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Berichtszeitraum: 1945-65

Am Ende des 2.Weltkrieges war von dem schönen
alten Frankfurter Tiergarten nicht viel übriggeblieben. Das
Zoogelände war zu einem weiten Kraterfeld geworden. Die Gebäude,
einschließlich Gesellschaftshaus und Exotarium ,
waren bis auf wenige Ausnahmen vernichtet, ausgebrannt, dem Boden
gleich. Sämtliche Aquarien- und Terrarientiere, alle kleineren
und größeren Raubkatzen und 9/10 aller anderen Tierarten
waren getötet. War es unter solchen Verhältnissen verwunderlich,
daß die amerikanische Militärregierung und die von ihr
eingesetzte deutsche Stadtverwaltung beschlossen, den Zoo zu schließen
und aufzulösen? Sicher eine durchaus verständliche Entscheidung,
wenn man bedenkt, in welchen Nöten und Verhältnissen die
Menschen lebten, welches Elend es allgemein nach Beendigung des
Krieges gab. In ein paar Jahren sollte ein viel größerer
und schönerer Zoo außerhalb Frankfurts errichtet werden.
Die Geschichte der Zoologischen Gärten beweist aber, daß
einmal geschlossene Gärten nicht wieder erstanden. Außerdem
hatte man in besseren Zeiten, schon seit Jahrzehnten, an Plänen
für einen neuen Frankfurter Zoo an einem anderen Platz gearbeitet,
ohne daß sich etwas ereignet hatte. Wer würde dann jetzt
in einer Stadt ohne Wohnungen, Schulen, Krankenhäuser und sonstige
lebenswichtige Einrichtungen daran denken, Millionen in einen völlig
neuen Zoo zu investieren? Deshalb mußten die verantwortlichen
Stellen bewogen werden, ein bescheidenes Ausflicken der Anlagen
und damit den weiteren Betrieb des Zoos zu gestatten. Die Initiative
dazu ergriff Dr.Grzimek, der damals bei Kriegsende nach Frankfurt
gekommen war. Es gelang ihm auch nach zweimonatigen Räumungsarbeiten,
die Erlaubnis für die Wiedereröffnung zu erwirken. Bedingung
war, daß die zerstörte Stadt keine Geldmittel dazu zu
geben brauchte. Es galt zunächst, neue Einnahmequellen zu erschließen.
So wurde auf dem Gelände des zerstörten Zoos ein ständiges
Vergnügungszentrum mit Schaustellungen, Karussells, Achterbahn
usw. eröffnet und so nach dem Kriege über Trümmern
und Elend wieder bürgerliches Leben und Treiben entfacht. Die
ersten Feuerwerke und Tanzveranstaltungen fanden im Zoo statt und
wechselten ab mit Kinder-, Frühlings- und Sommernachtsfesten,
Modenschauen, Eisrevuen, Zirkusvorstellungen und dergleichen. So
kam Geld in die leeren Kassen und ermöglichte es Jahr für
Jahr, Häuser, Käfige und Gehege wieder herzurichten sowie
die Betriebs- und Unterhaltungskosten des Tierbestandes zu bestreiten.
Das in den Folgejahren dann so häufig kritisierte und verpönte
Geschäftsgebaren, das gewiß nichts mit den Aufgaben eines
Zoologischen Gartens gemein hatte, bildete aber die Grundlage für
den Fortbestand und den, wenn unter den gebotenen Möglichkeiten
zunächst auch primitiven Wiederaufbau des Gartens.
In diesen Jahren beschlossen Magistrat und Stadtverordnetenversammlung
auch ein schon vielbedachtes Vorhaben, die Vergrößerung
des Zoologischen Gartens. Begünstigt durch die fast totale
Zerstörung von drei an das Zoogelände angrenzenden Wohnvierteln
wurde dort jeder Wiederaufbau verboten. Dann kam das Jahr 1948 das
Jahr der Währungsreform und einer schweren Krise für den
Frankfurter Zoo. Sie entstand vor allem durch eine ganze Reihe böswilliger
Tiervergiftungen, die trotz größter Bemühungen der
Polizei und Staatsanwaltschaft nicht aufgeklärt werden konnten.
Leider hatte sich in der Zwischenzeit eine für den Zoo nicht
wiedergutzumachende Entwicklung vollzogen: Für den größeren
Teil des vorgesehenen Zoo-Erweiterungsgeländes wurden Baugenehmigungen
für Kranken- und Wohnhäuser erteilt. Es ging damit dem
Zoo für immer verloren.

Giraffen- und Antilopenhaus,
gebaut 1953
Nach der Normalisierung der Verhältnisse durch
die Währungsreform begann der systematische Wiederaufbau. Die
Vergnügungsbetriebe waren aus dem Garten verschwunden und das
gesamte Gelände stand jetzt wieder rein tiergärtnerischen
Bedürfnissen und Zwecken zur Verfügung. Zuerst entstanden
kleinere Neuanlagen, dann ging es nach und nach auch an den Aufbau
größerer Objekte, wie das Giraffen-, Elefanten-, Menschenaffen-
und Raubtierhaus. An deren Finanzierung beteiligte sich die 1950
von Dr.Grzimek wiedergegründete Zoologische Gesellschaft Frankfurt
(M), die Millionen Erlöse aus Tombolen und Spendenaktionen
dem Garten stiftete. Durch großzügige private Stiftungen
konnte das Zebu- und das Ponyhaus errichtet werden. Unermüdlich
wurde jahrelang auch an dem neuen Exotarium gebaut, das 1957 eröffnet
werden konnte. Auf einem Erweiterungsgelände an der Thüringer
Straße entstand der Wirtschaftshof, mit Wirtschaftsgebäude,
Werkstätten, Lagerräumen, Gärtnerei u.a. Von 1955
bis 1958 wurde am Wiederaufbau des Gesellschaftshauses gearbeitet.
Erste Bemühungen, die Ruine niederzulegen und abzutragen, konnten
glücklicherweise vereitelt werden. So wurde die alte klassizistische
Vorderfassade erhalten und nur die rückwärtige Front nach
dem Garten hin mehr in Glas aufgelöst. Allerdings erhielt der
Neubau eine völlig neue Inneneinteilung. In den gleichen Jahren
entstanden auch die Freianlagen für See-Elefanten und für
Bären.
Das dem Zoo verbliebene Erweiterungsgelände
mußte in jahrelangen, mühevollen Verhandlungen mit den
Eigentümern in städtischen Besitz gebracht werden. So
war es erst 1958 möglich, mit der Enttrümmerung und Bebauung
zu beginnen. In verhältnismäßig kurzer Zeit wurden
dann die komplizierten neuen Vogelanlagen mit Juwelensaal, Zentralhalle,
Waldflughalle und Fasanerie, die Affenanlagen mit Freigehegen und,
in Verbindung mit einem Erweiterungsflügel zum Ponyhaus, eine
riesige Steppentier-Freianlage sowie eine Nageranlage darauf errichtet.
Bei diesen neuen Anlagen ging man teilweise bis dahin in Zoologischen
Garten unbeschrittene Wege. Vor allem in den Vogelanlagen wurden
völlig neue Einrichtungen geschaffen. Alle Insassen können
ohne störende Gitter in hellen, landschaftlich gestalteten
Volieren hinter Glasscheiben besehen werden, in der riesigen Waldflughalle
steht der Besucher sogar mitten in der Anlage, und die Vögel
fliegen völlig frei um und über ihn. Auch in der Fasanerie
gehen die Besucher in die Anlage hinein und sind mit den Tieren
in den einzelnen Abteilungen. In den Affenanlagen wurde besonders
auf die Hygiene geachtet. Verkachelte Wände, neuartige Kunstharzböden
sowie Klettergerüste aus Stahl und Sitzbretter aus Kunststoffen
ermöglichen ein einwandfreies Sauberhalten der Anlagen und
unterbinden weitgehendst die Möglichkeit der Parasitenentwicklung.
Diese Einrichtungen und die eingebauten Gitter aus nichtrostendem
Stahl verringern vor allem aber auch die sonst bei derartigen Anlagen
außerordentlich hohen Unterhaltungskosten auf Jahrzehnte hinaus
auf ein Mindestmaß. Restlos bebaut wird das bis jetzt verfügbare
Erweiterungsgelände mit dem viele Funktionen erfüllenden
Gebäude des 2. Zooeingangs mit Versorgungs- und Sozialeinrichtungen.
Im Schatten dieser Großbauvorhaben sind jedoch Jahr für
Jahr Unterhaltungs- und Verbesserungsarbeiten durchzuführen.
Tierhäuser, Gehege und Anlagen müssen nicht nur mit Rücksicht
auf die Gesundheit der Tiere, sondern auch für die Besucher
in einem einwandfreien, sauberen Zustand erhalten werden.
Die Aufgaben des Zoologischen Gartens wurden selbstverständlich
auch von seiner Entwicklung bestimmt. Während von 1945 bis
zur Währungsreform nur reine lebensnotwendige Fragen im Vordergrund
standen, konnte nach der Normalisierung der Verhältnisse auch
wieder an wissenschaftliche und kulturelle Aufgaben gedacht werden.
In wissenschaftlicher Hinsicht standen Fragen der Zootierhaltung
und die Verhaltensforschung im Vordergrund. Studenten und Doktoranden
arbeiteten Jahr für Jahr an wissenschaftlichen Themen, angehende
Zoologen und Tierärzte erlebten in der Praxis Tierpflege und
die Behandlung kranker Tiere. In großer Zahl erschienen Publikationen
aus dem Frankfurter Zoo. Der Tierbestand, der anfangs nur aus herkömmlichen
und vor allem widerstandsfähigen Zooinsassen bestand, konnte
mit dem Wiederauf- bzw. Neubau der Häuser vergrößert
und vor allem durch seltene Arten bereichert werden. So werden heute
viele Tierarten in Frankfurt gepflegt und zum Teil sogar gezüchtet,
die früher als in der Gefangenschaft überhaupt nicht lebensfähig
galten. Weltbekannt ist der Frankfurter Zoo durch seine besonderen
Zuchterfolge mit Okapis, Giraffengazellen, verschiedenen Affen-,
Schlangen-, Fisch- und Vogelarten geworden. Natürlich wird
der wertvolle Tierbestand auch in volksbildender Hinsicht genutzt.
Dies wurde erreicht, indem der Frankfurter Garten zu einem "Sprechenden
Zoo" gemacht wurde. Über jede Tierart wird vor der Unterkunft
auf Schildern mit Fotos, deutschen und wissenschaftlichen Namen,
erklärenden Texten und Verbreitungskarten den Besuchern das
Interessanteste und Wissenswerte vermittelt. Sie werden durch Schautafeln
in den verschiedenen Tierhäusern ergänzt, auf denen Stammesgeschichte,
Verbreitung oder Verhaltensweisen dargestellt sind. Das bedeutete
jahrelange, intensive wissenschaftliche Kleinarbeit der verantwortlichen
Zoologen. Diese Informationsmöglichkeiten wurden in den letzten
Jahren durch die deutsche und englische Radioführung im Exotarium
und Sprechgeräte bei verschiedenen Tierarten erweitert. Gegen
ein geringes Entgelt wird man durch diese Anlagen ausführlich
über die Tiere, ihre Lebensgewohnheiten und Eigenarten unterrichtet.
Gelände "Nestle-Kinderzoo",
1956
Durch die starke Steigerung des Besuches, vor allem
durch die Kinder, hat man die pädagogische Bedeutung des Gartens
erkannt und daraus die Folgerungen gezogen. Seit 1960 wird eine
wissenschaftlich-pädagogisch gebildete Schulreferentin beschäftigt.
Die Nutznießer sind Frankfurter Lehrer und Schulklassen. Biologielehrer
werden in Arbeitsgemeinschaften zusammengefaßt und in Führungen
und Demonstrationen eingehender über den Zoo informiert und
damit der Schulunterricht, der durch einen Zoobesuch belebt und
ergänzt werden kann, vorbereitet. Vereinzelt kann auch Klassen
in unmittelbarer Führung durch die Zoolehrerin am lebenden
Tier Unterricht erteilt werden. Alle Frankfurter Schulklassen brauchen
zum unterrichtlichen Besuch des Zoologischen Gartens und des Exotariums
keinen Eintritt zu zahlen. Darüber hinaus werden in turnusmäßigen
Rundschreiben aber auch die Schulen Hessens und der benachbarten
Bundesländer Rheinland-Pfalz und Unterfranken über wichtige
Geschehnisse im Zoologischen Garten auf dem laufenden gehalten.
Diese Bemühungen haben eine gewaltige Steigerung des Klassenbesuches
bewirkt und dem Frankfurter Zoo durch den Hessischen Ministerpräsidenten
Dr.Zinn schon vor Jahren die ehrenvolle Bezeichnung "Die größte
Schule Hessens" eingebracht.
Die Besucherzahlen des Zoologischen Gartens, die
um die Jahrhundertwende jährlich bei 200000 und in den Vorkriegsjahren
um 300000 lagen, haben sich nach Kriegsende völlig neu entwickelt.
In den Jahren 1945 bis 1948 wurden unter den damaligen besonderen
Umständen und im Zeichen der Geldentwertung jährlich um
2 Millionen Besucher gezählt. Auch hier haben sich die Verhältnisse
mit der Währungsreform normalisiert. 1949 kamen aber bereits
über 900000 Menschen in den Zoo. Dieser Zustrom steigerte sich
in den folgenden Jahren weiterhin gewaltig und steht in den letzten
drei Jahren bei jeweils über 1,7 Millionen Besuchern. Ohne
eine umfangreiche Werbung wäre der Besucherstrom, insbesondere
aus der weiteren Umgebung, nicht so stark. Viele der wirkungsvollsten
Werbeeinrichtungen werden dank der Initiative der Zoodirektion und
dem Wohlwollen öffentlicher und privater Einrichtungen dem
Zoo kostenlos zur Verfügung gestellt oder es werden nur geringe
Kosten für Einrichtung und Unterhaltung berechnet. Als außerordentlich
werbewirksam haben sich die jährlich ausgeschriebenen Wettbewerbe
(Plakat-, Foto-, Bastelwettbewerbe), die mit wertvollen Hauptgewinnen
und Sachpreisen ausgestattet sind, erwiesen. Sie erfreuen sich einer
sehr starken Beteiligung. Die prämiierten Arbeiten bzw. Einsendungen
sind anschließend im Ausstellungsraum des Zoologischen Gartens
zu besichtigen. Als einzige größere gesellschaftliche
Veranstaltung wird jedes Jahr während der Sommerferien das
traditionelle Kinderfest veranstaltet. Der starke Besuch beweist
immer wieder dessen Beliebtheit.
Darüber hinaus werden noch allgemeinverständliche
und interessante wissenschaftliche Vorträge sowie wissenschaftliche
und kulturelle Ausstellungen durchgeführt. Das kurz noch dem
Krieg gegründete "Kleine Theater im Zoo" hat sich
wegen des hohen Niveaus seiner Theaterstücke und der schauspielerischen
Darstellung Ansehen erworben, das ihm bis heute, trotz großer
Konkurrenz durch die modernen städtischen Theateranlagen, erhalten
blieb. Das ebenfalls seit vielen Jahren im Zoo bestehende Jugendkino
hat besonders in den letzten Jahren wieder einen guten Aufschwung
erlebt.
Der Frankfurter Zoologische Garten ist nicht nur
einer der bedeutendsten Deutschlands und Europas, er ist darüber
hinaus weltbekannt und genießt dank seiner modernen Einrichtungen,
seines wertvollen gepflegten Tierbestandes und seiner wissenschaftlichen
Tätigkeit internationale Bedeutung.
der legendäre Prof.
Bernhard Grzimek, die zentrale Figur des Frankfurter Zoos in der
Nachkriegszeit
Berichtszeitraum: 1965-68
Der großzügige Wiederaufbau des
Zoologischen Gartens in den vergangenen Jahren konnte im Berichtszeitraum
bedauerlicherweise nicht fortgesetzt werden. Andere kostspielige
kommunalpolitische Aufgaben der Stadt ließen nicht mehr viel
Raum für Zooneubauten. So wurden an Großbauvorhaben nur
die vorher bereits begonnenen abgeschlossen (zweiter Zooeingang
mit Sozialräumen und Wohnungen für Zoobedienstete, Selbstbedienungsgaststätte,
Andenkenkiosk, Besuchertoilette) bzw. in kleineren Bauabschnitten
Jahr für Jahr fortgesetzt (Umbau der Menschenaffenanlage).
Darüber hinaus standen nur noch Mittel für einige betrieblich
unbedingt erforderliche Ergänzungsbauten zur Verfügung,
wie z.B. für die Aufstockung der Bärenanlage und des Vogelhauses
sowie die Errichtung einer neuen Heizstation) im Raubtierhaus.

Blick in beide Flügel des Raubtierhauses,
es wurde 1954 fertiggestellt
Daß unter solchen Voraussetzungen die
Besucherzahlen noch einigermaßen gleich gehalten werden konnten,
ist letztlich das Ergebnis der nach wie vor auf breitester Grundlage
und mit größtem Nachdruck betriebenen Werbung. Die Nachkriegsjahre
hatten gezeigt, daß neue Anlagen die größte Anziehungskraft
auf die Bevölkerung ausüben, damit zu einer erheblichen
Steigerung von Besuch und Einnahmen führen und sich so sehr
rasch selbst amortisieren. Das Jahr 1965 brachte in Auswirkung der
zuletzt fertiggestellten Vogel- und Affenanlagen im August nicht
nur den höchsten Monatsbesuch (er entsprach dem Jahresdurchschnitt
der Vorkriegszeit!), sondern auch den höchsten Besuch in der
Geschichte des Zoos überhaupt. Erfreulich war die Feststellung,
daß weder eine weitere Erhöhung der Eintrittspreise noch
die Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre den Besucherstrom beeinträchtigten.
Dies zeigt, daß einmal die Bevölkerung für die Anpassung
der Zooeintrittspreise an die allgemeinen Lebenshaltungskosten Verständnis
hat, zum anderen aber auch, daß der Zoo trotz auftretender
wirtschaftlicher Schwierigkeiten von seiner Anziehungskraft nichts
verlor, sondern sich als lohnendes Ausflugsziel weiterhin großer
Beliebtheit erfreut. Immerhin besuchten 1967 über zweieinhalb
Millionen Menschen den Zoologischen Garten und das Exotarium. Allerdings
erwarten die Besucher auch, daß ihnen in neuzeitlichen, sauberen
Anlagen seltene und sehenswerte Tiere gezeigt werden.
Elefantenhaus,
1953/54 gebaut
Die internationale Bedeutung und das weltweite
Ansehen des Zoos werden jedoch ausschließlich durch die wissenschaftlichen
und tiergärtnerischen Leistungen geprägt. Hier konnten
besonders wertvolle, seltene und heikle Tiere erworben und eingewöhnt
werden. Bedeutungsvoller waren wiederum einmalige Zuchterfolge.
Sie sind in vielen Fällen das Ergebnis jahrelanger, mühevoller
Beobachtungen und Versuche zur Verbesserung der Haltungs- und Ernährungsbedingungen
sowie auch eine Auswirkung der modernen, nach neuzeitlichen Erkenntnissen
gebauten Anlagen. Ihr tiergärtnerischer Nutzen tritt erst nach
einigen Jahren ein, wenn neue Zuchtgruppen zusammengestellt, eingewöhnt
und Haltungs- und Zuchterfolge erzielt wurden. Neben den in der
Fachweit besonders beachteten Züchtungen von Nebelpardern und
Mähnenwölfen, Nasenaffen, Stelzenkrähen, Bartvogelarten
und Königsfischern erregte die Gorillazucht das meiste Aufsehen.
Der Frankfurter Zoo züchtet als einziger in der Welt alle vier
Menschenaffenarten (Gorillas, Orang-Utans, Schimpansen und Zwergschimpansen).
Über die Gorillazwillinge "Alice" und "Ellen"
berichtete die gesamte Weltpresse sowie Radio und Fernsehen sehr
ausführlich. Für die Besucher ist es allerdings bedauerlich,
daß sie diese z.Zt. wohl bekanntesten Zooinsassen nicht sehen
können. Da geeignete Betriebsräume fehlen, mußte
die Aufzucht in der Wohnung des Pflegepersonals bzw. in Wohnräumen
des Zoos erfolgen. Es wird indessen ein Tierkinderhaus gebaut, in
dem die Besucher Pflege und Verhalten der Jungtiere werden beobachten
können. Zur schnellstmöglichen Errichtung dieser Anlage
hat die Binding-Brauerei auf Vermittlung der Zoologischen Gesellschaft
von 1858 Frankfurt am Main 90000,- DM zur Verfügung gestellt.
Die vielfältigen biologischen Unterrichtsmöglichkeiten
wurden durch die Schulabteilung weiter ausgebaut. Zwar litt der
Besuch Frankfurter und auswärtiger Schulklassen etwas unter
den Kurzschuljahren, die zur Umstellung des Schuljahres notwendig
waren. Mit der Normalisierung der Verhältnisse dürfte
sich hier jedoch die zwischenzeitlich intensiv betriebene Lehrerfortbildung
günstig auswirken.
Darüber hinaus galten die Bemühungen
des Zoologischen Gartens aber auch weiterhin dem Schutze und der
Erhaltung der vom Aussterben bedrohten Wildtiere in aller Welt.
Dies ist aus wissenschaftlichen und moralischen Gründen heute
eine wichtige und bedeutungsvolle Aufgabe großer, angesehener
Zoologischer Gärten. Da auf diesem Gebiet Prof.Grzimek besonders
tätig ist, wurde er auch zum Präsidenten des Deutschen
Naturschutzringes gewählt.
Berichtszeitraum: 1969-72
Seit Kriegsende hat der Zoologische Garten eine
Entwicklung genommen, die niemand auch nur annähernd voraussehen
konnte. Viele seltene und in der Freiheit vom Aussterben bedrohte
Tierarten haben inzwischen in unserem Garten eine neue Heimat gefunden.
Sie konnten am Leben erhalten und auch zur Fortpflanzung gebracht
werden. Dies ist vor allem ein Verdienst unseres fachlich geschulten
Personals. Aber auch neue Verfahren in der Zoo-Tierhaltung wurden
von uns entwickelt, erprobt und sind in den vergangenen Jahren von
vielen anderen Tiergärten in der ganzen Welt übernommen
worden, so wie wir uns stets bemüht haben, die neuesten Erkenntnisse
aus anderen führenden Zoos für Frankfurt am Main nutzbar
zu machen. Während der Vorkriegsbesuch im letzten Jahrzehnt
durchschnittlich 330000 Menschen jährlich betrug, hat jeder
Frankfurter Zoo und das Exotarium heute sieben- bis fast zehnmal
soviel Besucher, manchmal in einem Monat soviel wie früher
im ganzen Jahr. Mit über 3,2 Millionen Besuchern in den Jahren
1970 und 1971 wird er von allen europäischen Tiergärten
am besten besucht und ist der bedeutendste Fremdenverkehrs- und
damit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor dieser Stadt. Schließlich
haben die Fluggäste der amerikanischen Fluggesellschaft TWA
in einer Umfrage kürzlich den Frankfurter Zoo als die Einrichtung
Deutschlands bezeichnet, welche sie am meisten beeindruckt hat.
Dabei wurde der Frankfurter Zoo neben weiteren Sehenswürdigkeiten
Europas und des Nahen Ostens im gleichen Atemzug genannt. In diesem
Zusammenhang ist eine vom Seminar für Didaktik der Biologie
an der Abteilung für Erziehungswissenschaften der Universität
Frankfurt am Main durchgeführte Besuchererhebung besonders
aufschlußreich. Sie brachte interessante und bisher unbekannte
Tatsachen über Zoo-Besucher und unseren Garten, die auch von
allgemeinem Interesse sind. So stellte sich u.a. heraus, daß
vier Fünftel unserer Besucher von auswärts kommen. Diese
erfreuliche Entwicklung ist zweifellos auch ein Erfolg unserer über
das gesamte Bundesgebiet gestreuten Werbemaßnahmen. Der ständig
steigende Besuch ist aber eine Verpflichtung für den Gastgeber.
In dieser Hinsicht bestehen insbesondere dann erhebliche Schwierigkeiten,
wenn sich in der Hochsaison täglich etwa 25000 bis 30000 Besucher
in unserem kleinen Garten aufhalten. An diesen Tagen ist es kaum
möglich, an die einzelnen Gehege und Tierunterkünfte heranzutreten.
Darüber hinaus ist die Parkplatzfrage nach wie vor nicht zufriedenstellend
gelöst und führt zu häufigen Beschwerden. Der von
der Stadtverordnetenversammlung einstimmig gefaßte Beschluß,
einen zweiten, sehr viel größeren Tiergarten im Nidda-Tal
zusätzlich zu errichten, Ist gerade auch aus diesen Gründen
besonders erfreulich. Der Nidda-Zoo wird den alten Innenstadt-Zoo
nicht ersetzen, sondern ergänzen und vor allem diejenigen Tierarten
aufnehmen, die in größeren Gruppen auf weiten Flächen
leben müssen. In Zusammenarbeit mit anderen städtischen
Ämtern werden die Pläne für den Nidda-Zoo gegenwärtig
ausgearbeitet. Mit dem Bau soll Anfang 1973 begonnen werden.

Zoo-Gesellschaftshaus,
am 28.12.1957 wiedereröffnet
Im Innenstadt-Zoo konnte im Sommer 1969 die Menschenaffen-Aufzuchtstation
gerade rechtzeitig in Betrieb genommen werden. Bis zu diesem Zeitpunkt
wurden die Menschenaffen-Kinder in der Wohnung unseres Oberwärters
aufgezogen, was nicht mehr länger zuzumuten war. Dank der guten
Entwicklung unserer Menschenaffen-Zuchtgruppen zeigte es sich sehr
bald, daß die Erweiterung der Aufzuchtstation nicht zu umgehen
ist. So wurde im Herbst 1970 mit einem weiteren Anbau begonnen,
so daß der zweite Aufzuchtraum im Frühjahr 1971 fertiggestellt
war. Damit konnten vorerst zumindest die räumlichen Voraussetzungen
geschaffen werden, daß unsere inzwischen in der ganzen Welt
beachteten Aufzuchten bei allen vier Menschenaffenarten, die ohne
Ausnahme von der Ausrottung bedroht sind, auch weiterhin erfolgreich
bleiben. Im Jahre 1970 konnten wir bei den Schimpansen sogar die
erste Zucht in der zweiten Generation melden. Im Berichtszeitraum
verdienen die Geburt des dritten Spitzlippen-Nashorns, des 14. Flußpferdes,
der Aufbau einer reinblütigen Sumatra-Tiger-Zucht, die Zuchten
von Mähnenwölfen, Nebelpardern, Amur-Leoparden, Nasenaffen,
Kleideraffen, Springtamarinen, Okapis, Gelbrücken-Ducker, Waldhunden,
Rotbrust-Bartvögeln, Purpurbrust-Krontauben und Bartlett-Dolchstichtauben
erwähnt zu werden. Die Brut und Aufzucht von Rotschnabel-Toks,
die Welt-Erstzucht von Lappenstaren und die ersten erfolgreichen
Zuchten von Rotschopf-Trappen und Blaustirnstelzenkrähen in
Menschenobhut verdienen besondere Beachtung.
Im Jahre 1971 wurde bei unseren Erdmännchen
erstmals der Versuch gemacht, die südwestafrikanische Sonne
durch einen Halogen-Schweinwerfer zu ersetzen. Mit dieser technischen
Einrichtung konnten wir besonders die Jungtiere vor Unterkühlung
bewahren. Die wichtigste Anschaffung im Jahre 1970 dürfte die
einer Zuchtgruppe von Bongos sein. Um diese seltenen Antilopen aufnehmen
zu können, mußte das Gehege der Wapiti-Hirsche geräumt
und umgebaut werden. Sowohl die Anschaffung dieser wertvollen Tiere
als auch der Umbau der Unterkunft wurden nur mit Hilfe der Zoologischen
Gesellschaft von 1858", Frankfurt am Main, ermöglicht.
Wichtige Erneuerungs- und Änderungsarbeiten in unserem Innenstadt-Zoo
wurden fortgesetzt und fertiggestellt. So konnte nach zehnjähriger
Arbeit die Neugestaltung des Menschenaffen-Hauses abgeschlossen
werden. Das Besondere an dieser Anlage ist die neuartige, gitterfreie
Abgrenzung, die aus 26 zweischichtigen Panzerglasscheiben besteht.
Das alte Säugetierhaus wurde abgebrochen. Mit dem Bau des neuen
24-Stunden-Hauses für nacht- und tagaktive kleine bis mittelgroße
Säugetiere konnte Anfang 1972 begonnen werden.
Eine der wichtigsten Aufgaben der Zoologischen
Gärten ist die naturkundliche Volksbildung und dabei in besonderer
Weise die naturkundliche Bildung von Kindern und Jugendlichen. Dieser
Forderung gerecht zu werden, ist eine der vornehmsten Aufgaben unserer
Schulabteilung, die bereits im Jahre 1960 in Zusammenarbeit mit
dem Stadtschulamt geschaffen wurde. Damals war dies eine völlige
Neuheit in einem Tiergarten der Bundesrepublik; seither sind viele
andere Städte dem Frankfurter Beispiel gefolgt. Die großen
Bildungsmöglichkeiten eines Zoologischen Gartens sind nun von
vielen Unterrichtsbehörden erkannt worden. Die in Zusammenarbeit
mit dem Hessischen Lehrerfortbildungswerk gegründete Lehrer-Arbeitsgemeinschaft
im Zoo kann inzwischen schon ihr zwölfjähriges Bestehen
feiern und hat wesentlich dazu beigetragen, daß der Zoo nicht
nur als Ort der Entspannung und Erholung, sondern auch der Bildung
und Belehrung verstanden wird.
Schaubild Zoo-Gelände 1956

- 1 Haupteingang
- 2 Flamingowiese
- 3 Gesellschaftshaus, (Zoo-Gaststätte,
Kleines Theater im Zoo)
- 4 Platz für neue Bären-Freianlagen,
(früher Althoff-Bau)
- 5 Raubtier-Anlagen
- 6 Kleinsäugetier-Haus
- 7 Altes Affenhaus
- 8 Parkrestaurant
- 9 Exotarium
- 10 Kinder-Zoo
- 11 Neues Affenhaus, (im Baubeginn)
- 12 Neues Vogelhaus (projektiert)
- 13 Neues Flußpferdhaus, (projektiert)
- 14 Mähnenspringer, Steinböcke
- 15 Menschenaffen-Haus
- 16 Murmeltiere
- 17 Elefantenhaus
- 18 Altes Vogelhaus
- 19 Ausgang zur Rhönstraße
- 20 Volieren
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- 21 Großraubvögel
- 22 Straußenhaus
- 23 Schuhschnäbel
- 24 Wölfe, Füchse
- 25 Rundbecken
- 26 Bärenburg
- 27 Stelzvogelwiese
- 28 Giraffen- und Antilopenhaus mit Freianlagen,
Okapi
- 29 Hirschgehege
- 30 Wildschweine
- 31 Präriehunde
- 32 Rundbau
- 33 Dr. Schmidt-Anlage
- 34 Rinder- und Zebrahaus mit Freianlage
- 35 Kleine Wiese
- 36 Zebuhaus
- 37 Kamelhaus mit Freianlage
- 38 Großer Weiher
- 39 Pelikan-Weiher
- 40 Robben- und Pinguinanlage, (künftig
See-Elefanten-Becken)
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