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Berichtszeitraum: 1945-65
Ende Mai 1959 wurde die Verkehrsplanung aus dem
Stadtplanungsamt herausgelöst. Es wurde ein selbständiges
"Amt für Verkehrsplanung" mit zunächst 15 Mitarbeitern
gebildet, dessen Hauptaufgaben in der Aufstellung des Gesamtverkehrsplans
und der Anfertigung aller Vorplanungen für die Verkehrsbauten
von Straße und Schiene liegen. Es ergab sich sehr bald, daß
die Aufgaben, die eine moderne Verkehrsplanung an eine Stadt von
der Größe und Bedeutung Frankfurts stellt, von einem
so kleinen Mitarbeiterstab nicht erfüllt werden konnten. Im
November 1961 wurde dem durch 23 Stellenneuschaffungen entsprochen,
die im Laufe der nächsten Jahre um 5 weitere Stellen ergänzt
wurden, so daß der Stellenplan gegenwärtig 43 Stellen
ausweist, von denen infolge der Lage auf dem Arbeitsmarkt zeitweise
ca. 20% nicht besetzt werden konnten. Darüber hinaus wurde
das Amt haushaltsmäßig so ausgestattet, daß es
durch Vergabe von Planungsaufträgen an Ingenieurbüros
zeitgerecht die erforderlichen Vorplanungen aufstellen kann, die
notwendig sind, um durch entsprechende Verfahren die Trassen für
den späteren Bau der Verkehrswege von Straßen und Schiene
freizuhalten und die baureifen Planungen durchzuführen.
Von besonderer Bedeutung für das Amt wurde
die Schaffung des Verkehrsdezernats im Oktober 1961 mit dem Ziel,
die gesamten städtischen Verkehrsinteressen zu koordinieren.
Diese Maßnahme stellte durch Zusammenfassung der planenden
und bauausführenden Ämter, der Straßenbahn und der
Polizei die notwendige Einheit von Planung, Bau und Betrieb aller
Verkehrsträger und Verkehrsmittel her. Durch entsprechende
Verwaltungsvereinbarungen ist die Koordinierung des Bundesbahnregionalverkehrs
mit der städtischen Verkehrsplanung gesichert. Der Zusammenhang
der Verkehrsplanung mit der Stadt- und Regionalplanung wird durch
engste Zusammenarbeit mit der Stadtplanung und den überörtlich
planenden Stellen sowie den Nachbarstädten und -gemeinden gewährleistet.
Gliederung und Organisation des Verkehrsplanungsamtes sind der Arbeitsweise
einer modernen Verkehrsplanung angepaßt. In der Abteilung
Verkehrsuntersuchungen werden die Unterlagen erarbeitet, die für
die Aufstellung des Gesamtverkehrsplans und für die verkehrstechnische
Bearbeitung der Vorplanungen in der Abteilung Planung erforderlich
sind. Verkehrserhebungen und Prognosen über die zu erwartenden
Entwicklungen von Bevölkerung, Wirtschaft, Flächennutzung
und Motorisierung in Stadt und Region führen zu Belastungsprognosen
von Netz und Knotenpunkten der zu planenden Verkehrswege von Straße
und Schiene, die den verkehrstechnischen Berechnungen und Planungen
der Planungsabteilung als Bemessungsunterlagen zugrunde zu legen
sind.
Verkehrserhebungen- und Untersuchungen
In den vergangenen Jahren wurden in bestimmten
Zeitintervallen ständig sich wiederholende Querschnittezählungen
des Straßenverkehrs durchgeführt. Sie gaben Aufschluß
über Belastung der Straßen, Verkehrszunahme, Verkehrszusammensetzung,
Spitzenstundenanteile sowie tägliche, monatliche und jährliche
Schwankungen des Verkehrs. Durch eine Vielzahl von Knotenpunktzählungen
wurden die Bewegungen des Verkehrs in den Kreuzungsräumen ermittelt;
sie dienten der Ausbauplanung und der Festlegung der Signalzeiten
für die Verkehrsregelung.
Eine erste Stromverkehrszählung für den Innenstadtbereich
im November 1960 gab wertvolle Planungshinweise für die Verkehrsbeziehungen
der sich in der Innenstadt bewegenden Fahrzeuge. Allein aus der
Tatsache, daß gut 56% des in die Innenstadt einstrahlenden
Verkehrs diese damals nur durchfahren haben ,
44% also nur die City zum Ziel hatten, konnte bereits gefolgert
werden, daß die Planung von innerstädtischen Umgehungsstraßen
(Cityring, Stadtring, Mainuferstraße) mit Sicherheit zu einer
wesentlichen Entlastung der Innenstadt führen wird.
Die für die Gesamtverkehrsplanung entscheidende Kfz-Stromverkehrszählung
für das gesamte Stadtgebiet wurde im Herbst 1962 durchgeführt.
Die Ingenieurbüros von Professor Schächterle und Dr.Scholz
werteten sie aus und stellten für einen ersten Netzplanungsfall
eine Belastungsprognose für die nächsten 20 Jahre auf;
Variationen verschiedener weiterer Planungsfälle aufgrund dieser
Prognose ermöglichen nunmehr die endgültige Festlegung
und verkehrstechnische Berechnung, Dimensionierung und Gestaltung
des Hauptverkehrs- und Verkehrsstraßennetzes einschließlich
seiner wichtigsten Knotenpunkte. Diese Arbeiten sind noch nicht
abgeschlossen und erfordern auch in Zukunft noch ergänzende
Teiluntersuchungen und Überprüfungen aufgrund des ständig
zunehmenden und sich ändernden Verkehrs. Erhebungen über
den ruhenden Verkehr (Parkflächenangebot, Parkplatz- und Parkhausbelegung
sowie Prognosen) für die Innenstadt und Höchst wurden
im Jahre 1964/65 durchgeführt. Die Untersuchungen lassen bereits
heute erkennen, daß es künftig nur möglich sein
wird, ausreichenden Parkraum für den Wirtschafts- und Geschäftsverkehr,
nicht aber für den Berufsverkehr zur Verfügung zu stellen.
Für den öffentlichen Verkehr wurden Prognosen über
die zu erwartende Linien- und Streckenbelastung des geplanten Stadtbahnnetzes
einschließlich des Umsteigeverkehrs aufgrund von Zählungen
auf der Straßenbahn 1959/60 und späterer Auswertungen
von Fahrgastzählungen (antragsgebundenen Zeitkarten usw.) aufgestellt
und durch das Ingenieurbüro Oltivanyi zusammen mit der Stadtbahnnetzplanung
von 1962-1964 bearbeitet. Diesen Untersuchungen gingen vergleichende
Grundsatzuntersuchungen über U-Bahn, Tiefbahn und Alweg-Bahn
voraus, die im Juni 1961 abgeschlossen wurden und zur Entscheidung
zugunsten der Stadtbahn führten.
Eine umfassende Untersuchung galt dem Arbeitsbeginn und Betriebsschluß
größerer Firmen und Behörden mit mehr als 100 Arbeitnehmern
unter Mitwirken der Industrie- und Handelskammer in den Jahren 1964/1965;
gleichzeitig wurden Schulbeginn und Schulschluß der höheren
und Realschulen ermittelt. Diese Untersuchung führte zu dem
Ergebnis, daß durch eine Staffelung der Arbeitszeiten noch
Verbesserungen im Verkehrsablauf, insbesondere bei der Straßenbahn,
erzielt werden können. Schulen und Betriebe wurden daraufhin
mit entsprechenden Empfehlungen für eine Änderung dieser
Zeiten nicht ohne Erfolg angesprochen. Bei dieser Aktion wurde mit
dem Presse- und Informationsamt zusammengearbeitet.
Der Gesamtverkehrsplan
Die vorstehend genannten Verkehrsuntersuchungen
sollen die 1962 durch die Körperschaften beschlossenen beiden
Bände der "Gesamtverkehrsplanung" bestätigen,
untermauern und zum endgültigen Gesamtverkehrsplan führen.
Mit dem Körperschaftsbeschluß von 1962 über die
Gesamtverkehrsplanung wurde ein erster Abschnitt außerordentlich
angespannter Arbeit aller Mitarbeiter des Amtes abgeschlossen, aber
auch ein Abschnitt kontinuierlicher, intensiver Objektplanung eingeleitet,
der noch nicht beendet ist.
Aufgrund neuer Erkenntnisse und Willensäußerungen
der Körperschaften wurde im Jahre 1964 die Gesamtverkehrsplanung
in einigen Teilen überarbeitet, variiert und ergänzt.
Zu den wesentlichen Umstellungen gehörte die Änderung
von Teilen des Stadtbahnnetzes aufgrund inzwischen erarbeiteter
baulicher, betrieblicher und technischer Verbesserungen. Wesentlich
war aber auch der grundsätzliche Verzicht auf die nördliche
Mainuferstraße zugunsten städtebaulicher Überlegungen
mit dem Ziel eines nördlichen, ungestörten grünen
Mainufers. Städtebaulich wie verkehrlich nicht weniger bedeutsam
und erfreulich werden sich die Beschlüsse über die Schaffung
geschlossener Fußgängerbereiche in der City mit der Geschäfts-
und Einkaufsstraße "Zeil" auswirken, wobei besonderer
Wert darauf gelegt wurde, daß die Ausgänge der Stadtbahnstationen
in diesen Fußgängerbereichen liegen. Die Absichten von
Dezernat und Amt für die endgültige Fassung des Gesamtverkehrsplans
gehen dahin, ihn in mehreren Einzelbänden herauszubringen,
und zwar mit einem ersten Band über die Grundlagen, mit weiteren
Bänden über den fließenden, den ruhenden und den
öffentlichen Verkehr sowie einem Schlußband, der die
Ergebnisse aller Einzeluntersuchungen noch einmal zusammenfaßt
und in einer "Verkehrsbilanz" aufeinander abstimmt. Diesem
Verfahren liegt vor allem die Erkenntnis zugrunde, daß einer
freizügigen Entwicklung jedes einzelnen Verkehrspartners gerade
in Frankfurt Grenzen gesetzt sind und daß es erforderlich
wird, zu einer echten Partnerschaft und Aufgabenteilung in den durch
die Verkehrsbilanz zu ermittelnden Grenzen zwischen Individualverkehr
(insbesondere Wirtschaftsverkehr) und öffentlichem Verkehr
(insbesondere Berufsverkehr) zu kommen.
Planungen für Straße und Schiene
Von den seit 1959 durch die Planungsabteilung aufgenommenen
Planungen konnten einige bereits verwirklicht und dem Verkehr übergeben
werden. Sie haben sich bewährt. Dazu gehören die Schwanheimer
Brücke ,
die Kaiserleibrücke ,
die provisorische Mainbrücke oberhalb der Obermainbrücke,
die Schwanheimer Uferstraße, die bereits die engen Straßen
Schwanheims erheblich entlastet, und der Knotenpunkt Stresemannallee/
Kennedyallee ,
der sich besonders gut bewährt hat. Eine Planung besonderer
Art ist der "Fly-over"
auf dem Platz der Republik, der eine Übergangslösung bis
zum Bau der Stadtbahn darstellt. Von den übrigen bereits durchgeführten
Maßnahmen seien noch genannt: Nibelungenplatz, Leunastraße,
Hansaallee, Reuterweg, Mainzer Landstraße in der City, Hanauer
Landstraße östlich des Ratswegs, die Breitenbach- und
die Maybachbrücke mit den beiderseitigen Zufahrten zu den Brückenköpfen,
der Holbeinplatz und die vielen kleineren Verbesserungen anläßlich
der Sicherstellung des Umleitungsverkehrs für den Stadtbahnbau.
In Bauvorbereitung bzw. bereits im Bau befinden
sich die Stadttangente zwischen Eschborner Kurve und Miquelallee
und die Nordweststraße zwischen Nordweststadtzentrum und Ginnheim
als besonders dringliche Maßnahmen. Zu den weiteren in Bauvorbereitung
befindlichen Planungen des Verkehrsplanungsamts gehören u.a.
die Osttangente in beiderseitiger Verlängerung der Zufahrten
zur Kaiserleibrücke, der Westzubringer, die Wiesbadener Straße
zwischen Autobahn und Messe
und der Knoten Stadtring-Babenhäuser Landstraße.
Insgesamt sind ca. 71 km Schnellverkehrsstraßen,
67 km Hauptverkehrsstraßen und 28 km Verkehrsstraßen
mit den dazugehörigen Knotenpunkten bis Ende 1965 als Vorplanungen
durch das Amt fertiggestellt und den Körperschaften zur Beschlußfassung
vorgelegt worden. Hinzu kommen die mit diesen Objekten verbundenen
Vorplanungen für die Stadtbahn in einer Länge von 43 km.
Damit ist aber noch immer nicht das gesamte künftige Netz planerisch
durchgearbeitet. Außerdem wird, wie oben bereits gesagt, eine
teilweise Nachrechnung und Überarbeitung der Planungen aufgrund
der Prognoseergebnisse der Verkehrsuntersuchungen nicht zu vermeiden
sein.
Neue Wege und Methoden
Das Amt ist bemüht und angesichts der fortschreitenden
Verkehrsentwicklung sogar darauf angewiesen, seine Arbeitsweise
durch eigene Entwicklungen und durch die Anwendung neuester Methoden
und Möglichkeiten ständig zu verbessern und dem letzten
Stande von Technik und Wissenschaft anzugleichen. Einige Beispiele
seien dafür genannt:
- Zählungen sind sehr aufwendig und personalintensiv.
Durch Entwicklung und Anwendung der sogenannten "Scheinwerfermethode"
für Knotenpunktzählungen im Jahre 1964 konnten erhebliche
Einsparungen an Zeit, Geld und Personal erzielt werden.
- Für Pegelzählungen wurden ebenfalls
seit 1964 neu entwickelte automatische Zählgeräte beschafft
und eingesetzt, welche die gezählten Werte gleichzeitig auch
graphisch sichtbar machen.
- Messungen im Verkehr über Stauraumleistung
an Knotenpunkten, Zeitlücken, Geschwindigkeiten und Fahrverhalten
haben seit Anfang 1965 zur Verfeinerung der Methoden zur Knotenpunktberechnung
bzw. zur Berücksichtigung der örtlichen Frankfurter
Gegebenheiten geführt, nachdem erkannt war, daß das
Fahrverhalten der Kraftfahrer in Frankfurt sich von dem in anderen
deutschen Großstädten unterscheidet.
Ferner wurden Untersuchungen eingeleitet, durch
Wechselspuren zu einer rationelleren Ausnutzung des verfügbaren
Verkehrsraums zu kommen. Diese Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen
und haben bisher noch zu keinen befriedigenden Ergebnissen geführt.
Zum Schluß, aber deshalb nicht mit geringem, sondern mit besonderem
Gewicht, sei auf die Bemühungen des Amtes hingewiesen, die
Elektronik für die Planung einzusetzen. Für die Auswertung
kleinerer Verkehrszählungen hat das Amt die Entwicklung von
Programmen für elektronische Datenverarbeitungsmaschinen veranlaßt
bzw. durchgeführt. Von der Planungsabteilung wird die Elektronik
ebenfalls bereits über die beauftragten Ingenieurbüros
bei der Aufstellung der Planungsentwürfe zur Einrechnung der
Trassen verwendet, nachdem die Voraussetzungen dafür durch
die jeweils vorangehende graphische Entwurfsbearbeitung geschaffen
wurden. Gerade hierbei haben sich aber die Grenzen für den
Einsatz der Elektronik insofern gezeigt, als besonders deutlich
wurde, bis zu welchem Stadium der Bearbeitung auf das "Ingenium"
des planenden Ingenieurs nicht verzichtet werden kann. Völlig
undurchführbar aber waren die Auswertungen und Berechnungen
der großräumigen Stromverkehrszählungen von 1963
ohne den Einsatz der elektronischen Datenverarbeitung gewesen. Sie
erst ermöglichte es den planenden Ingenieuren des Amts, Untersuchungen
dieses Umfanges, wie sie ein Stadtgebiet von der Größe
Frankfurts erfordern, in noch realen und vertretbaren Zeiträumen
durchzuführen. In gleicher Weise wird auch durch die Elektronik
erst eine verkehrsabhängige Zentralsteuerung der Signalanlagen
für das ganze Stadtgebiet möglich, mit der sich ein Arbeitsausschuß
unter Federführung des Verkehrsplanungsamtes seit 1964 befaßt.
Berichtszeitraum: 1965-68
Die Tätigkeit des Verkehrsplanungsamtes stand
im Zeichen der Weiterentwicklung der Gesamtverkehrsplanung sowohl
des Sektors Straße als auch des Sektors Schiene. Parallel
dazu wurde die Detailplanung im Rahmen der unmittelbaren Bauvorbereitung
fortgesetzt. Die Folgen der wirtschaftlichen Rezession wurden beim
Verkehrsplanungsamt besonders spürbar. Die Etatansätze
des Haushaltsjahres 1966 für Planungsaufträge an Ingenieurbüros
wurden auf 1/6 gekürzt. Auch wenn diese Reduzierung im folgenden
Rechnungsjahr in gewissem Umfang gemildert wurde, blieb sie auf
Organisation und Arbeitsergebnis des Amtes doch von erheblicher
Bedeutung. Geplante organisatorische Verbesserungen der Amtsstruktur
mußten unterbleiben. Die drei vorhandenen Planungssachgebiete
wurden zu zwei Sachgebieten zusammengefaßt. Die unbesetzten
Stellen wurden entsprechend der für die gesamte Stadtverwaltung
geltenden Regel zum Teil ersatzlos gestrichen. Dadurch stehen dem
Amt gegenwärtig noch 34 Planstellen zur Verfügung, von
denen 32 besetzt sind. Im Zuge der Neubildung des Dezernats Stadtwerke
und Verkehr und der damit verbundenen Auflösung der zentralen
Rechnungsführung und zentralen Personalstelle wurden dem Amt
beide Aufgaben wieder in eigene Zuständigkeit übertragen.
Die personellen und finanziellen Veränderungen hatten vorwiegend
eine Verringerung des Ausstoßes an Vorplanungen zur Folge.
Dadurch wurde ein starker Abbau der Planungsreserven bewirkt. Im
Interesse kontinuierlicher Bauvorbereitung und der Schaffung von
Planungsgrundlagen für die Bebauungsplanverfahren des Stadtplanungsamtes
wird künftig darauf zu achten sein, daß die für
diese Gebiete erforderlichen Arbeiten mit Nachdruck fortgeführt
werden können.
Trotz der geschilderten Schwierigkeiten konnten
im Berichtszeitraum einige wesentliche Arbeiten abgeschlossen bzw.
fortgesetzt werden. Fertiggestellt und als gedruckter Band herausgegeben
wurden die Untersuchungsergebnisse und Prognosen zum "Planungsfall
I" der Planung Straße für das Hauptverkehrsstraßennetz.
Damit liegt der erste Band des Gesamtverkehrsplans der Stadt Frankfurt
vor.
Die Prognosebelastungen dieses Netzes zeigen auf, daß die
Gesamtkonzeption, die der Beschlußfassung durch die städtischen
Körperschaften im Jahre 1962 zugrunde lag, im Prinzip richtig
war. Auf der anderen Seite zeigte sie noch einige Unausgewogenheiten
partieller Art, die zu einer Variation der Netzplanung Straße
und zu einer neuen Untersuchung führte. Diese Änderungen
sehen vor allem einen Verzicht auf den sogen. großen Rhein-Main-Schnellweg
durch die Nordweststadt, die Herabstufung des Hauptverkehrsstraßenzuges
Heerstraße - In der Römerstadt - Berkersheimer Weg zu
einer Verkehrsstraße und die damit verbundene Verlegung der
Ortsverbindungsstraße auf die frühere Trasse des Rhein-Main-Schnellweges
vor. Damit entfällt auch der Anschluß des Berkersheimer
Weges an die Osttangente, desgleichen der Anschluß an die
Autobahn in Höhe der Nordweststadt. Zur Entlastung der Wiesbadener
Straße und des Opelkreisels wurde ein neuer Autobahnanschluß
der Mainuferstraßen eingeplant. Zwischen der Babenhäuser
Landstraße und dem östlichen Stadtring wurde eine Querspange
eingefügt. Ferner wurden zur Klärung der Frage einer südlichen
Mainuferstraße im Bereich von Alt-Sachsenhausen gegenüber
der City sechs Alternativen untersucht und weitere sieben Alternativen
für mehrere Knotenpunktsgruppen im Stadtbereich. Diese neuen
Untersuchungsergebnisse liegen jetzt vor und werden zu neuen Festlegungen
und Beschlußfassungen führen, die demnächst vorbereitet
werden sollen.
Die Untersuchungen für das Stadtbahnnetz wurden
ebenfalls weitergeführt und haben zu Straffungen und Vereinfachungen
geführt, die ebenfalls vorlagereif sind. Wesentliche Änderungen
sind die Umwandlung des Verzweigungsbahnhofs Kaiserstraße
in einen reinen Kreuzungsbahnhof Theater, der Fortfall der zweiten
Mainunterfahrung neben der Friedensbrücke und die damit verbundenen
Netzänderungen im Bereich südlich des Mains und die Verlängerung
der Neu-Isenburger Strecke nach Süden. Weitere partielle Änderungen
werden ebenso wie die vorgenannten zu verkehrlichen und betrieblichen
Verbesserungen bei der Stadtbahn führen und wurden durch die
Untersuchungen belegt. Dabei ergab sich gegenüber den vorangegangenen
Planungsfällen die bisher wirtschaftlichste Lösung für
Bau, Betrieb, Verkehr, Wageneinsatz, Streckenauslastung, Zugfolgedichte
usw. bei gleicher Verkehrsbedienung. Außerdem wurde in Zusammenarbeit
mit den Stadtwerken, Betriebszweig Verkehr, eine neue Erhebung und
Analyse auf den städtischen Verkehrsmitteln eingeleitet. Davon
ist die Zählung selbst bereits abgeschlossen. In Verbindung
mit einer repräsentativen Haushaltsbefragung sollen hieraus
nicht nur betriebliche Unterlagen für die Stadtbahn, sondern
auch bessere Unterlagen für eine Verkehrsbilanz betreffend
den Gesamtverkehr von Straße und Schiene gewonnen werden.
Der Grundlagenband für den Gesamtverkehrsplan
wurde in Zusammenarbeit mit dem Stadtplanungsamt zu einem gemeinsamen
Grundlagenband für Stadt- und Verkehrsplanung zusammengefaßt.
Er liegt im Entwurf vor. Die Arbeiten für den dritten Band
des Gesamtverkehrsplans über den ruhenden Verkehr sind ebenfalls
im Gange und weit vorangetrieben. Grundlage für diese Arbeit
ist eine Untersuchung und Prognose des Ing.Büros Prof. Schächterle.
Die bisherige Parkhauspolitik der Stadt, nämlich Parkhäuser
in der City, nicht aber an deren Rande zu bauen und diese auch selbst
zu betreiben, hat sich danach als richtig erwiesen. Nicht unerheblich
für das künftige Verkehrsgeschehen dürften die Ergebnisse
sein, die eine Arbeitsgruppe mehrerer städtischer Ämter
unter Federführung des Verkehrsplanungsamtes auf dem Gebiet
der elektronischen zentralen Verkehrssteuerung durch Lichtsignalanlagen
erarbeitet hat. Hierbei hat Frankfurt als eine der ersten Städte
im Bundesgebiet ganz neue Möglichkeiten der Technik aufgegriffen.
Diese haben zum Einbau eines ersten derartigen Unteramtes in Sachsenhausen
und eines zweiten für den Bereich Eschersheimer Landstraße
geführt.
An Vorplanungen wurden u.a. folgende größere
Objekte bearbeitet:
- Stadttangente,
- Nordweststraße,
- Nordzubringer,
- wesentliche Abschnitte des Stadtrings und des
City-Rings,
- Hanauer Schnellstraße mit Verknotung am
Bornheimer Hang,
- Wiesbadener Straße mit Knoten am Opelkreisel
,
- nördliche Mainuferstraße zwischen
Nied und Innenstadt,
- Mainzer Landstraße,
- Ortsverbindungsstraße im Bereich der westlichen
Vororte,
- Verkehrslösung Am Theater mit Autotunnel,
- Eschersheimer Landstraße, Babenhäuser
Landstraße usw.
Von ihnen sind einige bereits ausgebaut; andere
befinden sich im Bau bzw. in Bauvorbereitung. Hinzu kommen die Planungen
im engsten City-Bereich, Planungen für die City-Fußgängerbereiche
sowie eine Reihe von Einzellösungen für Knotenpunkte (z.B.
Leunakreisel) und Verkehrsführungspläne für mehrere
Stadtteile. Außerdem wurden Lösungen für die Stadtbahn
entwickelt, soweit sie außerhalb der Tunnelbereiche liegen,
sowie Pläne für Umleitungen im Zusammenhang mit dem U-Bahn-Bau.
Wer heute durch das Stadtgebiet fährt und
dabei Vergleiche mit der Zeit vor vier Jahren anstellt, wird feststellen
können, daß sich die Stadt verkehrlich an vielen Stellen
zu wandeln begonnen hat. Dennoch ist erst ein Teil der notwendigen
Arbeit getan; Änderungen und Ergänzungen werden nötig
sein. Verkehrsplanung ist ja ebenso wie Stadtplanung nicht eine
einmalige, abschließbare Aufgabe, sondern ein sich in immerwährender
Anpassung an die fortschreitende Entwicklung darstellender Prozeß.
Neue Mainzer Straße, 1966
Berichtszeitraum: 1969-72
Im Berichtszeitraum ist in Frankfurt eine Reihe
von Verkehrsbauwerken fertiggestellt oder zu bauen begonnen worden,
für welche vom Verkehrsplanungsamt die planerischen Voraussetzungen
geschaffen wurden. Seit dem 4.Oktober 1968 wird die erste U-Bahn-Strecke
befahren. Die B-Linie ist von Bornheim über Dom-Römerberg
und Theater zum Hauptbahnhof ebenso im Bau wie der S-Bahn-Tunnel
vom Hauptbahnhof über die Alte Oper zur Hauptwache. Die Flughafenbahn
wurde am 14.März 1972 zusammen mit dem neuen Flughafenempfangsgebäude
als eine Verkehrsanlage eröffnet, die in sich die drei Verkehrsträger
Schiene, Straße und Luft vereinigt. Im Zusammenhang damit
sind auch die Fertigstellung der Bundesstraße 43 im Flughafenbereich
und der Baubeginn des Westzubringers" als Straßenverbindung
zwischen der Wiesbadener Autobahn bei Hattersheim und der Schwanheimer
Brücke sowie der Bau der Kelsterbacher Querspange ebenso zu
sehen wie die Bauvorbereitung für die südliche Mainuferstraße
mit Autobahnanschluß zwischen Schwanheim und Niederrad. Die
Autobahn von Kassel wird im Frankfurter Bereich verbreitert; ihr
Anschluß Frankfurt-West an die Wiesbadener Straße ist
fertiggestellt. Der erste Abschnitt der Stadttangente zwischen Eschborner
Kurve und Ludwig-Landmann-Straße ist betriebsbereit, die Verlängerung
bis zur Kurve der Miquelallee in Bauvorbereitung. Über die
neue Friedberger Landstraße kann man ebenso fahren wie über
die Babenhäuser Landstraße, die beide erst seit kurzem
dem Verkehr übergeben wurden. An der Nord-West-Straße
wird ebenso nachdrücklich gebaut wie am Zubringer zum Autobahnanschluß
Bad Homburg zwischen Kalbacher Weg und Bonameser Straße. Die
fertiggestellte Maybachbrücke wäre hier ebenfalls als
wichtiges Bauwerk zu nennen. Es ließe sich noch eine Reihe
weiterer Maßnahmen nennen. Fast alle aber haben gemeinsam,
daß sie entweder vom Bund gebaut oder aber weitgehend von
Bund und Land Hessen mitfinanziert werden.
Ob jedoch in Zukunft gleichfalls so zügig
weitergebaut werden kann wie bisher, dürfte neuerdings ernsthaft
zu bezweifeln sein, und zwar nicht nur wegen der knapper werdenden
Finanzierungsdecke, sondern auch wegen eines anderen Tatbestandes,
der aber offensichtlich noch nicht in das Bewußtsein der Öffentlichkeit
gedrungen ist. Die Vorratsplanungen insbesondere für den Straßenbau
werden nicht mehr lange vorhalten; die notwendige Zeit für
Vorplanung, Planfeststellung, baureife Planung, Grunderwerb und
Bauvorbereitung erfährt, bevor es zur angestrebten Bauausführung
kommt, neuerdings eine erhebliche Ausdehnung durch Geschehnisse,
die sich dem Einfluß der Verkehrsplanung schlechthin entziehen.
Gemeint ist nicht der zweimalige Dezernentenwechsel, der sich in
der Berichtszeit vollzog, als der frühere Verkehrsdezernent
Walter Möller Oberbürgermeister von Frankfurt wurde und
als - eineinhalb Jahre später - das Verkehrsplanungsamt dem
Zuständigkeitsbereich des neuen Bau- und Planungsdezernenten
unterstellt wurde. Die dadurch vielleicht eintretenden Verzögerungen
lassen sich durch ein gut eingearbeitetes Amt weitgehend auffangen.
Gemeint sind vielmehr Geschehnisse in Öffentlichkeit und Verwaltung,
welche zu einer veränderten Einstellung gegenüber dem
Individualverkehr geführt haben und zu einem Überdenken
der bisherigen Planungsmaßnahmen Anlaß geben. Einerseits
haben wir uns in den letzten Jahren in Frankfurt der Vollmotorisierung
mit gegenwärtig etwa 3 Einwohnern je Kraftfahrzeug bereits
so hart genähert, - prognostiziert sind 2,5 EW/Kfz -, daß
die weitere Zunahme des Verkehrs auf den Straßen im wesentlichen
künftig durch die Zunahme von Arbeitsplätzen und Einwohnern,
durch Nutzungsänderungen und Verdichtungen im Kernbereich sowie
durch Zunahmen im Wirtschaftsverkehr erfolgen wird. Aufgrund der
Tatsache, daß gewissermaßen eine Abstimmung mit
den Rädern" stattgefunden hat, mußte bisher und
muß zunächst der Verkehrsplaner weiter davon ausgehen,
daß dem steigenden Bedarf an Straßenverkehrsraum durch
entsprechende Planungen Rechnung zu tragen ist, zumindest so lange,
wie in der gesellschaftspolitischen Willensbildung keine Entscheidung
gegen das Kraftfahrzeug gefallen ist. Gerade in den letzten zwei
Jahren ist nun aber ein Umdenkungsprozeß in der Öffentlichkeit
festzustellen, der sich im Sinne der lebenswerten Stadt und unter
dem Eindruck einer zunehmenden Umweltschädigung gegen den Individualverkehr
richtet, Vorrang für den Ausbau des öffentlichen Schienenverkehrs
fordert, und der zu den Magistratsbeschlüssen geführt
hat, die Planungen für den Straßenverkehr zu überprüfen,
den Autoverkehr in der City zu verdünnen, den Straßenbahnen,
wo irgend möglich, absoluten Vorrang vor den Kraftfahrzeugen
zu geben (durch das sogen. Beschleunigungsprogramm) und die Fußgängerbereiche
nicht nur durch Einbeziehung der Zeil, sondern auch in Höchst
und Alt-Sachsenhausen auszudehnen. Diese Arbeiten sind zum Teil
bereits vorangetrieben, zum Teil angelaufen und zum Teil in Vorbereitung.
Infolgedessen war auch zu überlegen, ob die
bisherigen Verkehrsprognosen noch in der vorliegenden Form aufrechterhalten
werden können. In der Berichtszeit wurde der Band 2 b, Planungsfall
2 für den Individualverkehr mit Varianten für die Sachsenhäuser
Mainuferstraße, und unter Berücksichtigung der Westendveränderungen
und der Planungsabsichten für den neuen Stadtteil Heiligenstock
sowie mit weiteren Veränderungen im Hauptverkehrsstraßennetz
so weit abgeschlossen, daß er im Lay-out mit abgesetzten Drucktexten
schon seit Anfang 1971 druckreif vorliegt. Die Bände 3 und
4, ruhender Verkehr und öffentlicher Nahverkehr, sind ebenfalls
in den letzten Jahren konzipiert worden, so daß die Manuskripte
diskussionsreif wären. Angesichts des soeben geschilderten
Umdenkungsprozesses und der Magistratsbeschlüsse zur lebenswerten
Stadt wurden diese Arbeiten jedoch angehalten. Zunächst ist
der Umbildungsprozeß in der Willensbildung der Gesellschaft
abzuklären. Dazu wäre aber auch die klare Sachdarstellung
aller Daten und Fakten auch der Verkehrsplanung in die Diskussion
einzubringen, was noch nicht immer der Fall war.
Fußgänger an den Rand gedrängt,
Frankfurt 1970
Unabhängig davon, aber nicht ohne Zusammenhang
damit, werden gegenwärtig neue Verkehrsprognosen für den
Gesamtverkehr (Schiene, Straße, ruhender Verkehr, Park-and-Ride)
vorbereitet. Die Grundlagen dafür wurden in den letzten Jahren
erarbeitet, und zwar durch eine Haushaltsbefragung 1968, durch die
Volks- und Berufszählung 1970, durch die Analyse des Straßenverkehrs
in der Region Untermain 1971, durch eine Zählung auf den städtischen
Nahverkehrsmitteln, deren Auswertung vorliegt, und durch eine Zählung
der Deutschen Bundesbahn 1969/70, so daß mit der Aufstellung
neuer Prognosen auch die Basis für eine Überprüfung
und Korrektur nicht nur der bisherigen Prognosen, sondern auch der
Netzplanungen für Straße und Schiene geschaffen wird.
Soweit sich heute bereits übersehen läßt, werden
sich daraus voraussichtlich keine grundsätzlichen Änderungen
der Netzsysteme, sondern vornehmlich partielle Änderungen von
Ausbaugraden und angebotener Leistungsfähigkeit ergeben. Eins
sei an dieser Stelle jedoch mit allem Nachdruck herausgestellt:
Verkehr entsteht nicht aus sich selbst, sondern aus den Nutzungen,
die ihn erzeugen. Jede Nutzungsänderung führt zwangsläufig
auch zu einer Veränderung der erzeugten Verkehrsmengen. Deshalb
werden auch nur Verkehrsprognosen erstellt werden können, deren
Qualität nicht größer als die der Prognosen und
Absichten für die weitere Stadtentwicklung ist. Ferner: Auch
die U-Bahn ist nicht unbegrenzt leistungsfähig. Jede weitere
Verdichtung der City und jede weitere Ausdehnung der City in die
Fläche hinein (Westend, Nordend usw.) im Sinne einer monozentrischen
Stadtentwicklung schaffen eines Tages Verkehrsprobleme, - neben
den sonstigen Infrastrukturleistungen -, die sich weder durch adäquaten
Straßenbau nur für den Wirtschaftsverkehr noch durch
erweiterten U-Bahn-Bau lösen lassen. Deshalb ist gerade die
Frankfurter Verkehrsplanung besonders an den Fortschritten für
die Bildung einer Regionalstadt interessiert, welche erst die für
diesen Raum so notwendige polyzentrische Entwicklung der Stadt ermöglichen
wird. Deshalb aber auch ermuntert die Verkehrsplanung jede Bemühung
um Strukturuntersuchungen und setzt sich für die Erstellung
eines Tragfähigkeitsgutachtens - oder wie immer man es nennen
will - für die innere Stadt ein, welches Auskunft geben kann
über die Grenzen der Cityentwicklung und -Verdichtung, die
heute schon nur noch mit Sorge verfolgt werden können.
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