zur dokumentation

dokumentation zur nachkriegszeit
stadtschulamt.  
home

Berichtszeitraum: 1945-65

 

Das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland vom 23.5.1949 bestimmt in Artikel 7, daß das gesamte Schulwesen unter der Aufsicht des Staates steht. Die Hessische Verfassung vom 1.12.1946 legt in Artikel 56 die allgemeine Schulpflicht fest und darüber hinaus den Grundsatz, daß das Schulwesen Sache des Staates ist. "Ziel der Erziehung ist, den jungen Menschen zur sittlichen Persönlichkeit zu bilden, seine berufliche Tüchtigkeit und die politische Verantwortung vorzubereiten zum selbständigen und verantwortlichen Dienst am Volk und der Menschheit durch Ehrfurcht und Nächstenliebe, Achtung und Duldsamkeit, Rechtlichkeit und Wahrhaftigkeit."

Diese Verfassungsgrundsätze gaben den Anlaß für die nach dem Zusammenbruch im Jahre 1945 erlassenen Hessischen Schulgesetze: Schulkostengesetz vom 10.7.1953 (GVBl. S. 126) und Schulverwaltungsgesetz vom 10.7.1953 (GVBl. S. 131). Das am 1.7.1961 in Kraft getretene "Gesetz über die Unterhaltung und Verwaltung der öffentlichen Schulen und die Schulaufsicht" vom 28.6.1961 (GVBl. S. 87) grenzt im wesentlichen die Aufgabenbereiche der kommunalen Schulämter und der staatlichen Schulverwaltungen (Schulaufsichtsbehörden) ab. Nach diesem Gesetz üben die kommunalen Schulträger ihre Rechte und Pflichten als Selbstverwaltungsangelegenheiten aus. Sie verwalten ihre Schulen nach den Vorschriften der Hessischen Gemeindeordnung. Im Hinblick auf die geschichtliche Entwicklung des Schulwesens in großen Gemeinden läßt das Gesetz die Möglichkeit offen, daß kreisfreie Städte unter bestimmten Voraussetzungen mit der Ausübung von Aufgaben der Schulaufsicht über Volks-, Real- und Sonderschulen sowie über Gymnasien und berufsbildende Schulen beauftragt werden. Die Stadt Frankfurt am Main hat auf Grund ihrer großen Tradition als schulfreudige Stadt von dieser gesetzlichen Möglichkeit Gebrauch gemacht und sich nicht auf den Aufgabenkatalog als Schulträger begrenzt. Da in Frankfurt am Main seit den Jahren 1920/21 die Aufgaben der Kindergärten und Kinderhorte (jetzt Kindertagesstätten genannt) dem Schulwesen sachlich zugeordnet sind, ergaben sich aus den aufgezeigten schulgesetzlichen Grundlagen folgende Aufgabenbereiche:

Schulverwaltung

Errichtung und Ausstattung neuer Schulen und Kindertagesstätten sowie die Unterhaltung der zur Zeit bestehenden

  • 83 Volksschulen
  • 12 Sonderschulen
  • 16 Realschulen
  • 17 Höheren Schulen (Gymnasien)
  • 15 Berufsschulen
  • 7 Berufsfach- und Fachschulen

der Stadt Frankfurt am Main. Dazu kommen 75 Kindertagesstätten und ein Waldschulheim, mehrere Einrichtungen der Stadtranderholung usw., Verwaltung der Schulgebäude, Turnhallen und Lehrschwimmbecken, Vermietung von Schulräumen und Anlagen, Beschaffung und Verwaltung der Lehrmittel für Schulen. Weitere Aufgaben ergeben sich der Stadtverwaltung als Schulträger wie z.B. Schulspeisung, Beihilfen für Wegscheide- und Landheimaufenthalte, Theater und Konzerte für die Schuljugend, Schulbeiträge, Schülerunfall- und Haftpflichtversicherung, Dienstaufsicht und Bearbeitung der Personalangelegenheiten des städtischen Verwaltungspersonals an Schulen und der Schulhausmeister, Dienstaufsicht über das Erzieherpersonal der städtischen Kindertagesstätten und der sonstigen Außenstellen sowie Angelegenheiten der Schuldeputation.

 

Schulaufsicht (Pädagogische Abteilung des Stadtschulamtes Frankfurt um Main)

Fach- und Dienstaufsicht über alle öffentlichen und privaten Schulen, Kontrolle der Unterrichtsverteilung und der Stundenpläne, Ein- und Umschulung, Beurlaubung und Entlassung der Schüler, Betreuung der sehbehinderten, sprachgestörten, spastisch gelähmten, blinden und taubstummen Kinder, Lernmittelverteilung, Bearbeitung der Lehrerpersonalangelegenheiten, Lehrerstellenplan usw., Lehrerfortbildung und andere Referatsaufgaben. Das gesamte Schulwesen steht in einer fortschreitenden Entwicklung, wobei neue pädagogische Forderungen, Erkenntnisse und Methoden bei ihrer Verwirklichung der tatkräftigen Mithilfe der kommunalen Organe wie Magistrat und Stadtverordnetenversammlung bedürfen. Der aufgezeigte Aufgabenkatalog kann daher nicht vollständig und für einen längeren Zeitraum verbindlich sein. Er bedarf vielmehr der laufenden Anpassung, wie dies in den zurückliegenden 20 Jahren des Aufbaues des Schulwesens unserer Stadt erforderlich war.

 

Die Entwicklung der Schulverwaltung

Mit dem Zusammenbruch im Frühjahr 1945 war das Schulwesen in unserer Stadt restlos zerschlagen. Durch den Bombenkrieg bedingt, waren bereits vorher zahlreiche Schulen geschlossen oder teilweise in Gebiete wie Vogelsberg, Spessart, Odenwald u.a. verlagert.

Von den 129 vor dem Krieg vorhandenen Schulen standen im wesentlichen nur noch ausgebrannte Ruinen. Die wenigen erhalten gebliebenen Schulgebäude - insbesondere am Stadtrand oder im nördlichen Stadtbereich waren zunächst von der Besatzungsmacht beschlagnahmt. Dienststellen der Stadtverwaltung oder der Flüchtlings- und Obdachlosenhilfe hatten ebenfalls benutzbar gebliebene Räume in Anspruch genommen. Es fehlten nicht nur die äußeren Möglichkeiten für die Wiederaufnahme eines geordneten Schulbetriebes, es waren auch die personellen Voraussetzungen hierfür nicht gegeben.

Trotz dieser Situation war die Erkenntnis geblieben, daß nach Überwindung der materiellen Not für die schulpflichtige Jugend ein - wenn auch behelfsmäßiger Unterricht unverzüglich stattfinden mußte, um Dauerschäden in der Substanz unseres Volkes zu vermeiden. Auf dem Gebiet der Kindergärten und Kinderhorte war es keineswegs besser. Die früher vorhanden gewesenen 40 Einrichtungen waren entweder geschlossen oder aufgelöst, die zu Beginn des Krieges noch vorhandenen Kindertagesstätten der NSV oder der Kinderlandverschickung angegliedert worden. Hier war also nichts übriggeblieben, auf dem hätte aufgebaut werden können. Es war ganz von vorne anzufangen.

In dieser Situation bemühte sich das Stadtschulamt zunächst um die Wiederinbesitznahme der Schulgebäude, Grundstücke und Anlagen. Im Laufe der Zeit konnten ca. 750 Klassenräume erfaßt, behelfsmäßig ausgebaut und ausgestattet werden. Die ersten Jahre mußten die Schüler, deren Zahl laufend durch das Zurückfluten der evakuierten Kinder und durch den Flüchtlingsstrom aus dem Osten stark anwuchs, in Schichten und in überfüllten Klassenräumen unterrichtet werden. Um diesen Notständen im Schulwesen unserer Stadt entgegenzuwirken, wurde im Magistrats-Beschluß Nr. 1524 vom 5.10.1953 (Schulbaudringlichkeitsliste 1) die notwendigsten Neu- und Wiederaufbaumaßnahmen für die nächsten Jahre beschlossen. In den Jahren 1949 bis 1953 war bereits, nach Überwindung der schwierigen Finanzfrage, mit dem Neu- bzw. Wiederaufbau folgender Schulen begonnen worden:

  • 1949: Musterschule, Berufsschule XII (heutige Paul-Ehrlich-Schule in Höchst)
  • 1950: Albert-Schweitzer-Schule, 1. Bauabschnitt, Riedhofschule, 1. Bauabschnitt
  • 1951: Gewerbeförderungsanstalt, Hochschule für Internationale Pädagogische Forschung
  • 1952: Boehleschule, Goldsteinschule, 1.Bauabschnitt, Riedhofschule, 2.Bauabschnitt, Bismarckschule
  • 1953: Albert-Schweitzer-Schule, 2.Bauabschnitt, Bonameser Schule, Eichendorffschule, Franckeschule, Kerschensteinerschule, Pestalozzischule, Textor- und Schwanthalerschule, Westendschule, Zentgrafenschule, Hufnagelschule, Freiherr-vom-Stein-Schule, Berufsschulen II und III

Gesamtsumme der Baukosten: 13643900,- DM

 

Auf dem Gebiet der Kindertagesstätten konnten bis zum Jahre 1954

wieder 17 Kindergärten, 3 Schulkindergärten und 28 Kinderhorte errichtet werden. Das Schulwesen erforderte im Jahre 1954 einen Zuschuß von 17248710,- DM, die Kindertagesstätten einen solchen von 1888690,- DM.

Am 1.4.1954 trat das von dem Hessischen Landtag verabschiedete Schulkostengesetz vom 10.7.1953 in Kraft. Hiermit wurden alle städtischen Lehrkräfte (mit Ausnahme der des Instituts für Modeschaffen) Landesbedienstete. Die Stadtverwaltung war jedoch durch das Gesetz zur Zahlung von 45% der Gehaltsbezüge der Lehrkräfte an Gymnasien und berufsbildenden Schulen verpflichtet. Das Schulverwaltungsgesetz von 1953 hat neben anderen wichtigen Regelungen die Bildung des Gemeindeschulvorstandes gebracht und im wesentlichen die Aufgaben und die Zusammensetzung festgelegt. Alle wichtigen Schul- und Personalfragen wurden in den folgenden Jahren bis 1961 in diesem Gremium unter Vorsitz des Schuldezernenten erörtert und beschlossen.

Durch Wahl der Stadtverordnetenversammlung vom 18.März 1954 wurde Prof.Dr.Theodor Gläß ab 1.7.1954 als Nachfolger von Stadtrat Heinrich Seliger für die Dauer von 6 Jahren zum hauptamtlichen Stadtrat und Schuldezernenten gewählt.

Von den amerikanischen Besatzungsbehörden wurden im Herbst 1954 die Fürstenbergerschule, die Friedrich-Ebert-Schule und ein Teil der Elisabethenschule freigegeben. Durch die Übernahme der Friedrich-Ebert-Schule wurden die benachbarten Volksschulen in Bornheim fühlbar entlastet.

Trotz der freigegebenen Schulen und 9 Schulneu- bzw. Wiederaufbauten bestand in dieser Zeit noch ein Fehlbedarf von etwa 550 Klassenräumen.

Für den Schulsport wurden 7 Schulturnhallen errichtet, 5 Kleinsportplätze und 4 Gymnastikrasen neu angelegt.

Als Schulneu- und Wiederaufbauten des Jahres 1954 sind zu nennen:

Volksschulen:

  • Ackermann- und Bürgermeister-Grimm-Schule,
  • Günderrodeschule,
  • Linne- und Wittelsbacherschule,
  • Salzmannschule,
  • Wallschule,
  • Willmannschule

Berufsschulen:

  • Bergiusschule

Gesamtsumme der Baukosten: 3739000,- DM

An den vom Stadtschulamt veranstalteten Ferienspielen nahmen 3600 Kinder in 46 Gruppen teil. Ein vierter Schulkindergarten wurde eingerichtet.

 

1955 wurden die

Anstrengungen für die Beseitigung des Schichtunterrichts fortgesetzt.

Durch die Ausstattung der Schulen mit neuzeitlichen Lehrmitteln sollte ein Unterricht nach modernen pädagogischen Gesichtspunkten gewährleistet werden.

Die vom Land Hessen zugewiesenen Lehrer reichten zur Aufrechterhaltung eines normalen Schulbetriebes nicht aus. Der Schuldezernent beantragte deshalb zur Überbrückung der Notstände die Beschäftigung zusätzlicher Lehrkräfte, die von der Stadt Frankfurt am Main bezahlt werden. Durch die überplanmäßige Bewilligung von 154000 DM für diesen Zweck konnten 43 Lehrkräfte zusätzlich eingestellt werden.

Nach der Freigabe des restlichen Teils der Elisabethenschule durch die amerikanischen Besatzungsbehörden waren ab 1955 keine Schulräume in Frankfurt mehr beschlagnahmt.

Für den Schulsport wurden 5 Turnhallen errichtet, 7 Kleinsportplätze und 11 Klettergärten angelegt. Es wurden 2 Kindergartengruppen, 2 Hortgruppen und ein Hort neu errichtet bzw. erbaut.

Schulneu- und Wiederaufbauten des Jahres 1955:

Volksschulen:

  • Liebfrauenschule,
  • Ludwig-Richter-Schule,
  • August-Jaspert-Schule,
  • Goldsteinschule, 2. Bauabschnitt.

Gesamtsumme der Baukosten. 3976900,- DM

Gymnasien:

  • Herderschule

Gesamtsumme der Baukosten: 1288000,- DM

 

Das Jahr 1956 brachte den

  • Neubau der kaufmännischen Berufsschulen (Seilerstraße) und der
  • Höheren Handelsschule (Klingerschule).

Volksschulen:

  • Diesterwegschule,
  • Hellerhof- und Rebstöcker Schule,
  • Kuhwald- und Philipp-Reis-Schule,
  • Riedhofschule, 3. Bauabschnitt,
  • Anne-Frank-Schule.


Foto:Pomplitz

oben: Die Kuhwald- und Philipp-Reis-Schule

 

Gesamtsumme der Baukosten: 7725000,- DM

Gymnasien:

  • Carl-Schurz-Schule,
  • Wöhlerschule.

Gesamtsumme der Baukosten: 7700000,-DM

Die Günderrodeschule, die Hufnagelschule und die Heddernheimer Mittelschule hatten ihre eigenen Gebäude wieder zur Verfügung. Inzwischen wurde auch das Institut für Modeschaffen vom Land Hessen als Fachschule anerkannt und das Lehrpersonal übernommen. Der Schuldezernent Stadtrat Prof.Dr.Gläß war in dieser Zeit der Initiator einer Tagesheimschule. Auf seine Anregung hin wurde in Frankfurt am Main die erste Versuchsschule für die Bundesrepublik in der Friedrich-Ebert-Schule eröffnet.

Zur Überbrückung von Ausfällen und offenen Lehrerstellen beschäftigt die Stadt Frankfurt am Main 100 zusätzliche Lehrkräfte. Durch Schaffung von Aufbauklassen an den Berufs- und Berufsfachschulen wurden neue Möglichkeiten für den zweiten Bildungsweg zur Erlangung der Fachschulreife geschaffen. 4 Turnhallen und 2 Lehrschwimmbecken wurden neu errichtet. Der Schwimmunterricht der Schulen konnte wesentlich erweitert werden.

 

1957 war besonders der

Ausbau einer Lehrerfortbildungsstätte und die Einführung des 9. Schuljahres auf freiwilliger Basis an fünf Schulen wichtig. An der Goethe-Schule wurde ein Abendgymnasium für Berufstätige errichtet. An verschiedenen anderen Frankfurter Gymnasien und an der Wirtschaftsoberschule wurden Ergänzungsprüfungen zur Erlangung der Reifeprüfung abgehalten. Ferner wurde an einem Frankfurter Gymnasium ein musischer Zweig eingerichtet. An einem anderen Gymnasium wurde Russisch als Fremdsprache und Pflichtfach neu eingeführt.

Es wurde eine Berufsfachschulklasse für die Bekleidungsindustrie eröffnet. Das Frankfurter Schuldorf Wegscheide erhielt 2 neue Häuser (Walter-Kolb- und Heinrich-Seliger-Haus). Auf dem Gebiet des Schulsports sind besonders internationale Sportveranstaltungen mit englischen, niederländischen und österreichischen Schülermannschaften hervorzuheben. Mit dem Wiederaufbau der Frauenhofschule (Baukosten 1000000,- DM) wurde im Stadtteil Niederrad der Schichtunterricht beseitigt.

 

Im Jahre 1958 konnten die

Einrichtungen des zweiten Bildungsweges - insbesondere an den Berufs- und Berufsfachschulen - erweitert werden. An den kaufmännischen Berufsschulen wurden Aufbauklassen zur Erlangung der kaufmännischen Fachschulreife und zum Besuch der Wirtschaftsoberschule gebildet. An der Wirtschaftsoberschule wurde ein gymnasialer Zweig eingerichtet.

Die Tagesheimschule erhielt eine Kücheneinrichtung. Dadurch konnte von diesem Zeitpunkt an den 300 Schülern eine warme Mittagsmahlzeit bereitet und gereicht werden. Ab 1.10.1958 wurde an der Tagesheimschule die Fünftagewoche eingeführt.

Die Verkehrserziehung an den Schulen machte in Verbindung mit der Polizei und der Verkehrswacht gute Fortschritte. Zwei Schulen erhielten Verkehrserziehungsräume. Frankfurt verfügte 1958 über 500 Schülerlotsen.

Die 8 bestehenden Schulkindergärten, die zur Aufnahme noch nicht schulreifer Kinder bestimmt waren, wurden aus pädagogischen Gründen in Vorklassen umgewandelt und den Volksschulen angegliedert.

5 Schulen erhielten neue Turnhallen. Am 13.9.1958 fand das 4. internationale Schulsportfest im Frankfurter Waldstadion statt. Das Schuldorf Wegscheide erhielt ein neues Küchen- und Badehaus.

Schulneu- und Wiederaufbauten des Jahres 1958:

Volksschulen:

  • Goldsteinschule, 3. Bauabschnitt

Gymnasien:

  • Helmholtzschule

Gesamtsumme der Baukosten: 4259900,- DM

 

1959 wurde an der

Ziehenschule ein Lehrgang für Mittelschüler zur Erlangung der Hochschulreife eingerichtet. Weiterhin wurde an der Wallschule eine Klasse für spastisch gelähmte Kinder eröffnet. Durch Magistrats-Beschluß vom 5.10.1959 und Bewilligung der Stadtverordnetenversammlung vom 5.11.1959 wurde für Frankfurt die Errichtung eines Hessenkollegs beschlossen.

Die Peter-Petersen-Schule wurde nach den Grundsätzen des Jenaplans als Versuchsschule zu einer mit einer Volksschule verbundenen Realschule erweitert.

Die neu eingerichteten Sonderschulen (August-Henze-Schule für Schwerhörige, Sprachgestörte und Sehschwäche und die Heimschule des heilpädagogischen Beobachtungsheimes, Praunheim) litten sehr unter einem empfindlichen Mangel an fachlich besonders ausgebildeten Lehrern. 7 Schulen erhielten zur Behebung der Schulraumnot 8 Holzpavillons mit 16 Klassen. Die Baukosten betrugen 320000,- DM.

Die Entwicklung im Wohnungsbau erforderte im Jahre 1959 eine Korrektur der 1956 beschlossenen Schulbaudringlichkeitsliste II.

Schulneu- und Wiederaufbauten des Jahres 1959:

Volksschulen:

  • Gruneliusschule

Gymnasien:

  • Schillerschule,
  • Goethe-Gymnasium

oben: Das Goethe-Gymnasium

 

Gesamtsumme der Baukosten: 10382680,- DM

4 Schulen erhielten neue Turnhallen.

 

Schulneu- und Wiederaufbauten des Jahres 1960:

Volksschulen:

  • Peter-Petersen-Schule,
  • Heinrich-Seliger-Schule,
  • Niederurseler Schule

Gymnasien:

  • Leibnizschule

Gesamtsumme der Baukosten: 13756300,- DM

 

Das Jahr 1961 brachte die

Schulverwaltung ihrem Ziel, den Schichtunterricht durch Schulneubauten abzuschaffen, wesentlich näher. In mehreren Stadtteilen wurde durch die Aufstellung geeigneter Schulpavillons die Raumnot behoben.

Folgende Schulen wurden fertiggestellt:

Volksschulen:

  • Adolf-Reichwein-Schule (Zeilsheim),
  • Karl-Oppermann-Schule (Höchst-Unterliederbach) Sonderschule,
  • Konrad-Haenisch-Schule (Fechenheim-Nord) 1. Bauabschnitt,
  • Walter-Kolb-Schule (Höchst-Unterliederbach),
  • Merianschule

oben: Die Karl-Oppermann-Schule

 

Mittelschulen:

  • Carl-von-Weinberg-Schule (Niederrad-Schwanheim),
  • Gerhart-Hauptmann-Schule

Gymnasien:

  • Bettinaschule

Berufsschulen:

  • Frauenberufsschule Adlerflychtstraße,
  • Bergiusschule

Gesamtsumme der Baukosten: 34852700,- DM

Es wurden weitere 7 Schulturnhallen errichtet.

 

1962 wurde besonders der

Schüleraustausch mit England und Frankreich intensiviert. Ferner wurde mit Frankfurter Lehrern und Schülern eine Studienfahrt nach Israel unternommen.

Der Gemeindeschulvorstand wurde durch die Schuldeputation abgelöst.

Für die Ferienspiele wurde ein Pavillon im Biegwald als Stadtranderholung errichtet; Baukosten 40000,- DM. Für den Schulsport wurden 6 Turnhallen, eine Gymnastikhalle und eine Doppelturnhalle errichtet.

Die Frankfurter Kindergärten und Horte nahmen an einer Ausstellung der Frankfurter Wohnberatung teil. Ferner fand in diesem Jahr die deutsch-französische Woche der Kindertagesstätten unter Mitwirkung der Abteilung "Ecole Maternelle" im Kultusministerium Paris statt. Sie diente dem Erfahrungsaustausch mit französischen Jugendleiterinnen. Die Verbindung wird weiterhin gepflegt.

Im Stadtteil Niederrad (Adolf-Miersch-Siedlung) konnte die neue moderne Volksschule (Friedrich-Fröbel-Schule), Baukosten: 3164500 DM, eingeweiht werden.

 

1963 wurde das

pflichtmäßige 9.Schuljahr für die Volksschulen in Frankfurt am Main durch Verordnung festgelegt. Durch das an mehreren Schulen bereits bestehende freiwillige 9. Schuljahr war es in Frankfurt gelungen, ohne besondere Schwierigkeiten das pflichtmäßige 9.Volksschuljahr durchzuführen. 180 zusätzliche Lehrkräfte und die Bildung von 109 Klassen des 9.Schuljahres waren notwendig. 13 Schulen erhielten daher Pavillons; an 19 Schulen waren bauliche Veränderungen vorzunehmen.

Frankfurter Lehrer und Schüler unternahmen wiederum eine Studienfahrt nach Israel, worüber in besonderen Veranstaltungen der Schulen jeweils berichtet wurde.

Durch den Bau der Nordweststadt und den dadurch bedingten Bevölkerungszuwachs mußten für diesen Stadtteil neue Volksschulen, eine Realschule und ein Gymnasium geplant werden. Es wurde daher beschlossen, in der Nordweststadt ein Schulzentrum zu errichten und damit einen Schulversuch von besonderer pädagogischer Bedeutung durchzuführen. Die Nordweststadt erhält nunmehr 2 Grundschulen für das erste bis vierte Schuljahr, eine Förderstufe für das fünfte und sechste Schuljahr, eine Hauptschule für das siebte bis neunte Schuljahr, eine Realschule und ein Gymnasium.

Schulneu- und Wiederaufbau des Jahres 1963:

Volksschulen:

  • Engelbert-Humperdinck-Schule,
  • Friedrich-Stoltze-Schule,
  • Albert-Schweitzer-Schule

Gymnasien:

  • Heinrich-von-Gagern-Gymnasium

Gesamtsumme der Baukosten: 13060400,- DM

 

1964 wurden die

Industriemeisterkurse an der Heinrich-Kleyer-Schule und die Betriebstechnikerkurse an der Werner-von-Siemens-Schule in Abendfachschulen umgewandelt.

Für die Ferienspiele wurde an der Hohemark ein Waldheim errichtet, das insbesondere von den Kindertagesstätten des nördlichen Stadtbezirks besucht wird.

Die Kindertagesstätten nahmen in diesem Jahr an dem Weltkindertag teil. 1964 waren in städtischen Kindergärten und Horten 11 verschiedene Nationen vertreten. 5% aller erfaßten Kinder sind Ausländer. Die Weiterbildung der Kindergärtnerinnen wird durch Teilnahme an Lehrgängen und Tagungen, durch neue Anregungen in Leiterinnen- und Bezirksbesprechungen ermöglicht.

Schulneu- und Wiederaufbauten des Jahres 1964:

Volksschulen:

  • Volksschule Griesheim,
  • Volksschule Preungesheim,
  • Albrecht-Dürer-Schule

Berufsschulen:

  • Philipp-Holzmann-Schule

Gesamtsumme der Baukosten: 20931650,- DM

Es wurden 1964 insgesamt 21 Turnhallen fertiggestellt, davon 17 in Serienbauweise, ferner 1 Lehrschwimmbecken.

 

Im Laufe des Jahres 1965 wurden ihrer Bestimmung übergeben:

Volksschulen:

  • Konrad-Haenisch-Schule (Fechenheim-Nord), 2. Bauabschnitt,
  • Dahlmannschule (im Ostteil der Stadt),
  • Volksschulneubau im Stadtteil Schwanheim-Ost,
  • Volksschule Niederursel,
  • Grundschule in der Nordweststadt,
  • Schulzentrum Nordweststadt, 1. Bauabschnitt.

Gymnasien:

  • Helene-Lange-Schule, Gymnasium für Mädchen im Stadtteil Höchst,
  • Liebigschule, Gymnasium für Jungen und Mädchen.

oben: Die Liebigschule

 

Berufsschulen:

  • Heinrich-Kleyer-Schule, Berufsschule für Maschinenbau

Gesamtsumme der Baukosten: 111736100,- DM

Weiterhin sind im Bau:

  • Schulzentrum Nordweststadt, 2. Bauabschnitt,
  • Heinrich-von-Gagern-Gymnasium (2. Teil),
  • Lessing-Gymnasium (Innenstadt),
  • Volksschulneubau im Stadtteil SossenheimWest,
  • Neubau einer Sonderschule für Körperbehinderte (Spastiker) und Sonderschule für Sehbehinderte (Hermann-Herzog-Schule),
  • Sonderschule im Norden der Stadt, Eschersheim (Nußzeil).

Baukosten: 3405100,- DM

Auch auf dem Gebiete der Kindertagesstätten wurde Wesentliches in den zurückliegenden 20 Jahren erreicht. Neben den 200 Kindertagesstätten der freigemeinnützigen und caritativen Einrichtungen bestehen heute wieder 75 städtische Kindertagesstätten mit rund 6000 Plätzen, wovon allein 34 in den letzten Jahren völlig neu erbaut wurden. 7 weitere Kindertagesstätten sind zur Zeit in den verschiedenen Wohnsiedlungen unserer Stadt im Bau.

Bei einer allgemeinen Betrachtung kann festgestellt werden, daß die krasse Raumnot der Volks- und Sonderschulen heute im wesentlichen als überwunden angesehen werden kann. Die nachfolgende Übersicht gibt daher ein Bild von den großen Fortschritten, die sowohl durch den Neu- und Wiederaufbau von Schulen im Stadtgebiet als auch durch die Verbesserungen der alten Schulen im Rahmen der kleinen Baumaßnahmen mit den Listen I bis X (Aufwand von rd. 27 Millionen DM) erzielt wurden. Während das Stadtschulamt im Jahre 1939 über etwa 2080 Klassenräume verfügte, waren 1945 wie eingangs dargelegt - noch etwa 750 Klassenräume in mehr oder weniger gebrauchsfähigem Zustand vorhanden.

Demgegenüber haben wir heute:

Räume:
vor 1945
nach 1945
zusammen
Klassenräume (ca. 60 qm)
912
1030
1942
Klassenräume (ca. 40-50 qm)
199
173
372
Klassenräume insgesamt:
1111
1203
2314
 
Naturwissenschaftliche Räume:
a) Lehrsäle
63
85
148
b) Vorbereitungsräume
35
79
114
c) Übungsräume
18
33
51
Naturwissenschaftliche Räume insgesamt:
116
197
313
 
Werkräume
96
142
238
Schullehrküchen
26
65
91
Handarbeitsräume
35
69
104
Singsäle
45
52
97
Zeichensäle
11
22
33
Turnhallen
24
62
86
Gymnastikräume
3
13
16
Aulen
7
15
22
Schülerbüchereien
40
63
103
Fotolabore
11
45
56
Verkehrserziehungsräume
2
6
8

 

Diese Zahlen zeigen, daß in Frankfurt am Main nach 1945 mehr als 62 Turnhallen, 65 Lehrküchen, 142 Werkräume und viele andere für einen modernen Unterricht wichtige Einrichtungen geschaffen wurden. Es muß hierbei aber auch die Hilfe des Landes Hessen erwähnt werden, das in den zurückliegenden Jahren Schulbauzuschüsse in Höhe von 70 Millionen DM geleistet hat.

Eine verantwortungsbewußte Schulentwicklungsplanung muß sich stets am neuesten Stand der schulpolitischen Diskussion orientieren. Als deren entscheidende Phasen sind anzusehen:

Der Rahmenplan des deutschen Ausschusses für das Erziehungs- und Bildungswesen von 1959, der "Bremer Plan" der Arbeitsgemeinschaft deutscher Lehrerverbände von 1960 und die Gutachten des deutschen Ausschusses für das Erziehungs- und Bildungswesen zur Hauptschule, zur Berufsausbildung und zum Gymnasium (Ende 1964 bzw. Anfang 1965). Das Stadtschulamt hat die schulpolitische Diskussion mit großer Aufmerksamkeit verfolgt, der Schuldezernent und die schulfachlichen Referenten des Amtes nahmen konstruktiv an ihr teil. Diese Arbeit fand ihren Niederschlag in zahlreichen Reformversuchen, insbesondere beim Aufbau der Gesamtschule Nordweststadt, bei der Einrichtung von Lenkungsplanversuchen an verschiedenen Schulen und bei Überlegungen zu einem Hauptschulkonzept, das in seinen ersten Ansätzen zu Beginn des Schuljahres 1965/66 erprobt werden wird.

 

 

Berichtszeitraum: 1965-68

 

In dem Zeitraum von 1965 bis 1968 haben sich im Bereich des Schulwesens unserer Stadt wesentliche Veränderungen ergeben. Diese Feststellung trifft nicht nur für den Personalbereich, sondern auch für die Organisation der Schulverwaltung und einiger Schulen zu.

Im Frühjahr 1965 schied Stadtrat Prof.Dr.Gläß als Schuldezernent aus dem Dienst der Stadt Frankfurt a.M. Stadtrat Willy Cordt wurde im Juni des gleichen Jahres mit diesem für die schulische Entwicklung unserer Stadt so wichtigen Amte des Schuldezernenten betraut. Am 7.6.1968 ist er durch einen tragischen Unfall in Hannover verstorben. Welche Verdienste sich Stadtrat Cordt in der relativ kurzen Zeit seines Wirkens um das Schulwesen in Frankfurt a.M. und weit über die Stadt hinaus erworben hat, wird der Bericht deutlich machen. Zur Zeit des Amtsantritts von Stadtrat Cordt befand sich die Stadt Frankfurt a.M. gerade auf dem Höhepunkt ihrer Bemühungen, durch die Intensivierung des Schulbaues endgültig die seit 1945 permanent herrschende Schulraumnot zu überwinden. Schulprojekte für alle Schulformen waren 1965 im Bau; bei den Volks- und Realschulen die Dahlmannschule im Osten der Stadt, die Eduard-Spranger-Schule in der Neubausiedlung in Sossenheim-West, bei den Sonderschulen der großzügige Neubau für die spastisch gelähmten Kinder (Heinrich-Steul-Schule), bei den Gymnasien der Neubau der Liebigschule in Westhausen und das Lessing-Gymnasium im inneren Stadtbereich, die Heinrich-Kleyer-Schule als neue moderne Berufsschule für den Maschinenbau. Zahlreiche Schulen waren 1965 bis zum Rohbau fertiggestellt oder standen kurz vor ihrer Vollendung. Zu diesem umfangreichen Schulbauprogramm kamen -durch die in den letzten Jahren immer mehr erkannte Bedeutung der vorschulischen Erziehung - eine stattliche Anzahl von Kindertagesstättenneubauten, allein drei solcher vorbildlicher Einrichtungen in dem neuen Wohnbereich der Nordweststadt.

Für den Magistrat, die Stadtverordnetenversammlung und die Schulverwaltung ergaben sich in den folgenden Jahren durch die finanzielle Entwicklung außerordentliche Schwierigkeiten, die im Bau sich befindenden Schul- und Kindertagesstättenprojekte zum Abschluß zu bringen. Durch wesentliche Einsparungen an diesen Baumaßnahmen wurde es doch verhindert, daß Schulbauten in unfertigem Zustand längere Zeit stehen mußten. Es wurden - zum Teil durch die notwendig gewordenen Sparmaßnahmen etwas verzögert - dennoch in den Jahren 1965 bis 1968 insgesamt 6 Volksschulen, 3 Sonderschulen, 3 Gymnasien, 2 Berufsschulen sowie ein großes Schulzentrum in der Nordweststadt, also 15 moderne schulische Einrichtungen, fertiggestellt und durch den Magistrat ihrer Bestimmung übergeben.

 

Neue schulische Einrichtungen

Es sind dies im einzelnen:

Volksschulen (Grund- und Hauptschulen):

  • Dahlmannschule (Neubau): 5300000,- DM
    Der Neubau (mit Lehrschwimmbecken) wurde im April 1965 in Betrieb genommen und am 18.6.1965 eingeweiht.
  • Grundschule II, Nordweststadt (Neubau): 4700000,- DM
    Nach Bezug der Schule im Juni 1965 fand die Einweihung am 21.9.1965 statt.
  • Konrad-Haenisch-Schule (Erweiterung): 2800000,- DM
    Die baulichen Arbeiten für den Erweiterungsbau waren im März 1965 beendet. Am 26.3.1965 wurde er offiziell seiner Bestimmung übergeben.
  • Niederurseler Schule (Erweiterung) 3900000,- DM
    Der Erweiterungsbau wurde im Mai 1965 in Betrieb genommen und am 28.9.1965 eingeweiht. Die Schule trägt inzwischen den Namen "Heinrich-Kromer-Schule".
  • Neue Volksschule Schwanheim-Ost (Neubau): 5100000,- DM
    Die Schule wurde im August 1965 fertiggestellt und am 3.9.1965 eingeweiht. Sie erhielt den Namen "Minna-Specht-Schule".
  • Neue Volksschule Sossenheim-West (Neubau): 6100000,- DM
    Die baulichen Arbeiten waren bis zu Beginn des Schuljahres 1967/68 im September nahezu abgeschlossen, so daß der Schulbetrieb aufgenommen werden konnte. Die Einweihung fand am 5.12.1967 statt. Die Schule trägt den Namen "Eduard-Spranger-Schule".

Sonderschulen

  • Sonderschule für spastisch gelähmte Kinder (Heinrich-Steul-Schule) und
    Sonderschule für sehbehinderte Kinder (Hermann-Herzog-Schule), zus.: 7300000,- DM
    Diese Sonderschulen, die vorbildlichsten ihrer Art in der gesamten Bundesrepublik, wurden im Mai 1967 fertiggestellt und in Betrieb genommen.
  • Sonderschule im Norden der Stadt, Nußzeil (Johann-Hinrich-Wichern-Schule)
    Das Gebäude wurde im Oktober 1967 fertiggestellt und zum 1.November 1967 bezogen.

Gymnasien

  • Helene-Lange-Schule (Neubau)
    Der Schulbetrieb wurde im August 1965 aufgenommen; die Einweihung fand am 10.9.1965 statt. Erwähnenswert ist die Ausstattung mit einer eigenen Schulsternwarte.
  • Liebigschule (Neubau): 11000000,- DM
    Die Bauarbeiten waren im April 1966 beendet. Das neue Gebäude konnte am 18.5.1966 offiziell seiner Bestimmung übergeben werden. Es ist mit einer Lehrschwimmhalle und Schulsternwarte ausgestattet.
  • Lessing-Gymnasium (Neubau): 12000000,- DM
    Der Neubau wurde Ostern 1967 bezogen und am 8.3.1968 eingeweiht.
  • Schulzentrum Nordweststadt: 40000000,- DM
    Folgende Bauteile sind fertiggestellt und nach und nach bezogen worden:
    Grundschule
    Hauptschule
    Förderstufe
    Realschule
    Gymnasium.
    Außerdem fertiggestellt sind die Aula sowie 3 Turnhallen, die Sporthalle und die Schwimmhalle. Die offizielle Einweihung fand am 28.9.1968 statt.

Berufsschulen

  • Heinrich-Kleyer-Schule (2 Berufsschulen für Maschinenbau) 25000000,- DM
    Das Gebäude konnte nach seiner Fertigstellung im April 1966 bezogen werden. Die offizielle Einweihung fand am 11.12.1967 statt.

Neben dem Bau neuer Schulen wurden aber in den zurückliegenden 4 Jahren auch Instandsetzungsmaßnahmen und Erweiterungsbauten an älteren Schulgebäuden betrieben.

Es handelt sich um:

  • Hostatoschule,
  • Kirchnerschule,
  • Robert-Blum-Schule,
  • Robert-Koch-Schule (ehemalige Helene-Lange-Schule),
  • Heinrich-von-Stephan-Schule,
  • Frankensteiner-/Willemerschule,
  • Hellerhof-/Rebstöckerschule,
  • Elisabethenschule,
  • Kaufm. Berufsschule 3 (alte Brentanoschule),
  • Kaufm. Berufsschule 4 (alte Heinrich-Kleyer-Schule),
  • Kaufm. Berufsschule 7 (alte Philipp-Holzmann-Schule),
  • Liegenschaft Peter-Bied-Straße 55 (Außenstelle der Paul-Ehrlich-Schule).

Schulpavillons wurden an verschiedenen Schulen umgesetzt, um den akuten Raummangel an der Ziehenschule, der Leibnizschule, der Musterschule, Herderschule und der Grundschule in Sindlingen am Paul-Kirchhof-Platz zu mindern.

 

Schulentwicklungsplan für die Stadt Frankfurt a.M.

Nach der Übernahme des Schuldezernates durch Stadtrat Willy Cordt im Juni 1965 begannen systematische Untersuchungen zur Entwicklung des Frankfurter Schulwesens. Zu diesem Zweck wurde ein eigenes Referat eingerichtet, dem zusätzlich die mit der Schulentwicklung in Verbindung stehende Aufgabe des Schulbaues zugewiesen wurde. Der erste Teil des Schulentwicklungsplanes wurde im Frühjahr 1966 den städtischen Körperschaften zur Genehmigung vorgelegt und am 21.April 1966 von der Stadtverordneten-Versammlung mit großer Mehrheit verabschiedet. Im Mittelpunkt der Vorlage stand die Neugliederung des Volksschulwesens in Grund- und Hauptschulen. Sie konnte wegen der verschiedentlich damit verbundenen Baumaßnahmen nicht in einem Zuge, sondern lediglich abschnittsweise verwirklicht werden.

Zu Beginn des Schuljahres 1967/68 bestanden in Frankfurt a.M.

  • 32 selbständige Grundschulen
  • 12 selbständige Hauptschulen
  • 3 Grund-, Haupt- und Realschulen
  • 1 Real- und Hauptschule.

36 ehemalige Volksschulen haben gegenwärtig noch die Form der Grund- und Hauptschule. Bis etwa 1972 sollen auch sie in Grund- und in Hauptschulen getrennt werden, ausgenommen die typischen Stadtrandschulen etwa in Bonames oder in Zeilsheim. In der Zwischenzeit wurde der Schulentwicklungsplan II (Entwicklung der Realschulen und Gymnasien) vorbereitet. Wichtigster Bestandteil der inzwischen ebenfalls von den städtischen Körperschaften verabschiedeten Vorlage ist die Errichtung von Schulzentren

  • durch Neubauten in Sindlingen-Zellsheim und Heiligenstock-Süd-Seckbach
  • als Erweiterungen bestehender Schulen in
    Höchst-Unterliederbach
    Griesheim Heiligenstock-Mitte-Preungesheim
    Goldstein-Schwanheim
    Bockenheim-Süd und -Nord
  • durch Neugliederung vorhandener Schulen.

Diese Schulzentren sollen gleichzeitig mit Tagesheimen versehen werden. Außerdem wird gegenwärtig untersucht, ob an den bestehenden Gymnasien weitere Tagesheimzüge eingerichtet werden können (für die Liebigschule bestehen dafür bereits konkrete Planungen).

Der Schulentwicklungsplan II sieht ferner den Ausbau von drei vorhandenen Gymnasien, Systeme mit Schwerpunkt Leibeserziehung, mit mehrsprachigen Zügen und die Errichtung einer Europa-Schule vor. Vor Bekanntgabe des Programms war in mehreren Gesprächen mit dem Stadtplanungs- und dem Liegenschaftsamt erneut die Standortfrage der noch zu bauenden Schulen überprüft worden.

Außerdem wurde mit dem Dezernat Planung- und Bau das Problem einer kostensparenden Bauweise (Fertig- oder Fertigteilbau) erörtert. Dabei kam es zu einer engen Zusammenarbeit zwischen den beiden Dezernaten nach weitgehender Annäherung der Standpunkte. Erstes Ergebnis der Absprachen war der Bau der Grundschule Im Uhrig, dem ersten Fertigteilbau einer Frankfurter Schule. Soweit jetzt - knapp fünf Monate nach Beginn und zwei Monate vor Fertigstellung der Arbeiten - über dieses Experiment bereits Aussagen gemacht werden können, sind sie durchweg positiv. Sie ermuntern zu einer Fortsetzung des mit dieser Schule begonnenen Programms.

Inzwischen begannen auch die Vorarbeiten für die Verwirklichung des Schulentwicklungsplanes II. Der Teilplan für die westlichen Stadtteile wurde schon vor Wochen den 24 Schulen dieses Bereiches zur Stellungnahme zugestellt. Die vorliegenden Bescheide der Schulelternbeiräte und der Kollegien sind durchweg positiv. Auch der Teilplan für das Westend, Bockenheim, Rödelheim und Hausen kann in der nächsten Zeit von den betreffenden Schulen diskutiert werden. Damit geht nun der zweite Teil des Schulentwicklungsplanes seiner Verwirklichung entgegen. Parallel dazu wird an der Fassung des dritten Teiles (Entwicklung des beruflichen Schulwesens) und am vierten Teil (Entwicklung der Sonderschulen) gearbeitet. Ständig werden die vom Stadtplanungsamt für die einzelnen Stadtteile prognostizierten Schülerzahlen überwacht und kontrolliert. Entwicklung bedeutet Wachstum plus Wandel. Das erfordert permanente Anpassung an neue Gegebenheiten und Erkenntnisse. Nur auf diese Weise kann erreicht werden, daß der Frankfurter Schulentwicklungsplan auch noch in fünf oder mehr Jahren Grundlage der Schulbauplanung sein kann. Das entspricht der Konzeption des Schuldezernates, die Stadtrat Cordt wie folgt charakterisierte: "Über eine flexible Planung hofft die Stadt Frankfurt a.M., eine Anpassung an jede mögliche Entwicklung des Schulwesens erreichen und dadurch über die nächsten Jahre hinaus ihr Bildungswesen ordnen zu können."

 

Lehrerzuteilung und Klassenfrequenzen

Die Versorgung der Schulen in Frankfurt a.M. mit den erforderlichen Lehrkräften ist zwar Aufgabe des Landes Hessen, im Falle der Stadt Frankfurt a.M. des Regierungspräsidenten in Darmstadt. Da jedoch die Schulaufsicht über die Schulen der Stadt von städtischen Schulaufsichtsbeamten ausgeübt wird, interessieren die nachfolgenden Feststellungen der städtischen Schulaufsichtsbeamten für den Bereich der Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschulen:

Entsprechend der Entwicklung der Schülerzahlen änderte sich die Zuteilung der Lehrerstellen:

Grund und Hauptschulen
Sonderschulen
Realschulen
  Schüler Lehrer Schüler Lehrer Schüler Lehrer
1966 41707 1300 2355 177 7187 315
1967 38252 1236 2487 189 7624 321

Auffällig an der Lehrerzuteilung ist das Ansteigen der Zahl der weiblichen Lehrkräfte. Von den reinen Lehrerstellen an Grund- und Hauptschulen sind bereits 70% von Frauen besetzt. Das hat u.a. eine stark erhöhte Fluktuation zur Folge: während die Versetzungen in den Ruhestand nur etwa 3% der Gesamtzahl an Lehrkräften ausmachte, waren es je 4%, die Versetzung bzw. Kündigung beantragten. Jede 10. Lehrerstelle mußte im Laufe des Jahres umbesetzt werden.

Die "gegebenen" Lehrerstellen wurden zwar besetzt, aber für Krankheitsausfälle und Beurlaubungen nach dem Mutterschutzgesetz standen zu wenig Vertretungskräfte zur Verfügung.

Die sogenannte "Meßzahl 50", die für die Lehrerstellenbewilligung angewandt wird, wirkt sich ungünstig aus, wenn die Stärke der einzelnen Jahrgänge über dem Durchschnitt liegt. Das ist im Gegensatz zum Land (bis auf wenige große Mittelpunktschulen) in Frankfurt a.M. die Regel. Die Klassenfrequenz lag bei mehr als der Hälfte aller Klassen der Grund- und Hauptschulen in Frankfurt a.M. über 35:

  • 35-39 Schüler in 269 Klassen
  • 40-44 Schüler in 74 Klassen
  • 45 Schüler in 7 Klassen

Ähnlich sieht es bei den Realschulen aus:

  • 35-39 Schüler in 22 Klassen
  • 40-44 Schüler in 11 Klassen
  • 45 Schüler in 1 Klasse

Der durch die angespannte Finanzlage der Stadt gegen Ende 1966 erfolgte Wegfall der 100 städtischen Lehraufträge (= ca. 50 Lehrerstellen) wirkte sich insbesondere bei Vertretungen nachteilig aus.

 

Vorschulische Erziehung

Im Nachfolgenden sollen einige aus der Vielzahl schulischer Probleme unserer Stadt ausgewählte dargestellt werden.

Die Zahl der Vorklassen für die schulpflichtigen, jedoch noch nicht schulreifen Kinder wurde um 11 Vorklassen vermehrt, so daß nunmehr in insgesamt 38 derartigen Einrichtungen Schulkinder aufgenommen werden können. Diese Kinder werden in den Vorklassen ihrem Entwicklungsstand entsprechend gefördert. Gerade in den letzten 2 Jahren ist die Wichtigkeit einer vorschulischen Erziehung mehr und mehr erkannt worden, so daß augenblicklich weitere Versuche auf dem vorschulischen Sektor in unserer Stadt angelaufen sind (Vorklassen, Vorschulklassen, Vermittlungsgruppen in Kindergärten usw.).

 

Realschule an der Tagesheimschule und Realschulzüge

An der Friedrich-Ebert-Schule (Tagesheimschule am Bornheimer Hang) wurde durch Erlaß des Hessischen Kultusministers vom 14.8.1967 ab 1.9.1967 eine mit dieser Schule verbundene Realschule genehmigt. Realschulzüge sind in den zurückliegenden Jahren an der Carlo-Mierendorff-Schule in Preungesheim und an der Eduard-Spranger-Schule in Sossenheim-West eingerichtet worden, und weitere - z.B. an der Konrad-Haenisch-Schule in Fechenheim - folgen. Das Angebot einer weiterführenden Bildung wird dadurch vergrößert, die Schulwege zu diesen Einrichtungen für viele Kinder wesentlich verkürzt.

 

Veränderungen bei Gymnasien und an der Ernst-Reuter-Schule

Die allgemeine Entwicklung zur Koedukation, wie dies auch im Hessischen Schulverwaltungsgesetz vom 28.6.1961 im § 1 ausdrücklich vorgesehen ist, haben einige Schulgemeinden in unserer Stadt veranlaßt, an höheren Schulen eine gemeinsame Erziehung von Jungen und Mädchen einzuführen. Dies erfolgte an:

  • der Musterschule, der Liebigschule (bisher Gymnasien für Jungen), Koedukation ab Ostern 1966,
  • der Bettinaschule (bisher Gymnasium für Mädchen), Koedukation ab 1.9.1967,
  • der Herderschule (bisher Gymnasium für Mädchen), Koedukation ab 1.9.1968,
  • der Helmholtzschule (bisher Gymnasium für Jungen), Koedukation ab 1.9.1968.

oben: Bettinaschule -ab dem 1.September 1967 durften jetzt auch Jungen die Schule besuchen

 

Trotz mancher Personalschwierigkeiten wurden von den Gymnasien unserer Stadt zusätzliche Aufgaben übernommen und durchgeführt; so z.B. am Goethe-Gymnasium die Einrichtung eines zweisprachigen Zuges, an der Bettinaschule die Aufgabenbetreuung für Schüler der 5. und 6. Klassen, ferner an der gleichen Schule die Durchführung von Unterricht in den Sommerferien zwecks nachträglicher Versetzung von Schülern des 7. bis 10. Schuljahres. An die Ernst-Reuter-Schule (Gesamtschule in der Nordweststadt) wurde ab 1.8.1967 ein wirtschaftswissenschaftlicher Zweig angegliedert.

 

Berufsschulen - Zweiter Bildungsweg

Im Bereich der Kaufmännischen Berufsschulen, die im Gegensatz zu den anderen Schulformen noch unter einer drückenden Raumnot leiden, konnten in den zurückliegenden Jahren wesentliche Verbesserungen in der äußeren und inneren Schulsituation erreicht werden.

Seit dem 1.9.1967 sind von den 7 Kaufmännischen Berufsschulen 3 in eigenen Gebäuden untergebracht, 4 befinden sich noch im Bethmann-Schulhaus, das für 3 Schulen seinerzeit gebaut wurde. Das Stadtschulamt plant im Laufe des Jahres 1968 die Zahl der im Bethmann-Schulhaus untergebrachten Schulen von vier auf drei zu reduzieren. Einige dieser Kaufmännischen Berufsschulen sind inzwischen mit modernen Übungsräumen und den dazugehörenden Einrichtungen ausgestattet worden, so daß die Möglichkeit eines zeitgemäßen Unterrichts gewährleistet ist.

Im Bereich der gewerblichen Berufsschulen wurden neue Berufsfachschulklassen eingerichtet, so z.B. an der Gutenbergschule ab 1.4.1966 für das graphische Gewerbe, ab 1.4.1967 an der Else-Sander-Schule für das kosmetische Gewerbe, ferner Tagestechnikerklassen (3 Semester) an der Heinrich-Kleyer-Schule für das Metallgewerbe ab 1.4.1967 und an der Werner-von-Siemens-Schule für Elektronik ab 1.10.1967.

 

Einrichtung einer Beratungsstelle über Bildungsmöglichkeiten beim Stadtschulamt

Nach einer vorausgegangenen Anfrage in der Stadtverordneten-Versammlung wurde im Jahre 1966 vom Stadtschulamt eine Beratungsstelle über Bildungsmöglichkeiten eingerichtet. Die Besucher wollen nicht nur über Bildungsmöglichkeiten beraten sein, auch Eltern machen von der Sprechstunde Gebrauch, um allgemeine schulische Fragen zu besprechen und Rat zu holen. Neben den hilfesuchenden Eltern kommen jüngere Menschen, die Auskunft über Bildungsmöglichkeiten, und zwar in der Hauptsache im Hinblick auf den Erwerb des Abiturs, haben wollen.

Die Neueinrichtung hat ihre Notwendigkeit gezeigt und ihren Zweck erfüllt. Dies wird auch dadurch bestätigt, daß der Kultusminister in seinem Erlaß vom 1.2.1968 an die Regierungspräsidenten angeordnet hat, in jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt derartige Bildungsberatungsstellen einzurichten.

 

Weiteres aus dem Unterrichtsbetrieb

Die Schulaufsichtsbeamten sind bemüht gewesen, die Museen, das Theater, den Hauptschulgarten und einige andere Einrichtungen den Schulen stärker für den Unterricht zu erschließen; allein der Zoo wurde im Jahre 1967 von 608 Schulklassen mit insgesamt 26004 Schülern besucht. Davon waren 9745 Schüler im Exotarium . Unter der Leitung von Frau Dr. Kirchshofer besteht ein Lehrerarbeitskreis, der sich intensiv mit der fachwissenschaftlichen und didaktischen Vorbereitung von Zoobesuchen befaßt.

In diesem Zusammenhang ist auch das vom Stadtschulamt eingerichtete Waldschulheim an der Oberschweinstiege zu erwähnen, das in den zurückliegenden Jahren von vielen Schulklassen besucht wurde. Die Schülerinnen und Schüler haben dabei den Stadtwald erwandert und ihre Kenntnisse über die Pflanzen- und Vogelwelt unseres Waldes vertieft.

Eine besondere Intensivierung erfuhr die Verkehrserziehung. Arbeitsgemeinschaften "Auto auf dem Schulhof" wurden erstmals in Deutschland an 9 Frankfurter Schulen eingerichtet. Die Schülerinnen und Schüler wurden hier theoretisch und praktisch nach der Defensiv-Fahrmethode auf den Fahrschulunterricht vorbereitet. Von rund 150 Teilnehmern im Schuljahr 1966/67 konnte ca. ein Drittel die Befürwortung vorzeitiger Fahrerlaubnis in den Klassen III bzw. Verhalten. Zur Zeit werden in sämtlichen Frankfurter Schulen Schulwegpläne entwickelt; die technischen Vorbereitungen und die Gestaltung werden vom Stadtvermessungsamt übernommen; die Kosten trägt zur Hälfte die Stadt und die Frankfurter Verkehrswacht. Die Pläne kommen zu Beginn des Schuljahres 1968/69 zur Ausgabe.

Auf dem Gebiet des Schulsports wurde in den Jahren 1965 bis 1968 ein wesentlicher Schritt nach vorn getan. Neben 16 neuen Turnhallen und 5 Gymnastikräumen wurden eine große Sporthalle für die Ernst-Reuter-Schule fertiggestellt und 3 weitere Lehrschwimmbecken für das Schulschwimmen betriebsfertig. Für den Schwimmunterricht stehen neben den Hallenbädern nunmehr insgesamt 6 Lehrschwimmbecken des Stadtschulamtes zur Verfügung. An der Heinrich-Steul-Schule wurde zudem im vergangenen Jahr ein Heilschwimmbecken zum Zwecke des Schwimmunterrichts und der Einzelbehandlung körperbehinderter Kinder eröffnet. An den verschiedenen Schulen wurde durch die Anlage von Kleinsportplätzen der Unterricht in Leibeserziehung wesentlich verbessert.

Die Frankfurter Schulen führen unter Leitung des Sportreferenten des Stadtschulamtes regelmäßig einmal jährlich:

  • Schwimmwettkämpfe im Stadtbad Mitte ,
  • Bundesjugend-Sommerspiele,
  • Bundesjugend-Winterspiele und
  • Bezirks- und Stadtmeisterschaften in den Disziplinen Leichtathletik (einschl. Staffellauf), Waldlauf, Geräteturnen, Fußball, Hallenhandball und Basketball

durch.

Ein Schulprogramm, das wohl in seinen Ausmaßen insbesondere in Frankfurt a.M. offensichtlich wird, ist die Beschulung der Ausländerkinder. Ein Sonderproblem hierbei sind wiederum die Gastarbeiterkinder. Viele besuchen unsere Grund- und Hauptschulen sowie die weiterführenden Schulen. Nach dem Hessischen Schulpflichtgesetz sind alle Kinder, Jugendliche und Heranwachsende, die in Hessen ihren gewöhnlichen Aufenthalt oder ihre Lehr- oder Arbeitsstätte haben, ohne Rücksicht auf ihre Staatsangehörigkeit schulpflichtig. Gastarbeiterkinder müssen somit die Grund- und Hauptschulen ihres Wohnbezirkes besuchen. Zur Zeit bestehen in Frankfurt a.M. 16 Einführungsklassen für italienische, spanische, griechische und türkische Kinder mit insgesamt 450 Schülern. In deutschen Klassen der Grund- und Hauptschulen sitzen insgesamt 856 Schüler.

 

Wegscheide - Auch in den Jahren 1965 bis 1968 immer von mehr als 6000 Schulkindern jährlich besucht

Ungewißheit lag in den Jahren 1965/66 über der Wegscheide. Das Stadtschulamt und der Stiftungsvorstand wußten seinerzeit nicht, wie sich die Einführung von zwei aufeinanderfolgenden Kurzschuljahren, die Verlegung des Schuljahresbeginns auf den Herbst, die teilweise Verwirklichung des Schulentwicklungsplanes (Einführung von Grund- und Hauptschulen) auf die Schullandheimarbeit und insbesondere auf die Belegung der Wegscheide auswirken würden.
In enger Verbundenheit mit Schulleitern und Lehrkräften ist es dann doch gelungen, eine zahlenmäßig ausreichende Jahresbelegung zu ermöglichen. Mit Stolz darf festgestellt werden, daß die Wegscheide, die ihre pädagogische Bedeutung und ihre Daseinsnotwendigkeit bereits seit vielen Jahrzehnten nachgewiesen hat, im ersten Kurzschuljahr und im folgenden einer harten Bewährungsprobe standhielt.

 

Kindertagesstätten

Der vorschulischen Erziehung wurde in den Jahren 1965 bis 1968 immer mehr Beachtung zuteil. "Einzelkinder, die nur im Elternhaus aufgewachsen sind und nie in einem Kindergarten waren, besitzen weitaus weniger soziale Schulreife und damit Gemeinschaftsgefühl als andere Kinder gleichen Alters, die vielleicht weniger intelligent, aber anpassungsfähig sind". Solche und ähnliche Feststellungen der Schulpsychologen und Schulärzte führten zu den Forderungen nach weiteren Kindergärten und Vorklassen an den Schulen.

Das Stadtschulamt hat daher auch in den Jahren 1965 bis 1968 folgende Kindertagesstätten fertiggestellt und in Betrieb genommen:

Im Jahre 1965 im Wohngebiet

  • Griesheim, Kindertagesstätte 77, Ahornstraße 102: 80 Plätze
  • Rödelheim, Kindertagesstätte 76, Kleemannstraße 22 a: 50 Plätze

Im Jahre 1966 im Wohngebiet

  • Nordweststadt, Kindertagesstätte 73, Heddernheimer Landstraße 195: 100 Plätze
  • Fechenheim-Nord, Kindertagesstätte 75, Lauterbacher Straße 18: 100 Plätze
  • Innenstadt-Ost, Kindertagesstätte 81, Seilerstraße 6: 80 Plätze
  • Nordweststadt, Kindertagesstätte 74, Bernadottestraße 35: 100 Plätze
  • Schwanheim, Kindertagesstätte 83, Henriette-Fürth-Straße 9: 100 Plätze

Im Jahre 1967 im Wohngebiet

  • Nordweststadt, Kindertagesstätte 70, Gerhart-Hauptmann-Ring 27: 100 Plätze
  • Walter-Kolb-Siedlung, Kindertagesstätte 79, Homburger Landstraße 40: 100 Plätze
  • Höchst (Innenstadt), Kindertagesstätte 7, Bolongarostraße 137: 100 Plätze

Im Jahre 1968 im Wohngebiet

  • Eschersheim, Kindertagesstätte 88, Nußzeil (Sonderschulhort): 45 Plätze
  • Nordweststadt, Kindertagesstätte 87,
  • Nordweststadt-Kulturzentrum (voraussichtliche Eröffnung am 1.10.1968): 100 Plätze

Insgesamt neu errichtet in der Zeit von 1965 bis 1968: 1055 Plätze

 

Ab 1.1.1967 wurden nach Beschlüssen des Magistrats und der Stadtverordneten-Versammlung die 7 von der Arbeiterwohlfahrt betriebenen Kindertagesstätten mit ca. 320 Plätzen vom Stadtschulamt übernommen.

An den vom Stadtschulamt durchgeführten Ferienspielen der Jahre 1965 bis 1968 nahmen jeweils rund 3000 Jungen und Mädchen - in den 4 Jahren also mehr als rund 12 000 Schulkinder - teil. Diesen Schulkindern wurden durch ihre Erzieherinnen erholsame und sinnvolle Sommerferien geboten.

Den freigemeinnützigen Trägern wurden in diesem Zeitraum seitens der Stadtverwaltung Frankfurt a. M. folgende Zuschüsse gewährt:

  • 1965: 849089,- DM
  • 1966: 1088431,- DM
  • 1967: 975652,- DM

Im Jahre 1968 steht ein gleichhoher Betrag von 900000,- DM für laufende Zuschüsse zu den Betriebskosten und ein Betrag von 100000,- DM zur Förderung von Baumaßnahmen privater Kindertagesstätten wiederum zur Verfügung. Das Stadtschulamt sorgt dafür, daß diese Beträge nach dem Willen der Stadtverordneten-Versammlung und gemäß der hierfür festgelegten Beschlüsse der städtischen Körperschaften an die Träger verteilt werden.

In den letzten 3 Jahren ist das innere Schulwesen in Bewegung geraten. Diese Veränderungen zum Besten der Schüler aller Schulformen zu nutzen, wird eine große Aufgabe der Schulverwaltung und der Schulaufsicht für die nächsten Jahre bleiben.

 

 

Berichtszeitraum: 1969-72

 

Durch zahlreiche Initiativanträge und die Bewilligung der erforderlichen Mittel sowohl im ordentlichen als auch im außerordentlichen Haushalt haben die Stadtverordneten-Versammlung und der Magistrat im Zusammenwirken mit dem Stadtschulamt in der nunmehr ablaufenden Legislaturperiode 1969/1972 das Schul- und Bildungswesen unserer Stadt wesentlich verbessert. Zur Zeit bestehen in Frankfurt a.M.:

Schulen/Schüler:

  • 2 Gesamtschulen: 3153 Schüler
  • 33 Grundschulen: 16960
  • 1 Grundschule als Tagesheimschule: 565
  • 11 Hauptschulen: 3539
  • 30 Grund- und Hauptschulen: 16905
  • 1 Grund- und Hauptschule als Ganztagsschule: 740
  • 3 Grund-, Haupt- und Realschulen: 2470
  • 1 Haupt- und Realschule: 346
  • 1 Haupt- und Realschule als Tagesheimschule: 596
  • 14 Realschulen: 6171
  • 12 Sonderschulen: 2930
  • 2 Heimsonderschulen: 67
  • 16 Gymnasien: 15098
  • 16 Berufsschulen: 24048
  • 18 Berufsschulklassen: 2165
  • 8 Fachschulen: 959
  • 10 Fachoberschulen: 613
  • 7 Berufsaufbauschulen: 463
  • 5 Technikerschulen: 382

 

An 49 Schulen wurden Vorklassen für schulpflichtige, jedoch noch nicht schulreife Kinder eingerichtet. An 2 Grundschulen bestehen staatliche Eingangsstufenversuche. In 93 Kindertagesstätten des Stadtschulamtes werden zur Zeit mehr als 6000 Kinder betreut. Bis Ende 1972 werden weitere 3000 Kindergartenplätze durch ein Sonderprogramm des Stadtschulamtes hinzukommen.

Schulentwicklung

Der Schulentwicklungsplan Frankfurt a.M. Teil I - Neugliederung des Volksschulwesens in Grund- und Hauptschulen - sowie der am 20.6.1968 von der Stadtverordneten-Versammlung beschlossene Schulentwicklungsplan Teil II - Entwicklung der Realschulen und Gymnasien - waren zunächst Grundlagen und Richtschnur für die Neuorganisation des Schulwesens und Arbeit der Schulverwaltung in unserer Stadt. Der Schulentwicklungsplan II beruhte auf der Überlegung, in Zukunft statt der tradierten Schulen nur noch Schulzentren zu errichten. Dieser Beschluß war und ist von fundamentaler Bedeutung, bot er doch die Basis für eine Neugliederung im Primär- und Sekundarbereich, wie sie damals keine andere Stadt in Hessen besaß. Ein Jahr später wurden die hessischen Schulgesetze novelliert und in der Neufassung des Schulverwaltungsgesetzes die Gesamtschule als zusätzliche Schulform verankert. Der Beschluß der städtischen Körperschaften fand damit seine gesetzesmäßige Bestätigung. Inzwischen wurden die Frankfurter Vorstellungen von einer zeitgemäßen Schulorganisation durch den Strukturplan des Deutschen Bildungsrates und den Bildungsbericht der Bundesregierung erneut gesichert. Beide Schulentwicklungspläne wurden in den letzten Jahren zum großen Teil realisiert. Wo ihre Verwirklichung noch aussteht, sind in der Regel umfangreiche Neubauten erforderlich, die nur innerhalb größerer Zeitabstände durchgeführt werden können. Es ist notwendig, aufgrund der jetzt gültigen gesetzlichen Bestimmungen und bestimmter struktureller Änderungen in den einzelnen Stadtteilen die vorhandenen Schulentwicklungspläne zu überprüfen und zu ergänzen. Im Herbst 1972 wurde der Schulentwicklungsplan III der Öffentlichkeit vorgestellt und die Diskussion mit allen Interessenten begonnen. Nach Abschluß der Diskussionen wird dieser Schulentwicklungsplan III zur Beschlußfassung den Körperschaften vorgelegt. Danach beginnt eine neue Phase der Realisierung, die sicher bis in die 80er Jahre führen wird.

Schulverwaltungsgesetz und Schulaufsicht

Das novellierte Schulverwaltungsgesetz vom 30.5.1969 hat im wesentlichen die Trennung zwischen Aufgaben des Schulträgers und der staatlichen Schulverwaltung beibehalten, brachte jedoch einige nicht unwesentliche Änderungen und Verlagerungen. Neben zeitlich fixierten Entlastungen für die Stadt - wie z.B. bezüglich der Fahrtkosten für Schüler oder die Reduzierung der Personalkostenanteile für Lehrer - entstanden auch neue finanzielle Verpflichtungen für die Schulträger - wie z.B. die Zuständigkeit für die Ausstattung der Schulen mit audio-visuellen Lehrmitteln u.a. Mit den Formulierungen des §62 Abs. 1 SchVG ist für die Städte mit mehr als 200000 Einwohnern die Möglichkeit geschaffen worden, daß unter bestimmten Voraussetzungen die Aufgaben der staatlichen Schulaufsicht von den Schuldezernenten wahrgenommen werden. Der Magistrat hat im Jahre 1969 die Übertragung der Schulaufsicht gemäß §62 Abs. 1 auf den Schuldezernenten beantragt. Eine Entscheidung liegt noch nicht vor.

Schul- und Kindertagesstättenbau

Die kontinuierliche Fortentwicklung und Verbesserung des Schulwesens unserer Stadt setzt natürlich einen weiteren zügigen Bau neuer Schulen und den Ausbau der vorhandenen Schulen voraus. Um sicherzustellen, daß Fehlplanungen für die Zukunft vermieden werden, hat der Magistrat durch besondere Geschäftsanweisungen für einen Schulbaustab und für ein Schulbauteam die entsprechenden Einrichtungen geschaffen. Ab Herbst 1969 wurde beim Stadtschulamt eine „Arbeitsgruppe Schulbau" gebildet, nachdem für diesen Bereich von den städtischen Körperschaften eine besondere Schulratstelle genehmigt worden war. Einen Einblick über den Umfang der geleisteten Arbeit des Schulbaureferates vermittelt die nachfolgende Aufstellung über die Baumaßnahmen des Stadtschulamtes in den letzten Jahren.

 
Objekt Fertigstellung DM
1. Schulneubauten in konventioneller Bauweise
Eschersheimer Volksschule (Grundschule Im Uhrig) 1969 1500000,-
Grundschule l Römerstadtschule (NW-Stadt) 1969 3042000,-
Grundschule Rödelheim 1969 2236000,-
Fridtjof-Nansen-Schule (Nied) 1969 2723000,-
Grundschule Fechenheim-Fachfeld 1972 8773000,-
Grundschule Sindlingen/Zeilsheim 1972 9599000,-

 

2. Schulneubauten in mobiler Bauweise
Grundschule III in der NW-Stadt 1970/71 2667696,-
Sekundarstufenschule für ca. 1300 Schüler auf der vorges. Trasse Rhein-Main Schnellweg in der Nordweststadt 1972 19000000,-

moderne Turnhalle, um 1965

3. Turnhallen-Neubau
Ebelfeldschule {Gymnastikhalle) 1969 310000,-
Eschersheimer Volksschule (Im Uhrig) 1969 290000,-
Römerstadtschule 1969 500000,-
Grundschule Rödelheim 1969 510000,-
Fridtjof-Nansen-Schule 1969 500000,-
Ziehenschule 1970 1100000,-
Grundschule III 1971 550000,-
Kasinoschule 1971 504000,-
Freiherr-vom-Stein-Schule 1971 860000,-
Uhlandschule 1972 975000,-
Schwarzburgschule 1972 1200000,-
Weidenbornschule 1972 805000,-
Körnerschule 1972 632000,-
Helmholtzschule 1972 690000,-
Eduard-Spranger-Schule 1972 1049000,-
Grundschule Fechenheim (Fachfeld) 1972 664000,-
Grundschule Sindlingen/Zeilsheim 1972 855000,-
Gesamtschule Bockenheim-Süd 1972 455000,-
    12449000,-

4. Kindertagesstättenprogramm 1971 (Fertigstellungen)

  • KT Berkersheimer Weg 2 (Klingenfeld)
  • KT Jean-Paul-Straße/Ecke Eichendorffstraße
  • KT Praunheim, städtisches Gelände nördlich der Ebelfeldschule
  • KT Rödelheim, Grundschule Biedenkopfer Weg
  • KT Ostend, Uhlandschule
  • KT Sachsenhausen, Frankensteiner-/Wi!lemerschule
  • KT Nied, Fridtjof-Nansen-Schule
  • KT Nordweststadt, Gerhart-Hauptmann-Ring, westlich der ev.- reformierten Kirche
  • KT Bornheim, Eulengasse (hinter der Sozialstation)
  • KT Westend, Rothschildpark, Ecke Staufenstraße, Oberlindau (Amerikahaus, vorhandener Parkplatz)
  • KT Westend, Grüneburgpark, südl. des vorhandenen Verkehrskindergartens
  • KT Oberrad, Georg-Treser-Straße
  • KT Bornheim, Günthersburgpark, nördlich der Gnadenkirche
  • KT Bornheim, Günthersburgpark Minigolfplatz
  • KT Westhausen, Kollwitzstraße, nördlich des Liebig-Gymnasiums
  • KT Höchst, Stieglitzenweg 6
  • KT Sossenheim, Carl-Sonnenschein-Siedlung
  • KT Qallusvlertel, Quäkerplatz

 

Ausstattung der Schulen

Neben den außerordentlichen Bemühungen auf dem Schulbausektor war für das Stadtschulamt die Ausstattung der Schulen aller Schulformen mit modernen und neuzeitlichen Lehrmitteln von besonderer Bedeutung. Die Leistungen der Stadtverwaltung Frankfurt a.M. als Schulträger auf diesem Gebiet lassen sich am deutlichsten ablesen an den für diese Zwecke bewilligten und verausgabten Beträgen des Einzelplanes 2 (Schulen), H. St. 7000 (Lehrmittel) und H. St. 9800 {Maschinen mit Zubehör und Geräte für Unterrichtszwecke). So wurden für die Beschaffung von Lehrmitteln der Schulen im Jahre

  • 1969 DM 755951,-
  • 1970 DM 1477733,-
  • 1971 DM 1530951,- verausgabt und
  • 1972 DM 2050000,- veranschlagt und bewilligt.

Eine noch stärkere Ausweitung war bei der H. St. 9800 (Maschinen mit Zubehör und Geräte für Unterrichtszwecke) festzustellen. Das Rechnungsergebnis dieser Haushaltsstelle lautet im Jahre

  • 1969 DM 394400,-
  • 1970 DM 1039800,-
  • 1971 DM 1000000-
  • 1972 DM 1505000,- veranschlagt und bewilligt.

Die 5-Tage-Woche

wurde in den letzten Jahren an vielen Schulen durchgeführt. Dabei bestehen an den weiterführenden und den berufsbildenden Schulen größere organisatorische Schwierigkeiten als bei den Grund-, Haupt- und Sonderschulen, von denen inzwischen 86 Schulen die 5-Tage-Woche eingeführt haben. Bei dieser Gelegenheit ist die vom Stadtschulamt Frankfurt a.M. in Zusammenarbeit mit der Datenverarbeitungszentrale organisierte Elternbefragung zur Ganztagsschule und 5-Tage-Woche in der Schule zu erwähnen, deren Ergebnisse durch Schulpsychologen und andere Schulfachleute ausgewertet und in einem besonderen Heft der Schriftenreihe „Schulen der Zukunft" dargestellt wurden. Es ist festzustellen, daß heute nur noch an 7 weiterführenden Schulen (2 Realschulen und 5 Gymnasien) die Koedukation noch nicht eingeführt werden konnte, während an allen anderen Schulen diese inzwischen zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Bis zu diesem Ergebnis waren viele Beschlüsse - auch der städtischen Körperschaften - vorzubereiten und zu fassen. An 2 Gymnasien (Wöhlerschule und Elisabethenschule) sind zur Zeit die Vorbereitungen für eine Umstellung zur Koedukation im Gange. Viele andere Projekte - wie z.B. die Neuorganisation des Instituts für Modeschaffen und die kollegiale Schulleitung an der Ernst-Reuter-Schule - sind verwirklicht.

„Aktion kleine Klasse"

Neben der Tatsache, daß die Stadt Frankfurt a.M. in den Jahren 1969 bis 1972 bereits als freiwillige Leistung die erforderlichen Mittel für die Erteilung von 200 städtischen Lehraufträgen zur Einrichtung von Stütz- und Förderkursen sowie zur Hausaufgabenbetreuung an verschiedenen Schulen im Etat jeweils bereitgestellt und dadurch den Schülern manche Hilfe gegeben hat, wurde im Sommer 1970 eine neue Werbeaktion unter dem Motto „Frankfurt sorgt für seine Schulanfänger" vom Schuldezernenten im Einvernehmen mit Magistrat und Stadtverordneten-Versammlung gestartet. Ziele dieser Sonderaktion waren vornehmlich, das Unterrichtspotential in den Grundschulen zu steigern und kleinere Klassen der Schulanfänger zu erreichen. Die in unkonventioneller Weise durchgeführten Werbemaßnahmen richteten sich

  • a) an Lehrkräfte, die zur Zeit nicht im Schuldienst tätig waren,
  • b) an Studierende des Fachbereichs „Erziehungswissenschaften",
  • c) an Fachkräfte mit sozialpädagogischer oder musischtechnischer Vorbildung.

Die Werbeaktion hatte großen Erfolg. Zur Zeit bestehen 411 Lehraufträge, und es wurden im Schuljahr 1972 von den zusätzlichen Lehrkräften durchschnittlich 3694 Wochenstunden erteilt.

Schulbusse

Der vor mehr als 10 Jahren von den städtischen Körperschaften als eine freiwillige Leistung der Stadt Frankfurt a.M. beschlossene Schulbusdienst für körperbehinderte Kinder hat sich von 3 Fahrzeugen des Jahres 1961 inzwischen auf 16 Schulbusse des Jahres 1972 erhöht. Es sind zur Zeit im Dienst:

  • 6 an der Heinrich-Steul-Schule (Sonderschule für Körperbehinderte),
  • 5 an der Albert-Griesinger-Schule (Sonderschule für Praktisch-Bildbare),
  • 3 an der Hermann-Herzog-Schule (Sonderschule für Sehbehinderte),
  • 2 an der August-Henze-Schule (Sonderschule für Sprach- und Hörbehinderte).

Ausländerkinder in Frankfurter Schulen

Seit dem 15.10.1969 war in 11 Monaten (Stichtag 17.9.1970) an 101 Frankfurter Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschulen ein Anstieg von 902 ausländischen Schülern zu verzeichnen. Das bedeutete bei 2544 Schülern des Vorjahres ein Anwachsen auf 3446 Schüler (= 35,4%). Eine Erhebung von 1971 ergab 3955 ausländische Schüler:

  • 1071 Italiener
  • 518 Jugoslawen
  • 740 Spanier
  • 492 Griechen
  • 719 Türken
  • 415 Sonstige

Rauschmittelfragen

Der immer stärker zu beobachtende Drogengebrauch bei Schülern gab dem Dezernenten für Schule und Sport Veranlassung, einen Schulaufsichtsbeamten im Rahmen seiner Referatsaufgaben mit diesem Problem zu betrauen. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen hat es sich ergeben, daß in zunehmenden Maße jüngere Schülerjahrgänge und desgleichen berufstätige Jugendliche gefährdet sind. Im gleichen Umfange wächst auch die Einsicht unter Eltern, Lehrern und den Schülern selbst, daß Präventivmaßnahmen durchgeführt werden müssen.

Schüleraustausch mit Israel, Partnerstädten u. a.

Durch Bewilligung entsprechender Haushaltsmittel konnte der unterbrochene Schüleraustausch zwischen Israel und Frankfurt im Jahre 1971 wieder aufgenommen werden. Im Auftrag und durch die Vermittlung des Israelischen Städteverbandes kamen im Juli 1971 30 israelische Jungen und Mädchen im Alter von 16/17 Jahren nach Frankfurt. Der Gegenbesuch der Schülerinnen und Schüler aus Frankfurt fand Ende Oktober 1971 in Israel statt. Alle Teilnehmer waren von der eigenen Schule unter Mitwirkung der Schülervertretung ausgewählt worden, und die Begleitung bestand aus drei Lehrkräften und einem Schulrat. Das Programm in Israel, vom Büro des Städteverbandes zusammengestellt, umfaßte Aufenthalte und Besuche in Tel Aviv, in Haifa, Nazareth, Tiberias, Jerusalem, Beer-Schewa.

Kindertagesstätten, Ferienspiele und Kinderplanet

Der Dezernent für Schule und Sport hat in der vom Stadtschulamt herausgegebenen Schrift „Vor der Schule — Kindergärten und Vorschulprojekte 1971" die pädagogische Zielsetzung für die Stufe der elementaren Bildung formuliert und mit Hinweis auf den Bildungsbericht der Bundesregierung betont, daß die Elementarerziehung zum ersten und wichtigsten Schritt in der Schulreform geworden ist. Es war daher naheliegend, daß der „Entwicklungsplan für die Kindergärten in Frankfurt a.M." fertiggestellt und dem Magistrat Anfang des Jahres 1970 vorgelegt wurde. Die Stadtverordneten-Versammlung hat dann am 15.4.1970 den entsprechenden Beschluß gefaßt (§1351) und in ihm Richtlinien verankert, wie z.B. die Bestimmung, daß neue Kindergärten grundsätzlich in enger Verbindung mit bestehenden oder geplanten Grundschulen zu errichten sind. Die Zahl der städtischen Kindertagesstätten hatte sich bis Anfang 1972 auf 93 Einrichtungen erhöht. Als besonders erfreulich ist festzustellen, daß im Jahre 1968/69 die Kindertagesstätte 89 an der Heinrich-Steul-Schule (Sonderschule für Körperbehinderte) und im Jahre 1969 die Kindertagesstätte 90 an der Albert-Griesinger-Schule (Sonderschule für Praktisch-Bildbare) eröffnet werden konnten. Somit betreibt das Stadtschulamt mit der seit Jahren bestehenden Kindertagesstätte für hörgeschädigte Kinder (Kindertagesstätte 64) nunmehr drei Sondereinrichtungen. Diese leisten hervorragende pädagogische Arbeit in Kooperation mit den Leitern der betreffenden Sonderschulen. Das bisher im Stadtgebiet Frankfurt a.M. nicht ausreichende Angebot an Kindergartenplätzen hat den Schuldezernenten Ende 1970 veranlaßt, ein Sonderprogramm für die Errichtung neuer Kindertagesstätten im Stadtgebiet zu erstellen. Magistrat und Stadtverordneten-Versammlung bewilligten die hierzu geschätzten Mittel in Höhe von 39 Mio. DM und das zum Betrieb erforderliche Personal. Durch vertragliche Regelungen mit gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaften wurde erreicht, daß die 28 neuen Kindertagesstätten unter Anwendung der Fertigbauweise im Laufe des Jahres 1972 fertiggestellt werden. Eine Kindertagesstätte in Seckbach/ Atzelberg kommt zu diesen 28 mit je 100 bis 110 Plätzen hinzu, so daß etwa 3000 neue Plätze zu den bisherigen 6500 städtischen Kindertagesstättenplätzen hinzukommen und die Stadt Frankfurt a.M. nach Abschluß dieser Aktion - zusammen mit den freigemeinnützigen Trägern - über 20000 Plätze in Kindertagesstätten verfügt, ein außerordentlicher Erfolg gemeinsamer Bemühungen.

Die Zahl der Ausländerkinder in den städtischen Kindertagesstätten steigt an. Anfang 1972 befanden sich in den Tagesstätten mehr als 750 ausländische Kinder der verschiedensten Nationen. Es sind dies zwar etwas mehr als 10% aller Kinder, die einen Platz haben, jedoch konnten die Aufnahmewünsche nicht immer erfüllt werden. Die Verteilung der Kinder auf die einzelnen Kindertagesstätten ist sehr unterschiedlich. Es gibt Schwerpunkte, wie Mainzer Landstr. oder Bahnhof/Wiesenhüttenplatz, die zum Teil mehr als 33% ausländische Kinder in die Kindertagesstätte aufgenommen haben. Von den 750 ausländischen Kindern sind zur Zeit 157 aus Jugoslawien, 156 aus Griechenland, 137 aus Spanien, 122 aus Italien, 97 aus der Türkei, 20 aus Persien, 15 aus Amerika, 5 aus Portugal und 4 aus Frankreich. Weitere Staaten - alphabetisch von Ägypten bis Ungarn - sind jeweils mit 1 bis 3 Kindern vertreten.

 
Neben den traditionellen und so unentbehrlichen Ferienspielen des Stadtschulamtes, bei denen alljährlich während der Schulferienzeit täglich mehr als 3000 Schulkinder unter Aufsicht und Verantwortung der Mitarbeiterinnen in die Schwimmbäder, auf Wald- oder sonstige Erholungsplätze fahren, wurde erstmals durch eine Sonderaktion des Stadtschulamtes in der Zeit vom 19.7. bis 6.8.1971 der „Kinderplanet" - ein Riesenspielplatz auf dem Messegelände - durchgeführt (Abb). Hierbei gab es ein vielseitiges Spiel- und Unterhaltungsangebot, so z.B. musisch-technische Spiele in der Festhalle, Bauen und Wasser auf dem großen Freigelände, Sport und Spiel sowie einen Bücherwagen in der Halle 3 und Filmvorführungen im Pavillon C des Messegeländes. Sonderveranstaltungen - wie Beatnachmittage, Singspiele, Tanz-, Sport- und Spielwettbewerbe - kamen hinzu. Insgesamt besuchten etwa 45000, d.h. täglich etwa 3000 Kinder und Jugendliche im Durchschnitt, den Kinderplaneten. Der Aufwand für dieses neuartige Spielangebot betrug an Personalkosten DM 95328,- an Sachkosten DM 88023,80 insgesamt DM 183351,80. Das Experiment ist zweifellos gelungen, der „Kinderplanet" war ein Erfolg. Die Veranstaltung fand nicht nur bei Kindern und Eltern, sondern - nach anfänglicher Zurückhaltung - auch bei Presse, Funk und Fernsehen ein beachtliches Interesse und ein positives Echo. Der „Kinderplanet 1971" hat gezeigt, daß in Großstädten für ein Spielangebot, das in seiner Zusammenstellung und Art auf die Bedürfnisse der Kinder nach repressionsfreiem Spiel zugeschnitten ist, noch ein echter Bedarf besteht. Er wurde daher in den Sommerferien 1972 - zwar in etwas abgewandelter Form und durch einen anderen Träger - wiederholt.

 

Wegscheide

Die Wegscheide leistet seit ihrem Bestehen einen wichtigen Beitrag bei der Erprobung neuer Lerninhalte und neuer schulischer Arbeitsformen; sie muß heute als ein Bestandteil der modernen, zukunftsweisenden Schule angesehen werden. Durch die fortschreitende Verbesserung der Unterkunftshäuser und Erweiterung des Angebots für Gemeinschaftsveranstaltungen, versucht die Wegscheide Schritt zu halten mit den schnell wachsenden Anforderungen unserer Zeit. Die Feier, die aus Anlaß des 50jährigen Bestehens der Wegscheide am 20.Juni 1970 in der neugebauten Simultankirche und im Dorfgemeinschaftshaus stattfand, kann als ein Höhepunkt in der Geschichte der Wegscheide angesehen werden. Die Belegungszahlen machen deutlich, daß immer mehr Schulen sich die Wegscheide für ihre wichtige Bildungsaufgabe nutzbar machen. Es waren auf der Wegscheide 1969 = 162 Schulklassen mit 5998 Kindern und Lehrern, 1970 = 171 Schulklassen mit 6250 Kindern und Lehrern, 1971 = 178 Schulklassen mit 6660 Kindern und Lehrern.

Amt für Ausbildungsförderung

Durch das 22. Gesetz zur Änderung des Grundgesetzes vom 12.5.1969 erhielt der Bund die Aufgabe, die Ausbildungsbeihilfe im Rahmen der konkurrierenden Gesetzgebung zu regeln. Dem Amt für Ausbildungsförderung obliegt die effektive Beratung der Auszubildenden und die Prüfung, ob und in welchem Umfang unter Berücksichtigung der einschlägigen Bestimmungen des Gesetzes Ausbildungsförderung geleistet wird {Förderungsfähige Ausbildung - Persönliche Voraussetzungen - Wirtschaftliche Voraussetzungen). Das Amt für Ausbildungsförderung trifft die zur Berechnung und Zahlbarmachung der Ausbildungsförderung erforderlichen Feststellungen und bereitet diese Feststellungen für die elektronische Datenverarbeitung ablochgerecht auf. Darüber hinaus hat das Amt für Ausbildungsförderung für Kooperation und Kommunikation Sorge zu tragen, so die Publikation der gesetzlichen Bestimmungen, Information der Ausbildungsstätten und der Auszubildenden, Kontakte zu anderen Dienststellen, die Erziehungs- und Ausbildungsbeihilfen gewähren, Verbindungen zu dem Landesamt für Ausbildungsförderung und dem Regierungspräsidenten. Bei dem Amt für Ausbildungsförderung in Frankfurt a.M. wurden bis 31.3.1972 etwa 2700 Anträge bearbeitet. Vom 1.7.1970 bis 31.3.1972 wurden zu Lasten des Bundes und des Landes Hessen (1.7.1970 bis 30.9.1971 Bund alleiniger Kostenträger, ab 1.10.1971 nach BAfÖG tragen der Bund 65% und die Länder 35% der Kosten) Ausbildungsförderungsleistungen in Höhe von insgesamt 3602370,- DM erbracht.

 
Quelle: Jahresberichte der Stadt Frankfurt 1945-72
frankfurt baut auf