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dokumentation zur nachkriegszeit
dresdner bank (ehem. rhein-main bank).  
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Die DRESDNER BANK besaß bei Kriegsende in Hessen außer in Frankfurt a.M. weitere Niederlassungen in Darmstadt, Fulda, Gelnhausen, Gießen, Hanau, Höchst, Bad Homburg, Kassel, Mainz-Kastel, Bad Nauheim, Offenbach, Wiesbaden und Wiesbaden-Biebrich. Mit der Stadt am Main war die Berliner Großbank seit vielen Jahrzehnten verbunden. Sie selbst hatte 1904 durch die Übernahme der Deutschen Genossenschaftsbank von Soergel, Parrisius & Co. und des Bankhauses von Erlanger & Söhne hier eine Filiale begründet und einem ihrer Vorstandsmitglieder als Sitz zugewiesen. Die 1931 mit ihr vereinigte Darmstädter Bank errichtete sogar schon 50 Jahre zuvor ihre erste Niederlassung in Frankfurt und übernahm ebenfalls im Laufe der Zeit zwei bekannte Privatbankhäuser der Stadt. Lange Zeit war diese Filiale eines der führenden Institute am Frankfurter Platz gewesen. Im übrigen hatten Frankfurter Banken bei der Gründung der Dresdner Bank einen großen Teil ihrer Aktien übernommen. An Tradition war also kein Mangel. Sonst aber gebrach es den hessischen Filialen des seiner Berliner Zentrale beraubten Instituts im Jahre 1945 an vielem. Fast alle Bankgebäude waren völlig oder teilweise zerstört, die Arbeitsbedingungen für das Personal vielerorts denkbar primitiv und zudem durch die politisch begründeten Entlassungen vielfach sehr erschwert -gewiß, das alles behinderte alle Wirtschaftsunternehmen zu jener Zeit mehr oder minder gleich stark. Dennoch war es keine geringe organisatorische Leistung, von der Kopffiliale Frankfurt aus die über das ganze Land verstreuten Niederlassungen wieder zusammenzufassen und zu einheitlicher, ersprießlicher Arbeit im Dienste der Kundschaft in die Lage zu versetzen. Im Jahre 1947 nahm diese Organisation dann die Bezeichnung Rhein-Main Bank an. Mit dieser neuen Firma und gestützt auf die Tradition der Dresdner Bank, gelang es dem Institut, seit der Währungsreform das Geschäft im In- und Ausland wieder auf- und auszubauen, so daß dieser neue Name bald allenthalben bekannt wurde und als wichtiger Vertreter des Bank- und Börsenplatzes Frankfurt einen guten Klang erhielt.


foto:Woscidlo

Neubau der "Dresdner" von 1951, damals noch Rhein-Main Bank

 

Das Gebäude der ehemaligen Filiale Frankfurt der Dresdner Bank an der Ecke Gallusanlage und Kaiserstraße war zum größten Teil zerstört. Hugo Zinßer, in dessen Händen die Geschäftsleitung der Rhein-Main Bank lag, dachte von vornherein daran, daß hier einmal die Zentrale für einen größeren Bereich als Hessen entstehen müsse und ging daher an einen großzügigen Wiederaufbau. Und doch sagte damals der mit der Vorbereitung der Projekte beauftragte Direktor Stockburger zu dem Architekten Wolf Drevermann, der die Pläne für dieses Haus und den Wiederaufbau der Depositenkasse am Roßmarkt bearbeitete: "Wir wollen einmal sicherheitshalber damit rechnen, daß wir wieder 400 Arbeitsplätze brauchen. Bitte, erzählen Sie das niemand! Man hält uns sonst für größenwahnsinnig, aber wir wollen ganz auf Sicherheit gehen und, was wir für weniger als 4oo Leute an Raum nicht benötigen, wird dann halt vermietet." So kam es zum Bau des ersten Frankfurter Hochhauses der Nachkriegszeit, das zu einem Symbol des Wiederaufbauwillens der Stadt wurde. Auch das Gebäude der Depositenkasse am Roßmarkt spiegelte diesen Willen wider. Überhaupt förderte Zinßer nach Kräften die Errichtung moderner Großbauten in Frankfurt und nicht zuletzt auch den Wiederaufbau der Universität, die ihn im Jahre 1951 mit der Würde des Dr.rer.pol.h.c. auszeichnete.

Die Rhein-Main Bank wurde zu einem der aktivsten Faktoren des Frankfurter Platzes. Insbesondere nahm sie sich des Effektengeschäftes schon sehr frühzeitig mit Nachdruck an. Mit durch die von ihr ausgehenden Impulse wurde Frankfurt zum bedeutendsten Handelsplatz Westdeutschlands in festverzinslichen Werten. Mit der gleichen Energie wandte sich das Institut neben der selbstverständlichen Pflege des Kredit- und des Auslandsgeschäftes auch dem Geldgeschäft unter Banken sowie dem nach dem Kriege neu aufzubauenden Devisenhandel zu. Das brachte Frankfurts Bedeutung als Geldplatz weiteren Auftrieb.

Dieser Aktivität und ihren Erfolgen war es zu verdanken, daß sich die Dresdner Bank im September 1952 bei der dreiteiligen Neuordnung ihrer Niederlassungen in Westdeutschland für den süddeutschen Raum zur Beibehaltung der bisherigen Firma und des Sitzes in Frankfurt entschloß. So wurden in die neue Rhein-Main Bank Aktiengesellschaft mit 36 Millionen Aktienkapital und 8 Millionen gesetzlicher Reserve die Allgemeine Bankgesellschaft in Stuttgart und Mannheim, die Bankanstalt für Württemberg und Hohenzollern in Reutlingen, die Bayerische Bank für Handel und Industrie in München, die Industrie- und Handelsbank in Mainz, die Süddeutsche Kreditanstalt in Freiburg/Breisgau und die bisherige Rhein-Main Bank eingebracht. Das neue Institut besaß 52 Niederlassungen, die über ganz Süddeutschland verteilt waren. Zusammen mit seinen Schwesterinstituten, der Hamburger Kreditbank AG und der Rhein-Ruhr Bank AG in Düsseldorf, führte es die von ihnen schon im Oktober 1949 in Berlin gegründete Tochtergesellschaft, die Bank für Handel und Industrie AG, weiter, die schon damals über ein Netz von 21 Depositenkassen verfügte und dieses bis Mitte 1957 auf 32 erweiterte. Vor allem aber hielten die drei Nachfolgeinstitute an ihrer ursprünglichen Zusammengehörigkeit fest, arbeiteten eng zusammen, traten gemeinsam nach außen, insbesondere im Ausland auf und führten in ihren Firmen von Anbeginn an den Zusatz "früher Dresdner Bank", damit für jedermann deutlich auf ihre Tradition und ihr Bestreben auf die Wiederherstellung der alten Einheit hinweisend.

Das erste Geschäftsjahr, 1952, der Rhein-Main Bank AG ließ ihre Bilanzsumme von 901 Millionen auf 1161 Millionen DM ansteigen. Die sofort greifbaren Mittel erhöhten sich um 52% und machten fast die Höhe der gesamten Sichteinlagen aus. Das Institut erreichte also eine zunehmende Liquidität. Dabei wurden die Wechselbestände mehr als verdoppelt und auch die Debitoren auf über 410 Millionen kräftig erhöht. Eine breite Streuung der Kredite, von denen der Zahl nach über die Hälfte auf Beträge unter 1000 DM entfielen, zeigte, daß die Bank einen guten Teil ihrer Arbeit der kleinen und mittleren Kundschaft widmete. Im Börsen- und Emissionsgeschäft hatte sich das Institut wieder besonders intensiv betätigt und die 8% Anleihe der Degussa als erste Industrieanleihe nach dem Inkrafttreten des Kapitalmarktförderungsgesetzes mit vollem Erfolg an den Markt gebracht. Das Wiederaufbauprogramm für die zu 85% im Krieg zerstörten Gebäude der Bank war bereits zum größten Teil abgeschlossen. Seit der Währungsreform waren dafür 22 Millionen DM aufgewendet worden.

Das Netz der Niederlassungen und Depositenkassen wurde ebenfalls ausgebaut. Gemeinsam schufen sich die Nachfolgeinstitute der Dresdner Bank 1952 eine Repräsentanz in Istanbul und unterhielten durch die ihnen nahestehende Deutsch-Südamerikanische Bank Vertretungen in sieben Ländern Lateinamerikas. Im Interesse des deutschen Außenhandels lag auch ihre Beteiligung am Wiederaufbau der deutschen Handelsschiffahrt. Sie vermittelten dafür dem Norddeutschen Lloyd ein längerfristiges Darlehen und beteiligten sich unter anderem an einer gleichartigen Transaktion bei der Hapag. Das Jahr 1953 bezeichnete das Institut als das der inneren Festigung. Ihm folgten dann in der Hochkonjunktur die Jahre des kräftigen Ausbaues der erreichten Position. Bis Ende 1956 war die Bilanzsumme auf 1977 Millionen DM angewachsen und hatte sich damit seit 1952 mehr als verdoppelt. Der Gesamteinlagenbestand stieg von Jahr zu Jahr, besonders stark im Jahre 1956, und erreichte 1678 Millionen. Nach wie vor bewahrte sich die Rhein-Main Bank AG eine hohe Liquidität. Die auf 707 Millionen DM (1956) erhöhten Debitoren waren traditionsgemäß weitgestreut. Im übrigen wurde das internationale Geschäft besonders nachhaltig ausgebaut, so daß das Institut unter seinen "Einlagen von Kreditinstituten" einen recht ansehnlichen Anteil von Guthaben ausländischer Banken verzeichnen konnte. Erstmals 1955 hatte die Bank ihr Eigenkapital um 12 Millionen auf 48 Millionen erhöht und konnte in der Bilanz 1956 Rücklagen in Höhe von 42 Millionen DM ausweisen. Daß sie das Effektengeschäft besonders pflegte und auch darin ihrer bisherigen Geschäftspolitik treu blieb, versteht sich von selbst. Im Juli 1956 wurde unter ihrer Führung die 8%ige Anleihe der Robert Bosch GmbH plaziert, die erste Industrieanleihe seit dem Auslaufen des Kapitalmarktförderungsgesetzes (Ende 1954), die bahnbrechend wirkte für die dann folgenden festverzinslichen Industrieemissionen. Im November 1956 wurde auf Initiative der Rhein-Main Bank der Handel mit ausländischen Aktien im Freiverkehr der Frankfurter Börse aufgenommen. 1954 schufen sich die Nachfolgeinstitute der Dresdner Bank, die in Istanbul bereits über eine Repräsentanz für die Türkei, Irak, Iran und Kuweit verfügten, eine weitere Repräsentanz in Kairo für den übrigen Nahen Osten und 1955 in Madrid für die iberische Halbinsel.

Als 1957 endlich der Weg für die Verschmelzung frei war, wurde unter den Nachfolgeinstituten der Dresdner Bank die Rhein-Main Bank AG zur aufnehmenden Gesellschaft und damit zugleich Frankfurt zum Sitz der neugegründeten Dresdner Bank Aktiengesellschaft. Das wiedervereinigte Institut erhielt mit Vorstandsmitgliedern paritätisch besetzte regionale Hauptverwaltungen in Düsseldorf, Frankfurt a.M. und Hamburg. Die ruhende Dresdner Bank blieb von der Neuordnung unberührt. Ebenso wird das Berliner Tochterunternehmen unverändert weitergeführt. Die neue Dresdner Bank AG, die Mitte 1957 über ein Netz von 229 Geschäftsstellen in allen Teilen Westdeutschlands verfügte, erhöhte ihr Grundkapital auf 150 Millionen DM und rückte damit bei 114 Millionen DM offenen Rücklagen dem Eigenkapital nach an die siebente Stelle unter den europäischen Großbanken.

Dank der weitschauenden Bauplanung Zinßers standen der Zentrale der Rhein-Main Bank AG im Frankfurter Hochhaus die für ihre Geschäftsausdehnung zunächst notwendigen Räumlichkeiten zur Verfügung. Was 1949 niemand zu hoffen wagte, war sechs Jahre später schon eingetreten. Statt der 400 Arbeitsplätze benötigte das Institut in seiner Zentrale mehr als die dreifache Zahl der Mitarbeiter. Als Dr.h.c.Hugo Zinßer am 17. Juli 1955 verschied, reichten die vorsorglich geschaffenen Räume für den gestiegenen Geschäftsumfang schon nicht mehr aus. Die Frankfurter Direktion der Dresdner Bank AG wird daher über kurz oder lang an eine Erweiterung des Baublocks herangehen müssen, wofür bereits das ihm an der Gallusanlage benachbarte Gebäude der Frankfurter Hypothekenbank erworben wurde, die ihrerseits einen Neubau an anderer Stelle errichtet hat.

Erster "Autobankschalter" in Deutschland in der Frankfurter Zentrale der Dresdner Bank, 1956

Die Rhein-Main Bank AG hatte 1952 ihre Tätigkeit mit 2934 Mitarbeitern begonnen. Das waren fast 1000 mehr, als die in ihr vereinten Institute zum Zeitpunkt der Währungsreform beschäftigt hatten. Bis Ende 1956 hatte sich der Personalbestand auf 4556 Betriebsangehörige erhöht. Die Neueinstellungen seit Kriegsende brachten eine erfreuliche Verjüngung. Dennoch verfügt auch die Dresdner Bank AG über einen Stamm langjähriger, bewährter Mitarbeiter. 1955 standen über 30% der männlichen Angestellten mehr als 20 Jahre in den Diensten der Bank. Für die Heranbildung eines leistungsfähigen Nachwuchses wurden Jahr für Jahr beträchtliche Mittel aufgewandt. Eine aus Anlaß des 70. Geburtstages des langjährigen Aufsichtsratsvorsitzenden der alten Dresdner Bank wie auch der neuen Dresdner Bank AG, Carl Goetz, neuerrichtete und mit 1,5 Millionen DM dotierte Stiftung soll vor allem der Entsendung junger Mitarbeiter ins Ausland dienen. Von den weiteren freiwilligen sozialen Leistungen, die sich im brancheüblichen Rahmen bewegten, verdient die Errichtung von über 300 Wohnungen in Frankfurt seit 1949 auf dem Wege über die dafür gegründete Merkur-Grundstücks-GmbH besondere Erwähnung. Auch damit wie durch ihre ganze Arbeit hat die nunmehr wiedererstandene Dresdner Bank wesentlich zum Wiederaufbau der Stadt beigetragen.

 
Quelle: F.Lerner: " Frankfurt am Main und seine Wirtschaft", Ammelburg-Verlag 1958
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