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oberbürgermeister bis 1971.  
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Am Gründonnerstag, dem 29. März 1945, verkündete der amerikanische Armeesender die Einnahme Frankfurts. Schon einen Tag später wurde von der Besatzungsmacht zunächst ein Journalist der Frankfurter Zeitung, Wilhelm Hollbach, kommissarisch als Bürgermeister eingesetzt. Schon am 4.Juli gleichen Jahres wurde er vom ehemaligen Bürgermeister der Stadt Hanau, Dr.Kurt Blaum abgelöst, dem die Amerikaner durch seine Verwaltungkenntnisse und kommunalpolitische Erfahrung wohl eher die Führung der Stadtverwaltung und effektivere Zusammenarbeit mit der Militärregierung zutrauten. Nachdem die Amerikaner ab September 1945 die Bildung von politischen Parteien zuließen, bildete sich aus diesen ein sogenannter Bürgerrat, der bis zur ersten Kommunalwahl am 26. Mai 1946 als Anhörungs- und Beratungsgremium zwischen Bevölkerung, kommissarischer Stadtverwaltung und Militärregierung fungierte. Die Wahl wurde bei einer Beteiligung von immerhin 70 Prozent eindeutig von der SPD gewonnen und am 1.August ernannte die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Frankfurt am Main nach 12 Jahren nationalsozialistischer Gewaltherrschaft wieder einen demokratisch gewählten Oberbürgermeister.

 

Oberbürgermeister Dr. h.c. Walter Kolb

(geb. am 22.1.1902, gest. am 20.9.1956) In Bonn gebürtig war der Student der Rechts- und Staatswissenschaften bereits am Tag seines Abiturs in die SPD eingetreten, zählte zu den Mitbegründern des Deutschen Republikanischen Studentenbundes und des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, der sich zur Verteidigung der Republik 1924 gebildet hatte. Nach ersten Erfahrungen in Verwaltungstätigkeiten im Rheinland wurde er 1930 ins preußische Landwirtschaftsministerium berufen, 1932 wurde Kolb im Kreis Schmalkalden jüngster preußischer Landrat. Aus diesem Amt wurde er dann bereits 1933 von den Nationalsozialisten "entfernt". Bis 1945 arbeitete Walter Kolb in seiner Heimatstadt Bonn als Rechtsanwalt, verteidigte Verfolgte des NS-Regimes; mehrfach wurde er als politischer Gegner von der Gestapo verhaftet. Seiner letzten Haft Ende 1944 konnte er im März 1945 schwerkrank entfliehen. Im Oktober 1945 wurde der ausgewiesene Antifaschist Oberstadtdirektor von Düsseldorf.

Der sich selbst bezeichnende "religiöse Sozialist" wurde von seiner Partei, der die Mehrheit im Stadtparlament besitzenden SPD, im Juli 1946 als Oberbürgermeister nominiert, gegen seinen Kontrahenten Kurt Blaum von der CDU gewählt und zwei Jahre später von der Frankfurter Bevölkerung mit großer Mehrheit bestätigt.

Mit der Persönlichkeit Walter Kolbs sind unzählige wichtige politische,wirtschaftliche und stadtplanerische Weichenstellungen der ersten Nachkriegszeit verbunden. Ob es die Trümmerbeseitigung war, die er eigenhändig mit dem Spaten unter tatkräftiger Mithilfe vieler Bürger begann, oder sein letzlich erfolgloses Eintreten für Frankfurt in der Hauptstadtfrage -bei den Bürgern der Stadt war der schwergewichtige, volksnah-charismatische Politiker unbestritten sehr beliebt. Als Walter Kolb am 20. September 1956 nach längerer Krankheit letztlich doch für alle überraschend im Amt verstarb, waren Trauer und Anteilnahme "seiner" Frankfurter und Frankfurterinnen sehr groß: Viele Tausende Menschen standen nur einen Tag nach seinem Tod in der Schlange vor der Römerhalle, um vom dort aufgebahrten Oberbürgermeister Abschied zu nehmen. Walter Kolb wurde auf dem Frankfurter Hauptfriedhof beerdigt.

Ext Link: Tondokumente (Real-audio) mit Walter Kolb

 

Oberbürgermeister Dr. h.c. Werner Bockelmann

(geb. 23.9.1907, gest. am 7.4.1968) Als Sohn eines deutschen Bankiers in Moskau geboren und mehrsprachig aufgewachsen, war der Nachfolger Kolbs sicherlich ein ganz anderer Politikertyp als der stets auf Volksnähe bedachte verstorbene Oberbürgermeister. Der Jurist hatte nach dem Krieg bereits vielfältige Verwaltungs- und kommunalpolitische Erfahrungen in Lüneburg gesammelt und wurde dann Bürgermeister von Ludwigshafen, bevor ihn seine Partei, die SPD, nach Frankfurt berief, um dort am 10. Januar 1957 einstimmig von der Stadtverordnetenversammlung zum neuen Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt gewählt zu werden.

In jeder Hinsicht war Werner Bockelmann ein Glücksgriff für die Stadt. Durch seine Mitarbeit im Deutschen Städtetag hatte der Politiker weitläufige Beziehungen in andere Städte und zur Wirtschaft, in seine siebenjährige Amtszeit fallen unter anderem der Start in das U-Bahn-Zeitalter, der Planungsbeginn für die Nordweststadt, er erarbeitete eine stadtinterne Verwaltungsreform, beteiligte sich an der bundesweiten Gemeindefinanzreform, auch im Bereich Kultur und Konzeption der "Stadtregion" (Zusammenarbeit mit den Nachbarstädten) erwies sich Bockelmann als weitsichtiger Stratege und geschätzter Fachmann. Bei seiner eigenen Partei stieß der nüchtern-sachliche, über Parteigrenzen hinweg agierende Oberbürgermeister allerdings, wie auch einige seiner sozialdemokratischen Amtsnachfolger, bald auf interne Widersacher, denen Bockelmann wohl zu sehr über den eigenen Tellerrand schauend und zu wenig populistisch agierte. Der durch diese Auseinandersetzungen gesundheitlich angeschlagene Oberbürgermeister trat vorzeitig am 29. Juni 1964, nur wenige Wochen vor der Kommunalwahl, von seinem Amt zurück, um neuer Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags zu werden. Werner Bockelmann starb nur vier Jahre später bei einem Verkehrsunfall. Er wurde in Barendorf bei Lüneburg beerdigt.

 

Oberbürgermeister Prof. Dr. Willi Brundert

(geb. 12.6.1912, gest. am 7.5.1970) In Magdeburg geboren kehrte der Sozialdemokrat nach seiner Kriegsgefangenschaft in die DDR zurück, wo er 1949 aufgrund seiner politischen Überzeugungen bis 1957 inhaftiert wurde und mehrere Jahre in Einzelhaft verbringen mußte. Danach betätigte sich der Jurist in der Landespolitik und wurde Leiter der Staatskanzlei der Hessischen Landesregierung. Auf Vorschlag der Landesregierung wurde Brundert dann am 2. Juli 1964 von der Stadtverordnetenversammlung zum Nachfolger W.Bockelmanns gewählt und in der Kommunalwahl am 25. Oktober gleichen Jahres mit absoluter Mehrheit bestätigt.

Prof. Brunderts Amtsantritt fiel in eine Zeit, wo die allgemeine Aufbruchsstimmung der Wirtschaftswunderjahre bereits der zunehmenden Verschuldung der Städte, hier war Frankfurt nun mit ca. 1,5 Milliarden DM bereits bundesdeutscher Spitzenreiter, gewichen war und in unliebsame Sparmaßnahmen sowie der Bewältigung finanzieller Haushaltslöcher umschlug. Hier bewährte sich der kontaktfreudige, glänzende Rethoriker in der Vermittlung der neuen Sparsamkeit. In seiner Funktion als Präsident des Deutschen Städtetags seit 1967 konnte er seine ganzen Erfahrungen als Wirtschaftsjurist einbringen und dort Entscheidungen mit bundesdeutscher Relevanz durchsetzen. Frankfurt hatte in seiner Amtszeit große Tage zu feiern, am 4. Oktober 1968 wurden beispielsweise gleichzeitig die erste U-Bahn Linie und die neue, riesige Nordweststadt eingeweiht. Durch starke berufliche Belastung, Auseinandersetzungen mit seiner Partei und der aufkommenden Studentenbewegung mußte sich Brundert gesundheitlich geschwächt durch Spätfolgen seiner langen Haft im Frühjahr 1970 ins Krankenhaus begeben, wurde aber am 19.März erneut für sechs Jahre zum Oberbürgermeister gewählt. Prof. Willi Brundert war es nicht mehr vergönnt das Krankenbett zu verlassen, er starb am 7. Mai 1970 nach sechsjähriger Amtszeit. Seine letzte Ruhe fand der bei der Bevölkerung beliebte, stets fröhlich wirkende Politiker auf dem Frankfurter Hauptfriedhof.

 

Oberbürgermeister Walter Möller

(geb. am 7.4.1920, gest. am 17.11.1971) In Frankfurt geboren wuchs der Sohn eines Frankfurter Stadtrates in Norddeutschland und später in Berlin auf. Dort wurde er 1938 zur Wehrmacht eingezogen und 1945 nach sieben Kriegsjahren entlassen. Seine steile kommunalpolitische Karriere innerhalb der SPD führte ihn von einem der jüngsten Stadtverordneten Frankfurts 1948 über den Fraktionsvorsitz 1960 bis zum Stadtrat für das wichtige Verkehrsdezernat im Jahre 1961. Als stärkste politische Persönlichkeit innerhalb seiner Partei trat er unumstritten die Nachfolge des verstorbenen Oberbürgermeisters Willi Brundert an, am 11. Juni 1970 wurde er mit starker Mehrheit von der Stadtverordnetenversammlung gewählt.

Walter Möller war nur eine sehr kurze Amtszeit vergönnt: Nachdem der neue Oberbürgermeister bereits am 9. Mai 1971 nach der Eröffnung des Freibades Eschersheim einen Herzinfarkt erlitten hatte, konnte er erst im September seine Amtstätigkeiten wiederaufnehmen. Zwischenzeitlich war er von Bürgermeister Dr.Fay vertreten worden. Doch schon am 17. November gleichen Jahres erlitt Möller auf der Rückfahrt nach einem Gespräch mit dem hessischen Finanzminister Rudi Arndt in Wiesbaden einen weiteren Herzinfarkt und verstarb. Die Frankfurter waren von diesem erneuten Verlust ihres Oberbürgermeisters zutiefst schockiert, Bundeskanzler Willy Brandt kam zur Trauerfeier nach Frankfurt, der Trauerzug bewegte sich an der U-Bahnstrecke Eschersheimer Landstrasse, in Erinnerung an den Politiker und ehemaligen Verkehrsdezernenten Walter Möller, der dieses größte Frankfurter Bauprojekt aller Zeiten energisch vorangetrieben hatte. Um Akzente als Stadtoberhaupt zu setzen, blieb ihm keine Zeit.

 

Oberbürgermeister Rudi Arndt

In Wiesbaden am 1. März 1927 geboren, war Arndt doch eigentlich ein echter Frankfurter. Hier wuchs er auf und besuchte die Liebig-Schule. Nach dem Abitur im Jahre 1946 studierte er an der Goethe-Universität Rechts- und Staatswissenschaften sowie Volkswirtschaft. Der SPD trat er bereits 1945 bei, war von 1948 bis 1954 Vorsitzender der Sozialistischen Jugend "Falken" - Hessen-Süd, und gehörte dem Landesvorstand und dem Parteirat der SPD an. 1952 legte er sein erstes, 1959 sein zweites juristisches Examen ab. Von 1953 bis 1956 war Arndt Referent für Jugendrecht und Bundesjugendplan im hessischen Innenministerium. Bevor er 1956 in den Hessischen Landtag einzog, war er vier Jahre Mitglied der Frankfurter SPD-Fraktion. Von 1961 bis 1964 war Arndt Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion, danach avancierte er im September 1964 zum Minister für Wirtschaft und Technik; dem Kabinett Osswald gehört er seit 1970 als Finanzminister an.

Rudi Arndt hatte zunächst stark gezögert, das Amt des Frankfurter Oberbürgermeisters zu übernehmen. Als nach dem Tode Walter Möllers in der Diskussion über mögliche Nachfolger auch sein Namen miteinbezogen wurde, winkte er erst unmißverständlich ab. Als er dann doch dem Drängen der Frankfurter SPD nachgegeben hatte, geizte er zunächst nicht mit Äußerungen, die an seiner geringen Begeisterung keinen Zweifel ließen. Dennoch fügte er sich dem Willen der Partei. Letztlich war es wohl die Parteidisziplin, die den erst 44 Jahre alten hessischen Finanzminister veranlaßte, seine landes- und vielleicht auch bundespolitische Karriere zu beenden, um Walter Möllers Nachfolge in Frankfurt anzutreten. Durch dessen plötzlichen Tod war die Frankfurter SPD knapp ein Jahr vor der Kommunalwahl 1972 praktisch führerlos geworden. Am 16. Dezember 1971, einen Monat nach Walter Möllers Tod, wählte das Stadtparlament Rudi Arndt mit 57 gegen 18 Stimmen zum neuen Oberbürgermeister. Etwas von seinen Vorstellungen ließ er nach seiner Wahl durchblicken, als er sagte: "Die alten Frankfurter kennen noch das, was man das goldige Frankfurt genannt hat. Das waren nicht nur die Winkel der Frankfurter Altstadt, die Schirn, der Fünffingerplatz, das Opernhaus und die Hauptwache, das waren auch die Menschlichkeit und die liberale Toleranz über die Rassen hinweg. Dieses goldige Frankfurt ist im Dritten Reich brutal zerstört worden. Wir haben Frankfurt wiederaufgebaut als Drehscheibe Europas mit all den Widersprüchlichkeiten, die sich in dieser Zeit der gesellschaftlichen Widersprüche naturnotwendig ergeben. Aber wir sollten mehr dazu tun, daß das, was dieses goldige Frankfurt ausmachte, die Menschlichkeit und Toleranz, diese Stadt wieder auszeichnet." Am 6. April 1972 trat Rudi Arndt sein Amt als Oberbürgermeister an. Bis 1977 war er ein erfolgreicher und beliebter Oberbürgermeister. In der Nacht vom 13. auf den 14. Mai 2004 ist Rudi Arndt im Alter von 77 Jahren auf einer Urlaubsreise auf dem Fluss Dnjepr nahe Kiew verstorben.

 

Nachfolger der oben genannten Oberbürgermeister wurden, Dr. Walter Wallmann (1977-86), Wolfram Brück (1986-89), Dr. Volker Hauff (1989-91), Andreas von Schoeler (1991-95) und seit 1995 Petra Roth

 

 
Quelle: Jahresberichte der Stadt Frankfurt 1945-72
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