zur dokumentation

dokumentation zur nachkriegszeit
trümmer-verwertungs gmbh.  
home

Im Herbst 1945 gründete die Stadtverwaltung gemeinsam mit der Metallgesellschaft AG und den beiden Frankfurter Großbaufirmen Philipp Holzmann AG und Wayss & Freytag AG die TRÜMMER-VERWERTUNGS GMBH. Damit das neue Unternehmen seine vielversprechende Aufgabe überhaupt in Angriff nehmen konnte, mußte eine rechtliche Handhabe geschaffen werden. Am 20. Dezember 1945 erließ daher Oberbürgermeister Dr. Blaum eine Bekanntmachung, mit der alle Gebäudetrümmer zugunsten der Stadtgemeinde beschlagnahmt wurden. Fast auf den Tag vier Jahre danach erging erst das Trümmerbeseitigungsgesetz des Landes Hessen, das die bis dahin gesammelten Erfahrungen des Frankfurter Versuches verwertete und ihn nachträglich legalisierte. Die aus der Not geborene Lösung hatte sich längst als die einzig mögliche erwiesen.

Der Aufbau der von der Lurgi projektierten Aufbereitungs- und Verwertungsanlage auf dem ehemaligen Sportplatz der Eintracht am Riederwald, den man wegen seiner günstigen Verkehrslage dazu ausersehen hatte, zog sich trotz aller Mühen und Anstrengungen bis in das Jahr 1949 hin. Die TVG nutzte diese Zeit jedoch aus. Bereits 1946 begann die Räumungsarbeit, unterstützt durch die von Oberbürgermeister Dr.Kolb persönlich organisierte, freiwillige Mithilfe der Bürgerschaft. Zunächst wurde nur mit Schaufel und Hacke gearbeitet. Erst sehr viel später konnten Räumgeräte und andere mechanische Hilfsmittel eingesetzt werden. Der aus den Straßen aufgeschippte Schutt wurde mit einfachen Loren an einigen Plätzen der Stadt auf Halden gesammelt. Dann baute man eine Feldbahn vom Scheffeleck bis zum Ostpark, und fauchend ratterte bis 1948 der "Trümmerexpreß" mit der traurigen Ladung seiner Kippwagen durch den Osten der Stadt. Als die Straßen freigelegt waren, konnten in zunehmendem Maße Lastkraftwagen zum Transport verwandt werden. Auch die Straßenbahn half vorübergehend mit, und schließlich wurden starke Laster aus amerikanischen Heeresbeständen zu den hochbordigen "Himmelskippern" umgebaut, mit denen man bis 1954 die Hauptschuttmassen wegschaffen konnte. Bereits Ende 1947 hatte die TVG volle 26 km Straßen endgültig vom Geröll befreit und dem unbehinderten Verkehr übergeben. Insgesamt wurden bis zum 1.Juli 1955 mehr als 9,5 Millionen Kubikmeter Trümmer geräumt. Dadurch konnten über 9000 Gefahrenstellen beseitigt werden. In zehnjähriger Arbeit hat die TVG 85oo Tonnen Stahlträger ausgegraben, mit hydraulischen Pressen gerade gebogen, geprüft und dem Baumarkt wieder zugeführt. 19000 Tonnen Schrott und 120 Millionen Ziegelsteine wurden in dieser Zeit aus den Ruinen geborgen. Tagtäglich mußten 1500 bis 2000 cbm Schutt abtransportiert werden. Den Höhepunkt der Räumleistung erreichte man im Juni 1953 mit einer Tagesleistung von 3584 cbm.

Die TVG beschränkte sich jedoch von vornherein nicht auf die Beseitigung der Trümmer, sondern begann sofort auch mit der Herstellung von Baustoffen. In provisorischen Fertigungsanlagen konnte sie schon bis zum Herbst 1947 etwa 300000 Vollsteine und 400000 Dachziegel erzeugen. Als endlich die Aufbereitungsanlage und das Betonwerk 195o mit voller Kapazität arbeiteten, kam man auf eine Jahresleistung von 20 Millionen Vollsteinen und fast 1,6 Millionen Hohlblocksteinen. Nach vier Jahren war die Produktion auf 23 Millionen Vollsteine, 6,6 Millionen Hohlblocksteine und etwa 300000 qm Deckensteine gestiegen, und all diese Materialmengen wurden dringend für den Wiederaufbau gebraucht. So entstand aus dem Schutt des Bombenkrieges ein erheblicher Teil der Neubauten Frankfurts.

Aus der provisorischen Brech- und Siebanlage der TVG, die seit 1947 den Trümmerschutt in Zuschlagstoffe für die im Freien aufgestellte Betonanlage verwandelte, ist der größte Aufbereitungsbetrieb dieser Art geworden. Er hat im Laufe der Jahre viele interessierte Besucher aus aller Welt nach Frankfurt geführt. Um jedoch auch den Feinschutt verwerten zu können, wurde die Sinteranlage erbaut, die nach den Methoden der Hüttenindustrie einen von allen unerwünschten Beimischungen freien Betonzuschlagstoff herstellt. 1500 cbm Trümmerschutt wurden täglich von der TVG verarbeitet. Um das zu erreichen, mußte das Werk in zwei Schichten arbeiten. So konnte es während der Bausaison an jedem Arbeitstag 850 bis 900 cbm verdichteten Beton erzeugen. Das ergab eine durchschnittliche Jahresleistung von mehr als 200000 cbm Ziegelsplittbeton, der dank seiner Eigenschaften von der Bauwirtschaft gern verarbeitet wurde und in der Form von Voll-, Hohlblock- und Deckensteinen zur Auslieferung kam. Um die ihr gestellten Aufgaben zu bewältigen, beschäftigte die TVG Anfang Juli 1955 insgesamt 638 Mitarbeiter. Sie hat seitdem ihre Produktion unverändert fortgesetzt und noch auf Jahre hinaus damit zu tun, die angesammelten und durch die weitere Trümmerräumung immer noch anfallenden Schuttmengen zu verarbeiten. So wurde aus einem Kind der Not eines der erfolgreichsten Mittel zu ihrer Überwindung, und dieser Erfolg ehrt alle an der Entstehung der TVG Beteiligten.

Foto:Moltzahn-Altheim

Die Anlage der Trümmerverwertungsgesellschaft am Ostpark, 1951

 
Quelle: F.Lerner: " Frankfurt am Main und seine Wirtschaft", Ammelburg-Verlag 1958
frankfurt baut auf