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schlacht- und viehhof.  
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Berichtszeitraum: 1945-65

 

Von den in den Jahren 1882-1885 erbauten und in den Jahren 1896-1902 erheblich erweiterten Anlagen waren Ende des letzten Krieges 50% total zerstört, alle übrigen Betriebseinrichtungen schwer beschädigt. Lediglich der Schlachthof Ffm.-Höchst war verschont geblieben.

Die folgenden Jahre sind gekennzeichnet durch schwache Viehzufuhren und damit auch geringen Schlachtbetrieb, der allerdings im Jahre 1947 eine vorübergehende Belebung erfuhr, als infolge Verknappung der Futtermittel ein großer Teil der Rindviehbestände im Bundesgebiet abgeschlachtet werden mußte. Ferner wurde während der monatelangen Versorgung West-Berlins auf dem Luftwege 1948/1949 einer mit den Transportaufgaben beauftragten Firma Aufnahme gewährt; die Rindermarkthalle diente während dieser Zeit der Aufarbeitung und Lagerung der für die Luftbrücke benötigten Kohlensäcke. Während der Jahre der Betriebsverödung wurde unter Einsatz der Bediensteten und eines Teils der Benutzer zunächst die Enttrümmerung der Straßen und Wege durchgeführt. Mit der Aufhebung der Bewirtschaftung begann im Jahre 1949 eine geradezu stürmische Aufwärtsentwicklung, die dazu führte, daß bereits im Jahre 1950 die Verkehrsziffern des letzten Friedensjahres 1938 nahezu erreicht waren und sich die Umsätze auf dem Fleischgroßmarkt 1951 gegenüber 1938 fast verdoppelt hatten.

Die Ursachen dieser im ersten Halbjahr 1949 noch nicht geahnten Entwicklung waren einerseits in der fortgesetzten Aufstockung der deutschen Viehbestände zu suchen, die sowohl quantitativ wie qualitativ den Stand von 1938 bereits überstiegen. Zum anderen war aber der damalige Aufschwung des Frankfurter Schlacht- und Viehhofes auch auf die zentrale Lage im rhein-mainischen Wirtschaftsraum zurückzuführen. Schon 1951 nahm der Frankfurter Schlachtviehmarkt nach München und Hamburg die 3. Stelle im Bundesgebiet ein.

Auf Grund des § 4 (1) des am 25.4.1951 erlassenen Vieh- und Fleischgesetzes hat der Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten am 22.6.1951 den Frankfurter Markt zum Schlachtviehgroßmarkt erklärt und damit seine überörtliche Bedeutung anerkannt. Während im Jahre 1949 dem Frankfurter Markt insgesamt 159013 Schlachttiere zugeführt wurden, waren es 1951 bereits 331462, also mehr als das Doppelte. Entsprechend dieser Entwicklung stiegen auch die Schlachtungen, die 1949 noch 105099 Tiere umfaßten und 1951 die Zahl von 207480 Tieren erreichten.

Eine der Hauptaufgaben kommunaler Schlachthöfe ist die Versorgung der Bevölkerung mit gesundem, hygienisch einwandfreiem Fleisch. Diese Aufgabe obliegt den Schlachthoftierärzten im Rahmen der Schlachtvieh- und Fleischbeschau einschließlich Trichinenbeschau bei Schweinen und Durchführung bakteriologischer Untersuchungen im betriebseigenen Laboratorium. Dabei interessiert insbesondere die Entwicklung der Tuberkulose, deren Bekämpfung ein besonderes Anliegen der hessischen Landesregierung war. Die Zahl der bei Schlachttieren festgestellten tuberkulösen Erkrankungen folgte der Bewegung der Schlachtzahlen zunächst fast parallel, das heißt, daß der Grad der Verseuchung der Rinderbestände mit Tuberkulose ziemlich konstant blieb. 1952, bei Beginn des Tuberkulosetilgungsverfahrens, waren etwa 60% der Bestände mit Tuberkulose befallen. Die damals anlaufende Sanierungsaktion bewirkte, daß in der Folgezeit in erster Linie diejenigen Tiere geschlachtet wurden, die auf Tuberkulin positiv reagierten. Als schließlich bekannt wurde, daß mit einschneidenden fleischbeschaurechtlichen Änderungen bei der Beurteilung der Tuberkulose bei Schlachttieren zu rechnen war, wurde die Abschlachtung der Reagenten so intensiviert, daß bereits 1960, ehe die Ausführungsbestimmungen A zum Fleischbeschaugesetz in Kraft traten, die Zahl derjenigen Tiere, bei denen Tuberkulose in irgendeiner Form festgestellt wurde, bedeutend sank.

Seit dem 25.3.1961, als die neuen Bestimmungen angewandt wurden, ist die Zahl der wegen Tuberkulose bedingt tauglich zu beurteilenden Rinder und Schweine auf ein Minimum gesunken. Im Jahre 1962 waren 99,8% der Rinderbestände tuberkulosefrei. Zur Zeit liegt der Prozentsatz der mit Tuberkulose befallenen Schlachtrinder bei 0,2. Der verhältnismäßig höhere Erkrankungsgrad der Schlachtschweine (2%) ist auf die Infektion der Schweine durch tuberkulöses Geflügel zurückzuführen. Die zum Teil vor bzw. kurz nach der Währungsreform behelfsmäßig wieder instandgesetzten Betriebsanlagen genügten verständlicherweise nicht mehr den durch die Entwicklung bedingten Anforderungen. So wurden ab 1950 folgende Anlagen neu erstellt:

  • 1. Kleinviehschlachthalle
  • 2. Büro- und Gaststättengebäude
  • 3. Verwaltungsgebäude
  • 4. Schweineschlachthalle
  • 5. Bank- und Laboratoriumsgebäude
  • 6. Fleischgroßmarkthalle
  • 7. Kälbermarkthalle
  • 8. Sanitäts- und Seuchenschlachthaus

Außerdem ist eine weitere Anzahl von Gebäuden und Anlagen zum Teil völlig erneuert bzw. modernisiert worden. In diesem Zusammenhang ist besonders die Kühlanlage zu erwähnen, die, abgesehen von einer umfassenden Erneuerung der Kühlzellen, von Solekühlung auf Direktverdampfung umgestellt wurde.

Insgesamt wurden nach der Währungsreform investiert:

  • für Viehhof: 3741009,-
  • für Schlachthof: 12995867,-
  • für Kühlhaus: 2816052,-
  • für Fleischgroßmarkt: 3443565,-

Nicht zuletzt zeigt sich die Entwicklung des Schlacht- und Viehhofes während der letzten 20 Jahre in den Zahlen des Gebührenhaushalts. Ohne empfindliche Gebührenerhöhungen stiegen die Einnahmen von 462721,- RM im Jahre 1945 über 1688076,- DM im Jahre 1949 auf 6634151,- DM im Jahre 1964. Dabei ist zu erwähnen, daß der Betrieb zu den Schlacht- und Viehhöfen mit den niedrigsten Gebühren innerhalb des Bundesgebietes zählt.


Foto:Vack

 

 

Berichtszeitraum: 1965-68

 

Von den durch Kriegseinwirkung weitgehend zerstörten Einrichtungen des Schlacht- und Viehhofes konnten die Kälber- und Schweineschlachthalle, die Fleischgroßmarkthalle und das Seuchen- und Sanitätsschlachthaus entsprechend den modernen Hygieneerfordernissen hergestellt bzw. neu errichtet werden. Die Verantwortlichen waren sich darüber im klaren, daß die Modernisierung der behelfsmäßig instand gesetzten und im Schlachtsystern völlig veralteten Rinderschlachthalle nicht mehr länger aufzuschieben war. Der Plan eines Neubaues wurde durch Beschluß der Stadtverordnetenversammlung wegen der zu hohen Investitionskosten aufgegeben; die Verwaltung wurde gleichzeitig beauftragt, die Möglichkeit eines Umbaues der alten Rinderschlachthalle zu prüfen. Diese Prüfung führte zu einem positiven Ergebnis; die Umbauarbeiten sind inzwischen in vollem Gange. Mit der Inbetriebnahme einer modernen Schlachtstraße kann bis Ende 1968 gerechnet werden. Die Kosten dieses Umbaues betragen rd. 3,5 Mill. DM. Nach Vollendung des Umbaues wird der gesamte Frankfurter Schlachthof den EWG-Richtlinien entsprechen.

 

Berichtszeitraum: 1969-72

 

Das Jahr 1969 hat für den Schlacht- und Viehhof Frankfurt a.M. eine gewisse historische Bedeutung. Am 20.Mai 1969 konnte das neue Schlachtband für Rinder in Betrieb genommen werden. Damit gehört das konventionelle, mit erheblichen hygienischen Mängeln behaftete Schlachtsystem endgültig der Vergangenheit an. Die neue Anlage wurde im Herbst 1969 mit der Inbetriebnahme einer Hautabziehmaschine vervollständigt und damit auf den neuesten Stand der Schlachttechnik gebracht. Durch die Fließbandtechnik und die dadurch bedingte rationellere Arbeitsweise, verbunden mit der Gewinnung schnittfreier Häute an der Hautabziehmaschine, stiegen die Rinderschlachtungen bereits im Jahre 1970 auf die in Frankfurt a.M. seit Bestehen des Schlacht- und Viehhofes noch nie erreichte Höhe von 68022 gegenüber 58760 im Jahre 1969. Diese Entwicklung hat sich auch 1971 fortgesetzt. Sowohl das Schlachtband als auch die Hautabziehmaschine, die inzwischen als Modell „Frankfurt" weltweites Interesse gefunden hat, haben ihre Bewährungsprobe bestanden. Zahlreiche Besuchergruppen aus dem europäischen und dem überseeischen Ausland haben die Anlage besichtigt und den wesentlichen Fortschritt in der Schlachttechnik anerkannt. Ergänzt wird die Schlachteinrichtung durch eine im gleichen Gebäude untergebrachte Rinderkuttelei mit modernsten Darmreinigungsmaschinen und einer Abwurfeinrichtung für Rinderpansen. Mit der Inbetriebnahme dieser Kuttelei konnte das alte Brühhaus abgerissen werden.

 
Quelle: Jahresberichte der Stadt Frankfurt 1945-72
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