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Die Erzeugnisse der ADOLF
MESSER GMBH waren bei Kriegsende noch mehr als sonst begehrt,
da Schneidbrenner und die hierzu notwendigen Gase -Azetylen und
Sauerstoff zum Beseitigen der Trümmer dringend gebraucht wurden.
Das von Adolf Messer in mehr als vier Jahrzehnten rastloser Arbeit
aus einem Einmannbetrieb entwickelte Werk von Weltruf war jedoch
selbst zu gut zwei Dritteln zerstört. Es gab in dem großen,
weiträumig bebauten Fabrikgelände an der Hanauer
Landstraße 300-326 kaum einen unbeschädigten Gebäudeteil.
Selbst die Kellergeschosse waren in Mitleidenschaft gezogen worden.
Andererseits vernichteten die Bomben keine wesentliche Abteilung
des Betriebes völlig, dafür wurden jedoch alle von mehr
oder minder großen Schäden betroffen, so daß allenthalben
Aufräumungs- und Instandsetzungsarbeiten nötig waren,
um die Produktion wenigstens behelfsmäßig wieder in Gang
bringen zu können. Selbstverständlich griffen alle Mitarbeiter,
Konstrukteure wie Arbeiter, Buchhalter und Meister, zur Schaufel
und halfen tatkräftig bei der Beseitigung der gröbsten
Schuttmassen. Es wurde improvisiert und mit eigenen Mitteln ausgebessert,
so daß schon 1947 der Wiederaufbau so weit vorangeschritten
war, daß alle Abteilungen weitgehend ihre Fabrikation wieder
aufgenommen hatten. Adolf Messer kam aus eigener Kraft wieder auf
die Beine. Mit Stolz und Dankbarkeit dürfen Geschäftsleitung
und Belegschaft auf das in diesen schweren Jahren gemeinsam bezwungene
Schicksal und die dabei vollbrachten Leistungen zurückblicken.

Messer Griesheim Werksgelände an der Hanauer
Landstraße
Mit seiner "lächelnden Tatkraft und einer
Jugend des Geistes" lenkte Adolf Messer, schon ein Siebziger
und doch von Optimismus und unerschütterlicher Zähigkeit
bestimmt, den Wiederaufbau und war seinen Mitarbeitern ein Vorbild.
Sein Weitblick hatte auch beizeiten dafür gesorgt, daß
das gesamte Archiv seines Unternehmens mit allen Zeichnungen und
Dokumenten auf Mikrofilm aufgenommen wurde und so Krieg und Vernichtung
überdauerte. Dank dieser Vorsorge konnte man ohne Aufenthalt
alle Betriebseinrichtungen wiederherstellen und das Fabrikationsprogramm
nach dem bewährten Ablauf fortsetzen. Natürlich blieb
man bei der einfachen Rekonstruktion des Zerstörten nicht stehen.
Die Gelegenheit zu Verbesserungen wurde genutzt und zugleich die
Grundlage für einen großzügigen Ausbau der gesamten
Werksanlagen geschaffen. Im Laufe des letzten Jahrzehnts konnte
diese völlige Neugestaltung schrittweise verwirklicht werden.
Die Adolf Messer GmbH besitzt heute hochmoderne Produktionsstätten
und eine wesentlich größere Kapazität als in der
Vorkriegszeit. Sie ist mit ihren Aufgaben gewachsen und hat den
Weg ihres Aufstiegs konsequent fortgesetzt.
Da alle wichtigen Dokumente und Unterlagen erhalten
waren, konnte das Unternehmen ungeachtet aller zeitbedingten Schwierigkeiten
in dem dadurch zunächst begrenzten Rahmen seinen Kundendienst
sofort wieder aufnehmen. Das brachte ihm zusammen mit der flotten
Instandsetzung seiner Betriebsanlagen einen beachtlichen Vorsprung.
Nach der Währungsreform und
erst recht in dem dann einsetzenden Konjunkturanstieg war man bei
Messer in der angenehmen Lage, alle Ansprüche der Kundschaft
befriedigen und den eigenen Marktanteil nicht nur behaupten, sondern
systematisch ausbauen zu können. Seit 1949, sobald es die Verhältnisse
und Vorschriften überhaupt erlaubten, war der Sohn des Gründers,
Dr.Hans Messer, in allen Teilen der Welt unterwegs, um die internationale
Verkaufsorganisation des Unternehmens neu aufzubauen und entsprechend
den sich bald anbahnenden Exporterfolgen den Kundendienst und die
Beratungsarbeit planmäßig auszubauen. Im April 1952 wurde
in New York als eine der ersten deutschen Nachkriegsgründungen
in den USA die American Messer Corporation geschaffen. Sie nahm
die Tradition der 1912 von Adolf Messer begründeten ersten
Auslandsniederlassung in Philadelphia erfolgreich wieder auf. 1953
konnte dann auch die Société Belge Messer "Sobemesser"
in Brüssel ins Leben gerufen werden. Zur Messer-Gruppe gehören
ferner noch die Leonarc GmbH in Leonstein, die Schweißtechnik
AG in Zürich, die Société Française des
Appareils & Procédés "Messer" S. A.,
die Messer Svejseteknik A/S. in Kopenhagen sowie Messer-Mexicana
S. A. in Mexico. Dazu gesellen sich die neun Betriebe auf deutschem
Boden mit dem Frankfurter Stammhaus als Zentrale. Innerhalb des
deutschen Geschäftsbereichs bildet die von Adolf und Hans Messer
gegründete SIG-Gruppe mit ihren drei Sauerstoff-Werken in Frankfurt,
Hagen und Herborn eine besondere Einheit, die ihren Kundenkreis
mit Industriegasen Sauerstoff, Stickstoff, Argon, Azetylen usw.
beliefert. Gestützt auf ihre Tochtergesellschaften und die
eigenen Vertretungen in allen wichtigen Ländern der Erde erreichte
die Adolf Messer GmbH binnen weniger Jahre im Verhältnis zu
ihrer Gesamtproduktion einen ungewöhnlich hohen Exportanteil.
Es war Adolf Messer vergönnt, diesen Wiederaufstieg
seines Unternehmens, an den er geglaubt und für den er sich
unablässig bemüht hat, noch zu erleben. Als Anerkennung
seiner Pionierarbeit auf dem Gebiet der Schweißtechnik wurden
ihm eine Reihe hoher akademischer Auszeichnungen zuteil. 1949 verlieh
ihm die Technische Hochschule Darmstadt die Würde eines Dr.Ing.E.h.
Die Technische Hochschule Karlsruhe und die Technische Universität
Berlin -diese bereits 1923- ernannten ihn zu ihrem Ehrensenator,
die Technische Hochschule Hannover nahm ihn in den Kreis ihrer Ehrenbürger
auf. Damit wurde ein Lebenswerk verdientermaßen gewürdigt,
das dem Azetylen und Sauerstoff neue Anwendungsgebiete erschloß,
ohne die die moderne Technik heute überhaupt nicht mehr vorstellbar
ist. Die Zusammenfassung von Schweißtechnik und Gasgemischzerlegung
in einem Fabrikationsprogramm ließen das Werk zur ersten und
einzigen Universalfabrik für Schweißtechnik werden. Das
von ihm aufgebaute Werk ist bis zur Gegenwart tonangebend für
den Fortschritt auf den Gebieten der Schweißtechnik und der
Luft- und Gasgemisch-Zerlegung. Den internationalen Ruf, den sich
Adolf Messer durch seine bahnbrechenden Leistungen erwarb, hat er
erfolgreich behaupten können. Am 13. Mai 1954 erfüllte
sich Adolf Messers Lebens. Mit ihm schied nicht nur ein erfolgreicher
Industriepionier und ideenreicher Konstrukteur, sondern ein wahrer
Vater seiner großen Werksfamilie für immer. Die Ehrengabe,
die man ihm ein Jahr zuvor bei seinem 75.Geburtstag überreichte,
benutzte er als Grundstock für die von ihm geschaffene Adolf-Messer-Unterstützungs-Einrichtung
GmbH, mit der ein vorbildliches Altersversorgungswerk für die
Mitarbeiter und ihre Angehörigen ausgebaut wurde. Das Unternehmen
wird vom Sohne des Gründers, Dr.Hans Messer, in seinem Sinne
fortgeführt. Neue Konstruktionen werden entwickelt, um die
führende Rolle im internationalen Wettbewerb auch weiterhin
zu erhalten, und im Zusammenhang damit zur fortschreitenden Erneuerung
der Werksanlagen sowie zur Rationalisierung des Fertigungsprozesses.
Das von Adolf Messer entwickelte, vielseitige Produktionsprogramm
wird ständig ausgebaut. Es umfaßt vier Hauptgebiete:
Autogen-Geräte und Maschinen, Elektro-Schweißmaschinen,
Lichtbogen-Schweißelektroden sowie Luft- und Gasgemisch-Zerlegungs-Anlagen.
Seit der Gründung baut Messer Azetylen-Entwickler
für die Schweißtechnik und Azetylen-Erzeugungs-Anlagen
für die chemische Industrie. Aus der großen Reihe der
Schweiß-, Schneid- und Lötbrenner für die verschiedensten
Anwendungszwecke hebt sich der neuentwickelte Konstantherm-Brenner
hervor, der wärmeunempfindlich ist und ein ununterbrochenes
Schweißen auch bei schwersten Beanspruchungen mit gleichbleibender
Flamme erlaubt. Schneidmaschinen werden vom einfachen Handgerät
bis zu den großen Portal-Schneidmaschinen und den neuentwickelten
Koordinaten-Brennschneid-Maschinen "Sicornat" mit automatischer
fotoelektrischer Steuerung zum Schneiden im Maßstab 1:1 oder
1:10 gebaut. Viele dieser Anlagen werden in das Ausland geliefert.
Eine holländische Schiffswerft erhielt die größte
Auslegermaschine der Welt. Maschinen, die mit 10 bis 20 Brennern
arbeiten, sind keine Seltenheit. Die erste besonders für den
Verkauf in Europa gebaute Maschine zum Flämmen von Blöcken
und Brammen wurde von Messer konstruiert und geliefert. Mehrere
Maschinen sind im Einsatz. Das Verfahren gewinnt ständig an
Bedeutung.
Im Bereich der Elektro-Schweißmaschinen haben
Messer-Lichtbogen-Schweißtransformatoren und Lichtbogen-Schweißumformer
einen guten Ruf und sind bei Handwerk und Industrie für die
Durchführung hochwertiger Schweißungen bekannt. Die Neukonstruktion
des Umformers KOPOL 5oo bedeutet für die automatische Lichtbogen-Schweißung
einen großen Erfolg, da die zusätzliche Einstellmöglichkeit,
mit der er ausgerüstet ist, konkurrenzlos ist. Daneben werden
nach wie vor die Messer-Dieselschweißaggregate nach allen
Erdteilen verkauft.
Für die führenden Werke der Automobilindustrie
liefert Messer elektrische Widerstand-Schweißmaschinen in
Spezialausführung. Diese Maschinen dienen der Automation bzw.
der rationellen Herstellung von Karosserien. Bei den elektrischen
Erwärmmaschinen stellt eine ebenfalls für die Automobil-Industrie
konstruierte Stauchmaschine für Ventilkegel einen besonderen
Fortschritt dar.
Auf dem Gebiet der Schutzgas-Schweißgeräte
konnte das von Messer eingeführte Armanex- und Argomat-Verfahren
wesentlich verbessert und die Produktion dieser Geräte erweitert
werden.
In den letzten Jahren wurden die Elektrodenproduktion,
chemische Laboratorien sowie mechanische und technologische Prüfräume
mit modernen Maschinen ausgestattet und auf den letzten Stand der
Technik gebracht. Gleichzeitig wurde in systematischer Arbeit die
Entwicklung neuer oder verbesserter Elektroden vorangetrieben. Zusammen
mit speziell von Messer entwickelten neuartigen Kontrollmethoden
gewährleisten diese Faktoren eine gleichmäßige Qualität
und beste Versorgung der Kundschaft. So gelang es der Firma Messer,
einen bedeutenden Marktanteil bei Schweißelektroden zu gewinnen.
Weltbekannt wurde das Unternehmen durch den Bau
von Anlagen zur Zerlegung von Luft- und Gasgemischen, deren Entwicklung
maßgeblich vom Gründer der Firma, Senator Adolf Messer,
beeinflußt wurde. Über 1500 solche Anlagen wurden in
alle Teile der Welt geliefert. Neue Zerlegungsverfahren für
Sauerstoff-Großanlagen brachten in den letzten Jahren bedeutende
Aufträge von Stahlwerken, die Sauerstoff für metallurgische
Zwecke verwenden, und der chemischen Industrie für Oxydationsvorgänge
und Herstellung von Ammoniak-Synthesegas. Pumpen für verflüssigten
Sauerstoff, Stickstoff und Argon sowie anderer Flüssiggase
werden in der Hauptsache nach den USA exportiert.
Diese knappe Übersicht des derzeitigen Produktionsprogrammes
und der Absatzerfolge des Unternehmens zeigt, daß die Adolf
Messer GmbH im konsequenten Ausbau ihres vielseitigen Arbeitsgebietes,
das ihr der Gründer erschlossen hat, auch weiterhin bestrebt
ist, als Pionier des technischen Fortschrittes zu wirken und damit
ihren in Jahrzehnten erworbenen internationalen Ruf weiter zu befestigen.
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