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phillipp holzmann ag.  
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In einer ganzen Reihe deutscher Städte hat die PHILIPP HOLZMANN AG in den ersten Jahren nach dem Kriege bei der Trümmerräumung mitgewirkt. Der zweite Weltkrieg und seine Folgen hatte das Unternehmen selbst sehr schwer betroffen. Es verlor seine Niederlassungen in Königsberg, Stettin, Breslau, Danzig, Posen und Wien mit allen ihren Vermögenswerten sofort, ebenso die Fabrikanlagen seiner Tochtergesellschaft Sommerfelder Klinker- und Plattenwerk GmbH in Oberklinge. In Halle, Magdeburg, Leipzig und Dresden wurden die Betriebsstätten der dortigen Niederlassungen enteignet. Das gleiche Schicksal traf den Reparaturwerkplatz Frohburg in Sachsen. Die im Ausland arbeitenden Tochterunternehmen und deren Baustellen verfielen der Auflösung oder Beschlagnahme. Natürlich waren auch die in Westdeutschland gelegenen Vermögensobjekte im Bombenkrieg mehr oder minder stark beschädigt worden, das Gebäude der Hauptverwaltung in der Taunusanlage in Frankfurt war sogar recht schwer mitgenommen. In den letzten Kriegswochen hatten sich die Baustellen aufgelöst, die Arbeiter waren auseinandergelaufen, Material und Baugeräte zerstört oder entwendet worden. Der Vorstand konnte erst nach der Wiederaufnahme des Verkehrs die zerrissenen Fäden neu knüpfen. In der ersten Zeit der Zonentrennung hatte sich jedoch die dezentralisierte Organisation des Unternehmens gut bewährt. Überall begann man von sich aus, den Mitarbeiterstamm zu sammeln und die nächstliegenden Aufgaben -Mithilfe beim Räumen der Trümmer und Instandsetzung der eigenen Geschäftshäuser und Lagerplätze- in Angriff zu nehmen.

Holzmann-Hauptverwaltungsgebäude in der Taunusanlage von 1915

 

Bald kam eine behelfsmäßige Bautätigkeit wieder in Gang. Vor allem bei der Ausbesserung der Verkehrswege konnten die Holzmann-Kolonnen an vielen Stellen mitwirken. Ende 1945 waren bereits wieder 750 Angestellte und 6350 Arbeiter für das Unternehmen tätig. Schon im Herbst dieses Jahres war die ganze Verantwortung für den Fortbestand der alten Weltfirma auf Dr.Ing.Martin Arndt allein übergegangen, weil alle anderen Vorstandsmitglieder in der Ausübung ihrer Funktionen behindert waren. Der arbeitsfreudige Mann hat diese Last und zahlreiche Ehrenämter in wirtschaftlichen und kulturellen Gremien gern auf sich genommen, doch seine damals bereits angegriffene Gesundheit war solcher Überbeanspruchung auf die Dauer nicht gewachsen. Am 11. Februar 1948 hat ein frühzeitiger Tod den verdienten Helfer in der Not hinweggerafft. Bis zur Währungsreform waren alle verfügbaren Kräfte der Gesellschaft überwiegend mit Instandsetzungsarbeiten an öffentlichen Verkehrsanlagen, Fabrik- und Wohngebäuden ständig voll beschäftigt. In nicht unbeträchtlichern Umfang mußten auch Bauarbeiten für die Besatzungsmächte ausgeführt werden. Angesichts der unzureichenden Ernährung und Bekleidung, der nicht minderunzulänglichen Versorgung mit Baustoffen und Geräten und bei der über allen Arbeiten lastenden Ungewißheit der Zukunft sank die Leistungskraft ständig und es bedurfte vieler Mühen und Anstrengungen, um die übernommenen Aufträge zu bewältigen. Wenn doch Brücken und Hafeneinrichtungen wieder benutzbar gemacht, Elektrizitätswerke, Deichbauten und Flußregulierungen in Ordnung gebracht und weitergebaut werden konnten, wenn überall an der Instandsetzung von Gebäuden gearbeitet wurde und so die Beseitigung der schwersten Kriegsschäden allmählich voranging, so waren das Leistungen, die den Bauleitern wie allen treuen Mitarbeitern zur Ehre angerechnet werden müssen. Insgesamt gesehen trat dabei der Hochbau immer mehr in den Vordergrund. Allerdings konnten eigentliche Neubauten nur in beschränktem Umfang ausgeführt werden. Als die Währungsreform schon vor der Türe stand, regnete es förmlich Bauaufträge, weil jedermann seine Geldbestände noch in Sachwerte verwandeln wollte. Nur ein Teil dieser Bauwünsche konnte mit den verfügbaren Arbeitskräften und Geräten erfüllt werden. Dabei war Holzmann noch insofern im Vorteil, als man mit besonderem Nachdruck an der Überholung und Ergänzung des Geräteparks gearbeitet und allen Schwierigkeiten zum Trotz auch die Ausrüstung erheblich verbessert hatte.

Die noch nicht fertiggestellten Bauten gerieten mit der Währungsreform zunächst ins Stocken, konnten dann jedoch fast alle zu Ende geführt werden. Die unzureichende Kapitalversorgung der deutschen Wirtschaft ließ die Aufträge zurückgehen, insbesondere der Wohnungsbau, ja sogar die Enttrümmerung der Städte mußten zurückstehen. Im Jahre 1949 verschob sich dann das Schwergewicht zugunsten der Hochbauten. Jetzt erhielt die Holzmann AG auch größere Aufträge im sozialen Wohnungsbau. Ebenso übernahm sie den Neubau einiger Brücken. Der Gerätepark konnte nun nach Wegfall der bisherigen Beschaffungsschwierigkeiten den Anforderungen entsprechend ausgebaut werden. Auch der Wiederaufbau des Frankfurter Verwaltungsgebäudes wurde in diesem Jahr vollendet. Das volle Ausmaß der Kriegsverluste offenbarte jedoch erst die DM-Eröffnungs-Bilanz. Das Grundkapital der Gesellschaft mußte von bisher 25,8 Millionen RM im Verhältnis 10: 3 auf 7,74 Millionen DM umgestellt werden.

Im Jahre 195o ging es wieder aufwärts. Allerdings wurde die Belegschaft nicht verstärkt. Der Hochbau machte nun mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes aus, wobei der Bau von neuen Wohnungen fast verdoppelt wurde. Dagegen wurde die Kapazität im Ingenieur- und Tiefbau nur sehr beschränkt beansprucht, weil der öffentlichen Hand nur unzureichende Mittel zur Verfügung standen. Die Bauarbeiten für die Besatzungsmächte bildeten einen erheblichen Teil der Aufträge. Nun konnten die Auslandsbeziehungen wieder angeknüpft werden und brachten 1951 den ersten großen Auftrag ein. In Griechenland wurde schon im gleichen Jahr mit der Arbeit begonnen. In Deutschland wurden 1951 weiterhin Besatzungsbauten errichtet und umfangreiche Aufträge im Hochbau, der jetzt schon 58% des Gesamtumsatzes ausmachte, mit dem Ergebnis übernommen, daß das Unternehmen das ganze Jahr hindurch sehr gut beschäftigt war und seinen Umsatz um etwa 15% gegenüber dem Vorjahr erhöhen konnte.

Erst 1952 gab es auch für den Tiefbau ausreichende Beschäftigung. Als führendes Unternehmen einer Arbeitsgemeinschaft nahm Holzmann die Arbeiten am Flußkraftwerk Jochenstein bei Passau, dem größten seiner Art in Deutschland, in Angriff. Flugplätze und Brücken wurden gebaut, Arbeiten im Straßenbau, Aufträge für Kanalisationen und Ausbaggerungen übernommen. Im Hochbau gesellten sich zu den Neubauten für Wohnungen und industrielle Werksanlagen in steigendem Maße Ausführungen in konstruktivem Stahlbetonbau, der bei repräsentativen Geschäfts- und Verwaltungsgebäuden sowie für kulturelle Bauten zur Anwendung kam. Der Umsatz hielt sich auf der Höhe des Jahres 1951. In Arbeitsgemeinschaft mit deutschen und ausländischen Firmen übernahm Holzmann den Bau der Sariyar-Talsperre in der Türkei, ferner einer Brücke über den Euphrat im Irak und die Unterführung eines großen Bewässerungskanals unter dem Baran-Nai-Fluß in Pakistan.

Mit einem erheblichen Auftragsüberhang ging Holzmann in das Jahr 1953, das eine Steigerung seiner Bauleistung um etwa 30% verlangte. Auf den Tiefbau entfiel wieder wie schon 1952 etwa die Hälfte des Umsatzes. Holzmann stellte einige Brücken nach dem von ihm entwickelten Spannbeton-Verfahren her, führte technisch schwierige Wasserbauten wie Schleusen, Kaimauern und Kanalbauten aus. Im Hochbau wurden vor allem im rheinisch-westfälischen Industriegebiet umfangreiche industrielle Werksanlagen errichtet. Aber auch auf allen anderen Sektoren, insbesondere im Wohnungsbau sowie bei Bauleistungen für die Besatzungsmächte, war das Unternehmen nach wie vor stark beschäftigt. Der Bau der Schächte und Stollen der Lignitbergwerke auf der Insel Euböa, die unter schwierigsten Verhältnissen in Meeresnähe ausgeführt werden mußten, konnte erfolgreich fertiggestellt werden. In der Türkei erhielt Holzmann nun auch den Auftrag für das Großkraftwerk der Sariyar-Talsperre und wurde maßgeblich am Bau des Hafen Samsun am Schwarzen Meer beteiligt.

Das Spannbeton-Verfahren brachte 1954 neue Erfolge. In verstärktem Umfang wurde es nun nicht nur bei Brücken, sondern auch für Industriebauten angewandt. Im übrigen setzte sich die Vollbeschäftigung auf allen Sektoren weiter fort und zwang zu einer durchgreifenden Modernisierung der gesamten Ausrüstung. Besondere Aufmerksamkeit wandte Holzmann der Erprobung neuer und der Verbesserung bewährter Bauweisen zu. Wieder konnte ein neuer Auslandsauftrag hereingenommen werden, diesmal für eine Brücke über den Tigris bei Amara im Irak. Natürlich war das Unternehmen auch 1955 an der weiteren Ausdehnung der inländischen Baukonjunktur beteiligt. Die Besatzungsbauten traten jedoch nun zurück. Dafür gab es jedoch eine erhebliche Zunahme auf dem Sektor der Gewerbe- und Industriebauten. Fast im gleichen Maße mehrten sich die Aufträge für den seit Jahren zurückgebliebenen öffentlichen Tiefbau. Immer mehr setzte sich im Baugewerbe die Arbeitsgemeinschaft durch. Holzmann erzielte 1955 rund 45% ihres Umsatzes aus Aufträgen, die sie gemeinsam mit anderen Baufirmen ausführte. Wieder war das Unternehmen in allen Teilen des Bundesgebietes und in West-Berlin auf zahlreichen Baustellen beschäftigt. An vier Staustufen und ebensoviel Talsperren wurde gearbeitet. Für das RWE und für die Chemischen Werke Hüls AG entstanden Kraftwerke. An der U-Bahn in Hamburg, im Volkswagenwerk Wolfsburg, beim Warmwalzwerk Klöckner-Hütte Bremen AG, an der Westmole in Helgoland, beim Aufschlitzen des Horremer Tunnels und an zahlreichen anderen Stellen arbeiteten die Männer von Holzmann. Die Gesellschaft übernahm Erd- und Betonlose der Autobahn, arbeitete an den Kaimauern in Hamburg und Cuxhaven, baggerte in der Elbemündung und im Main, baute Flugplätze und Spannbetonbrücken, errichtete Wohnblöcke, Verwaltungsgebäude, Fabriken, Kirchen, Krankenhäuser und Schulen. Ferner wurde ihr die schlüsselfertige Errichtung des Bankgebäudes der irakischen Zentralbank in Bagdad übertragen. Für das Stahlwerk Rourkela in Indien wurden in Gemeinschaftsarbeit mit anderen Firmen Planbearbeitung und Bauüberwachung übernommen.

Bauleistung und Umsatz des Unternehmens hielten sich im Jahre 1956 auf der Höhe des Vorjahres. Erstmals überstieg der Anteil des Tiefbaues mit 52,5% den des Hochbaues. Im Hinblick auf die inländischen Maßnahmen zur Drosselung der Baukonjunktur wandte Holzmann in verstärktem Maße sein Interesse Auslandsaufträgen zu. Die Arbeiten an der Sariyar-Talsperre und ebenso im Irak und Pakistan kamen zum Abschluß. Dafür konnte nun ein wesentlich höherer Auftragsbestand als 1955 hereingenommen werden. Erstmals seit Kriegsende erhielt Holzmann auch einen Auftrag in Südamerika: am Rio Negro in Uruguay übernahm man in Arbeitsgemeinschaft den Bau der Wehr- und Kraftwerksanlage. Rationalisierung und weiter ausgedehnte Mechanisierung der Bauverfahren erlaubten eine gleichmäßigere Beschäftigung als in früheren Jahren. Die eigene Investitionstätigkeit wurde bewußt eingeschränkt, um bei einem Rückgang des Inlandgeschäftes beweglich bleiben zu können. Die Entwicklung des Jahres 1957 zeigte jedoch keinerlei Ansätze in dieser Richtung. Der ansehnliche Auftragsbestand im Ausland enthob zudem die Gesellschaft aller Sorgen, die die "Dämpfung der überhitzten Baukonjunktur" vielen Unternehmen der Bauwirtschaft bereitete.

Jahr für Jahr hat die Philipp Holzmann AG seit der Währungsreform Millionenbeträge für freiwillige soziale Leistungen aufgewandt. Ihre Hauptsorge galt dem Wiederaufbau der Altersversorgung sowie der Unterstützungskasse für ihre Mitarbeiter. Beide Einrichtungen waren der Währungsumstellung zum Opfer gefallen, konnten jedoch dank der Hilfe der Gesellschaft ihre Leistungen, zunächst freilich nur in vermindertem Umfang, fortsetzen. Auch die 1942 errichtete Wilhelm-Holzmann-Stiftung, aus deren Zinsen besondere Leistungen der Angestellten durch Prämien anerkannt werden, konnte ihre Tätigkeit weiterführen. All das war noch 1949, als die Gesellschaft das 100-jährige Bestehen des Unternehmens begehen konnte, fraglich. Inzwischen hat die Philipp Holzmann AG jedoch nicht nur ihren alten Rang als das größte Bauunternehmen Deutschlands und ihren alten Ruf in der Welt durch bedeutende Leistungen auf allen Sektoren der Bauwirtschaft wiedererlangt, sondern ist auch in die Reihe der größten deutschen Unternehmen überhaupt aufgerückt.

 
Quelle: F.Lerner: " Frankfurt am Main und seine Wirtschaft", Ammelburg-Verlag 1958
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