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Zu den ältesten Unternehmen ihrer Art gehört
die Spezialfabrik für elektrische Schaltgeräte und Schaltanlagen,
die VOIGT & HAEFFNER AG. Ihre
Anfänge reichen bis auf die im Jahre 1885 gegründete Firma
Staudt & Voigt zurück und sind eng mit der frühesten
Entwicklung der Starkstromtechnik verbunden. Im Laufe der Zeit wurde
das Fertigungsprogramm, der allgemeinen technischen Entwicklung
folgend, neben dem Installationsmaterial auch auf Schaltgeräte
und Anlagen für Hoch- und Niederspannung sowie Elektrowärmegeräte
ausgedehnt. Die Aktienmehrheit der Gesellschaft befindet sich seit
1939 im Besitz der Deutschen Continental-Gas-Gesellschaft.
Das Frankfurter Hauptwerk erlitt bei insgesamt sieben Luftangriffen
im zweiten Weltkrieg schwere Schäden; 36 Mitarbeiter verloren
ihr Leben und über 80% der Gebäude und Betriebseinrichtungen
wurden vernichtet. Da 1942 in Soden-Salmünster ein Zweigwerk
als Ausweichbetrieb für die Herstellung von Rohrheizkörpern
sowie Prometheus-Elektro-Wärmegeräten und im folgenden
Jahre in Langen ein weiteres Werk für Kleingeräte eingerichtet
worden waren, konnte das Unternehmen trotz des weitgehenden Ausfalles
des Hauptwerkes in bescheidenem Umfang weiter produzieren. Die beiden
Zweigwerke lagen nach dem Ende der Kampfhandlungen nur kurze Zeit
still, während das Frankfurter Hauptwerk erst nach zehn Wochen
die Erlaubnis zur Wiederaufnahme der Arbeit erhielt. Nach der Vornahme
der dringendsten Aufräumungsarbeiten begann auch hier wieder
im August 1945 die Produktion. Nur der Treue und Arbeitsbereitschaft
der Belegschaft war das zu verdanken. Unter denkbar ungünstigen
Bedingungen hielt sie in den Ruinen aus und brachte trotz unzulänglicher
Ernährung den Produktionsprozeß wieder in Gang. Ende
des Jahres beschäftigte das Unternehmen bereits wieder rund
2000 Arbeiter. Aufträge zu erhalten, war keine Schwierigkeit,
denn Bergbau und Energieversorgung verlangten dringend nach den
Erzeugnissen dieser Spezialfabrik. Aber der Mangel an Material und
Kapazität erlaubte nur eine teilweise Befriedigung der Nachfrage.

Verwaltungsgebäude,
Werkskantine und Küche von V & H an der Hanauer Landstraße,
gebaut 1953
Im übrigen nahm man von der Weiterführung
einiger im Kriege in verschiedenen Orten errichteter Ausweichbetriebe
mit Ausnahme von Soden-Salmünster und Langen Abstand und benutzte
deren erhaltene Einrichtung zur Ergänzung des Frankfurter Hauptwerkes.
Im Jahre 1946 erwies es sich jedoch als vorteilhaft, für den
Bedarf des Bergbaus und zur Ausführung von Montagearbeiten
in Gelsenkirchen ein neues Zweigwerk in gepachteten Räumen
einzurichten. Produktion und Umsatz blieben aber trotz der Heranziehung
noch vorhandener Vorräte gegenüber der Nachfrage zurück.
Der schwere Winter 1946/47 brachte dann mit den häufigen Einschränkungen
der Stromlieferungen unliebsame Stockungen und schließlich
für über sechs Wochen die völlige Stillegung des
Betriebes wegen Kohlenmangel. Angesichts der entstandenen Verluste
und der noch immer geringen Kapazität entschloß man sich,
das Grundkapital auf die Hälfte herabzusetzen, um Wertberichtigungen
vornehmen zu können.
Die allmähliche Wiederherstellung der Produktionsanlagen
und der Ausbau der innerbetrieblichen Organisation führten
in dem unter so unglücklichen Vorzeichen begonnenen Jahr 1947
dennoch zu einem günstigen Ergebnis und einer Vergrößerung
der Belegschaft. Mit großen Anstrengungen gelang es, diesen
allmählichen Aufstieg allen ungünstigen Verhältnissen
zum Trotz bis zur Währungsreform fortzusetzen.
Dann kam eine kritische Periode. Der Mangel an
Barmitteln und der verhältnismäßig langsame Kapitalumschlag
warfen nach der Währungsreform schwierige Probleme der Finanzierung
auf. Mit Hilfe fremder Mittel und dann im Jahre 1949 mit verdienten
Abschreibungen konnten der Wiederaufbau weitergeführt, 850
neue Arbeitsplätze geschaffen und bereits Ende dieses Jahres
die Produktionskapazität von 1936 wieder erreicht werden. Dabei
ließ die Gesellschaft die günstigeren Fertigungsbedingungen,
die sie dadurch erlangte, voll und ganz ihren Abnehmern durch wiederholte
Senkung ihrer Verkaufspreise zugute kommen. Zu jener Zeit war die
Umstellung der gesamten Produktion auf friedensmäßige
Qualität bereits abgeschlossen und die Weiterentwicklung der
Erzeugnisse mit besonderem Nachdruck in Angriff genommen.
1950 stiegen die Aufträge erheblich an, insbesondere
entwickelte sich der Export sehr günstig. Die Fabrikation konnte
nicht Schritt halten und Auftragsüberhänge waren die Folge,
obwohl im Zweigwerk Langen ein Neubau in Betrieb genommen und der
Wiederaufbau des Frankfurter Hauptwerkes kräftig vorangetrieben
wurde. Dafür mußten über die eigenen Mittel hinaus
Investitionskredite in Anspruch genommen werden. Die Mitarbeiterschar
wuchs wieder um ein rundes Tausend an und Ende 1950 war die Kapazität
des Jahres 1939 bereits überschritten. Es ging sichtbar aufwärts
bei V & H.
Diese intensive Wiederaufbauarbeit trug 1951 ihre
Früchte. Planmäßig konnte nun die Instandsetzung
der im Kriege zerstörten Gebäude und Anlagen des Stammwerkes
Frankfurt abgeschlossen werden. Inzwischen lief schon die Erneuerung
des Maschinenparks und der Betriebseinrichtungen an, um die gesamte
Ausstattung der Werke dem technischen Fortschritt anzupassen. Im
Hinblick darauf galt nun dem Ausbau der Versuchs- und Prüffelder
die besondere Aufmerksamkeit der Gesellschaft. Eine Zunahme des
Auftragseinganges um 5o% bei gleichzeitiger Verdopplung der Exporte
war die Voraussetzung dieser erfreulichen Entwicklung. Schwierigkeiten
der Materialbeschaffung und Preiserhöhungen aller Rohstoffe
die Folgen des Korea-Booms machten sich bis in das Jahr 1952 hinein
unliebsam bemerkbar und konnten nur teilweise durch innerbetriebliche
Rationalisierungserfolge aufgefangen werden. Der Aufstieg hielt
auch 1952 an, Produktion und Umsatz nahmen beträchtlich zu,
die Kapazität wurde durch Ausbauten und die Vermehrung des
Maschinenparks entsprechend vergrößert.
Werbung für Installationsmaterial 1954
Ein neues Verwaltungsgebäude mit Kantine gaben
1953 der Hanauer Landstraße
ein neues Gesicht. Damit kam der langfristige Wiederaufbau des Stammwerkes
zum vorläufigen Abschluß. Wichtiger, als diese für
den Außenstehenden in die Augen fallenden Bauten war die zur
gleichen Zeit systematisch fortgesetzte Modernisierung der gesamten
Betriebsanlagen. Die Qualität der Erzeugnisse wurde dadurch
weiter verbessert, vor allem erlaubte die bewußt vorangetriebene
innerbetriebliche Rationalisierungsarbeit dem Unternehmen in dem
sich verschärfenden Wettbewerb alle Preissenkungen mitzumachen
und seinen Umsatz weiter zu erhöhen. Bei den Elektrowärme-Geräten
machte sich die steigende Lebenshaltung durch beträchtliche
Zunahme der Nachfrage bemerkbar. Das führte im folgenden Jahre
zu einer Neuordnung dieses Produktionssektors. V & H stellt
seitdem im Zweigwerk Soden-Salmünster nur noch Rohrheizkörper
für alle Anwendungsgebiete sowie Geräte und Anlagen für
industrielle Verbraucher her. Die Fertigung und der Vertrieb von
Haushaltgeräten gingen auf ein Tochterunternehmen, die Prometheus
Elektrische Geräte und Heizeinrichtungen GmbH, mit dem Sitz
in Eschwege, im nordhessischen Zonengrenzgebiet, über. Die
schon Anfang 1953 vollendete Neuorganisation des Vertriebs, bei
der die Inlandvertretungen durch Technische Büros ersetzt wurden,
brachte eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit und des Kundendienstes.
Auch im Ausland wurde die Verkaufsorganisation weiter ausgebaut.
Die laufenden Entwicklungsarbeiten ergaben ausgereifte Neukonstruktionen
von Schaltgeräten, die nun in die Serienfertigung übernommen
wurden. Eine außerordentliche Hauptversammlung erhöhte
gegen Ende des Jahres das Grundkapital von 7,5 auf 10 Millionen
DM, womit dem Unternehmen weitere Mittel zuflossen, die der Modernisierung
seiner Anlagen zu gute kamen.
1955 und 1956 wuchsen Produktion und Umsatz weiter
an, obwohl Wettbewerb und Finanzierungsansprüche sich vergrößerten.
Das Investitionsprogramm konnte daher fortgesetzt werden. Neben
der allgemeinen Erneuerung der gesamten Ausrüstung galten dem
Hochleistungs-Versuchsfeld und den Forschungsstätten besondere
Aufwendungen. Die erreichte Steigerung der Produktivität erlaubte
es, die wachsenden Kosten für Rohmaterial und die Erhöhung
der Löhne und Gehälter ohne wesentliche Heraufsetzung
der Verkaufspreise aufzufangen. Neukonstruktionen von Schaltgeräten
für viele Anwendungsgebiete konnten auf den Markt gebracht
werden. Der Schaltanlagenbau paßte sich erfolgreich den neuen
Anforderungen an. Das Gebiet der Steuerungs- und Regeltechnik wurde
nachdrücklich gefördert. Ebenso brachten auf dem Elektrowärme-Gebiet
Neuentwicklungen und neue Fertigungsverfahren gute Erfolge. Das
1946 in Gelsenkirchen in Pachträumen errichtete Zweigwerk bezog
in Wattenscheid einen Fabrikneubau. Auch der Betrieb der Prometheus
GmbH in Eschwege konnte Ende 1955 anlaufen.
Außer den bereits erwähnten Beteiligungen
besitzt die Voigt & Haeffner AG noch die Eisengießerei
Wilhelma GmbH in Hanau-Kesselstadt, deren Betrieb nach schweren
Kriegsschäden ebenfalls wieder aufgebaut werden konnte. Von
der Ende 1952 in Germersheim am Rhein gegründeten Julius Hering
& Sohn Hochspannungsisolatoren GmbH, deren Aufbau noch im Gange
ist, gehören ihr zwei Drittel der Geschäftsanteile. Mit
einem Drittel ist sie an der G.Schanzenbach & Co., GmbH, in
Frankfurt-Bockenheim beteiligt. In diesem Jahre schlossen sich auch
zur Verfolgung ihrer gemeinsamen Vertriebsinteressen die Industrieunternehmen
der DCGG -die Voigt & Haeffner AG als Größte unter
ihnen- zur Continental-Elektroindustrie-Gesellschaft m.b.H. zusammen.
Minderheitsbeteiligungen an der Companhia de Eletricidade Schorchtwerke-Voigt
& Haeffner do Brasil in Saõ Paulo sowie an der Voigt
& Haeffner Española, S. A., in Madrid dienen der Exportförderung.
Im Jahre 1957 konnte die Gesellschaft schließlich die Mehrheit
ihrer früheren über ein Jahrzehnt lang der Beschlagnahme
verfallenen Beteiligung an der Norma, Fabrik für elektrische
Meßgeräte GmbH in Wien, zurückerwerben.

Arbeiter-Wohnheim der V&H in der Hanauer
Landstrasse von 1950
Inzwischen ist die Zahl der Mitarbeiter der Voigt
& Haeffner AG auf rund 56oo angewachsen, hat sich also seit
der Währungsreform etwa verdoppelt und den Höchststand
der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg erheblich überschritten.
Jahr für Jahr hat die Gesellschaft beträchtliche Aufwendungen
für freiwillige soziale Leistungen gemacht, die meist den gesetzlichen
Verpflichtungen in ihrer Höhe kaum nachstanden, ja diese mehrfach
erheblich übertrafen. Der größte Posten galt jeweils
der Alters- und Hinterbliebenen-Versorgung, auf die jeder Mitarbeiter
nach 15jähriger Betriebszugehörigkeit einen Anspruch hat.
Der Kreis der Berechtigten ist nicht klein, da das Unternehmen einen
alten Stamm treuer Mitarbeiter und viele Jubilare mit 25 und mehr
Dienstjahren hat. Die soziale Einstellung der Betriebsleitung kommt
wohl am überzeugendsten in dem Wohnheim zum Ausdruck, das sie
schon 1950 nach modernsten bautechnischen Gesichtspunkten errichten
ließ. Dort finden jeweils 140 Mitarbeiter, solange sie in
Frankfurt noch keine eigene Wohnung gefunden haben, bei äußerst
niedrigen Mieten eine vorbildliche Unterkunft. Dazu leistet das
Unternehmen laufend Zuschüsse und trägt alle Kosten für
die Instandhaltung des Gebäudes. Selbstverständlich hat
es auch durch Baukostenzuschüsse und Darlehen nach Kräften
zur Förderung des Wohnungsbaues beigetragen. Die sonstigen
sozialen Aufgaben -Unterstützung in Krankheits- und Notfällen,
Erholungsaufenthalte in Hettigenbeuren im Odenwald und mancherlei
individuelle Hilfen- werden darüber nicht vernachlässigt.
Eine eigene Sozialfürsorgerin und eine von einer Rot-Kreuz-Schwester
geleitete Sanitätsstelle sind mit diesen Aufgaben betraut.
Große Aufwendungen erfordert alljährlich auch die modern
eingerichtete Werkskantine, damit das warme Mittagessen den Mitarbeitern
wesentlich verbilligt abgegeben werden kann. Im Rahmen dieser freiwilligen
sozialen Leistungen gewährt das Unternehmen jungen, strebsamen
Anfängern Zuschüsse zum Besuch der Abendkurse einer Maschinenbauschule
und fördert damit über die werkseigenen Einrichtungen
der Nachwuchsausbildung hinaus in vorbildlicher Form die Berufserziehung.
Mit tatkräftiger Unterstützung der Stadtverwaltung
Abteilung für Wirtschaftsförderung war es der Voigt &
Haeffner AG möglich, weiteres Gelände an der Hanauer Landstraße
zur Einrichtung eines Schweißmaschinenwerkes zu erwerben.
Die Investitionen gehen also weiter. Nichts kann den durch die Erfolge
vollauf berechtigten Glauben des Unternehmens an seine Zukunft besser
bestätigen.
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