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nassauische heimstätte gmbh.  
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Kein Wohnungsunternehmen und doch für den Wiederaufbau Frankfurts und darüber hinaus der kriegszerstörten Städte ganz Südhessens von größter Bedeutung ist die NASSAUISCHE HEIMSTÄTTE GMBH. Darum muß diese staatliche Treuhandstelle für das Wohnungs- und Kleinsiedlungswesen in diesem Zusammenhang genannt und der Umfang ihrer Tätigkeit seit dem Ende des zweiten Weltkriegs kurz beleuchtet werden. Als Organ der staatlichen Wohnungspolitik wurde die Gesellschaft 1922 geschaffen. Im Sinne des Heimstättengedankens bestand und besteht ihre Aufgabe darin, die Bauherren, Private wie gemeinnützige Unternehmen, bei der Verwirklichung ihrer Projekte mit Rat und Tat zu unterstützen. Das beginnt bei der Beschaffung des Baulandes und der Finanzierung, umfaßt die Entwicklung der Baupläne und die Verhandlungen zu ihrer Genehmigung, schließt weiterhin die Mitwirkung bei der Ausführung der Bauten ein und endet erst mit ihrer schlüsselfertigen Übergabe an die Eigentümer. Trotz ihrer offiziellen und gemeinnützigen Aufgabe ist die Nassauische Heimstätte ein wirtschaftliches Unternehmen, das sich selbst tragen muß. Für den sozialen Wohnungsbau war sie darum die gegebene Treuhänderin und hat in ihrem Bereich, der ganz Südhessen umfaßt, in wenigen Jahren eine große Arbeitsleistung bewältigt. Der Sitz der Gesellschaft ist in Frankfurt, wo sie sich 1956 ein seiner architektonischen Gestaltung nach beispielhaft zu nennendes Verwaltungsgebäude am Mainufer errichtete. Im gleichen Jahr wurde die 50000-ste Wohnung seit der Gründung des Unternehmens im Jahre 1922 fertiggestellt. Der weitaus größte Teil dieser Leistung -rund 37000 Wohnungen- fiel in die Jahre seit der Währungsreform.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Heimstätten-Gesellschaften Deutschlands stand die Nassauische Heimstätte nach dem Ende des zweiten Weltkriegs völlig mittellos und ohne jeden finanziellen Rückhalt da. Sie mußte ganz von vorn anfangen, doch die Not der Ausgebombten und das Elend der Heimatvertriebenen beflügelten die Anstrengungen zur Wiederaufnahme ihrer Arbeit. Bis zur Währungsreform waren diesen Bemühungen wegen der besonderen Schwierigkeiten, denen sich das Unternehmen gegenübersah, nur bescheidenste Erfolge beschieden. Um die Jahreswende 1948/49 kam unter ihrer Leitung eine Interessengemeinschaft der Flüchtlinge, Fliegergeschädigten und Verfolgten zustande. In deren Auftrag gelang es dann, die ersten Mittel aus dem Lastenausgleichsfonds für ein Wohnungsbauprogramm zu beschaffen. Bereits 1949 wurde mit dem Bau von 2141 Wohnungen begonnen; das war schon ein Rekord gemessen an der bisherigen Geschichte der Gesellschaft und doch nur der Auftakt zu einer konsequenten und breiten Förderung des sozialen Wohnungsbaus in Südhessen. Binnen drei Jahren wuchsen mit Hilfe der Nassauischen Heimstätte 9116 Wohnungen empor, von denen 77% dem Kreis der von ihr zusammengeschlossenen Geschädigten zugute kamen.

Foto:Hist.Museum

Baustelle der "Nassauischen Heimstätte" 1951

 

In rastloser Arbeit wurden Jahr für Jahr Wohnungen gebaut. Schon 1952 setzte sich die Nassauische Heimstätte mit 4370 fertiggestellten Wohnungen an die Spitze aller Heimstätten-Gesellschaften der Bundesrepublik; 1953 führte sie mit 5163 wieder deren Reihe an. In Voraussicht kommender Einschränkungen spannte sie 1954 noch einmal alle ihre Kräfte an und konnte mit einem Gesamtbauprogramm von 10760 Wohnungen, von denen 6187 bezugsfertig wurden, alle ihre seitherigen Leistungen übertreffen. In diesem Jahre erreichte der Anteil der privaten Bauherren erstmals die Hälfte der Neubauten, während bis dahin fünf Sechstel für gemeinnützige Wohnungsgesellschaften errichtet worden waren. Nachdem 1955 mit 6477 fertiggestellten Wohnungen ein Höhepunkt erreicht worden war, ging 1956 die Bautätigkeit der Gesellschaft infolge der geringeren Ausschüttung von Mitteln für den sozialen Wohnungsbau und der steigenden Baukosten auf 5071 Wohnungen zurück. Dennoch wurden noch in jedem Jahr Tausende neuer Wohnungen gebaut. Ein erheblicher Teil all dieser Neubauten (rund 14000 Wohnungen) ist seit 1948 in Frankfurt selbst und in der Umgebung der Stadt entstanden und hat damit zur Belebung ihrer Wirtschaft beigetragen.

Die großen, nach modernen städtebaulichen Grundsätzen angelegten Siedlungen in Frankfurt wurden nach bekannten Männern der Gegenwart benannt, so die "Walter-Kolb-Siedlung" in Eckenheim, die "Fritz-Kissel-Siedlung" am Riedhof, die "Eberhard-Wildermuth-Siedlung" an der Mainzer Landstraße, die "Albert-Schweitzer-Siedlung" an der Hügelstraße und die 1957 begonnene "Stadtrat-Miersch-Siedlung" in Niederrad.

In jüngster Zeit hat die Nassauische Heimstätte die Aktion "Schöner und besser Wohnen" eingeleitet. Viele Mieter, die in den Jahren 1948 bis 1952 eine kleine und preisgünstige Wohnung bezogen, haben nun ihren Familienstand und ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erheblich verändert. Sie suchen größere, schönere Wohnungen. Dem steht die große Zahl der Wohnungssuchenden, denen die Mieten der jüngsten Neubauten unerschwinglich sind, gegenüber. Eine "Umschichtung", bei der die bisherigen Mieter die Sozialwohnungen früherer Jahre freimachen, wird beiden Interessentengruppen gerecht werden. Es ist bezeichnend für das Unternehmen, daß etwa die Hälfte seiner 300 Mitarbeiter zu den durch den Krieg Geschädigten gehört. Ihre Leistungen wurden durch Gratifikationen und Beihilfen, durch eine zusätzliche Altersversorgung und eine gründliche ärztliche Fürsorge gefördert. Für den Mittagstisch ebenso wie für eine Betriebsbibliothek und die Theater- und Filmgemeinschaft ihrer Mitarbeiter leistete die Gesellschaft alljährlich Zuschüsse. Im Odenwald und Taunus besitzt sie Wochenend- und Ferienheime, außerdem richtete sie ein Ferienlager im Tessin ein. Ferner schloß sie für ihre Mitarbeiter eine freiwillige Unfallversicherung ab und vermittelte ihnen natürlich auch Wohnungen. Zusammengenommen beweist auch dieser Katalog freiwilliger Leistungen für die Mitarbeiter die soziale Grundeinstellung des Unternehmens. Aus dieser Haltung heraus will die Heimstätte aber auch dazu helfen, daß aus der Wohnung ein wirkliches "Heim" werde. So hat sie in ihren Siedlungen Büchereien eingerichtet, vermittelt und erleichtert den Ankauf von Werken der bildenden Kunst, veranstaltet regelmäßig für die Wohngemeinschaften Konzerte, Schauspiele und Film-Matineen und lädt die Bewohner der Siedlungen zu zeitkritischen Vorträgen sowie zu Odenwald- und Taunuswanderungen ein. Diese Bemühungen sind ohne Beispiel. Mehr als 50000 Menschen in Frankfurt am Main wohnen "bei der Heimstätte"; die Arbeit des Unternehmens verhalf ihnen zu einem richtigen Heim und fördert unermüdlich ihre menschliche Entfaltung und ihre Leistungskraft.

 
Quelle: F.Lerner: " Frankfurt am Main und seine Wirtschaft", Ammelburg-Verlag 1958
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