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museum für vor- und frühgeschichte.  
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Berichtszeitraum: 1945-65

 

Das Museum für Vor- und Frühgeschichte entstand 1937 aus der archäologischen Abteilung des Städtischen Historischen Museums. Es umfaßt die Frankfurter Altertümer aus vorgeschichtlicher, römischer und fränkischer Zeit bis in das hohe Mittelalter und trägt die Bodendenkmalpflege in der Stadt Frankfurt. Sein Leiter ist ehrenamtlich Staatlicher Vertrauensmann für kulturgeschichtliche Bodenaltertümer; er unternimmt planmäßige Ausgrabungen zur archäologischen Erforschung des Stadtgebietes. Das Museum besitzt ferner eine bedeutende Sammlung vorgeschichtlicher und klassischer Kleinaltertümer der Mittelmeerländer und des Orients, durch welche zugleich die heimischen Altertümer erläutert werden.

Die Luftangriffe des Jahres 1944 haben das Museum für Vor- und Frühgeschichte, damals im Dominikanerkloster, schwer getroffen, doch sind die Bestände dank der Auslagerung zum größten Teile gerettet; verbrannt ist nur die Bibliothek. Die Zerstörung im historischen Stadtkern und der anschließende Wiederaufbau haben die Aufgaben des archäologischen Dienstes bedeutend vermehrt. Dies wurde nach dem Kriege zunächst nicht erkannt, und man hat das Museum im Jahre 1948, zugleich mit der Pensionierung von Direktor Dr.K.Woelcke, als selbständige Dienststelle aufgelöst und seine Bestände wieder dem Historischen Museum eingegliedert.

Dank der Initiative des Kulturdezernenten, Stadtrat Dr.K.vom Rath, und des Direktors des Historischen Museums, Dr.H.Bingemer, wurde das Museum für Vor- und Frühgeschichte 1952 wieder eingerichtet und Dr.H.J.Hundt mit seinem Wiederaufbau betraut. Im März 1953 bezog das Museum sein neues Heim im Holzhausenschlößchen, Justinianstraße 5; im April 1953 begann mit Hilfe der Deutschen Forschungsgemeinschaft die Altstadtgrabung auf dem Domhügel, welche die älteste Geschichte Frankfurts wesentlich erhellt hat. Dr.Hundt folgte im Juli 1954 einem Ruf an das Römisch-germanische Zentralmuseum in Mainz. Dr.U.Fischer als sein Nachfolger konnte im Oktober 1954 das Holzhausenschlößchen für das Publikum öffnen. Über die Altstadtgrabung trat Dr.O.Stamm 1957 in den Dienst des Museums, das nun zwei wissenschaftliche Stellen, fünf technische und drei Arbeiterstellen zählt und seit 1959 einen Kraftwagen für den Außendienst besitzt. Es wurden auch zahlreiche Funde im übrigen Stadtgebiet geborgen. Im September 1957 nahm das Museum nach fast 30jähriger Pause die Ausgrabungen in der Römerstadt von Heddernheim wieder auf, die neben der Altstadtgrabung jährlich fortgesetzt wurden. Heddernheim ist die bedeutendste archäologische Fundstelle des Landes Hessen, und ihre Überbauung durch die neue "Nordweststadt" seit 1961 hat die Kräfte des Museums sehr stark angespannt, zumal die räumlichen Voraussetzungen zur Aufnahme und Verarbeitung so riesiger Materialien fehlt.

Das mit dem Holzhausenschlößchen zugleich übergebene, gegenüberliegende Gebäude Justinianstraße 12 mußte 1957 wegen Schwammbefalles abgebrochen werden. Zwei Holzschuppen auf diesem Grundstück bergen nun provisorisch die römischen Steindenkmäler. Die in der Paulskirche und im Karmeliterkloster zugewiesenen Magazinräume sind nur beschränkt brauchbar. Es ist weder eine Übersicht oder Revision der die Masse bildenden römischen Bestände, noch ihre wissenschaftliche Bearbeitung möglich. Die kleine Ausstellung im Holzhausenschlößchen gibt keinen Begriff vom wirklichen Umfang der Sammlung, noch von den Ergebnissen der Ausgrabungen. Die Planung eines Ausstellungsgebäudes auf dem Grundstück Justinianstraße 12 wurde 1961 durch den Plan unterbrochen, das Museum im Zentrum der Nordweststadt anzusiedeln.

Durch Ankäufe vermehrte sich die Mittelmeer- und Orientabteilung bedeutend, die letztere wurde 1948 neu geschaffen. Der erste Band eines Frankfurter "Corpus Vasorum Antiquorum" von Dr.K.Deppert kam in unserem Auftrage 1964 heraus.

Über die Frankfurter Ausgrabungen erschienen zahlreiche Aufsätze in Fachzeitschriften und vier populäre Bildheftchen, auch wurde in Vorträgen vom Direktor des Museums berichtet. Die Veröffentlichung der Altstadtausgrabung begann 1962 in den neuen Schriften des Museums mit einer Arbeit von Dr.O.Stamm über "Spatrömische und frühmittelalterliche Keramik der Altstadt Frankfurt am Main".

Das Holzhausenschlößchen, 1953 wurde es Heimat des Museums für Vor- und Frühgeschichte

 

 

Berichtszeitraum: 1965-68

 

Als das Land am 1.5.1967 eine zentrale Dienststelle "Der Landesarchäologe von Hessen" schuf, blieb Frankfurt selbständig. Auf der Versammlung des Verbandes der Landesarchäologen zu Trier am 8./9.11.1967 wurden die drei Städte Frankfurt a.M., Köln und Lübeck als ordentliche Mitglieder anerkannt.

Der Plan einer Ansiedlung des Museums im Nordweststadtzentrum ist gescheitert, der Ausbau der Liegenschaft Justinianstraße 12 wieder aktuell.

Die Ausgrabungen liefen bis 1965 in Heddernheim. In den Jahren 1966 bis 1967 wurde ein großes Hügelgrab im Stadtwald mit Hilfe der Deutschen Forschungsgemeinschaft untersucht, mit reichen Funden von der Steinzeit bis zur Eisenzeit. Im Jahre 1968 folgten zwei Hügel an der Unterschweinstiegschneise. Zugleich begann die Vermessung der Hügelgräber in den Distrikten Eichlehen und Hinkelstein. Zahlreiche Fundbergungen im gesamten Stadtgebiet.

1966 erhielt das Museum neue Magazine in der Hochstraße 36-46. Unbefriedigend bleibt die Aufbewahrung des römischen Lapidariums. Die Mittelmeerabteilung wurde durch Ankäufe vermehrt.

An Veröffentlichungen erschienen ein Bildheft über Griechische Vasen von Dr.K.Deppert, ein Bericht über die Grabungen im Saalhof von Dr.O.Stamm sowie Aufsätze von Dr.U.Fischer in Fachzeitschriften. Stellenplan und Besetzung der wissenschaftlichen Stellen blieben unverändert.

 

 

Berichtszeitraum: 1969-72

 

Zum Oktober 1968 ist die Ausstellung „Römische Funde im Gebiet der Nordweststadt" im Bürgerhaus Nordwest nachzutragen. Die Ausgrabungen und Baggerbeobachtungen liefen 1969, 1970 und 1971 im Altstadtkern zwischen Dom und Römer, meist unter Aufsicht von Dr. O.Stamm und unter schwierigen Verhältnissen. Die Ergebnisse zur Stadtgeschichte sind bedeutend, die gewaltigen Fundmengen aber noch ungesichtet. Die Vermessung der Hügelgräber wurde im westlichen und mittleren Stadtwald abgeschlossen. In Heddernheim erschienen neue Funde beim Durchbruch der Nordweststraße. Mehrere Heddernheimer Privatsammlungen wurden angekauft. Zahlreiche Fundbergungen im übrigen Stadtgebiet. Die Mittelmeerabteilung wurde durch Ankäufe vermehrt. Die museale und wissenschaftliche Bearbeitung der Heddernheimer Bodenfunde konnte durch Inventarisation, Restaurierung und Zeichnung gefördert werden. Die Magazine des Museums mußten zufolge Kündigung durch die Stadtwerke 1972 von der Hochstraße ins Ostend umziehen. Die Unterbringung des römischen Lapidariums bleibt unbefriedigend und das Museum auch sonst extrem eingeengt. An Veröffentlichungen erschien ein zweites Bildheftchen über „Attische Vasen" von Dr. K.Deppert, Verfasser der beiden ersten Bände des Frankfurter Corpus Vasorum Antiquorum. Von Dr. U.Fischer erschienen eine vermehrte Neuauflage des Bildheftchens über „Römische Steine aus Heddernheim", ein informierendes Büchlein „Aus Frankfurts Vorgeschichte" sowie Aufsätze in Fachzeitschriften. Der Stellenplan des Museums wurde 1972 durch einen Wissenschaftler und einen Techniker vermehrt, um die Bearbeitung der Altstadtfunde zu fördern. Da diese Funde überwiegend in historische Zeiten gehören, wurde eine Zusammenarbeit mit dem Historischen Museum schon während der Ausgrabungen eingeleitet. In der Bodendenkmalpflege vertiefte sich die Zusammenarbeit mit dem Landesarchäologen durch Berichterstattung in den „Fundberichten aus Hessen" und gutachtliche Betreuung des Umlandes.

 
Quelle: Jahresberichte der Stadt Frankfurt 1945-72
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