieb und eigentlich nicht mehr ausreichend. Bis 1948 konnten für Erneuerungen und Erweiterungen der Betriebsanlagen keine Mittel aufgewendet werden. Eine wesentliche Aufgabe lag in der Beseitigung der vielen Bombenschäden im Kanalnetz. Bis 1949 konnte deren Anzahl auf ca. 190-200 verringert werden. Ab diesem Zeitpunkt wurden, wenn auch vorerst noch in geringerem Umfange, Mittel für Erneuerungen aufgewendet. 1950 wurde die Kläranlage Goldstein gebaut. Sie war zunächst nur für die amerikanische Siedlung am Flughafen Rhein-Main gedacht und nahm später auch die Abwässer des Zivilflughafens und der Goldsteinsiedlung mit auf. Für den Stadtteil Schwanheim wurde eine Kläranlage 1957 in Betrieb genommen. Beide Anlagen reinigten die Abwässer nun nicht mehr nur mechanisch, sondern auch biologisch. In den Jahren 1954/1955 wurde der linksmainische Sammelkanal gebaut, der im wesentlichen die Vorflutverhältnisse im Ostteil unserer Stadt verbessern sollte. Anschließend wurde mit dem Bau des neuen Klärwerkes in Niederrad 1956 begonnen, dessen 1. Ausbaustufe 1962 in Betrieb genommen wurde. Bereits vor dem 2. Weltkrieg waren Pläne für eine neue Kläranlage vorhanden, da die alte Anlage nur für ca. 300000 angeschlossene Einwohner berechnet war. Zu den Kosten für den Bau des Klärwerkes (1956) stellte das Land Hessen eine Beihilfe in Höhe von 7,0 Mio DM zur Verfügung. Die Gesamtkosten der I. Ausbaustufe betrugen ca. 15,0 Mio DM; die II. Ausbaustufe befindet sich z.Zt. noch in der Bauausführung, so daß die endgültigen Kosten nur annähernd mit 12,0 Mio DM angegeben werden können und die Gesamtkosten für das Klärwerk Niederrad ca. 27,0 Mio DM betragen dürften.

Außerdem wurden in den Jahren nach 1956 eine Anzahl Regenrückhaltebecken und Regenkläranlagen (unterirdisch) gebaut, die in den verschiedenen Stadtteilen die Vorflutverhältnisse verbesserten und eine reibungslosere Ableitung des Abwassers ermöglichten.

Die Kanalisierung bzw. Restkanalisierung und der Anschluß an das öffentliche Kanalnetz in verschiedenen Vororten (z.B. Praunheim, Bonames, Sindlingen, Berkersheim, Fechenheim, Zeilsheim) wurde durchgeführt. In den meisten Fällen galt es, hier auch Eingemeindungsverpflichtungen zu erfüllen. In den Jahren 1960/61 wurde der Niddatalsammler gebaut. Dadurch war es möglich, die nördlichen Vororte zum Klärwerk Niederrad hin zu entwässern; eine Anzahl Pumpstationen konnten dadurch stillgelegt werden.

Für die westlichen Vororte und sieben Nachbargemeinden wurde 1962 mit dem Bau des Klärwerkes Sindlingen, das für ca. 180000 angeschlossene Einwohner gedacht ist, begonnen. Mit der Inbetriebnahme wird 1965 gerechnet. Nach Beendigung der II. Ausbaustufe des Klärwerks Niederrad und der Inbetriebnahme des Klärwerks Sindlingen wird das gesamte anfallende Abwasser von Frankfurt am Main und den angeschlossenen Gemeinden mechanisch-biologisch geklärt und mit einem sehr guten Reinigungsgrad dem Main zugeleitet.

In den Jahren ab 1949 bis heute wurde das Kanalnetz um ca. 314 km auf 1030 km erweitert. Zum größten Teil ist dies auf die Stadterweiterung und den damit verbundenen Bevölkerungszuwachs zurückzuführen. Von 1949 bis heute wurden für Erneuerungen und Erweiterungen der Betriebseinrichtungen, d.h. hauptsächlich für den Kanal- und Klärwerksbau, 149,5 Mio DM verausgabt.

 

 

Berichtszeitraum: 1965-68

 

Personelle Veränderungen

Im Jahre 1964/65 wurde in unserem Amt eine Organisationsuntersuchung durchgeführt. Ausgelöst wurde diese Maßnahme durch Anträge zum Stellenplan, die hauptsächlich eine Stellenvermehrung zur Bewältigung der angewachsenen Aufgaben beinhalteten. Das damalige Stellensoll (Beamte, Angestellte und Arbeiter) betrug insgesamt 376 und hätte sich bei Genehmigung der Anträge auf ca. 410 erweitert. Durch organisatorische Veränderungen konnten die Stellenneuschaffungen unterbleiben und der Sollbestand in 1966 von 376 auf 368 vermindert werden. Selbst unter Berücksichtigung von Stellenerhöhungen konnte ein namhafter Betrag eingespart bzw. als Folgekosten erspart werden. Das Stellensoll für 1968 beträgt 365.

Organisationstechnische Begebenheiten

In Auswirkung der organisatorischen Veränderungen und der damit verbundenen Stelleneinsparungen wurde die Beschaffung technischer Hilfsmittel erforderlich. Zu erwähnen sind hier ganz besonders die 3 Kanalhochdruckspülwagen, der Ölsaugwagen, motorgetriebene Kanalwinden, Funksprecheinrichtungen in den Einsatzwagen der Kanalmeister und tragbare Funksprechgeräte für kürzere Entfernungen und zur Verständigung im Kanal. Alle diese technischen Hilfsmittel haben sich ausgezeichnet bewährt und sollen weiter ergänzt werden. Um die Einleitung verbotener Abwässer zu unterbinden, insbesondere der Industrie- und Verarbeitungsbetriebe, wurde eine Abwasserüberwachung in die Wege geleitet. Die Neufassung der Benzinabscheidersatzung zum 1.1.1968 gab die Möglichkeit, das seitherige Sachgebiet Benzinabscheider aufgabenmäßig etwas zu verändern und das vorhandene Personal sowie die Aufgaben organisatorisch mit der Abwasserüberwachung zu verbinden. So entstand das Sachgebiet Abwasserüberwachung, das nunmehr sämtliche Abscheider (Benzin-, Stärke- und Fettabscheider) und Neutralisationsanlagen im Stadtgebiet Frankfurt kontrolliert. Wir erhoffen uns von dieser Tätigkeit eine wesentlich geringere Einleitung verbotener Stoffe in die Entwässerungsanlagen und verstärkte Bemühungen der Industrie, bereits auf ihren Grundstücken oder in ihren Fabrikationsstätten Vorsorge für eine Unschädlichmachung ihrer Abwässer zu treffen.

Besondere Leistungen und Ereignisse

Durch eine kontinuierliche Erweiterung des Kanalnetzes ist dessen Gesamtlänge von 1055 km im Jahre 1965 auf ca. 1150 km bis Ende 1967 gewachsen. Die einzelnen Maßnahmen beliefen sich auf insgesamt 45,7 Mio DM. Im gleichen Zeitraum sind für den Klärwerksbau und sonstige Maßnahmen (Pumpwerke) ca. 12,0 Mio DM ausgegeben worden. Für 1968 ist beim Kanalnetz mit einem Zuwachs von ca. 20 km zu rechnen; das erfordert einen Investitionsaufwand von ca. 22,5 Mio DM. Hinzu kommen geplante Erneuerungen und Kanalverlegungen durch den Stadtbahnbau in Höhe von ca. 7,5 Mio DM. Außerdem werden noch für geplante Regenkläranlagen, Erweiterungen in den Klärwerken und für den Neubau eines Betriebshofes in den nördlichen Stadtteilen ca. 5,0 Mio DM benötigt.

Kanalbauten besonderer Art

  • Zur Entlastung der Kanalisation im Gebiet der Mainzer Landstraße wurde als Teilmaßnahme der Regenentlastungskanal Dammgraben und die Verrohrung des Ochsengrabens ausgeführt (Kosten: 12,7 Mio DM).
  • Durch den Ausbau der Schloßstraße wurde ein Parallelkanal zwischen Schönhof und Kurfürstenplatz als Sanierungsmaßnahme durchgeführt (Kosten: 1,16 Mio DM).
  • Im Bereich der Miquelallee wurde der Umbau der vorhandenen Kanalisation und der Einbau eines Regenrückhaltebeckens ausgeführt (Kosten: 3,7 Mio DM).
  • Im Zuge der Umkanalisation in Fechenheim wurde ein neuer Vorflutkanal in der Willmann- und Baumertstraße verlegt (Kosten: 1,3 Mio DM).
  • Zwischen Nied und Griesheim wurde ein Vorflutkanal gebaut, der die Erschließung des Gewerbegebietes südlich der Mainzer Landstraße ermöglicht.
  • Die Erschließung mehrerer neuer Baugebiete machte Kanalbauten von insgesamt ca. 4,2 Mio DM erforderlich.

 

Klärwerksbauten

1966 wurde das Klärwerk Sindlingen für die westlichen Vororte und die im Abwasserverband Vordertaunus zusammengeschlossenen Gemeinden für insgesamt 130000 angeschlossene Einwohner in Betrieb genommen (Kosten einschl. eines 1,8 km langen Vorflutkanals: 14,0 Mio DM).

1966 erfolgte die Inbetriebnahme der II. Ausbaustufe des Hauptklärwerkes Niederrad. Damit ist die mechanisch-biologische Reinigung des Abwassers für 800000 angeschlossene Einwohner möglich (Kosten: 12,0 Mio DM). Im Oktober 1965 wurde von der Stadtverwaltung Frankfurt a.M. unter Federführung des Stadtentwässerungsamtes die Jahreshauptversammlung der Abwassertechnischen Vereinigung (Bonn), bei der ein großer Teil der Gemeinden und öffentlichen Verbände sowie einschlägige Industrieunternehmen Mitglied sind, durchgeführt. An der Tagung nahmen jeweils ca. 1000 Personen an 6 Tagen teil. Obwohl es sich um eine innerdeutsche Tagung handelte, befanden sich unter den Tagungsteilnehmern auch Fachleute aus dem benachbarten Ausland.

 

 

Berichtszeitraum: 1969-72

 

Die Aufgaben des Stadtentwässerungsamtes haben in den letzten Jahren erheblich zugenommen. So muß das in weiten Teilen veraltete Kanalnetz kontinuierlich saniert werden. Aus Anlaß des U-und S-Bahn-Baues sind seit geraumer Zeit umfangreiche Kanalverlegungen erforderlich. Die Klärwerke müssen erweitert und auf vollbiologische Reinigung umgestellt werden, damit die Abwässer vollständig gereinigt werden können. Dadurch wird künftig eine Verschmutzung des Grundwassers und der Gewässer durch Abwässer unterbunden. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse wurde bereits in den Jahren 1969/70 die Studie zur Ableitung und Reinigung der Abwässer der Stadt Frankfurt am Main und der umliegenden Gemeinden erarbeitet. Mit ihr ist der erstmals in der Bundesrepublik Deutschland unternommene versuch gelungen, für einen großstädtischen Verdichtungsraum, nämlich das Gebiet der Stadt Frankfurt und 19 umliegender Gemeinden, ein zukunftsweisendes entwässerungstechnisches Programm aufzustellen. Es handelt sich um eine Rahmenplanung, die klare Zielvorstellungen darüber entwickelt, welche abwassertechnischen Sanierungs- und Neubaumaßnahmen notwendig sind, in welchen zeitlichen Stufen sie verwirklicht werden sollen und welcher Investitionsbedarf durch die geplanten Maßnahmen entsteht. Diese Rahmenplanung ist zugleich ein entscheidender Beitrag auf dem in Rede stehenden Sektor zur Lösung der heute unter dem Begriff Umweltschutz zusammengefaßten Problembereiche. Die Planung erfaßt einen Zeitraum von 30 bis 50 Jahren, zielt also bis in das Jahr 2020. Eine Aktualisierung ist in Abständen von 10 Jahren vorgesehen. Zur Verwirklichung der gesteckten Ziele werden aus heutiger Sicht Investitionen von 650 Mio. DM für Kanalbaumaßnahmen und 250 Mio. DM für den Ausbau bzw. den Umbau der Großklärwerke Niederrad und Sindlingen nötig sein. Im übrigen wurde das Frankfurter Kanalnetz im Berichtszeitraum mit einem Kostenaufwand von 100 Mio. DM auf ca. 1180 km erweitert. Neben der Erschließung von Siedlungsgebieten wurde das Schwergewicht auf den Bau von großen Sammelkanälen, Rückhaltebecken, Rückhaltekanälen und Entlastungsbauwerken gelegt. Zur Erläuterung wird beispielhaft die folgende Maßnahme erwähnt:

  • Fertigstellung des Parallelkanals Ludwig-Landmann-Straße, des Regenentlastungsbauwerkes am Opelrondell und des Hauptsammlers Nord mit dem z.Zt. größten Kanalprofil in Frankfurt am Main (Kanalbreite 5,50 m, Kanalhöhe 2,75 m) zur Entlastung des unter ständigem Rückstau leidenden Gallusviertels und zur Ableitung des in den nördlichen Stadtteilen anfallenden Abwassers.
  • Ferner wurden u.a. für zahlreiche zum Teil sehr umfangreiche Baumaßnahmen zur Vorflutverbesserung baureife Entwürfe erarbeitet, so z.B. für den neuen Hauptsammler Gutleutstraße, den Niddatalsammler II zur Erschließung des Universitätsbaugebietes Niederurseler Hang und für einen Regenauslaßkanal im Zuge der geplanten Ostumgehung im Gebiet Preungesheim, Eckenheim, Eschersheim. Mit der baureifen Planung des Pumpwerkes für das künftige Klärwerk Niederrad-Nord wurde begonnen.
  • Im Rahmen der Kanalverlegungen aus Anlaß des U- und S-Bahn-Baues konnte und kann die Abwasserbeseitigung nur durch ungewöhnliche Maßnahmen, wie Betrieb von Kanalstrecken in umgekehrter Fließrichtung, Erzeugen eines Überstaus, Aufhängen großer Rohrleitungen in offenen Tunnelbaugruben, Umleitung des Abwassers ganzer Stadtteile auf andere Vorfluter und die zeitweilige Umgehung von Hindernissen mit provisorischen Stahlrohrleitungen aufrecht erhalten werden.
  • Zu Beginn des Berichtszeitraumes wurde im übrigen ein detaillierter Hochwasserplan erarbeitet, der das Stadtentwässerungsamt in die Lage versetzt, innerhalb weniger Stunden alle notwendigen Vorkehrungen zur Vermeidung eines Abwassernotstandes zu treffen, der durch Hochwasser verursacht werden kann. Dieser Plan hat sich anläßlich des Hochwassers im Februar 1970 bewährt.
  • Eine wichtige Maßnahme im Rahmen des Umweltschutzes ist die Abwasserüberwachung, die im Berichtszeitraum aufgebaut wurde. Mit Hilfe der Abwasserüberwachung wird sichergestellt, daß nur solche Abwässer in die Kanalisation eingeleitet werden, die den Einleitungsbestimmungen nach der Entwässerungssatzung entsprechen. Das Abwasserkataster umfaßt heute 600 Betriebe. Aufgrund der Auflagen des Stadtentwässerungsamtes mußten zwischenzeitlich 80 Betriebe Neutralisations-, Entgiftungs- und ähnliche Anlagen errichten.
 
Quelle: Jahresberichte der Stadt Frankfurt 1945-72
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