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Berichtszeitraum: 1945-65

 

Betrachtet man die Entwicklung der städtischen Presse- und Informationsarbeit in den letzten zwanzig Jahren, so muß ihre Bedeutung im Zusammenhang mit der Pflicht einer demokratischen Selbstverwaltung zur laufenden Unterrichtung der Presse und der Bürger gesehen werden. In diesem Sinne wuchs das Aufgabengebiet ständig an. Ein Indiz dafür ist bereits die Veränderung des Namens der für den Kontakt mit Presse und Öffentlichkeit zuständigen Stelle: zuerst Pressestelle, dann Presseamt und schließlich Presse- und Informationsamt.

Drei Faktoren bestimmen diese Ausweitung der Arbeit des Amtes. Die Zahl der Frankfurter Zeitungen ist mit vier Tageszeitungen, zwei Abendzeitungen und einer Vielzahl von Vorortblättern sehr hoch. In Frankfurt haben heute zwei amerikanische Nachrichtenagenturen ihren Sitz. Wegen der zentralen Bedeutung der Stadt gibt es eine ganze Reihe von Redaktionsvertretungen bedeutender in- und ausländischer Zeitungen. All dies bedeutet eine ständige Steigerung der zu haltenden Kontakte und des bereitzustellenden Pressematerials.

Zum Zweiten sind neue Medien der Meinungs- und Nachrichtenübermittlung hinzugekommen, wie etwa das Fernsehen. Schließlich erwies es sich durch das Anwachsen der Verwaltungsaufgaben und die damit oft verbundene Unüberschaubarkeit des kommunalen Bereiches, durch die Anonymität der Großstadt und die daraus resultierende Entfremdung des Bürgers zu seiner Stadt als nötig, neue Wege der Information des Bürgers - durch die sogenannte Öffentlichkeitsarbeit -zu beschreiten. Für den Bereich des Presse- und Informationswesens kann so eine stete Zunahme der Arbeitsaufgaben verzeichnet werden. Zum Aufgabenbereich des Amtes gehören heute: Auskünfte an die Presse, Herausgabe eines täglichen Pressedienstes, Herausgabe des Städtischen Mitteilungsblattes, Pressekonferenzen, Pressebesichtigungen, Zeitungsauswertung, Anzeigenaufträge, Pressemappen, Informationsbroschüren, Informationsausstellungen, Produktion von Filmen über kommunale Probleme sowie von Dia- und Tonbildserien, Vorbereitung und Auswertung von Bürgerversammlungen, Koordinierung der städtischen Öffentlichkeitsarbeit, Durchführung der jährlichen Tage der offenen Tür und weitere Arbeitsbereiche.

Die ersten Jahre nach 1945

In den ersten Monaten nach dem Kriegsende 1945 gab es eine eigentliche Pressearbeit bei der Stadtverwaltung noch nicht wieder. Sehr bald aber erschienen die "Mitteilungen der Stadtverwaltung Frankfurt am Main" mit allen wichtigen Bekanntmachungen der Militärregierung. Die Mitteilungen wurden vom Oberbürgermeister herausgegeben, die Veröffentlichung erfolgte mit Genehmigung der Militärregierung. Die erste Nummer erschien am 10.Juli 1945. Nachdruck wurde erbeten.

Beim Hauptverwaltungsamt wurde dann 1946 als Abteilung eine Pressestelle eingerichtet. Ihre Aufgabe war die Herstellung eines engen Kontaktes zwischen Stadtverwaltung und Öffentlichkeit, und zwar sowohl durch möglichst weitgehende Information von Presse und Rundfunk über die Vorgänge in der Stadtverwaltung als auch durch Unterrichtung des Magistrats und der Amts- und Dienststellen über die Vorgänge und die Stimmung in der Öffentlichkeit. Der Pressestelle oblag damals auch die Protokollführung und die Aufnahme der Bürgerrats- und Stadtverordnetensitzungen sowie die Erstattung von Wochenberichten für die Militärregierung. Nach dem Amtsantritt von Oberbürgermeister Dr.Walter Kolb am 1.September 1946 wurde durch Magistratsbeschluß vom 27.September 1946 eine besondere Presse- und Werbestelle bei der Stadtkanzlei eingerichtet. Sie wurde mit Magistratsbeschluß vom 28.4.1947 in "Städtische Pressestelle" umbenannt.

Die weitere Entwicklung

Die weitere Entwicklung wird durch einen Wechsel im Dezernat gekennzeichnet. War von 1946 bis 1950 das ehrenamtliche Magistratsmitglied Fritz Fay Dezernent der Pressestelle, so übernimmt ab 24.April 1950 Oberbürgermeister Dr.Kolb die Dezernatsgeschäfte der Pressestelle. Ohne Zweifel lag in dieser direkten Zuordnung zum Dezernatsbereich des Oberbürgermeisters eine Anerkennung der zentralen kommunalen Bedeutung der städtischen Pressearbeit. Seit damals ist der jeweilige Oberbürgermeister Dezernent des Amtes.

Durch Rundverfügung vom 27.Juni 1951 - damals enthielt die HGO noch keine Bestimmungen über die Pressearbeit der Städte - werden die Aufgaben der Pressestelle umrissen. Danach ist die Pressestelle die Zentralstelle für Veröffentlichungen der Stadtverwaltung. Der gesamte Verkehr der Stadtverwaltung mit der Presse soll ausschließlich durch die Pressestelle vermittelt werden..

Einige Beispiele mögen die wachsenden Aufgaben städtischer Pressearbeit kennzeichnen. Ab 1.April 1948 tritt der Oberbürgermeister nicht mehr als Herausgeber des Städtischen Mitteilungsblattes auf. Verlag und Redaktion liegen von diesem Zeitpunkt an bei der Pressestelle. Das Mitteilungsblatt, das wöchentlich jeden Samstag erscheint, hat im Jahre 1947 eine Gesamtseitenzahl von 182 Seiten. Das Anwachsen amtlicher Bekanntmachungen und die Aufnahme von für die spätere Stadtgeschichte wichtigen Ereignissen führt zu einer Zunahme der Seitenzahl, die jetzt bei jährlich 500 liegt.

Seit 1946 wird ein Pressedienst herausgegeben. Er erscheint heute fast jeden Tag. Die Zahl der Meldungen, aber auch der Bezieher ist gestiegen. Im Jahre 1964 ging dieser Dienst an bis zu 170 Redaktionen oder freie Mitarbeiter. Er erschien an 211 Tagen bei einem durchschnittlichen Tagesumfang von 5 Meldungen. Ähnlich vergrößerte sich ständig das aus bescheidenen Anfangen entwickelte Pressearchiv, das heute mit tausend nach Sach- und Personendaten untergliederten Presseausschnitten wichtiges Material liefert. Wurden in der Zeit nach dem Zusammenbruch nur 30 Zeitungen durch die Pressestelle ausgewertet, so sind es heute 90 Zeitungen, die laufend durchgesehen und im Hinblick auf das Archiv sowie die Wünsche der Dezernenten und Ämter verwendet werden. Die Zahl der Beispiele ließe sich an Hand der anderen Aufgabenbereiche fortsetzen. Die steigenden Aufgaben finden ihren Niederschlag auch in der äußeren verwaltungsmäßigen Form. Durch Magistratsbeschluß wird die Pressestelle vom November 1954 an in "Presseamt der Stadt Frankfurt am Main" umbenannt. Verwaltungsmäßig wird allerdings das neue Amt weiterhin von der Stadtkanzlei betreut.

Mit Wirkung vom 1.Januar 1963 werden städtisches Presseamt und Büro für Öffentlichkeitsarbeit - beide gehörten zum Dezernat des Oberbürgermeisters - in einem "Presse- und Informationsamt der Stadt Frankfurt am Main" zusammengefaßt. Auch verwaltungsmäßig wird dieses durch Zusammenschluß neu entstandene Amt aus der Stadtkanzlei-Hauptamt herausgelöst und somit selbständig. Diese letzte Veränderung in der Struktur des Amtes war sozusagen der Endpunkt einer Entwicklung, die bereits früher eingesetzt hatte und sich auch in anderen Städten aus der erweiterten Aufgabenstellung ergab.

Öffentlichkeitsarbeit als neue Aufgabe

Die Presse ist ohne Zweifel ein wichtiges Bindeglied zwischen Bürger und Verwaltung. Ausführliche Sachinformationen ohne Tageswert kann sie, ganz einfach auf Grund ihrer besonders aktuellen Aufgabenstellung, jedoch nur in seltenen Fällen geben. Hinzu kommt das Anwachsen städtischer Aufgabenbereiche, das die Verwaltung dem Bürger unüberschaubar macht.

So wurde denn in Frankfurt Anfang des Jahres 1960 ein Büro für Öffentlichkeitsarbeit bei der Stadtverwaltung eingerichtet, das zentral auf die verschiedenste Weise den direkten Kontakt zwischen Bürger und Verwaltung herstellen sollte. Diesem Büro wurde einige Zeit später auch das früher bei der Stadtkanzlei untergebrachte Sachgebiet bürgerschaftliche Mitarbeit, das unter anderem die Vorbereitung und Auswertung der Bürgerversammlungen zu leisten hat, eingegliedert. In notwendiger Konsequenz wurde, wie bereits angemerkt, später dieses Büro für Öffentlichkeitsarbeit mit dem Presseamt verschmolzen.

Die Arbeit dieses Büros für Öffentlichkeitsarbeit soll hier mit behandelt werden. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten entwickelte sich die Öffentlichkeitsarbeit zu einem anerkannten Teil städtischen Informationswesens. Schriften wie der Bildband "Frankfurt - heute und morgen", die Zahlenkärtchen mit kurzgefaßten Daten, die "Frankfurter Perspektiven", Prospekte zu Problemen des Verkehrs, des Wohnungsbaus usw. sind heute nicht mehr wegzudenken.

Neben Kurz- und Trickfilmen wie etwa "Operation Stadtbahn" wurden Kultur- und Dokumentarfilme produziert, die in allen Frankfurter Filmtheatern gezeigt werden konnten. Die Filme "Kennedy in Frankfurt" und "Eine Stadt löst ihr Verkehrsproblem" wurden von der Filmbewertungsstelle mit dem Prädikat "besonders wertvoll" ausgezeichnet. Hinzu kommen Tonbild- und Diaserien, Plakatwerbung, Quiz und Wettbewerbe, Ausstellungen, über das Stadtgebiet verstreute Fotoschaukästen sowie Modellvitrinen, Aushänge in den Straßenbahnen, Klebemärkchen und eine Reihe anderer Objekte. Es würde zu weit führen, die Entwicklung all dieser Bereiche im einzelnen aufzuzeigen. Nicht vergessen werden sollen allerdings die Bürgerversammlungen. Seit ihrer Einführung im Jahre 1958 wurden in den verschiedenen Ortsteilen insgesamt 50 derartiger Versammlungen durchgeführt. Die Öffentlichkeitsarbeit entwickelte mit dem 1962 zum erstenmal veranstalteten "Tag der offenen Tür" - er findet seitdem jährlich statt - eine neue Möglichkeit der unmittelbaren anschaulichen Information über Arbeit und Wesen einer Verwaltung. An den steigenden Besucherzahlen kann man ablesen, welche Wirkungsmöglichkeiten hier gegeben sind. Beim ersten Tag der offenen Tür im Jahre 1962 wurden rund 56000 Besucher gezählt. 1963 waren es 70000 und 1964 schließlich 95000. Schließen die letzten 20 Jahre mit einer beachtlichen Erweiterung des Aufgabengebietes ab, so enden sie ebenfalls mit neuen und außerordentlich guten Arbeitsmöglichkeiten für das Amt und die Presse. Durch den Umzug in neue Räume im Hause Römerberg 32 konnte die lang währende unzureichende Unterbringung des Pressearchivs beendet und die Bereiche Öffentlichkeits- und Pressearbeit räumlich zusammengefaßt werden. Aus kleinen Anfängen nach dem Krieg hat sich so ein modernes großstädtisches Presse- und Informationsamt entwickelt.

 

 

Berichtszeitraum: 1965-68

 

Mit der auch räumlichen Zusammenfassung von Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in einem Zentrum gegenüber dem Frankfurter Römer hatte die Entwicklung zu einem Presse- und Informationsamt moderner Prägung im November 1964 deutlich sichtbar ihren Abschluß gefunden.

Die folgenden Jahre brachten, aufbauend auf dieser rückblickend durchaus glücklichen Lösung, eine Konsolidierung im personellen und organisatorischen Bereich. Dabei hat sich gerade in den letzten Jahren gezeigt, daß bei einer Stadt überörtlicher, in gewissem Sinne europäischer und internationaler Bedeutung, eine intensive Betreuung auch der auswärtigen Presse stärker als bisher nötig ist. Diese Entwicklungstendenzen können nicht in jedem einzelnen Fall aufgezeigt werden.

Zum Beispiel: Betreuung auswärtiger Presse

Um eine Direktinformation auswärtiger Presseorgane zu ermöglichen, hat das Presse- und Informationsamt aus bestimmten Anlässen Redakteure oder Zeitungen des näheren Umlandes und der Bundesrepublik überhaupt angesprochen und eingeladen. So etwa zu einem zweitägigen Informationsbesuch für Redakteure der Umlandzeitungen im Jahre 1965 und, am Ende des Berichtszeitraums, Journalisten von Fachzeitschriften sowie Ressortchefs großstädtischer Zeitungen zur Eröffnung des Nordwestzentrums und der Inbetriebnahme der ersten U-Bahnstrecke eingeladen. Neben diesen direkten Kontakt und die Information "vor Ort" trat die laufende Unterrichtung auswärtiger Zeitungen durch den im Januar 1965 erstmals herausgebrachten Artikel-, Feature-, Foto- und Materndienst "Frankfurter Fragen, Frankfurter Fakten, Frankfurter Fotos", auch "6 x F-Dienst" genannt. Der Nachdruck des monatlich erscheinenden Dienstes, der über die Stadt hinaus interessierende Themen bringt, die aber dennoch stets mit Frankfurt verknüpft sind, reicht von Kanada bis Südamerika, von der Nordsee bis zu den Alpen.

Die Entwicklung Frankfurts zu einer echten Metropole, die auch in so starker Resonanz wie dem tausendfachen Nachdruck dieses Dienstes deutlich wird, bringt eine in den vergangenen vier Jahren stets zunehmende Zahl von ausländischen Journalisten als Besucher nach Frankfurt. Das Spektrum umfaßt die kleine Zeitung aus der Republik Tschad genauso wie die Rundfunkstation in Thailand. Auch hier weitete sich die früher stärker lokal gesehene Aufgabe eines städtischen Presseamtes zur weitergreifenden Informationsverpflichtung, die in die Welt hineinwirken kann.

U-Bahn-Bau, 1966 an der Hauptwache

 

Ein Musterfall: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zum "Jahrhundertereignis"

Muster einer zusammengefaßten und intensiv vorbereiteten Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, die über die laufende Unterrichtung von Presse und Bürger durch täglichen Pressedienst, Städtisches Mitteilungsblatt, Schaukästen, Publikationen, Ausstellungen usw, hinausreicht. mögen Inbetriebnahme der U-Bahn, Übergabe der Hauptwache und Einweihung des Nordwestzentrums sein. 1964 bis 1968 gab es mehrere ähnliche zentrale Aktionen, die einen reichen Niederschlag in der Presse fanden. Diejenige zum Frankfurter "Jahrhundertereignis" übertraf sie an Umfang der Vorbereitung und der Wirkung jedoch bei weitem. Sie sei deshalb hier stellvertretend für derartige, auf überörtliche Wirkung abzielende Maßnahmen, wie sie verstärkt notwendig werden, kurz dargestellt.

Zuerst einmal galt es, die Besonderheit des Ereignisses "U-Bahn-Einweihung" in Frankfurt der Öffentlichkeit deutlich zu machen. Der zeitliche Vorsprung gegenüber anderen Städten konnte genutzt werden: Frankfurt hat die dritte U-Bahn nach Berlin und Hamburg. Womit die Mainmetropole gleichsam in den Rang der Millionenstädte erhoben wurde. Des weiteren bot sich die Verknüpfung der modernen U-Bahn mit dem modernen Nordwestzentrum als dem einen Endpunkt der ersten Linie an. Und schließlich ergab sich die Verbindung zu einer Tradition durch die Fertigstellung des Hauptwachengebäudes. In diesem Sinne wurde die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit auf den Dreiklang "Übergabe der Hauptwache - Inbetriebnahme der U-Bahn - Eröffnung des Nordwestzentrums" abgestellt.

Das dominierende Ereignis dabei war - sowohl in den Kosten als auch in der zu erwartenden Wirkung auf Presse und Öffentlichkeit - die Inbetriebnahme der U-Bahn. Deshalb wurde ein Symbol aus vier verschiedenfarbigen Pfeilen auf schwarzem Grund, die ein weißes U auf blauem Grund umkreisen, gewählt. Das Symbol wurde bei Programmhinweisen, auf Briefkuverts, Fähnchen, Pressemappen, Broschüren, Tragetaschen stets wiederholt: als Markenzeichen signalisierte es jedermann die bevorstehende oder stattfindende Inbetriebnahme der U-Bahn. Der Aufmerksamkeitswert offizieller Programme ist gering, Das Programm wurde deshalb stark auf wirksame, werbende Veranstaltungen abgestellt. Hier einige Beispiele: Sonderpoststempel im Straßenbahn-Oldtimer, Besetzung der Hauptwache durch historisches Bürgermilitär, Sonderfahrt für über 80jährige Frankfurter Geburtstagskinder, großes Schlußfeuerwerk, Bastelbogen mit Hauptwache und U-Bahnhof, "Buttons" zur Erinnerung an die erste U-Bahnfahrt, Faltprospekte und Broschüren, Papierfähnchen für Kinder, Ersttagsfahrscheine für Ehrengäste. Der Erfolg gab der zentralen Koordination und Gestaltung durch das Presse- und Informationsamt recht: Über die Frankfurter U-Bahn wurde in den Zeitungen bereits ausführlich berichtet, bevor sie in Betrieb genommen wurde. Und über die Inbetriebnahme selbst informierten nahezu alle deutschen Zeitungen und die entsprechenden Fachzeitschriften ausführlich.

Stets im Wandel und stets gleich: Bürgerversammlungen und Tage der Offenen Tür

Verändert und sich gleich geblieben sind die Tage der offenen Tür und die Bürgerversammlungen als Mittel direkten Gespräches, direkter Information zwischen Bürger und Verwaltung. Bei den Tagen der offenen Tür ist nach starkem Anstieg jetzt der "Sättigungsgrad" offensichtlich erreicht. Stiegen bis 1967 die Zahlen von 141000 (1965) über 165000 Besucher (1966) auf 250000 Besucher an, so konnte diese Zahl im Jahre 1968 nur noch knapp überschritten werden. Der Anstieg bis 1967 wurde ohne wesentliche Veränderungen des Programms erreicht. Natürlich wurden Programmpunkte, die wenig Bürger anzogen, ausgeschieden und andere, attraktiv erscheinende, neu hineingenommen. Der Bereich und auch die Möglichkeiten der Verwaltung sind jedoch begrenzt und abgesehen von Variationen im Kleinen können bestimmte Führungen und Veranstaltungen nicht vollkommen verändert werden. Wenn trotzdem die Zahl stets anstieg und auch 1968 nicht abfiel, läßt dies den Schluß zu, daß die große Zahl der Programmpunkte vom Bürger auf einmal nicht genutzt werden kann und er in jedem Jahr also trotz wenig verändertem Programm noch Neues besuchen kann.

Eine kumulierende Wirkung mag, da die Tage der offenen Tür noch nicht allzu lange durchgeführt werden, auch auf die Jahr für Jahr durch Berichterstattung und eigenen Augenschein zunehmende Bekanntheit der Tage der offenen Tür zurückzuführen sein. Gewandelt hat sich die Bürgerversammlung, seit langem in den Stadtbezirken beliebte Möglichkeit zum Gespräch mit dem Römer. Die starre Form zweier einleitender Referate wurde, einer Anregung des Oberbürgermeisters folgend, im Berichtszeitraum aufgegeben. Die Bürger können sofort Fragen stellen. Wie groß das Interesse gerade an der Diskussion ist mag zeigen, daß trotzdem die Bürgerversammlungen erst nach 23.00 Uhr enden. Beim Bürger selbst zumindest sind Bürgerversammlungen nach wie vor gefragt. Fragebogen, die über mehrere Jahre hinweg in den Versammlungen ausgegeben und im Berichtszeitraum ausgewertet wurden zeigen, daß sich 96,2% der antwortenden Bürger eine Fortsetzung der Bürgerversammlungen wünschen. Von diesen Bürgerversammlungen versprechen sich 73,9% der Bürger Verbesserungen für den eigenen Stadtteil. Wobei die meisten Bürger mit dem eigenen Stadtteil zufrieden zu sein scheinen, denn nur 15,3% würden gern in einen anderen Stadtteil ziehen.

 

 

Berichtszeitraum: 1969-72

 

Eine Verbreiterung der Information aus der Verwaltung für die Presse und aus der Presse in die Verwaltung hinein und eine starke Intensivierung der Kontakte und Diskussionen mit Einzelbürgern sowie Bürgergruppen sind kennzeichnend für die Arbeit des Presse- und Informationsamtes in den Jahren 1968 bis 1972. Je mehr das Bewußtsein der Notwendigkeit von Öffentlichkeitsarbeit und steter Bürgermitwirkung in den politischen Gremien und in der Verwaltung zunahm, um so stärker hatte das Amt eigenständig, anregend oder auch beratend, steigende Leistungen bei etwa gleichen finanziellen und personellen Voraussetzungen zu erbringen.

Verstärkte Öffentlichkeitsarbeit von Parlament und Magistrat

Einige Beispiele mögen für das Ganze stehen. Die Stadtverordnetenversammlung, reagierend auf ein gewisses Desinteresse der Bürger an ihrer Arbeit und auf das Entstehen einer Vielzahl „außerparlamentarischer" kommunalpolitisch relevanter Interessen- und Aktionsgruppen, bemühte sich um stärkere eigene Profilierung. Das Amt entwarf ein Konzept zu einer für das Parlament spezifischen Öffentlichkeitsarbeit. Das „Frankfurter Parlamentsgespräch", der Jahresempfang des Stadtverordnetenvorstehers, eine Anzeigenkampagne „Das Parlament der Stadt Frankfurt", Kurzzusammenfassungen der Sitzungsthemen, Vorberichterstattung für die Lokalpresse sind hier einige der neuen und auf besseren Kontakt zum Bürger hin abzielenden Aktionen, die gemeinsam mit dem Büro der Stadtverordnetenversammlung vorbereitet und durchgeführt wurden. In ähnlicher Weise expandierte auch die Öffentlichkeitsarbeit des Magistrats. Ganz abgesehen von den durch einen stärkeren Wechsel von Mitgliedern des hauptamtlichen Magistrats bedingten zusätzlichen personalitätsbezogenen Profilierungsnotwendigkeiten wurde die Auseinandersetzung mit dem Bürger verstärkt gesucht. Neben die Bürgerversammlungen, die fortgesetzt wurden, treten Ortsteilbegehungen des Oberbürgermeisters in bestimmten Stadtbezirken und Bürgergespräche der Dezernenten zu ihrem Arbeitsgebiet im Römerhöfchen. Die größere Öffentlichkeit von Entscheidungen des Magistrats und auch der Ämterarbeit schließlich bedingte eine Zunahme der Pressekonferenzen und Presseinformationen, die durch das Presse- und Informationsamt ausgerichtet wurden.

Direktkontakte zum einzelnen Bürger

Das Bedürfnis des Bürgers nach mehr Mitwirkung ist jedoch nicht als ein allgemein kommunalpolitisches zu verstehen. Es bezieht sich auch nicht nur auf Entscheidungen der städtischen Gremien. Dieses Bedürfnis umfaßt darüber hinaus den engeren Raum seines privaten Lebens, die Probleme seiner Straße, sein persönliches Engagement für den Nachbarn, sein Mißtrauen gegen die „anonyme" Verwaltung. Im August 1969 wurde ein sogenannter „heißer Draht" zur Verwaltung geschaffen: beim Presse- und Informationsamt wurde das Römertelefon eingerichtet. Zuerst als automatischer Anrufbeantworter, dann während der Dienststunden mit einem „persönlichen Berater" besetzt, wurden über dieses rote Telefon insgesamt 42000 Anrufe von Bürgern entgegengenommen, bearbeitet und beantwortet. Im Vergleich zu anderen großen Städten wie etwa Stuttgart und Köln, die ebenfalls inzwischen ein derartiges Telefon für Anregung, Kritik und Information durch die Bürger geschaffen haben, liegt Frankfurt mit der Zahl der Anrufe absolut an der Spitze. Wie der Vergleich im einzelnen zeigt, ist dies nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß in der Frankfurter Verwaltung eine schnelle Bearbeitung der Wünsche und Beschwerden erfolgt und außerdem eine zentrale Endkontrolle durch das Presse- und Informationsamt stattfindet. September 1972 wurde die „Auskunftsstelle Römer" eröffnet, in der der Bürger sich direkt Rat und Hilfe holen kann. Das Römertelefon wurde in diese Bürgerinformation mit eingegliedert. Aussagen können hier nur begrenzt, wegen der kurzen Zeit, gemacht werden. 652 Bürger, die bereits im ersten Monat diese neue erweiterte Möglichkeit durch einen Besuch der Auskunftstelle nutzten, lassen auch hier einen Erfolg erwarten. In die gleiche Richtung einer vermehrten Beteiligung der Bürger an Gestaltung und Entwicklung der Stadt weisen die Wettbewerbe für die „Beste Bürgeridee" und den besten „Frankfurt-Slogan". In beiden Fällen wurden die Ergebnisse für Verbesserungen genutzt oder brachten zumindest eine Aktivierung bürgerschaftlichen Interesses an den Angelegenheiten der Stadt mit sich.

Akzente: „Regionalstadt" und „menschliche Stadt"

Zum Inhalt der Presse- und Informationsarbeit wurden in den vier Berichtsjahren zwei wesentliche Akzente gesetzt: die Diskussion um eine Neugliederung des Großraumes Frankfurt und das Bemühen um eine Vermenschlichung der Stadt. Beides verbunden im Bewußtsein der Öffentlichkeit mit den sorgsam überlegten und dann publizistisch und werbend vertieften Begriffen von der „Regionalstadt" und der „menschlichen Stadt". Gespräch mit der Umlandpresse, Einladung der Landespressekonferenz, Dokumentation der Frankfurter Vorstellungen und schließlich die Ausstellung "Millionenmetropoie Frankfurt 2000" werden vom Amt zur Neuordnung des Stadt- und Umlandproblems Frankfurt veranstaltet und finden lebhafte Resonanz. Eine Befragung der Ausstellungsbesucher führt zu dem Ergebnis, daß die weitaus größere Zahl die Regionalstadt für gut und das einzig Richtige halten. Dabei gibt es kaum Unterschiede zwischen den Bürgern aus dem Umland und den Frankfurtern. Zu den bestehenden verschiedenen Pressediensten - vom täglichen Dienst für die Lokalpresse bis zu den Spezialdiensten etwa für Bildjournalisten oder Wirtschaftsjournalisten - wird zusätzlich ein Pressedienst für die Umlandpresse eingerichtet, die somit stärker am Frankfurter Geschehen beteiligt wird. Die allgemeinen Aktivitäten für ein menschliches Frankfurt - wie etwa Fußgängerbereiche oder Brunnenprogramm - werden durch eine Reihe von Pressebegehungen und Publikationen vertieft. Eine kombinierte Aktion von Zeitungsanzeigen und Publikationen informiert über Freizeitmöglichkeiten, Umweltschutz, Fußgängerbereiche und regt über konkrete Hinweise den Bürger zur eigenen Mitarbeit an. Nicht ausgeklammert werden Fragen des Wohnens, der Straßenbäume, der Sicherheit der Arbeitsplätze. Beide Themen - Neugliederung des Frankfurter Raumes und Verbesserung der Lebensqualität der Stadt - werden weiterhin wesentlich die Arbeit des Amtes bestimmen.

"Brigitte wirbt für Frankfurt" -1972

 

„oben-ohne-Plakat" und Pop-Schau besonders gefragt

Einzelne Objekte stießen auf eine besondere Resonanz, auf ein gesteigertes Interesse der Öffentlichkeit. Das „oben-ohne-PIakat", mit dem um Verständnis für die Behinderungen beim U-Bahn-Bau geworben wurde, ist ein solcher Bestseller. Hunderte von Veröffentlichungen in der deutschen und internationalen Presse würdigen diese „freche" Werbung. Wegen der Nachfrage der Posterfreunde wird eine Ergänzungsauflage angefertigt. Farbige Pop-Plakate, in denen Frankfurt an Eigenarten der Weltstädte New York, London, Paris und Rom angeknüpft wird, führen zu Diskussionen über den Rang der Mainmetropole, aber auch zu hoher Nachfrage von Hotelkonzernen, Reisebüros nach diesem attraktiven Werbeset. Unter den jährlichen Informationsausstellungen in den Römerhallen wird „Frankfurt gibt an" besonders stark besucht (58000), vor allem von jungen Bürgern, an die sich die unkonventionell bunte ironische Schau besonders wendet. Und an die Stelle der sonst immer mit Text und Tafel gestalteten jährlichen Ausstellungen tritt 1972 die Multimediaschau, die über Wochen hinweg mit 490 Farbdias und einem Farbfilm über 11 Projektoren Besucher und Presse fasziniert. Damit wird der immer stärkere Einsatz technischer Mittel in der Arbeit des Amtes deutlich.

Von Neuem und Bewährtem

Die bewährten Aktionen werden auch im Berichtszeitraum durchgeführt. Es finden die „Tage der offenen Tür" statt (1969: 145000 Besucher bei 123 Programmpunkten; 1970: 138500 Besucher bei 137 Programmpunkten; 1971: 161000 Besucher bei 137 Programmpunkten; 1972: 149700 Besucher bei 151 Programmpunkten). Die jährlich erscheinenden Publikationen werden fortgesetzt (der Bildband „Frankfurt - heute und morgen", das Zahlenkärtchen „Daten, Fakten, Zahlen"). Der Artikeldienst „Frankfurter Fragen, Frankfurter Fakten, Frankfurter Fotos" geht jeden Monat an rund 800 Redaktionen im In- und Ausland. Der tägliche Pressedienst verzeichnet eine ständige Zunahme der Meldungen. Die Mitteilungen der Stadtverwaltung Frankfurt am Main werden wöchentlich herausgebracht. Einiges aber wurde auch in diesem Bereich der fast schon zur Routine gewordenen Objekte verändert. Die Zeitungsauswertung wird auf das arbeitssparende Kopierverfahren umgestellt. Ausschnitte aus Frankfurter und auswärtigen Zeitungen können dadurch außer an die Dezernenten nun auch zusätzlich direkt an die Ämter gegeben werden. Erstmals zur Bundestagswahl 1969 wird ein Pressezentrum im Römer eingerichtet. Da sich diese Stätte schneller Information und des Kontaktes zwischen Politikern und Presse bewährt, wird für einen erweiterten Personenkreis das Informationszentrum bei allen übrigen Wahlen ebenfalls bereitgestellt. In der B-Ebene der Hauptwache entsteht ein Dauerausstellungsraum, in dem neben einem großen Citymodell laufend Information über Stadtplanung gegeben wird. Die wechselnden Anforderungen, die stets neuen Situationen, der Zwang zum Mithalten bei einer stürmischen Medienentwicklung, die Zunahme an Informationsstoff, die stärkere Aktivierung der Bürgerschaft stellen hohe Anforderungen. Eine Konsolidierung und längerfristige Informationspolitik kann deshalb im Berichtszeitraum nur in Ansätzen eingeleitet werden.

 
Quelle: Jahresberichte der Stadt Frankfurt 1945-72
frankfurt baut auf