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Am Gründonnerstag, dem 29. März 1945, verkündete
der amerikanische Armeesender die Einnahme Frankfurts. Schon einen
Tag später wurde von der Besatzungsmacht zunächst ein
Journalist der Frankfurter Zeitung, Wilhelm Hollbach, kommissarisch
als Bürgermeister eingesetzt. Schon am 4.Juli gleichen Jahres
wurde er vom ehemaligen Bürgermeister der Stadt Hanau, Dr.Kurt
Blaum abgelöst, dem die Amerikaner durch seine Verwaltungkenntnisse
und kommunalpolitische Erfahrung wohl eher die Führung der
Stadtverwaltung und effektivere Zusammenarbeit mit der Militärregierung
zutrauten. Nachdem die Amerikaner ab September 1945 die Bildung
von politischen Parteien zuließen, bildete sich aus diesen
ein sogenannter Bürgerrat, der bis zur ersten Kommunalwahl
am 26. Mai 1946 als Anhörungs- und Beratungsgremium zwischen
Bevölkerung, kommissarischer Stadtverwaltung und Militärregierung
fungierte. Die Wahl wurde bei einer Beteiligung von immerhin 70
Prozent eindeutig von der SPD gewonnen und am 1.August ernannte
die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Frankfurt am Main nach
12 Jahren nationalsozialistischer Gewaltherrschaft wieder einen
demokratisch gewählten Oberbürgermeister.
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Oberbürgermeister
Dr. h.c. Walter Kolb
(geb. am 22.1.1902, gest. am 20.9.1956) In
Bonn gebürtig war der Student der Rechts- und Staatswissenschaften
bereits am Tag seines Abiturs in die SPD eingetreten, zählte
zu den Mitbegründern des Deutschen Republikanischen Studentenbundes
und des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, der sich zur Verteidigung
der Republik 1924 gebildet hatte. Nach ersten Erfahrungen
in Verwaltungstätigkeiten im Rheinland wurde er 1930
ins preußische Landwirtschaftsministerium berufen, 1932
wurde Kolb im Kreis Schmalkalden jüngster preußischer
Landrat. Aus diesem Amt wurde er dann bereits 1933 von den
Nationalsozialisten "entfernt". Bis 1945 arbeitete
Walter Kolb in seiner Heimatstadt Bonn als Rechtsanwalt, verteidigte
Verfolgte des NS-Regimes; mehrfach wurde er als politischer
Gegner von der Gestapo verhaftet. Seiner letzten Haft Ende
1944 konnte er im März 1945 schwerkrank entfliehen. Im
Oktober 1945 wurde der ausgewiesene Antifaschist Oberstadtdirektor
von Düsseldorf.
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Der sich selbst bezeichnende "religiöse Sozialist"
wurde von seiner Partei, der die Mehrheit im Stadtparlament
besitzenden SPD, im Juli 1946 als Oberbürgermeister nominiert,
gegen seinen Kontrahenten Kurt Blaum von der CDU gewählt
und zwei Jahre später von der Frankfurter Bevölkerung
mit großer Mehrheit bestätigt.
Mit der Persönlichkeit Walter Kolbs sind unzählige
wichtige politische,wirtschaftliche und stadtplanerische Weichenstellungen
der ersten Nachkriegszeit verbunden. Ob es die Trümmerbeseitigung
war, die er eigenhändig mit dem Spaten unter tatkräftiger
Mithilfe vieler Bürger begann, oder sein letzlich erfolgloses
Eintreten für Frankfurt in der Hauptstadtfrage -bei den
Bürgern der Stadt war der schwergewichtige, volksnah-charismatische
Politiker unbestritten sehr beliebt. Als Walter Kolb am 20.
September 1956 nach längerer Krankheit letztlich doch
für alle überraschend im Amt verstarb, waren Trauer
und Anteilnahme "seiner" Frankfurter und Frankfurterinnen
sehr groß: Viele Tausende Menschen standen nur einen
Tag nach seinem Tod in der Schlange vor der Römerhalle,
um vom dort aufgebahrten Oberbürgermeister Abschied zu
nehmen. Walter Kolb wurde auf dem Frankfurter Hauptfriedhof
beerdigt.
Ext
Link: Tondokumente (Real-audio) mit Walter Kolb
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Oberbürgermeister Dr. h.c. Werner Bockelmann
(geb. 23.9.1907, gest. am 7.4.1968) Als Sohn
eines deutschen Bankiers in Moskau geboren und mehrsprachig
aufgewachsen, war der Nachfolger Kolbs sicherlich ein ganz
anderer Politikertyp als der stets auf Volksnähe bedachte
verstorbene Oberbürgermeister. Der Jurist hatte nach
dem Krieg bereits vielfältige Verwaltungs- und kommunalpolitische
Erfahrungen in Lüneburg gesammelt und wurde dann Bürgermeister
von Ludwigshafen, bevor ihn seine Partei, die SPD, nach Frankfurt
berief, um dort am 10. Januar 1957 einstimmig von der Stadtverordnetenversammlung
zum neuen Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt gewählt
zu werden.
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| In jeder Hinsicht war Werner
Bockelmann ein Glücksgriff für die Stadt. Durch seine
Mitarbeit im Deutschen Städtetag hatte der Politiker weitläufige
Beziehungen in andere Städte und zur Wirtschaft, in seine
siebenjährige Amtszeit fallen unter anderem der Start in
das U-Bahn-Zeitalter, der Planungsbeginn für die Nordweststadt,
er erarbeitete eine stadtinterne Verwaltungsreform, beteiligte
sich an der bundesweiten Gemeindefinanzreform, auch im Bereich
Kultur und Konzeption der "Stadtregion" (Zusammenarbeit
mit den Nachbarstädten) erwies sich Bockelmann als weitsichtiger
Stratege und geschätzter Fachmann. Bei seiner eigenen Partei
stieß der nüchtern-sachliche, über Parteigrenzen
hinweg agierende Oberbürgermeister allerdings, wie auch
einige seiner sozialdemokratischen Amtsnachfolger, bald auf
interne Widersacher, denen Bockelmann wohl zu sehr über
den eigenen Tellerrand schauend und zu wenig populistisch agierte.
Der durch diese Auseinandersetzungen gesundheitlich angeschlagene
Oberbürgermeister trat vorzeitig am 29. Juni 1964, nur
wenige Wochen vor der Kommunalwahl, von seinem Amt zurück,
um neuer Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags
zu werden. Werner Bockelmann starb nur vier Jahre später
bei einem Verkehrsunfall. Er wurde in Barendorf bei Lüneburg
beerdigt. |
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Oberbürgermeister Prof. Dr. Willi Brundert
(geb. 12.6.1912, gest. am 7.5.1970) In Magdeburg
geboren kehrte der Sozialdemokrat nach seiner Kriegsgefangenschaft
in die DDR zurück, wo er 1949 aufgrund seiner politischen
Überzeugungen bis 1957 inhaftiert wurde und mehrere Jahre
in Einzelhaft verbringen mußte. Danach betätigte
sich der Jurist in der Landespolitik und wurde Leiter der
Staatskanzlei der Hessischen Landesregierung. Auf Vorschlag
der Landesregierung wurde Brundert dann am 2. Juli 1964 von
der Stadtverordnetenversammlung zum Nachfolger W.Bockelmanns
gewählt und in der Kommunalwahl am 25. Oktober gleichen
Jahres mit absoluter Mehrheit bestätigt.
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| Prof. Brunderts Amtsantritt fiel
in eine Zeit, wo die allgemeine Aufbruchsstimmung der Wirtschaftswunderjahre
bereits der zunehmenden Verschuldung der Städte, hier war
Frankfurt nun mit ca. 1,5 Milliarden DM bereits bundesdeutscher
Spitzenreiter, gewichen war und in unliebsame Sparmaßnahmen
sowie der Bewältigung finanzieller Haushaltslöcher
umschlug. Hier bewährte sich der kontaktfreudige, glänzende
Rethoriker in der Vermittlung der neuen Sparsamkeit. In seiner
Funktion als Präsident des Deutschen Städtetags seit
1967 konnte er seine ganzen Erfahrungen als Wirtschaftsjurist
einbringen und dort Entscheidungen mit bundesdeutscher Relevanz
durchsetzen. Frankfurt hatte in seiner Amtszeit große
Tage zu feiern, am 4. Oktober 1968 wurden beispielsweise gleichzeitig
die erste U-Bahn Linie und die neue, riesige Nordweststadt eingeweiht.
Durch starke berufliche Belastung, Auseinandersetzungen mit
seiner Partei und der aufkommenden Studentenbewegung mußte
sich Brundert gesundheitlich geschwächt durch Spätfolgen
seiner langen Haft im Frühjahr 1970 ins Krankenhaus begeben,
wurde aber am 19.März erneut für sechs Jahre zum Oberbürgermeister
gewählt. Prof. Willi Brundert war es nicht mehr vergönnt
das Krankenbett zu verlassen, er starb am 7. Mai 1970 nach sechsjähriger
Amtszeit. Seine letzte Ruhe fand der bei der Bevölkerung
beliebte, stets fröhlich wirkende Politiker auf dem Frankfurter
Hauptfriedhof. |
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Oberbürgermeister Walter Möller
(geb. am 7.4.1920, gest. am 17.11.1971) In
Frankfurt geboren wuchs der Sohn eines Frankfurter Stadtrates
in Norddeutschland und später in Berlin auf. Dort wurde
er 1938 zur Wehrmacht eingezogen und 1945 nach sieben Kriegsjahren
entlassen. Seine steile kommunalpolitische Karriere innerhalb
der SPD führte ihn von einem der jüngsten Stadtverordneten
Frankfurts 1948 über den Fraktionsvorsitz 1960 bis zum
Stadtrat für das wichtige Verkehrsdezernat im Jahre 1961.
Als stärkste politische Persönlichkeit innerhalb
seiner Partei trat er unumstritten die Nachfolge des verstorbenen
Oberbürgermeisters Willi Brundert an, am 11. Juni 1970
wurde er mit starker Mehrheit von der Stadtverordnetenversammlung
gewählt.
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| Walter Möller war nur eine
sehr kurze Amtszeit vergönnt: Nachdem der neue Oberbürgermeister
bereits am 9. Mai 1971 nach der Eröffnung des Freibades
Eschersheim einen Herzinfarkt erlitten hatte, konnte er erst
im September seine Amtstätigkeiten wiederaufnehmen. Zwischenzeitlich
war er von Bürgermeister Dr.Fay vertreten worden. Doch
schon am 17. November gleichen Jahres erlitt Möller auf
der Rückfahrt nach einem Gespräch mit dem hessischen
Finanzminister Rudi Arndt in Wiesbaden einen weiteren Herzinfarkt
und verstarb. Die Frankfurter waren von diesem erneuten Verlust
ihres Oberbürgermeisters zutiefst schockiert, Bundeskanzler
Willy Brandt kam zur Trauerfeier nach Frankfurt, der Trauerzug
bewegte sich an der U-Bahnstrecke Eschersheimer Landstrasse,
in Erinnerung an den Politiker und ehemaligen Verkehrsdezernenten
Walter Möller, der dieses größte Frankfurter
Bauprojekt aller Zeiten energisch vorangetrieben hatte. Um Akzente
als Stadtoberhaupt zu setzen, blieb ihm keine Zeit. |
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Oberbürgermeister Rudi Arndt
In Wiesbaden am 1. März 1927 geboren,
war Arndt doch eigentlich ein echter Frankfurter. Hier wuchs
er auf und besuchte die Liebig-Schule. Nach dem Abitur im
Jahre 1946 studierte er an der Goethe-Universität Rechts-
und Staatswissenschaften sowie Volkswirtschaft. Der SPD trat
er bereits 1945 bei, war von 1948 bis 1954 Vorsitzender der
Sozialistischen Jugend "Falken" - Hessen-Süd,
und gehörte dem Landesvorstand und dem Parteirat der
SPD an. 1952 legte er sein erstes, 1959 sein zweites juristisches
Examen ab. Von 1953 bis 1956 war Arndt Referent für Jugendrecht
und Bundesjugendplan im hessischen Innenministerium. Bevor
er 1956 in den Hessischen Landtag einzog, war er vier Jahre
Mitglied der Frankfurter SPD-Fraktion. Von 1961 bis 1964 war
Arndt Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion, danach avancierte
er im September 1964 zum Minister für Wirtschaft und
Technik; dem Kabinett Osswald gehört er seit 1970 als
Finanzminister an.
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| Rudi Arndt hatte zunächst
stark gezögert, das Amt des Frankfurter Oberbürgermeisters
zu übernehmen. Als nach dem Tode Walter Möllers in
der Diskussion über mögliche Nachfolger auch sein
Namen miteinbezogen wurde, winkte er erst unmißverständlich
ab. Als er dann doch dem Drängen der Frankfurter SPD nachgegeben
hatte, geizte er zunächst nicht mit Äußerungen,
die an seiner geringen Begeisterung keinen Zweifel ließen.
Dennoch fügte er sich dem Willen der Partei. Letztlich
war es wohl die Parteidisziplin, die den erst 44 Jahre alten
hessischen Finanzminister veranlaßte, seine landes- und
vielleicht auch bundespolitische Karriere zu beenden, um Walter
Möllers Nachfolge in Frankfurt anzutreten. Durch dessen
plötzlichen Tod war die Frankfurter SPD knapp ein Jahr
vor der Kommunalwahl 1972 praktisch führerlos geworden.
Am 16. Dezember 1971, einen Monat nach Walter Möllers Tod,
wählte das Stadtparlament Rudi Arndt mit 57 gegen 18 Stimmen
zum neuen Oberbürgermeister. Etwas von seinen Vorstellungen
ließ er nach seiner Wahl durchblicken, als er sagte: "Die
alten Frankfurter kennen noch das, was man das goldige Frankfurt
genannt hat. Das waren nicht nur die Winkel der Frankfurter
Altstadt, die Schirn, der Fünffingerplatz, das Opernhaus
und die Hauptwache, das waren auch die Menschlichkeit und die
liberale Toleranz über die Rassen hinweg. Dieses goldige
Frankfurt ist im Dritten Reich brutal zerstört worden.
Wir haben Frankfurt wiederaufgebaut als Drehscheibe Europas
mit all den Widersprüchlichkeiten, die sich in dieser Zeit
der gesellschaftlichen Widersprüche naturnotwendig ergeben.
Aber wir sollten mehr dazu tun, daß das, was dieses goldige
Frankfurt ausmachte, die Menschlichkeit und Toleranz, diese
Stadt wieder auszeichnet." Am 6. April 1972 trat Rudi
Arndt sein Amt als Oberbürgermeister an. Bis 1977 war er
ein erfolgreicher und beliebter Oberbürgermeister. In der
Nacht vom 13. auf den 14. Mai 2004 ist Rudi Arndt im Alter von
77 Jahren auf einer Urlaubsreise auf dem Fluss Dnjepr nahe Kiew
verstorben. |
| Nachfolger der oben genannten
Oberbürgermeister wurden, Dr. Walter Wallmann (1977-86),
Wolfram Brück (1986-89), Dr. Volker Hauff (1989-91), Andreas
von Schoeler (1991-95) und seit 1995 Petra Roth |
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