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Der Welt älteste fotochemische Fabrik im Besitz
der Gründerfamilie nennen sich mit Stolz die 186o in Frankfurt
am Main gegründeten ADOX FOTOWERKE
Dr.C. Schleussner GmbH ihr Hauptwerk, die Filmfabrik
in Neu-Isenburg, in der vor dem zweiten Weltkrieg etwa 5oo
Mitarbeiter tätig waren, ging am 22. Dezember 1943 in Flammen
auf. Mit dem ganzen Städtchen sank ein in drei Generationen
aufgebautes Familienunternehmen in Schutt und Asche. Die Trümmerstätte
rauchte noch, als der heutige Seniorchef Dr.C.A. Schleussner mit
den Plänen für den Wiederaufbau begann. Seiner Tatkraft
gelang es, mitten in der katastrophalen Endphase des Krieges dafür
wesentliche Voraussetzungen zu schaffen. In kleinen Ausweichbetrieben
wurde notdürftig weiterproduziert. Die Spezialmaschinen wurden
aus dem Schutt ausgegraben und allen Schwierigkeiten zum Trotz nach
Dresden geschafft, dort repariert und durch Neukonstruktionen ergänzt.
Ende 1944 waren sie zum größten Teil fertig, als die
Luftangriffe über Dresden hereinbrachen. Sie mußten erneut
aus Trümmern geborgen und mitten in dem Flüchtlingsstrom,
der sich Anfang 1945 über Mitteldeutschland ergoß, nach
Thüringen verlagert werden. Dort standen sie noch, als die
Amerikaner im Juni 1945 ihre Besatzungstruppen zurückzogen
und die Russen an ihrer Stelle einrückten.
Inzwischen hatten am Osterdienstag 1945 in Neu-Isenburg
etwa 80 alte Mitarbeiter mit dem Neuaufbau
des Betriebes begonnen. Leider war der Vorrat an unbegossenem Celluloid
bei der Besetzung requiriert worden. An ein Emulsionieren und Begießen
von Rohfilmen war überdies vorerst nicht zu denken, denn dafür
fehlten die nötigen Kohlen. Aber es gab noch Halbfabrikate,
begossenes und emulsioniertes Celluloid sowie Papiervorräte.
Sie konnten weiter verarbeitet und so der dringendste Bedarf der
Krankenhäuser an Röntgenmaterial befriedigt werden.
Für den Aufbau einer regulären Produktion
mußten jedoch die noch ausgelagerten Maschinen herangeschafft
werden. Mit Unterstützung der hessischen Regierung und dank
der unablässigen Bemühungen eines mitteldeutschen Vertreters
der Firma konnte auch dies geschafft werden. Nach schwierigen Verhandlungen
mit den russischen Stellen rollten drei Waggons mit Maschinen und
Maschinenteilen nach Neu-Isenburg. Mehr war nicht übriggeblieben,
und doch genügte es, um die Produktion in Gang zu bringen.
Seit Januar 1946 hatte man schon in einem benachbarten Emaillierwerk
eine Celluloidanlage aufgebaut und anschließend auch das Emulsionieren
wieder aufgenommen. Mit den geretteten Maschinen konnte der Betrieb
bald wieder eine einigermaßen reguläre Herstellung einrichten.
Es gab noch einmal einen Rückschlag, als am 9. Januar 1947
eine Celluloidmaschine in Flammen aufging. Doch auch dieser Verlust
war bald überwunden.
Die Adox Fotowerke stellten sich damals selbst
die vordringliche Aufgabe, Röntgenfilme, die der Medizin allenthalben
fehlten, zu fabrizieren, um einem dringenden Notstand im Dienste
der Allgemeinheit abzuhelfen.
Mit der Währungsreform
setzte dann erst recht eine stürmische Aufwärtsentwicklung
ein. Um der Nachfrage einigermaßen gerecht zu werden, waren
laufend beträchtliche Investitionen erforderlich. Doch nun
standen Aufbaukredite und in geringerem Umfang auch Mittel aus der
Marshallplanhilfe, die sehr langsam zuflossen und bis Ende 1956
wieder zurückgezahlt waren, zur Verfügung. Allein die
bebaute Fläche des Werkes Neu-Isenburg konnte seit 1948 verfünffacht
werden. Es entstand hier eine völlig neue, durchorganisierte
Filmfabrik mit modernsten Einrichtungen. Das ebenfalls im Krieg
zerstörte Werk in Köln, das bis dahin Fotoplatten hergestellt
hatte, wurde wieder aufgebaut und mit neuen Aufgaben betraut. 1951
konnte die Produktion von Fotopapieren wieder aufgenommen und in
den beiden folgenden Jahren wesentlich erweitert werden. Ebenso
wurde das Kamerawerk in Wiesbaden
nach dem Wiederaufbau 1953 bedeutend vergrößert. In diesem
Jahre erreichte der Ausbau der Produktionsstätten einen gewissen
Abschluß, der mit der Einweihung einer großen, komfortablen
Kantine in Neu-Isenburg gefeiert werden konnte. Die Adox Fotowerke
verdanken diesen Aufstieg in erster Linie der intensiven Arbeit
ihres heutigen Seniorchefs und aller seiner Mitarbeiter. Daß
sie in den Jahren der Not unter schwierigsten Bedingungen alles
darangesetzt hatten, um den Bedarf ihrer Kunden zu befriedigen,
hatte ihnen einen Vorsprung verschafft. Diese Aufbauarbeit wurde
unterstützt durch intensive Forschungstätigkeit und betriebliche
Rationalisierung.
Nachdem die Adox Fotowerke ihre erste Aufgabe in
der Produktion von Röntgenfilmen für medizinische Zwecke
gesehen hatten, beschritt man in der Folgezeit diesen Weg planmäßig
weiter. So wurden in den folgenden Jahren die Röntgen-Emulsionen
in der Empfindlichkeit und im Kontrast verbessert. Auch der Technik,
in der die Röntgenstrahlen ja immer mehr zur Anwendung kommen,
wurde für die Materialprüfung ein speziell entwickelter
Film zur Verfügung gestellt, der unter dem Namen "Mikrotest"
weithin bekannt wurde. Für die Röntgenaufnahmen des Zahnarztes
wurde ein Sortiment von Zahnfilmen geschaffen, das sämtliche
gestellten Anforderungen für diesen Zweck voll und ganz erfüllt
und aus der täglichen Praxis nicht mehr wegzudenken ist.
Mit dem Wiederaufbau wurde nun auch konsequent
die Produktion von Fotofilmen wieder
aufgenommen. Neue Forschungsergebnisse und intensive Arbeit haben
die Marke ADOX in den folgenden Jahren zum anerkannten Qualitätsbegriff
gemacht und die Adox Fotowerke in die Reihe der führenden Filmfabriken
gestellt. Mit dem Kleinbildfilm ADOX KB 17, den die Adox Fotowerke
195o herausbrachten, wurde praktisch der Dünnschicht-Feinkornfilm
als Standardfilm in die Fotografie eingeführt. Konsequent folgte
die Weiterentwicklung dieses Films als KB 14 und R 17, dem Rollfilm
mit KB 17-Emulsion. 1953 brachte die Erweiterung der Filmproduktion
auf die Fabrikation von Reproduktions- und Dokumentationsfilmen.
Als Ergebnis der wissenschaftlichen Forschungsarbeit, die heute
von rund 40 Wissenschaftlern in der wissenschaftlichen Abteilung
der Adox Fotowerke geleistet wird, wurde 1956 der ADOX Negativfarbfilm
auf den Markt gebracht.
Foto:Adox
Perforieren von Kleinbildfilmen
In jüngster Zeit konnte von den Adox Fotowerken
in Arbeitsgemeinschaft mit den Firmen Körting Radio-Werke GmbH
und Total K.G. ein wirksames Hilfsmittel
zum atomaren Strahlenschutz geschaffen werden. Die gesamte
Schutzausrüstung besteht aus einer Erkennungsmarke und einem
Duplex Foto-Dosimeter, das spezielle von den Adox Fotowerken entwickelte
Dosis-Meßfilme enthält, mit einer Reihe komplizierter,
aber leicht bedienbarer und betriebssicherer Auswertegeräte.
Man nennt dies mit dem Sammelbegriff das IDOS-Verfahren (IDOS Identifikation
+ Dosimeter). Diese IDOS Plaketten-Dosimeter können Mensch,
Tier oder Gerät zugeordnet werden und registrieren latent eine
evtl. einfallende Atomstrahlung. Sie sind also dauernd betriebsbereit.
In den Auswerteanlagen können pro Stunde 3000 IDOS-Dosimeter
manifestiert und ausgewertet werden. Das IDOS-Verfahren ist bei
der deutschen Bundeswehr amtlich eingeführt und das Deutsche
Rote Kreuz bereitet die Einführung für große Teile
der Bevölkerung vor. Viele ausländische Regierungen informieren
sich zur Zeit über das IDOS-Verfahren, um dessen evtl. Einführung
vorzubereiten.
Die von den Adox Fotowerken seit 1948 erreichte
Aufwärtsentwicklung und stete
Absatzausdehnung ist in erster Linie das Ergebnis der als Spitzenqualität
anerkannten Erzeugnisse dieser Firma, sowohl auf dem Gebiet der
Fotografie als auch der Röntgenologie. Während zunächst
der Verlust der Absatzmöglichkeiten in den abgetrennten deutschen
Ostgebieten und auf dem mitteldeutschen Markt für die Firma
eine Einbuße von ca. 40% ihres Vorkriegsabsatzes bedeutete,
ist dieser Verlust heute nicht nur weit aufgeholt, sondern die Adox
Fotowerke haben sich einen wesentlichen Anteil des innerdeutschen
Marktes erobert. Darüber hinaus wurde seit 1950 auch das Exportgeschäft
wieder aufgebaut. Die Adox Fotowerke sind heute erfolgreich in 96
ausländischen Absatzländern vertreten. Der Exportanteil
des Umsatzes der Firma hat heute etwa 2o% erreicht.
Die Absatzerfolge der Adox Fotowerke, die, wie
bereits ausgeführt, in erster Linie auf der Anerkennung der
hochwertigen Oualitätsprodukte beruhen, konnten natürlich
nicht ohne Anstrengung erreicht werden. Sie sind in hohem Maße
auch ein Erfolg der kaufmännischen Tätigkeit und der zielbewußten
Werbung. Hierbei war die Aufgabe, neben der Gewinnung einer treuen
Kundschaft den Markennamen ADOX in der Öffentlichkeit als einen
festen Qualitätsbegriff zu fundieren. Die Werbeabteilung der
Firma hat sich hierbei bemüht, neue Wege zu finden, durch die
ein direkter Kontakt mit dem Verbraucher gesucht wird. Auf dem Fotogebiet
wurde die ständige Einrichtung eines fototechnischen Beratungsdienstes
geschaffen, der einmal periodisch Einzelgebiete der Amateurfotografie
in "fototechnischen Beratungsbriefen" behandelt und außerdem
aus den Amateurkreisen eingehende Anfragen individuell beantwortet.
Diese Arbeit stützt sich heute auf eine Amateurkartei von nahezu
100000 Adressen. Auf dem Röntgengebiet wird dieser Beratungs-
und Kundendienst ebenfalls durch sogenannte Röntgenbriefe und
wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Röntgenologen und Instituten
betrieben. Die Adox Fotowerke haben sich weiter die Aufgabe gestellt,
der Amateurfotografie eine besondere Förderung zu widmen und
hierfür zur Prämiierung hervorragender Amateurleistungen
den jährlich zur Verteilung gelangenden "Georg-Sehr-Preis"
ausgesetzt. Auf dem Röntgengebiet wurde zur Förderung
der wissenschaftlichen Weiterentwicklung schon 1930 der Schleussner-Röntgen-Preis,
den die Deutsche Röntgen-Gesellschaft vergibt, gestiftet.
Alle diese erreichten Erfolge sind das Ergebnis
der rastlosen Arbeit der Familie Schleussner. Dr.C.A. Schleussner,
der für seine Verdienste um die Röntgenologie durch die
Verleihung des Ehrendoktortitels der Frankfurter Johann-Wolfgang-Goethe
Universität geehrt wurde, steht als alleinzeichnungsberechtigter
Geschäftsführer der Firma vor. Sein ältester Sohn,
Dr. Carlfried Schleussner, hat die kaufmännische Leitung und
sein zweiter Sohn, Dr. Hans Schleussner, die technische Leitung
des Unternehmens inne. Die Gattin des Seniorchefs, Frau Irene Schleussner,
hat die Aufgabe der sozialen Betreuung der Belegschaftsmitglieder
der Firma übernommen.
Es ist ein besonderes Anliegen der Familie Schleussner,
in ihrem Unternehmen ein Betriebsklima geschaffen zu haben, das
auf dem Sozialgebiet zwischen Firma und Belegschaft enge Verbindung
pflegt. Frau Irene Schleussner hält jede Woche Sprechstunden
für Ratsuchende im Werk ab und kümmert sich in Verbindung
mit Werks-Fürsorgerin und Werks-Arzt um erkrankte Mitarbeiter.
Für die Altersversorgung und soziale Betreuung besteht eine
eigene Schleussner-Stiftung. Zur Steuerung der Wohnungsnot hat das
Unternehmen seit 1948 24 Siedlungshäuser erstellt. Die Lehrlingsausbildung
fördert die Wolfgang-Schleussner-Stiftung. Das Werk besitzt
ein eigenes Werksorchester zur Pflege der Freizeitgestaltung und
Ausschmückung festlicher Stunden. Die Adox Fotowerke umfassen
heute ca. 2000 Mitarbeiter (300% Zunahme seit 1938!), die mit der
Unternehmerfamilie Schleussner in echter Gemeinschaft verbunden
sind.
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