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Schon vor dem Kriege gehörte die DEUTSCHE
VEREINIGTE SCHUHMASCHINENGESELLSCHAFT GMBH (DVSG) auf ihrem
Spezialgebiet zu den führenden Unternehmen Europas. Bei ihrer
Gründung im Jahre 1900 war amerikanisches Kapital maßgebend
beteiligt. Die Einführung des Goodyear-Rahmen-Systems in Deutschland
war ihr vorausgegangen und das für dieses die gesamte Schuhfabrikation
revolutionierende Verfahren maßgebende Unternehmen, hatte
die Errichtung einer Schuhmaschinenfabrik mit Nachdruck betrieben.
In rascher Folge mußte diese dann ihre Kapazität mehrfach
vergrößern, um der Nachfrage des In- und Auslandes gerecht
werden zu können. 1936 konnte sich die DVSG ein repräsentatives
Verwaltungsgebäude neben dem Frankfurter
Polizeipräsidium errichten. Ein ausgedehntes Lager in
Schuh-Bedarfsartikeln und einige hunderttausend Ersatzteile für
ihre Schuhmaschinen wurden hier übersichtlich geordnet für
den ausgedehnten Kundenkreis bereitgehalten. Doch das moderne und
geräumige Bürohaus an so günstiger Stelle erweckte
während des Krieges die Begehrlichkeit nationalsozialistischer
Dienststellen. Es wurde beschlagnahmt und ein guter Teil seines
Inventars verschwand für immer. Die engen Verbindungen der
DVSG mit amerikanischen Unternehmen machte sie damals verdächtig.
In der Kriegszeit wurde ihre Produktion durch kriegswirtschaftliche
Maßnahmen stark eingeschränkt. Im Bombenkrieg wurden
schließlich Fabrik und Verwaltungsgebäude, obwohl räumlich
weit voneinander getrennt, je zu etwa 75% zerstört.
Und doch war die Lage des Unternehmens nicht aussichtslos.
Es hatte ein umfangreiches Ersatzteillager gerettet, weil dieses
bei der Beschlagnahme des Verwaltungsgebäudes im Keller verbleiben
durfte, der den Krieg fast unversehrt überstand. Ein weiterer
Vorrat von Ersatzteilen war ausgelagert worden. Auch sie überdauerten
die Kriegsereignisse. So war die DVSG 1945 in der glücklichen
Lage, die bald stürmisch einsetzende Nachfrage ihrer Inlandskunden
sofort wieder einigermaßen befriedigen zu können. Allerdings
gab es mancherlei Schwierigkeiten. In der Fabrik waren lebenswichtige
Werkzeugmaschinen ausgefallen. Aber ausgerechnet eine der wertvollsten
technischen Einrichtungen, die dem Unternehmen schon vor dem Kriege
die Behauptung seiner dominierenden Stellung am Markte gesichert
hatte und einen Geldwert in der Größenordnung einer sechsstelligen
Zahl repräsentierte, ein Präzisions-Lehren-Bohrwerk mit
optischen Einstellmitteln, war im Bombenkrieg unversehrt geblieben.
Mit dem auf weniger als die Hälfte zusammengeschmolzenen Mitarbeiterstamm
ging man darum unverdrossen an den Wiederaufbau der Betriebsstätten.
Schuhe fehlten allenthalben, der Nachholbedarf der Bevölkerung
war groß, die Schäden der Schuhfabriken mußten
darum schleunigst beseitigt werden. Unter diesem stetig anwachsenden
Druck blieb der DVSG gar keine Zeit zu langem Besinnen und Planen,
sie mußte ihre Kapazität schnellstens wieder erreichen
und steigern.

Spezialmaschinen werden zusammengebaut
In Nässe, Kälte, Staub und Hunger hielten
ihre Mitarbeiter aus. Unter schwierigsten Arbeitsbedingungen räumten
sie die Schuttmassen und bauten Schritt für Schritt ihr Werk
und das Verwaltungsgebäude wieder auf. Ohne fremde Mittel konnte
das binnen einem Jahrzehnt völlig aus eigener Kraft geschafft
werden. Schon 1948 betrug der Umsatz des Unternehmens wieder 85%
der 1936 erreichten Ziffer. Die Währungsreform brachte dann
den Auftrieb, und seitdem stieg der Umsatz von Jahr zu Jahr, um
1955 bereits 240% von 1936 zu erreichen. Entsprechend wuchs die
Zahl der Beschäftigten. Sie blieb jedoch trotz der bedeutenden
Geschäftsausweitung um rund 30% hinter der Belegschaftszahl
von 1938 zurück. Darin kommt sehr deutlich die mit dem Wiederaufbau
der Fabrik verbundene weitgehende Rationalisierung
ihrer Produktion zum Ausdruck. Da einige der bedeutendsten westdeutschen
Schuhfabriken der Demontage verfielen, erhielt der rasche und zügige
Wiederaufbau der DVSG besondere Bedeutung. Sie konnte für die
Neueinrichtung dieser Betriebe den Maschinenpark bereitstellen und
hielt dabei an ihrem in vielen Jahren bewährten Mietsystem
fest. Auch die damit verbundene kostenfreie Überwachung der
vermieteten Maschinen und die Beratung der Kundschaft in allen einschlägigen
Fragen wurde beibehalten und, im Zuge des Konjunkturanstieges erheblich
ausgebaut.
Die DVSG hat längst alle Kriegsschäden
überwunden. Am westdeutschen Markt stieg ihr Anteil gegenüber
1938 bedeutend. Auf der einen Seite hielten ihr die alten Kunden
in einer ganz ungewöhnlichen Weise die Treue. Das war jedoch
nicht nur ein Ergebnis langjähriger, freundschaftlicher Zusammenarbeit,
sondern in erster Linie die wohlverdiente Folge der schon in den
Notjahren 1945 bis 1948 bewiesenen Lieferfähigkeit und der
im Verein damit durch unablässige Anstrengungen aller Mitarbeiter
rasch gesteigerten Produktionskapazität. Natürlich sprach
sich das schnell herum. Der Kundenkreis der DVSG vergrößerte
sich ständig. Dazu trugen die imponierenden Ausstellungen modernster
Hochleistungsmaschinen auf den Fachmessen der Schuhindustrie in
Pirmasens 1953 und 1955 das Ihre bei. Die DVSG bewies bei diesen
Gelegenheiten der ganzen Fachwelt, daß sie nach wie vor einen
führenden Rang auf dem Sektor der Entwicklung neuartiger Spezialmaschinen
beanspruchen kann und dementsprechend auch unablässig an der
Verbesserung ihrer Produktion arbeitet.
Die schweren Einbußen, die die Wirtschaftspolitik
der Gewaltherrschaft und dann die gewaltsame Isolierung im Kriege
dem einst bedeutenden Export des Unternehmens eingebracht haben,
konnten nur schrittweise wieder aufgeholt werden. Der ausländische
Kundenkreis war zunächst fast völlig verloren. Die Qualität
der DVSG-Maschinen überzeugte jedoch nach Wiederherstellung
ihrer alten Kapazität das Ausland, und so bahnten sich im Laufe
der Jahre erneut viele, erfolgreiche Geschäftsverbindungen
an. Heute wird bereits wieder etwa ein Achtel der Jahresproduktion
exportiert. In zielbewußter Arbeit strebt das Unternehmen
nach einer, weiteren Ausdehnung dieses Absatzes.
Betriebsleitung und Mitarbeiter der DVSG haben
in engster Gemeinschaft ihr Werk wiederaufgebaut. So versteht es
sich von selbst, daß sie ihrerseits ihren Arbeitern und Angestellten
jede mögliche Unterstützung angedeihen läßt.
In Fabrik und Büro gibt es ein verbilligtes Mittagessen, bei
Urlaubsreisen werden Beihilfen gewährt, die Arbeitsjubiläen
bringen dem bewährten Stammpersonal namhafte Anerkennungsprämien
ein. Vor allem aber gewährt die DVSG ihren Arbeitern und Angestellten
aus eigenen Mitteln Pensionen, die ihnen zusammen mit den Sozialrenten
einen gesicherten Lebensabend verbürgen. Dieses Programm der
freiwilligen sozialen Leistungen ist ganz bewußt auf Dauerwirkung
eingestellt und sucht sie durch eine Konzentration der Mittel zu
erreichen.
Als das Unternehmen im Oktober 1950 auf sein fünfzigjähriges
Bestehen zurückblicken konnte, zwangen es die schweren Kriegszerstörungen,
von einer besonderen Jubiläumsfeier Abstand zu nehmen. Es überreichte
seinen Geschäftsfreunden aus diesem Anlaß nur eine einfache
Gedenkschrift, in der es jedoch mit berechtigtem Stolz seine vielen
markanten Leistungen in den vergangenen Jahrzehnten mit einigen
Beispielen belegen durfte, um dann fortzufahren: "Die gründlichen
und vielseitigen Versuchsarbeiten, mit denen sich unsere Organisation
ununterbrochen beschäftigt, lassen auch in Zukunft wichtige
Beiträge für den Fortschritt in der Schuhherstellung erwarten."
Die DVSG hat dieses Versprechen eingelöst und arbeitet im gleichen
Sinne weiter.
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