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Ein klassisches Beispiel
für die Wiedergeburt aus eigener Kraft hat die Firma MAX
BRAUN geliefert. Sie ist eine offene
Handelsgesellschaft, die heute von den Söhnen ihres Gründers
in seinem Sinne fortgeführt wird. 1921 hatte der ostpreußische
Bauernsohn Max Braun, gelernter Maschinenschlosser und als Ingenieur
durchaus "selfmademan", in Frankfurt eine kleine Werkstatt
begonnen, um mit ein paar Mann einen selbstkonstruierten Riemenverbinde-Apparat
zu bauen. Bald war er mit der jungen Rundfunkindustrie in Berührung
gekommen und hatte hier seine Chance erkannt. 1930 konnte Max Braun
an der Idsteiner Straße
seine erste Fabrik bauen. Als Erster brachte er 1932 einen Phono-Super
und 1935 einen Koffer-Super auf den Markt, eigene Konstruktionen,
die Aufsehen erregten und dazu führten, daß er 1939 eine
zweite Fabrik in der Mainzer Landstraße
errichten konnte. Die Belegschaft war inzwischen auf 1000 Mann angewachsen.
All das wurde 1944 vernichtet: das Werk in der Idsteiner Straße
brannte aus, das Gebäude an der Mainzer Landstraße zerstörten
die Bomben völlig und begruben 35 Mitarbeiter unter seinen
Trümmern. Max Braun fing 1945 wieder von vorn an, grub seine
ausgeglühten Maschinen aus dem Schutt, brachte sie unter großen
Schwierigkeiten wieder in Ordnung und kam langsam ohne jede Hilfe
von amtlicher Seite wieder auf die Beine. So erstand das Werk Idsteiner
Straße wieder, Rundfunkgeräte brachten Umsatz und ermöglichten
bis 1950 den Aufbau eines neuen Werkes an der Rüsselsheimer
Straße. Inzwischen hatte Max
Braun jahrelang an der Entwicklung neuer Produkte gearbeitet. Seit
1943 beschäftigte er sich mit dem Prinzip des Trockenrasierers.
Er ersann das flexible Scherblatt mit Langschlitzen, das dem elektrischen
Rasieren auf der ganzen Welt neuen Auftrieb gab und vielfach nachgeahmt
wurde -ein Beweis für seine Güte. 195o kam der Braun Trockenrasierer
auf den Markt, und gleichzeitig wurde auch die Vielzweck-Küchenmaschine
Braun Multimix eingeführt, an deren Konstruktion der Chef mit
seinen Mitarbeitern ebenfalls seit Jahren verbissen gearbeitet hatte.
Die Erfolge blieben nicht aus.

Einfacher, stabiler und
vor allem preiswerter als die Konkurrenz mußten die Geräte
sein, die Max Braun herausbrachte. Darum wandte er alle Mühe
auf die Entwicklung funktionstüchtiger Konstruktionen und auf
deren rationellen Bau. Fließband-Fertigung in großen
Serien, zweckmäßige, moderne Gestaltung, eine durchdachte
Verkaufsorganisation mit möglichst geringen Vertriebskosten
waren für ihn selbstverständlich und bestimmen auch heute
noch das Gesicht seines Unternehmens. Bezeichnend für den von
ihm gewickelten Geschäftsstil ist die knappe, klare Form des
Verkehrs im Hause Braun und mit dem größten Teil seiner
Kundschaft. Der Verzicht auf alle entbehrlichen Floskeln, im Innenverkehr
von der Geschäftsleitung bis zum jüngsten Lehrling sogar
die Anwendung des Telegrammstils schaffen Zeit für die wirklich
wesentlichen Aufgaben und führen zu mancherlei Ersparnissen,
die im Endergebnis dem Konsumenten zugute kommen. Max Braun hat
gerade durch seine wohldurchdachten und sorgsam kalkulierten Erzeugnisse
wiederholt die Märkte revolutioniert. Frühzeitig hatte
Max Braun die durch den Krieg zerrissenen Verbindungen zu Geschäftsfreunden
und Vertretern wieder hergestellt. Die Verkaufsorganisation war
bereits gut eingespielt, als er mit dem Trockenrasierer und dem
Multimix herauskam. So kam bald ein flotter Absatz in Gang, der
Export entwickelte sich gut und neue Absatzgebiete konnten erschlossen
werden. Da riß den unermüdlichen Schaffer am 6. November
1951 ein Herzschlag mitten aus seiner Arbeit. Sein Prokurist Wilhelm
Wiegand, mit dem er viele Jahre vorbildlich zusammengearbeitet hatte,
übernahm nun als Direktor zusammen mit den Söhnen die
Leitung des Unternehmens. Es erzielte bereits in diesem Jahr 1951
einen Umsatz von 14 Millionen DM und konnte am Jahresende wieder
eine Belegschaft von 807 Personen aufweisen. Seitdem ist es ununterbrochen
aufwärtsgegangen. Die Zahl der Mitarbeiter hat sich bis Ende
1956 auf 1785 mehr als verdoppelt. Der Umsatz aber stieg 1956 bis
auf 63 Millionen DM und damit fast auf das Fünffache an. Schon
mußte 1957 ein neu erworbenes Haus für den Kundendienst
eingerichtet werden. Ein weiterer Ausbau der Produktionskapazitäten
ist unerläßlich. Dafür wurde eine neue, große
Werkshalle erbaut. Neue Geräte sollen in die Fertigung übernommen
werden. So wird das Erbe von Max Braun systematisch ausgebaut.
Daß es in wenigen
Jahren diesen Aufschwung nehmen konnte, verdankt es seinem Produktionsprogramm
und der Qualität seiner Erzeugnisse, die im richtigen Augenblick
und in einer ansprechenden Aufmachung herauskamen, so daß
sie von der fortschreitenden Ausdehnung des Güterkonsums und
dem sich immer mehr entfaltenden Lebensstandard mit emporgetragen
wurden. Das klingt viel selbstverständlicher, als der Ablauf
der Dinge war. Es gehört eben schon viel Fingerspitzengefühl
und ein schweres Stück Entwicklungsarbeit dazu, um die Dinge
auf den Markt zu bringen, die begehrt werden, und sie so gut einzuführen,
daß sie wachsende Umsätze trotz großer und keineswegs
untätiger Konkurrenz bringen. Die Firma Max Braun hat das im
Rundfunk-Geschäft gelernt und hier von Jahr zu Jahr ihre Position
ausgebaut. Fernsehgeräte und Schrankkombinationen kamen hinzu.
Ein großer Wurf war
das Elektronenblitzgerät Braun Hobby, das 1952 so preiswert
auf den Markt kam, daß damit erstmalig auch Photo-Amateure
eine solche Verbesserung ihrer Ausrüstung erschwingen konnten.
Durchdachte Konstruktion und serienmäßige Herstellung
in großen Mengen ermöglichten das. Wieder wurde Max Braun
zum Schrittmacher der Branche. Braun Hobby aber war schon nach kaum
zwei Jahren das meistverkaufte Elektronenblitzgerät der Welt.
Inzwischen konnte es in 112 Ländern erfolgreich eingeführt
werden und hat vielfach Importquoten zwischen 6o und 90% erreicht.
Vor allem in Schweden, Italien, Holland, Belgien, der Schweiz und
in Großbritannien wurde Braun Hobby in ständig steigenden
Mengen abgesetzt.
1956 konnte die Firma Max
Braun fast die Hälfte ihrer Erzeugung exportieren. Entscheidend
war dafür der Lieferungs- und Lizenzvertrag, der schon 1954
mit der amerikanischen Firma Ronson langfristig abgeschlossen werden
konnte -das größte Konsumgütergeschäft
Westdeutschlands mit den USA seit Kriegsende.
Bereits im ersten Jahr brachte er einen Marktanteil von zehn Prozent.
Seitdem konnte dieser wesentlich erhöht werden. Ähnliche
Verträge sicherten dem Braun-Trockenrasierer auch steigenden
Absatz in Großbritannien und Frankreich. Ebenso konnte für
einen erheblichen Teil von Brauns Produktion an Musikschränken
der amerikanische Markt erschlossen werden.
Schritt um Schritt baute
die Firma Max Braun ihr Produktionsprogramm
aus. Zum Multimix gesellte sich die Frischsaft-Zentrifuge Braun
Multipress und jüngst die neue Braun-Küchenmaschine sämtlich
zu Verkaufspreisen, die die Fachwelt überraschten. Ein eigenes
Labor für Ernährungsphysiologie überwacht die Herstellung
der Geräte und die von der Lehr- und Versuchsküche des
Hauses ausgearbeiteten Rezepte. Ein Beratungsdienst mit sorgfältig
ausgebildeten Fachkräften wurde aufgebaut. Braun machte sich
bewußt zum Propagator modernster Ernährungswissenschaft
und unterstützte die Forschung auf diesem Gebiet. Ganz in der
Richtung der Förderung der modernen Lebensweise liegt auch
das von dem Unternehmen entwickelte Kosmetikgerät Braun Smoothy,
das ohne Vorbild war und eine Lücke sehr geschickt, vor allem
jedoch wiederum auch mit einer einleuchtenden und sehr preiswerten
Lösung ausfüllte.
Im Bau der Rundfunk-
und Fernseh-Geräte ging Braun
1955 von den allgemein üblichen, hochglanzpolierten und mit
Goldleisten verbrämten Formen der Gehäuse ab und wandte
sich entschieden einer modernen Formgebung zu, wieder damit der
ganzen Branche ein Vorbild gebend, das sich erst allmählich
durchsetzen wird, weil Mut dazu gehört. In enger Zusammenarbeit
mit der Hochschule für Gestaltung in Ulm wurde nach sorgfältigen
Studien und Vorarbeiten eine neue Linie gefunden, die den Ausdrucksformen
der heute führenden Architekten entspricht und damit auch den
Rundfunk- und Fernseh-Geräten von Braun eine klare, moderne
Form gibt. Die Naturholz-Gehäuse mit ihren schlichten, zweckentsprechenden
und auf jede überflüssige Zutat verzichtenden Umrissen
lassen die technischen Qualitäten der Geräte voll zur
Geltung kommen und erlauben ihre harmonisch-schlichte Eingliederung
in moderne Wohnräume. Als erste Firma der Welt entschied sich
Braun für ein geschlossenes Programm dieser Art und hat es
konsequent durchgeführt. Die internationale Anerkennung blieb
ihr nicht versagt.
oben: 1955 stellt Braun
das UKW-Radio SK 1 vor, das das Geräte-Design der deutschen
Rundfunkindustrie revolutionieren sollte
Das jüngste Produkt
ist der Kleinbild-Projektor, der erste automatische in Europa, jedoch
mit einem Verkaufspreis, der dem mancher nichtautomatischen Geräte
nahekommt. Dank erfolgreicher Gemeinschaftsarbeit mit einem führenden
Objektivhersteller erhielt er eine Optik von anerkannter Spitzenqualität.
Braun will künftig noch enger mit den Photo-Amateuren zusammenarbeiten
und ihnen die Freude an ihrer Liebhaberei durch gediegene, zuverlässige
und preiswerte Geräte vermehren.
Im Durchschnitt der gesamten
elektrotechnischen Industrie Westdeutschlands lag nach der Verbandsstatistik
1956 der Produktionswert je Arbeitsstunde bei 12,06 DM. Bei Braun
betrug er jedoch dank der Rationalisierung
des gesamten Produktionsablaufes 18,16 DM. Nach der gleichen Quelle
war das Unternehmen in der Warengruppe Küchenmotoren und elektrische
Mischapparate mit 41% an der Gesamtproduktion aller westdeutschen
Firmen beteiligt. Bei den Trockenrasierern entfallen etwa ein Drittel
auf Braun. Für die Elektronen-Blitzgeräte wird der deutsche
Marktanteil sogar auf 50% geschätzt. Besser kann wohl das Ausmaß
der in zäher Arbeit errungenen Erfolge kaum belegt werden.
Die Firma Max Braun hat
auch in der Werbung einen eigenen, bewußt modernen Stil entwickelt.
Ebenso geht sie in der Fürsorge für ihre Mitarbeiter konsequent
neue Wege. Eine werkseigene Sauna ist der Mittelpunkt ihrer hygienischen
Einrichtungen. Heilgymnasten und Sportlehrer sorgen für den
körperlichen Ausgleich. In der Kantine wird nach neuesten ernährungswissenschaftlichen
Erkenntnissen gekocht und beispielsweise nur Meersalz verwandt.
Die Mahlzeiten sind durch erhebliche Zuschüsse verbilligt.
Zum Frühstück und nachmittags erhält jedes Mitglied
der Belegschaft eine Tasse Kaffee an den Arbeitsplatz kostenlos
selbstverständlich. Der Aufwand ist für das Unternehmen
rationeller als die sonst übliche Selbstversorgung. Die Fünftagewoche
mit vollem Lohnausgleich wurde schon 1955 eingeführt. Die eigene
Betriebskrankenkasse bietet bei niedrigeren Sätzen höhere
Leistungen. Die Verwaltungskosten trägt das Unternehmen. Durch
laufende Zuwendungen ermöglicht es die Arbeit der Max Braun
Unterstützungskasse e.V. Mit Hilfe der Max Braun Wohnungsbau
GmbH konnten bereits zwei Wohnhäuser mit 23 Wohnungen gebaut
und etwa 6o weitere Wohnungen finanziert werden. Zusammengenommen
sind das freiwillige soziale Leistungen in beträchtlicher Höhe,
die dem öffentlichen Auftreten des Unternehmens durchaus entsprechen.
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