zur dokumentation

dokumentation zur nachkriegszeit
frankfurter maschinenbau ag (vorm. pokorny & wittekind, fma pokorny).  
home

Schon um die Jahrhundertwende besaß die FRANKFURTER MASCHINENBAU A.G. vorm. POKORNY & WITTEKIND (FMA Pokorny) Weltruf auf dem Gebiet des Groß-Kompressorenbaus. Dazu gesellte sich bald auch die Fabrikation von Druckluftwerkzeugen. Dennoch ergaben sich nach dem Ende des zweiten Weltkrieges erhebliche Schwierigkeiten bei der Wiederaufnahme des alten Fabrikationsprogramms. Der Betrieb lag zunächst still und konnte seine Arbeit erst am 1. Juli 1945 wieder beginnen. Die Betriebsgebäude hatten im Bombenkrieg recht erhebliche Schäden davongetragen. Das bewegliche Vermögen des Unternehmens war sogar zu 85% vernichtet worden. Darum mußte es seine gesamten Anstrengungen auf den Ersatz dieser Verluste konzentrieren. Die Beseitigung der Gebäudeschäden wurde zurückgestellt und erst im Laufe der Jahre schrittweise vorgenommen. Im Vordergrund stand die Ausrüstung der Werkstätten mit neuzeitlichen Werkzeugmaschinen. Dafür wurde ein langfristiges Beschaffungsprogramm aufgestellt und konsequent durchgeführt. Hand in Hand damit ging die Wiederherstellung der Abteilungen für Versuche und Entwicklungsarbeiten, der Prüfstände und Laboratorien. Das alles war erst seit der Währungsreform möglich und erforderte Jahre hindurch die Investition aller dafür verfügbaren Erträge. Wegen der drückenden Steuerlasten konnte der selbstfinanzierte Wiederaufbau nur etappenweise ermöglicht werden. Doch das Ziel war gegeben: es galt die Spitzenstellung und den Ruf der Vorkriegszeit erneut zu befestigen.

Pokorny Werk in Frankfurt

Zu den bisher gebauten Kompressoren mit Wasserkühlung kamen nun die luftgekühlten Kompressoren für ortsfeste, ortsbewegliche und fahrbare Verwendung. Die dafür entwickelte Typenreihe "robot" brachte dann auch die erhofften Erfolge. Bis es aber soweit war, mußten Jahre harter Aufbauarbeit überwunden werden. Vor der Währungsreform fehlte es eigentlich an allem, insbesondere an Rohstoffen. Reparaturarbeiten und bescheidene Fertigungen bildeten neben der Instandsetzung der eigenen Betriebseinrichtungen die Beschäftigung der nur langsam wachsenden Mitarbeiterschar. Auch nach dem 2o. Juni 1948 gab es noch viele Schwierigkeiten. Die Aufträge gingen schleppend ein und die Stagnation hielt bis zur Koreakrise an. Erst im Zusammenhang damit und vor allem durch einen großen Auftrag aus Südamerika, der im Oktober 195o erteilt wurde, erhielt das Unternehmen einen kräftigen Auftrieb. Im Jahre 1951 hielt der Geschäftsaufschwung an und erlaubte in zunehmenden Maße den Übergang zur Serienfertigung in wirtschaftlichen Auflagen. Durch den Metallarbeiterstreik im Herbst dieses Jahres ging allerdings eine volle Monatsproduktion verloren, ohne daß dadurch die Aufwärtsentwicklung der Umsätze abgebremst wurde. Erst im Laufe des Jahres 1952 konnten die Auftragsüberhänge der beiden Vorjahre abgebaut werden. Im Inlandsgeschäft konnte das Unternehmen seine Position erfolgreich ausbauen. Auch die Exportumsätze, die sich seit 1950 trotz des heftigen Konkurrenzkampfes am Weltmarkt und der Abschließung einer Anzahl von früheren Absatzländern ständig vermehrt hatten, stiegen weiter an. FMA Pokorny hatte inzwischen seine Verkaufsorganisation so weit wieder aufgebaut, daß in 30 Staaten Vertretungen unterhalten wurden. Ein langfristiger Kredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau, der Ende 1952 gewährt wurde, erlaubte die verstärkte Durchführung des Programms zur Erneuerung der eigenen Werkzeugmaschinen. Auch im Jahre 1953 setzte sich die Aufwärtsentwicklung fort, allerdings waren die Aufträge im In- wie Auslande nun stärker umkämpft, die Lieferfristen mußten verkürzt und neue Absatzmöglichkeiten aufgespürt werden.

Nach gründlichen Vorbereitungen und gestützt auf die systematische Erneuerung des eigenen Maschinenparks konnte das Unternehmen im Sommer 1954 die neuen Typen seiner luftgekühlten Kompressoren und eine Reihe neuer schlagender und drehender Druckluftwerkzeuge auf den Markt bringen. Die in den Jahren zuvor geübte Zurückhaltung und sorgfältige Beobachtung der technischen Entwicklung trug nun ihre Früchte. Das neue Verkaufsprogramm, das dem letzten Stand der Technik entsprach und durch eine intensive Marktpflege unterstützt wurde, brachte bald eine merkliche Geschäftsbelebung. Auch die Exporte nahmen trotz der Beeinträchtigung durch niedrige Konkurrenzpreise und die hemmenden Vorschriften mancher Staaten beträchtlich zu. Mit einer Erhöhung um 28% gegenüber dem Vorjahr lag die Gesellschaft weit über dem Durchschnitt. Auch in den Jahren 1955 und 1956 hielten die erfreuliche Absatzausweitung und die Ausdehnung der Exporte an. Im In- und Ausland konnten neue Geschäftsverbindungen angeknüpft werden. Insbesondere das Tiefbaugewerbe nahm nach wie vor die Produktion der FMA Pokorny bereitwillig auf. Dadurch ist das Unternehmen bis zu einem bestimmten Grad von der Entwicklung auf dem Baumarkt abhängig geworden. Da der Tiefbau jedoch von der konjunkturpolitischen Drosselung nicht berührt wurde, sondern weiter eine Zunahme seiner Beschäftigung erfuhr, stiegen auch die Umsätze der Frankfurter Maschinenbau AG in den von ihm benötigten Spezialwerkzeugen und luftgekühlten Kompressoren. Diese Ausweitung des Geschäftsvolumens hielt 1957 weiter an.

Inzwischen wirkte sich auch eine Veränderung in den Besitzverhältnissen des Unternehmens umsatzbelebend aus. Im Laufe des Jahres 1955 erwarb die DEMAG AG die Aktienmehrheit und gliederte damit die Frankfurter Gesellschaft, an der sie schon seit vielen Jahren beteiligt war, in ihren Konzern ein. Da die Fabrikationsprogramme teilweise gleichartig sind, ergaben sich für beide Unternehmen aus dieser Verbindung Vorteile.

Die Belegschaft, die 1935 die Zahl von 5oo Beschäftigten überschritt, erreichte im Jahre 1954 eine Stärke von 65o Köpfen. Dem Nachwuchs an Facharbeitern widmete das Unternehmen im Rahmen seines Wiederaufbaues besondere Aufmerksamkeit. Hand in Hand mit der Rationalisierung der Betriebseinrichtungen wurde die Ausbildung einer Reihe befähigter Lehrlinge auf lange Sicht betrieben. Dozenten der Staatlichen Ingenieurschule hielten im Betrieb besondere Lehrgänge ab. Die Lehrlinge und eine Juniorengruppe der Facharbeiter schlossen sich enger zusammen und schufen sich in einer eigenen Zeitschrift ein Organ. Das Unternehmen unterstützte diese Bestrebungen tatkräftig und entsandte darüber hinaus laufend seine Lehrlinge zu Jugendfreizeiten und auf eine Sportschule. Neben dem Nachwuchs an Facharbeitern galt die Sorge auch den jungen Angestellten. Die Selbstverwaltung innerhalb der Juniorengruppe trug schöne Früchte. Selbstverständlich vergaß die Betriebsleitung darüber ihre alten, treuen Mitarbeiter nicht. Mit über 150 Jubilaren, die mehr als 25 Jahre im Werk tätig sind, ist der Anteil des erprobten Stammes beachtlich groß. Die Jubiläen der Mitarbeiter wurden alljährlich in diesem Kreise festlich begangen. Jubiläumsgaben waren die Anerkennung für die in vielen Jahren bewährten Männer. Daneben wurde die Unterstützungskasse wieder aufgebaut. Die Alterssicherung der Mitarbeiter soll damit gefördert werden. Zunächst erlaubten die verfügbaren Rücklagen nur eine relativ bescheidene Unterstützung der Pensionäre. Immerhin war es bereits im Geschäftsjahr 1954 möglich, auch eine Witwenrente einzuführen. So erreichten die freiwilligen sozialen Aufwendungen des Unternehmens fast Jahr für Jahr eine beachtliche Höhe, die nur wenig hinter derjenigen der gesetzlichen Beiträge für die Sozialversicherungen zurückblieb.

oben: schallgedämpfte Kompressoren der FMA Pokorny im Einsatz beim U-Bahnbau

 

Seit 1938 besitzt die FMA Pokorny die Geschäftsanteile der MASCHINENFABRIK vorm. PH. MAYFARTH & CO. GMBH. Dieses in Frankfurt-Fechenheim ansässige Unternehmen ist mit seiner Gießerei ein wichtiger Zulieferer der Muttergesellschaft. In seiner Maschinenfabrik baut es Spezialmaschinen nach eigenem Programm. Im Gegensatz zu dem am Westbahnhof an sich recht exponierten Werk von FMA Pokorny verlor Mayfarth durch die Kriegsereignisse den größten Teil seiner Gebäude, nur die Gießerei blieb erhalten. Bis 1955 mußte daher die Produktion von Maschinen in gemieteten Räumen betrieben werden. Erst dann konnten Neubauten für die drei im Kriege zerstörten Werkshallen errichtet worden. So lange zog sich auch ein Restitutionsverfahren hin, das schließlich durch einen Vergleich unter den Beteiligten beendet wurde.

Die Maschinenfabrik Mayfarth -bis 1938 eine Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen und dann auf Wehrmachtsaufträge umgestellt- mußte sich nach dem Kriege einem neuen Fabrikationsprogramm zuwenden. Dazu war naturgemäß eine längere Anlaufzeit erforderlich. Die Herstellung von Buchdruckschnellpressen erreichte bereits im Jahre 1951 einen beachtlichen Umfang. Dagegen blieb die Aufnahme von Müllereimaschinen bei den Kunden hinter den Erwartungen zurück. 1952 gab es bei den Druckereimaschinen Rückschläge, und erst im folgenden Jahre war die Fertigung endgültig aus dem Versuchs- und Anlaufstadium herausgewachsen. Seitdem hat sich der Auftragseingang von Jahr zu Jahr günstiger entwickelt. Auch die Herstellung von Lokomotiv-Speisewasserpumpen für die Bundesbahn wurde im Laufe der Zeit ein wichtiger Bestandteil des Fabrikationsprogramms von Mayfarth. 1954 bis 1957 wurden die Gießerei-Einrichtungen erneuert und ausgebaut sowie eine Verbesserung der gesamten maschinellen Betriebseinrichtungen in Angriff genommen. 1956 wurden zur Erhöhung der voll ausgenutzten Kapazität und zur Schaffung eines entwicklungsfähigen Produktionsprogrammes der Mayfarth sämtliche Anteile der GIESSEREI UND WERKZEUGMASCHINEN GMBH in Frankfurt-Höchst erworben. FMA Pokorny ist seitdem im Besitz von drei verschiedenen Betriebsstätten im Frankfurter Raum. Die ganz unterschiedlichen und doch miteinander teilweise verbundenen Fabrikationsprogramme dieser Werke verdeutlichen beispielhaft die weitgehende Spezialisierung der Maschinenbauanstalten Frankfurts.

 
Quelle: F.Lerner: " Frankfurt am Main und seine Wirtschaft", Ammelburg-Verlag 1958
frankfurt baut auf