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Berichtszeitraum: 1945-65

 

Die Städtische Galerie umfaßt zwei Sammlungskomplexe: Die Skulpturensammlung im Liebieghaus und die im Zusammenhang mit dem Städel gezeigte Gemäldesammlung und Sammlung moderner Kunst (Gemälde, Skulpturen, Graphik).
Aufgabe ist es, diese Sammlungen restauratorisch zu pflegen, planmäßig auszubauen und so zugänglich zu machen, daß ihre künstlerischen und geistigen Werte in höchstem Maße fruchtbar werden können.

Das Liebieghaus

Bei Kriegsende war das Gebäude der städtischen Skulpturensammlung so zerstört, daß es nicht einmal zur Deponierung der Kunstwerke zu verwenden war. 1946 wurden die Kunstwerke aus den Auslagerungsorten in den Central Collecting Point Wiesbaden überführt. Erst 1950 waren Teile des Liebieghauses so weit wiederhergestellt, daß die Skulpturen dort deponiert werden konnten. Im gleichen Jahre stellte das Städel zwei Säle für Ausstellung von Bildwerken des Liebieghauses zur Verfügung, die dort bis 1955 gezeigt wurden; im August 1955 wurden die ersten wiederhergestellten Ausstellungsräume im Liebieghaus selbst eröffnet, im November 1962 war der Wiederaufbau abgeschlossen. Es folgte die Einrichtung einer Studiensammlung (auf Wunsch jedermann zugänglich), die jetzt 10 Räume umfaßt und durch Ausbau noch erweitert werden soll. Neben dem Wiederaufbau war die wichtigste Aufgabe der Ausbau der Sammlungen, ein besonders schwieriges Problem, da dem Liebieghaus bei seiner Gründung (1907) ein sehr umfassendes Sammelprogramm gestellt war: Darstellung der Bildhauerkunst bei allen Kulturvölkern der historischen Zeiten durch hervorragende und charakteristische Werke. Durch die bereits vorhandenen Kunstwerke sind höchste Maßstäbe gesetzt. Bildwerke, die diesen Ansprüchen entsprechen, werden immer schwerer erreichbar.

Gemäldesammlung und Sammlung moderner Kunst

Aufgaben des Wiederaufbaus stellten sich hier nicht, da dieser Teil der Städtischen Galerie im Städel ausgestellt bzw. deponiert ist. Das schwer zerstörte Städel begann seinen Wiederaufbau mit eigenen Mitteln, führte ihn mit Hilfe der Stadt und des Landes Hessen fort. Schon seit 1947 konnten - teils provisorisch - auch Kunstwerke der Städtischen Galerie dort gezeigt werden. 1963 wurde ein vorläufiger Abschnitt im Wiederauf- und Neubau erreicht, für die abschließenden Umbauarbeiten, die gerade für die moderne Sammlung der Städtischen Galerie überaus wichtig wären, wurden noch keine Mittel bewilligt. Da im Jahre 1938 fast der gesamte Bestand an modernen Kunstwerken beschlagnahmt worden war, stellte sich der Städtischen Galerie die besonders schwierige Aufgabe, nicht nur die Kunst der Gegenwart zu sammeln, sondern auch eine Sammlung der Kunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wiederaufzubauen. Hier ergab sich, mehr noch als beim Liebieghaus, das bis heute nicht gelöste Problem der Unzulänglichkeit des Ankaufetats: es sollen nur Kunstwerke erworben werden, die dem hohen Rang und Ruf des Vorhandenen entsprechen. Preise für Kunstwerke dieser Kategorie liegen meist weit über den Möglichkeiten der etatmäßigen Ankaufsmittel. Sonderbewilligungen waren nur in Ausnahmefällen zu erhalten. So war 1962 nach der Erwerbung eines Gemäldes von Klee überhaupt kein Ankauf für das Liebieghaus möglich, ebenso 1963 durch die Erwerbung eines Bildes von Matisse, die überdies nur mit einer großen Spende der Polytechnischen Gesellschaft möglich war. Als 1958 ein archaisch-griechisches Relief für das Liebieghaus gekauft wurde - was nur mit Hilfe der Haeuser-Stiftung möglich war - konnte nicht ein wichtiges Werk moderner Kunst mehr erworben werden. Zwar hat die Städtische Galerie in ihrer Ankaufstätigkeit für das Liebieghaus einigermaßen die dringlichsten Aufgaben erfüllen können, für die Sammlung moderner Kunst aber nur in höchst unzureichendem Maß. Hier ist Frankfurt von den Sammlungen ähnlichen Anspruches in anderen deutschen Städten bereits weit überflügelt worden. Ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen dem Preisniveau auf dem Kunstmarkt und den Ankaufsmitteln und Pflichten der Städtischen Galerie herauszustellen, wird weiterhin das wichtigste Problem bleiben.

Der Städel am Sachsenhäusener Mainufer

 

 

Berichtszeitraum: 1965-68

 

Im Liebieghaus wurde die Studiensammlung weiter ausgebaut und umfaßt jetzt 14 Räume. Der Ausbau ist 1968 abgeschlossen.
Die im Städelschen Kunstinstitut untergebrachten Gemälde der Städtischen Galerie wurden im Zusammenhang mit der Eröffnung neu hergerichteter Ausstellungsräume neu geordnet. Die starke Reduzierung (1966) und völlige Streichung (1967) des Ankaufsetats verhinderten eine systematische Sammeltätigkeit. Im Ausbau der Sammlungen wurde damit der absolute Tiefpunkt erreicht. 1965 konnten nur zwei kleine moderne Gemälde (W. Baumeister und F. Winter) erworben werden, 1966 ein Bronzekruzifix von Giovanni da Bologna. 1968 konnten bisher nur graphische Blätter erworben werden.

Die Reihe der Bildhefte des Liebieghauses wurde um zwei erweitert. Im Städel-Jahrbuch erschienen die Erwerbungsberichte der Städtischen Galerie für die Jahre 1948 bis 1966. Zum 20. Todestag von Käthe Kollwitz wurde am 23.4.1965 die Kollwitz-Graphik aus dem Besitz der Städtischen Galerie (Sammlung Goedeckemeyer) im Städelschen Kunstinstitut ausgestellt. Die Ausstellung wurde durch den Herrn Oberbürgermeister eröffnet.
Die Stelle des Kustos an der Städtischen Galerie wurde in eine Oberkustoden-Stelle umgewandelt.

 

 

Berichtszeitraum: 1969-72

 

Der Ausbau weiterer Keller-Räume für die Studiensammlung, der nur durch eine Stiftung von Herrn Ernst A. Teves ermöglicht wurde, wird Ende 1972 beendet sein. Für die immer wieder geforderte Einrichtung einer Caféteria standen keine Mittel zur Verfügung. Für die Sammlung alter Plastik konnten ein hochbedeutendes römisches Sarkophagrelief (3. Jahrhundert n.Chr.) und die beispielhafte Figur einer „Immaculata" (Österreich, Anfang 18. Jahrhundert) erworben werden. Der für die vielseitigen Aufgaben noch immer viel zu geringe Ankaufsetat ließ es nur zu, an Werken der Gegenwartskunst eine Plastik von E.Chillida (geb.1924) und Beispiele moderner Graphik zu erwerben, während für die Gemäldesammlung kein einziges Werk angekauft werden konnte. Als Geschenk von Herrn Ernst A. Teves erhielt das Liebieghaus eine Steinbank von F.Dietz (18.Jahrhundert). Für die Skulpturen der Mulert-Stiftung, die das Museum für Kunsthandwerk aus Raummangel magazinieren mußte, wurde im Liebieghaus ein Ausstellungsraum geschaffen; ebenso wurde eine Auswahl antiker Münzen aus dem Historischen Museum im Liebieghaus der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Liebieghaus stehen jetzt sieben Bildhefte zum Verkauf, ein weiteres wird Ende 1972 erscheinen. - Im Städel-Jahrbuch NF Bd. 2 und 3 wurden die Neuerwerbungen der Städtischen Galerie publiziert. Der wissenschaftliche Katalog der Gemälde des 19. Jahrhunderts im Städelschen Kunstinstitut, der auch den Besitz der Städtischen Galerie umfaßt, wird Ende 1972 erscheinen. Im Liebieghaus wurde erstmals 1971/72 ein „Winterprogramm" mit Abend- und Sonntagsführungen sowie Modellierkursen für Erwachsene und Kinder durchgeführt, das zu einer Steigerung der Besucherzahlen um mehr als 20% führte. Außerdem wurde ein Unterrichtsraum für die Arbeit in der Erwachsenenbildung und mit den Schulen eingerichtet. An der „Aktion Synagoge", die zu der Erwerbung des für Frankfurt überaus wichtigen Gemäldes von Max Beckmann führen soll, war auch die Städtische Galerie beteiligt. Von den Ausstellungen im Städelschen Kunstinstitut, an denen die Städtische Galerie beteiligt war, sind besonders die Gedächtnisausstellung E.W.Nay, die Ausstellung A.Dürer (das graphische Werk) und E.Munch (Aquarelle und Zeichnungen) hervorzuheben; die beiden letzteren Ausstellungen brachten eine Steigerung der Besucherzahl um mehr als 50%.

 
Quelle: Jahresberichte der Stadt Frankfurt 1945-72
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