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ott & heinemann.  
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Besonderen Schwierigkeiten sah sich das Konfektionshaus OTT & HEINEMANN beim Wiederaufbau gegenüber. Sein Gebäude auf der Zeil-Südseite an der Ecke der Liebfrauenstraße war bei den Luftangriffen 1944 zu 80% zerstört worden. Mitten in den Trümmern konnte es als erstes Geschäft auf der Zeil schon im Mai 1945 den Verkauf wieder aufnehmen. Zunächst bestand jedoch die Kriegsbetriebsgemeinschaft mit der Firma Köster, die 1942 eingegangen worden war, weiter, und damit hatte das Unternehmen den Charakter eines Kaufhauses. Erst im Mai 1947 trennten sich die beiden Firmen wieder, und Ott & Heinemann waren nun wieder Herr im eigenen Hause. Trotz der sofort unter Mithilfe der Mitarbeiter begonnenen Aufräumungsarbeiten konnten vorerst nur die gröbsten Schäden beseitigt und die Verkaufsfläche ganz allmählich vergrößert werden. Solange das Punktsystem fortdauerte, war ohnedies kein großer Umsatz möglich. Lediglich der Verkauf von Windjacken und Brotbeuteln aus Wehrmachtbeständen brachte etwas Belebung, ohne daß auch in diesen Artikeln die Nachfrage befriedigt werden konnte.

Mit der Währungsreform setzte das Konfektionsgeschäft sofort stark ein. Das Punktsystem verlor sich längst vor seiner offiziellen Aufhebung im Sande. Nun galten ja wieder reale Werte. Der allgemeine Nachholbedarf der Kundschaft erwies sich als sehr groß. Darum lag die Hauptschwierigkeit in den Jahren 1948 bis 195o im Einkauf und der Materialbeschaffung. Hier kamen Ott & Heinemann ihre guten, alten Geschäftsbeziehungen zu den Lieferanten zugute. Vor allem war es sehr günstig, daß die Aschaffenburger Konfektion in der nächsten Nachbarschaft Frankfurts und zudem in der gleichen Besatzungszone ansässig war. Allerdings bildete anfänglich die bayerische Landesgrenze bei Kahl ein ernstliches Hindernis, das mit viel Mühe überwunden werden mußte. Seit 1950 ging das Haus dann auch zu einem stärkeren Ausbau seiner Abteilungen für Damen- und Kinderkonfektion über. Während es vor dem zweiten Weltkrieg nur Mäntel und Kostüme für Damen geführt hatte, nahm es nun auch Kleider, Blusen und Röcke für Damen in sein Verkaufsprogramm auf und entwickelte entsprechend in der Kinderabteilung auch die Mädchenkonfektion. Seitdem haben sich Herren- und Damenkonfektion im Umsatz als etwa gleichbedeutend erwiesen.

Modell des neuen Kaufhauses auf der Zeil

1950 konnten Ott & Heinemann mit dem Wiederaufbau ihres Hauses beginnen. Sie hatten sich dafür einen Plan fertig ausarbeiten lassen und wollten ihn gern im gleichen Tempo wie die Konkurrenz verwirklichen. Doch der zügigen Bauausführung standen jahrelang die größten Hindernisse im Wege. Zunächst durfte überhaupt nur der Gebäudeflügel an der Liebfrauenstraße Stock für Stock aufgebaut werden. Auf der Südseite der Zeil lag dagegen Bauverbot. Seitdem der Architekt Wolf Drevermann am 13. August 1949 in der "Frankfurter Rundschau" den Vorschlag einer Verbreiterung der Zeil zugunsten des rollenden Verkehrs entwickelt hatte, wurde dies Thema lebhaft diskutiert. Die Stadtverwaltung, insbesondere Stadtrat Miersch, griff den Gedanken auf. Eine Interessengemeinschaft der davon betroffenen Grundstücksbesitzer kämpfte dagegen an. Jahre vergingen, bis die neuen Fluchtlinienpläne festgesetzt wurden und Rechtskraft erlangten. Schließlich konnte die Stadt Sommer 1957 den Verkehrsumbau im wesentlichen vollenden. Ob die damit geschaffene breite Straßenflucht von der Konstablerwache bis zum Opernhaus wirklich das hält, was sich ihre Befürworter und Schöpfer davon versprachen, wird erst die Zukunft lehren. Als Geschäftsstraße ist die Hauptader der Frankfurter City damit in eine Nord- und Südhälfte getrennt worden, über die nur wenige Übergänge für die Fußgänger, die Kunden und Käufer der Einzelhandelsgeschäfte, führen. In Tagen des großen Geschäftsverkehrs, wie z.B. an den Sonntagen vor Weihnachten, wird die Zeil auch in Zukunft für den rollenden Verkehr gesperrt werden müssen.

Das Bauverbot traf Ott & Heinemann empfindlich und hielt die Fertigstellung ihres Wiederaufbaues fünf Jahre auf. Erst im Mai 1955 konnten sie an der Zeilfront beginnen und mußten hier einen großen Teil ihres Hauses auf Arkaden stellen, so daß die Verkaufsfläche im Erdgeschoß verkleinert wurde. Zugleich war es jedoch möglich, diesen vordersten Gebäudeabschnitt in Form einer Schaufensterpassage dem breiten Strom der Passanten zu öffnen. So konnte mit erheblichen Modifikationen doch noch der ursprüngliche Plan für die Neugestaltung des Geschäftshauses verwirklicht werden. Dank gründlicher Vorbereitung wurde der Umbau so ausgeführt, daß dadurch die Verkaufstätigkeit kaum beeinträchtigt wurde. Im letzten Abschnitt allerdings mußte man die ganze Belegschaft für einige Tage in Urlaub schicken und das Haus schließen, um es dann im gänzlich neugestalteten Gewande der Öffentlichkeit übergeben zu können. An seiner Stirnseite verkündet nun ein Wappen den Wahlspruch von Ott & Heinemann: "Wir führen Qualität im Schilde." Seine strikte Beobachtung hat sich gelohnt.

Im Umsatz konnte das Unternehmen seine Vorkriegserfolge etwa verdoppeln. Es liegt damit über dem Durchschnitt vergleichbarer Häuser. Dazu trugen seine Filialen nicht unwesentlich bei. In der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg waren Ott & Heinemann nur in Höchst vertreten. Neben dieser fortgeführten Filiale haben sie sich in den Nachkriegsjahren auch Niederlassungen inWetzlar, Hanau und Offenbach angegliedert, die zu den führenden Geschäften an diesen Plätzen gehören. Dadurch konnte die Beeinträchtigung beim Wiederaufbau des Frankfurter Hauptgeschäftes weitgehend ausgeglichen werden. Im übrigen wohnt ein gutes Drittel der Stammkundschaft des Frankfurter Hauses außerhalb der Stadt in deren weitem Umkreise.

Den Bedürfnissen und Wünschen der Kunden entgegenkommend, haben Ott & Heinemann ein breites Sortiment entwickelt. Sie konnten dabei feststellen, daß die Käuferschicht für Konfektion bei steigenden Anforderungen an deren Qualität von Jahr zu Jahr größer wurde. Ebenso mußte die Maßschneiderei für Damen und Herren seit der Währungsreform wesentlich ausgebaut werden. Stets wurde neben der ausgesprochen modischen Eleganz vor allem die gute, solide Note in der Bekleidung gepflegt und auch dem Kunden mit kleinem Geldbeutel eine entsprechende Auswahl geboten. Diese Vereinigung vom ein fachgediegenen Kleidungsstück bis zu den Spitzenleistungen der Maßkonfektion hat den traditionellen Ruf des Hauses neu befestigt.

Ott & Heinemann beschäftigen heute rund 700 Mitarbeiter, von denen viele seit langen Jahren im Hause tätig sind. In einer Ruhegeldordnung wurden ihnen verbindlich eine Alters- oder Invalidenversorgung zugesagt. Im übrigen gewährt das Haus die brancheüblichen, freiwilligen sozialen Leistungen. Eine Kantine, zu der die Firma erhebliche Mittel für Mittagessen beisteuert, wurde ebenfalls eingerichtet.

Aus privater Liebhaberei unterhält der Mitinhaber Heinemann auf dem Dach des Neubaues wie ehedem auf dem alten Hause einen Taubenschlag. Die Schwärme seiner rund 2oo Brieftauben, von denen eine 1956 die Strecke von Narbonne bis Frankfurt durchflog, gehören zum Bilde der Frankfurter Innenstadt und haben schon manchen Betrachter verwundert aufblicken lassen. Und doch ist diese Verbindung im gewissen Sinne symbolhaft; denn das in Stadt und Land bekannte Bekleidungshaus stellt auch in seinem Erdgeschoß eine Art Taubenschlag dar, zu dem die Kunden immer wieder gern zurückkehren, weil es hält, was es verspricht.

 
Quelle: F.Lerner: " Frankfurt am Main und seine Wirtschaft", Ammelburg-Verlag 1958
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