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Berichtszeitraum: 1945-65

Am Ende des 2.Weltkrieges war von dem schönen alten Frankfurter Tiergarten nicht viel übriggeblieben. Das Zoogelände war zu einem weiten Kraterfeld geworden. Die Gebäude, einschließlich Gesellschaftshaus und Exotarium , waren bis auf wenige Ausnahmen vernichtet, ausgebrannt, dem Boden gleich. Sämtliche Aquarien- und Terrarientiere, alle kleineren und größeren Raubkatzen und 9/10 aller anderen Tierarten waren getötet. War es unter solchen Verhältnissen verwunderlich, daß die amerikanische Militärregierung und die von ihr eingesetzte deutsche Stadtverwaltung beschlossen, den Zoo zu schließen und aufzulösen? Sicher eine durchaus verständliche Entscheidung, wenn man bedenkt, in welchen Nöten und Verhältnissen die Menschen lebten, welches Elend es allgemein nach Beendigung des Krieges gab. In ein paar Jahren sollte ein viel größerer und schönerer Zoo außerhalb Frankfurts errichtet werden. Die Geschichte der Zoologischen Gärten beweist aber, daß einmal geschlossene Gärten nicht wieder erstanden. Außerdem hatte man in besseren Zeiten, schon seit Jahrzehnten, an Plänen für einen neuen Frankfurter Zoo an einem anderen Platz gearbeitet, ohne daß sich etwas ereignet hatte. Wer würde dann jetzt in einer Stadt ohne Wohnungen, Schulen, Krankenhäuser und sonstige lebenswichtige Einrichtungen daran denken, Millionen in einen völlig neuen Zoo zu investieren? Deshalb mußten die verantwortlichen Stellen bewogen werden, ein bescheidenes Ausflicken der Anlagen und damit den weiteren Betrieb des Zoos zu gestatten. Die Initiative dazu ergriff Dr.Grzimek, der damals bei Kriegsende nach Frankfurt gekommen war. Es gelang ihm auch nach zweimonatigen Räumungsarbeiten, die Erlaubnis für die Wiedereröffnung zu erwirken. Bedingung war, daß die zerstörte Stadt keine Geldmittel dazu zu geben brauchte. Es galt zunächst, neue Einnahmequellen zu erschließen. So wurde auf dem Gelände des zerstörten Zoos ein ständiges Vergnügungszentrum mit Schaustellungen, Karussells, Achterbahn usw. eröffnet und so nach dem Kriege über Trümmern und Elend wieder bürgerliches Leben und Treiben entfacht. Die ersten Feuerwerke und Tanzveranstaltungen fanden im Zoo statt und wechselten ab mit Kinder-, Frühlings- und Sommernachtsfesten, Modenschauen, Eisrevuen, Zirkusvorstellungen und dergleichen. So kam Geld in die leeren Kassen und ermöglichte es Jahr für Jahr, Häuser, Käfige und Gehege wieder herzurichten sowie die Betriebs- und Unterhaltungskosten des Tierbestandes zu bestreiten. Das in den Folgejahren dann so häufig kritisierte und verpönte Geschäftsgebaren, das gewiß nichts mit den Aufgaben eines Zoologischen Gartens gemein hatte, bildete aber die Grundlage für den Fortbestand und den, wenn unter den gebotenen Möglichkeiten zunächst auch primitiven Wiederaufbau des Gartens.

In diesen Jahren beschlossen Magistrat und Stadtverordnetenversammlung auch ein schon vielbedachtes Vorhaben, die Vergrößerung des Zoologischen Gartens. Begünstigt durch die fast totale Zerstörung von drei an das Zoogelände angrenzenden Wohnvierteln wurde dort jeder Wiederaufbau verboten. Dann kam das Jahr 1948 das Jahr der Währungsreform und einer schweren Krise für den Frankfurter Zoo. Sie entstand vor allem durch eine ganze Reihe böswilliger Tiervergiftungen, die trotz größter Bemühungen der Polizei und Staatsanwaltschaft nicht aufgeklärt werden konnten. Leider hatte sich in der Zwischenzeit eine für den Zoo nicht wiedergutzumachende Entwicklung vollzogen: Für den größeren Teil des vorgesehenen Zoo-Erweiterungsgeländes wurden Baugenehmigungen für Kranken- und Wohnhäuser erteilt. Es ging damit dem Zoo für immer verloren.

Giraffen- und Antilopenhaus, gebaut 1953

Nach der Normalisierung der Verhältnisse durch die Währungsreform begann der systematische Wiederaufbau. Die Vergnügungsbetriebe waren aus dem Garten verschwunden und das gesamte Gelände stand jetzt wieder rein tiergärtnerischen Bedürfnissen und Zwecken zur Verfügung. Zuerst entstanden kleinere Neuanlagen, dann ging es nach und nach auch an den Aufbau größerer Objekte, wie das Giraffen-, Elefanten-, Menschenaffen- und Raubtierhaus. An deren Finanzierung beteiligte sich die 1950 von Dr.Grzimek wiedergegründete Zoologische Gesellschaft Frankfurt (M), die Millionen Erlöse aus Tombolen und Spendenaktionen dem Garten stiftete. Durch großzügige private Stiftungen konnte das Zebu- und das Ponyhaus errichtet werden. Unermüdlich wurde jahrelang auch an dem neuen Exotarium gebaut, das 1957 eröffnet werden konnte. Auf einem Erweiterungsgelände an der Thüringer Straße entstand der Wirtschaftshof, mit Wirtschaftsgebäude, Werkstätten, Lagerräumen, Gärtnerei u.a. Von 1955 bis 1958 wurde am Wiederaufbau des Gesellschaftshauses gearbeitet. Erste Bemühungen, die Ruine niederzulegen und abzutragen, konnten glücklicherweise vereitelt werden. So wurde die alte klassizistische Vorderfassade erhalten und nur die rückwärtige Front nach dem Garten hin mehr in Glas aufgelöst. Allerdings erhielt der Neubau eine völlig neue Inneneinteilung. In den gleichen Jahren entstanden auch die Freianlagen für See-Elefanten und für Bären.

Das dem Zoo verbliebene Erweiterungsgelände mußte in jahrelangen, mühevollen Verhandlungen mit den Eigentümern in städtischen Besitz gebracht werden. So war es erst 1958 möglich, mit der Enttrümmerung und Bebauung zu beginnen. In verhältnismäßig kurzer Zeit wurden dann die komplizierten neuen Vogelanlagen mit Juwelensaal, Zentralhalle, Waldflughalle und Fasanerie, die Affenanlagen mit Freigehegen und, in Verbindung mit einem Erweiterungsflügel zum Ponyhaus, eine riesige Steppentier-Freianlage sowie eine Nageranlage darauf errichtet. Bei diesen neuen Anlagen ging man teilweise bis dahin in Zoologischen Garten unbeschrittene Wege. Vor allem in den Vogelanlagen wurden völlig neue Einrichtungen geschaffen. Alle Insassen können ohne störende Gitter in hellen, landschaftlich gestalteten Volieren hinter Glasscheiben besehen werden, in der riesigen Waldflughalle steht der Besucher sogar mitten in der Anlage, und die Vögel fliegen völlig frei um und über ihn. Auch in der Fasanerie gehen die Besucher in die Anlage hinein und sind mit den Tieren in den einzelnen Abteilungen. In den Affenanlagen wurde besonders auf die Hygiene geachtet. Verkachelte Wände, neuartige Kunstharzböden sowie Klettergerüste aus Stahl und Sitzbretter aus Kunststoffen ermöglichen ein einwandfreies Sauberhalten der Anlagen und unterbinden weitgehendst die Möglichkeit der Parasitenentwicklung. Diese Einrichtungen und die eingebauten Gitter aus nichtrostendem Stahl verringern vor allem aber auch die sonst bei derartigen Anlagen außerordentlich hohen Unterhaltungskosten auf Jahrzehnte hinaus auf ein Mindestmaß. Restlos bebaut wird das bis jetzt verfügbare Erweiterungsgelände mit dem viele Funktionen erfüllenden Gebäude des 2. Zooeingangs mit Versorgungs- und Sozialeinrichtungen. Im Schatten dieser Großbauvorhaben sind jedoch Jahr für Jahr Unterhaltungs- und Verbesserungsarbeiten durchzuführen. Tierhäuser, Gehege und Anlagen müssen nicht nur mit Rücksicht auf die Gesundheit der Tiere, sondern auch für die Besucher in einem einwandfreien, sauberen Zustand erhalten werden.

Die Aufgaben des Zoologischen Gartens wurden selbstverständlich auch von seiner Entwicklung bestimmt. Während von 1945 bis zur Währungsreform nur reine lebensnotwendige Fragen im Vordergrund standen, konnte nach der Normalisierung der Verhältnisse auch wieder an wissenschaftliche und kulturelle Aufgaben gedacht werden. In wissenschaftlicher Hinsicht standen Fragen der Zootierhaltung und die Verhaltensforschung im Vordergrund. Studenten und Doktoranden arbeiteten Jahr für Jahr an wissenschaftlichen Themen, angehende Zoologen und Tierärzte erlebten in der Praxis Tierpflege und die Behandlung kranker Tiere. In großer Zahl erschienen Publikationen aus dem Frankfurter Zoo. Der Tierbestand, der anfangs nur aus herkömmlichen und vor allem widerstandsfähigen Zooinsassen bestand, konnte mit dem Wiederauf- bzw. Neubau der Häuser vergrößert und vor allem durch seltene Arten bereichert werden. So werden heute viele Tierarten in Frankfurt gepflegt und zum Teil sogar gezüchtet, die früher als in der Gefangenschaft überhaupt nicht lebensfähig galten. Weltbekannt ist der Frankfurter Zoo durch seine besonderen Zuchterfolge mit Okapis, Giraffengazellen, verschiedenen Affen-, Schlangen-, Fisch- und Vogelarten geworden. Natürlich wird der wertvolle Tierbestand auch in volksbildender Hinsicht genutzt. Dies wurde erreicht, indem der Frankfurter Garten zu einem "Sprechenden Zoo" gemacht wurde. Über jede Tierart wird vor der Unterkunft auf Schildern mit Fotos, deutschen und wissenschaftlichen Namen, erklärenden Texten und Verbreitungskarten den Besuchern das Interessanteste und Wissenswerte vermittelt. Sie werden durch Schautafeln in den verschiedenen Tierhäusern ergänzt, auf denen Stammesgeschichte, Verbreitung oder Verhaltensweisen dargestellt sind. Das bedeutete jahrelange, intensive wissenschaftliche Kleinarbeit der verantwortlichen Zoologen. Diese Informationsmöglichkeiten wurden in den letzten Jahren durch die deutsche und englische Radioführung im Exotarium und Sprechgeräte bei verschiedenen Tierarten erweitert. Gegen ein geringes Entgelt wird man durch diese Anlagen ausführlich über die Tiere, ihre Lebensgewohnheiten und Eigenarten unterrichtet.

Gelände "Nestle-Kinderzoo", 1956

Durch die starke Steigerung des Besuches, vor allem durch die Kinder, hat man die pädagogische Bedeutung des Gartens erkannt und daraus die Folgerungen gezogen. Seit 1960 wird eine wissenschaftlich-pädagogisch gebildete Schulreferentin beschäftigt. Die Nutznießer sind Frankfurter Lehrer und Schulklassen. Biologielehrer werden in Arbeitsgemeinschaften zusammengefaßt und in Führungen und Demonstrationen eingehender über den Zoo informiert und damit der Schulunterricht, der durch einen Zoobesuch belebt und ergänzt werden kann, vorbereitet. Vereinzelt kann auch Klassen in unmittelbarer Führung durch die Zoolehrerin am lebenden Tier Unterricht erteilt werden. Alle Frankfurter Schulklassen brauchen zum unterrichtlichen Besuch des Zoologischen Gartens und des Exotariums keinen Eintritt zu zahlen. Darüber hinaus werden in turnusmäßigen Rundschreiben aber auch die Schulen Hessens und der benachbarten Bundesländer Rheinland-Pfalz und Unterfranken über wichtige Geschehnisse im Zoologischen Garten auf dem laufenden gehalten. Diese Bemühungen haben eine gewaltige Steigerung des Klassenbesuches bewirkt und dem Frankfurter Zoo durch den Hessischen Ministerpräsidenten Dr.Zinn schon vor Jahren die ehrenvolle Bezeichnung "Die größte Schule Hessens" eingebracht.

Die Besucherzahlen des Zoologischen Gartens, die um die Jahrhundertwende jährlich bei 200000 und in den Vorkriegsjahren um 300000 lagen, haben sich nach Kriegsende völlig neu entwickelt. In den Jahren 1945 bis 1948 wurden unter den damaligen besonderen Umständen und im Zeichen der Geldentwertung jährlich um 2 Millionen Besucher gezählt. Auch hier haben sich die Verhältnisse mit der Währungsreform normalisiert. 1949 kamen aber bereits über 900000 Menschen in den Zoo. Dieser Zustrom steigerte sich in den folgenden Jahren weiterhin gewaltig und steht in den letzten drei Jahren bei jeweils über 1,7 Millionen Besuchern. Ohne eine umfangreiche Werbung wäre der Besucherstrom, insbesondere aus der weiteren Umgebung, nicht so stark. Viele der wirkungsvollsten Werbeeinrichtungen werden dank der Initiative der Zoodirektion und dem Wohlwollen öffentlicher und privater Einrichtungen dem Zoo kostenlos zur Verfügung gestellt oder es werden nur geringe Kosten für Einrichtung und Unterhaltung berechnet. Als außerordentlich werbewirksam haben sich die jährlich ausgeschriebenen Wettbewerbe (Plakat-, Foto-, Bastelwettbewerbe), die mit wertvollen Hauptgewinnen und Sachpreisen ausgestattet sind, erwiesen. Sie erfreuen sich einer sehr starken Beteiligung. Die prämiierten Arbeiten bzw. Einsendungen sind anschließend im Ausstellungsraum des Zoologischen Gartens zu besichtigen. Als einzige größere gesellschaftliche Veranstaltung wird jedes Jahr während der Sommerferien das traditionelle Kinderfest veranstaltet. Der starke Besuch beweist immer wieder dessen Beliebtheit.

Darüber hinaus werden noch allgemeinverständliche und interessante wissenschaftliche Vorträge sowie wissenschaftliche und kulturelle Ausstellungen durchgeführt. Das kurz noch dem Krieg gegründete "Kleine Theater im Zoo" hat sich wegen des hohen Niveaus seiner Theaterstücke und der schauspielerischen Darstellung Ansehen erworben, das ihm bis heute, trotz großer Konkurrenz durch die modernen städtischen Theateranlagen, erhalten blieb. Das ebenfalls seit vielen Jahren im Zoo bestehende Jugendkino hat besonders in den letzten Jahren wieder einen guten Aufschwung erlebt.

Der Frankfurter Zoologische Garten ist nicht nur einer der bedeutendsten Deutschlands und Europas, er ist darüber hinaus weltbekannt und genießt dank seiner modernen Einrichtungen, seines wertvollen gepflegten Tierbestandes und seiner wissenschaftlichen Tätigkeit internationale Bedeutung.

der legendäre Prof. Bernhard Grzimek, die zentrale Figur des Frankfurter Zoos in der Nachkriegszeit

 

 

Berichtszeitraum: 1965-68

 

Der großzügige Wiederaufbau des Zoologischen Gartens in den vergangenen Jahren konnte im Berichtszeitraum bedauerlicherweise nicht fortgesetzt werden. Andere kostspielige kommunalpolitische Aufgaben der Stadt ließen nicht mehr viel Raum für Zooneubauten. So wurden an Großbauvorhaben nur die vorher bereits begonnenen abgeschlossen (zweiter Zooeingang mit Sozialräumen und Wohnungen für Zoobedienstete, Selbstbedienungsgaststätte, Andenkenkiosk, Besuchertoilette) bzw. in kleineren Bauabschnitten Jahr für Jahr fortgesetzt (Umbau der Menschenaffenanlage). Darüber hinaus standen nur noch Mittel für einige betrieblich unbedingt erforderliche Ergänzungsbauten zur Verfügung, wie z.B. für die Aufstockung der Bärenanlage und des Vogelhauses sowie die Errichtung einer neuen Heizstation) im Raubtierhaus.

Blick in beide Flügel des Raubtierhauses, es wurde 1954 fertiggestellt

Daß unter solchen Voraussetzungen die Besucherzahlen noch einigermaßen gleich gehalten werden konnten, ist letztlich das Ergebnis der nach wie vor auf breitester Grundlage und mit größtem Nachdruck betriebenen Werbung. Die Nachkriegsjahre hatten gezeigt, daß neue Anlagen die größte Anziehungskraft auf die Bevölkerung ausüben, damit zu einer erheblichen Steigerung von Besuch und Einnahmen führen und sich so sehr rasch selbst amortisieren. Das Jahr 1965 brachte in Auswirkung der zuletzt fertiggestellten Vogel- und Affenanlagen im August nicht nur den höchsten Monatsbesuch (er entsprach dem Jahresdurchschnitt der Vorkriegszeit!), sondern auch den höchsten Besuch in der Geschichte des Zoos überhaupt. Erfreulich war die Feststellung, daß weder eine weitere Erhöhung der Eintrittspreise noch die Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre den Besucherstrom beeinträchtigten. Dies zeigt, daß einmal die Bevölkerung für die Anpassung der Zooeintrittspreise an die allgemeinen Lebenshaltungskosten Verständnis hat, zum anderen aber auch, daß der Zoo trotz auftretender wirtschaftlicher Schwierigkeiten von seiner Anziehungskraft nichts verlor, sondern sich als lohnendes Ausflugsziel weiterhin großer Beliebtheit erfreut. Immerhin besuchten 1967 über zweieinhalb Millionen Menschen den Zoologischen Garten und das Exotarium. Allerdings erwarten die Besucher auch, daß ihnen in neuzeitlichen, sauberen Anlagen seltene und sehenswerte Tiere gezeigt werden.

Elefantenhaus, 1953/54 gebaut

Die internationale Bedeutung und das weltweite Ansehen des Zoos werden jedoch ausschließlich durch die wissenschaftlichen und tiergärtnerischen Leistungen geprägt. Hier konnten besonders wertvolle, seltene und heikle Tiere erworben und eingewöhnt werden. Bedeutungsvoller waren wiederum einmalige Zuchterfolge. Sie sind in vielen Fällen das Ergebnis jahrelanger, mühevoller Beobachtungen und Versuche zur Verbesserung der Haltungs- und Ernährungsbedingungen sowie auch eine Auswirkung der modernen, nach neuzeitlichen Erkenntnissen gebauten Anlagen. Ihr tiergärtnerischer Nutzen tritt erst nach einigen Jahren ein, wenn neue Zuchtgruppen zusammengestellt, eingewöhnt und Haltungs- und Zuchterfolge erzielt wurden. Neben den in der Fachweit besonders beachteten Züchtungen von Nebelpardern und Mähnenwölfen, Nasenaffen, Stelzenkrähen, Bartvogelarten und Königsfischern erregte die Gorillazucht das meiste Aufsehen. Der Frankfurter Zoo züchtet als einziger in der Welt alle vier Menschenaffenarten (Gorillas, Orang-Utans, Schimpansen und Zwergschimpansen). Über die Gorillazwillinge "Alice" und "Ellen" berichtete die gesamte Weltpresse sowie Radio und Fernsehen sehr ausführlich. Für die Besucher ist es allerdings bedauerlich, daß sie diese z.Zt. wohl bekanntesten Zooinsassen nicht sehen können. Da geeignete Betriebsräume fehlen, mußte die Aufzucht in der Wohnung des Pflegepersonals bzw. in Wohnräumen des Zoos erfolgen. Es wird indessen ein Tierkinderhaus gebaut, in dem die Besucher Pflege und Verhalten der Jungtiere werden beobachten können. Zur schnellstmöglichen Errichtung dieser Anlage hat die Binding-Brauerei auf Vermittlung der Zoologischen Gesellschaft von 1858 Frankfurt am Main 90000,- DM zur Verfügung gestellt.

Die vielfältigen biologischen Unterrichtsmöglichkeiten wurden durch die Schulabteilung weiter ausgebaut. Zwar litt der Besuch Frankfurter und auswärtiger Schulklassen etwas unter den Kurzschuljahren, die zur Umstellung des Schuljahres notwendig waren. Mit der Normalisierung der Verhältnisse dürfte sich hier jedoch die zwischenzeitlich intensiv betriebene Lehrerfortbildung günstig auswirken.

Darüber hinaus galten die Bemühungen des Zoologischen Gartens aber auch weiterhin dem Schutze und der Erhaltung der vom Aussterben bedrohten Wildtiere in aller Welt. Dies ist aus wissenschaftlichen und moralischen Gründen heute eine wichtige und bedeutungsvolle Aufgabe großer, angesehener Zoologischer Gärten. Da auf diesem Gebiet Prof.Grzimek besonders tätig ist, wurde er auch zum Präsidenten des Deutschen Naturschutzringes gewählt.

 

 

Berichtszeitraum: 1969-72

 

Seit Kriegsende hat der Zoologische Garten eine Entwicklung genommen, die niemand auch nur annähernd voraussehen konnte. Viele seltene und in der Freiheit vom Aussterben bedrohte Tierarten haben inzwischen in unserem Garten eine neue Heimat gefunden. Sie konnten am Leben erhalten und auch zur Fortpflanzung gebracht werden. Dies ist vor allem ein Verdienst unseres fachlich geschulten Personals. Aber auch neue Verfahren in der Zoo-Tierhaltung wurden von uns entwickelt, erprobt und sind in den vergangenen Jahren von vielen anderen Tiergärten in der ganzen Welt übernommen worden, so wie wir uns stets bemüht haben, die neuesten Erkenntnisse aus anderen führenden Zoos für Frankfurt am Main nutzbar zu machen. Während der Vorkriegsbesuch im letzten Jahrzehnt durchschnittlich 330000 Menschen jährlich betrug, hat jeder Frankfurter Zoo und das Exotarium heute sieben- bis fast zehnmal soviel Besucher, manchmal in einem Monat soviel wie früher im ganzen Jahr. Mit über 3,2 Millionen Besuchern in den Jahren 1970 und 1971 wird er von allen europäischen Tiergärten am besten besucht und ist der bedeutendste Fremdenverkehrs- und damit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor dieser Stadt. Schließlich haben die Fluggäste der amerikanischen Fluggesellschaft TWA in einer Umfrage kürzlich den Frankfurter Zoo als die Einrichtung Deutschlands bezeichnet, welche sie am meisten beeindruckt hat. Dabei wurde der Frankfurter Zoo neben weiteren Sehenswürdigkeiten Europas und des Nahen Ostens im gleichen Atemzug genannt. In diesem Zusammenhang ist eine vom Seminar für Didaktik der Biologie an der Abteilung für Erziehungswissenschaften der Universität Frankfurt am Main durchgeführte Besuchererhebung besonders aufschlußreich. Sie brachte interessante und bisher unbekannte Tatsachen über Zoo-Besucher und unseren Garten, die auch von allgemeinem Interesse sind. So stellte sich u.a. heraus, daß vier Fünftel unserer Besucher von auswärts kommen. Diese erfreuliche Entwicklung ist zweifellos auch ein Erfolg unserer über das gesamte Bundesgebiet gestreuten Werbemaßnahmen. Der ständig steigende Besuch ist aber eine Verpflichtung für den Gastgeber. In dieser Hinsicht bestehen insbesondere dann erhebliche Schwierigkeiten, wenn sich in der Hochsaison täglich etwa 25000 bis 30000 Besucher in unserem kleinen Garten aufhalten. An diesen Tagen ist es kaum möglich, an die einzelnen Gehege und Tierunterkünfte heranzutreten. Darüber hinaus ist die Parkplatzfrage nach wie vor nicht zufriedenstellend gelöst und führt zu häufigen Beschwerden. Der von der Stadtverordnetenversammlung einstimmig gefaßte Beschluß, einen zweiten, sehr viel größeren Tiergarten im Nidda-Tal zusätzlich zu errichten, Ist gerade auch aus diesen Gründen besonders erfreulich. Der Nidda-Zoo wird den alten Innenstadt-Zoo nicht ersetzen, sondern ergänzen und vor allem diejenigen Tierarten aufnehmen, die in größeren Gruppen auf weiten Flächen leben müssen. In Zusammenarbeit mit anderen städtischen Ämtern werden die Pläne für den Nidda-Zoo gegenwärtig ausgearbeitet. Mit dem Bau soll Anfang 1973 begonnen werden.

Zoo-Gesellschaftshaus, am 28.12.1957 wiedereröffnet

Im Innenstadt-Zoo konnte im Sommer 1969 die Menschenaffen-Aufzuchtstation gerade rechtzeitig in Betrieb genommen werden. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden die Menschenaffen-Kinder in der Wohnung unseres Oberwärters aufgezogen, was nicht mehr länger zuzumuten war. Dank der guten Entwicklung unserer Menschenaffen-Zuchtgruppen zeigte es sich sehr bald, daß die Erweiterung der Aufzuchtstation nicht zu umgehen ist. So wurde im Herbst 1970 mit einem weiteren Anbau begonnen, so daß der zweite Aufzuchtraum im Frühjahr 1971 fertiggestellt war. Damit konnten vorerst zumindest die räumlichen Voraussetzungen geschaffen werden, daß unsere inzwischen in der ganzen Welt beachteten Aufzuchten bei allen vier Menschenaffenarten, die ohne Ausnahme von der Ausrottung bedroht sind, auch weiterhin erfolgreich bleiben. Im Jahre 1970 konnten wir bei den Schimpansen sogar die erste Zucht in der zweiten Generation melden. Im Berichtszeitraum verdienen die Geburt des dritten Spitzlippen-Nashorns, des 14. Flußpferdes, der Aufbau einer reinblütigen Sumatra-Tiger-Zucht, die Zuchten von Mähnenwölfen, Nebelpardern, Amur-Leoparden, Nasenaffen, Kleideraffen, Springtamarinen, Okapis, Gelbrücken-Ducker, Waldhunden, Rotbrust-Bartvögeln, Purpurbrust-Krontauben und Bartlett-Dolchstichtauben erwähnt zu werden. Die Brut und Aufzucht von Rotschnabel-Toks, die Welt-Erstzucht von Lappenstaren und die ersten erfolgreichen Zuchten von Rotschopf-Trappen und Blaustirnstelzenkrähen in Menschenobhut verdienen besondere Beachtung.

Im Jahre 1971 wurde bei unseren Erdmännchen erstmals der Versuch gemacht, die südwestafrikanische Sonne durch einen Halogen-Schweinwerfer zu ersetzen. Mit dieser technischen Einrichtung konnten wir besonders die Jungtiere vor Unterkühlung bewahren. Die wichtigste Anschaffung im Jahre 1970 dürfte die einer Zuchtgruppe von Bongos sein. Um diese seltenen Antilopen aufnehmen zu können, mußte das Gehege der Wapiti-Hirsche geräumt und umgebaut werden. Sowohl die Anschaffung dieser wertvollen Tiere als auch der Umbau der Unterkunft wurden nur mit Hilfe der „Zoologischen Gesellschaft von 1858", Frankfurt am Main, ermöglicht. Wichtige Erneuerungs- und Änderungsarbeiten in unserem Innenstadt-Zoo wurden fortgesetzt und fertiggestellt. So konnte nach zehnjähriger Arbeit die Neugestaltung des Menschenaffen-Hauses abgeschlossen werden. Das Besondere an dieser Anlage ist die neuartige, gitterfreie Abgrenzung, die aus 26 zweischichtigen Panzerglasscheiben besteht. Das alte Säugetierhaus wurde abgebrochen. Mit dem Bau des neuen 24-Stunden-Hauses für nacht- und tagaktive kleine bis mittelgroße Säugetiere konnte Anfang 1972 begonnen werden.

Eine der wichtigsten Aufgaben der Zoologischen Gärten ist die naturkundliche Volksbildung und dabei in besonderer Weise die naturkundliche Bildung von Kindern und Jugendlichen. Dieser Forderung gerecht zu werden, ist eine der vornehmsten Aufgaben unserer Schulabteilung, die bereits im Jahre 1960 in Zusammenarbeit mit dem Stadtschulamt geschaffen wurde. Damals war dies eine völlige Neuheit in einem Tiergarten der Bundesrepublik; seither sind viele andere Städte dem Frankfurter Beispiel gefolgt. Die großen Bildungsmöglichkeiten eines Zoologischen Gartens sind nun von vielen Unterrichtsbehörden erkannt worden. Die in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Lehrerfortbildungswerk gegründete Lehrer-Arbeitsgemeinschaft im Zoo kann inzwischen schon ihr zwölfjähriges Bestehen feiern und hat wesentlich dazu beigetragen, daß der Zoo nicht nur als Ort der Entspannung und Erholung, sondern auch der Bildung und Belehrung verstanden wird.

 

Schaubild Zoo-Gelände 1956

  • 1 Haupteingang
  • 2 Flamingowiese
  • 3 Gesellschaftshaus, (Zoo-Gaststätte, Kleines Theater im Zoo)
  • 4 Platz für neue Bären-Freianlagen, (früher Althoff-Bau)
  • 5 Raubtier-Anlagen
  • 6 Kleinsäugetier-Haus
  • 7 Altes Affenhaus
  • 8 Parkrestaurant
  • 9 Exotarium
  • 10 Kinder-Zoo
  • 11 Neues Affenhaus, (im Baubeginn)
  • 12 Neues Vogelhaus (projektiert)
  • 13 Neues Flußpferdhaus, (projektiert)
  • 14 Mähnenspringer, Steinböcke
  • 15 Menschenaffen-Haus
  • 16 Murmeltiere
  • 17 Elefantenhaus
  • 18 Altes Vogelhaus
  • 19 Ausgang zur Rhönstraße
  • 20 Volieren
  • 21 Großraubvögel
  • 22 Straußenhaus
  • 23 Schuhschnäbel
  • 24 Wölfe, Füchse
  • 25 Rundbecken
  • 26 Bärenburg
  • 27 Stelzvogelwiese
  • 28 Giraffen- und Antilopenhaus mit Freianlagen, Okapi
  • 29 Hirschgehege
  • 30 Wildschweine
  • 31 Präriehunde
  • 32 Rundbau
  • 33 Dr. Schmidt-Anlage
  • 34 Rinder- und Zebrahaus mit Freianlage
  • 35 Kleine Wiese
  • 36 Zebuhaus
  • 37 Kamelhaus mit Freianlage
  • 38 Großer Weiher
  • 39 Pelikan-Weiher
  • 40 Robben- und Pinguinanlage, (künftig See-Elefanten-Becken)
 
Quelle: Jahresberichte der Stadt Frankfurt 1945-72
frankfurt baut auf