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j.s. fries sohn.  
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Den Typus eines fest in der Tradition verwurzelten Familien-Unternehmens verkörpert J. S. FRIES SOHN. 1948 begann es das dritte Jahrhundert voller Mut und Zuversicht. Und das mit gutem Grund, denn in den vorangegangenen Jahren hatte es wie kaum ein anderes die enge Verbundenheit mit den Geschicken der Vaterstadt durch die Tat bewiesen. Als einer der ersten Betriebe Frankfurts erhielt J.S.Fries Sohn von der amerikanischen Militärregierung die Lizenz für die Wiederaufnahme seiner Arbeiten und konnte schon im Frühsommer 1945 im Stadtgebiet mit mehreren hundert Arbeitern die dringendsten Aufgaben in Angriff nehmen. Die Zahl der Beschäftigten wuchs ständig, da sich jeder aus der Kriegsgefangenschaft entlassene oder aus der Evakuierung zurückkehrende frühere Mitarbeiter sofort beim Werk meldete und wieder eingestellt wurde; denn erfahrene Fachleute wurden dringend benötigt.

Werbung, 1963

Natürlich hatten auch die eigenen Werksanlagen erhebliche Kriegsschäden erlitten, doch bewußt stellte man deren Beseitigung zunächst zurück. Betriebsleitung und Betriebsrat waren sich darin einig, daß die Hilfe für die Allgemeinheit vorangehen mußte. Darum beschränkte man sich auf die notwendigsten Aufräumungsarbeiten und auf einen den jeweiligen Bedürfnissen angepaßten Ausbau der Werke. Ihr eigentlicher Wiederaufbau wurde für spätere Jahre zurückgestellt. Dafür half man mit allen Kräften bei der Instandsetzung der städtischen Versorgungseinrichtungen. Im Kraft- und Gaswerk, in den Häfen und bei der Straßenbahn galt es die schlimmsten Kriegsschäden so schnell wie möglich zu beseitigen. Vieles mußte improvisiert und behelfsmäßig gelöst werden. Aber wichtig war vor allem, daß die städtischen Betriebe wieder ihre Aufgaben zum Besten des allgemeinen Wohls erfüllen konnten. Ein Stahlbau-Unternehmen, das bei der Erstellung vieler dieser Anlagen im Laufe des letzten Jahrhunderts mitgewirkt hatte, war dazu besonders berufen. Seine Männer haben diese Arbeiten, die mit unsäglichen Mühen und heute kaum mehr vorstellbaren technischen Schwierigkeiten verbunden waren, als eine Art Verpflichtung gern auf sich genommen. Besonders glücklich waren sie, daß sie in vielen Fällen dringender Not helfen konnten. Vor allem galten ihre Anstrengungen den Krankenhäusern, insbesondere dem Bürgerhospital.

Dazu kam der Wiederaufbau der Frankfurter Brücken. Den "Eisernen Steg" hatte J.S.Fries Sohn 1867 erbaut. Er war wie alle anderen Brücken der Stadt gesprengt worden und in mehrere Teile zerrissen. Die Aufgabe der Wiederinstandsetzung dieser Fußgängerbrücke erwies sich als außerordentlich schwierig und erforderte eine Ingenieurleistung großen Stils. Bei Kälte und Hochwasser mußten diese Arbeiten in den Wintermonaten 1945/46 bewältigt werden. Die geborstenen Brückenteile galt es mit besonders erdachten Vorrichtungen zu heben, zu verschieben, und wieder einzufügen. Endlich war die zentrale Verbindung beider Mainufer wieder hergestellt. Sofort gingen die Fries-Männer an die Reparatur der Alten Brücke , um auch dem Fahrverkehr einen Weg zur Innenstadt zu schaffen. Sie konnte nur behelfsmäßig wieder instand gesetzt werden, allerdings so gediegen, daß diese Notlösung nach über einem Jahrzehnt noch ihren Zweck erfüllt, weil der Stadtverwaltung die Mittel für die Wiederherstellung des an historischer Stelle errichteten Brückenbauwerkes immer noch fehlen. Auch am Neubau der Friedensbrücke war J.S.Fries Sohn beteiligt. Viele weitere Brücken haben seine Mitarbeiter in den Jahren seit Kriegsende im Zuge der Autobahnen und der Eisenbahnen wieder aufgebaut. Die Montagekolonnen waren ständig unterwegs und hatten nicht Hände noch Maschinen genug, um allen Ansprüchen genügen zu können. Dafür war das Ausmaß der Sprengungen und Zerstörungen viel zu groß.

Selbstverständlich half J.S.Fries Sohn bei dem Wiederaufbau der schwer beschädigten Siedlungen aus der Vorkriegszeit. In den Trümmerfeldern der Altstadt erhielt die Leonhardskirche als erste einen neuen Dachstuhl und konnte so vor weiteren Schäden bewahrt werden. Am Kaiserdom waren die Arbeiten viel schwieriger und zogen sich lange hin. Die Nikolaikirche am Römerberg und der Kaisersaal konnten ebenfalls wieder mit schützenden Dächern versehen werden. Für die wiedererstehende Paulskirche baute J.S.Fries Sohn ein aus Röhren geschweißtes Kuppeldach und setzte seinen Stolz darin, allen Schwierigkeiten zum Trotz diese Arbeit zum vereinbarten Termin zu vollenden. Beim Wiederaufbau des Goethehauses und des Naturmuseums Senckenberg wirkten die Mitarbeiter von Fries mit. Andere zogen in vielen Fabrik- und Geschäftshäusern stählerne Stützen und Träger ein, brachten die beschädigten Zentralheizungen und Aufzüge wieder in Ordnung, stellten Krane und Transportanlagen wieder her. Bald beschränkten sich alle diese Arbeiten nicht mehr auf den Frankfurter Raum, sondern griffen auch auf die benachbarten Städte über.

Im Friesschen Werk Hafen mußte eine schwere Richtmaschine ununterbrochen die im Bombenhagel und beim Einsturz der Gebäude völlig verbogenen Träger und Stützen wieder gerade richten. Sie wurden mühsam wieder aufgearbeitet, denn Material war unvorstellbar knapp. Niemand konnte darauf warten; so mußte man sich mit vieler Kleinarbeit behelfen und nach Möglichkeit den Kunden aus Industrie und Handwerk gerecht werden. Daß sich J.S.Fries Sohn nicht im Laufe seiner langen Entwicklung spezialisiert, sondern im Gegenteil immer neuen differenzierten Aufgaben angepaßt hatte und damit ein höchst komplexes Unternehmen aufbaute, erwies sich nun in den Jahren der allgemeinen Not als seine besondere Stärke. Selbstverständlich übernahm seine Maschinenbau-Abteilung die Instandsetzung und Überholung der im Bombenkrieg beschädigten Maschinen der Kundschaft. Auch bei diesen Aufgaben mußten Meisterleistungen der Improvisation vollbracht werden. Vielfach gelangen, aber auch entscheidende Vereinfachungen und Verbesserungen der alten Konstruktionen. Natürlich ruhte auch die eigene Konstruktionsarbeit nicht. Ein schon kurz vor Ausbruch des Krieges entwickelter Spezialkran zum Heben schwerer Stückgüter an beliebigen Stellen, der sich ohne fremde Hilfe zu einem Straßenfahrzeug zusammenlegen und wieder aufrichten ließ, wurde nun nach Kriegsende sofort serienmäßig gebaut. Der vielseitig verwendbare Straßen-Bockkran bewährte sich bei der Trümmerräumung hervorragend. Aus der Abwandlung seiner Konstruktion entstand eine kleinere und preiswertere Ausführung, der "Piccolo-Kran". Er leistete bei der Instandsetzung von Maschinen und Apparaten aller Art gute Dienste und war darum bald ein sehr begehrtes Gerät. In den drei großen Hallen des Werkes Ost wurden über zweihundert Werkzeugmaschinen und sechsundzwanzig elektrische Krananlagen wieder in Betrieb gesetzt.


Foto:Boese

Neue elektrische Wippkrane von J.S. Fries im Frankfurter Westhafen, 1950

 

Unterdessen waren die Friesschen Montagekolonnen ständig unterwegs und halfen der Kundschaft in Stadt und Land nach Kräften. Eine ihrer sichtbarsten Leistungen war der Bau eines neuen Funkmastes für den Frankfurter Sender. Die Montage des 123 Meter hohen Gittermastes auf dem Heiligenstock schuf die Voraussetzung für die Ausstrahlung des Rundfunkprogramms, technisch bedeutete sie in jenen Tagen eine recht schwierige Aufgabe. Sie wurde ebenso bewältigt wie der Transport und das Wiederhochziehen der größten Glocke des Frankfurter Kaiserdomes, der mächtigen Gloriosa, die aus dem Hamburger Glockenlager glücklich unversehrt zum Pfarrtum heimkehrte. So hat sich J.S.Fries Sohn in den ersten Nachkriegsjahren mannigfache Verdienste um den Wiederaufbau der schwer heimgesuchten Vaterstadt erworben und darf darauf stolz sein.

Als dann seit 1948 die Rohmateralien wieder angeliefert wurden, konnte das Unternehmen sehr rasch das Gewicht seiner Tätigkeit von der Reparatur auf die Neuproduktion verlagern. Im Stahlbau übernahm es 1950 eine der größten Aufgaben der Nachkriegszeit mit der Konstruktion, Fertigung und Montage eines Vorschaltwerkes für das Großkraftwerk Borken bei Kassel. Dabei mußten Stützen von 40 Meter Höhe und einem Stückgewicht von rund 90 Tonnen aufgestellt werden. Mit Hilfe eines selbst entwickelten Spezial-Montagegerätes konnten die über 2ooo Tonnen schnell bewegt und montiert werden. 1952 und 1953 baute J.S.Fries Sohn für die ägyptische Regierung in Zusammenarbeit mit einem dort ansässigen Bauunternehmen zwei Drehbrücken und lieferte sie pünktlich ab, obwohl die Beschaffung der vorgeschriebenen Spezialstähle mitten in der Koreakrise auf die größten Schwierigkeiten stieß. In diesen Jahren wuchs natürlich auch das Inlandsgeschäft beträchtlich. Allein im Ruhrrevier wurden weit über 200 Verlade- und Krananlagen erstellt. Die großen Hüttenwerke, Handelsgesellschaften und Verladefirmen Nordrhein-Westfalens erteilten J.S.Fries Sohn immer neue Aufträge. Um ihnen gerecht werden zu können, mußte im Duisburger Raum ein Zweigbetrieb errichtet werden. Mit seiner Hilfe konnten in den letzten Jahren große Spezial-Hüttenwerkskrane und Verladebrücken gebaut werden, die die Leistungsfähigkeit der Friesschen Konstruktionen auf diesem Gebiet veranschaulichen.

Im allgemeinen Maschinenbau galt die Aufmerksamkeit besonders der Weiterentwicklung von Maschinen für die Herstellung von Kunstfasern. Die neu herausgebrachten Modelle fanden im In- und Ausland, selbst auf dem amerikanischen Markt guten Absatz. Daneben konstruierte J.S.Fries Sohn ausgesprochen robuste und sehr leistungsfähige Druckguß-Maschinen. Sie wurden bei der Tochtergesellschaft in Gießen, der Wilhelm Zimmer GmbH, eingehenden Prüfungen unterzogen und dann in die Serienfertigung übernommen. In kurzer Zeit erreichten diese erprobten Maschinen auf den internationalen Märkten große Beachtung und fanden bei Betrieben verschiedenster Branchen des In- und Auslandes Eingang.

In engster Zusammenarbeit der Fries-Ingenieure mit Hochschul-Professoren wurden im In- und Ausland elektrogeschweißte Stahl-Fundamente für Hochleistungsturbinen gebaut. Die Verbindung mit der Elektrizitäts-Wirtschaft brachte auch anderen Abteilungen des Unternehmens interessante Aufträge. Für das Tauernkraftwerk in Kaprun wurden beispielsweise drei Kabelkrane mit je 680 Meter Spannweite und 8 Tonnen Tragkraft geliefert. In Griechenland baute J.S.Fries Sohn ebenfalls große Eisenkonstruktionen und Verlade-Anlagen.

In Konkurrenz mit den führenden Großfirmen entwickelte Fries in den letzten Jahren neuartige Verladeanlagen für Schwerst-Transporte und Hüttenwerks-Spezialkrane. Allein für die Werke eines Hüttenwerkskonzerns wurden seit dem Kriege über 100 derartiger Einzelfertigungsanlagen konstruiert, gefertigt und montiert, darunter auch eine in der Fachpresse besprochene Greiferverladeanlage, die als eine der größten in der Bundesrepublik gilt. Nach Erprobung und Bewährung dieses Millionen-Objektes in rauhem Mehrschichtbetrieb wurde der Firma Fries dieselbe Anlage Ende 1957 von derselben Firma nochmals in Auftrag gegeben. In verstärktem Maße konnten in den letzten Jahren auch die Lieferungen großer Tankanlagen wieder aufgenommen werden; diese wurden erweitert durch Zulieferungen großer Spezialapparate für in- und ausländische Firmen auf dem Gebiet der ÖI-Raffinerie.

Als Unterlieferant eines amerikanischen Generalunternehmers übernahm das Frankfurter Werk den Bau von Walzwerkshallen in Indien. Lizenz-Verträge mit großen bekannten Spezialfirmen der USA führten zu einem weiteren Ausbau der Maschinenbau-Abteilung. Diese Ausdehnung des Produktionsprogramms hatte auch eine Vergrößerung des Werkes Ost durch den Erwerb anstoßender Gelände und schließlich eines angrenzenden Werkes zur Folge.

Vielseitigkeit eines Unternehmens, wie sie sich bei J.S.Fries Sohn entwickelt und bewährt hat, setzt einen entsprechenden Mitarbeiterstamm voraus. Jeder Auftrag erfordert gewissermaßen Maßarbeit und verlangt daher Anpassungs- und Wandlungsfähigkeit. So hat sich eine Art "Fries-Familie" herausgebildet. Unter den Mitarbeitern gibt es viele verwandtschaftliche Beziehungen. Fast könnte man von einer Auslese besonders befähigter Menschen sprechen. Daß ein herzliches, auf persönlicher Achtung aufgebautes Einvernehmen zwischen Betriebsinhabern und Belegschaft besteht, ist bei einem so alten Familien-Unternehmen fast traditionell bedingt. Gerade darum aber legt man dort auch großes Gewicht auf eine gründliche und sorgfältige Heranbildung des Nachwuchses. In einer eigenen Lehrwerkstatt mit modernsten Einrichtungen erhalten über 100 Lehrlinge von ausgesuchten Meistern eine individuelle Berufsausbildung. Ziel ist der bewährte Friessche Typ des vielseitigen Facharbeiters, der zu besonderen Leistungen befähigt ist und damit die Zukunft des Unternehmens verbürgt.

J.S.Fries Sohn darf sich rühmen, eine der ältesten Betriebskrankenkassen Deutschlands zu besitzen. Ihre Leistungen wurden gegenüber der Vorkriegszeit bedeutend erhöht. Der ebenfalls über 100 Jahre alte Unterstützungsverein des Unternehmens hat die Altersversicherung nicht minder großzügig ausgebaut. Ein eigenes Wohnheim für die außerhalb Frankfurts beheimateten Mitarbeiter rundet das Bild dieser traditionellen Fürsorge für alle Glieder der Fries-Familie ab. Ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl ist daraus und aus dem Stolz auf die Leistungen im In- und Ausland erwachsen.

 
Quelle: F.Lerner: " Frankfurt am Main und seine Wirtschaft", Ammelburg-Verlag 1958
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