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commerz- und creditbank aktiengesellschaft.  
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Die COMMERZ- UND CREDITBANK AKTIENGESELLSCHAFT geht in ihrer Wurzel auf ein Frankfurter Bankinstitut, die im Jahre 1856 gegründete Mitteldeutsche Creditbank, zurück. Ihr Sitz befindet sich noch heute in deren 1886 errichteten Hauptverwaltungsgebäude in der Neuen Mainzer Straße. Erst im Jahre 1920 ging dieses Institut durch Fusion auf die im Jahre 1870 gegründete Commerz- und Privat-Bank über und brachte dieser ihr inzwischen über das ganze deutsche Reichsgebiet verbreitetes Filialnetz zu. Bis 1940 führte die nunmehrige Frankfurter Filiale der Berliner Großbank den Namen des alten Instituts weiter. Erst in jenem Jahre wurde der Name Commerzbank für das Gesamtinstitut eingeführt. Dieses behielt jedoch seinen juristischen Sitz in Hamburg stets bei, und dorthin wurde noch im Frühjahr 1945 die Berliner Hauptverwaltung zurückverlegt. So traf das Unternehmen die Schließung der Berliner Großbanken nicht unvorbereitet. Dafür verlor es in Ost- und Mitteldeutschland über die Hälfte seiner 243 selbständigen Niederlassungen, die es bis zum Ende des zweiten Weltkrieges besessen hatte.

Selbstverständlich versuchten Vorstand und Aufsichtsrat, sobald es die Verhältnisse erlaubten, von Hamburg aus das Institut wieder aufzubauen. In der britischen Besatzungszone kam tatsächlich eine einheitliche Leitung der Niederlassungen zustande. Die amerikanische Militärregierung lehnte dagegen diese Bestrebungen ab und erlaubte erst im Jahre 1946, daß die großen Niederlassungen in den einzelnen Ländern die Aufgaben von Kopfstellen für die in ihrem Bereich gelegenen Filialen übernahmen. Für Hessen fiel diese organisatorische Zusammenfassung selbstverständlich der Frankfurter Niederlassung zu. Doch es bedurfte großer Anstrengungen, bis die Verbindungen wiederhergestellt und ein Überblick über die geretteten Werte gewonnen waren. Unterdessen hatten in allen Geschäftsstellen die noch vorhandenen Mitarbeiter ihr möglichstes getan, um den Bankverkehr wieder in Gang zu bringen. Sobald die örtlichen Besatzungsorgane ihnen die Wiederaufnahme der Arbeit gestattet hatten, waren sie darangegangen, die Schalter wieder zu öffnen und der Kundschaft nach Kräften zu dienen. Freilich sah es bei den meisten Filialen nicht besser als in Frankfurt aus. Von dem dortigen Verwaltungsgebäude in der Neuen Mainzer Straße 32-36 stand praktisch nur noch die Fassade. Es war zum größten Teil ausgebrannt und erst nach der Beseitigung von Bergen von Schutt fanden sich noch einige Räume, die sich wieder benutzbar machen ließen. Hier wie überall griffen die Mitarbeiter zu Hacke und Schaufel und schufen so behelfsmäßige Unterkünfte. Unter bescheidensten Bedingungen wurde die Arbeit wieder aufgenommen. Notdürftig und schrittweise konnten weitere Räume instand gesetzt werden. Es war überall das gleiche Bild. Immerhin gelang es den Geschäftsstellen und dann der in Frankfurt aufgebauten Leitung für Hessen innerhalb des Landes einen geregelten Geschäftsverkehr abzuwickeln.

Die Zentrale der Commerzbank an der Neuen Mainzer Strasse um 1958, hier steht heute das erste Hochhaus der Bank von 1974

 

Auf Grund des Gesetzes Nr.57 kam dann 1947 die Bildung von vier Regionalbanken in der amerikanischen Zone und später der entsprechenden Institute in den Ländern der britischen und französischen Zone zur Übernahme der bisherigen Geschäfte der Commerzbank zustande. Es bedurfte wiederholter Bemühungen, bis es gelang, die zuständigen amerikanischen Dienststellen davon zu überzeugen, daß es unbedenklich sei, für das neue Institut in Hessen auf den alten Namen der Mitteldeutschen Creditbank zurückzugreifen. Als besondere Ausnahme wurde diese Wahl schließlich genehmigt, nachdem von vielen Seiten bestätigt worden war, daß damit die Erinnerung an ein einst hochangesehenes Unternehmen wiederauflebe. Bis zur Währungsreform wurde das Filialnetz wieder koordiniert und ein geregelter Geschäftsverkehr erreicht. Mit 12 Niederlassungen war das Frankfurter Institut übrigens die bedeutendste der aus der Commerzbank in Süddeutschland hervorgegangenen regionalen Nachfolgebanken.

Nach der arbeitsreichen Währungsreform belebte sich das Geschäft rasch und nahm ständig zu. Darum begann die Mitteldeutsche Creditbank sofort mit dem schrittweisen Wiederaufbau der im Kriege zerstörten Bankgebäude. In Kassel, Hanau und Gießen wurden die fast völlig vernichteten Geschäftsstellen wieder aufgebaut. Das Frankfurter Verwaltungsgebäude konnte unter Erhaltung seiner Fassade neu erstellt und dann im Laufe der späteren Jahre durch die Errichtung mehrerer Flügelbauten bedeutend vergrößert werden. Entsprechend nahm schon in den ersten Jahren der Personalbestand beträchtlich zu.

Rückwirkend zum 1. Januar 1952 trat auf Grund des Großbankengesetzes die Commerz- und Credit-Bank Aktiengesellschaft als Nachfolgeinstitut der Commerzbank im süddeutschen Raum ins Leben. Der Bankverein für Württemberg-Baden in Stuttgart, die Bayerische Disconto-Bank in Nürnberg und die Mittelrheinische Bank in Mainz wurden mit der für fünf Jahre wiedererstandenen Mitteldeutschen Creditbank zu dem neuen Institut vereinigt. Mit einem Grundkapital von 10 Millionen und einer Million DM Rücklagen ausgestattet begann es mit 22 Geschäftsstellen und 980 Mitarbeitern seine Arbeit. Sein Tätigkeitsbereich entsprach im wesentlichen dem Umfang der alten Mitteldeutschen Creditbank vor 1929.

Die gleichzeitig entstandenen Schwesterbanken, die Commerz- und Disconto-Bank AG in Hamburg und der Bankverein Westdeutschland AG in Düsseldorf, arbeiteten hinfort eng zusammen. Gemeinsam gründeten sie in Berlin eine Tochtergesellschaft, die heutige Berliner Commerzbank AG, während das ruhende Mutterinstitut seinen Sitz nach Düsseldorf verlegte.

Der Geschäftsumfang der Commerz- und Credit-Bank, die ihre Hauptverwaltung in Frankfurt rasch aufbaute, nahm seit 1952 ständig zu. Die Bilanzsumme stieg von Jahr zu Jahr an und hatte Ende 1956 mit über 882 Millionen DM mehr als das Dreifache der Eröffnungsbilanz zum 1. Januar 1952 erreicht. Diese Geschäftsausweitung veranlaßte die Bank, ihr Grundkapital zweimal, am 10.August 1954 und am 15. September 1955, um je 5 Millionen auf nunmehr 20 Millionen DM zu erhöhen. Als eine der ersten Aktiengesellschaften der Bundesrepublik wählte sie 1954 zur Durchführung dieser Kapitalerhöhung den Weg über die Börse. Der Erfolg übertraf alle Erwartungen. Die Rücklagen konnten bis Ende 1956 auf 13 Millionen DM vermehrt werden und machten damit mehr als die Hälfte des Aktienkapitals aus.

Kennzeichnend für den geschäftlichen Erfolg des Instituts ist die in fünf Jahren erreichte Verdreifachung der Einlagen seiner Kundschaft, die von 222 Millionen auf 760 Millionen DM (1956) anwuchsen. Die Zahl der Konten der Geschäftsfreunde betrug Ende 1956 -99269, über die in jenem Jahr insgesamt 40,6 Milliarden DM umgesetzt wurden. Mit einer Kreditgewährung von 584 Millionen konnte die Bank 1955 dank ihrer hohen Liquidität allen berechtigten Wünschen ihrer Kundschaft entsprechen. Über 75% der Kredite lagen unter 20000 DM. Das Wertpapiergeschäft, das von dem Institut stets aufmerksam gepflegt wurde, entwickelte sich bei dem wechselnden Interesse der Kundschaft in den einzelnen Jahren unterschiedlich, jedoch im ganzen ebenfalls ansteigend und zuletzt sehr lebhaft. Bei zahlreichen Emissionen beteiligte sich die Bank an den dafür gebildeten Konsortien und konnte bei der Placierung der übernommenen Anteile schöne Erfolge erzielen. Besondere Aufmerksamkeit wandte sie der finanziellen Abwicklung des Außenhandels zu und erreichte dabei mit Hilfe ihres weitgespannten Korrespondentennetzes von Jahr zu Jahr größere Umsätze. Im Gesamtergebnis lag die Aufwärtsentwicklung der Bank stetig über dem allgemeinen Ausmaß der konjunkturellen Expansion. Auch innerhalb der Commerzbank-Gruppe verzeichnete sie die besten Geschäftserfolge.

Hand in Hand mit der Ausdehnung der Geschäftstätigkeit war die Commerz- und Credit-Bank ständig bemüht, ihr Filialnetz weiter auszubauen, um ihren weitgestreuten Kundenkreis besser bedienen zu können. So gelang es ihr, die während des Krieges geschlossenen Commerzbank-Zweigstellen in Bad Kreuznach, Fulda und Baden-Baden sowie zwei Depositenkassen in Frankfurt wieder zu eröffnen. An den Plätzen Karlsruhe, Andernach und Mayen sowie Reutlingen, Limburg/Lahn und Pirmasens gliederte sie bereits bestehende Bankgeschäfte in ihr Institut ein und errichtete in Heidenheim an der Brenz eine neue Filiale. Durch Kommanditbeteiligungen an Privatbankhäusern und durch die Übernahme des Aktienkapitals der Württembergisch-Hohenzollerischen Privatbank AG in Tübingen und Hechingen dehnte sie ihren Geschäftsbereich weiter aus. In jüngster Zeit konnte sie auch die nach dem Kriege auf ein französisches Institut übergeführte einstige Commerzbank-Filiale in Saarbrücken wieder eröffnen. Sie erreichte damit, daß sie an insgesamt 37 Plätzen ihres Geschäftsbereiches vertreten ist. Zusammen mit den beiden anderen Nachfolgeinstituten der Commerzbank richtete sie eigene Vertretungen in Amsterdam, Beirut, Madrid, Rio de Janeiro und Windhoek ein. Darüber hinaus trat sie mit vielen ausländischen Bankinstituten in freundschaftliche Geschäftsverbindung und konnte so die Außenhandelsinteressen ihrer Kundschaft wirksam fördern.

Die ständige Zunahme des Geschäftes machte trotz beachtlicher innerbetrieblicher Rationalisierungen eine Vermehrung des Personals erforderlich. Ende 1956 war es auf 1659 Beschäftigte angewachsen, von denen über 37% Mitarbeiterinnen waren. Mit einem Durchschnittsalter der männlichen Angestellten von 38 Jahren hatte die seit Jahren angestrebte Verjüngung sich erfolgreich durchgesetzt. Selbstverständlich wurde für eine qualitativ hochstehende Ausbildung des Nachwuchses gesorgt. Andererseits sind 206 Mitarbeiter seit 25 und mehr Jahren in dem Institut und seinen Rechtsvorgängern tätig und verbürgen damit die Erhaltung des in langen Jahren erarbeiteten Erfahrungsschatzes wie die Pflege der Traditionen einer nun schon über hundertjährigen Geschichte des Frankfurter Hauses. Von den freiwilligen sozialen Leistungen verdienen die Urlaubsbeihilfen als eine spezifische und bewährte Sonderform Hervorhebung. Daneben hat das Institut auch die sonstigen, in der Branche allgemein üblichen Einrichtungen gefördert und zusammen mit seinen Schwesterbanken laufend für die ehemaligen Mitarbeiter des Mutterinstituts, insbesondere für dessen Pensionäre in Berlin, nach Kräften gesorgt.

Im Gegensatz zu den beiden anderen Großbanken hat die Commerzbank-Gruppe bisher von der Möglichkeit eines Wiederzusammenschlusses zu einem Gesamtinstitut keinen Gebrauch gemacht, sondern die Absicht bekundet, die seitherige, juristisch getrennte jedoch praktisch durch eine enge Zusammenarbeit überbrückte Aufgliederung in drei Nachfolgeinstitute beizubehalten, um die Vorteile eines dezentralen Systems zu bewahren. Durch gegenseitige Abstimmung glaubt sie ohne eine Verschmelzung und den damit verbundenen Aufbau einer neuen Hauptverwaltung auskommen zu können.

 
Quelle: F.Lerner: " Frankfurt am Main und seine Wirtschaft", Ammelburg-Verlag 1958
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