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Berichtszeitraum: 1945-65
Dem Nahverkehrsbetrieb der Stadt Frankfurt am Main
fällt die Aufgabe zu, die vielfältigen Verkehrsbedürfnisse,
die von der modernen Industriegesellschaft ausgelöst werden,
innerhalb des Stadtgebietes von Frankfurt am Main und zu einigen
Nachbarorten zu befriedigen. Das Verkehrsgebiet des Unternehmens
umfaßt etwa 470 kM2 mit einer Bevölkerungszahl von rd.
1,1 Millionen.
Der Neubeginn
Die erheblichen Kriegszerstörungen im Stadtgebiet
von Frankfurt am Main haben den Verkehrsbetrieb in besonderem Ausmaß
getroffen. So kam es im Verlauf der Kriegsereignisse zum völligen
Erliegen des Fahrbetriebes. Der Wagenbestand wurde empfindlich dezimiert.
Neben der weitgehenden Zerstörung des Wagenparkes waren durch
Kriegseinwirkung und mangelhafte Unterhaltung die Gleisanlagen an
vielen Stellen unbrauchbar und immer wieder nur notdürftig
hergerichtet worden. Die Fahrleitungsanlagen waren größtenteils
zerstört, insbesondere in der Innenstadt. Das Tragnetz der
Fahrleitung, das mit über 4000 Wandrosetten an Gebäuden
befestigt war, mußte an Hunderten von Holzmasten angebracht
werden. Neben diesen Schäden am Wagenpark und im Verkehrsnetz
wiesen auch alle anderen Betriebseinrichtungen schwere Zerstörungen
auf. Die Werkstätten und Wagenhallen waren fast völlig
vernichtet. Bis zum Frühjahr 1946 waren wieder 18 Straßenbahnlinien
und 1 Omnibuslinie in Betrieb. Durch Instandsetzungen erhöhte
sich der einsatzfähige Wagenbestand bis 1948 auf 140 Straßenbahn-Triebwagen,
224 Straßenbahn-Beiwagen und 35 Omnibusse. Die Währungsreform
am 21.6.1948 brachte den Beginn einer grundlegenden Verbesserung
der Verhältnisse. Mit der schrittweisen Beseitigung der Materialknappheit
konnte der Wiederaufbau mit verstärkten Kräften in Angriff
genommen werden.
Die Investitionen
Die Wiederaufbauleistungen und der Ausbau des Betriebes
werden am eindringlichsten durch die Investitionen belegt. Die nachstehende
Aufstellung gibt einen Überblick über den Investitionsaufwand
(Angaben in 1.000 RM/DM):
| Anlagengruppe |
1945-48/TRM |
1948-54/TDM |
1955-59/TDM |
1960-64/TDM |
zusammen
TRM/DM |
| Straßenbahnwagen |
1745 |
10933 |
14028 |
20121 |
46827 |
| Omnibusse |
886 |
4706 |
4642 |
10086 |
20320 |
| Gleisanlagen |
398 |
7722 |
7947 |
7986 |
24053 |
Streckenausrüstung
und Sicherungs-Anlagen |
9 |
372 |
919 |
2321 |
3621 |
| Gebäude |
1074 |
2029 |
6599 |
6526 |
16228 |
| Alle übrigen Anlagen |
219 |
883 |
1553 |
1945 |
4600 |
| insg: |
4331 |
26645 |
35688 |
48985 |
115649 |
Während rd. 41,9 Mio DM der Investitionen
im Wege der Selbstfinanzierung aus Abschreibungen aufgebracht werden
konnten, mußte der größte Teil des Investitionsbedarfs
mit rd. 71,5 Mio DM über Darlehen finanziert werden. Weitere
rd. 2 Mio DM wurden durch Kapitalerhöhung finanziert.

Omnibus-Betriebshof Gutleut,
um 1950
Das Schwergewicht der Investitionen nach der Währungsreform
betrifft wie in der RM-Zeit den Fahrzeugpark, auf den rd. 58% der
gesamten Investitionen (rd. 64,5 Mio DM) entfallen. Nachdem zunächst
noch zweiachsige Fahrzeuge der alten Art beschafft wurden, kamen
im Zuge der technischen Entwicklung und der Erkenntnisse zur Rationalisierung
des Fahrbetriebes bald großräumige Fahrzeuge zum Einsatz.
Großräumige Straßenbahnwagen sind die zuerst beschafften
vierachsigen Wagen, dann die sechs- und schließlich die achtachsigen
Gelenkwagen. Im Omnibus-Fahrzeugbau war die Entwicklung ähnlich.
Auch für den Omnibusbetrieb wurden größere Fahrzeuge
und Gelenkwagen beschafft. Am 31.12.1964 betrug der Bestand an Fahrzeugen
für Personenbeförderung:
- 311 Straßenbahn-Triebwagen,
- 372 Straßenbahn- Beiwagen und
- 193 Omnibusse.
Im Bestand der Straßenbahn-Triebwagen sind:
- 42 vierachsige Großraumwagen,
- 45 sechsachsige Gelenkwagen und
- 30 achtachsige Doppelgelenktriebwagen,
also zusammen 117 Großraumwagen, im Bestand
der Straßenbahn-Beiwagen sind 56 Großraumwagen enthalten.
Im Omnibuspark befinden sich 20 Gelenkomnibusse.
Ausbau der Strecken
Für Straßenbahnstrecken (Gleisanlagen,
Streckenausrüstung und Sicherungsanlagen) wurden rd. 27,3 Mio
DM investiert. Dieser Aufwand diente überwiegend der Erneuerung
der Anlagen zur Erhaltung der Betriebssicherheit. Aber auch Erweiterungen
des Gleisnetzes sind hierin enthalten, die es verdienen, erwähnt
zu werden. Zu Beginn des Jahres 1952 wurde die Verlängerung
der Straßenbahnstrecke von Nied nach Höchst über
eine neue Niddabrücke in Betrieb genommen. Damit war eine gegenüber
der ehemaligen Kreisstadt Höchst am Main bei der Eingemeindung
vertraglich gegebene Zusage verwirklicht worden. Im Zuge der Erschließung
des Industriegebietes Ost wurde ebenfalls 1952 eine Gleisverbindung
von der Berger Straße über Saalburgstraße - Saalburgallee
- Ostparkstraße bis zur Straße Am Riederbruch hergestellt.
Dem gleichen Zweck diente eine neue Straßenbahnführung
in der Borsigallee von der Lahmeyerstraße bis zur Gwinnerstraße
und die Verlängerung der Straßenbahnstrecke bis zur Kruppstraße.
Eine bedeutsame Streckenerweiterung brachte die Übernahme der
Betriebsanlagen der Frankfurter Lokalbahn A.G. am 1. Januar 1955
mit den Strecken von Heddernheim nach Bad Homburg v.d.H. und von
Heddernheim über Oberursel nach der Hohemark. Anfang 1957 wurde
in Auswirkung des Nachbarschaftsvertrages zwischen der Stadt Frankfurt
am Main und der Gemeinde Bergen-Enkheim die Straßenbahnführung
von der Kruppstraße bis zur Ortsmitte Enkheim verlängert.
Daneben gab es in Verbindung mit anderen Baumaßnahmen eine
Vielzahl von Streckenänderungen und Verbesserungen der Verkehrsführung.
An größeren Vorhaben sind zu nennen:
- Verkehrsumgestaltung auf dem Platz vor dem Hauptbahnhof,
- Aufgabe des Straßenbahnverkehrs in der
Kaiserstraße von Taunusanlage bis Hauptbahnhof mit Bau einer
Ersatzstrecke von Roßmarkt über Große Gallusstraße
- Taunustor - Taunusstraße zum Hauptbahnhof,
- Aufgabe des Straßenbahnverkehrs vom Hauptbahnhof
über Karlstraße - Westendstraße - Feuerbachstraße
bis zur Bockenheimer Landstraße und Herstellung einer neuen
Verkehrsverbindung von Friedrich-Ebert-Anlage über Hauffstraße
- Mendelssohnstraße zur Bockenheimer Landstraße,
- Bau einer Gleisverbindung vom Hauptbahnhof über
die Niddastraße - Ludwigstraße zur Mainzer Landstraße
und Herstellung einer Gleisschleife von der Nordseite des Hauptbahnhofes
über Ottostraße - Poststraße, Erweiterung der
Schleifenanlage vor dem Messegelände,
- Verkehrsumgestaltung im Raume der Hauptwache
- Zeil - Konstablerwache,
- Verlegung der Straßenbahn vom Steinweg
in die Biebergasse mit Anschluß zur Goethestraße,
- zweigleisige Anlage auf dem Goetheplatz
,
- Straßenbahnverbindung durch die Schäfergasse
und Aufgabe der Strecke in der Großen Friedberger Straße,
- Führung der Straßenbahn über
den Theodor-Stern-Kai aus Anlaß der Verkehrsumgestaltung
im Raume der Universitätskliniken.

Strassenbahnverkehr an der Hauptwache/Ecke
Steinweg, ca 1953
Werkstätten und
Betriebshöfe
Die Aufwendungen für Gebäude betrugen
rd. 15,2 Mio DM. Der hohe Zerstörungsgrad, insbesondere der
Werkstätten und Betriebshöfe, brachte für die Belegschaft
der Straßenbahn besonders ungünstige Arbeitsplatzbedingungen.
Hier trat eine Änderung erst ein, nachdem der Fahrzeugpark
und die Fahrstrecken im wesentlichen in Ordnung gebracht waren.
Die neue Omnibuswerkstatt mit Omnibusbetriebshof auf dem Rebstockgelände
wurde im Mai 1959, die neue Omnibushauptwerkstatt im Herbst 1964
in Betrieb genommen. Der Neubau der Straßenbahnhauptwerkstatt
ist noch nicht begonnen worden. Größere Umbauten zur
Modernisierung und Erweiterung wurden in den Betriebshöfen
Heddernheim und Gutleut durchgeführt. Auch in den übrigen
Betriebshöfen und Werkstätten sowie an Gebäuden und
Lagerplätzen der Bauabteilung wurden Verbesserungen vorgenommen.
Daneben wurden die kriegszerstörten und kriegsbeschädigten
Werkswohngebäude wieder aufgebaut oder instandgesetzt. Für
die Fahrgäste wurden zum Schutz gegen die Unbilden der Witterung
nach einem besonderen Wartehallenprogramm in verstärktem Maße
Wartehallen und Schutzdächer errichtet. Ende 1964 verfügte
der Betrieb über rd. 170 solcher Unterstellmöglichkeiten.
Die Investitionen für alle übrigen Anlagen mit rd. 4,4
Mio DM betreffen im wesentlichen elektrische Betriebseinrichtungen,
Maschinen und maschinelle Anlagen, den technischen Fahrzeugpark,
Werkzeuge und Geräte, Betriebs- und Geschäftsausstattung
und Tankanlagen.
Betriebs- und Verkehrsleistungen
Die hohe Investitionstätigkeit blieb nicht
ohne Auswirkungen auf das Verkehrsnetz und die Betriebs- und Verkehrsleistungen.
Die Streckenlängen entwickelten sich wie folgt:
| |
1939 |
1945 |
1964 |
| Straßenbahnbetrieb |
125km |
125km |
143km |
| Omnibusbetrieb |
66km |
nur Pendelbetrieb |
191km |
Die Entwicklung der Betriebs- und Verkehrsleistungen
wurde durch die Wagenbeschaffungen und die Ausdehnung des Verkehrsnetzes
entsprechend beeinflußt. Es betrugen (Angaben in 1000):
| Wagenkilometer im Jahr |
1939 |
1945 |
1955 |
1964 |
| Straßenbahnbetrieb |
29356 |
9144 |
37907 |
24128 |
| Omnibusbetrieb |
2187 |
135 |
8047 |
9173 |
| Gesamtbetrieb |
31723 |
9279 |
45954 |
33301 |
| Platzkilometer im Jahr |
1939 |
1945 |
1955 |
1964 |
| Straßenbahnbetrieb |
1772172 |
548628 |
2625765 |
2808262 |
| Omnibusbetrieb |
98406 |
6080 |
466558 |
856806 |
| Gesamtbetrieb |
1870578 |
554708 |
3092323 |
3665068 |
| Beförderungsfälle im Jahr |
1939 |
1945 |
1955 |
1964 |
| Straßenbahnbetrieb |
121948 |
73438 |
180951 |
164127 |
| Omnibusbetrieb |
7946 |
964 |
28769 |
34236 |
| Gesamtbetrieb |
129894 |
74402 |
209720 |
198363 |
Im Straßenbahnbetrieb liegen die Wagen-km
1955 gegenüber 1939 erheblich höher. Durch den ab 1955
einsetzenden Zugang von großräumigen Fahrzeugen, die
1964 bereits 50,6% der wagenkilometrischen Leistung im Schienenverkehr
erbrachten, war ein kräftiger Rückgang möglich. Im
Omnibusbetrieb haben sich die erhebliche Ausweitung des Verkehrsnetzes
und die Verstärkung des Fahrzeugbestandes trotz größerer
Fahrzeuge in einer laufenden Erhöhung der wagenkilometrischen
Leistungen niedergeschlagen. Das den Fahrgästen zur Verfügung
gestellte Platzangebot wird aus der platzkilometrischen Leistung
ersichtlich. Trotz Rückläufigkeit der Wagenkilometer im
Straßenbahnbetrieb sind die dargebotenen Platzkilometer angestiegen.
Auf den Gesamtbetrieb bezogen hat sich die platzkilometrische Leistung
und damit das Beförderungsangebot gegenüber 1939 nahezu
verdoppelt. Die Beförderungsfälle weisen in beiden Betriebszweigen
zunächst einen steigenden Trend auf, der sich jedoch nur im
Omnibusbetrieb fortgesetzt hat. Im Straßenbahnbetrieb ist
von 1955 bis 1964 ein Rückgang eingetreten, der im wesentlichen
auf die erhebliche Zunahme der Motorisierung zurückzuführen
ist.
Der Personalbestand
Seiner Natur nach ist der Nahverkehrsbetrieb ein
Dienstleistungsbetrieb mit einer hohen Personalintensität.
Der Personalbedarf ist abhängig von der in Wagenkilometern
ausgedrückten Betriebsleistung. Die Entwicklung des Personalbestandes
ergibt sich aus der folgenden Übersicht, wobei die zusätzlichen
Kurzdienstbeschäftigten in Klammern angegeben sind:
| Bestand am |
Arbeiter |
Angestellte/ Beamte |
Zusammen |
| 31.3.1939 |
2859 |
211 |
3070 |
| 31.3.1945 |
1672 |
290 |
1962 |
| 31.3.1955 |
4025(+76) |
385 |
4410(+76) |
| 31.3.1957 |
3927(+231) |
410 |
4337(+231) |
| 31.12.1964 |
2772(+156) |
450 |
3222(+156) |
Nach Funktionsbereichen aufgeteilt waren beschäftigt:
| Bestand am |
Fahrdienst |
Tech.Dienst |
Verw.Dienst |
| 31.3.1955 |
2971(+76) |
1284 |
155 |
| 31.3.1957 |
2849(+231) |
1303 |
185 |
| 31.12.1964 |
1989(+102) |
1015(+54) |
219 |
Der Personalbestand einschließlich der Kurzdienstkräfte
ist bis 1957 von Jahr zu Jahr gestiegen und erreichte einen Höchststand,
der wesentlich über dem Personalbestand der Vorkriegszeit lag.
Der ab 1957 rückläufige Personalbestand ist eine Folge
der einsetzenden Rationalisierung. Zunächst waren es die großräumigen
Fahrzeuge, die einen geringeren Personalbedarf erforderten. Zusätzlich
sind durch schaffnerfreien Betrieb (Einmannomnibusse und Sichtkartenwagen)
weitere Personaleinsparungen erzielt worden. Der rückläufige
Personalbestand ist aber auch eine Folge der zunehmenden Verschlechterung
der Lage auf dem Arbeitsmarkt, wodurch freie Stellen nicht besetzt
werden konnten. Diese Schwierigkeiten werden durch erhebliche Überstundenleistungen
des Stammpersonals und durch den Einsatz von Hausfrauen als Kurzdienstbeschäftigte
und von Studenten als Hilfsschaffner überwunden.
Wirtschaftliche Lage
Bestimmend für die zunehmende Verschlechterung
der Ergebnislage des Unternehmens waren ständige Kostensteigerungen,
die durch Ertragsverbesserungen nicht aufgefangen werden konnten.
Es gilt, das Platzangebot zu verbessern, ohne dadurch personalintensiver
zu werden und den hohen Personalkostenanteil von rd. 60% der Gesamtaufwendungen
noch zu erhöhen. Deshalb wird die Umstellung auf den schaffnerfreien
Betrieb mit Nachdruck betrieben. Mit der Inbetriebnahme der künftigen
Stadtbahnwagen sowie der Automatisierung der Fahrgastbedienung wird
der Personalbedarf entscheidend vermindert. Zwischenzeitlich werden
weitere Straßenbahnfahrzeuge für einen schaffnerfreien
Betrieb hergerichtet. Ende 1964 waren hiervon 50 Fahrzeuge im Einsatz,
bis Ende 1965 werden es 130 Fahrzeuge sein. Die völlige Umstellung
zum schaffnerfreien Betrieb, der dann nicht nur die Zeitkartenbenutzer,
sondern auch die Barzahler einbezieht, erfordert zuverlässige
und störungsfreie Ausgabe- und Signiergeräte, deren technische
Entwicklung jedoch noch nicht abgeschlossen ist.
Die Verkehrseinnahmen, die rd. 95% der Gesamteinnahmen
ausmachen, sind zwar im Laufe der Jahre durch die Zunahme der Beförderungsfälle
und einige Tarifänderungen ebenfalls erheblich angewachsen,
jedoch stark hinter den Aufwendungen zurückgeblieben.
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1939/TRM |
1949/TDM |
1955/TDM |
1960/TDM |
1964/TDM |
| Verkehrseinnahmen |
20389 |
26116 |
50035 |
60590 |
65113 |
| Gesamtaufwendungen |
21299 |
28899 |
55043 |
67432 |
87753 |

Strassenbahnverkehr vor dem Hauptbahnhof,
Ende der Fünfziger
Berichtszeitraum: 1965-72
siehe Stadtwerke
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