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aeg allgemeine elektricitäts-gesellschaft.  
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Die AEG -ALLGEMEINE ELEKTRICITÄTSGESELLSCHAFT- ist seit ihren Ursprüngen mit Frankfurt verbunden. Mit anderen stellte der Frankfurter Bankier Rudolph Sulzbach Emil Rathenau die Geldmittel zur Gründung ihrer Vorläuferin, der Deutschen Edison-Gesellschaft für angewandte Elektrizität, die 1883 ins Leben trat, zur Verfügung. Als erster Vorsitzender ihres Aufsichtsrates hat er dann 1887 entscheidend bei der Umwandlung dieser Studiengesellschaft in die AEG mitgewirkt und erhielt in deren Aufsichtsrat das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden, das er bis zu seinem Tode, im Jahre 1904, innehatte. Noch einmal hat dann Frankfurt in den Anfängen dieses Unternehmens eine große Rolle gespielt. Auf der Internationalen Elektrotechnischen Ausstellung 1891 war es die AEG, die mit der Kraftübertragung von Lauffen am Neckar nach Frankfurt eine epochale Wendung der Elektrizitätswirtschaft einleitete. Damals hatte die Gesellschaft bereits seit einem Jahre eine eigene Niederlassung in der Stadt am Main. Selbstverständlich hat die AEG in den seitdem vergangenen Jahrzehnten einen wesentlichen Anteil an der Einführung der Elektrizität in all ihren Anwendungsformen im Frankfurter Raum gehabt.

Bis zum Zusammenbruch 1945 lag das Schwergewicht der Gesellschaft in Berlin und den benachbarten Gebieten Ost- und Mitteldeutschlands. In Westdeutschland bestanden bis dahin nur Fabriken in Nürnberg, Stuttgart und Mülheim/Ruhr, von denen die beiden letzten im Bombenkrieg fast völlig zerstört wurden. Neun der Stammfabriken in Ost-Berlin und in der sowjetischen Besatzungszone gingen verloren. Die in West-Berlin verbliebenen Betriebe waren allesamt schwer beschädigt und vor der Besetzung der Stadtteile durch die Westmächte nahezu restlos demontiert worden. Dabei wurden auch alle Vorräte, Zeichnungen und Arbeitsunterlagen fortgeschafft. Kein Werk blieb arbeitsfähig. Insgesamt wurden die Verluste des Unternehmens auf über eine Milliarde Mark geschätzt.

Mit etwa 10% der alten Fabrikationsnutzfläche und 8% der zudem noch überalterten Werkzeugmaschinen begann der Wiederaufbau. Von den 72000 Beschäftigten des Jahres 1939 waren 1945 noch 9600 übriggeblieben. Praktisch besaß das Unternehmen außer seinem in Jahrzehnten erworbenen Weltruf nur noch wenige Aktiva. Dennoch entschlossen sich seine Leiter zum Wiederaufbau. Dafür kamen zunächst die sechs in West-Berlin vorhandenen, beschädigten und ausgeräumten Betriebsstätten sowie die drei alten westdeutschen Fabriken in Betracht. Der Aufbau in Berlin wurde durch die politischen Verhältnisse der Viersektorenstadt sehr erschwert. Dafür gelang es, teilweise in gemieteten Räumen beginnend und vielfach in starkem Maße auf Heimatvertriebene und Flüchtlinge aus der Ostzone gestützt, binnen weniger Jahre, noch in den Zeiten der bittersten Not in Westdeutschland neun Fabriken neu einzurichten. Von Backnang bis Neumünster waren diese neuen Werke weit über den westdeutschen Raum verstreut. Gleichzeitig mußten die dort verbliebenen technischen Verkaufs- und Montagebüros erhalten und neu organisiert, zum guten Teil in ihren durch den Bombenkrieg beschädigten Unterkünften auch wieder aufgebaut werden. All das war im Zeitpunkt der Währungsreform noch nicht abgeschlossen. Die Zahl der Mitarbeiter hatte sich bis dahin jedoch bereits mehr als verdoppelt.

Von Berlin aus, das durch die Blockade für geraume Zeit fast gänzlich von Westdeutschland abgeschnitten war und dessen unübersichtliche Verhältnisse auch danach noch fortdauerten, konnte dieser Aufbau nicht bewältigt werden. Von dort aus war es auch nicht möglich, das sich immer lebhafter anbahnende Geschäft mit der verbliebenen Inlandskundschaft und die durch die Vorschriften zunächst so komplizierten Exportabschlüsse, für die es ebenfalls manche Ansätze aus früheren Geschäftsverbindungen gab, überhaupt nur sachgemäß zu bearbeiten, geschweige denn sie ordnungsgemäß abzuwickeln. Dazu bedurfte das Unternehmen einer in Westdeutschland ansässigen Verwaltung, Fabriken- und Vertriebsleitung, die ständig in enger Verbindung mit allen maßgebenden Stellen und den neuen Werken bleiben konnte. Hierfür war Frankfurt wegen seiner günstigen Verkehrslage besonders geeignet.

In Berlin blieb sowohl aus Gründen der Tradition als auch mit Rücksicht auf die allmählich wiederaufgebauten Werke und sonstigen Anlagen in den von den Westmächten verwalteten Stadtteilen der Sitz des Unternehmens und ein Teil seiner Verwaltung. Die AEG ist und bleibt in Berlin beheimatet. Dennoch muß die inzwischen in Frankfurt aufgebaute Verwaltung kein Provisorium sein und wurde auch von vornherein nicht in einem solchen Stil entwickelt.

weihnachtlich geschmücktes AEG-Hochhaus an der Friedensbrücke 1958

 

Als neue Dominante des linken Mainufers wuchs 1950 am südlichen Brückenkopf der neuerstandenen Friedensbrücke das AEG-Hochhaus empor. Ein niedrig gehaltener Bautrakt verband es mit dem alten Baukörper der Ortskrankenkasse. Er nahm zunächst das Arbeitsamt auf. In dem zehnstöckigen Hochhaus richtete sich die Zentralverwaltung West der AEG ein. Nach etwa drei Jahren erwarb die Gesellschaft das Gebäude. Inzwischen reichte dort jedoch der Platz schon nicht mehr zur Aufnahme aller Abteilungen aus. So mußten an verschiedenen Stellen der Stadt weitere Büroetagen hinzugemietet werden. Nach langwierigen Verhandlungen übernahm die AEG schließlich auch die anstoßende Baugruppe. Nacheinander mußten für das Arbeitsamt und die Ortskrankenkasse an anderen Stellen Bauplätze erworben und Neubauten aufgeführt werden. Derweilen ließ die AEG bereits die noch von diesen Dienststellen benutzten Bauten durch Aufstockung beträchtlich vergrößern und in ihrer äußeren Gestalt dem AEG-Hochhaus angleichen. Noch waren die bisherigen Mitbenutzer nicht ausgezogen, als der voraussehbare Raumbedarf der Zentralverwaltung West bereits wieder die im Gesamtkomplex verfügbaren Nutzflächen überstieg. Darum soll in absehbarer Zeit ein weiteres Hochhaus die Gebäudegruppe nach Westen vergrößern und ihren städtebaulichen Akzent wirksam verstärken. Außerdem hat die AEG im Stadtteil Niederrad in unmittelbarer Nähe der Autobahn Frankfurt-Kassel ein größeres Gelände erworben, um dort ein elektrotechnisches Forschungsinstitut zu errichten. Außer Werkstätten ist jedoch kein Produktionsbetrieb des Unternehmens im Frankfurter Raum ansässig geworden. Auch von der stattlichen Schar ihrer Tochtergesellschaften und Beteiligungen wie z.B. Telefunken und die Olympiawerke ist nur ein Unternehmen, die Quarzlampen Gesellschaft m.b.H. in Hanau, innerhalb dieses Bereichs beheimatet. Ihr Betrieb war ebenfalls im Bombenkrieg völlig zerstört worden und wurde inzwischen neu aufgebaut.

Die stetige Ausdehnung der Zentralverwaltung West spiegelt sehr deutlich den Wiederaufstieg der AEG wider. In dem Maße, in dem im Zuge des Konjunkturaufschwunges der Absatz aller elektrotechnischen Produkte und Konstruktionen zunahm, wuchsen auch die Aufgaben der Frankfurter Abteilungen der AEG-Verwaltung. Ein guter Teil der ständigen Geschäftsausweitung wurde von hier aus in die Wege geleitet und bearbeitet, insbesondere der gesamte Export und die Lenkung des Inlandsgeschäftes fanden in Frankfurt ihren gegebenen Platz. Neben den rein kaufmännischen Aufgaben gewannen jedoch auch die vielen technischen Probleme des Unternehmens hier immer mehr Bedeutung, so daß auch dafür in zunehmendem Maße Büroräume geschaffen werden mußten.

Der Wiederaufstieg der AEG seit der Währungsreform kann mit wenigen Zahlen veranschaulicht werden. Das Grundkapital von zuletzt 264 Millionen RM mußte zunächst auf 88 Millionen DM herabgesetzt werden. In vier Etappen wurde es inzwischen 1953 auf 110, 1954 auf 165, 1956 auf 22o und 1957 auf 275 Millionen DM erhöht. Der Umsatz betrug im Geschäftsjahr 1948/49: 213 Millionen DM. 1956/57 überschritt er erstmals die Milliardengrenze und erreichte mit 1237 Millionen fast das Sechsfache des ersten Jahres nach der Währungsreform. Der Anteil der Exporte betrug dabei in den letzten drei Jahren jeweils über 18%. Die Zahl der Beschäftigten des Unternehmens hat sich im gleichen Zeitraum noch nicht verdreifacht, sie stieg von 20900 Personen im September 1948 auf 55400 Personen im gleichen Monat des Jahres 1957. Seit der Währungsreform hat das Unternehmen bis zum Ende des Geschäftsjahres 1956/57 über 500 Millionen DM investiert. Zwei Drittel dieser Summe wurden für neue Maschinen, Werkzeuge, Betriebs- und Geschäftsausstattung aufgewendet. Nur ein Teil davon, insbesondere die Aufwendungen in den Berliner Werken, kann als Wiederaufbau angesprochen werden. Im überwiegenden Maße handelt es sich um Neuanlagen -dazu gehören auch die Bauten für die Zentralverwaltung West in Frankfurt- , die als Ersatz für die Verluste in Ost- und Mitteldeutschland einschließlich Ost-Berlin aufgebaut worden sind. Damit hat sich das Schwergewicht der AEG deutlich nach Westen verschoben. Ihm entspricht auch eine Verlagerung ihrer Absatzgebiete. Die großen Ausfälle auf den Märkten des Ostblocks konnten im Export nur teilweise durch die Erschließung neuer Absatzräume in der freien Welt wettgemacht werden. Naturgemäß hat die Gesellschaft für den Neuaufbau ihrer Produktion fremde Mittel in Anspruch nehmen müssen. Die Bilanz zum 30. September 1957 wies langfristige Verbindlichkeiten in Höhe von 136,9 Millionen DM aus. Sie bleiben beträchtlich hinter den Investitionen zurück und beweisen damit, daß ein guter Teil der dafür erforderlichen Aufwendungen aus Abschreibungen aufgebracht werden konnte.

Selbstverständlich verlief der Wiederaufstieg des Unternehmens in dem Jahrzehnt seit der Währungsreform keineswegs so glatt und reibungslos, wie es der Trend der imponierenden Zahlen der Geschäftsberichte auszuweisen scheint. Bei der Fülle der Arbeitsgebiete, auf denen die AEG tätig ist, kann im übrigen von einer gleichmäßigen Geschäftsentwicklung nicht die Rede sein, immerhin hat diese Mannigfaltigkeit den Vorzug, daß dadurch Konjunkturschwankungen auf einzelnen Märkten oder bei bestimmten Artikeln ausgeglichen werden. Daß der allgemeine Konjunkturanstieg und dann die fortdauernde Hochkonjunktur die Wiedergeburt der AEG wesentlich erleichtert haben, kann nicht geleugnet werden. Dennoch beweist das Ausmaß des Erreichten, daß die Gesellschaft durch ihre vielfältigen Entwicklungsarbeiten nicht nur binnen weniger Jahre ihre volle Wettbewerbsfähigkeit wiederherstellen, sondern auch darüber hinaus der internationalen Konkurrenz durch eine ganze Reihe von Neuentwicklungen erfolgreich entgegentreten konnte. Der hohe technische Stand der Fabriken und Abteilungen brachte dem Unternehmen laufend bedeutende Aufträge, deren Abwicklung immer wieder zur Ausweitung der Kapazitäten zwang. Insbesondere hat die AEG im Laufe der Jahre zahlreiche interessante Erstausführungen im In- und Ausland auf den verschiedensten Gebieten, der Anwendung der elektrischen Energie geliefert. Das in Kassel errichtete Hochspannungsinstitut übernahm Forschungs- und Entwicklungsaufgaben für hohe Spannungen und große Leistungen. Wichtige Erfolge brachten der Kraftwerksbau und die Fabrikation von Turbinen und Turbogeneratoren. An der Entwicklung neuer Lokomotiven für die Bundesbahn war die Gesellschaft ebenso maßgebend beteiligt wie am Aufbau des Fernsehens. Nicht minder bedeutend erwies sich im Zuge der ständigen Ausweitung des Konsumgütermarktes der Absatz der elektrischen Haushaltgeräte. Auf der anderen Seite stellte die zunehmende Automatisierung der Produktion an die Ingenieure des Unternehmens immer neue Anforderungen für die elektrische Ausrüstung, Steuerung und Regelung von Maschinen; von den Walzenstraßen der Rohproduktion bis zu den Mehrfarben-Rotationsmaschinen der graphischen Betriebe gab es hier mannigfaltige Aufgaben zu bewältigen. Für den Braunkohlen-Tagebau am Niederrhein wurde der größte Schaufelradbagger der Welt ausgerüstet. Im Schiffsbau setzten sich die neuentwickelten Schiffsturbinen mit Schraubenleistungen bis zu 16000 Wellen-PS immer mehr durch. Schon die Aufzählung dieser Beispiele zeigt die Vielseitigkeit der Arbeiten, die von der AEG bewältigt wurden und ihr zum altbekannten Namen in der Welt neuen Ruf einbrachten. Daß sich ihre Interessen auch den Problemen der friedlichen Nutzung der Atomenergie, insbesondere beim Bau von Kraftwerken, zuwandten und zu umfangreichen Vorarbeiten auf diesem Gebiet führten, versteht sich fast von selbst.

Werbung für Fahrzeugbeleuchtungen, um 1959

 

Über der technischen Entwicklung vergaßen die Organe der Gesellschaft die Fürsorge für ihre Mitarbeiter nicht. Bei fast 10000 Empfängern von Ruhegehalt, Witwen- und Waisengeld mußte selbstverständlich für ausreichende Pensionsrückstellungen gesorgt und Jahr für Jahr aus den erwirtschafteten Beträgen namhafte Summen dafür abgezweigt werden. In der Bilanz zum 30. September 1957 konnte die Gesellschaft dafür 41,4 Millionen DM ausweisen. Daneben flossen den aktiven Mitarbeitern durch die Weihnachtsgratifikationen alljährlich beträchtliche Zahlungen zu. Gesundheitsfürsorge, Werksverpflegung, Unterstützungen, fünf Ferienheime in den schönsten Erholungsgebieten Westdeutschlands, Jubiläumsgaben und eine intensive Nachwuchsförderung mit modernsten Ausbildungsmethoden runden das umfangreiche Programm der freiwilligen sozialen Leistungen ab. Daß die AEG jährlich über 200 Hoch- und Fachschulstudenten Stipendien und Studienbeihilfen gewährte, verdient besondere Hervorhebung, weil es für die großzügige Auffassung von der sozialen Verpflichtung eines solchen Unternehmens, das zu mehr als neun Zehnteln vernichtet war und aus den Trümmern neuaufgebaut werden mußte, Zeugnis ablegt. Den in Frankfurt tätigen Mitarbeitern des Unternehmens, vorwiegend Ingenieuren und Kaufleuten, deren Zahl in zwischen auf über 2500 angestiegen ist, kamen alle diese Einrichtungen ebenso zugute wie den Belegschaften der von hier aus geleiteten Werke. Für viele von ihnen war insbesondere die Hilfe der Gesellschaft bei der Wohnraumbeschaffung wichtig, weil sie im Zusammenhang mit dem Auf- und Ausbau der Zentralverwaltung West neu hier ansässig werden müßten.

Für das Frankfurter Wirtschaftsleben bedeutete die Ansiedlung der AEG unzweifelhaft einen großen Gewinn, der sich in seinen vielfältigen Auswirkungen kaum erfassen läßt. Umgekehrt sind dem Unternehmen über die unmittelbaren Vorteile der Stadt, die es zu dieser Wahl veranlagt haben, aus dem Geist, der in ihrer Wirtschaft lebendig ist, auch mancherlei Antriebskräfte zugeflossen, die seine Wiedererrichtung befruchtet und damit die gegenseitige Verbindung befestigt haben. Gemeinsam durchlebte Jahre des Aufstiegs aus so schwerer Not schaffen mehr als nur stolze Erinnerungen.

 
Quelle: F.Lerner: " Frankfurt am Main und seine Wirtschaft", Ammelburg-Verlag 1958
frankfurt baut auf