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Berichtszeitraum: 1945-65
In der letzten Phase vor dem Kriegsende umfaßte
das Büchereisystem 14 Bibliothekseinheiten:
- eine Hauptstelle,
- 11 Zweigstellen,
- 1 Musikbücherei,
- 1 Bücherauto mit Stützpunkten in Bonames,
Eckenheim, Heddernheim, Praunheim, Rödelheim, Sossenheim,
Zeilsheim.
Außerdem sind im Laufe des Krieges eine
Reihe von Lazaretten mit Literatur versorgt worden. Die erste Bestandsaufnahme
nach dem Zusammenbruch 1945 betraf die Neuordnung des Buchbestandes,
d.h. Ausscheidung des nationalsozialistischen Schrifttums, Rückführung
ausgelagerter Buchbestände, Feststellung der Verluste. Die
Wiedereröffnung nicht total zerstörter Büchereien
geschah 1946/47 unter der Leitung des Direktors der Stadt- und Universitätsbibliothek
Prof.Dr.Eppelsheimer. Die Inbetriebnahme betraf folgende Büchereien:
- 1946 Hauptstelle, Musikbücherei, die Zweigstellen
in genannter Reihenfolge: Sachsenhausen, Höchst, Schwanheim,
Eckenheim, Bornheim, Bockenheim, Riederwald,
- 1947 Griesheim und Niederrad. Wegen zu großer
Verluste mußten die Zweigstellen Nied und Sindlingen sowie
die Autobücherei vorläufig aufgegeben werden.
Die Gesamtplanung des Büchereinetzes steht
im Zusammenhang mit derjenigen der Gemeinschaftshäuser. Im
Zeitpunkt der Berichterstattung umfaßt das Büchereinetz
21 Bibliothekseinheiten:
- die Hauptstelle als Mittelpunkt der Information
und als Ergänzungsbücherei für den Leihverkehr
innerhalb des Büchereinetzes,
- die Hauptjugendbücherei,
- 16 Zweistellen: Bockenheim, Bonames, Bornheim
Ortenberger Straße, Dornbusch, Fechenheim, Gallus, Griesheim,
Höchst, Niederrad, Oberrad, Riederwald, Sachsenhausen, Schwanheim,
Sindlingen, Sossenheim, Musikbücherei,
- 1. Autobücherei mit Haltestellen in Berkersheim
2 x, Frankfurter Berg, Ginnheim 2 x, Hausen, Heddernheim, Niederursel
2 x, Praunheim, Römerstadt, Westhausen;
- 2. Autobücherei mit Haltestellen in Kuhwaldsiedlung,
Nied 2 x, Preungesheim, Sachsenhausen-Heimatring, Seckbach, Unterliederbach,
Zeilsheim,
- außerdem je einen Satelliten Fechenheim-Wald
und Oberrad-Gruneliusschule,
- dauernde oder befristete Leihgaben an Schulen,
Altersheime und Zentren der Gastarbeiter.
Zur Zeit bestehen Raumprogramme für die Nordweststadt
und Preungesheim. Die Planung für die Zentrale der Volksbüchereien
(Hauptstelle) im Dom-Römerberg-Bereich wurde 1959 begonnen,
1962 in erweiterter Form für den Bebauungswettbewerb vorgelegt.
Sämtliche Arbeiten standen im Zeichen des
äußeren und inneren Umbaues. Räumliche Erneuerungen
und Erweiterungen erfolgten nach den Grundsätzen der drei "f"
funktional, flexibel (soweit die Umstände es erlaubten), freundlich.
Dazu gehört der Wechsel in Formen der Ausstattung und Farbe.
Dies alles trägt dazu bei, die geeignete Atmosphäre für
Bücher und Leser zu schaffen. Der innere Umbau betraf die zeitgemäße
Umstellung des Buchbestandes auf Freihandausleihe im Gesamtsystem
der Büchereien, wobei betont werden darf, daß in den
Zweigstellen Riederwald und Niederrad die moderne Form der Selbstbedienung
bereits seit 1928 von dem damaligen Direktor Dr.Adolf Wass mit Erfolg
eingerichtet war. Im Anschluß hieran waren die Ausleiherfolge
derart groß, daß die Buchbestände, insbesondere
der Sachliteratur für das gesteigerte Lesebedürfnis nicht
mehr ausreichten. Deshalb mußte ein großzügiger
Aufbau des Buchbestandes von Grund auf für alle Stellen erfolgen.
Dies geschah ab 1952 mit Hilfe eines auf 5 Jahre bis 1957 festgelegten
Buchetats in Höhe von DM 600000,- (pro Jahr DM 120000,-). Das
Schwergewicht der Anschaffungen lag bei dem Jugendschrifttum und
der Sachliteratur. Mit den Jahren verschob sich das Interesse der
Leser deutlich von der Schönen Literatur zur Sachliteratur
hin. Der Zufluß neuer und aktueller Buchbestände machte
umfangreiche Ausscheidungen notwendig und möglich. Mit der
Vergrößerung des Büchereinetzes erhöhte sich
der Bücheretat nach und nach bis zu DM 250000,-. Im Jahre 1962
war der Höchststand mit rund DM 326000,- einschließlich
der Sondermittel für Neugründungen erreicht. Auch sonstige
gelegentliche Zuschüsse bzw. Spenden müssen dankbar erwähnt
werden.
Der weitere Ausbau bezog sich auf die Entfaltung
der Literatur für den Leser in einem reichhaltigen Katalogsystem.
Es gibt 1 Autorenkatalog, 1 systematische Aufgliederung des Sachbuchbestandes.
Hierzu existiert 1 Schlagwortregister, 1 Titelverzeichnis der Schönen
Literatur und 1 Titelverzeichnis des Jugendschrifttums. Diese nur
am Ort zu benutzenden Zettelkataloge werden ergänzt durch gedruckte
bzw. vervielfältigte Auswahlverzeichnisse. Die ständige
Vergrößerung und Inanspruchnahme der Büchereien
erforderten außer Jahr um Jahr erweiterten Ausleihezeiten
neue Organisationsformen, um die zufließende Arbeit mit dem
nicht in gleichem Maß vermehrten Personal zu bewältigen:
d.s. Rationalisierungsmaßnahmen im Gesamtarbeitsablauf, z.B.
Änderungen des Verbuchungssystems, Vereinfachung der Betriebsstatistik,
Einführung der Gebührenfreiheit für das Entleihen
der Bücher und deren Vorbestellungen (1963), Konzentration
der äußeren Bearbeitung des Buches (Folieneinband, Buchbinden,
Beschriften u.a.m.). Wichtig wurde die Rationalisierung vornehmlich
in den Abteilungen der Büchereizentrale (Einkauf, Katalog,
Systematik), eine Phase, die keineswegs abgeschlossen ist. Die Volksbüchereien
sind lokal, regional, im Lande, in Europa und Übersee auch
durch vielseitige Publikationen und Vortragstätigkeit bekanntgemacht
worden.
Berichtszeitraum: 1965-68
Verbesserungen in der Organisation
Im Jahre 1966 wurden in Besprechungen der Dienststellenleitung
mit einem engeren Mitarbeiterkreis die Pläne für eine
Rationalisierung von Arbeitsvorgängen in der Büchereizentrale
und in den einzelnen Büchereien festgelegt. Die hieraus resultierende
Einrichtung einer "Zentralen Beschriftungsstelle" für
alle Büchereien genehmigte das Hauptamt mit Schreiben vom 5.4.1967.
Bis zu diesem Zeitpunkt beschrifteten nämlich die einzelnen
Büchereien die Neuzugänge selbst.
Am 5.7.1967 wurde über das Amt für Wissenschaft,
Kunst und Volksbildung ein neuer Organisationsplan mit weitreichenden
Änderungen in der Geschäftsverteilung vorgelegt. Nach
diesem Plan sollen die Städtischen Volksbüchereien künftig
in folgende vier Abteilungen gegliedert sein:
- 1. Allgemeine Verwaltung,
- 2. Lektorat,
- 3. Zentrale Büchereiverwaltung,
- 4. Büchereisystem.
Das neue Organisationsschema bringt eine Vereinheitlichung
von Arbeitsvorgängen, eine straffe Zusammenfassung bislang
nebeneinander bestehender Büchereizentralstellen zu einer Abteilung
und den Aufbau eines Lektorats. Wir hoffen, daß der neue Plan
noch im Jahr 1968 in Kraft treten kann.
Die Bestände in den Jugendbücherelen
wurden zur Ausnützung zentraler Hilfen auf die in der Bundesrepublik
eingeführte Jugendsystematik umgearbeitet. Andere Umstellungen,
die eine Zeitersparnis bei der Herstellung der Katalogkarten mit
sich bringen werden (Einführung des sogenannten Einheitszettels,
im Ausland als unit card bekannt), sind vorbereitet.
Aus den Zweigstellen
Im Zusammenhang mit einer Umstrukturierung im Büchereisystem
wurde die zu kleine Zweigstelle Oberrad im Januar 1967 geschlossen.
Zum 30.9.1968 ist die Schließung der kleinen Zweigstellen
, Bonames und Fechenheim vorgesehen. Das Einzugsgebiet beider Zweigstellen
ist zu klein. Bonames, Fechenheim und Oberrad werden nach der Eröffnung
der Nordweststadtbücherei mit dem Bücherbus versorgt werden.
Alle anderen Büchereien im System sind in ihrer Büchereiarbeit
sehr wirksam.
Es war vorgesehen, die Ausleiheverbuchung in der
Nordweststadtbücherei mit Hilfe der städtischen Datenverarbeitungsanlage
vorzunehmen. Das wichtige Projekt mußte aber bis zu einer
Erweiterung der Kapazität des städtischen Rechenzentrums
zurückgestellt werden. Die Hauptstelle der Städtischen
Volksbüchereien im Kleinen Hirschgraben entlieh im März
1967 - erstmals seit 1945 - über 25000 Bücher. In dem
Zeitraum von 1962 bis 1967 sind die Entleihungen bei den Städtischen
Volksbücherelen insgesamt um 5,9% gestiegen. Die Steigerungsquote
in der Sach- und Fachliteratur liegt dabei mit 28,1% weit über
dem ermittelten Gesamtdurchschnitt.
Im Herbst 1967 wurde in der Zweigstelle Sindlingen
und im Vortragsraum der Musikbücherei mit der Veranstaltung
von Buchbesprechungsabenden für die Frankfurter Bevölkerung
begonnen. Die Resonanz im Stadtteil Sindlingen war sehr positiv.
Die Musikbücherei hat im Berichtszeitraum
die Zahl ihrer Hausmusikabende beträchtlich erhöht. Gegenwärtig
finden im Jahr etwa 12 solcher kleinen Konzertabende statt.
An der Vorbereitung und Durchführung der jährlichen
Jugendbuchausstellungen in den Römerhallen ist die Hauptjugendbücherei
wesentlich beteiligt gewesen.
Von der Abteilung Literaturdienst wurde ein Druckkatalog
"Osteuropa erzählt" zusammengestellt. Damit verbunden
war eine Buchausstellung. Die Redaktion des gemeinsam von den hessischen
Büchereien hergestellten Katalogs "Hessen - Land der Mitte"
zum Hessentag 1967 in Bad Hersfeld lag bei den Städtischen
Volksbüchereien Frankfurt a.M.
Der Etat für den Bücherkauf wurde gegenüber
1964 um 2/3 gekürzt.
Verschiedene Zweigstellen und die Hauptbücherei
leiden unter akuter Raumnot.
Analyse der Lesegewohnheiten
Zur Analyse der Lesegewohnheiten der Frankfurter
wurde die Leserschaft in vier Altersgruppen eingeteilt:
- 16-25 Jahre,
- 26-45 Jahre,
- 46-60 Jahre,
- 61 und älter.
Der prozentuale Anteil der Altersgruppen an den
Entleihungen in der Schönen Literatur und in der Belehrenden
Literatur wird aus folgender Tabelle deutlich:
Altersgruppen der Leser in Jahren:
| |
16-25 |
26-45 |
46-60 |
61 u. älter |
| Schöne Literatur |
37,5% |
47,1% |
58,2% |
61,6% |
| Belehrende Literatur |
62,5% |
52,9% |
41,8% |
38,4% |
Die Tabelle zeigt zwei genau entgegengesetzt verlaufende
Entwicklungslinien. Die Schöne Literatur wird mit zunehmendem
Alter immer stärker frequentiert. Die Sachliteratur wird von
jungen Menschen am häufigsten benutzt. Ihr Anteil nimmt dann
stetig ab. Für die Bewertung der Tabelle ist es wichtig zu
wissen, wie groß der prozentuale Anteil der Altersgruppen
an der Gesamtleserschaft ist. Die Gruppe der 16-25jährigen
steht mit 41,6% an der Spitze. Während die beiden folgenden
Altersgruppen mit etwas über 20% nahe beieinander liegen, beträgt
der Anteil der Leser über 60 Jahre nur 11,9% Der erstaunlich
hohe Anteil der Altersgruppe von 16-25 Jahren an der Gesamtleserschaft
und die Tatsache, daß dieser Kreis seine Entleihungen zu 62,5%
aus dem Bereich der Sachliteratur vornimmt, zeigt, in welchem Maße
die Städtischen Volksbüchereien Sach- und Fachliteratur,
insbesondere berufskundliche Literatur bereitstellen müssen.
Von den 23 Wissenschaftsgebieten unserer Systematik
weisen folgende sechs Gruppen die höchsten Entleihungen in
der Hauptbücherei auf:
- Staatswissenschaften 11,4%
- Geschichte 9,8%
- Technik 9,7%
- Literaturwissenschaft 8,5%
- Erdkunde 8,4%
- Naturwissenschaften 7,8%
Es ist bemerkenswert, daß diese 6 Gebiete
auch in den kleineren Zweigstellen an erster Stelle stehen. Es gibt
nur eine Ausnahme: Die Literaturwissenschaft wird in den Zweigstellen
durch das Gebiet Sport von ihrer vorderen Stelle verdrängt.
Es muß als erfreulich gewertet werden, daß wichtige
staatskundliche Fächer wie Staatswissenschaften und Geschichte
zusammen mit den naturwissenschaftlichen Disziplinen zu den am stärksten
benutzten Sachgebieten zählen.
Die durchschnittliche Ausleihzahl eines Buches
lag im Jahre 1967 bei 3,2 Entleihungen.
Berichtszeitraum: 1969-72
Sprunghafter Anstieg der Entleihungen
Im In- und Ausland verzeichnen die Bibliotheken
seit einigen Jahren einen deutlichen Anstieg der Entleihungen. Die
Stadtbücherei Frankfurt gab 1969 1106767 Bände aus, 1971
waren es 1348749. Das ist eine Steigerungsrate von ca. 22%. Die
Entleihungen aus der Sach- und Fachliteratur nahmen im Vergleich
zur Schönen Literatur erneut stärker zu. Verschiedene
Verbesserungen im Angebot der Stadtbücherei dürften das
Ergebnis günstig beeinflußt haben. So wurden im Frühjahr
1970 die unterschiedlichen Öffnungszeiten in den Stadtteilbüchereien
vereinheitlicht und gleichzeitig ausgeweitet. Vor allem die Einführung
der Samstagsöffnung in sechs Büchereien wurde von vielen
Besuchern dankbar begrüßt. Die Aufstockung der Mittel
für den Bücherkauf eröffnete die Möglichkeit,
eine vielseitige Auswahl aus der Fülle der Neuerscheinungen
zu treffen. Durch rasche Kaufentscheidung und beschleunigte Einarbeitung
wird aktuelle Literatur einschließlich der Bestseller heute
den Benutzern möglichst unmittelbar nach dem Erscheinen auf
dem Buchmarkt zugänglich gemacht. Obwohl im besonderen Blickpunkt
der Öffentlichkeit stehende Titel in vielen Exemplaren gekauft
werden, ergeben sich immer noch lange Vorbestellzeiten, die zum
Teil bis zu einem halben Jahr und mehr betragen. In den Jahren 1970/71
wurden in allen Büchereien des Systems Zeitungs- und Zeitschriftenabteilungen
aufgebaut. Die Zahl der Zeitungs- und Zeitschriftenabonnements wuchs
von 242 auf 709. Leider fehlt es aufgrund der beengten Raumverhältnisse
in vielen Büchereien an den erforderlichen Lese- und Arbeitsplätzen.
Eine besondere Attraktion im Angebot der Bücherei geht seit
kurzem von den neuen audiovisuellen Medien aus. Sprachprogramme
auf Kassetten und Schallplatten finden schnell ihren Weg zu den
interessierten Benutzern. Die Frankfurter Stadtbücherei hat
als erste deutsche Großstadtbücherei einen Plan für
die Ausstattung ihrer Büchereien mit den audiovisuellen Bildungsmitteln
ausgearbeitet und verfügt auch über eine eigene Haushaltsstelle
zum Aufbau audiovisueller Abteilungen. Seit Anfang dieses Jahres
stehen für die Kinder ausländischer Arbeitnehmer originalsprachige
Bücher bereit. Eine mit dem Stadtschulamt abgesprochene Werbeaktion
führte zu einem bemerkenswerten Anfangserfolg.
Die Nordweststadtbücherei in der Bewährung
Am 4.Oktober 1968 wurde die Nordweststadtbücherei
mit einem Vortrag von Karl Korn zum Thema öffentliche
Bücherei und neue Stadt" ihrer Bestimmung übergeben.
Die nächsten Jahre mußten erweisen, ob die neue große
Stadtteilbücherei, ausgezeichnet durch einen optimalen Standort
inmitten eines Geschäfts- und Kulturzentrums, die in sie gesetzten
Erwartungen zu erfüllen vermochte. Nach 3 1/2 Jahren besteht
kein Zweifel. Vorträge, Puppentheater, Autorenlesungen, Buchbesprechungsabende
und laufende Kunst- und Fotoausstellungen kennzeichnen die Aktivität
dieser Bücherei und ihrer Mitarbeiter. So ist die Nordweststadtbücherei
zu einem die neue Wohnstadt und alte Stadtteile wie Heddernheim,
Niederursel und Praunheim integrierenden, kulturellen Mittelpunkt
geworden.
Veranstaltungen und Publikationen
Ihr 125jähriges Bestehen beging die Stadtbücherei
im Oktober 1970 mit einer Veranstaltungswoche. In der Ausstellung
Audiovisuelle Materialien in der Bibliothek von morgen"
wurde erstmals ein Kassettenfilm mit Hilfe eines besonderen Abspielgerätes
auf einen Fernsehschirm übertragen (EVR-System). In der Eröffnungsveranstaltung
bezeichnete Kultusminister Prof. Ludwig von Friedeburg die Frankfurter
Stadtbücherei als Motor für die weitere Bibliotheksentwicklung
in Hessen. Einen weiteren Höhepunkt der Veranstaltungstätigkeit
bildete die Podiumsdiskussion ,,Ansätze zu einer Politik der
Friedenssicherung", die am 18.Oktober 1971 unter der Gesprächsleitung
von Prof. Eugen Kogon und mit Beteiligung der Friedenspreisträgerin
des Deutschen Buchhandels 1971, Dr. Marion Gräfin Dönhoff,
stattfand. Der Hessische Rundfunk sendete in seinem Abendstudio
Ausschnitte aus der mehr als zweistündigen, mit großem
Engagement bestrittenen Diskussion im überfüllten Sitzungssaal
der Stadtverordnetenversammlung. Mehrere hundert Personen besuchten
eine Sachverständigenbefragung zum Thema Comics - neue
Formen, neue Beurteilungen" und den Vortrag Antiautoritäre
Kinderliteratur" von Prof. Baumgärtner. Ein vielseitiges
Veranstaltungsprogramm, das die schwierige Strauss-Oper Frau
ohne Schatten" durch erklärenden Vortrag und Ausstellung
ebenso einbezog wie eine Analyse der Pop-Musik, bot die Musikbibliothek.
Anfang dieses Jahres fand das 100. Kammerkonzert statt. Seit Jahren
wird die neue Musik in den Programmen besonders berücksichtigt.
Zahlreich sind die Publikationen, die die Stadtbücherei in
den letzten Jahren vorgelegt hat. Die Festschrift Zukunftsaufgaben
öffentlicher Bibliotheken - 125 Jahre Stadtbücherei"
fand im In- und Ausland eine starke Beachtung. Im Jahre 1969 wurde
mit einer neuen Publikation von Buchauswahlverzeichnissen in Form
von Faltprospekten begonnen. Der Grafiker Kristian Roth schuf dazu
das Layout. Bislang sind in dieser Reihe 29 Verzeichnisse zu Themen
unserer Zeit erschienen. Die rege Nachfrage von Firmen und Institutionen
aus der ganzen Bundesrepublik beispielsweise nach den Literaturzusammenstellungen
über Umweltschutz", Rauschgift - Illusion
und Wirklichkeit" und Kinder- und Jugendbücher in
Originalsprachen" zeigt, welchen offenkundigen Bedarf die Öffentliche
Bibliothek durch solche aktuellen Erschließungshilfen deckt.
Dem Ziel, untere Sozialschichten verstärkt für die Büchereiarbeit
zu interessieren, diente der Prospekt Herr Kannichts",
der in einer Auflagenhöhe von 50000 an Frankfurter Betriebe
verteilt wurde. Er stellt einen ersten Versuch dar, in unkonventioneller
Weise Motivationen für die Inanspruchnahme von Büchereien
zu nennen. Mit einem rd. 200 Nummern umfassenden Werkkatalog Paul
Hindemiths und einer Dokumentation der bisherigen 100 Kammerkonzerte
steuerte die Musikbibliothek zwei bemerkenswerte Broschüren
bei.
Büchereientwicklungsplan der Stadt Frankfurt
a.M.
Von besonderer Bedeutung für die zukünftige
Entwicklung der Stadtbücherei ist der auf Antrag der SPD-Fraktion
am 10.7.1969 gefaßte Beschluß der Stadtverordnetenversammlung,
mit dem der Magistrat beauftragt wurde, einen Büchereientwicklungsplan
der Stadt Frankfurt a.M. auszuarbeiten. Der Plan liegt inzwischen
vor. Er wurde vom Magistrat auf seiner Sitzung am 5.6.1972 gebilligt
und der Stadtverordnetenversammlung zur Kenntnisnahme zugeleitet.
Umbenennung
Am 6.10.1969 nahm der Magistrat die Umbenennung
der Städtischen Volksbüchereien in Stadtbücherei"
vor.
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