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Berichtszeitraum: 1945-65

 

Das Aufgabengebiet des Stadtplanungsamtes ist außerordentlich vielseitig, denn es hat nicht nur selbst Pläne aufzustellen, sondern auch alle raumwirksamen Maßnahmen anderer Fachdienststellen innerhalb des Stadtgebietes zu koordinieren. Die Arbeit findet ihren Niederschlag in den Bauleitplänen. Nach der Definition des BBauG - § 1 (1) - wird durch die Bauleitpläne die städtebauliche Entwicklung geordnet und die bauliche und sonstige Nutzung der Grundstücke vorbereitet und geleitet. Bauleitpläne sind der Flächennutzungsplan (vorbereitender Bauleitplan) und der Bebauungsplan (verbindlicher Bauleitplan) - § 1 (2) - BBauG -. Die Bauleitpläne sind den Zielen der Raumordnung und Landesplanung anzupassen - § 1 (3) BBauG -.

Der Gemeinde ist das Hoheitsrecht der Planung zuerkannt. Ihre Fachdienststelle ist das Stadtplanungsamt. Vor 1945 war Stadtplanung in der Regel identisch mit Stadterweiterung (das drückt sich z.B. darin aus, daß das Stadtplanungsamt in Frankfurt am Main bis zum 1.Oktober 1946 mit dem Stadterweiterungsamt vereinigt war) oder mit dem Siedlungsbau.

Zur Beurteilung der hohen Anforderungen, denen das Stadtplanungsamt genügen muß, reicht es aus, sich statt des ganzen Aufgabenkataloges nur einmal des Grundsatzes zu erinnern, daß bei jeder Planung "die öffentlichen und die privaten Belange gegeneinander und untereinander gerecht abzuwägen" sind. Außerdem sei darauf hingewiesen, daß Stadtplanung kein statischer Zustand, sondern dynamischer Prozeß ist. Man bewegt sich nicht auf ein festes Ziel zu, die "fertige" Stadt, sondern im Fortschreiten auf das jeweilige Planungsziel ändert sich die Zielsetzung, unter Umständen sogar sprunghaft. Bei dieser mehr als komplizierten Aufgabenstellung, - neben salomonischer Gerechtigkeit und Weisheit sind die Fähigkeiten eines Propheten erwünscht -, darf nicht vergessen werden, daß uns der 2.Weltkrieg ein schwer zerstörtes Frankfurt hinterlassen hat.

Neben dem Versuch, anfangs der 50er Jahre eine Planung für eine nicht einmal von kühnen Optimisten, geschweige denn von Realisten erwartete Zukunft zu entwickeln, mußte die Stadtplanung dafür sorgen, daß dem Wiederaufbau Wege eröffnet wurden.

Heute ist mancher Kritiker des Verwirklichten schnell fertig mit dem Wort und spricht von der "verpaßten Chance". Noch wirkungsvoller, noch besser und schöner hatten unsere kriegszerstörten Städte aufgebaut werden sollen. Rotterdam wird z.B. als vorbildlich hingestellt. Abgesehen davon, daß es einige immer besser machen als andere, abgesehen davon, daß unsere wiederaufgebauten Städte durch ihre erstaunliche Wirtschaftskraft selbst den Beweis für ihre nicht gerade unzweckmäßige Entwicklung liefern, abgesehen davon, daß die Ansichten über den "richtigen" Städtebau nicht unwandelbar sind und die Frankfurter Lösung in Fachkreisen heute sehr positiv (Stichwort: Verflochtene Stadtstruktur!) beurteilt wird, vergessen die Kritiker meistens, daß Städtebau nichts anderes sein kann und auch nichts anderes sein sollte als ein Spiegel der Gesellschaftsordnung. Und hier wäre anzumerken, daß die Entwicklung unserer Gesellschaftsordnung sich seit Kriegsende leider nicht zur Möglichkeit eines besseren Städtebaues hin vollzogen hat, sondern den umgekehrten Weg einschlug. Was in den deutschen Städten, auch in dem kleinparzellierten, engen, bürgerstädtischen Frankfurt gleich nach Kriegsende konzipiert und verwirklicht wurde, ließe sich bei gleichem materiellen Ausgangspunkt heute überhaupt nicht mehr durchsetzen.

 

Entwicklung und Gliederung

Das Stadtplanungsamt wurde ab November 1946 von einem Sondertarifangestellten geleitet. Diesem standen 6 Mitarbeiter und eine Kanzlistin zur Verfügung. 1948, der Posten des Amtsleiters war inzwischen durch Weggang des Stelleninhabers frei geworden, hatte das Amt 22 Mitarbeiter und 5 unbesetzte Stellen.

Damals arbeiteten 4 Herren in der Entwurfsabteilung, 2 in der Verkehrsplanung, 2 in der städtebaulichen Beurteilung der Bauanträge, 6 in der Fluchtlinienfestsetzung, 2 in der Gebäudehöhenfestsetzung, 1 Herr in der städtebaulichen Statistik und der Ermittlung soziologischer Grundlagen, 2 im Modellbau, 1 Graphiker und eine Kanzlistin.

1948 wurde das Amt für Wohnungsbau und Siedlungswesen geschaffen, das Wiederaufbauamt aufgelöst und die Bauberatung, sie hieß damals Baupflege, wurde aus dem Stadtplanungsamt ausgegliedert und der Bauaufsichtsbehörde unterstellt.

Im Grunde arbeitete das Stadtplanungsamt bis zum Jahre 1959 (30 Stellen) in dieser Besetzung und funktionellen Gliederung. In diesem Jahr folgte die erste entscheidende Veränderung durch Ausgliederung der Verkehrsabteilung, die zu einem selbständigen Amt wurde. Dem Stadtplanungsamt verblieben 25 Stellen, gegliedert in drei Abteilungen, und zwar

  • 1. die Grundlagenabteilung
  • 2. die Entwurfsabteilung
  • 3. die Sachbearbeitungsabteilung

Gemessen an dem Aufgabenbereich, der verantwortungsvollen Tätigkeit, der komplizierten Materie und der mühsamen Koordinierung aller planungsrelevanten Tatbestände und Zielsetzungen war das Stadtplanungsamt schon seit Jahren unterbesetzt. Die Konsequenzen mußten nach Erlaß des BBauG, das auch die formalen Aspekte planerischer Arbeit normierte, gezogen werden. Es stehen heute dem Amtsleiter 58 Mitarbeiter zur Verfügung. Das Amt gliedert sich dabei in 3 Abteilungen, mit 3 Oberbauräten an ihrer Spitze. Die Abteilung Grundlagenforschung ist unterteilt in drei Arbeitsgruppen: Regionalplanung, Flächennutzungsplanung und Strukturforschung.

Die Entwurfsabteilung ist mit drei Entwurfsgruppen besetzt, zu denen jeweils vier Mitarbeiter gehören. Die Bebauungsplanabteilung ist in 5 Bezirken mit je drei Mitarbeitern für die Koordinierungstätigkeit verantwortlich, die bis zur städtebaulichen Bearbeitung der Bauanträge geht; außerdem gehört zu ihr die aus 13 Mitarbeitern bestehende Arbeitsgruppe für die Festsetzung der Bebauungspläne und die aus 3 Mitarbeitern bestehende Arbeitsgruppe, in der die Angaben über Bau- und Straßenlinien und die Höhenlage der Gebäude in die amtlichen Lagepläne eingetragen werden. Dazu sind drei Modellbauer und 1 Graphiker tätig. Eine Dokumentationsstelle für das Baugeschehen (Fotografie und Archiv) wurde für einen Mitarbeiter schon 1959 eingerichtet. 2 Büroangestellte gehören zum Amt und 3 Mitarbeiterinnen sind als Schreibkräfte angestellt. Insgesamt sieht der Stellenplan für das Stadtplanungsamt heute 66 Stellen vor, von denen allerdings 8 noch nicht besetzt werden konnten.


Foto:DPA

Der Stadtplaner Adolf Miersch vor dem von ihm entwickelten Generalbebauungsplan der Frankfurter Innenstadt 1952

 

Typische Beispiele

Wollte man die wichtigsten Probleme des Amtes in den letzten 20 Jahren aufführen, müßte man das gesamte Baugeschehen in dieser Zeit nachzeichnen und die vorliegenden Pläne für die zukünftige Arbeit erläutern. Weil das im Rahmen dieser Darstellung nicht einmal in Stichworten möglich wäre, soll stattdessen aus der Gesamtentwicklung nur herausgegriffen werden, was sich als typisch oder richtungsweisend erwiesen hat. Es soll dabei in zeitlicher Reihenfolge verfahren werden.

1946/47

  • Herstellung der Unterlagen für die Neuplanung durch Umarbeitung der Schadenspläne;
  • Entwurfsskizzen für die Fernstraßenplanung;
  • Entwurf für die Gestaltung des Messegeländes;
  • Städtebauliche Planung für die Umgebung des Goethehauses.

1947/48

  • Neuplanung für die Innenstadt;
  • Hauptstraßenwettbewerb entschieden;
  • drei Detailvorschläge für Hauptwachebereich;
  • Fluchtlinienplan für Hauptbahnhofsbereich;
  • Detailuntersuchung für das Gebiet des Schauspielhauses;
  • erste Planuntersuchungen für die Berliner Straße und die Kurt-Schumacher-Straße;
  • Straßenplanungen am Main von Nied nach Höchst;
  • Verbreiterung der Offenbacher Landstraße und des Oeder Wegs;
  • Bearbeitung des großen Verkehrsplans und des Wirtschaftsplanes (mit Flächennutzungsplan zu vergleichen);
  • Lockerung der seit 1945 bestehenden Bausperre bringt 300-400 Baugesuche im Monat; deshalb wurde die Bauberatungsstelle und die Modellbaugruppe eingerichtet;
  • Planung und Bauvorbereitung für Wohnungsbauvorhaben des Personals der bizonalen Verwaltung Frankfurter Berg, Mainzer Landstraße, am Südrand von Westhausen (alle damals schon im Bau) und Am Erlenbruch;
  • Wettbewerbsvorbereitung für eine Flugzentrale mit Hotel der American Overseas Airlines.

1948/49

  • Billigung des Innenstadtplanes durch die Körperschaften;
  • Wiederaufbauplanung Bockenheim, Oberrad und Zoo-Gegend;
  • Vorbereitung der Wohnungsbauvorhaben Miquelallee, Platenstraße, Eschersheimer Landstraße; Autohof am Opel-Kreisel, Rheingauallee;
  • Haus der Frankfurter Rundschau ;
  • Wiederaufbau auf der Westseite der Hauptwache .

Nach Erlaß des Hess. Aufbaugesetzes Zustimmung des Innenministers zu dem "vorläufigen Flächennutzungsplan" (der Wirtschaftsplan aus dem Jahre 1940) und "vorläufiger Baugebietsplan" (bisher Baunutzungsplan aus dem Jahre 1938).

1949/50

  • Bebauungspläne für die Hicoc-Siedlung;
  • Städtebauliche Untersuchungen für die Baublocks am Roßmarkt, die Hauptpost, die Bank Deutscher Länder, das Arbeitsamt;
  • Verkehrsführung am Hauptbahnhof und an der Hauptwache festgelegt.

1950/51

  • Durchführung /Auswertung des Altstadtwettbewerbs zwischen Dom und Römerberg;
  • Bebauungsplan-Entwurf für Wohngebiete an der Eschersheimer Landstraße und an der Mörfelder Landstraße;
  • Fluchtlinienplan Düsseldorfer Straße, Baseler Straße ;
  • Parkplätze Junghofstraße, Westendstraße;
  • verkehrsplanerische Verbesserungen für den Messeverkehr.

1951/52

  • Durcharbeitung der Bebauungspläne Schnurgasse, Trierische Gasse und Dom-Bereich;
  • Pläne für die Erweiterung der Bebauung am Eschersheimer Wasserturm und für die Eberhard-Wildermuth-Siedlung Mainzer Landstraße;
  • Mitwirkung am ECA -Wettbewerb Berkersheimer Weg;
  • Wettbewerb für die Neubauten der Nassauischen Landesbank;
  • Fluchtlinienpläne für die Walter-Kolb-Siedlung, die Innenstadt, für Rödelheim und Niederrad;
  • Planung für den nördlichen Autobahnzubringer bis Eckenheim, für die Knotenpunkte Forsthausstraße/Stresemannallee , für den Dornbusch, die Hansaallee, die Hanauer Landstraße/Mainkur;
  • Fertigstellung des Baugebiets- und Flächennutzungsplanes.

1952/53

  • Die zukünftige Gestaltung der Innenstadt ist festgesetzt und fast alle dazugehörigen Fluchtlinienpläne sind fertig;
  • die Berliner Straße ist in den Ansätzen erkennbar;
  • der Wiederaufbau für Bockenheim ist vorbereitet;
  • die Pläne für Siedlungsgebiet Marbachweg, Ginnheim, Eckenheim und Preungesheim sind aufgestellt.

1953/54

  • Flächennutzungsplan, Generalbebauungsplan und Baugebietsplan sind im Vorentwurf fertig und den Körperschaften vorgelegt;
  • die Bebauung Mainufer zwischen Leinwandhaus und Saalhof und östlich der Fahrgasse ist im Gange;
  • Bundesrechnungshof , Nassauische Landesbank, Deutsche Bank , Girozentrale , Bienenkorb , Buchhandelshaus, Degussa-Hochhaus , OFD , Landwirtschaftliche Rentenbank , Stadtsparkasse und Chemieverbandshaus sind im Bau und zeigen die wachsende Bedeutung Frankfurts;
  • die Berliner Straße wird dem Verkehr übergeben .

1954/55

  • Für den Lerchesberg, das Zehnmorgengelände, für den Letzten Hasenpfad, Zeilsheim und Sindlingen werden Bebauungspläne aufgestellt;
  • Baugestaltungspläne für Konstablerwache , Forsthausstraße, Sachsenhausen, Innenstadt, Fischerfeld und Bockenheim werden erarbeitet;
  • die Verkehrsplanungsabteilung stellt Pläne für die Hanauer Landstraße, Eckenheimer Landstraße, die Forsthausstraße, für Wendelsplatz, Alte Brücke , Güterplatz, Zeil /Lange Straße und für die Parkplätze am Stadion auf;
  • mit den ersten Parkhausstudien wird begonnen.

1955/56

  • Bauleitpläne von den Körperschaften beschlossen;
  • Bebauungsplan-Entwürfe für Niederrad werden aufgestellt;
  • Verkehrspläne für die Konstablerwache und die Osttangente werden erarbeitet.

1956/57

  • Die Reinschriften für die Bauleitpläne sind in Arbeit;
  • die Bebauungspläne für den Nordbereich von Eschersheim, für Heddernheim, Bonames und Sindlingen, für Zeilsheim, Sachsenhausen und Oberrad werden entworfen;
  • die Pläne für die südliche Umgehungsstraße von Höchst werden rechtskräftig;
  • die Verbreiterung der Eschersheimer Landstraße und die Umgestaltung am Oberforsthaus werden vorbereitet.

1957/58

  • Bebauungspläne werden für Preungesheim, Seckbach - Im Staffel, Sachsenhäuser Berg, Schwanheim-West, Sindlingen und Zeilsheim entworfen;
  • im Mai 1957 wird die große Verkehrszählung durchgeführt.

1958/59

  • Die dem Ministerium vorgelegten neuen Bauleitpläne werden am 12.4.1959 rechtskräftig;
  • die Verkehrsabteilung wird ausgegliedert;
  • Vorarbeit für die Arbeitsgemeinschaft Engeres Untermaingebiet wird begonnen;
  • für die Nordwest-Stadt wird ein Wettbewerb ausgeschrieben.

1959/60

  • Der Nordwest-Stadt-Wettbewerb wird entschieden und die Bearbeitung beginnt;
  • für das Engere Untermaingebiet ist eine Bestandsaufnahme in Arbeit;
  • ein Bebauungsplan-Entwurf für Schwanheim-West wird angefertigt, dabei das Problem der Parkplätze in den Wohngebieten untersucht;
  • das Zürich-Haus , die Bundesanstalt für Flugsicherung und das Bürohaus Hertie an der Zeil sind im Bau;
  • für Bundesbank, Lehrerakademie und Buchhändlerschule sind Standortuntersuchungen gefertigt.

1960

  • Das Geschäftsgebiet Niederrad wird planerisch entwickelt;
  • Bebauungsplan-Entwürfe für Mainfeld, Nieder Kirchweg, Zeilsheim, Sindlingen, Rödelheim und Praunheim werden aufgestellt;
  • für die PKW-Abstellplätze im Nordwest-Stadtplan werden richtungsweisende Vorschläge (Tiefgaragen) entwickelt;
  • die Deutsche Bundesbank plant an der Wilhelm-Epstein-Straße;
  • IHC-Hotel am Main und das Neckermann-Versandhaus Hanauer Landstraße sind im Bau;
  • der Dom-Römerberg-Wettbewerb wird vorbereitet;
  • das Nordweststadt-Modell ist fertig;
  • rechnerische Unterlagen für Verkehrsuntersuchungen werden angefertigt;
  • ein Satzungsentwurf für das Engere Untermaingebiet wird aufgestellt.

1961

  • Das Bundesbaugesetz ist in Kraft;
  • Mitarbeit an der Baunutzungsverordnung und der Planzeichenverordnung;
  • erste Überlegungen für Wohnbaugebiete am "Heiligenstock" und für Rödelheim-Nord;
  • erste eng begrenzte Veränderungssperren nach BBauG;
  • Vorarbeiten zum Sanierungsproblem;
  • Vorbereitung und Durchführung für den Nordwest-Stadt-Zentrums-Wettbewerb, Planungsauftrag an Prof. Wortmann, Hannover, wird erteilt.

1962

  • Entscheidung des Wettbewerbs für das Kultur- und Geschäftszentrum der Nordwest-Stadt; Ausschreibung des Dom-Römerberg-Wettbewerbs;
  • Baureife Planung für den Bebauungsplan-Entwurf Nieder Kirchweg;
  • Anhörungstermin für die Bebauungspläne im NW-Stadt-Bereich mit 27 Behörden und Stellen, die Träger öffentlicher Belange sind;
  • Fortsetzung der Beteiligung bei der Planung für das Engere Untermaingebiet.

1963

  • Entscheidung des Dom-Römerberg-Wettbewerbs;
  • Zustimmung der Körperschaften zur Eignungsuntersuchung des Niederurseler Hangs als Universitäts-Standort;
  • Sanierungsmodell Bockenheim;
  • Cityerweiterungsuntersuchungen für das Westend;
  • Entwurf für ein Sanierungsgebiet in Fechenheim;
  • Bebauungsvorschlag für das Mainfeld mit Wohnhochhäusern bis zu mehr als 20 Geschossen;
  • Bebauungsvorschlag für das Gebiet Atzelberg in Seckbach;
  • Bebauungsplan-Entwurf für das Geschäftszentrum Niederrad;
  • Aktivierung der Stadtbaubeiratssitzungen.

1964

  • Der Bau der Nordwest-Stadt wird intensiv gefördert;
  • Mitarbeit am Plan für das Kultur- und Geschäftszentrum;
  • Bebauungsvorschlag für das Gebiet Berkersheimer Weg östlich der Homburger Landstraße;
  • Vorbereitung der Flächennutzungsplan-Änderung im Nordostraum (Heiligenstock);
  • Planung für die Fußgängerbereiche in der Innenstadt, Mainufer, Dom- Römerberg und Zeil;
  • Aufstellung der Bauleitpläne für den Volkspark Niddatal, für die Stadttangente und das Schwanheimer Feld;
  • Mitarbeit an der Untersuchung über die Parkversorgung mit erstem Beispiel für die Siedlung Schwanheim-West;
  • Öffentlichkeitsarbeit durch die Ausstellung Frankfurt am Main - eine Stadt plant in die Zukunft - vom 4.5. - 31.5. und vom 5. - 6.9.1964 in Frankfurt, vom 4. - 14.6. in Essen (deubau) und vom 25.9. - 4.10.1964 in Stockholm;
  • die drei ersten Hefte der Schriftenreihe "Wege zur neuen Stadt" mit den Titeln "Dom-Römerberg-Bereich", "Struktur und Funktion der Frankfurter City" und "Das Standortgefüge der Großstadtmitte" wurden veröffentlicht.

Abschließend sei noch die Zahl von ca. 6800 Bauanträgen und Bauvorfragen erwähnt, die seit 1946 vom Stadtplanungsamt städtebaulich bearbeitet wurden und außerdem die Zahl von 388 Fluchtlinien- und Baugestaltungsplänen, die in dieser Zeit bis zur Rechtsverbindlichkeit des Bundesbaugesetzes aufgestellt worden sind und die gem. § 173 (3) als Bebauungspläne fortgelten.

 

 

Berichtszeitraum: 1965-68

 

Organisationstechnische Begebenheiten

Durch die Auflösung des Amtes für Wohnungsbau und Siedlungswesen wurden dem Stadtplanungsamt 4 Planstellen - darunter die Stelle des ehemaligen Amtsleiters des aufgelösten Amtes, eine Stelle eines Technischen Angestellten nach Vergütungsgruppe III BAT, die Stelle eines Konstruktionszeichners nach Vergütungsgruppe VI b BAT und die Stelle einer Stenosekretärin nach VIII BAT - zugeordnet. Es wurde eine neue Abteilung innerhalb des Stadtplanungsamtes unter der Bezeichnung "Vorentwurf und Koordinierung für Erschließung und wohnungswirtschaftliche Vorplanung" gebildet. Durch die Eingliederung dieser Arbeitsgruppe sind dem Amt eine Reihe neuer Aufgaben erwachsen. Für das Sachgebiet Vorentwurf und Koordinierung für Erschließung z.B. der Vorentwurf der Erschließungsanlagen und Vorermittlung von Kosten der Erschließung, Versorgung und Folgelasten; Koordinierung der Planung und Vorbereitung in Neubaugebieten; Prüfung von Kostenanschlägen zuständiger Fachämter und Bauträger in bezug auf anrechnungsfähige Beiträge und Baukostenzuschüsse nach den Satzungen über die Erhebung von Erschließungsbeiträgen, die Schaffung von Einstellplätzen, Wasser-, Elektrizitäts-, Gas- und Fernheizversorgung.

Für das Sachgebiet wohnungswirtschaftliche Vorplanung: Vorbereitung von wohnungspolitischen und wohnungswirtschaftlichen Entscheidungen für den Dezernenten; Auswertung von Strukturveränderungen im Hinblick auf den Wohnungsbedarf in Zusammenarbeit mit der Abteilung Generalplanung; Einleitung und Überwachung der Grundstückskäufe der einzelnen Wohnungsunternehmen im Rahmen der Baulandbereitstellung; Verhandlungen und Abstimmung mit Wohnungsunternehmen und Bauherren bezogen auf den sozialen Wohnungsbau und Sonderplanungen, wie z.B. Wohnheime, Atelierwohnungen usw., jährliche und längerfristige Vorausplanung der Wohnungsbauprogramme, Beratung von Wohnungsunternehmen bei der Gestaltung von Grundrissen, bei der Verwendung von Bautypen und der Fertigbauweise.

Die hier aufgezeigten Aufgaben sind nur ein Teil der zu bewältigenden Arbeiten der neugebildeten Abteilung, die darüber hinaus auch noch in einer Vielzahl von Fällen koordinierend und beratend tätig wird.

Als weitere organisatorische Neuerung ist zu erwähnen, daß das Stadtplanungsamt durch Verfügung des Dezernenten vom 14.6.1967 die Personalsachbearbeitung selbst zu erledigen hat.

Besondere Leistungen und Ereignisse

Trotz der allgemeinen wirtschaftlichen Rezession ist auf dem privaten Bausektor in Frankfurt kaum ein Rückgang der privaten Bautätigkeit zu spüren gewesen. So konnte die einsetzende Umstrukturierung der Innenstadt besonders im Frankfurter Westend Schritt für Schritt weitergeführt werden. Die planerische Arbeit ist an dieser Stelle besonders diffizil, weil jeder Bauantrag praktisch als Einzelfall gesehen, behandelt und mit der bestehenden sowie einer künftig möglichen Bebauung abgestimmt werden muß.

Auf dem Gebiet des Wohnungsbaues sind als hervortretende Leistungen zu nennen:

  • Die Vollendung der Nordweststadt einschließlich ihres großen integrierten Geschäfts- und Verwaltungszentrums, das Ende 1968 seiner Bestimmung übergeben werden soll. Hier sind erstmalig in der Bundesrepublik die Funktionen des Einkaufens, des Wohnens und der öffentlichen Dienste, wie Bürgergemeinschaftshaus, Polizei, Feuerwehr, 2 Schulen, 1 Schwimmbad, in einem Gesamtbauwerk zusammengefaßt, das gleichzeitig unterirdisch den Funktionen des vorhandenen Verkehrs und der Aufnahme einer U-Bahn-Station dient. Die gedankliche und organisatorische Leistung überragt hier bei weitem alles auf diesem Gebiet vergleichbare, und das Ergebnis findet bereits heute über die Fachpresse hinaus ungewöhnliche Beachtung und Anerkennung.
  • Darüber hinaus wurde das Wohngebiet Atzelberg mit den ersten Erschließungsarbeiten in Angriff genommen. Dieses Wohngebiet in landschaftlich hervorragender Lage nimmt besondere Rücksicht auf die "hängige" Topographie und wird durch seine spezielle Art der Verkehrsführung und der strikten Trennung zwischen Fahr- und Fußgängerverkehr ein besonders interessantes städtebauliches Objekt werden. Hier mußten in jahrelangem Bemühen Einzelheiten der Planung auf die sich im Zuge der Baulandumlegung ermittelten vielfältigen Bedürfnisse der Gesellschaften und der privaten Bauherren ausgerichtet werden.
  • Die seit 1961 geplante Bürostadt Niederrad geht planerisch nach dem Verkauf des überwiegenden Teiles ihrer Grundstücke ebenfalls der Vollendung entgegen. Auch hier war die Abstimmung unter den verschiedensten Bauherren eine ebenso schwierige wie reizvolle Aufgabe.
  • Für das Baugebiet Oberrad, nördlich der Wiener Straße, mußte eine Neuplanung erfolgen, weil aufgrund des Bundesbaugesetzes eine neue Rechtslage entstand, die den bisherigen Entwurf unrealisierbar werden ließ. Eine nochmalige völlige Neuplanung erfolgte dann zu Beginn der allgemeinen Finanzkrise, um eine größere Wohnungsdichte und Wirtschaftlichkeit ohne Einbuße an Wohnwert zu erzielen. Dabei ist es geglückt, die stadtgestalterische Qualität der Planung gegenüber den bisherigen Entwürfen noch zu steigern.
  • Ein neu entstandener Entwurf für ein Baugebiet nördlich der Mainzer Landstraße -"im Sechholder" ist bereits in das Stadium zur Vorbereitung der Teilrealisierung gelangt. Auf etwa zwei Drittel der Gesamtfläche entstehen Reihen- und Ketteneigenheime, auf der Restfläche, in Nähe einer geplanten Stadtbahnstation, eine stark gegliederte Wohnhochhausbebauung mit Ladenzentrum, die das Stadtviertel Nied und die Siedlung Niederkirchweg nach Osten abrunden soll.
  • Der im Jahre 1961 durch eine Flut von Einsprüchen verworfene Fluchtlinienplan 1816 für den Sachsenhäuser Berg wurde durch einen neuen Bebauungsplanentwurf abgelöst, der - wie wir hoffen - mehr Realisierungschancen in sich birgt. Hier soll im Anschluß an ein Gewerbegebiet an der Darmstädter Landstraße ein neuer Mittelpunkt durch ein größeres Ladenzentrum und Gruppen von Wohnhochhäusern entstehen, während der größte Teil dieses Wohngebietes nach den Vorstellungen Sachsenhäuser Bürger mit Eigenheimen der verschiedensten Art bebaut werden soll.
  • Weitere Entwürfe für Wohnsiedlungen sowie für größere und kleinere Wohnbereiche entstanden für Goldstein, Niederrad, Sindlingen, Zeilsheim, Praunheim, Hausen, Ginnheim, Eschersheim, Berkersheim und Preungesheim. Hier handelt es sich zumeist um Abrundungen vorhandener Wohnbereiche, nicht nur um diese zu vergrößern, sondern um sie zugleich durch kleine Ladenzentren oder andere Versorgungseinrichtungen allgemein zu verbessern.

Nordweststadt-Zentrum, um 1968

Ein erheblicher Teil aller Planungsarbeiten der zurückliegenden Jahre wurde der Stadterneuerung gewidmet, jener in Zukunft immer dringlicher werdenden Aufgabe, für deren Lösung heute noch nicht nur die gesetzliche Grundlage, sondern auch die unumgängliche finanzielle Förderung durch die öffentliche Hand fehlt. Nur dort, wo Stadterneuerungsprojekte von Privathand auf eigenem Gelände mit Aussicht auf steigende Rendite betrieben werden kann, haben Planungen des Stadtplanungsamtes realisiert werden oder zumindest Beachtung finden können. So beiderseits der Wächtersbacher Straße (Cassella ) und "im Heimchen" in Unterliederbach (Farbwerke Hoechst). Weitgehende, sehr arbeitsintensive Untersuchungen und Planungen in Bockenheim, Eckenheim, Praunheim und Rödelheim konnten nur zu Teilrealisierungen führen, bieten aber wichtige Grundlagen für eine allmähliche städtebauliche Weiterentwicklung oder - falls doch noch das Städtebauförderungsgesetz in seiner vorgeschlagenen Fassung beschlossen werden sollte - für eine alsbaldige Aufstellung von beschlußfähigen Stadterneuerungsplänen im Sinne dieses Gesetzes.

Die Verbesserung innerstädtischer Verkehrswege, wie Straßenverbreiterungen, U-Bahn-Bau, Einrichtungen von Fußgängerstraßen usw. bedurften in den vergangenen Jahren eines nicht geringen Arbeitsaufwandes auch des Stadtplanungsamtes. So wurden z.B. für künftige Fußgängerstraßen "Pflasterpläne" entworfen, in denen alle im Straßenraum benötigten "Straßenmöbel", wie Masten, Lampen, Schaltkästen, Bäume, Pflanzkübel, Vitrinen, Uhren, Litfaßsäulen u.a.m., auch unter gestalterischen Gesichtspunkten festgelegt und mit eigens dazu entworfenen gemusterten Plattenbelägen in Einklang gebracht werden. Dazu gehörten auch Koordinierungsarbeiten zwischen den Architekten und vielen städtischen Ämtern zur Gestaltung des neuen Platzes an der Hauptwache und die Vorbereitung eines Architektenwettbewerbes für die Neugestaltung der Zeil als Fußgängerstraße.

Sowohl die vielfältigen Maßnahmen und Bauvorhaben der Stadt und der Wohnungsbauunternehmen, der Strukturwandel im citynahen Bereich und in den Vororten, die wachsenden Bedürfnisse des tertiären Wirtschaftssektors und dessen bewußte Förderung durch die Stadt als auch die Tatsache einer immer differenzierteren Rechtsprechung in Fragen des neuen Bau- und Planungsrechts machten es erforderlich, der Vorbereitung und Aufstellung verbindlicher Bauleitpläne (Bebauungspläne nach dem Bundesbaugesetz) besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Ein ungewöhnlich hohes Maß an Zeit und intensiver Arbeit war hier aufzuwenden.

Es ragen heraus:

Die Bebauungspläne für die Stadttangente und die Nordweststraße, für die Nordweststadt, für die Wohngebiete Niederkirchweg, Berkersheimer Weg, Atzelberg, Mainfeld, für das Geschäftsgebiet Niederrad, für das Gewerbegebiet Homburger Landstraße, das Cityerweiterungsgebiet Westend, das Erneuerungsgebiet Seckbach usw.

Besonderer Erwähnung bedarf die noch nicht abgeschlossene Aufstellung der Ersatzpläne für die infolge eines Grundsatzurteils des Verwaltungsgerichtshofes Kassel von 1964 nicht mehr anwendbaren Baugebietspläne. Im Berichtszeitraum waren rund 250 Einzelverfahren in Arbeit. Dazu wurden zur Sicherung der Planung 67 Veränderungssperren erlassen. Im Rahmen der sich stetig wandelnden Beziehungen der Gesellschaft zu ihrer Stadt ist eine kontinuierliche Arbeit an den Bauleitplänen, insbesondere am Flächennutzungsplan, erforderlich. Da die notwendige Kontrolle der Zielvorstellungen in engem Rückbezug zu den Grundlagen der Planung vor sich geht, verbindet sich ein großer Anteil der Aufgaben der Generalplanung mit eben diesen beiden Arbeitsgebieten, der verstärkten Grundlagenforschung und der Vorarbeit für die Weiterführung des Flächennutzungsplanes. Eine besondere Bedeutung haben diese Arbeiten durch den 1966 erfolgten Beitritt der Stadt Frankfurt a.M. zur Regionalen Planungsgemeinschaft Untermain gewonnen. Der Bezug aller Planungen auf den größeren Raum der Region erzwingt neue Methoden und Konzeptionen. Die Vorbereitung von planerischen Entscheidungen großer Tragweite beginnt mit diesen Arbeiten: Datensammlung und Dokumentation, Sammlung von Informationen und empirischen Strukturwerten, die auf planungsgerechten Bezugsgrößen bezogen permanent verfolgt und ergänzt werden. Nur mit modernen Methoden einer "Städtebauwissenschaft" werden Entwicklungstrends und Strukturwandlungen vermittelt werden können, nur so die Möglichkeiten und Notwendigkeiten der Stadtentwicklung erkennbar.

Die Zusammenfassung aller dieser Teilbereiche findet demzufolge in der Intensivierung der Stadtentwicklungsplanung ihren Niederschlag. In einzelnen Arbeitsstufen werden die Urteile fachlicher Einzelplanungen koordiniert, um ein objektives Bild über die generellen Chancen der räumlichen Entwicklungsmöglichkeiten der Stadt gewinnen zu können. Die noch in diesem Jahr zur Veröffentlichung vorgesehenen Ergebnisse der Methoden der Bestandsaufnahme in einem Band 1 zur Stadtentwicklung füllen mit ihren Vorarbeiten den weitesten Anteil der Mitarbeit der Grundlagen-Abteilung. Hervorragende Bedeutung kommt hierbei der Einarbeitung in die Anwendungsmethoden moderner Planungsvorbereitung mit Hilfe der Elektronischen Datenverarbeitungsanlagen zu. Vertiefte Ergebnisse konnten in Sonderveröffentlichungen zusammengefaßt dargestellt werden.

Schließlich war in den letzten Jahren in zunehmendem Maß Öffentlichkeitsarbeit in Fachkreisen zu leisten. Studiengruppen von Architekten und Städtebauern aus allen Ländern und Kontinenten mußten betreut werden, wobei die Nordweststadt, das Nordweststadtzentrum und die Weiterentwicklung der Geschäftsstadt im Westend besonderes Interesse auslösten und Anerkennung fanden. Allgemeine Beachtung, auch in der Presse, fand die meist gutbesuchte alljährliche Vortragsreihe des Stadtplanungsamtes "Wege zur neuen Stadt". Leider konnte die Städtebauausstellung seit 1965 (Lyon) wegen mangelnder Haushaltsmittel nicht wieder gezeigt werden.

 

 

Berichtszeitraum: 1969-72

 

Die Aufgaben der Stadtplanung sind in den vergangenen Jahren ständig gewachsen. Die Zunahme der privaten Bautätigkeit und das Bestreben der Planer, der Forderung nach Öffentlichkeit und Transparenz im Planungsprozeß gerecht zu werden, sind wesentliche Gründe, die eine Vergrößerung des Personalbestandes erforderlich machten. Hinzu kommen die Forderungen nach verbesserter formaler Ausarbeitung der Rechtsgrundlagen in der Bauleitplanung und die neu verkündeten gesetzlichen Grundlagen, d.h. die Novellierung der Baunutzungsverordnung und des Städtebauförderungsgesetzes. Für die Entwurfsabteilung wurde die Erarbeitung völlig neuartiger Pläne erforderlich, die als „Strukturpläne" bezeichnet werden. Die Strukturpläne haben zwar keine Rechtsverbindlichkeit, verdeutlichen aber dafür grundlegende Zielsetzungen der Planung, ohne detaillierten Lösungen vorzugreifen, und dienen als Diskussionsgrundlage mit der Öffentlichkeit, die so am Planungsprozeß mitbeteiligt wird. Sie dienen aber auch der Bauverwaltung im Ganzen und insbesondere den entscheidenden Gremien des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung als wesentliche Entscheidungshilfe bei der Beurteilung von Planungen und Einzelentscheidungen. Die sehr arbeitsaufwendige Erarbeitung dieser Strukturpläne, aber auch die Intensivierung der Arbeiten an den Grundlagen der Stadtentwicklung, Band 2, die Häufung komplizierter und zum Teil sehr bedeutsamer Bauvorhaben in der Innenstadt und im Westend sowie die seit 1971 erforderlich gewordene Erarbeitung einer Vielzahl von speziellen Bebauungsplänen kleineren Umfanges für bedeutsame Einzelbauvorhaben (Inselpläne) machten folgende Stellenplanveränderungen bzw. Personalvermehrungen erforderlich: Die Zahl der Mitarbeiter des Amtes wurden von 1969 bis 1972 von 69 auf 90 Stellen erhöht. Dabei wurden eine neue Entwurfsgruppe „Stadterneuerung" und eine zweite Sachbearbeitergrupe für den Planungsbezirk Mitte eingerichtet und andere Abteilungen verstärkt. Die Entwurfsabteilung war im angesprochenen Zeitraum mit Sanierungs- und Strukturplänen beschäftigt, hatte darüber hinaus aber vorwiegend die Betreuung für Aufgabenformulierung für die freien Architektengruppen, die im Auftrage des Stadtplanungsamtes weitere Strukturpläne aufstellten, zu sorgen. Neben der erwähnten Stellenvermehrung vollzog sich eine allmähliche Umschichtung von Prioritäten in den generellen Aufgaben des Amtes. Die erhebliche Zunahme der Bedeutung der Grundlagenforschung und -erarbeitung und die Überlastung des Leiters der Entwurfsabteilung durch andere, zum Teil neue Öffentlichkeitsarbeiten machten es erforderlich, die Stelle des stellvertretenden Amtsleiters dem Leiter der Abteilung 1, Grundlagen, zu übertragen.

Im Herbst 1969 wurde der Band 1 „Grundlagen zur Stadtentwicklungsplanung und Gesamtverkehrsplan" der Öffentlichkeit vorgestellt und im Februar 1970 von der Stadtverordnetenversammlung zustimmend zur Kenntnis genommen. Er beinhaltet umfassende Bestandsaufnahmen mit Hinweisen auf die jeweilige Methodik ihrer Erarbeitung mit dem Ziel, ein objektives Bild über die generellen Chancen der räumlichen Entwicklungsmöglichkeiten der Stadt zu vermitteln. Die in dieser Veröffentlichung vorgetragenen Arbeitsverfahren künftiger Entwicklungsplanung fanden in den folgenden Monaten ihre Verwirklichung in den Arbeiten zum Band 2 „Rahmenplan zur Stadtentwicklungsplanung". Diese Arbeiten sind inzwischen zu einer Reife gediehen, die es erlaubt hat, noch im Jahre 1972 den Körperschaften den Band 2 als „Vorbericht zur Stadtentwicklungsplanung" vorzulegen. In diesem Vorbericht wird über 80 „Untersuchungsgebiete" in heutigen Freiflächen- Bereichen berichtet, die auf eine Entwicklungsmöglichkeit für ein neues Grün- und Freiflächenkonzept bzw. für eine Aufweitung heutiger Bauflächen geprüft wurden. Zusammen mit Überlegungen zur künftigen Einwohner- und Beschäftigten-Kapazität wird damit eine Entscheidungshilfe für die Größenordnung und Inanspruchnahme eines künftigen Entwicklungsspielraumes geleistet. Zu Ende des hier angesprochenen Berichtszeitraumes wurde auch mit der Erarbeitung eines „Stadtgestaltungsplanes" begonnen, der - fußend auf den Ergebnissen des Bandes 2 „Rahmenplan zur Stadtentwicklung" - übergreift in direkte Zielvorstellungen zur Gestaltung des städtischen Gesamtraumes als Entscheidungshilfe zu den im Band 2 aufgezeigten alternativen Entwicklungsmöglichkeiten der jeweiligen entwicklungsfähigen Stadtgebiete. Die Aufstellung der Strukturpläne ist nicht nur wegen ihrer Bedeutung für die Mitbeteiligung der Bürgerschaft am Planungsprozeß besonders zu erwähnen, sondern auch wegen des damit verbundenen Arbeitsaufwandes. Zur Erarbeitung der Grundlagen, die eine lückenlose Aufzeichnung des Gebäudebestandes, der Infrastruktur, der Grundbesitzverhältnisse, der Grundstückswerte und der Bevölkerungsstruktur mehrerer dicht besiedelter Stadtviertel - Westend, Nordend, Bornheim, Ostend und Sachsenhausen - beinhalten und schon sich abzeichnende Entwicklungen aufzeigen, mußten Darstellungsweisen und Arbeitssystematik von der Entwurfsabteilung des Amtes erbracht und in der Praxis erprobt werden. Schließlich wurden Zielsetzungen in Varianten planerisch und verbal formuliert. Es folgte dann die Diskussion der Pläne mit Ausschüssen, Parteien, Bürgeraktionsgemeinschaften und interessierten Einwohnergruppen der jeweiligen Stadtviertel in einer Vielzahl von Sitzungen und Veranstaltungen. Die Vorbereitung und Durchführung des Strukturplanes für das Westend erstreckte sich über einen Zeitraum von September 1969 bis Januar 1971; die sich anschließenden Strukturplanungen des engeren Innnenstadtbereiches wurden im Juli begonnen und sind nun mit den übrigen Fachdezernaten abzustimmen.

Neue Sanierungspläne wurden für die Ortskerne von Ginnheim und Niederursel aufgestellt. Auch hier gingen eingehende Strukturuntersuchungen voraus. Zur Vertiefung der Diskussion mit der Öffentlichkeit wurden im Rahmen der Schriftenreihe „Wege zur neuen Stadt" jeweils eine Broschüre zur Ortskernsanierung Ginnheim und Niederursel allen Grundstücksbesitzern und interessierten Bürgern in diesen Stadtteilen zugesandt und in mehreren Versammlungen mit der Bürgerschaft diskutiert. Als Stadterneuerungsaufgabe wurde auch, in guter Zusammenarbeit mit den betroffenen Bewohnern, die Verdichtung der ehemaligen Nebenerwerbs-Siedlung in Hausen, westlich der Praunheimer Landstraße, durch neu eingefügte Einfamilien-Reihenhäuser und Hochhäuser geplant und durchgeführt. Geplant und mit der Durchführung begonnen wurde eine großzügige Stadterneuerung des westlichen, zugleich ältesten Teilbereiches der Siedlung Riederwald. Dort werden Mieter aus den überalterten Wohnhäusern in moderne Wohnblocks umgesetzt; ein Vorhaben, das allerdings nur in weiten Zeilräumen durchgeführt werden kann. Voruntersuchungen zu einer Stadterneuerung in Bockenheim auf der Grundlage des Städtebauförderungsgesetzes wurden begonnen. Es ist dies der erste Anwendungsfall dieses Gesetzes in Frankfurt am Main, der sicher allerorts als ein „Erprobungsfall" starke Beachtung finden wird. Planungen von Neubaugebieten erfolgten für eine Erweiterung des Stadtteils Ginnheim westlich und östlich des Ortskernes, für das Gebiet am Schalkwiesenweg in Praunheim, für die Erweiterung des Gewerbegebietes in Seckbach, Flinschstraße, für die Neubebauung des Sachsenhäuser Berges, für Niederrad-Waldfried, für Sindlingen- Süd, für Sossenheim - westlich der Karl-Sonnenschein- Siedlung und für Ginnheim - Emdener Straße. In zunehmendem Maße wurden diese Planungen vorab der Öffentlichkeit zur Diskussion gestellt. Eine Vielzahl kleinerer Planungen sei hier nicht gesondert aufgeführt. Es ist allgemein bekannt, daß Bauland in dichten Siedlungsräumen immer knapper, aber auch für vielfältige Aufgaben und Bedürfnisse immer gefragter wird; eine Tatsache, die die Bodenspekulation und deren Folgeerscheinungen erklärt, aber auch offenkundig werden läßt, daß die Arbeit planender und bodenbeordnender Behörden immer mehr erschwert wird. Das wirkt sich nicht allein bei Stadterneuerungsplanungen und in solchen Gebieten, wie z.B. demWestend aus, in denen Umstrukturierungen von Bausubstanz und Sozialstruktur sich vollziehen, sondern auch bei Neuplanungen. Die vorbereitenden Maßnahmen für die Bebauung von Neubaugebieten und deren Durchführung, die technische Koordinierung im Bereich des Hochbaues und des Tiefbaues, die Bodenbeordnung und der permanente Kampf gegen den Trend zu immer größerer ökonomischer Ausnutzung jedes einzelnen Baugrundstückes gewinnen immer mehr an Bedeutung. Nur selten noch vollzieht sich die Entwicklung eines Neubaugebietes auf Gelände, das nur einem oder wenigen Eigentümern gehört oder von nur einem Bauträger durchgeführt werden kann. In der Regel müssen die Interessen mehrerer Bauträger und einer Vielzahl privater Bauwilliger miteinander abgestimmt werden. Als Beispiel sei hier Seckbach-Atzelberg erwähnt, wo drei gemeinnützige Gesellschaften, die Katholische Kirche, ein karitativer Verband und 59 private Bauherren bauen. Dort, wie andernorts auch, geht es nicht nur um hoch- und tiefbautechnische Koordination, sondern auch um architektonisch-stadtgestalterische Abstimmungen einschließlich Grüngestaltung und Farbgebung, somit um Tätigkeiten, die als stadtbautechnische und -künstlerische Oberleitung an Bedeutung wesentlich zunehmen. Ähnliche Koordinierungsprobleme werden durch die Planung und Durchführung der Fußgängerbereiche aufgeworfen. Insbesondere der Bereich von Alt-Sachsenhausen stand in den vergangenen Jahren im Mittelpunkt intensiver Einzelplanungen zur gestalterischen Neuordnung.

Einige Zahlen mögen den Arbeitsumfang im Amt erläutern. Im Berichtsabschnitt wurden 143 Untersuchungsgebiete mit Erschließungs- und Zugriffskriterien als Kernstück des Stadtentwicklungsrahmenplanes Band 2 erarbeitet. Die erarbeiteten Flächenkonzepte allein nur für Goldstein-Süd, Hildenfeld und Heiligenstock umfassen eine Wohnungskapazität von insgesamt 33000 Wohneinheiten. Die schon vorab erwähnten Neuplanungen von Wohngebieten umfassen zusammen 10000 Wohnungen. Es wurden nahezu 200 Bebauungspläne bearbeitet, von denen rund die Hälfte rechtsverbindlich wurden. 35 Veränderungssperren wurden erlassen bzw. verlängert. Etwa 6000 Stellungnahmen zu Bauanträgen, Grundstücksteilungsanträgen und sonstigen Anfragen wurden erarbeitet, rund 8000 Besucher durch Fachgespräche, Vorträge und Ortsbesichtigungen betreut, 11 städtebauliche Architekten-Wettbewerbe wurden vorbereitet, durchgeführt oder deren Durchführung betreut, so z.B. die Wettbewerbe für die Wohnbebauung „Kleinschmidtscher Park", Hessische Landesbank, Dresdner Bank, östliche Zeil, Bebauung des Geländes „Löwensteinsches Palais", Zeil als Fußgängerstraße (bundesoffener Wettbewerb) und andere. Für etwa 12000 Wohnungen des sozialen Wohnungsbauprogrammes und des kommunalen Altenplanes wurde in wohnungswirtschaftlicher Vorplanung Sorge getragen. Als besondere Leistung des Amtes im angesprochenen Zeitraum wurden Grundlagenerarbeitungen, Strukturuntersuchungen, Begutachtungen und Vorplanungen für das Gesamtgebiet Heiligenstock erbracht und in einer Veröffentlichung im Rahmen der Schriftenreihe „Wege zur neuen Stadt" der Öffentlichkeit vorgestellt und diskutiert. Es handelt sich hier immerhin um eine Planung für 80000 Einwohner und 10000 Arbeitsplätze, die in Vorbereitung im Detail und Durchführung einen Zeitraum von mindestens eineinhalb Jahrzehnten in Anspruch nehmen werden. Ein Wettbewerb für das erste Teilstück „Heiligenstock-Süd" wurde vorbereitet. Diese Planungsstudie weist insofern neue verfahrenstechnische Wege für die Erarbeitung von Flächennutzungs- und Strukturplanungen für umfangreiche Baugebiete, als hier erstmalig ein Entwurf des Stadtplanungsamtes mit zwei weiteren Entwürfen, die freie Architektengruppen erstellt haben, in einem Gutachterverfahren konkurrierend beurteilt wurden. Obergutachter waren die Professoren Guther, Dr. Retzko und Jacobitz der Technischen Hochschule Darmstadt, Stadtrat Dr.Kampffmeyer und Gartenbaudirektor Sallmann. Aus dem Ergebnis dieses Gutachtens entwickelte sich die weitere Bearbeitung. Umfangreich war auch die Zusammenarbeit mit dem Verkehrsplanungsamt in allen Entwicklungsstadien.

Ein von der Nassauischen Heimstätte durchgeführter Wettbewerb für das Neubaugebiet Goldstein-Süd sei deswegen besonders erwähnt, weil dessen Vorbereitung und Betreuung nur aufgrund sorgfältiger vorangegangener Vorprüfungen als „Untersuchungsgebiet" des Stadtentwicklungsrahmenplanes möglich war. Das Gesamtergebnis birgt Chancen zu kurzfristiger Erstellung von weiteren etwa 1800 Wohnungen. Das Städtebauförderungsgesetz mußte auf optimale Anwendbarkeit im Stadtgebiet Frankfurt am Main hinsichtlich Methodik und Zielsetzung vom gesamten Amt durchdacht werden, da es zwar an Objekten nicht mangelt, wohl aber an Finanzierungsmöglichkeiten. Mit fiktivem Durchspielen eines Exempels in verteilten Rollen sowie mit Vorträgen, wurde das Gesetz in Anwendung und Konsequenzen nicht nur im Amt, sondern auch vor interessierten Fachleuten außerhalb der Verwaltung ,,durchgeprobt". Großes Interesse in Architekten- und interessierten Laienkreisen fanden die Vorträge der Stadtplaner von Lyon und Birmingham, Monsieur Charles Delfante und Mr.Neville Borg, über die Stadtplanung in ihrer Stadt. Diese sehr gut besuchten Vorträge der Vortragsreihe des Stadtplanungsamtes „Wege zur neuen Stadt", die zugleich ein besseres Kennenlernen unserer Partnerstädte bewirkten, verdienen ebenso besonders erwähnt zu werden, wie die vom Stadtplanungsamt gemeinsam mit der Volkshochschule veranstaltete Vortrags- und Diskussionsreihe über Stadtplanung im Jahre 1971.

 
Quelle: Jahresberichte der Stadt Frankfurt 1945-72
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