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Von den beiden Frankfurter Großbrauereien
ist die HENNINGER-BRÄU KG. ihrer
historischen Tradition nach die ältere; den Aufstieg zum modernen
Großunternehmen haben beide fast gleichzeitig erreicht. Schon
im Oktober 1943 zerstörte ein Luftangriff die Mälzerei
der Henninger-Bräu KG. Im März 1944 gab es noch empfindlichere
Schäden, zumal da eine Anzahl eigener Gaststätten im Stadtgebiet
mehr oder minder stark angeschlagen, einige sogar total vernichtet
wurden. Bereits 1945 konnte mit der Instandsetzung der beschädigten
Betriebsgebäude begonnen werden, dagegen konnte die Flaschenbierabfüllung
nicht im wünschenswerten Umfang in Gang gebracht werden. Der
heiße Sommer 1946 brachte einen erhöhten Ausstoß.
Nun gab es Neuanschaffungen von Maschinen und Brauereieinrichtungen,
neue Fässer rollten an und der Fuhrpark wurde vergrößert.
1947/48 schritt der Wiederaufbau so gut voran, daß die Brauerei
ihre alte Leistungsfähigkeit wiedererlangte und darüber
hinaus durch Neuanlagen und Verbesserungen für kommende Aufgaben
gerüstet war. Trotz schwieriger Materialbeschaffung und eines
verringerten Ausstoßes -auch die Nachfrage nach dem Bierersatzgetränk
hatte nachgelassen- wurde dieser schöne Erfolg erreicht.
Werbung, 1960
Nach der Währungsreform
wurde das Grundkapital 1:1 auf 4,8 Millionen DM umgestellt. Das
erste Jahr nach diesem entscheidenden Termin verlief im übrigen
enttäuschend; der erhoffte Absatz blieb aus, weil die Konsumenten
auf Qualitätsverbesserungen und Steuersenkungen warteten. Dennoch
wurde der Betrieb planmäßig weiter aufgebaut. 1949/50
konnte sich das Unternehmen endlich wieder freier entwickeln, der
Ausstoß nahm zu und der große Nachholbedarf an Fässern
und Flaschen konnte wenigstens teilweise gedeckt werden. Im Geschäftsjahr
195o/51 ging es weiter aufwärts. Der erhöhte Ausstoß
machte bereits Betriebserweiterungen erforderlich. Zugleich gründete
die Henninger-Bräu KG eine Tochtergesellschaft, die Hessische
Getränke-Industrie GmbH, die das alleinige Herstellungs-
und Vertriebsrecht der Pepsi-Cola-Erzeugnisse im hessischen Raum
erwarb und bereits im August 1951 in dafür hergerichteten Räumen
der Brauerei ihren Betrieb aufnehmen konnte. Das neue Getränk
fand schnell einen großen Abnehmerkreis, obwohl die amerikanische
Konkurrenz in Frankfurt einen eigenen, hochmodernen Herstellungsbetrieb
einrichtete und eine großzügige Werbung entfaltete, die
entsprechende Erfolge zeitigte.
Bei der Henninger-Bräu KG selbst erforderte
das ständig zunehmende Flaschenbiergeschäft
große Investitionen. Bereits 1951/52 überholte der Anteil
des Flaschenbiers am Umsatz mit 53% das Faßbiergeschäft.
Inzwischen machte auch der Absatz des schon früher eingeführten
Dosenbieres erfreuliche Fortschritte. Es war für den Export
bestimmt, und die daran geknüpften Erwartungen erfüllten
sich; die früher in Frankfurt stationierten Amerikaner lösten
eine lebhafte Nachfrage aus. Aber auch im Inlandsgeschäft fanden
die Henninger-Dosen guten Eingang; Jäger und andere Konsumenten
begrüßten diese neue Form der Abfüllung. Im Geschäftsjahr
1952/53 lag die Zunahme des Ausstoßes beträchtlich über
dem Bundesdurchschnitt. Lagerhaltung und Abfülleinrichtungen
mußten mit entsprechendem Aufwand diesem Wachstum angepaßt
werden.

Henninger Brauereilager um 1966
Pepsi-Cola war
ein eindeutiger Erfolg. Die Fabrik hatte inzwischen Niederlagen
in Wiesbaden, Darmstadt, Wetzlar und Gießen sowie an weiteren
Orten eingerichtet. Alle Anzeichen sprachen dafür, daß
der Absatz weiter ansteigen werde. Und sie haben nicht getrogen,
wie die Ergebnisse der folgenden Jahre zeigten. Darum beteiligte
sich die Henninger-Bräu KG maßgeblich an der Errichtung
eines Schwesterunternehmens in Essen, der Rheinisch-Westfälischen
Getränke-Industrie GmbH. Der Sommer 1954 war jedoch nicht dazu
angetan, Pepsi-Cola im Ruhrrevier einen guten Start zu verschaffen.
Es gab auch Konkurrenz genug, so daß diese zweite Tochter
eine längere Anlaufzeit brauchte. 1955/56 hat sie dann die
in sie gesetzten Hoffnungen nicht mehr enttäuscht.
Noch schwieriger waren die Voraussetzungen, unter
denen eine dritte Henninger-Tochter, die ebenfalls 1953 ins Leben
trat, ihre Arbeit aufnehmen mußte. Die Henninger-Immobilien
und -Verwaltungs GmbH sollte den Wiederaufbau der eigenen
Gaststätten in Frankfurt und Umgebung vorantreiben. Besonders
in der Innenstadt brachte die noch nicht abgeschlossene Neufestlegung
der Fluchtlinien manche unliebsame Verzögerung. Immerhin war
bereits 1952 die Henninger-Passage zwischen Kaiser- und Taunusstraße
erbaut worden. Am Hauptbahnhof und an anderen markanten Plätzen
der Stadt folgten in den nächsten Jahren weitere Neubauten.
Nach und nach konnte auch den mit der Brauerei verbundenen Gastwirten
beim Wiederaufbau und der Erneuerung ihrer Lokale die erhoffte Unterstützung
geleistet werden. Selbstverständlich banden diese Investitionen
beträchtliche Mittel und brachten viel Verwaltungsarbeit, die
die neue Tochtergesellschaft übernahm.
Der Geschäftsbericht für 1953/54 konnte
bereits feststellen, daß sich der Ausstoß des Unternehmens
seit dem Wirtschaftsjahr 1949/50 um rund 170% erhöht hatte,
damit über dem des besten Vorkriegsjahres lag, und die jährliche
Zunahme weiterhin den Bundesdurchschnitt erheblich überschritt.
Das hat sich auch in den folgenden Jahren nicht geändert. Henninger
konnte seinen Absatz stetig ausdehnen. Durch eine frühzeitige
und großzügige Modernisierung ihrer Flaschenabfüllerei,
durch eine weitere Vervollkommnung der Mälzerei und andere
Maßnahmen wurde die Brauerei dem Geschmackswandel der Konsumenten
angepaßt. Sie pflegte bewußt den Flaschenbierabsatz,
dessen Anteil am Umsatz 1953/54 schon auf 59% erhöht worden
war und inzwischen weiter zugenommen hat.
Die Gesellschaft konnte seit der Währungsreform
in ihren Jahresabschlüssen große Aufwendungen für
freiwillige soziale Leistungen ausweisen, die fast immer über
den gesetzlichen Sozialabgaben lagen, 1953/54 jedoch so hoch waren,
daß sie etwa 25% der Jahressumme für Löhne und Gehälter
ausmachten. Damals gab die Henninger-Bräu KG ihren Mitarbeitern
neue Zusagen für Renten und Pensionen und machte dafür
die erforderlichen Rückstellungen. Bereits in der DM-Eröffnungsbilanz
war eine angemessene Pensions-Rücklage eingesetzt, die die
ungekürzte Weiterzahlung der laufenden Pensionen erlaubte.
Auch die Unterstützungskasse der Henninger-Bräu KG GmbH,
wurde bei dieser Gelegenheit durch eine angemessene Aufwertung funktionsfähig
erhalten und seitdem beträchtlich ausgebaut. Die Wohnraumbeschaffung
für die Mitarbeiter konnte beim Wiederaufbau eigener Gebäude
und durch die Hingabe von Darlehen tatkräftig gefördert
werden. So hat sich die Brauerei in traditioneller Verbundenheit
mit ihrem Personal, dessen Anhänglichkeit die stattliche Schar
der Jubilare beweist, in wenigen Jahren so gut erholt, daß
die schweren Wunden, die ihr der Krieg schlug, längst vernarbt
sind und das Unternehmen inzwischen unter der tatkräftigen
Leitung ihres Geschäftsinhabers, Generalkonsul Bruno H.Schubert,
gegenüber der Vorkriegszeit seinen Geschäftsumfang beträchtlich
ausdehnen konnte.
Über den Bau des
Henninger Turms 1961: 
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