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Im Großhandel mit Stahl und Eisen repräsentiert
die Firma PASSAVANT & ZICKWOLFF;
die Tradition von einem Vierteljahrtausend. Das heutige Unternehmen
kam 1931 durch den Zusammenschluß zweier unabhängiger
Häuser zustande: die Firma Philipp Passavant & Sohn bestand
damals schon über 125 Jahre und befand sich im Besitz der Nachkommen
ihres Begründers -die Altfrankfurter Großkaufmannsfamilie
Passavant ist auch heute noch maßgeblich an dem Unternehmen
beteiligt-, während die in ihren Anfängen bis ins 7. Jahrhundert
zurückreichende Firma J.A.Zickwolff seit 1911 gemeinsam von
den Schwägern Anton Schmidt-Polex und Willy C.Osterrieth geführt
wurde. Die in der Wirtschaftskrise stetig wachsende Konkurrenz der
Werkhandelsfirmen der Schwerindustrie am Platz Frankfurt wie im
ganzen Absatzgebiet der beiden alten Handelshäuser hatte diesen
die Fusion nahegelegt. Die Partnerschaft brachte eine bedeutende
Ausdehnung der Geschäfte, weil die Zusammenfassung der beiden
großen, in vielen Jahrzehnten aufgebauten Kundenkreise günstigere
Einkaufsmöglichkeiten und eine rationellere Bedienung der bearbeiteten
Bezirke in Süd- und Mitteldeutschland erlaubte. In den dreißiger
Jahren erlebte der Eisengroßhandel zunächst einen spürbaren
Aufschwung, bis infolge der Aufrüstungspolitik der Gewaltherrschaft
die Periode der "Engpässe" und der Eisenkontingentierung
den Handel immer mehr zum bloßen Verteiler degradierte.
Der Luftkrieg traf das traditionsreiche Unternehmen
besonders schwer. Die alten Geschäftshäuser an der Ostendstraße
und in der Stiftstraße sanken in Schutt und Asche. Das Hauptlager
in der Kleyerstraße blieb auch nicht unverschont. In einem
Wohnhaus des Westends fand die Geschäftsleitung eine bescheidene
Unterkunft, während die Kundschaft von primitiven Ausweichlagern
in und um Frankfurt notdürftig bedient werden mußte.
Allerdings war ja in den Jahren 1944 und 1945 auch nicht mehr viel
an Ware da, geschweige denn hereinzubekommen. So retteten Passavant-Zickwolff
aus der großen Katastrophe eigentlich nur den alten, guten
Namen ihrer vereinigten Firmen. Dennoch ließen sich Geschäftsinhaber
und Mitarbeiter nicht entmutigen. "Es geht weiter! Wir fangen
halt wieder von vorne an!" Mit diesem Wort, das W.C.Osterrieth
in trübster Stunde sprach, begann man mit dem Aufräumen
des Lagers Kleyerstraße.
Sobald man genug Platz geschaffen hatte, wurde eine Baracke für
das Büro aufgestellt. Es war alles recht bescheiden und eng,
gewiß, doch die Anhänglichkeit der alten Mitarbeiter
erleichterte vieles. Im Spätsommer 1945 erhielt das Unternehmen
dann die Lizenz zur Fortführung seines Geschäftes, doch
das war nur eine formale Starthilfe. In förmlichen Erkundungsfahrten,
die dank der großen Verkehrsschwierigkeiten außerordentlich
anstrengend waren, mußten die Kunden im weiten Hessenland
und dann im ganzen süddeutschen Raum erst wieder aufgespürt
werden. Viele von ihnen waren von den Kriegsereignissen getroffen
worden, ihre Betriebe zerstört, verlagert oder stillgelegt.
Ganz Thüringen und Westsachsen, ehedem wichtige Absatzgebiete
von P-Z, gehörten nun zur sowjetischen Besatzungszone und waren
damit für den Wiederaufbau des Unternehmens vorerst ausgeschaltet.
Es war wirklich ein Neubeginn, noch mehr erschwert durch den blühenden
Schwarzhandel mit den überall so begehrten Eisen- und Stahlwaren.
Was der redliche Kaufmann trotz aller Anstrengungen nur in bescheidensten
Mengen heranschaffen konnte, das lieferten dunkle Geschäftemacher
auf dem Tauschwege, und wenn die allenthalben für die Instandsetzung
oder den allmählich einsetzenden Wiederaufbau der im Kriege
beschädigten Gebäude benötigten Eisenträger,
Profile, Bleche und Nägel noch so knapp waren.
Während die Bauwirtschaft im Frankfurter Raum
schon vor der Währungsreform durch die Zweizonen-Bauaktion
in steigendem Maße Stahl und Baueisen benötigte und nicht
mit den aus den Trümmern geborgenen Mengen auskam, liefen die
Produktionsbetriebe der westdeutschen Schwerindustrie nur sehr allmählich
an. Der Großhandel, auch ein unabhängiges Unternehmen
wie Passavant-Zickwolff, hatte einen schweren Stand zwischen der
Nachfrage seiner Kunden und den zögernden Lieferungen der Produzenten.
Die Eisenbewirtschaftung dauerte ja über die Währungsreform
hinaus an und erleichterte den Geschäftsverkehr keineswegs.
Und doch ging es allen Widerständen zum Trotz aufwärts,
die Umsätze stiegen und das alte Unternehmen gewann zusehends
seine Bedeutung wieder. Schon allein die Tatsache, daß der
vertraute Name wieder am Markt erschien und in den ihm verbliebenen
Absatzgebieten seinen alten Ruf der soliden, zuverlässigen
Bedienung zu wahren trachtete, bedeutete für viele, treue Kunden
den Beweis, daß die westdeutsche Wirtschaft wieder auf die
Beine kam und die Frankfurter Tradition fortlebte. Und doch war
in diesen ersten fünf Jahren nach dem Ende des zweiten Weltkrieges
von allen Mitarbeitern wie den Inhabern ein hartes Stück Arbeit
zu leisten, hieß es immer wieder unverdrossen auszuharren
und den Mut nicht sinken zu lassen, mußte um jeden Auftrag
und noch mehr um jede Lieferung gerungen werden. Als es dann aber
endlich wieder Ware gab, war auch im Verkauf der Wettbewerb wieder
gegeben. Der Aufbau des Geschäftes und sein Ausbau im Zuge
des Konjunkturaufstieges wie die stete Ausweitung in der Hochkonjunktur
fielen Passavant-Zickwolff wahrlich nicht in den Schoß. Der
in Generationen erworbene Ruf des Unternehmens war gewißlich
eine Starthilfe; er erweckte überall das Vertrauen, daß
ihm auch entsprechende Leistungen, insbesondere die alte Lieferbereitschaft
und die bekannte Kulanz in der Abwicklung der Geschäfte folgten,
und das verpflichtete zu besonderen Anstrengungen. Tradition ist
eben kein Ruhekissen, sondern eher ein Sprungbrett, das nur der
mit Erfolg betreten kann, der durch sein Können überzeugt.
P-Z hat dies vor allem der Fleiß seiner Mitarbeiter und das
unablässige Bemühen der Inhaber erlaubt.
In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen hatte
Anton Schmidt-Polex einen guten Teil seiner Arbeitskraft dem Aufbau
und der Leitung der Fachverbände gewidmet, bis sie "gleichgeschaltet"
wurden. Nach dem Zusammenbruch stellte W.C.Osterrieth bei der Wiedererrichtung
der freien Organisationen des Handels seine Mithilfe zur Verfügung.
Schon 1947 übernahm er den Vorsitz in der Fachabteilung Eisen
des neugebildeten Landesverbandes des Großhandels. Noch im
gleichen Jahr wurde er als Schatzmeister in dessen Vor stand berufen
und kurz darauf in den Beirat der Industrie- und Handelskammer Frankfurt
gewählt und bei dessen Konstituierung zum Vizepräsidenten
bestellt. Die selbstlose Mitarbeit fand hohe Anerkennung.
Der Neubau eines schlichten, zweckentsprechenden
Verwaltungsgebäudes in der Kleyerstraße
7-9, der 1951 errichtet werden konnte, war der sichtbare
Ausdruck der Wiedergeburt des alten Unternehmens aus den ihm 1945
verbliebenen Trümmern. Anton Schmidt-Polex, der trotz seiner
Zuversicht dies noch 1947 kaum für möglich gehalten hatte,
durfte die Einweihung des neuen Hauses noch erleben. Hochbetagt
schloß er im November 1953 seine Augen für immer. Im
Juni 1957 folgte ihm auch W.C.Osterrieth, nun ebenfalls schon ein
hoher Siebziger. Inzwischen sind jüngere Mitglieder der Familien
Passavant und Osterrieth an ihre Stelle getreten.
Als am Neujahrstag 1956 die Firma Passavant-Zickwolff
auf ein Vierteljahrhundert seit ihrer Fusion zurückblicken
konnte, gab es im Kreise ihrer Mitarbeiter immerhin 29 Männer
und Frauen, die jenes denkwürdige Ereignis miterlebt hatten.
Drei waren damals schon über 5o Jahre, sieben weitere mehr
als vierzig und die übrigen 19 mehr als 25 Jahre bei den vereinten
Firmen tätig. Diese langjährige Verbundenheit zwischen
Inhabern und Belegschaft, die auf einer harmonischen Übereinstimmung
in der Zielsetzung beruht, war eine wertvolle Voraussetzung für
den Wiederaufbau. Dennoch bedeutet das nicht, daß so alte
Familienunternehmen durch ein überaltertes Personal in ihrer
Wendigkeit behindert sein müssen. Bei P-Z gibt es unter seinen
heutigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern selbstverständlich
auch genug junge Leute und gerade die im Betrieb Altgewordenen wissen
selbst am besten, wieviel sich seit ihrer Lehrzeit im Hause und
in der Branche geändert hat. Ihre reichen Erfahrungen kommen
darum vor allem dem Nachwuchs zugute, auf dessen Ausbildung alte
Handelshäuser von jeher besonderen Wert gelegt haben. Auch
bei P-Z gehört das zur Tradition.
Im übrigen sorgt der Wettbewerb dafür,
daß man mit der Zeit geht. Wo ehedem kaum ein Dutzend Eisengroßhandlungen
in kollegialer Zusammenarbeit den Markt bediente, werben heute am
Platz Frankfurt mehr als doppelt so viel um die Aufträge. Es
war gar nicht so einfach, ein gutes und lohnendes Geschäft
wiederaufzubauen, den durch den Krieg und seine Folgen zusammengeschmolzenen
Kundenstamm durch die Gewinnung neuer Abnehmer bedeutend zu erweitern
und die Absatzorganisation so auszugestalten, daß sie unter
den heutigen Bedingungen eine rentable Arbeit erlaubt. Noch vor
einem Jahrhundert bedienten die beiden alten Frankfurter Firmen
den französischen Markt mit und hatten ein weites Betätigungsfeld.
Heute haben sie ihre vereinte Kraft auf den Wirtschaftsraum Frankfurts
sowie auf West- und Süddeutschland konzentriert. Dabei ist
das Geschäft nicht kleiner, sondern wesentlich größer
geworden auch gegenüber den Zeiten vor dem zweiten Weltkrieg.
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