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Berichtszeitraum: 1945-65
Das Stadtvermessungsamt blickt heute auf ein hundertjähriges
Bestehen zurück. In dem nachstehenden Bericht wird der Versuch
unternommen, die Tätigkeit der letzten 20 Jahre überschaubar
darzustellen.
Vom Baurecht her gesehen wie auch von der fachlichtechnischen
Seite her fallen in diesen Zeitraum Gesetze, die einen wesentlichen
Einfluß auf die Tätigkeit des Amtes ausgeübt haben.
Dies sind insbesondere das hess. Aufbaugesetz von 1948, die hess.
Kataster- und Abmarkungsgesetze von 1956 und das Bundesbaugesetz
von 1960, das seinem Inhalt nach ein Planungs- und Durchführungsgesetz
ist. In letzter Zeit sind Verordnungen und Anweisungen des Hess.
Finanzministeriums ergangen, die mit dem Ziel der Schaffung eines
Koordinatenkatasters wesentliche Änderungen in der Durchführung
der Grundbuchvermessungen gebracht haben. Damit ist eine Fülle
von Problemen aufgetreten, die den Einsatz moderner elektronisch
gesteuerter Rechen- und Zeichengeräte erfordern, mit deren
Hilfe überdies die immer schwieriger werdende Arbeitsmarktlage
zu überwinden versucht werden muß.
Die Tätigkeit des Amtes begann 1945 unter
den zeitbedingten erschwerten Umständen des personellen, materiellen
und räumlichen Mangels. Die Vorarbeiten zum Wiederaufbau kamen
nur langsam in Fluß; die Verluste der wertvollen Vermessungsinstrumente
sowie der Fotoanstalt und der Lichtpauserei konnten nur langsam
wieder aufgeholt werden. Erfreulich war die erfolgreiche Zurückführung
der ausgelagerten Bestände an Plan- und Kartenunterlagen sowie
der Messungszahlensammlungen, die für die anlaufenden Arbeiten
von unschätzbarem Wert waren. Erst die Währungsumstellung
im Juni 1948 beendete die Zeit der Improvisationen und erbrachte
eine beträchtliche Leistungssteigerung. Diese Entwicklung hat
bis auf den heutigen Tag angehalten. Die Vermessungstrupps wurden
nach und nach vollmotorisiert, neue Methoden bei der Kartenherstellung
eingeführt, die Foto(Repro)-Anstalt und die Lichtpauserei mit
neuen leistungsfähigen, modernen Geräten ausgestattet
und weitere Verfahren zur rationellen Lösung vieler anderer
Aufgaben entwickelt.
Die vielseitigen Aufgaben des Amtes erstreckten
sich von der Erstellung eines für alle Zwecke der Verwaltung
geeigneten Karten- und Planmaterials über die Durchführung
von Ingenieur- und Grundbuchvermessungen sowie des hierfür
erforderlichen Lage- und Höhefestpunktfeldes bis zu der eigentlichen
Grundstückspolitik der Stadt mit den bodenordnerischen Maßnahmen
der Baulandumlegung und der Bewertung bebauter und unbebauter Grundstücke.
Hierzu gehören auch die Vervielfältigungseinrichtungen
im Repro-, Kopier- und Lichtpausverfahren und ein umfangreiches
Archiv, die Plankammer. Angegliedert waren außerdem ein Sachgebiet
Gebäudewertgrundlagen und für die Durchführung der
Verträge bezüglich der Anlieger- und Erschließungsbeiträge
ein Sachgebiet Grundbuchangelegenheiten sowie als kleinere Aufgaben
die Straßenbenennung, die Auswahl der baureifen Grundstücke
für die Baulandsteuer C und die Ermittlung der Straßenreinigungsflächen.
Kartenwerke
Als Ende 1945 an die Sichtung der ausgelagerten
Kartenbestände herangegangen wurde, stellte sich heraus, daß
diese Unterlagen nur bedingt für die neuen Aufgaben des Wiederaufbaues
geeignet waren. Das Kartenwerk 1:2000, vom gesamten Stadtgebiet
vorhanden, war veraltet und auch im Maßstab für Planung,
Grundstückserwerb und Umlegung zu klein. Vorhandene Karten
1:1000, 1:500 und 1:250 waren nicht nachgeführt und standen
auf Karton, waren damit nicht vervielfältigungsfähig und
umfaßten auch nur teilweise das bebaute Stadtgebiet. Man benötigte
daher dringend ein vielseitig verwendbares, leicht berichtigungs-
und vervielfältigungsfähiges, geometrisch exaktes Kartenwerk,
das sowohl die Bebauung und die Eigentumsgrenzen als auch die Einrichtungen
der öffentlichen Verkehrs- und Grünflächen (Bürgersteige,
Straßenbahn, Brücken, Bepflanzung, Böschungen usw.)
enthielt und damit insbesondere für die Planungsaufgaben geeignet
war. Außerdem sollte es so gestaltet sein, daß durch
einfache reprotechnische Verfahren hieraus die Maßstäbe
1 :2000 und hilfsweise 1:500 gleichsam als Nebenprodukte entwickelt
werden konnten. Dieses neue Grundkartenwerk, wie man es später
nannte, wurde im Maßstab 1:1000 als Rahmenkarte entworfen,
auf lichtpausfähiger, maßstabsgetreuer und fortführungsgeeigneter
Kunststoffolie (Astralon) neukartiert und als Lichtpause einfarbig,
als Druck zweifarbig für dienstlichen und öffentlichen
Bedarf zur Verfügung gehalten. Heute umfaßt das Grundkartenwerk
rund 270 Blätter und damit etwa 2/3 des Stadtkreises. Es ist
wichtigste Grundlage des neuen Bebauungsplanwerkes nach dem BBauG,
das im gleichen Rahmen und mit der gleichen Blattbezeichnung wie
dieses entsteht. Die Richtigkeit der damaligen Überlegungen
wird dadurch besonders deutlich daß inhaltlich keine wesentlichen
Änderungen im Laufe der Jahre erfolgt sind. Lediglich zur Rationalisierung
der manuellen Zeichentätigkeit hat man sich der technischen
Neuerungen (Schriftsatz und -montage, Kopie) bedient. Versuche,
mit Hilfe elektronisch gesteuerter Zeichengeräte weitere manuelle
Arbeiten einzusparen, sind im Gange, jedoch ist noch nicht zu übersehen,
ob sie erfolgreich ausfallen werden. Das Übersichtskartenwerk
1:10000 in 9 Blättern basiert auf dem Kartenwerk des Jahres
1928. Es wurde in der Berichtszeit weitgehend modernisiert und bietet
heute das geometrisch genaue Bild der Stadtlandschaft für den
Planer, den Ingenieur und den Verwaltungsfachmann. Auch die Stadtkarte
1 :25000 wurde aus einer vorhandenen Unterlage der "May-Zeit"
weiter entwickelt und mehrfach so eingehend ergänzt und berichtigt,
daß nahezu von einer Neuherstellung gesprochen werden kann.
Sie dient auch als Unterlage für viele Sonderdrucke.
Ende der fünfziger Jahre, als die Frage eines
Planungsverbandes im Frankfurter Raum immer eindringlicher gestellt
wurde, kam es zur Entwicklung der Sonderkarte Untermaingebiet 1:100000,
die insbesondere für die Darstellung der soziologischen Untersuchungen
geeignet sein sollte. Besonderer Wert wurde auf die morphologische
Darstellung des Geländes und der Gewässer gelegt, während
die Situation mit der Bebauung und den Verkehrslinien sowie die
politische Einteilung zurückzutreten hatte. Etwa zu gleicher
Zeit wurde eine große repräsentative Straßen- und
Verkehrskarte mit Straßenverzeichnis gefordert, die zur Orientierung
der Bürger und Besucher auf den Hauptverkehrspunkten der Stadt
aufgestellt werden sollte. Da das Übersichtskartenwerk wegen
der feinen Zeichnung und matten Farbgebung sich hierfür nicht
eignete, wurde ein Kartenwerk in 6 Blättern geschaffen, das
in kräftigen, wirkungsvollen Farben das stark hervorgehobene
Straßennetz mit den Verkehrslinien darstellt. Es hat in Schaukästen
mit der starken Wirkung eines großen beleuchteten Diapositives
eine große Beachtung gefunden. Daraus entwickelte Prospektpläne
waren für das Wirtschaftsamt ein preiswertes und wirkungsvolles
Werbemittel. Aus der Fülle weiterer Sonderkarten und Pläne
sind noch die Karten 1:500 erwähnenswert, die in über
200 Blättern vorliegen und der großmaßstäblichen
Darstellung von Bau- und Verkehrsplanungen, wie auch der Versorgungsleitungen
und Kanäle dienen. Neukartiert werden sie auch für die
Erweiterung des Grundkartenwerkes herangezogen.
Der Versuch, die Luftbildmessung für die Herstellung
und die schnellere Fortführung der Kartenwerke zu benutzen,
hat sich nur für die kleinen Maßstäbe bewährt.
Erst ein graphisch entzerrtes Luftbildplanwerk 1:2000 vom gesamten
Stadtgebiet - auf Weisung des Amtes von einer Frankfurter Luftbildfirma
hergestellt - hat starken Anklang gefunden und fehlt heute bei keiner
Planungsüberlegung in den Ämtern des Baudezernats. Eine
Neuerstellung in den nächsten Jahren ist in Aussicht genommen.
Vermessungen
Die eigentlichen Vermessungsaufgaben des Amtes
zeigen ein getreues Abbild des Wiederaufbaus der Stadt. Überwogen
in den ersten Nachkriegsjahren zeitbedingt die Aufmessungen der
der Bevölkerung überlassenen Grundstücke für
gärtnerische Nutzung sowie Messungen für die Wiederherstellung
der Versorgungsleitungen, begann nach der Währungsreform zunächst
zögernd, dann immer schneller der Wiederaufbau zunächst
einiger Innenstadtblöcke. Die großen Siedlungen der Bizone
bildeten die ersten größeren Einsätze. Dann folgten
die Brücken, der Verkehrszug Friedensbrücke-Hauptbahnhof
,
später der Durchbruch der Berliner Straße, die Karl-Schurz-Siedlung
und die ECA-Entwicklungsbauten am Berkersheimer Weg.
Die Stadt wurde in 5 Vermessungsbezirke eingeteilt
mit je einem ständigen Meßtrupp. Ein Bericht aus dem
Jahre 1955 zählt als besonders bemerkenswerte Einsätze
die Gewobag-Siedlung Dornbusch ,
Autobahnzubringer Nord, Absteckung des linksmainischen Sammlers,
Bebauung des Gebietes Rathaus Süd und beiderseits der Kurt-Schumacher-Straße
auf .
Immer handelte es sich um Grundbuchmessungen, Grenzherstellungen,
Revisionen, Absteckungen von Hoch- und Tiefbauvorhaben, meist kurzfristig
und in Zeitnot, weil Bagger und Bauarbeiter der Firmen bereits angerückt
waren. Die Erschließung des Baugebietes Lerchesberg war deswegen
bemerkenswert, weil die zügige Absteckung auf Grund einer Koordinatenberechnung
erfolgte, die gleichzeitig und schnell beleihungsfähige Grundstücke
bilden ließ. Weitere Rationalisierungsmaßnahmen wurden
durch Beschaffung moderner Instrumente und Meßkraftwagen erreicht.
Diese Maßnahmen haben sich bis auf den heutigen Tag bewährt
und sind Voraussetzung für die Bewältigung der gegenwärtigen
Aufgaben, die in der Nordweststadt ,
Unterliederbach und Zeilsheim, bei den Kliniken und Krankenhäusern,
beim Stadtbad Mitte
und in Sachsenhausen
entstanden.
Gegenwärtig ist die Bildung katastermäßiger beleihungsfähiger
Grundstücke die dringendste Aufgabe, deren schnellere Lösung
durch Vergabe an Ingenieurbüros leider nicht erreichbar war.
Neue umfangreiche Aufgaben sind mit dem Ausbau der Stadttangente,
der NW-Straße und der Siedlung am Atzelberg für die dortige
Baulandumlegung angelaufen.
Baulandumlegung
Ein weiteres wichtiges Arbeitsgebiet liegt bei
den bodenordnerischen Maßnahmen zur Umwandlung von landwirtschaftlich
und gärtnerisch genutzten Flurstücken in Baugrundstücke.
Dieses Verfahren blickt in Frankfurt auf eine lange Tradition zurück.
Die lex Adickes von 1902 galt bis zum Erlaß des hessischen
Aufbaugesetzes, das sich mit seiner Umlegungsbestimmung weitgehend
an dieses Gesetz anlehnte. In den ersten Nachkriegsjahren begann
diese Tätigkeit nur zögernd. Erst seit 1962, 2 Jahre nach
Erlaß des Bundesbaugesetzes, ist die gesetzliche Umlegungstätigkeit
wieder lebhafter geworden. Gegenwärtig sind 22 Verfahren in
der Bearbeitung bzw. abgeschlossen. Weitere Gebiete stehen in der
Vorbereitung. Für die Zukunft zeichnet sich eine immer reger
werdende Umlegungstätigkeit ab, die in den geplanten Sanierungsgebieten
schwierig und für die Gemeinde ungemein aufwendig werden wird.
Grundstücksbewertung
Die Grundstücksbewertung hat beim Amt zwar
nicht die große Tradition wie die Baulandumlegung, ist jedoch
sein Aufgabenbereich, seitdem die Preisprüfung 1942 eingeführt
wurde. Für die Liegenschaftspolitik einer Großstadt ist
sie von großem Wert. Der Grundstücksmarkt nach dem Kriege
war zunächst sehr gering, er stieg jedoch bis 1950 auf 2000
Verträge, 1952 auf 3000 Verträge und ab 1955 auf über
4000 Verträge an und beruhigte sich ab 1963 langsam wieder.
Mit der Aufhebung der Preisvorschriften für bebaute und Trümmergrundstücke
1952 trat eine kurze Arbeitserleichterung ein. Mit dem BBauG wurde
die Preisprüfung aufgehoben, an seine Stelle trat der Gutachterausschuß
mit einer bei der Gemeinde zu bildenden Geschäftsstelle. Wegen
des vorhandenen Personals und der Sammlungen und Karten wurde sie
beim Amt eingerichtet. Wie erwartet kletterten die Preise erheblich.
Für die Baugebiete weist eine Statistik die Prozentzahlen (von
1936) wie folgt aus:
- 1960 = 350%,
- 1961 = 627%,
- 1962 = 791%,
- 1963 = 1095%.
Die Tendenz ist weiterhin steigend, wenn auch langsamer
und unterschiedlich in den einzelnen Stadtgebieten. In den vergangenen
Jahren wurden für die Gemeinde umfangreiche Gutachten über
Vorgärten und Straßentrassen erstellt. Die für die
Verwaltung angegliederte Grundwertstelle bearbeitete in den letzten
Jahren 2500 Anfragen städtischer Dienststellen. Das Archiv
des Amtes, die Plankammer, erfreute sich Jahr für Jahr eines
regen Zuspruches. Auch die Vervielfältigungseinrichtungen für
Karten und Pläne, die Lichtpauserei und die Reproduktionsanstalt,
sind mit ihren modernen Maschinenparks so leistungsfähig, daß
sie die übrigen technischen Ämter der Bauverwaltung mitversorgen
können.
Ein Arbeitsgebiet, das Gebäudebeschreibungen
für steuerliche Zwecke aufstellte, soll auslaufen und befindet
sich gegenwärtig in der Abwicklung; es wird in verkleinerter
Form bei der Bauaufsichtsbehörde wieder eingerichtet werden.
Zur Vervollständigung des Aufgabenkreises soll noch die inzwischen
wieder fortgefallene Baulandsteuer C erwähnt werden. Hierfür
wurde nach örtlicher Erkundung und Feststellung des Erschließungszustandes
eine Karte der baureifen Grundstücke offengelegt und nach Bereinigung
der Widersprüche dem Finanzamt übergeben. Außerdem
mußten noch der neuen Satzung für die Straßenreinigung
die Reinigungsflächen von rd. 50000 bebauten Grundstücken
ermittelt werden. Seit Beginn dieses Jahres wurde diese Tätigkeit
an das Stadtreinigungsamt abgegeben.
Berichtszeitraum: 1965-68
Stärkere Nutzung der elektronischen Datenverarbeitung
Die Berichtszeit war gekennzeichnet durch die weitere
Nutzbarmachung der elektronischen Datenverarbeitung. Sowohl in der
Rechentechnik, in der die Elektronik wertvolle Zeitersparnis für
die Berechnung aller geodätischen Arbeiten ergibt, als auch
in der Kartenherstellung mit Hilfe einer elektronisch gesteuerten
Zeichenmaschine (Zuse 64) zeichnen sich für die Zukunft Rationalisierungsmöglichkeiten
ab. Sie werden jedoch gegenwärtig wegen umfangreicher Aufarbeitung
des vorhandenen Materials erst in einem kleineren Bereich sichtbar,
nämlich bei größeren Umlegungsgebieten und dort,
wo ein modernes Koordinatenkataster bereits vorhanden ist. Weitere
Überlegungen sind in Vorbereitung. Darüber hinaus sollen
auch die auf Lochkarten des Katasteramtes stehenden Eigentümer
und Flächenangaben sämtlicher Flurstücke im Stadtbereich
für ein neues Grundstücksverzeichnis des Amtes und für
die Aufstellung eines städtischen Lagerbuches des Liegenschaftsamtes
genutzt werden und mit der zentralen städtischen IBM-Anlage
geschrieben werden. Die Programme hierfür sind in der Ausarbeitung.
Die Zusammenarbeit mit der Hessischen Kataster-
und Vermessungsverwaltung ist in einer neuerlichen Vereinbarung
mit dem Land Hessen (Fin.Min.) vom 19.2.1968 festgelegt, die als
erster Schritt für die Beseitigung der Doppelarbeiten im Stadtgebiet
angesehen werden kann. Sie bezieht sich nicht nur auf den Austausch
von Unterlagen und Erstherstellung von Karten, Berechnungen und
Verzeichnissen, sondern auch auf die sehr zeitraubende Fortführung.
Gerade in der Berichtszeit hat sich wieder bestätigt, daß
seit der Einführung der elektronischen Datenverarbeitung eine
engere Zusammenarbeit mit dem staatlichen Katasteramt notwendiger
ist als früher. Diese Zusammenarbeit beginnt mit der Führung
von graphischen und karteimäßigen Leitpunkt- und Numerierungsübersichten,
geht über das städtische Polygonnetz weiter zur Berechnung
und Aufstellung der Messungsschriften bis zur fertigen, von der
EDV-Anlage ausgedruckten VuG-Kartei (Vermessungs- und Grenzpunkt-Kartei).
Es sei jedoch nicht verschwiegen, daß weiterhin ein beträchtlicher
Teil der Arbeiten nach konventionellen Verfahren geleistet werden
muß. Eine Grenzverhandlung z.B., die die Zustimmung der von
einer Teilungsmessung betroffenen Grundeigentümer beinhaltet,
läßt sich nicht von einem Computer rationalisieren, auch
dann nicht, wenn später einmal alle Grenzpunktkoordinaten gespeichert
sein und auf Abruf zur Verfügung stehen sollten. Mit einer
immer stärkeren Nutzung der EDV-Anlage ergeben sich zwangsläufig
auch organisatorische Umstellungen im Amt, die gegenwärtig
beraten und voraussichtlich eine Gliederung von 3 Abteilungen anstelle
von bisher 4 Abteilungen zur Folge haben werden. Ein Sachgebiet,
das überwiegend für das Bauverwaltungsamt (Erschließungsabteilung)
tätig ist, soll an dieses abgegeben werden. Die Frage einer
weiteren Konzentration zur Rationalisierung der Aufgaben durch eine
Kommunalisierung des staatlichen Katasteramtes oder durch Übernahme
von Vermessungsgruppen anderer technischer Ämter muß
noch untersucht werden.
Kartenherstellung und Vermessungstechnik
Auf dem Gebiet der Kartenherstellung konnte in
der Berichtszeit der Bedarf für die Verwaltung, insbesondere
für die technischen und Planungsämter weitgehend gedeckt
werden. Ein Großblatt der Innenstadt 1:2000 in Vierfarbendruck
wurde erstellt, daneben weitere Sonderkarten für Richtwerte
des Grund und Bodens, zur Orientierung in der NW-Stadt, für
Schulwege von über 100 Frankfurter Schulen, für die Stadtbeleuchtung,
U-Bahn und den Großgrundbesitz. Neukartiert wurden über
70 Karten 1:500 und 1:1000 und nachgeführt etwa ein Drittel
des aus 260 Blättern bestehenden Grundkartenwerkes. Der "Taschenstadtplan",
die verkleinerte Straßen- und Verkehrskarte, wurde in einer
Auflage von 100000 Stück dem Amt für Wirtschaft zur Verfügung
gestellt.
Im vermessungstechnischen Sektor des Amtes standen
die Jahre 1965 und 1966 noch ganz im Zeichen der NW-Stadt; diese
Arbeiten laufen nur allmählich aus. Die Hoffnung, daß
die Rezession des Jahres 1967 einen Auftragsrückgang bringen
würde, die für Aufarbeitung vieler anderer zurückgestellter
Anforderungen hätte genutzt werden können, hat sich nicht
erfüllt. Ein beträchtlicher Nachholbedarf ist geblieben.
Die Anträge auf Urkundsmessungen sind meist Eilaufträge
wegen des Zwanges der kurzfristigen Baufinanzierung oder beziehen
sich auf großflächige Baulandumlegungsgebiete (Atzelberg,
II. Sandbergsgäßchen). Das städtische Polygonnetz
wurde mit der Einführung des Koordinatenkatasters stärker
als bisher in Anspruch genommen. Die Sicherung, Wiederherstellung
und Verdichtung sowie die Umformung auf ein einheitliches Netz ist
zur erheblichen Mehrarbeit geworden. Das Höhenfestpunktfeld
verlangte in der Innenstadt insbesondere für den Stadtbahnbau
mit seinen erheblichen Grundwasserabsenkungen eine ständige
Überwachung. Rund 80 km Doppelnivellement wurden neben vielen
Kontroll- und Senkungsbeobachtungen ausgeführt. Die Baulandumlegungstätigkeit
hat in der Berichtszeit den erwarteten lebhaften Ablauf genommen.
Es kamen 11 Verfahren hinzu, 4 weitere sind in Vorbereitung. Das
bedeutendste Verfahrensgebiet ist der Atzelberg in einer Größenordnung
von 168000 qm und rund 70 Teilnehmern; es steht vor dem Abschluß;
die ersten Erschließungsmaßnahmen sind mit dem Kanalbau
angelaufen.
Verlangsamtes Steigen der Grundstückspreise
Auf dem Gebiet der Grundstücksbewertung
ist es nach dem gebremsten Wirtschaftsjahr 1967 wieder lebhafter
geworden. Die bisher gewohnte Aufwärtsbewegung der Grundstückspreise
hat sich für die "Mangelware Grund und Boden" jedoch
wesentlich verlangsamt. Vorratskäufe in Bauerwartungsgebieten
sind nur noch ganz geringfügig aufgetreten mit Ausnahme einiger
großer Spekulationskäufe im Süden der Stadt. Im
Innern der Stadt, in der City, sind die Grundstückspreise nach
wie vor sehr unterschiedlich je nach der Interessenlage. In alten
Wohnbaugebieten um die Innenstadt herum, die sich in Umstrukturierung
befinden und eine höhere Ausnutzung als bisher erwarten lassen,
betragen sie etwa das 2- bis 5fache der normal genutzten Liegenschaften.
In Neubaugebieten, die kurz vor der Erschließung stehen, klettern
die Rohbaulandpreise noch immer bis auf die Höhe des Nettobaulandes
(straßenbeitragsfreies Bauland). Als Besonderheit ist zu vermerken,
daß den Frankfurter Finanzämtern aus den Kaufpreissammlungen
und Wertkarten in Amtshilfe Richtwerte über das gesamte Stadtgebiet
zur Verfügung gestellt wurden. Diese Werte sollen für
die neue Einheitsbewertung als Grundlage dienen. Das Archiv des
Amtes, die Plankammer, sowie die Vervielfältigungseinrichtungen
für Karten und Pläne durch Reproduktionen und Lichtpausen
wurden weiterhin lebhaft in Anspruch genommen. Der Wunsch nach guter
Qualität und maßhaltigem Papier und Folien ist stärker
hervorgetreten.
Berichtszeitraum: 1969-72
Das Städtebauförderungsgesetz (StBauFG)
vom 1.8.1971 hat erhebliche Auswirkungen auf die Sachgebiete Baulandumlegungen
und Grundstücksbewertung. Vorbereitungen im Zusammenhang mit
dem Stadtplanungsamt für ein Gebiet in Bockenheim sind angelaufen.
Die großen Verkehrsbaumaßnahmen in der Innenstadt, die
rege private Bautätigkeit, die Schulbauprogramme und die kurzfristige
Erstellung von Kindertagesstätten waren neben den Unterlagen
für Strukturuntersuchungen, Flächennutzungs- und Bebauungsplänen
Schwerpunkte des Einsatzes der Grundlagen-, Urkunds- und Ingenieurvermessungen
sowie der Karten- und Lageplanherstellung verschiedenster Maßstäbe
und Thematik. Mit der neuen Organisation des Amtes, die im Juni
1971 mit Magistratsbeschluß Nr.1274 eingeführt wurde,
ist eine straffe Zusammenfassung der Sachgebiete erreicht worden.
In der gleichen Zielrichtung lagen auch die Bestrebungen zur Kommunalisierung
des staatlichen Katasters im Stadtgebiet, um endlich die bestehende
Zweigleisigkeit abzubauen. Eine Aufgabe besonderer Art fiel dem
Amt durch den Auftrag des Deutschen Städtetages zu, eine Ausstellung
des kommunalen Vermessungs- u. Liegenschaftswesens für den
internationalen Geometerkongreß im Herbst 1971 in Wiesbaden
(GEO 71) zu gestalten.
Die Nutzung der elektronischen Datenverarbeitung
wird intensiviert
Durch Änderung der Maschinenkonfiguration
im Kommunalen Gebietsrechenzentrum (KGRZ) mußte eine programmtechnische
Neuentwicklung.erfolgen. Im Zuge dieser Arbeiten wurde die Datenorganisation
grundlegend verbessert. Auf einem externen Plattenspeicher stehen
nunmehr die Koordinaten von ca. 120000 Vermessungs- und Grenzpunkten
und die Programme in direktem Zugriff. Durch Katalogisierung des
vermessungstechnischen Programmkomplexes einschließlich Phasensteuerung
wurde die Voraussetzung für das Multiprogramming geschaffen,
um zu einer schnelleren Abwicklung der rechnerischen Aufgaben des
Amtes im KGRZ zu kommen. Da die Datenfernverarbeitung auf absehbare
Zeit noch nicht eingesetzt werden kann, wurde als Behelfslösung
für kurzfristige Absteckungsberechnungen ein programmierbarer
elektronischer Tischrechner angeschafft. Der manuelle Aufwand bei
Arbeiten mit dieser Anlage ist allerdings noch so hoch, daß
nach weiteren Rationalisierungsmöglichkeit durch Maschineneinsatz
Ausschau gehalten werden muß. Neben der Anwendung in der Rechentechnik
hat die Elektronik auch Eingang in die Messungstechnik gefunden.
Ein elektrooptisches Entfernungsmeßgerät EOK 2000 mit
einer Reichweite von 2000 m bei cm-Genauigkeit trägt insbesondere
bei Präzisionsvermessungen im Grundlagenetz zu einer Genauigkeitssteigerung
und Arbeitsbeschleunigung bei.
Bodenordnung (Umlegung) und Grundstücksbewertung
gewinnen bei den städtebaulichen Aufgaben an Gewicht
In der Berichtszeit wurden 11 Verfahren mit einer
Gesamtfläche von 53 ha, auf der etwa 1500 Wohnungen erstellt
werden können, abgeschlossen und 10 Verfahren für rund
1000 Wohnungen gesetzlich eingeleitet. Vorbereitungen der Bodenordnung
in dem Wohnbaugebiet Sindlingen Süd" mit einer Fläche
von 10 ha sind angelaufen. Im Sachgebiet Grundstücksbewertung
(Grundwertstelle und Geschäftsstelle des Gutachterausschusses)
nahm die Wertermittlung für bebaute und unbebaute Grundstücke
am auffallendsten zu. Die Steigerung von 2200 im Jahre 1969 auf
2750 Anforderungen im Jahre 1971 betrug damit fast 25%. Die Zahl
der Gutachten hat sich nicht erhöht, weil u.a. die Kaufpreissammlungen
wegen der angespannten Personallage nur lückenhaft fortgeführt
werden konnten. Aus den gleichen Gründen war auch die Statistik
nicht auf dem laufenden zu halten und die Aufstellung und Herausgabe
einer Richtwertkarte für das Jahr 1971 nicht durchführbar.
Mit den Sanierungsmaßnahmen des StBauFG wird das Sachgebiet
zwangsläufig mehr in Anspruch genommen werden. Von der verbindlichen,
gut begründeten Wertermittlung der Einwurfs- und Zuteilungswerte
hängt in hohem Maße die finanzielle Durchführbarkeit
derartiger Maßnahmen ab.
Vermessungs-, Karten- und Vervielfältigungstechnik
werden stärker in Anspruch genommen
Der Berichtszeitraum war in der Grundlagemessung
(Lagenetz) gekennzeichnet durch gestiegene Anforderungen als Auswirkung
der Genauigkeitsansprüche des Koordinatenkatasters, durch notwendige
Netzverdichtungen für U- und S-Bahnbau und für großräumige
Straßenbaumaßnahmen. Im Höhennetz machten die umfangreichen
Grundwasserabsenkungen für Tief- und Hochbaumaßnahmen
eine Fülle von zusätzlichen Kontrollmessungen z.B. für
die Überwachung von Gebäudesenkungen notwendig. Zur Verkürzung
der Meßwege zwischen den wenigen geologisch sicheren Anschlußpunkten
im Stadtgebiet wurde in zentraler Lage ein Rohrfestpunkt eingebracht
und in etwa 100 m Tiefe gegründet. Im Bereich der Ingenieurmessungen
fielen die Sondereinsätze zur Hochwassereinmessung im Frühjahr
1970 und für die Stadion-Vorplanung, Paßpunktbestimmungen
für aero-photogrammetrische Auswertungen und bauvorbereitende
und -begleitende Messungen am Monte Scherbelino sowie für die
Brücken im Zuge der Rosa- Luxemburg-Straße als Arbeitsschwerpunkte
an. Sechs Baulandumlegungen wurden vermessungstechnisch bearbeitet.
Für Zwecke der Kartenherstellung mit der automatischen Zeichenanlage
und zugleich als Vorbereitung umfangreicher Messungen für großräumige
Verkehrsbaumaßnahmen wurden ca. 6,1 km 2 des Stadtgebietes
koordinatenmäßig aufbereitet. Trotz des intensiven Einsatzes
der EDV konnte jedoch keine Entspannung in der Auftragssituation
erreicht werden. Im Grundkartenwerk 1:1000 konnte trotz personeller
Schwierigkeit eine durchschnittliche Laufendhaltung von 20% erreicht
werden, weil die Herstellung der Karte 1:500 nur noch reprotechnisch
erfolgt. Die Menge der örtlichen topographischen Ergänzungsmessungen
war durch eigene Kräfte nicht möglich, jedoch durch Vergabe
erreichbar. Außer den verschiedenen Standardkartenwerken und
Spezialkarten wurden in den Jahren 1969-1972 berichtigt und neu
herausgegeben:
- Übersichtskartenwerk 1:10000 in 10 Blättern
und 9 Farben
- Straßen- und Verkehrskarte in 6 Blättern
und 8 Farben
- Verkehrsplan mit U-Bahn-, Straßenbahn-
u. Buslinien zum Aushang an den Stationen, berichtigt im halbjährlichen
Turnus
- Sonderkarte 1:2000 Nordweststadt in 4 Farben
- Forstkarte in 6 Farben von Stadtwald zum
600jährigen Bestehen.
Als Beitrag zur Verkehrssicherheit der Schulkinder
wurde für jede Schule ein Schulwegplan im Zwei- und Dreifarben-Druck
hergestellt. Mit der Beschaffung einer Offsetandruckpresse für
Landkartendruck wurde das Amt in die Lage versetzt, alle kartographischenArbeiten
von der Herstellung neuer Karten bis zum fertigen Kartendruck selbst
durchzuführen. Damit wurde die Schwierigkeit, kleinere Auflagen
bei den Privatdruckereien unterzubringen, weitgehend beseitigt und
Vorsorge getroffen für die Herausgabe mehrfarbiger, besser
lesbarer Bebauungspläne. Die Lichtpausanstalt konnte die 35%
jährliche Mehranforderungen durch eine moderne, sehr leistungsfähige
Pausmaschine gut auffangen. Die Leistungsfähigkeit der Reproanstait
wurde durch verbesserte und ergänzende Betriebseinrichtungen
wesentlich erhöht.
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