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Die NECKERMANN VERSAND KG, von der die Frankfurter Wirtschaft lebhafte Impulse empfängt, nimmt in jeder Hinsicht eine Sonderstellung ein. Josef Neckermann, der Chef der Firma, ist vielfach als "Hecht im Karpfenteich" bezeichnet worden damit ist deutlich gesagt, daß das Unternehmen die Geschäfts- und nicht zuletzt die Preisentwicklung einer ganzen Reihe von Branchen in der Bundesrepublik beeinflußt.

Die Neckermann Versand KG ist aus einer im Herbst 1948 in Frankfurt gegründeten Textilgesellschaft hervorgegangen, die zunächst ihr Aufgabengebiet im Großhandel, Im- und Export suchte. Ihr Gründer, der aus Würzburg stammende Josef Neckermann, hatte vor dem Kriege u.a. ein im Berliner Norden beheimatetes großes Textilversandunternehmen betrieben und verfügte über langjährige Erfahrungen in dieser Absatzform wie im Warenhausgeschäft. Es lag daher nahe, daß er wieder nach einer Betätigung auf diesem Gebiet strebte. Im April 1950 konnte er zu diesem Zweck eine Kommanditgesellschaft errichten, in der er als einziger Komplementär eintrat. Die Neckermann Versand KG begann mit einem geringen Anfangskapital, das inzwischen durch Aufnahme eines Kommanditisten auf nominell 21,5 Millionen erhöht und durch langfristige Darlehen der Gesellschafter wie von Banken verstärkt wurde. Josef Neckermann selbst brachte nur einen Teil der Mittel selbst auf, übernahm jedoch den Aufbau und die Leitung des Unternehmens und drückte ihm den Stempel seiner Persönlichkeit auf. In wenigen Jahren schuf er einen neuen Typ des Versandgeschäftes und erwarb ihm eine starke Marktposition.

Werbung für den Winterkatalog 1963/64

 

Der erste, verhältnismäßig bescheidene Katalog, den das neue Versandhaus im Frühsommer 1950 herausbrachte, beschränkte sich auf ein Sortiment von Textilwaren und wurde vornehmlich an die im ganzen Lande, vielfach auf entlegenen Dörfern verstreuten Heimatvertriebenen verteilt. In diesen Kreisen bestand ein besonders großer Nachholbedarf, andererseits mußten diese Menschen jedoch mit jedem Pfennig rechnen. Daß man sie als Kunden ansprach und ihnen günstige Angebote in für sie erschwinglicher Qualität machte, war schon psychologisch sehr geschickt, zumal die ungebetenen Gäste vom Einzelhandel der Kleinstädte nicht gerade bevorzugt bedient wurden. Noch viel mehr Eindruck aber machte es auf weite Käuferschichten, daß die Neckermann Versand KG in der nun hereinbrechenden Koreakrise alle Bestellungen prompt und ohne jede Preiserhöhung gegenüber ihrem Katalog ausführte. Damit hatte sie mit einem Schlag einen festen Kundenstamm gewonnen und war in aller Leute Mund gekommen. Josef Neckermann hat diesen einmal beschrittenen Weg konsequent fortgesetzt.

Jeweils im Frühjahr und Herbst brachte sein Haus einen neuen Katalog heraus und hielt sich für ein volles halbes Jahr an die darin angegebenen Preise gebunden. Das Vertrauen, das er sich damit bei den Verbrauchern erwarb, kam in der wachsenden Flut der Bestellungen zum Ausdruck. Sie erlaubten ihm den Einkauf im größten Stil und die Anfertigung vieler Artikel in großen, speziell für ihn aufgelegten Serien. Er gliederte seinem Unternehmen zwei eigene Kleiderfabriken an, arbeitete mit einer Schar von Zwischenmeistern und fand bald auch bei den Herstellern anderer Verbrauchsgüter für seine Angebote zur Zusammenarbeit Interesse, da sie ihnen die feste Abnahme bestimmter Teile ihrer Produktion in Aussicht stellten. So konnte die Neckermann Versand KG 1953 ihr Sortiment auf Kleinmöbel, Lederwaren, Lampen, ein preiswertes Rundfunkgerät und weitere Artikel ausdehnen. 1954 nahm sie dann Kühlschränke, Elektrogeräte, sechs Typen von Rundfunkempfängern, ein Fernsehgerät, Schreibmaschinen und Genußmittel in ihr Sortiment auf. Der Frühjahr/Sommer-Katalog 1958 war bereits 320 Seiten stark und zeigte viele Artikel in Mehrfarbendruck. Die Photos des Neckermann-Kataloges geben stets einen klaren Eindruck von der Ware und werden durch präzise Beschreibungen unterstützt. Bei Auflagen von 3 Millionen Stück drangen diese umfassenden Angebote in den größten Teil der Familien in der Bundesrepublik ein und wurden sehr sorgfältig studiert. In ständig wachsendem Maße erhielt das Frankfurter Versandhaus auch Bestellungen aus Mittel- und Großstädten und kam damit an Käuferschichten heran, die an sich auf diese Vertriebsform nicht angewiesen waren.

Da Josef Neckermann grundsätzlich alle Preisbindungen der zweiten Hand ablehnt und seine Verkaufspreise nach eigener Kalkulation festsetzt, blieben Auseinandersetzungen mit einzelnen Sparten des Fachhandels nicht aus. Im Rundfunk- und Fernsehgeschäft konnte die Neckermann Versand KG mit Preisen auftreten, die einen Zusammenbruch des gesamten bisherigen Preisgefüges zur Folge hatten. Das löste Abwehrmaßnahmen aus, die wohl verständlich, aber unüberlegt waren. Der Versuch, die Installation und Reparatur der von dem Frankfurter Versandhaus gelieferten Geräte durch Boykott zu vereiteln, nötigte die Neckermann Versand KG zum Aufbau eines eigenen Kundendienstes und schuf ihr damit in weit über hundert Orten des Bundesgebietes feste Stützpunkte. Hinzu kommen 250 Spezialisten, die mit 66 Wagen des Technischen Kundendienstes unterwegs sind, um auch Kunden in abgelegenen Gebieten zu betreuen. Daneben baute sie ein System von Auftragsannahmestellen sowie von Elektro-Spezialverkaufsstellen auf. Vor allem gliederte sie sich jedoch 19 als "Verkaufsstellen" bezeichnete Warenhäuser in allen Teilen des Bundesgebietes an. Sie erlaubten die Ausbreitung des Sortiments und den direkten Verkehr mit der Kundschaft, auch geben sie die Möglichkeit, Waren, die neu aufgenommen werden sollen, zu testen sowie Restposten abzustoßen. In Frankfurt faßte das Unternehmen mit Erfolg auf der Zeil Fuß und konnte hier schließlich 1956 einen sehr geräumigen Neubau erstellen, dessen langgezogene Fronten heute einen ganzen Abschnitt der Hauptgeschäftsstraße der Frankfurter City beherrschen.

Die Umsätze der Neckermann Versand KG wuchsen sehr rasch. Im Jahre 1956 überschritten sie den Betrag von 300 Millionen DM und waren damit gut 30% höher als im Vorjahr. In diesem ungewöhnlichen Ausmaß konnte das Unternehmen, das 1954 bereits einen Umsatz von fast 200 Millionen DM erreicht hatte, alljährlich sein Geschäft ausweiten. Unzweifelhaft hat es von der allgemeinen Konjunkturbelebung und der durch den wachsenden Lebensstandard ausgelösten Konsumausweitung erhebliche Vorteile gehabt. Entscheidend für seinen so zwar begünstigten Aufstieg war jedoch die ständige Ausweitung seines Marktanteiles, den es durch seine die Käufer anziehenden Angebote erreichte. Daß dabei sehr große Risiken getragen und viele kühne Entschlüsse gefaßt werden mußten, bedarf keiner weiteren Erläuterung. Die Voraussetzung war eine sehr genaue Marktbeobachtung und ein darauf aufbauender Einkauf großen Stils. Neckermann scheute auch nicht ungewöhnliche Wege, importierte Waren, die ihm im Inland nicht zu seinen Bedingungen geliefert wurden, schuf besondere Montagewerkstätten und kalkulierte stets sehr scharf.

Schon im Mai 1954 nannte die amerikanische Zeitschrift "Fortune" Josef Neckermann "den deutschen General Wood" (General Wood hat das größte amerikanische Versandhaus, die Sears, Roebuck & Co., zum Erfolg geführt). Der amerikanische Berichterstatter sah im übrigen in Josef Neckermann eines der bedeutendsten Gegengewichte gegen alle Versuche zur Wiedereinführung von Preiskartellen in Westdeutschland. Umgekehrt ist behauptet worden, daß Neckermann lediglich amerikanische Vertriebsmethoden auf deutsche Verhältnisse übertragen habe. Daran ist nur so viel richtig, daß ein Mann seiner Art selbstverständlich die einschlägigen Unternehmen der USA genau studiert und daraus mancherlei gelernt hat. Im übrigen war jedoch jeder Versuch einer Kopie von vornherein zum Scheitern verdammt, da die wirtschaftlichen wie technischen Voraussetzungen in Amerika völlig anders als im Nachkriegsdeutschland gelagert waren. Nur die geschickte Anpassung an die gegebenen Verhältnisse, das Aufspüren von Absatzmöglichkeiten wie das Auffinden günstiger Einkaufsgelegenheiten im Grunde echte, wagende und rastlose Kaufmannsarbeit konnten zu Erfolgen führen, wie sie die Neckermann Versand KG in wenigen Jahren eines geradezu stürmischen Aufbaus erreicht hat.

Foto:W.Keim

oben: Neckermann-Versandhaus von 1951 am Danziger Platz

Neckermann fing in Frankfurt in räumlich sehr beengten Verhältnissen an. Er hatte die verkehrsgünstig gelegene Stadt zwar mit Vorbedacht als Standort gewählt, war jedoch 1950 drauf und dran, das großzügige Angebot eines anderen Platzes im südwestdeutschen Raum anzunehmen, weil man ihm dort unter günstigsten Bedingungen ausreichende Betriebsräume zur Verfügung stellen wollte. Es war darum ein besonderes Verdienst der städtischen Wirtschaftsförderung, daß es ihr gelang, in unmittelbarer Nähe des Ostbahnhofes für das Unternehmen ein Grundstück von rund 13400 qm Fläche zu beschaffen. Die Stadt Frankfurt überließ es der Neckermann Versand KG im Erbbaurecht und übernahm für die dort zu errichtenden Bauten Ausfallbürgschaften in bedeutender Höhe. Sie hat dies Entgegenkommen nicht zu bereuen gehabt. Im Juni 1951 konnte das Unternehmen den Neubau beziehen. Ein sorgfältig durchdachter Betriebsablauf unter Verwendung der modernsten Buchungsmaschinen, elektronischer Anlagen und Transporteinrichtungen erlaubte nunmehr die Ausführung der in der Hochsaison täglich bis zu 38000 Stück einlaufenden Bestellungen in Fließarbeit, so daß die fertig verpackten Sendungen direkt in das im Erdgeschoß des Hauses untergebrachte Postamt gelangen. Im benachbarten Ostbahnhof können die Stückgutsendungen sofort in bereitgestellte Waggons verladen und mit der Bahn eingehende Waren ohne Zwischentransport den Lagern zugeführt werden. Es zeigte sich sehr bald, daß die ursprüngliche Raumplanung für das Versandhaus auf die Dauer nicht ausreichte. Schon 1954 mußte es seinen Gebäudekomplex durch ein elfstöckiges Hochhaus ergänzen und damit seine Nutzfläche auf weit über 30000 qm vergrößern. Gleichzeitig wurde eine 416 Meter lange Kreisförderanlage in Betrieb genommen, die auch bei stärkstem Eingang von Bestellungen deren reibungslose Abwicklung gewährleistet.

Blick in die Verpackungsabteilung des Versandhauses

 

Mit 107 Mitarbeitern begann die Neckermann Versand KG im Frühjahr 1950 den Aufbau ihres Geschäftes. Für 1200 war der Neubau 1950 projektiert worden, aber Ende 1951 war ihre Zahl schon auf 1700 gestiegen. Im Gesamtunternehmen waren Anfang 1958 rund 6000 Personen ständig beschäftigt, von denen der größere Teil auf Frankfurt selbst entfällt, da das eigentliche Versandgeschäft immer noch 70% des Umsatzes bringt und außerdem im Frankfurter Stadtgebiet drei Verkaufsstellen mit Einschluß des Großwarenhauses auf der Zeil unterhalten werden. Der Versandhandel muß seiner Natur nach neben den ständigen Mitarbeitern in Zeiten des Stoßgeschäftes auf Aushilfspersonal zurückgreifen. Dafür kommen in der Hauptsache Frauen und Mädchen in Betracht, die an Nebenerwerb interessiert sind. Darum war es wichtig, daß der Neubau am Danziger Platz in der Nähe dichtbesiedelter Frankfurter Wohnviertel lag, wo sich das Unternehmen inzwischen einen Kreis zuverlässiger und, angelernter Aushilfskräfte erwerben konnte, die ihm jederzeit tageweise und in den Wochen nach dem Versand seiner Kataloge auch für längere Zeit zur Verfügung stehen. Trotz der fluktuierenden Beschäftigtenzahl hat es so eine erfreuliche Konstanz der Mitarbeiterschaft erreicht.

Das junge und schnell gewachsene Unternehmen weist bereits ein beachtliches System freiwilliger sozialer Leistungen auf. So wird die Hälfte der Lohn- und Gehaltsempfänger übertariflich bezahlt. Selbstverständlich gibt es in den Betrieben bezuschußte Kantinen und in Notfällen individuelle Hilfe für alle Mitarbeiter. Für Ledige und Alleinstehende ist in der Nähe des Versandhauses ein Wohnblock mit Kleinstwohnungen, die weitgehend mit Einbaumöbeln ausgestattet werden sollen, geplant. Im übrigen half das Unternehmen seinen Mitarbeitern nach Kräften bei der Wohnungsbeschaffung. Für Josef Neckermann am bezeichnendsten ist aber die Tatsache, daß er seiner Belegschaft den Bezug der Artikel des Hauses zu einem beachtlichen Personalrabatt möglich macht und dabei jedem ohne Rücksicht auf Stellung und Einkommen den gleichen Vorteil gewährt. Mit Nachdruck hat er sich auch der Ausbildung seiner kaufmännischen Lehrlinge angenommen und besondere Einrichtungen für den Nachwuchs Befähigter zu leitenden Funktionen geschaffen.

Der Grundgedanke des Unternehmens, das durch seinen raschen Aufstieg Frankfurts Wirtschaft belebt und seinem Namen einen neuen Klang gebracht hat, ist nicht das Geschäftemachen um jeden Preis. Josef Neckermann sieht vielmehr seine Aufgabe darin, den Konsumenten ein umfassendes, preislich und qualitativ hervorstechendes Angebot zu unterbreiten und alle Merkmale dieses Angebotes für einen fest bestimmten Zeitraum zu garantieren. Ihm geht es nicht um den Gewinn, sondern in erster Linie um die Aufrechterhaltung einer vollbeschäftigten Wirtschaft, die dazu der rastlosen Arbeit ihrer Kaufleute bedarf.

Quelle: F.Lerner: " Frankfurt am Main und seine Wirtschaft", Ammelburg-Verlag 1958

 

 

1960 - Das neue Versandhaus

Das Unternehmen Neckermann ist seit seiner Gründung im Jahre 1950 eng mit der Stadt Frankfurt am Main verbunden, -denn seinem Gründer und Inhaber, Josef Neckermann, schien angesichts der veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse nach dem Kriege die Main-Metropole als der verkehrsgünstigste Platz für den Aufbau eines Versandhauses. Als sich Josef Neckermann damals erbot, 1000 Arbeitsplätze zu schaffen, glaubten nur wenige an die Realisierung dieses Vorhabens. In der Zwischenzeit haben sich viele daran gewöhnt, daß der Unternehmer Neckermann auch scheinbar unmögliche Dinge möglich macht. Heute sind rund 8000 Mitarbeiter bei Neckermann tätig, die Hälfte davon im neuen Versandhaus an der Hanauer Landstraße in Frankfurt am Main.

Der "Locherraum"

Ein Vierteljahr dauerte der Umzug von dem Gebäude am Ostbahnhof (Bild weiter oben) in das neue Haus. Am 15.September 1960 wurde es offiziell seiner Bestimmung übergeben. Die Planung dieses Baus, die in den Händen von Professor Egon Eiermann lag, erforderte eigene, auf den Betriebsablauf zugeschnittene Maßstäbe. Um den Fluß in den Versandgeschoßen nicht zu unterbrechen, wurde auf störende Einbauten verzichtet, wie sie im allgemeinen Treppenhäuser erfordern. Statt dessen wurden die Aufgänge in vier sogenannte "Festpunkte" verlegt, die zusammen mit dem System balkonartiger Umgänge vor allen Geschoßen und den Nottreppen ein schon von weitem sichtbares charakteristisches Merkmal für den Neckermann-Bau abgeben. Schnellaufzüge und Rolltreppen sorgen für die Beförderung der Mitarbeiter. Alle Einrichtungen aber dienen in diesem Hause dem Ziel, den Kunden noch besser und noch schneller zu bedienen.

Steuerraum für die Förder- und Transportanlagen

In den vier unteren, den Versandgeschoßen, sind Förder- und Transportanlagen installiert, die nach den Erfahrungen der ersten zehn Jahre ausgewählt und zu einem sinnvollen Ganzen zusammengefügt sind. Diese Einrichtungen sind kein "Maßanzug", das heißt, sie dienen nicht nur zur Abwicklung eines bestimmten Betriebsablaufs. Vielmehr können sie elastisch den wechselnden Anforderungen, die sich im Versandbetrieb ergeben, angepaßt werden. Zur Vorbereitung des eigentlichen Versandvorgangs, das heißt dem Zusammenstellen des Neckermann-Paketes, dient neben anderen neuzeitlichen Einrichtungen vor allem die neue elektronische Großrechenanlage.

IBM-Großrechenanlage

Die auf Lochkarten festgehaltenen Merkmale jeder Bestellung werden hier auf Magnetbänder übertragen. Diese Bänder arbeiten mit einer unvorstellbaren Geschwindigkeit. Schon eine einzige Zahl kann dies verdeutlichen: in einer Minute können nicht weniger als 834000 bis zu zehnstellige Additionen und Subtraktionen ausgeführt werden. Neben dem Schreiben der Rechnungen und den dazu notwendigen Vorarbeiten übernimmt die IBM-Anlage auch weitere Aufgaben, wie die Bearbeitung der Teilzahlungsaufträge, den Abrechnungsverkehr mit den Neckermann-Kaufhäusern, die Lagerüberwachung und -abrechnung usw. Ebensowenig wie die elektronische Anlage sind die Fördereinrichtungen im Versand ein starres System, es laufen vielmehr mehrere Systeme nebeneinander, und je nach der Art des Auftrages wird das eine oder andere benutzt (was übrigens auch von der Elektronik bestimmt wird), Alles ist auf Zweckmäßigkeit ausgerichtet. Aus diesen Überlegungen heraus ist z.B. auch im Kasino für die Mitarbeiter die Ausgabe des Essens als Selbstbedienung organisiert. 2000 Essen können hier in der Stunde ausgegeben werden. Um nur eine weitere Einrichtung im Neckermann-Haus zu erwähnen, die gleichfalls vor allem für die Mitarbeiter gedacht ist: ein Verkaufspavillon auf dem Neckermann-Gebäude. Bequemer Einkauf für Mitarbeiter: Früh können Zettel mit den gewünschten Artikeln abgegeben, abends die fertig verpackten Waren mitgenommen werden.

Die Förderanlage

Auf vielen Gebieten waren beim Neubau von Neckermann neuartige Maßstäbe anzulegen, so unter anderem auch bei der Heizanlage. Die Entscheidung fiel zugunsten einer Koks-Heizung. Einmal entwickelt dieser Brennstoff wenig Rauch und Ruß; seine Verwendung ist daher ein aktiver und positiver Beitrag im Kampf gegen die Luftverunreinigung. Außerdem ist eine kontinuierliche Kohleversorgung stets gewährleistet und von weltpolitischen Störungen nicht gefährdet. Es entstand eine Anlage mit vier Kesseln, die in ihren Dimensionen bei weitem die bisher üblichen übertreffen. Ein Vergleich mag die Kapazität dieser gewaltigen Kesselanlage verdeutlichen: statt den Wärmebedarf für den gesamten Neckermann-Gebäudekomplex zu decken (einschließlich der Versorgung von Klimaanlagen usw.) könnten die Kessel eine Kleinstadt mit rund 10000 Einwohnern und etwa 2300 Wohnungen beheizen. Oder, wie eine Zeitung darüber schrieb: "Zwei Mann könnten ganz Fechenheim beheizen" denn da sowohl die Beschickung mit Koks als auch die Entschlackung automatisch über Becherwerke, Bandförderer usw. geschehen, genügen zur Bedienung der Kokskesselanlage zwei Mann; sie haben praktisch nur die Aufsicht zu führen.

Steuerungsanlage des Kokskesselhauses

 
Quelle: F.Lerner: " Frankfurt am Main und seine Wirtschaft", Ammelburg-Verlag 1958
frankfurt baut auf