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Berichtszeitraum: 1945-65
Aufgabe und Versorgungsgebiet
Die Stadtwerke versorgen die Frankfurter Bevölkerung
und Wirtschaft mit Wasser, Elektrizität und Wärme. Das
Wasserversorgungsgebiet umfaßt außer dem Stadtgebiet
Frankfurt am Main noch 10 Gemeinden und 2 Städte mit insgesamt
755000 Einwohnern. Weitere Städte und Gemeinden bemühen
sich um den Anschluß an das Frankfurter Wasserwerk, da in
diesen Räumen ungenügende Gewinnungsmöglichkeiten
bestehen. Mit Elektrizität und Wärme wird das Stadtgebiet
ohne Höchst und die westlichen Vororte mit einer Bevölkerungszahl
von 615000 versorgt. Die Stromversorgung von Höchst, Zeilsheim,
Unterliederbach, Sindlingen, Sossenheim und Nied erfolgt durch die
Main-Kraftwerke A.G., Ffm.Höchst.
In 20 Jahren, von 1945 bis 1965, hat sich im Versorgungsgebiet der
Stadtwerke der Wasserverbrauch mehr als verdoppelt, der Stromverbrauch
versiebenfacht und die Wärmelieferung verzehnfacht.
Wasserverbrauchsentwicklung in der Nachkriegszeit
Der normale Trend des Trinkwasserzuwachses ist
vor allen Dingen durch natürliche Bevölkerungszunahme,
industrielle Weiterentwicklung, Steigerung des Lebensstandards und
wachsende Anforderungen, an die Hygiene bedingt. Wie die nachfolgenden
Werte zeigen, stieg der Wasserbedarf in der Nachkriegszeit geradezu
sprunghaft an. Die Trinkwasserbeschaffung in der Zeitfolge von 6
Jahren betrug:
Zuwachs in 6 Jahren:
- 1946 = 43,19 Mio cbm
- 1952 = 45,90 Mio cbm = 2,71 Mio cbm = 6,3%
- 1958 = 54,66 Mio cbm = 8,76 Mio cbm = 19,1%
- 1964 = 78,85 Mio cbm = 24,19 Mio cbm = 44,3%
Auffallend ist bei dieser Zahlengegenüberstellung
der enorme Zuwachs von 1958 bis 1964 mit 24,19 Mio cbm, was einer
Zunahme von 44,3 v.H. entspricht.
Der lang anhaltende heiße Sommer 1964 hatte einen besonders
hohen Wasserverbrauch zur Folge, so daß der Zuwachs der Wasserbeschaffung,
trotz der hohen Zunahme von 8,0 Prozent im Jahre 1963, bei 7,0 v.H.
lag und der Jahreswert 1964 78,85 Mio cbm betragen hat. Damit mußten
die Stadtwerke Frankfurt am Main 1963 und 1964, also in 2 Jahren,
einen Bedarfszuwachs von über 10 Mio cbm Trinkwasser decken.
Die Wasserbeschaffung betrug:
- 1962= 68,4 Mio cbm, Zunahme gegen Vorjahr +
5,0 v.H.
- 1963 = 73,8 Mio cbm, Zunahme gegen Vorjahr +
8,0 v.H.
- 1964 = 78,8 Mio cbm, Zunahme gegen Vorjahr +
7,0 v.H.
Die hohe Wasserverbrauchszunahme der Jahre 1963
und 1964 gewinnt noch insofern an Bedeutung, als die Bevölkerung
in dieser Zeit nur um 6000 Einwohner zugenommen hat. Damit stieg
der Einheitsverbrauch, d.h. der mittlere Literverbrauch, im Wasserversorgungsgebiet
der Stadtwerke von 252 Liter je Einwohner und Tag im Jahre 1962
auf 287 Liter je Einwohner und Tag im Jahre 1964, was einer überaus
hohen Steigerung von 14 Prozent entspricht. Bis zum heißen
Sommer des Jahres 1959 rechnete man in Frankfurt am Main mit einer
normalen Verbrauchszunahme von jährlich 2 bis 3 v.H. Seit 1959
stellte sich jedoch eine weit über dem Normaltrend liegende
Verbrauchsentwicklung ein, die aus der damaligen Sicht nicht ohne
weiteres voraussehbar war.
Ausbau der Wassergewinnungsanlagen
Am Ende des 2.Weltkrieges war die Frankfurter Wasserversorgung
vollständig zusammengebrochen. Ungezählte Rohrbrüche
ließen die Wasserverluste gewaltig ansteigen, so daß
über 50% des gewonnenen Trinkwassers die Verbraucher nicht
erreichte. Die Schäden an den Gewinnungsanlagen wurden zunächst,
soweit Material und Arbeitskraft reichten, provisorisch behoben
und die Wasserverluste durch systematische Ausbesserung des Rohrnetzes
gesenkt.
Im relativ weniger beschädigten Norden der Stadt drängte
sich die Bevölkerung zusammen, so daß neue Wasserverbrauchsschwerpunkte
entstanden. Zur Verbesserung der Versorgungsverhältnisse wurde
am höchsten Punkt des Stadtgebietes, am Heiligenstock, in den
Jahren 1947-1949 ein neuer Trinkwasserbehälter mit einem Fassungsvermögen
von 10000 cbm Inhalt errichtet.
Auch die Gewinnungsanlagen mußten schon in den ersten Nachkriegsjahren
weiter ausgebaut werden, die neuen Pumpwerke Schwanheim und Mönchhof
zunächst provisorisch. Heute ist das Schwanheimer Wasserwerk
eines der besten Werke der Frankfurter Wasserversorgung. Im Jahre
1950 wurde mit dem Bau des Werkes Mönchhof begonnen. Dieses
Werk besteht neben dem Transformatorenhaus aus vier Großbrunnen.
Seit Anfang November 1964 ist das gesamte Pumpwerk Mönchhof,
Leistungsfähigkeit 21000 cbm/24 h, infolge einer starken Grundwasserverunreinigung
durch Kohlenwasserstoffe für die Frankfurter Wasserversorgung
ausgefallen. Die Förderung der verunreinigten Anlage wurde
nicht unterbrochen, um nach Möglichkeit die Ausbreitung in
dem bisherigen Wassereinzugsgebiet in Grenzen zu halten. Seit 24.November
1964 wird die gesamte Förderleistung der verunreinigten Mönchhofanlage
den Farbwerken Hoechst zur Verwendung als Brauchwasser zugeleitet.
- 1948/49 Pumpwerk Schwanheim: 14000 cbm/Tag
- 1950 Pumpwerk Mönchhof: 15000 cbm/Tag
- 1951/52 Pumpwerk Praunheim II: 7000 cbm/Tag
- 1952 Pumpwerk Hattersheim III/1: 7000 cbm/Tag
- 1953 Pumpwerk Hattersheim III/2: 9000 cbm/Tag
- 1953 Pumpwerk Praunheim III: 9000 cbm/Tag
- 1953/54 Pumpwerk Kaltenborn und Sauborn: 4000
cbm/Tag
- 1954 Bezugserweiterung Inheiden: 5000 cbm/Tag
- 1955 Pumpwerk Mönchhof, erweitert: 15000
cbm/Tag
- 1956 Pumpwerke Oberforsthaus und Griesheim,
erweitert: 4000 cbm/Tag
Bereits bis 1956 wurde somit die Leistungsfähigkeit
der Gewinnungsanlagen mit Hilfe dieser Werke um 80000 cbm/Tag auf
210000 cbm/Tag erhöht. 1958 und 1959 wurde in Ffm.-Niederrad
die Mainwasser-Aufbereitunganlage gebaut. Das dem Main entnommene
Flußwasser wird durch ein chemisch-technisches Verfahren (Accelatorverfahren)
chemisch und bakteriologisch einwandfrei aufbereitet und im Einzugsgebiet
der Stadt-Pumpwerke zur Grundwasseranreicherung versickert.
foto:Sandalo
Mainwasser-Aufbereitungsanlage
Niederrad, erbaut 1958/59
In der Nähe der Staustufe Griesheim, auf der
Südseite des Mains, sind 1959 bis 1961 mehrere Tiefbrunnen,
die pro Tag bis zu 30000 cbm ufernahes Grundwasser fördern,
gebohrt worden. Um bei der Wassergewinnung eine individuelle Leistungssteuerung
zu erreichen, wurde 1964 im Frankfurter Stadtwald mit der Errichtung
von Tiefbrunnen begonnen. Ferner ist es durch die Senkung des Grundwasserspiegels
eine technische Notwendigkeit geworden, die relativ vielen Saugbrunnen
der alten Stadtwaldpumpwerke durch einzelne Tiefbrunnen mit Unterwasserpumpen
zu ersetzen. 1964 wurde mit dem Ausbau in folgenden Pumpwerken begonnen:
- Hinkelstein, Nord: 2 Tiefbrunnen
- Hinkelstein, Süd: 2 Tiefbrunnen
- Goldstein, West: 2 Tiefbrunnen
- Schwanheim, Ost: 1 Tiefbrunnen
Ein weiterer Ausbau von Tiefbrunnen ist vorgesehen.
So werden im Endausbau im Werk Hinkelstein 12 Tiefbrunnen 74 alte
Einzelbrunnen ersetzen, so daß die Leistungsfähigkeit
im Spitzenbetrieb um das Mehrfache in dieser Anlage gesteigert werden
kann. In Zukunft sollen die Stadtwaldgewinnungsanlagen die Spitzenbedarfsdeckung,
die sich vorwiegend in den Sommermonaten einstellt, übernehmen.
Zur Verbesserung der Wasserqualität werden z.Zt. Aufbereitungsanlagen
in die Planung einbezogen.
Erweiterter Wasserbezug
In der Nachkriegszeit konnte der Wasserbezug aus
Inheiden ständig erhöht werden. Bis zum Jahre 1953 lag
der jährliche Bezug bei 7,5 Mio cbm; er betrug:
- 1955 = 9,4 Mio cbm; max. Tagesleistung 25000
cbm
- 1958 = 11,7 Mio cbm; max. Tagesleistung 30000
cbm
- 1964 = 20,1 Mio cbm; max. Tagesleistung 50000
cbm
Es ist beabsichtigt, die Wasserlieferung vom Zweckverband
Oberhessischer Versorgungsbetriebe in Zukunft stufenweise bis auf
eine Jahresmenge von ca. 40 Mio cbm zu erhöhen.
Zur Deckung des Spitzenbedarfs wurde bereits 1964 an einigen Sommertagen
Trinkwasser vom Gruppenwasserwerk Ried nach Frankfurt am Main eingespeist.
Da das Riedwasser stark eisenhaltig ist, mußte bis zur Inbetriebnahme
der provisorischen Aufbereitungsanlage die Wasserlieferung eingestellt
werden. Seit Anfang Dezember 1964 werden ununterbrochen von den
Tiefbrunnen bei Allmendfeld täglich bis zu 35000 cbm in das
Frankfurter Verteilernetz eingespeist. Bereits 1965 wird die vertragliche
Leistungssteigerung auf täglich 50000 cbm erhöht werden.
Die Länge der Transportleitung beträgt 33,5 km.
Das Kinzigprojekt
Die Stadt Frankfurt am Main ist Mitglied des neugegründeten
Wasserbeschaffungsverbandes Kinzig. Weitere Mitglieder sind die
Stadt Hanau am Main und die Landkreise Hanau, Gelnhausen und Schlüchtern.
Im Endausbau des Kinzigprojektes sollen jährlich über
50 Mio cbm Trinkwasser erschlossen werden. Nach einem Verteilerschlüssel
wird die Stadt Frankfurt am Main rd. 75% der geförderten Wassermenge,
das sind etwa 100000 cbm täglich, erhalten. 1964 wurde ein
geologisches Forschungsprogramm vorbereitet, das ab 1965 in der
Praxis durchgeführt werden soll. Die Vorplanung für die
Trassenführung der Kinzigwasserleitung ist bereits angelaufen,
so daß die Trasse im Gelände für die ca. 85 km lange
Leitung endgültig festgelegt werden kann.
Wasserspeicherung und
-verteilung
Ausgedehnte und verzweigte Rohrleitungssysteme
leiten das Wasser von den Gewinnungsanlagen zu den Abnehmern. Die
Gewinnungsstellen liegen bis zu 66 km vom Stadtkern entfernt (Vogelsberg
und Spessart). In Großtransportleitungen, mit einer lichten
Weite von 500 bis 900 mm, wird das Wasser vom Westen, Norden und
Osten in das Stadtzentrum geleitet und sowohl unmittelbar im Verbrauchsnetz
als auch in Hochbehältern gespeichert. Von den sieben Trinkwasserbehältern,
die ein gesamtes Speichervolumen von 105000 cbm fassen, wurden fünf
in der Nachkriegszeit errichtet. Die Hochbehälter dienen dem
Druckausgleich im Rohrnetz und sichern eine Wasserreserve für
Notfälle.
Der bereits 1948 am Heiligenstock gebaute Hochbehälter
Nord wurde nicht mehr wie die Behälter Sachsenhausen und Friedberger
Landstraße in mehrere Kammern unterteilt, sondern in sparsamster
Bauweise als Einkammerbehälter ausgeführt. Anstelle der
Kammerwände tragen einzelne Säulen die Deckenkonstruktion.
Sein Fassungsvermögen beträgt 10000 cbm. Auch in den letzten
Jahren erhöhte sich der Wohnschwerpunkt in den nördlichen
Stadtteilen.
Um die Druckverhältnisse zu verbessern, wurden 1961 und 1965
zwei Hochbehälter in der Gemarkung Eschborn mit einem Inhalt
von je 10000 cbm errichtet. Schließlich sind noch die im Jahre
1962 fertiggestellten Trinkwasserbehälter Nord II und Nord
III am Heiligenstock zu erwähnen, die das gleiche Fassungsvermögen
wie die Praunheimer Behälter besitzen und ebenfalls als Einkammerbehälter
im Rundbau ausgeführt wurden. Für die Wasserspeicherung
und das Rohrleitungsnetz wurden in der Nachkriegszeit ca. 60 Mio
DM investiert. Über 50 km Transportleitungen mit großem
Durchmesser wurden neu verlegt und die Leitungslänge des Verteilungsnetzes
von 860 auf 1085 km erhöht. Für die sichere Frankfurter
Wasserversorgung liegt im Erdreich ein gewaltiges Kapital unsichtbar
verborgen.
Strom- und Wärmeversorgung
Der Stromverbrauch Frankfurts steigt von Tag zu
Tag. Die Stadtwerke stellten für Industrie, Handwerk, Handel
und Haushalt folgende Tages-Strommenge bereit:
- 0,6 Mio kWh am 14.November 1945
- 1,3 Mio kWh am 21.Dezember 1950
- 2,0 Mio kWh am 14.Dezember 1955
- 3,0 Mio kWh am 8.Dezember 1960
- 4,6 Mio kWh am 15.Dezember 1964
Während im Jahre 1948 die Stadtnetzabgabe
der Frankfurter Stadtwerke 220 Mio kWh betrug, erreichte 1964 der
Vergleichswert 1107 Mio kWh. Die Stadtwerke sind damit "Kilowattstunden-Milliardär"
geworden. Diese schnelle Verbrauchszunahme kann keine andere Energieform
aufweisen. Während der Gesamtbedarf an Energie jährlich
nur um rd. 3% zunimmt, beträgt seit Jahrzehnten in bemerkenswerter
Gleichmäßigkeit die jährliche Stromzunahme 7 bis
8%. Bedingt durch den hohen Nachholbedarf konnten die Frankfurter
Stadtwerke sogar in den ersten Nachkriegsjahren im Durchschnitt
eine jährliche Steigerung von 11% verzeichnen. Die Aufwärtsentwicklung
in der Stromversorgung wird durch folgende Leistungs- und Wirtschaftszahlen
gekennzeichnet:
| Strombeschaffung |
1938 |
1945 |
1955 |
1964 |
| Eigenerzeugung, Mio kWh |
114 |
3 |
257 |
617 |
| Fremdbezug, Mio kWh |
70 |
144 |
298 |
539 |
| Gesamtstrom, Mio kWh |
184 |
147 |
555 |
1156 |
| versorgte Bevölkerung |
502000 |
355000 |
544000 |
610000 |
| |
|
|
|
|
| kWh-verbrauch je Einwohner und
Jahr |
366 |
414 |
1020 |
1895 |
| höchste Tagesbelastung, kW |
56000 |
39000 |
138000 |
284000 |
| Kabel- und Freileitungsnetz, km |
2180 |
2266 |
3162 |
5234 |
| eingebaute Zähler, St. |
199850 |
133300 |
203896 |
284150 |
| Stadtbeleuchtung |
1938 |
1945 |
1955 |
1964 |
| Anzahl Stromleuchten |
6100 |
180 |
11388 |
24242 |
| Anzahl Gasleuchten |
10900 |
- |
8465 |
11155 |
| Fernwärme |
1938 |
1945 |
1955 |
1964 |
| Wärme-Anschlußwert
Mio kcal/h |
31 |
20 |
83 |
198 |
Ausbau Kraftwerk West

Kraftwerk West in der Gutleutstrasse
231, Modellzeichnung von 1952
Die Kriegszerstörungen im Stadtgebiet haben
nicht nur Häuser und Fabriken betroffen, sondern auch die Anlagen
der Stromversorgung sehr schwer in Mitleidenschaft gezogen. Das
Kraftwerk in der Gutleutstraße war so stark beschädigt,
daß es fast ein Jahr lang keine Stromerzeugung aufnehmen konnte.
Der Stromverbrauch stieg aber nach dem Tiefpunkt von 1945 in einer
bis dahin unvorstellbaren Schnelligkeit an. Am 4.April 1952 erfolgte
die Grundsteinlegung für das Kraftwerk West und bereits ein
Jahr später die Inbetriebnahme des 1. Bauabschnittes. Der 4.
und letzte Bauabschnitt hat im Juli 1964 die Stromerzeugung aufgenommen.
Allein diese Blockeinheit ist in der Lage, jährlich 350 Mio
kWh elektrische Energie zu erzeugen. Entsprechend dem steigenden
Stromverbrauch erfolgte die Inbetriebnahme der 2. und 3. Baustufe
in den Jahren 1957 und 1961. Im Kraftwerk West, Gutleutstraße,
ist heute eine Kesseldampfleistung von rd. 800 t/h und eine Maschinenleistung
von 180000 kW installiert. Durch den Ausbau zu einem modernen Kraftwerk,
bei dem die kombinierte Kraft-Wärmeerzeugung weitgehend Berücksichtigung
fand, konnten die Erzeugungskosten je kWh wesentlich gesenkt werden.
So betrug z.B. der Kohleneinsatz je kWh im alten Kraftwerksteil
im Jahre 1952 noch über 0,7 kg; dagegen verbraucht das neue
Kraftwerk weniger als 0,4 kg Kohle je kWh. Die wirtschaftlichen
Neuanlagen führten also zu einer bedeutenden Verbesserung des
Gesamtwirkungsgrades im Kraftwerk.
Fernwärmeversorgung
Die ersten Nachkriegsjahre boten beim Wiederaufbau
der zerstörten Stadt eine günstige Gelegenheit für
die Verlegung von Fernheizanlagen. Bereits seit 1928 betreibt das
Frankfurter Kraftwerk ein vorwiegend aus den Anzapfungen der Turbinen
gespeistes Fernheiznetz. So war es nicht verwunderlich, daß
bei der Errichtung des neuen Kraftwerkes West die kombinierte Strom-Wärme-Erzeugung
in die Nachkriegs-Versorgungsplanung einbezogen wurde. Die Stadt
Frankfurt am Main umschließt größere Gebiete mit
hoher Wärmeverbrauchsdichte und erfüllt somit sehr gut
die Voraussetzungen für die energetisch und wirtschaftlich
vorteilhafte Anwendung des Heizkraftprinzips. Im Zuge dieses Programms
haben die Stadtwerke Frankfurt am Main zuerst das Heizkraftwerk
Stadtmitte (1953) und das Heizkraftwerk Leuschnerstraße (1963)
erstellt und diese beiden Werke mittels einer Hochdruckdampfleitung
mit dem Kraftwerk Gutleutstraße verbunden. Folgendes technisches
Versorgungssystem wurde gewählt: Der im Kraftwerk Gutleutstraße
erzeugte Dampf leistet in Vorschaltturbinen elektrische Arbeit und
wird nach seiner Entspannung auf 17 atü zum Heizkraftwerk Stadtmitte
bzw. Leuschnerstraße transportiert. Dort leistet er weitere
elektrische Arbeit bis zu seiner Entspannung auf etwa 2,5 atü.
Anschließend heizt er die umliegenden Stadtgebiete.
Die Nordweststadt ist Frankfurts neuer Stadtteil
ohne Schlote. Das neuerrichtete Heizkraftwerk Nordwest löst
gleich mehrere Probleme auf einmal. Es versorgt nicht nur die Trabantenstadt
mit Fernwärme, Warmwasser und Strom, sondern wird auch ab 1965/66
den Dampf aus der Müllverbrennungsanlage abnehmen, die ihren
Platz gleich neben dem Heizkraftwerk erhalten hat. Drei Heizwasser-Spitzenkessel,
die seit der Heizperiode 1962/63 in Betrieb sind, und zwei Kesselanlagen
übernehmen die Spitzendeckung, da der Dampf aus den Kesseln
der Müllverbrennungsanlage im Winter nicht ausreicht. Für
die Bereitung von Warmwasser gibt es in den Häusern Wärmeaustauscher,
die mit Heizwasser aus der Fernheizleitung beliefert werden. Aus
dem in Müllverbrennungsanlage und Heizkraftwerk erzeugten Dampf
sollen im Endausbau 80 Mio kWh erzeugt werden. Das im Bau befindliche
Heizkraftwerk und Fernheiznetz Niederrad soll die künftige
Bürostadt Niederrad und weitere Siedlungsgebiete in Sachsenhausen,
Goldstein, Schwanheim und Nied mit Fernwärme beliefern. Der
Trend zur Städteheizung wird in Zukunft noch größer
werden. Die Lieferung von Fernwärme ist damit eine echte kommunalpolitische
Versorgungsaufgabe geworden.
Strombezug von der Preußischen Elektrizitäts-AG
Die Bereitstellung der betriebsnotwendigen Reserve
und die Belieferung der Stadt mit Strom aus zwei voneinander unabhängigen
Energiequellen (Eigenes Werk in der Gutleutstraße und Kraftwerke
der Preußenelektra im nordhessischen Raum) waren die Gründe
der Zusammenarbeit ab 1925 zwischen den Stadtwerken und der Preußenelektra.
Die Stadtwerke Frankfurt am Main haben sich in einem 1951 abgeschlossenen
neuen Stromlieferungsvertrag mit der Preußenelektra zu einem
50% igen Anteil der Verbundnetzlieferung entschlossen. Dieser Stromanteil
aus dem Verbundnetz brachte beiden Vertragspartnern erhebliche Vorteile.
Mit dem verhältnismäßig großen Anteil des
Verbundnetzes an der Frankfurter Stromversorgung wurden 4 voneinander
unabhängige Fremdstromübergabewerke geschaffen. Dieses
System der dezentralisierten Verbundnetz- und Eigenversorgung erhöhte
die Sicherheit der Stromversorgung in Frankfurt am Main ganz wesentlich.
Stromverteilungsnetz
Bei der Stromversorgung ist die Fortleitung und
Verteilung der Elektrizität von ebenso großer Bedeutung
wie die Stromerzeugung. Die für Netze und Verteilungsanlagen
investierten Beträge sind etwa doppelt so hoch wie die der
Erzeugungsanlagen. Zu Beginn der Frankfurter Stromversorgung wurde
das Hauptverteilungsnetz zunächst mit 3000 Volt-Spannung betrieben
und später auf 5000 Volt umgestellt. In den 30er Jahren mußte
bereits ein Netz mit 30000 Volt überlagert werden. Seit 1962
wird die Hauptverteilungsspannung schrittweise auf 110000 Volt erhöht.
Die erste 110000 Volt-Leitung zwischen den Umspannwerken Kruppstraße
und Gutleutstraße wurde im Herbst 1962 in Betrieb genommen
und ein Jahr später bereits eine 110 kV-Doppelkabelverbindung
vom 220/110 kV-Preag-Umspannwerk Berger Warte über das neue
Umspannwerk Hochstraße nach dem Kraftwerk Gutleutstraße
fertiggestellt. Die Planungen laufen darauf hinaus, daß bis
1970 ein 110 kV-Nord- und Südring ausgebaut wird. Die elektrische
Energie, die über mehrere 5000- bzw. 10000 Volt-Kabel das Großumspannwerk
verläßt, fließt dann zu den Netzumspannanlagen
(im Frankfurter Netz = 1400 Anlagen), in denen die Hochspannung
auf die Niederspannung herabgesetzt wird. Das Niederspannungsnetz
ist durch die an den Straßenkreuzungen errichteten Kabelverteiler
zu mehreren Maschennetzen zusammengeschaltet. Nach dem Kriege sorgte
der gewaltige Anstieg des Stromverbrauchs dafür, daß
es im gesamten Niederspannungsnetz überhaupt keine Stelle mehr
gab, die nicht einer vollständigen Erneuerung und Verstärkung
bedurft hatte. In den Jahren 1954 und 1955 wurde im wesentlichen
das neue Netz verlegt. Heute erst verdienen die Kabelstrecken die
Bezeichnung Netz wirklich, denn beide Netze, das Mittelspannungsnetz
und das Niederspannungsnetz, wurden als Maschennetz ausgebaut. Alle
Kabel greifen wie die Maschen eines Netzes ringförmig ineinander,
so daß jede Stelle bei Störungen von zwei Seiten her
mit Strom gespeist werden kann. Im ausgebauten Netz hat jeder Abnehmer
nunmehr eine Anschlußmöglichkeit an 220-Volt-Wechselstrom
und gleichzeitig auch an 380-Volt-Drehstrom. In der Zeit von 1954
bis 1961 wurden 155 Mio DM für die im großen Maße
durchgeführte Drehstromumstellung und für den verstärkten
Ausbau des Kabelnetzes investiert.
Investitionen der Stadtwerke
Für den Wiederaufbau und die Sicherstellung
der Versorgung im gesamten Stadtgebiet mußten auf dem Investitionssektor
- sieht man von den wenigen Erweiterungen bzw. Erneuerungen im R-Mark-Zeitraum
in Höhe von rd. RM 3,8 Mio ab - in den Jahren von der Währungsreform
bis 1964 insgesamt rd. 574 Mio DM bereitgestellt werden. Sie verteilen
sich auf die einzelnen Betriebszweige wie folgt (in DM):
Wasserversorgung:
- a) Gewinnung und Bezug 22729000,-
- b) Speicherung 8451000,-
- c) Verteilung 52664000,-
- d) Sonstiges 6904000 ,-
Strom- und Wärmeversorgung:
- a) Erzeugung und Bezug 152946000,-
- b) Fernheizung 48084000,-
- c) Umspannung, Umformung etc. 72769000,-
- d) Verteilung 195502000,-
- e) Sonstiges 7831000,-
Werbung 1963
Berichtszeitraum: 1965-68
Ein Unternehmen wandelt sein Gesicht
Als die Frankfurter Stadtverordneten am 21.Oktober
1965 den Magistrat beauftragten, die beiden Eigenbetriebe Stadtwerke
und Straßenbahn bis zum 31.Dezember 1965 zu einem gemeinsamen
Eigenbetrieb zusammenzufassen, verfolgten sie damit zwei Ziele:
Einerseits die Einsparung erheblicher Steuerabgaben durch die Verrechnung
der Gewinne aus dem Versorgungsbereich mit den Verlusten des Verkehrsbetriebes,
andererseits eine Straffung und Rationalisierung der inneren Organisation
beider Eigenbetriebe. Mit diesem Zusammenschluß wurde außerdem
- ganz unter der Hand - das größte kommunale Verbundunternehmen
Hessens aus der Taufe gehoben, denn die neuen Stadtwerke sind nach
der Bilanzsumme (1967 : 712,9 Mio DM) mit an die vorderste Stelle
der in Frankfurt ansässigen Großunternehmen der Industrie
gerückt.
Formell beschlossen wurde die Zusammenfassung beider Eigenbetriebe
durch die Stadtverordneten auf eine Vorlage des Magistrats am 16.Dezember
1965. Vollzogen wurde der Zusammenschluß mit Wirkung vom 1.Januar
1966. Zug um Zug wandelten die Stadtwerke ihr organisatorisches
Gesicht, denn die formelle Zusammenlegung verlangte eine neue innere
und äußere Gestaltung. Am 1.April 1966 wurde eine neue
Betriebssatzung in Kraft gesetzt. An die Spitze des Unternehmens
trat eine fünfköpfige Betriebsleitung - bestehend aus
dem Ersten Betriebsleiter (dem als hauptamtlicher Stadtrat im Magistrat
das Dezernat "Stadtwerke und Verkehr" untersteht, dem
stellvertretenden 1. Betriebsleiter (der zugleich kaufmännischer
Betriebsleiter ist) und den technischen Betriebsleitern der drei
Betriebszweige "Strom und Fernwärme", "Wasser"
sowie "Verkehr".
Unternehmerische Führung
Die Betriebssatzung und die auf ihr beruhende Geschäftsordnung
für die Betriebsleitung sind die wesentlichsten Fundamente
der seither eingetretenen Hinwendung zu unternehmerischen Prinzipien
in der Führung der Stadtwerke. Die Eigenverantwortlichkeit
der Betriebsleitung ist klar festgelegt; die Grenzen ihrer selbständigen
Entscheidungskompetenzen sind weit gezogen. Das gibt der Betriebsleitung
die dringend notwendige Bewegungsfreiheit. Sie ist in der Lage,
in den weitaus meisten Fällen finanzielle und wirtschaftliche
Entscheidungen zu treffen. Für einen eng begrenzten Kreis wichtiger
Angelegenheiten ist die Betriebskommission zuständig. Ihr gehören
Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung sowie
vom Magistrat vor allem aus Wirtschaftskreisen berufene sachkundige
Bürger an. Entscheidungen von grundsätzlicher Bedeutung,
wie etwa allgemeine Tarifänderungen oder die Aufnahme von Darlehen
sind nach dem hessischen Eigenbetriebsgesetz der Stadtverordnetenversammlung
vorbehalten.
Kaufleute unter einem Hut
Ein gravierender Wandel der Unternehmensstruktur
hat sich durch die Integration aller nichttechnischen Aufgaben vollzogen.
Im "kaufmännischen Bereich" werden alle wirtschaftlichen,
finanziellen, organisatorischen und personellen Entscheidungen getroffen
oder für die Beschlüsse der Betriebsleiter vorbereitet.
Vor der Zusammenfassung der beiden Eigenbetriebe zu einem Eigenbetrieb
besaß selbstverständlich die Straßenbahn ihre eigene
Verwaltung, aufgegliedert in eine Verwaltungs-Hauptabteilung, eine
kaufmännisch-wirtschaftliche Hauptabteilung und eine Unfall-
und Rechtsabteilung. Bei den Stadtwerken alter Prägung hatte
man bis dahin noch nicht einmal die gesamte Verwaltung zusammengefaßt.
Zwar gab es auch eine "Verwaltung"; doch umfaßte
diese beileibe nicht alles, was man unter diesem Begriff versteht.
Gleichrangig waren die "Betriebswirtschaft" (nur durch
Personalunion der beiden Chefstellen miteinander verbunden) und
der "Hebedienst für Elektrizität, Gas und Wasser".
Zudem unterhielt das Kraftwerk vier Geschäftsstellen, von denen
drei unter anderem auch Personalangelegenheiten bearbeiteten und
Aufgaben im Rechnungswesen erledigten. Nur zwei Brücken waren
zwischen dem Versorgungsbetrieb Stadtwerke am Dominikanerplatz und
dem Verkehrsbetrieb Straßenbahn am Rathenauplatz geschlagen:
Beide Betriebe unterstanden dem gleichen Dezernenten und für
beide Betriebe war ein gemeinsamer Jurist zuständig. Die Betriebszweige
"Strom und Fernwärme", "Wasser" sowie "Verkehr"
haben alle nicht rein technischen Aufgaben an den "kaufmännischen
Bereich" abgegeben. Statt mehrerer Personalabteilungen und
Personalstellen gibt es nur noch eine. Gleiches gilt für die
Lohn- und Gehaltsbuchhaltung, die Finanzbuchhaltung, die Rechnungsführung,
die Materialbuchhaltung, die Betriebsabrechnung und viele andere
kaufmännische Aufgaben.
An der Spitze des heute auf den Gesamtbetrieb einwirkenden "kaufmännischen
Bereichs" steht der kaufmännische Betriebsleiter, der
gleichzeitig stellvertretender Erster Betriebsleiter ist. Wegen
der vielfältigen kaufmännischen Aufgaben wurde die Institution
des ständigen stellvertretenden kaufmännischen Betriebsleiters
geschaffen. Die Stelle wird in Personalunion mit dem Leitenden Büro
des Ersten Betriebsleiters und Dezernenten wahrgenommen. Durch diese
enge Verflechtung des Dezernats mit der Betriebsleitung ist eine
intensive Verbindung und gezielte Einflußnahme und damit eine
rationelle Koordinierung der unterschiedlichen Aufgabenbereiche
der verschiedenen Zweige des Gesamtunternehmens und des Dezernats
gewährleistet.
Ein potenter Käufer
Besonders spürbare Vorteile ergeben sich durch
die Zusammenfassung beider Eigenbetriebe für das Beschaffungswesen.
Viele gleichermaßen vom Versorgungs- und Verkehrszweig benötigte
Materialien können gemeinsam und deshalb zu günstigeren
Bedingungen beschafft werden. Der Kunde "Stadtwerke" ist
für die Lieferfirma interessanter geworden als es die beiden
früher getrennten Eigenbetriebe sein konnten. Das wirkt sich
nicht nur in finanzieller Hinsicht vorteilhaft aus, sondern auch
in Bezug auf die häufig für Vorhaben des Unternehmens
ausschlaggebenden Lieferfristen. Vor allem auch ist die Beziehung
zu nur einem Geschäftspartner von nicht geringerem Vorteil
sowohl für den Kunden als auch den Lieferanten.
Elektronik hilft sparen
Seit 1928 bereits verfügen die Stadtwerke
über eine Lochkartenanlage. 1964 wurde sie von einer elektronischen
Datenverarbeitungsanlage des Typs 1401 abgelöst. Im September
1968 gehen die Stadtwerke zu einer elektronischen Datenverarbeitungsanlage
des Modells IBM 360/40 über. Sie bedienen sich damit des modernsten
Entwicklungsstandes der Elektronik auf diesem Gebiet. Eine besondere
Organisationsgruppe ist damit beschäftigt, den gesamten Betrieb
von Grund auf zu durchleuchten, sowohl den kaufmännischen Bereich
wie auch die drei technischen Betriebszweige. Ihre Aufgabe ist es,
den jeweils zweckmäßigsten Betriebsablauf zu erforschen
und etwaige unnötige und vermeidbare Zweigleisigkeiten aufzudecken
und abzustellen. Diese Umorganisation eines so großen Betriebes
wie die Stadtwerke wird mehrere Jahre in Anspruch nehmen, bis der
optimale Rationalisierungserfolg erreicht ist.
Anreiz durch Preisvorteile
Straffere, zweckmäßigere Organisation
einerseits und größere Entscheidungsfreiheit der Betriebsleitung
andererseits erlauben den Stadtwerken auch eine beweglichere Geschäftspolitik.
Ein Beispiel dafür sind die Anstrengungen um eine Steigerung
des Stromverbrauchs in den absatzschwachen Zeiten - oder anders
ausgedrückt: die intensive Werbung für die Nachtstromspeicherheizung.
Ab 1.Juli 1968 haben die Stadtwerke für Nachtstrombezieher
(22 Uhr bis 6 Uhr früh), sofern sie ein fest angeschlossenes
Wärmespeicher-Raumheizgerät mit einem Anschlußwert
von mindestens 3,6 kW betreiben, den Preis für 1 kWh von 3,6
auf 3,4 Pfennig gesenkt. Nachtstrombezieher mit kleineren Wärmespeichern
beziehen die Kilowattstunde für 4,6 Pfennig. Der günstige
Nachtstromtarif bringt sowohl dem Kunden als auch den Stadtwerken
Gewinn; dem Kunden in Form einer preisgünstigen Wärmequelle,
den Stadtwerken durch die erhöhte Nachtstromabgabe und die
Verringerung des kostspieligen nächtlichen Abnahmetiefs. Die
Zunahme allein der Anzahl der festangeschlossenen elektrischen Heizgeräte
mit einem Anschlußwert über 3,6 kW von knapp 1700 auf
rd. 3850 Anfang 1968 spricht für sich. Dabei steht man hier
erst am Anfang einer Entwicklung, die durch eine intensive Beratung
und Aufklärung der Bevölkerung durch die "Kundendienstabteilung"
noch gefördert wird.
Mehr mit eigener Kraft
Der größte Teil Frankfurts wird von
den Stadtwerken mit elektrischer Energie beliefert. Lediglich für
die westlichen Vororte haben sie einen Partner, die Main-Kraftwerke
AG, dem das Leitungsnetz bis 1975 verpachtet wurde. An dem Aktienkapital
dieses Partners ist die Stadt Frankfurt mit 9,79% beteiligt. Für
den von ihm betreuten Teil des Stadtgebietes gelten vertragsgemäß
die Tarife der Stadtwerke. Die nun folgenden Zahlen beziehen sich
nur auf das Versorgungsgebiet der Stadtwerke.
Nach wie vor weist der Strombedarf eine steigende Tendenz auf, auch
wenn sie nicht mehr so imponierend ist wie in früheren Jahren,
als Steigerungen von zehn und mehr Prozent keine Seltenheit waren.
Im Jahre 1965 erreichte man gegenüber dem Vorjahr immerhin
noch eine Steigerung der nutzbaren Stromabgabe um 6,8 Prozent. Sie
reichte aus, um "Kilowattstundenmilliardär" zu werden.
Die Zuwachsraten betrugen dann 1966 noch 4,9 Prozent und 1967 schließlich
4,7 Prozent. Nutzbar abgegeben wurden in dem zuletzt genannten Jahr
etwas über 1,2 Milliarden kWh.
Derweilen sind die Stadtwerke dabei, ihre Eigenerzeugung zu steigern.
Das Heizkraftwerk in der Nordweststadt heizt nicht nur Tausende
von Wohnungen, es gewann auch zunehmend an Bedeutung für die
Stromversorgung der Stadt. Seine Stromerzeugung stieg von rd. 21
Mio kWh im Jahre 1964 auf etwa das Fünffache im Jahre 1967,
nämlich auf rd. 105 Mio kWh. Noch nachhaltiger wird sich das
neue Heizkraftwerk in Niederrad auf die Frankfurter Stromversorgung
auswirken. Obwohl seine mit einem Aufwand von rd. 63 Mio DM errichtete
erste Ausbaustufe erst im Oktober 1967 ihren Betrieb aufnahm, steuerte
sie zur Strombilanz dieses Jahres bereits knapp 38 Mio kWh bei.
In den ersten siebziger Jahren soll die Kapazität von 62 MW
um abermals 62 MW erweitert werden. Niederrad wäre dann in
der Lage, jährlich rd. 600 Mio kWh zu liefern, nahezu die Hälfte
des Jahresbedarfs 1967 im Versorgungsgebiet der Stadtwerke.
Unter solchen Umständen wird sich das Verhältnis von Eigenerzeugung
zu Fremdstrombezug auch bei steigendem Strombedarf nicht zu Gunsten
des Fremdstrombezugs verschieben. Die Stadtwerke haben schon jetzt
mächtig aufgeholt. Während im Jahre 1964 noch fast 47%
von dritter Seite bezogen werden mußten, waren es im Jahre
1967 nur noch annähernd 33%
Mit 110 kV in die Stadtteile
Neben der Steigerung der Eigenerzeugung stellt
die Verstärkung des Verteilungsnetzes einen Investitionsschwerpunkt
dar. Bisher wurde elektrische Energie mit einer Spannung von 30000
Volt in die verschiedenen Stadtbezirke geleitet, wo sie dann auf
10 kV transformiert und weitergeleitet wird, bis in nächster
Nähe der Abnehmer die endgültige Umspannung auf 0,4 kV
Niederspannung erfolgt. Seit dem Jahre 1962 sind die Stadtwerke
dabei, das gesamte Versorgungsgebiet mit einem Netz von 110000 Volt-Kabeln
zu versehen. Großumspannwerke sind die sichtbaren Zeichen
dieser Entwicklung. Zum Jahreswechsel 1967/68 waren bereits 41,8
Kilometer dieser neuen 110 kV-Kabel verlegt und sechs dieser Groß-Umspannwerke
errichtet - in der Kruppstraße, in der Gutleutstraße,
in der Hochstraße (hier mit der größten Leistung
von allen und Baukosten von 20 Mio DM), am Osthafenplatz, in der
Goldsteinstraße und in der Gräfstraße. Weitere
große Umspannanlagen entstehen in den nächsten Jahren
für rd. 6 Mio DM an der Darmstädter Landstraße,
am Platz der Republik, am Marbachweg und am Heideplatz. Diese neuen
Umspannwerke werden mit den erwähnten 110000-Volt-Kabeln verbunden.
Strom für die Stadtbahn
Die Stadtwerke sind übrigens sich selbst ein
guter Kunde - und zwar bezieht der technische Betriebszweig "Verkehr"
selbstverständlich seinen Strom vom technischen Betriebszweig
"Strom und Fernwärme". Das waren beispielsweise im
Jahre 1967 rd. 43 Mio kWh oder 3,5% der gesamten nutzbaren Stromabgabe.
Für den Bedarf der Straßenbahn müssen besondere
Gleichrichterwerke betrieben werden, denn die Züge werden mit
Gleichstrom betrieben. Daran wird sich auch beim Übergang zur
Stadtbahn nichts ändern. Jedoch haben die neuen tunnelgängigen
nur mit Triebwagen zusammengestellten Züge eine wesentlich
größere Stromaufnahme als die gebräuchlichen Straßenbahnzüge,
die aus einem Triebwagen und angehängten Beiwagen bestehen.
Das bedingt nicht nur stärkere Fahrleitungen über den
Gleisstrecken, sondern gewissermaßen im Vorfeld auch leistungsfähigere
Gleichrichterwerke. Die neuen Gleichrichterwerke allein an den beiden
Taunusstrecken der Stadtbahn von Niederursel bis Hohemark und von
der Stadtgrenze bei Bonames bis Bad Homburg schlagen mit 9,8 Mio
DM zu Buche.
Maschinensaal eines Kraftwerkes
Voll unter Dampf
Fernwärmeversorgung wird in Frankfurt bereits
seit 1928 betrieben. Doch waren es in der Regel Großabnehmer
in der Innenstadt, die sich mit Wärme beliefern ließen.
Erst mit den Heizkraftwerken Nordweststadt und Niederrad wurden
ausgedehnte Wohngebiete in die Fernwärmeversorgung einbezogen.
Fünf Werke geben jetzt in Frankfurt Fernwärme in Form
von Dampf oder Heizwasser ab - 1967 betrug der Verbrauch insgesamt
rd. 610000 Gcal (= Gigakalorie = 1 Milliarde Kalorien). Davon lieferte
das Werk Nordweststadt an rd. 6000 Wohnungen etwas mehr als ein
Fünftel und das Werk Niederrad an 3500 Wohnungen etwa ein Neuntel.
Das Werk Gutleutstraße allein lieferte ca. die gleiche Menge
Wärmekalorien wie die beiden vorgenannten Heizkraftwerke zusammen
bei nur 33 Großabnehmern. Derweilen wächst dem Heizkraftwerk
Niederrad ein Großabnehmer für Fernwärme zu: der
Flughafen, für dessen neue Empfangshalle West und andere jetzt
entstehende Gebäudekomplexe und Anlagen Heizwasser aus der
Ferne bezogen werden wird. Acht Kilometer ist das Heizkraftwerk
Niederrad davon entfernt, und für eine dem Bedarf adäquate
Warmwasserleitung von dieser Länge haben die Stadtwerke 21
Mio DM bereitgestellt. Baukostenzuschüsse der neuen Kunden
erleichtern den Werken diese Investition.
Die Konkurrenz im Haus
Auf dem Heizmarkt sind Strom, Fernwärme, Öl,
Kohle und Gas Konkurrenten. Seit neuestem wird in Frankfurt auch
der Müll zu einer Energiequelle. In der Verbrennungsanlage
in der Nordweststadt sorgt er für Wärmeenergie, die teilweise
auch als Fernwärme an die erwähnten rd. 6000 Wohnungen
weitergegeben wird. In den Kraft- und Heizkraftwerken Frankfurts
wird die Energie der Kohle und des Öls in Strom und Fernwärme
umgesetzt - und bald wird sich das Erdgas zu ihnen gesellen.
Das Heizkraftwerk Niederrad ist so eingerichtet, daß es sowohl
mit Schweröl wie auch mit Erdgas betrieben werden kann. Erdgas
wird der Regel -Brennstoff in Niederrad werden. Sobald Erdgaslieferungen
aus Holland in Frankfurt eintreffen, werden annähernd 80% des
jährlichen Brennstoffbedarfs des Heizkraftwerks mit Erdgas
gedeckt werden und nur noch wenig mehr als 30% mit Schweröl.
Zur Zeit wird das Werk Niederrad noch ausschließlich mit Öl
betrieben.
Die Rechnung ist einfach: Der Gaslieferant, die Main-Gaswerke AG,
ist in verbrauchsschwachen Zeiten an einem guten Abnehmer interessiert,
der ihm hilft, die Transportleitung aus Holland besser auszunutzen
und damit eine höhere Wirtschaftlichkeit zu erzielen. Der gleiche
gute Abnehmer aber wird zum Sorgenkind, wenn die Gasnachfrage der
vielen Haushalte und Gewerbebetriebe sprunghaft, z.B. bei einer
Kältewelle ansteigt. Ein beweglicher Großkunde, der -
wie das Heizkraftwerk Niederrad - jederzeit auf seine Ölreserven
überschwenken kann, also große Gasmengen nur dann in
Anspruch nimmt, wenn ohnehin in reichem Maße Gas bereitsteht,
kann auch einen relativ günstigen Einkaufspreis erzielen.
Wasser aus weiter Ferne
Ist beim Strom die Verstärkung der Eigenerzeugung
eines der hervorstechendsten Merkmale der Betriebsentwicklung, so
schlagen die Stadtwerke bei ihrem technischen Betriebszweig "Wasser"
genau den umgekehrten Weg ein. Mit einer stets verläßlichen
Eigengewinnung kann nicht immer gerechnet werden. Durch Grundwasserverschmutzung
kann über Nacht ein bisher ertragreiches Pumpwerk für
die Trinkwasserversorgung ausfallen - wie etwa im Jahre 1964 das
erst in den fünfziger Jahren gebaute Pumpwerk Mönchhof,
das zuletzt 21000 cbm Wasser pro Tag förderte. Sein Wasser
war nur noch für industrielle Zwecke zu gebrauchen. Es fand
in den Farbwerken Hoechst AG Verwendung, die schließlich am
1.August 1966 das Pumpwerk Mönchhof übernahmen und in
eigener Regie weiterführen.
Zwei Jahre nach dem Auftreten der Wasserverschmutzung
im Werk Mönchhof ereilte das Werk Hattersheim I das gleiche
Schicksal. Am 27.Oktober 1966 wurde es stillgelegt. Bis dahin hatte
es täglich bis zu 36000 cbm zur Trinkwasserversorgung beisteuern
können. Erst im Oktober 1967 konnten einige Hattersheimer Brunnen
wieder ihren Betrieb aufnehmen, nachdem durch kostspielige Maßnahmen
das verschmutzte Grundwasser verdrängt und durch Abschöpfbrunnen
beseitigt worden war. Ob diese Maßnahmen bei der zu erwartenden
Zunahme der Verschmutzungen auf die Dauer Erfolg haben wird, ist
zumindest fraglich. An beiden Beispielen wird deutlich, wieviel
sicherer es ist, Trinkwasser über weite Strecken aus kaum besiedelten
Gebieten herbeizuholen, als sich auf Wasservorkommen im Großstadtbereich
zu verlassen, die jeder undicht werdende Öltank verderben kann.
Deshalb ist die Richtung der Frankfurter Wasserpolitik energisch
und zielstrebig geändert worden. Im Jahre 1964 betrug der Fremdbezug
nur 26 Prozent der Gesamtdarbietung an Trinkwasser; 1967 waren es
bereits 54 Prozent. Diese Tendenz ist weiter steigend.
Verträge mit Lieferanten
Schon seit dem Jahre 1909 bezieht Frankfurt am
Main Trinkwasser aus dem Raume Inheiden in Oberhessen. Lieferant
ist der Zweckverband Oberhessischer Versorgungsbetriebe. Am 20.
November 1967 hat dieser Zweckverband eine zweite 45 Kilometer lange
Fernleitung nach Frankfurt in Betrieb genommen. Er will seine Jahreslieferung
zunächst auf 30 Mio cbm und ab 1970 sogar auf 40 Mio cbm steigern.
Der zweite Großlieferant ist jüngeren Datums. Seit Dezember
1964 fließt ständig Wasser aus dem Raum Groß-Gerau
im hessischen Ried über eine 33,5 km lange Fernleitung nach
Frankfurt. Auch die Riedgruppe Ost speist ab Herbst 1968 Trinkwasser
in die gleiche Fernleitung ein. So kamen 1967 durch die Riedleitung
19 Mio cbm in Frankfurt an - oder nahezu 26 Prozent der Gesamtdarbietung
an Trinkwasser. Ab Oktober 1968 wird auch das Wasserwerk Jägersburger
Wald im Kreis Bergstraße in Betrieb genommen, das dann täglich
26000 cbm nach Frankfurt am Main und weitere 20000 cbm täglich
nach Wiesbaden liefern wird.
Gespeicherte Sicherheit
Ein wesentlicher Sicherheitsfaktor für die
Trinkwasserversorgung sind die Speicheranlagen. Zu Beginn des Jahres
1965 standen den Stadtwerken sieben Trinkwasserbehälter mit
einem Fassungsvermögen von zusammen 95000 cbm zur Verfügung.
Mit der Inbetriebnahme von 2 weiteren Behältern im Jahre 1966
sind die Speichermöglichkeiten auf 115000 cbm angewachsen,
und das bei einem mittleren Tagesverbrauch im Jahre 1967 von 203000
cbm und einem Tageshöchstverbrauch von 264000 cbm.
Nachbarn mit am Netz
Die Stadtwerke versorgen nicht nur das gesamte
Frankfurter Stadtgebiet mit Wasser. Zahlreiche Gemeinden der näheren
und weiteren Umgebung werden ebenfalls aus dem Frankfurter Wassernetz
versorgt, darunter Bad Schwalbach, Bad Soden, Bischofsheim, Dörnigheim,
Eddersheim, Eschborn, Flörsheim, Hattersheim, Kalbach, Kelsterbach,
Okriftel und Sulzbach sowie der Wasserverband Vordertaunus, dem
sechs Gemeinden angeschlossen sind. Damit betreuen die Stadtwerke
ein Gebiet, in dem rd. 770000 Einwohner leben. Auch im Bereich der
Wasserversorgung stieg in der Nachkriegszeit die Verbrauchskurve
zunächst steil an. Die zeitgemäße Ausstattung der
Wohnungen mit wasserverbrauchenden Einrichtungen vom Bad bis zur
Waschmaschine förderte diese Tendenz. Der inzwischen auf diesem
Gebiet erreichte Sättigungsgrad stabilisierte auch - abgesehen
von jahreszeitlich bedingten Schwankungen - das Maß des Wasserverbrauchs.
Die nutzbare Wasserabgabe hat sich nach dem Ergebnis der letzten
drei Jahre auf durchschnittlich 68,5 Mio cbm jährlich eingependelt.
Verkehr im Umbruch
Der jüngste Zweig der Stadtwerke, der technische
Betriebszweig "Verkehr", arbeitete schon seit Jahren auf
den "Tag X" hin, den Tag der Betriebsaufnahme der Stadtbahn.
Am 4.Oktober 1968 war es soweit. An diesem Tage wurde die erste
Stadtbahnlinie eröffnet. Sie verbindet die Hauptwache im Herzen
der Innenstadt mit dem Zentrum der Nordweststadt. Von dem dreigeschossigen
U-Bahnhof "Hauptwache" (das mittlere Geschoß - die
C-Ebene - nimmt später die kreuzende Ost-West-Stadtbahn und
die S-Bahn der Bundesbahn auf, während die B-Ebene, das oberste
Geschoß, dem Fußgänger vorbehalten ist), benutzt
die neue Linie zunächst einen 3,2 Kilometer langen Tunnel mit
weiteren vier U-Bahnhöfen (Eschenheimer Tor, Grüneburgweg,
Holzhausenstraße und Miquel-/Adickesallee), dann einen ebenerdigen,
vom übrigen Verkehr abgetrennten vier Kilometer langen Bahnkörper
mit acht Stationen (Dornbusch, Fritz-Tarnow-Straße, Hügelstraße,
Lindenbaum, Weißer Stein, Heddernheim, Zeilweg und Heddernheimer
Landstraße) und endet schließlich in einem weiteren,
etwa einen Kilometer langen Tunnelstück unter dem Nordwestzentrum.
Der Bau der Stadtbahnstrecke - sowohl des Tunnels als auch des abgetrennten
ebenerdigen Bahnkörpers ist zwar Sache des Stadtbahnbauamtes,
das übrigens dem gleichen Dezernenten untersteht wie die Stadtwerke,
doch von Anfang an waren die Stadtwerke - früher der Eigenbetrieb
"Straßenbahn" - an allen Entscheidungen, die mit
den betrieblichen Einrichtungen der Stadtbahn zu tun haben, beteiligt.
So haben die Stadtwerke vor allem den Triebwagenpark für die
Stadtbahn zu beschaffen und zu finanzieren. Sie haben eine Stadtbahn-Hauptwerkstatt
einzurichten. Sie müssen auch auf einen möglichst rationellen
Betriebsablauf bedacht sein. Sie tragen die Verantwortung für
das den Erfordernissen eines modernen Verkehrsmittels angepaßte
Signal- und Sicherheitssystem. Mit Fertigstellung des 1. Bauabschnitts
der Stadtbahn ist der Weg für die weitere Erneuerung des Fahrzeugparks
frei.
Auf Stadtbahn "getrimmt"
Dreißig U-2-Triebwagen für die Stadtbahn
treffen rechtzeitig zur Betriebseröffnung ein. Weitere Bestellungen
von Stadtbahnwagen sind erfolgt. Die erwähnten 30 Triebwagen
bedienen die Linie Hauptwache-Nordweststadt. Die weiteren in den
kommenden Jahren eintreffenden Stadtbahnwagen werden auf den Taunusbahnlinien
eingesetzt. Vom Eröffnungstag an werden auch die Straßenbahnlinien
23, 24 und 25 die erste Stadtbahnstrecke mitbenutzen. Deshalb wurden
in den letzten Monaten bereits 28 Großraumtriebwagen und 26
Beiwagen der Straßenbahn, die in den Jahren 1961 bis 1965
angeschafft worden waren, für den Tunnelbetrieb für rd.
2,5 Mio DM umgebaut. Die erforderliche elektronische Ausrüstung
nimmt den größten Teil dieses Betrages in Anspruch. Die
mit dem weiteren Ausbau des Stadtbahnnetzes notwendig werdende Stadtbahn-Hauptwerkstatt
steht mit einer Million DM für Planung und Vorbereitung im
Finanzplan der Stadtwerke für 1968. Der Betriebsbahnhof Heddernheim
wurde mit einem Investitionsaufwand von schätzungsweise 2,3
Mio DM für die Aufnahme von Stadtbahnwagen ausgebaut.
Ohne Schaffner auskommen
In den letzten Jahren haben im Frankfurter Straßenbahnbetrieb
immer mehr schaffnerlose Wagen Eingang gefunden. Ursprünglich
von der Notwendigkeit dazu gedrängt Triebwagen und Beiwagen
zur Befriedigung der Platznachfrage unter allen Umständen auf
die Strecke zu schicken, auch wenn es wegen der angespannten Personalsituation
an Schaffnern für sie fehlte, ist aus dieser Notmaßnahme
eine Vorstufe des ohnehin schaffnerlos geplanten Stadtbahnbetriebes
geworden. Den schaffnerlosen Wagen für Fahrgäste mit Sichtkarten
und für "Umsteiger" (Fahrgäste mit bereits entwerteten
und noch gültigen Fahrtausweisen) folgten die Entwerterwagen,
in denen Fahrgäste mit Sammelkarten durch Automaten "bedient"
werden. Anfang 1968 war etwa folgender Stand der Rationalisierung
in der Fahrgastbedienung erreicht: von den 264 Straßenbahn-Triebwagen
der Stadtwerke Frankfurt am Main verkehrten 147 ohne Schaffner und
ohne Entwerter; in weiteren 72 Triebwagen waren Entwerter zur Entlastung
der Schaffner montiert. Von den insgesamt 338 Straßenbahn-Beiwagen
waren 97 nicht mehr mit einem Schaffner besetzt; alle 97 waren mit
Entwertern ausgerüstet. Auch im Omnibusbetrieb ist nach und
nach auf die Schaffner verzichtet worden; hier übernahmen die
Busfahrer selbst die Fahrgastbedienung und zur Selbstbedienung der
Fahrgäste wurden Entwerter angebracht. Sämtliche Omnibusse
fahren heute ohne Schaffner.
Linie 31 auf der Kaiserleibrücke
Somit befanden sich zu dem erwähnten Zeitpunkt
477 Entwertergeräte im Einsatz. Um die Fahrzeuge für schaffnerlosen
Betrieb herzurichten, wie etwa Einbau automatischer Türverriegelung
und Sicherheitsvorkehrungen für Fahrgäste bei sich schließenden
Türen, mußten rund drei Millionen DM investiert werden.
Die Einsparungen an Schaffnerdienststunden machen aber im Jahr rund
14,8 Millionen DM aus. Im Straßenbahnbetrieb wird die Automatenbedienung
weiter vorangetrieben, bis das gesamte Netz schaffnerfrei ist. In
den Zügen der Stadtbahn werden sich weder Schaffner noch Entwertergeräte
befinden. Fahrkarten-, Verkaufsautomaten und Entwerter auf den Bahnsteigen
und an deren Zugängen werden die Fahrgäste veranlassen,
sich Karte und Zeitaufdruck zu besorgen, schon bevor sie den Zug
betreten.
Verkäufer warten überall
Als Vorbereitung zur Fahrgastbedienung durch Automaten
wurde in den vergangenen Jahren Zug um Zug das ehemals recht komplizierte
Tarifsystem vereinfacht. Der letzte entscheidende Schritt zum Einheitstarif
erfolgte Mitte 1967 mit dem Wegfall des Fahrtausweises für
"Geradeausfahrten". Mit jedem entwerteten Fahrtausweis
kann heute innerhalb der tariflichen Frist umgestiegen werden. Das
erspart bei der bereits begonnenen Ausstattung aller bedeutenden
Haltestellen mit Verkaufsautomaten die Anordnung von Automatenreihen
für die verschiedensten Arten von Fahrtausweisen. Es reichen
4 Automaten aus - einer für Einzelfahrscheine für Erwachsene,
der zweite für Erwachsenen-Sammelkarten, der dritte für
Kinder-Sammelkarten und der vierte für Kinder-Einzelfahrscheine.
Die beiden letzten Fahrtausweise sind auch zur Beförderung
von Gepäckstücken und Kleintieren zu verwenden. Begonnen
wurde schließlich der Ausbau des Netzes der Vorverkaufsstellen.
Anfang 1968 gab es in Frankfurt erst 58 Vorverkaufsstellen privater
Art für Fahrtausweise des Verkehrsbetriebes, meistens Kioske.
Ihre Zahl soll auf 250 erhöht werden.
Über Funk an der Leine
Um den Betriebsablauf zu erleichtern, vor allem
um bei etwaigen Störungen schnellstens von einer zentralen
Stelle aus die notwendigen Maßnahmen treffen und Anweisungen
geben zu können, werden in absehbarer Zeit sämtliche Straßenbahnzüge
und Omnibusse mit Funksprechgeräten versehen. Der Stadtbahnfunk
wird bereits mit der Betriebsaufnahme der ersten Linie aus der Taufe
gehoben, denn die U-2-Triebwagen sind serienmäßig mit
Funk ausgerüstet. Die entsprechende Ausrüstung aller Straßenbahn-Triebwagen
und aller Omnibusse für rd. 1,6 Mio DM ist beschlossene Sache.
Wahrscheinlich werden noch vor Ablauf des Jahres 1968 als erste
Rate 90 Straßenbahn-Triebwagen und 24 Gelenkomnibusse ihre
Funkgeräte erhalten. Die letzten Jahre brachten schließlich
auch den Durchbruch eines für Frankfurt bis dahin noch ungewohnten
Omnibustyps, des "Doppeldeckers". Berliner Busse mit Oberdeck
waren in Frankfurt zu Gast gewesen. Ende des Jahres 1965 überließ
eine Herstellerfirma zehn Wochen lang den Frankfurtern einen solchen
Bus als "Muster" zur Probe. Eine Umfrage unter den Fahrgästen
wurde veranstaltet, und von den eingegangenen Antworten waren nur
gut 5% ablehnend, die meisten davon aus individuell bedingten Gründen.
So trafen denn auch fast genau ein Jahr später elf doppelstöckige
Busse ein und versehen seitdem ihren Dienst zwischen Nordweststadt
und Innenstadt sowie zwischen Hauptbahnhof und Flughafen. Demnächst
werden ihnen weitere folgen.
Noch in der Talsohle
So sehr man im technischen Betriebszweig
"Verkehr" auch auf Einsparungen durch Rationalisierung
bedacht ist, in einem Punkt hat man jedenfalls nicht eingespart
- an den Betriebsleistungen. Von Jahr zu Jahr steigt die Anzahl
der Kilometer, die von Straßenbahnwagen und Omnibussen zurückgelegt
werden, und von Jahr zu Jahr nimmt auch das Platzangebot zu. Vergleichen
wir das ganze Jahr 1967 mit dem Jahr 1964, so hat der städtische
Verkehrsbetrieb in diesem Zeitraum seine Wagenkilometer um 11,5
Prozent und seine Platzkilometer um 12,4 Prozent erhöht. Allerdings
konnte dies nicht verhindern, daß auch der Frankfurter Verkehrsbetrieb
- wie alle anderen Nahverkehrsunternehmen von der sinkenden Tendenz
der Beförderungsfälle betroffen wurde. Dennoch wurden
1967 fast 176 Mio Fahrgäste befördert. Die Aufnahme des
Stadtbahnbetriebes wird - so hofft man - wieder aus der Talsohle
heraushelfen.
Berichtszeitraum: 1969-72
Wachsende Leistung bei wachsendem Bedarf
Die Stadtwerke Frankfurt als Eigenbetrieb der Stadt
sind mit einer Bilanzsumme von 901,6 Mio. DM und einem Umsatz von
419 Mio. DM eines der größten Versorgungsunternehmen
in der Bundesrepublik. In den vier Jahren seit 1968 haben sich alle
Betriebszweige der Stadtwerke außerordentlich dynamisch entwickelt.
Im Bereich der Stromversorgung erhöhte sich die nutzbare Stromabgabe
um über 32% von 1,39 GWh im Jahre 1968 auf 1,84 GWh im Jahre
1971. Die Bedarfsentwicklung entsprach damit dem allgemeinen in
der Stromwirtschaft feststellbaren Trend zu einer Verdoppelung des
Stromverbrauchs in jeweils 10 Jahren. Die Wasserbeschaffung erreichte
nach einer Steigerung um 15,6% mit 88 Mio. cbm im Jahre 1971 einen
neuen Höchststand. An 26 Nachbargemeinden wurden davon insgesamt
8,7 Mio. cbm abgegeben. Im Bereich der öffentlichen Verkehrsbedienung
gelang es, die seit etwa 1960 ständig fallende Tendenz der
Beförderungsfälle pro Jahr Ende 1968 nicht nur aufzuhalten,
sondern bis 1971 um 6% von 169 Mio. auf 178 Mio. zu erhöhen.
Der Verkehr auf den ersten U-Bahn-Strecken leistete hierzu einen
wichtigen Beitrag. Die Erträge des Unternehmens haben sich
entsprechend der erhöhten Abgabemenge im Versorgungsbereich
entwickelt; abgesehen von einer maßvollen Anhebung der Strompreise
für Sonderabnehmer und der Stromtarife für Haushalt und
Gewerbe im November 1971 blieben die Tarife im Versorgungs- und
Verkehrsbereich unverändert. Die Aufwandsunterdeckung im Verkehrsbereich
führte im Geschäftsjahr 1971 erstmals zur Ausweisung eines
Verlustes im Gesamtbetrieb. Der Personalbestand der Stadtwerke hat
sich von 5093 in 1968 auf 5188 in 1971 bei leichten strukturellen
Veränderungen nur unwesentlich erhöht. Dabei war es in
bestimmten Fachberufen trotz erheblicher Anstrengungen nicht möglich,
die offenen Stellen zu besetzen. Mit umfangreichen Rationalisierungsmaßnahmen,
insbesondere im Betriebszweig Verkehr konnte eine weitere Steigerung
der Produktivität und der Effektivität erreicht werden.
Im kaufmännischen Bereich wurde die 1968 eingeleitete Umstellung
des Rechnungswesens auf die elektronische Datenverarbeitung fortgesetzt.
Die Übernahme der Gemeinsamen Verbrauchsabrechnung auf das
neue System ist abgeschlossen. Die bisherige Anlage der Modellreihe
IBM 360/40 wurde durch das leistungsfähigere Modell IBM 370/145
ersetzt. Durch eine gute Zusammenarbeit zwischen der Betriebsleitung
und den Personalvertretungen konnten negative Auswirkungen einzelner
Rationalisierungsmaßnahmen auf die Mitarbeiter vermieden oder
ausgeglichen werden.
Die 35. U-Bahn der Welt in Betrieb
Planung wird Realität.
Die Entwicklung der Verkehrssituation im Rhein-Main-Raum und im
städtischen Kernbereich hat die Notwendigkeit des von der Stadt
und der Deutschen Bundesbahn gemeinsam geplanten und in Bau befindlichen,
integrierten U- und S-Bahn-Systems in den vergangenen vier Jahren
immer deutlicher werden lassen. Die eigenen Verkehrswege der U-Bahn
wachsen - dem Baufortschritt und auch den Finanzierungsmöglichkeiten
entsprechend - weiter. Am 4.10.1968 wurde die erste U-Bahnstrecke
unter starker Beteiligung der Bevölkerung von der Nordweststadt
zur Hauptwache eröffnet. Sie hat ihre Bewährungsprobe
in den vergangenen vier Jahren bestanden und die Erwartungen übertroffen.
Am 17.12.1971 konnte die 8,1 km lange Strecke von Heddernheim nach
Bad Homburg/Gonzenheim eingeweiht und seither mit vergleichbarem
Erfolg betrieben werden. Der Tunnel vom Scheffeleck über Konstablerwache,
Kurt-Schumacher-Straße, Domplatz, Römerberg zum Bahnhof
Theaterplatz ist fertiggestellt und kann nach Abschluß des
technischen Streckenausbaus für den unterirdischen Straßenbahnverkehr
alsbald in Betrieb genommen werden. Für das neue U-Bahn-System
müssen die Stadtwerke eine völlig neue betriebliche Infrastruktur
zunächst zusätzlich schaffen und bereitstellen. Dies gilt
für die gesamte Streckenausrüstung, die zentrale Betriebsleitstelle,
Werkstätten und sonstige Betriebseinrichtungen ebenso wie für
die Fahrzeuge und die Abfertigungseinrichtungen. Für die bereits
in Betrieb genommenen U-Bahn-Strecken mußten allein für
Gleisanlagen, elektrische Ausrüstung, Signal- und Überwachungsanlagen
sowie Haltestellen 32 Mio. DM, für bisher 45 U-Bahn-Triebwagen
24,5 Mio. DM und für die Umrüstung vorhandener Straßenbahnfahrzeuge
für den Mischbetrieb auf den U-Bahn-Strecken weitere 2 Mio.
DM ausgegeben werden. Der bereits geplante Bau einer U-Bahn-Hauptwerkstatt
wird allein ein Investitionsvolumen von etwa 90 Mio. DM erreichen.
Die schwierige Übergangsphase
Bei einer U-Bahn-Streckenlänge von bisher
etwa 17 km lag der Schwerpunkt des Verkehrsangebots der Stadtwerke
im Straßenbahn- und Omnibusbetrieb auf dem übrigen 380
km langen Streckennetz. Die hier bestehenden Erschwernisse und die
hier erreichten Verbesserungen hatten entscheidendes Gewicht in
den vergangenen vier Jahren. Der Fahrzeugpark wurde quantitativ
und qualitativ merklich verbessert, die personelle und betriebliche
Rationalisierung wurde fortgesetzt. Im Straßenbahnverkehr
wurden seit 1968 41 Zweirichtungstriebwagen modernster Bauart in
Betrieb genommen, von denen 33 Wagen ohne Umbauten auch für
den U-Bahn-mäßigen Verkehr geeignet sind. Weitere dreißig
Triebwagen sind in Auftrag gegeben. Ältere Straßenbahnfahrzeuge
wurden aus dem normalen Fahrbetrieb herausgenommen und für
den Großeinsatz, z.B. bei Sonderveranstaltungen, bereitgehalten.
Im Omnibusverkehr wurden 8 Doppeldeckomnibusse, 15 Gelenkomnibusse
und 54 standardisierte Linienomnibusse neu eingesetzt, zum Teil
auch im Schienenersatzverkehr im Zusammenhang mit dem U- und S-Bahn-Bau.
Umfangreiche Gleiserneuerungen und der Einbau modernster elektrischer
Weicheneinrichtungen im Straßenbahnnetz erleichterten den
Betriebsablauf und erhöhten gleichzeitig die Betriebssicherheit.
Die Funkausrüstung der Straßenbahntriebwagen und Omnibusse
wurde weitgehend abgeschlossen und hat ihre Bewährungsprobe
in vielen schwierigen Betriebs- und Verkehrssituationen bestanden.
Mit dem Umbau von 40 Straßenbahntriebwagen für den schaffnerlosen
Einmannbetrieb und die Aufstellung von weiteren Fahrscheinverkaufsautomaten
und Entwertern wurde die Rationalisierung auf diesem Gebiet fortgesetzt.
Auswirkungen der U- und S-Bahn-Baumaßnahmen auf den Betriebsablauf
waren unvermeidlich. Wie z.B. im Bereich des Hauptbahnhofs waren
häufig umfangreiche Maßnahmen und langfristige Änderungen
der Linienführung erforderlich, um die Verkehrsaufgaben erfüllen
zu können. Erheblich schwerwiegender waren die vom Individualverkehr
ausgehenden Behinderungen im gemeinsam benutzten, öffentlichen
Straßenraum. Die nach der neuen Straßenverkehrsordnung
ab 1.3.1971 verbesserten Vorrangregelungen zugunsten des öffentlichen
Linienverkehrs konnten angesichts der tatsächlichen Zunahme
des Kraftfahrzeugverkehrs eine Verschlechterung der Gesamtsituation
nicht verhindern. Allein 1968 stieg der Gesamtbestand an Personenkraftwagen
in Frankfurt am Main um 28% von 174000 auf 228000 am 1.5.1972. Für
den hiervon besonders betroffenen schienengebundenen Straßenbahnverkehr
brachte das am 29.11.1971 von der Stadtverordnetenversammlung beschlossene
Beschleunigungsprogramm für die Straßenbahn"
entscheidende Verbesserungen. Ziel dieses dreistufigen Programms
ist es, auf wichtigen Strecken den Schienenweg zur alleinigen Benutzung
durch die Straßenbahn freizuhalten. Diesem Zweck dienen Abmarkierungen,
Linksabbiegeverbote und ergänzende Park- und Halteverbote sowie
straßenbautechnische Maßnahmen. Bereits das in der ersten
Stufe verwirklichte Sofortprogramm brachte entscheidende Verbesserungen
im Betriebsablauf mit weitgehendem Wegfall der bisher unvermeidbaren
Verspätungen und einer seit langem nicht mehr erreichten Fahrplangenauigkeit.
Der Frankfurter Verkehrs- und Tarifverbund:
Ein Fahrplan Ein Fahrschein Ein Fahrpreis
Die optimale Gestaltung des Öffentlichen Personennahverkehrs
in dem durch viele Verflechtungsbeziehungen gekennzeichneten Verkehrsraum
Frankfurt ist die gemeinsame Aufgabe für die in regionalen
und im Kernbereich tätigen Verkehrsunternehmen. Ein entscheidender
Beitrag hierzu mußte von den beiden größten Verkehrsunternehmen
in diesem Raum, den Stadtwerken Frankfurt und der Deutschen Bundesbahn
erwartet werden. Nach der Vereinbarung zwischen der Stadt Frankfurt
am Main und der DB vom 25.3.1969 erhielt die paritätisch zusammengesetzte
Kommission zur Vorbereitung des Frankfurter Verkehrsverbundes"
den Auftrag, die Grundlagen für eine Zusammenarbeit der Verkehrsunternehmen
erarbeiten zu lassen. Das in gemeinsamen Arbeitsgruppen der Stadtwerke
und der DB erstellte Kooperationsmodell liegt entscheidungsreif
vor. Danach werden beide Verkehrsunternehmen als Kern des Frankfurter
Verkehrs- und Tarifverbundes (FVV) eine Gesellschaft gründen.
Diese Gesellschaft wird das von beiden Gesellschaftern erbrachte
und zu erbringende Verkehrsangebot entsprechend den Verkehrsbedürfnissen
und nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten koordinieren sowie einen
Gemeinschaftsfahrplan für den Verkehr der Stadtwerke und den
Nahverkehr der DB vorlegen. Mit einem Gemeinschaftstarif und einem
Gemeinschaftsfahrschein soll die Freizügigkeit bei der Benutzung
aller Verkehrsmittel der Verbundverkehrsunternehmen im städtischen
und regionalen Bereich gewährleistet werden. Mit dem FVV wird
das integrierte U- und S-Bahn-Schienensystem seinen optimalen Wirkungsgrad
erhalten, aber bereits in der Übergangsphase bedeutet diese
Freizügigkeit im öffentlichen Nahverkehr einen verkehrspolitisch
notwendigen, entscheidenden Beitrag zu einer attraktiven Verkehrsbedienung.
Mit dem Abschluß des Grundvertrages zwischen Bund, Land Hessen
und Stadt Frankfurt am 9.11.1972 im Frankfurter Römer ist die
Voraussetzung zur Realisierung des beschriebenen Modells geschaffen.
Die finanzielle und funktionelle Mitwirkung des Bundes und des Landes
Hessen bilden die wichtigste Stütze zur baldigen Aufnahme der
Verbundverkehrsbedienung durch die Verkehrsunternehmen DB und Stadtwerke.
Die Stromversorgung der Stadt
Im Stromversorgungsgebiet der Stadtwerke werden
insgesamt etwa 246000 Haushalte, 4800 Gewerbebetriebe und über
300 Sonderabnehmer direkt mit elektrischer Energie versorgt. Für
weitere rund 80000 Einwohner in den westlichen Stadtteilen Frankfurt
am Main-Höchst, -Unterliederbach, -Sindlingen und -Zeilsheim
wurde, wie seit der Eingemeindung zu Beginn der zwanziger Jahre,
die Versorgung durch die Main-Kraftwerke AG sichergestellt. Die
Stromabgabe der Stadtwerke stieg seit 1968 um fast 35% auf 1840
GWh (= 1,84 Mrd. kWh) im Jahre 1971. Ein leistungsfähiges,
ständig wachsendes Stromverteilungssystem und eine ausreichende
Strombeschaffung waren die gleichwertigen Voraussetzungen für
die Versorgungssicherheit. Das Stromverteilungsnetz der Stadtwerke
hat inzwischen eine Gesamtlänge von 6300 km erreicht und entspricht
damit der Entfernung vom Römer ins Weiße Haus in Washington.
Um das Netz zusammen mit den entsprechenden Umspannanlagen an die
Bedarfsentwicklung anzupassen, mußten in den Jahren 1968 bis
1971 allein 110 Mio. DM aufgewendet werden, das sind 55% der Gesamtinvestitionen
im Betriebszweig Strom - Fernwärme. Das 1962 begonnene, überlagernde
110-kV Hauptverteilungsnetz ist inzwischen auf 100 km Gesamtlänge
angewachsen (Anfang 1969: 42 km). Die neuen Umspannwerke Goldsteinstraße,
Flughafen, Darmstädter Landstraße, Heideplatz, Marbachweg
und Hohenstaufenstraße stellen die Verbindung zum Unterverteilungsnetz
her. Dieses Unterverteilungsnetz mußte in vielen Stadtteilen
wegen des Belastungsanstiegs verstärkt oder erneuert werden;
die Ersterschließung neuer Siedlungsgebiete wie z.B. Atzelberg,
Dachsberg, Mainfeld, Praunheim, Oberrad-Ost führte zu einer
erheblichen Erweiterung des Netzes. Die Eigenerzeugung in den vier
Heizkraftwerken West, Niederrad, Nordweststadt und Innenstadt mit
einer elektrischen Nettoleistung von zusammen 252 MW bildete die
wesentliche Grundlage der Versorgung. Nach Fertigstellung des zweiten
Bauabschnitts im HKW Niederrad werden in den nächsten Jahren
weitere 64 MW zur Verfügung stehen. Der Fremdstrombezug erfolgte
im wesentlichen von der Preußischen Elektrizitäts AG
(Preußenelektra), als Verbundunternehmen. Der Fremdstromanteil
lag zwischen 30 und 40% und ermöglichte es, jeweils den Betriebsverhältnissen
im Bereich der Eigenerzeugung entsprechend, die Wirtschaftlichkeit
der Gesamtbeschaffung zu gewährleisten.
Die langfristige Konzeption zur Stromversorgung
Der voraussehbare zukünftige Leistungsbedarf
wird im Jahre 1975 bereits etwa 543 MW erreicht haben und bei einer
durchschnittlichen Steigerungsrate von 6% pro Jahr bis 1980 auf
etwa 735 MW und bis 1985 auf 951 MW ansteigen. Die überwiegende
Eigenerzeugung ist dabei auch in Zukunft unabdingbare Voraussetzung
für die Erhaltung der markt- und preispolitischen Stellung
der Stadtwerke im Rahmen ihrer gemeinwirtschaftlichen Zielsetzung.
Mit Beschluß vom 15.6.1972 hat die Stadtverordnetenversammlung
die entscheidenden Voraussetzungen für die sichere und wirtschaftliche
Stromversorgung der Stadt auch in der Zukunft geschaffen. Nach diesem
Beschluß ist zwischen den Stadtwerken und der Preußenelektra
inzwischen der Bau eines Gemeinschaftskraftwerks Stadtwerke/Preußenelektra
mit einer ab 1979 verfügbaren Nettoleistung von 600 MW vereinbart
worden. Damit können die technischen und wirtschaftlichen Vorteile
einer großen Erzeugungseinheit voll für die kommunale
Stromversorgung nutzbar gemacht werden. Am Bau und am Betrieb des
Gemeinschaftskraftwerks werden sich die Stadtwerke und die Preußenelektra
- bei Wahrung voller Unabhängigkeit - je zu 50% finanziell
beteiligen und jeweils 50% der Erzeugungskapazität zur freien
Verfügung haben. Die zusätzlich notwendige Fremdstrombeschaffung
ist durch einen Reserve- und Zusatzstrombezugsvertrag vom 25.7.1972
mit der Preußenelektra bis 1997 gesichert. Die in diesem Vertrag
vorgesehene Bandbreite zwischen maximaler und Mindestabnahme stellt
die notwendige Flexibilität im Verhältnis zur Eigenerzeugung
sicher und schließt langfristig den weiteren Ausbau mit ein.
Das historisch begründete Nachbarschaftsverhältnis zur
Main-Kraftwerke AG (MKW) wurde durch die Vereinbarung vom 14.7.1972
unter Beachtung der rechtlichen und tatsächlichen Situation
neu beordnet. Mit der langfristigen Verpachtung des Netzes in den
westlichen Stadtteilen und mit der Einräumung der Versorgungszuständigkeit
an die MKW wurden die wirtschaftlichen Interessen der Stadtwerke
und der Abnehmer in dem betroffenen Teil des Stadtgebietes gewahrt.
Selbstverständlich ist darüber hinaus auch im Pachtgebiet
die Tarifautonomie der Stadtverordnetenversammlung sichergestellt,
so daß auch in Zukunft einheitliche Tarife und Bedingungen
im gesamten Stadtgebiet Gültigkeit haben.
Fernwärmeversorgung
Die Stadtwerke versorgen heute fast 11000 Wohnungen
mit Fernwärme. Außerdem sind 230 Großabnehmer an
das Fernwärmenetz angeschlossen. Die Absatzsteigerung der Fernwärmeenergie
hatte erhebliche Investitionen für die Erweiterung und Erneuerung
des inzwischen auf 125,6 km gewachsenen Gesamtnetzes zur Folge.
Die in den Heizkraftwerken der Stadtwerke vorhandenen Fernwärmekapazitäten
konnten voll eingesetzt werden. Die Heizdampfabgabe aus den Heizkraftwerken
West und Innenstadt stieg im Berichtszeitraum um 16,3%, während
die Heizwasserabgabe aus dem HKW Niederrad (1. Baustufe) sogar um
73% gesteigert wurde. Dadurch konnten insbesondere die Fernwärmeversorgung
im Geschäftsgebiet Niederrad weiter ausgebaut und der Anschluß
der neuen Wohngebiete Goldstern-Mitte und im Mainfeld ermöglicht
werden. Auf diese Weise sind neben der Nordweststadt, die über
das HKW Nordweststadt voll versorgt wurde, weitere Siedlungsschwerpunkte
in das Fernheiznetz einbezogen worden. Mit der Inbetriebnahme der
Fernheizleitung zum Flughafen am 22.1.1969 begann die direkte Vollversorgung
dieses neuen Großabnehmers. Die Fernwärmeversorgung ist
zukünftig stärker als bisher als umweltfreundlicher Energie
Bedeutung beizumessen. Die durch Novellierung der Hessischen Gemeindeordnung
rechtlich gegebenen Voraussetzungen für einen Anschluß
geben den Stadtplanern mit dem Infrastrukturelement Fernwärme
ein Instrument zur umweltfreundlichen Gestaltung der Stadtlandschaft
in die Hand. Die hier bisher erzielten Erfolge, die erst mit der
weiter eingetretenen negativen Umweltbeeinflussung deutlich sichtbar
geworden sind, ermutigen zur weiteren Investition im Bereich der
Fernwärme, auch selbst dann, wenn der wirtschaftliche Wettbewerb
zu anderen Heizarten nicht dafür sprechen würde.
Faultürme und Belüftungsbecken der
Biokläranlage Niederrad, 1962 in Betrieb genommen
Sicherung des lebensnotwendigen Wassers
Die Frankfurter Wasserversorgung hat eine hundertjährige
Geschichte. Den Vogelsberg-Spessart-Quellen" kam hierbei
eine besondere historische Bedeutung zu. Sie bildeten die Grundlage
für die erste moderne Wasserversorgung der Stadt Frankfurt,
zu der im Jahre 1869 mit der Gründung des Comites zur
Herstellung der Vogelsberg Quellwasserleitung" der Grundstein
gelegt wurde. Die im Jahre 1969 herausgegebene Festschrift würdigt
die Entwicklung und die historischen Leistungen aller Betriebszweige
der Stadtwerke von den Anfängen bis zur Gegenwart. Heute verbraucht
der unbekannte statistische Bürger im Versorgungsgebiet der
Stadtwerke im Jahresdurchschnitt fast 300 l Trinkwasser pro Tag.
Insgesamt rund 88 Mio. cbm Trinkwasser, das sind 17% mehr als 1968,
mußten im Jahre 1971 bereitgestellt werden, um den Durst"
in Haushalt und Gewerbe zu stillen. Die Grundversorgung mit Trinkwasser
wurde wie bisher schwerpunktmäßig über Fernleitungen
aus den wasserreichen Gebieten des hessischen Rieds, der Wetterau
sowie des Spessarts und des Vogelsbergs sichergestellt. Die Wassergewinnung
im städtischen und stadtnahen Bereich erfüllte vorwiegend
eine wichtige Funktion bei der Deckung des Zusatz- und Spitzenbedarfs.
Dementsprechend wurde auch der Ausbau und die Sicherung der in diesem
Bereich liegenden Gewinnungsanlagen weitergeführt. Die im Jahre
1968 im Einzugsgebiet des Grundwasserwerks Hattersheim aufgetretenen
Verunreinigungen konnten im Jahre 1969 über Abschöpfbrunnen
beseitigt werden, so daß im Jahre 1970 bereits wieder 4,6
Mio. cbm und im Jahre 1971 über 8 Mio. cbm gefördert werden
konnten. Der Bau einer Aufbereitungsanlage für das Wasser aus
den Brunnen an der Staustufe Griesheim soll auch zur Deckung des
Trinkwasserbedarfs in Verbrauchsspitzenzeiten dienen. Mit der Fertigstellung
und Inbetriebnahme des Drucksteigerungspumpwerks Hinkelstein/Flughafen
wurde im Jahre 1970 die Gesamtversorgung des Großflughafens
Rhein-Main übernommen. Die für die Versorgungssicherheit
wesentlichen Wasserspeicheranlagen erreichten mit der Inbetriebnahme
des neuen Trinkwasserbehälters Süd II an der Sachsenhäuser
Warte im Mai 1972 eine Gesamtkapazität von 135000 cbm. Der
Schwerpunkt der Investitionstätigkeit des Betriebszweiges Wasser
lag im Berichtszeitraum wiederum im Verteilungsbereich, In der Gesamtsumme
von rund 36 Mio. DM für die Jahre 1969 bis 1971 sind u.a. neben
den notwendigen Rohrnetzerneuerungen Folgemaßnahmen aus Gründen
des Straßen-, U-Bahn- und S-Bahnbaus enthalten. Das Trinkwassernetz
der Stadtwerke erreichte Ende 1971 eine Gesamtlänge von 1371
km mit fast 50000 Hausanschlüssen.
Neben der Versorgung im Stadtgebiet haben die Stadtwerke
in den vergangenen vier Jahren unter Einsatz der gegebenen Möglichkeiten
weiterhin an der Sicherung des wachsenden Trinkwasserbedarfs benachbarter
Gemeinden mitgewirkt. Über 25 Nachbargemeinden sind inzwischen
mit dem Hauptversorgungsnetz der Stadtwerke verbunden. In vielen
Fällen war es möglich, bei Wassernotständen sofort
und umfassend Hilfe zu leisten. Mit der Zusage zum Abschluß
eines Wasserlieferungsvertrages mit dem im Jahre 1972 gegründeten
Wasserbeschaffungsverband Taunus haben die Stadtwerke einen entscheidenden
Beitrag zur einvernehmlichen Neuordnung der kommunalen Wasserversorgung
im Vordertaunusgebiet geleistet. Zur Deckung des wachsenden Trinkwasserbedarfs
in der Zukunft wurden im Berichtszeitraum entscheidende Voraussetzungen
geschaffen. Die Stadtwerke sind zusammen mit der Stadt Hanau und
den Landkreisen Hanau, Gelnhausen und Schlüchtern Mitglied
im Wasserverband Kinzig. Schwerpunktaufgabe und Zielsetzung des
Verbandes ist die umfassende Erschließung von Trinkwasservorkommen
im Abflußgebiet der Kinzig einschließlich der Nebenflüsse.
Das Interesse, die Rechte und Pflichten der Stadtwerke in diesem
Verband bestimmen sich nach ihrem Anteil an der Gesamtfördermenge
der ersten Ausbaustufe in Höhe von über 70%. Die grundsätzliche
Planung und die notwendigen hydrologischen Untersuchungen sind abgeschlossen.
Nach Bau der Erschließungsanlagen und einer zentralen Aufbereitungsanlage
ist zu erwarten, daß etwa ab 1976 im Rahmen der ersten Ausbaustufe
aus dem Kinziggebiet über die projektierte neue Fernleitung
etwa 16 Mio. cbm Trinkwasser pro Jahr zusätzlich nach Frankfurt
fließen.
Selbstverwaltung und kommunale Wirtschaft
Die kommunale Selbstverwaltung bildet das Fundament
auch für die Stadtwerke als kommunales Unternehmen der öffentlichen
Wirtschaft. Frankfurt, soweit es sich selbstverwaltet, bleibt damit
Herr über seine Infrastruktur, die eine wesentliche Grundlage
für die Gesamtentwicklungsplanung, insbesondere aber für
die Bauplanung sowie für die Siedlungs-, Umwelt- und Wirtschaftsförderungspolitik,
bildet. Die Kommunalpolitik gewinnt dadurch auf Dauer einen weiteren
Spielraum und besondere Wirkungsmöglichkeiten. Nicht zufällig
sind daher die Versorgung mit Strom und Wasser, aber auch mit Fernwärme,
und die öffentliche Verkehrsbedienung die traditionellen Gebiete
für die wirtschaftliche Betätigung dieser Stadt und damit
ihrer städtischen Werke. Jeder Bürger, jede Verwaltungseinrichtung
und jedes Unternehmen in dieser Stadt sind unmittelbar oder mittelbar
Kunde der Stadtwerke. Das Leistungsangebot im Versorgungsbereich
entspricht existentiellen Lebensbedürfnissen. Der öffentliche
Personennahverkehr erweist sich immer mehr als notwendig zur Erhaltung
der Funktions- und Lebensfähigkeit dieser Stadt im Kernbereich
eines wirtschaftlichen Ballungsraumes und dient daher weitgehend
auch den Interessen der Bürger im Umland, deren Lebensverhältnisse
mit der Stadt Frankfurt vielfältig verknüpft sind. Im
Verkehrsbereich wird die Bedeutung der Stadtwerke als Instrument
der Stadtentwicklung besonders deutlich. Was sollte eine Stadt ohne
eigenen Verkehrsbetrieb mit neuen U-Bahn-Strecken anfangen? Ist
der Frankfurter Verkehrs- und Tarifverbund mit positiven Wirkungen
weit über die Grenzen der Stadt hinaus ohne den großen
und leistungsfähigen kommunalen Verkehrsbetrieb vorstellbar?
Diese Fragen beantworten sich selbst. Aber auch im Versorgungsbereich
sind Heizkraftwerke mit Strom- und Wärmeerzeugung, das Müllverbrennungsheizkraftwerk
in der Nordweststadt und die großräumige Wasserversorgung
Ausdruck weitsichtiger kommunalpolitischer und -wirtschaftlicher
Zielsetzung. Die Stadtwerke als wirtschaftliches Unternehmen mit
gemeinwirtschaftlicher Zielsetzung haben die selbstverständliche
Pflicht, mit möglichst geringem Aufwand optimale Ergebnisse
zu erzielen. Rechtsform und innere Verfassung des Eigenbetriebes
gewährleisten, daß die städtischen Körperschaften
die besonderen instrumentalen Möglichkeiten durch die Stadtwerke
voll einsetzen können. Gleichzeitig ist in sinnvoller Weise
der Betriebsleitung im wirtschaftlichen Bereich die notwendige Entscheidungs-
und Gestaltungsfreiheit unter bürgerschaftlicher Aufsicht eingeräumt
und damit die wirtschaftliche Aufgabenerfüllung sichergestellt.
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