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Foto:ADOX-Foto
Der erste bedeutende Hochbau, den die WAYSS
& FREYTAG AG nach dem Ende des zweiten Weltkriegs ausführte,
war das Hochhaus Süd
(Bild oben), das dann zum Sitz der Zentralverwaltung West der AEG
bestimmt wurde. Der Bau konnte bereits 1949 begonnen werden. Gleichzeitig
war das Unternehmen auch am Neubau der Friedensbrücke
beteiligt. Natürlich hatte es schon 1945 seine Arbeit sofort
wiederaufgenommen. Man war jedoch nur ganz allmählich vorangekommen,
weil die Belegschaft nur nach und nach zu den Arbeitsplätzen
zurückkehren konnte. Ein wesentlicher Teil der Baumaschinen
und Geräte war verlorengegangen. Ebenso mußten die Niederlassungen
in Königsberg, Danzig, Stettin, Kattowitz, Breslau und Straßburg
samt den von ihnen aus geleiteten Baustellen schon während
der Kampfhandlungen aufgegeben werden. Die Niederlassung in Linz
verfiel der Beschlagnahme, die in Dresden und Halle wurden 1946
enteignet, später auch der Lagerplatz in Wilmersdorf in der
Uckermark. Mit den Bombenschäden am Frankfurter Verwaltungsgebäude
und den in den Westzonen gelegenen Niederlassungen ergab das eine
empfindliche Einbuße an Substanz. Auch ein Teil der Mitarbeiter
kehrte nicht zu ihren Arbeitsstellen zurück und mußte
unter großen Schwierigkeiten durch Neueinstellungen ersetzt
werden.
Der Name Wayss & Freytag ist für den Kundigen
aufs engste mit der Einführung des Eisenbetonbaues in Deutschland
verbunden. Entsprechend dieser großen Tradition lag das Schwergewicht
des Unternehmens immer bei Arbeiten des konstruktiven Ingenieurbaues.
Darum waren seine Mitarbeiter im besonderen Maße zur Mitwirkung
bei der Wiederinstandsetzung vieler sinnlos gesprengter Brücken
berufen. Schon 1946 und 1947 konnten sie unter Anpassung an den
großen Mangel an Holz und Stahl solche Aufgaben ohne Lehrgerüst
mit Fertigteilen aus Stahl- oder Spannbeton lösen. Im übrigen
waren sie nach Kräften bemüht, ihren alten Kunden in allen
westlichen Besatzungszonen bei der Instandsetzung kriegsbeschädigter
Bauten zu helfen. Selbstverständlich wirkte das Unternehmen
auch bei Aufräumungsarbeiten mit. Die eigene Spannbeton-Rohrfabrik
konnte zunächst ihre Produktion nicht wiederaufnehmen. Auch
die Reparaturen im eigenen Gerätepark kamen wegen Materialmangels
nur langsam voran. Immerhin waren im Augenblick der Währungsreform
eine stattliche Reihe von Aufträgen, darunter sogar einige
Neubauten, in Angriff genommen. Die meisten von ihnen konnten nach
kurzer Zeit fortgeführt werden, nur bei wenigen Baustellen
gab es vorübergehend Unterbrechungen. Ende 1948 waren alle
Umstellungsschwierigkeiten überwunden, und das Unternehmen
konnte einen ständigen Eingang neuer Aufträge verzeichnen,
der auch 1949 anhielt, so daß die Zahl der Beschäftigten
vermehrt werden mußte. Die Gesellschaft selbst konnte dank
einer besonders vorsichtigen Geschäftspolitik ihr Grundkapital
von 4 Millionen 1:1 in der DM-Eröffnungs-Bilanz umstellen.
Es ist seitdem unverändert geblieben.
Die 1948/49 übernommenen Aufträge gehörten
zumeist dem Gebiet des konstruktiven Ingenieurbaues im Hoch- und
Tiefbau an. In Nordwestdeutschland wurden Bauarbeiten für einige
Dampfkraftwerke ausgeführt, im Bremer Hafen ein großes
Lagerhaus errichtet, in Württemberg Brücken aus Spannbeton
gebaut, ferner größere Tiefbauarbeiten, beispielsweise
am Walchensee, fertiggestellt. In Frankfurt selbst bauten Wayss
& Freytag einige größere Wohnblocks und begannen
mit den Arbeiten am Hochhaus Süd und an der Friedensbrücke.
Am 15. Juni 195o bestand das Unternehmen 75 Jahre.
Von einer Feier nahm man Abstand, die Mitarbeiter erhielten jedoch
eine Jubiläumsgabe. Zu diesem Zeitpunkt war man wieder gut
beschäftigt, wenn auch der Tiefbau keineswegs ausgelastet war.
1951 erhöhte sich der Umsatz beträchtlich. In diesen beiden
Jahren führten Wayss & Freytag eine Reihe bemerkenswerter
Bauten aus. In Lübeck-Siems erstand ein großes Dampfkraftwerk.
Bei der Errichtung des Kraftwerks Fortuna II des RWE wurden fünf
Stahlbetonschornsteine erstellt und andere Bauten in Gemeinschaftsarbeit
ausgeführt. Ebenso war man an dem Lechstaudamm in Rosshaupten
beteiligt. In Stuttgart wurde eine Neckarbrücke, bei Guntershausen
eine Eisenbahnbrücke über die Fulda gebaut. Für den
Ruhrverband Essen schuf man die Kläranlage Hagen, im Hamburger
Freihafen einen großen Schuppen und im Freihafen Bremen den
Speicher I, beide unter Verwendung von Spannbeton. In Frankfurt
wirkte die Firma beim Bau der Landeszentralbank
und des Verwaltungsgebäudes für das Bundesministerium
für Ernährung und Landwirtschaft
mit.
Foto:Englert
Das erste Hochhaus der Dresdner Bank an der
Gallusanlage (hinten) wurde 1951 von Wayss & Freytag errichtet
Im Jahre 1952 wurden von den Behörden die
Mittel für die Bauaufgaben zu spät bereitgestellt. Ein
früher Beginn des Winters verkürzte dann die verbliebene
Ausführungszeit unliebsam. Dennoch konnten eine Reihe bedeutender
Bauten ausgeführt werden. In Gemeinschaftsarbeit entstanden
drei Blocks des Bremer Berufsbildungszentrums und das Hochhaus der
Rhein-Main (jetzt Dresdener) Bank in Frankfurt .
Ferner wirkten Wayss & Freytag beim Bau der Kraftwerke Goldenberg
des RWE und Aschaffenburg für das Bayernwerk mit. Allein erbauten
sie das Verwaltungsgebäude der Victoria-Versicherungen in Düsseldorf,
große Hallen in Hamburg, Karlsruhe und Frankfurt, die Werfthalle
II im Rheinhafen Karlsruhe wieder gemeinsam mit anderen Unternehmen.
Brücken in Hamburg, Frankfurt-Höchst, Berlin und Geisingen
wurden unter Verwendung von Spannbeton erstellt. Mit besonderen
Hoffnungen begann man die Herstellung von Eisenbahnschwellen aus
Spannbeton. Dafür wurde auf dem Gelände der Hauptwerkstätte
eine besondere Anlage eingerichtet. Die Bundesbahn erteilte auch
1952 laufend Aufträge. Doch in den nächsten Jahren haperte
es damit, so daß sich diese Investition erst viel später,
als man erwarten durfte, wirklich zu lohnen begann. Auch die schon
1950 eingeleiteten Bemühungen um Auslandsaufträge brachten
zwar einen ersten Preis in einem internationalen Wettbewerb für
einen Brückenbau in Südamerika, jedoch nicht den Auftrag.
1953 führten diese Anstrengungen endlich zu einem Erfolg. Im
Rahmen eines deutschen Konsortiums erhielten Wayss & Freytag
den Auftrag für die Bauarbeiten des Dampfkraftwerks Tunçbilek
in der Türkei.
Der Umsatz des Jahres 1953 lag 10% über dem
des Vorjahres. In diesem Jahr wurden zwei große Tribünenbauten
im Volkspark-Stadion Altona-Bahrenfeld und auf dem Frankfurter Eintracht-Sportplatz
Riederwald ausgeführt, wobei wiederum Spannbeton angewandt
wurde. In Gemeinschaftsarbeit war das Unternehmen an den Fernmeldebauten
der Bundespost in Frankfurt (Hochhaus), dem Verwaltungsgebäude
der Preußischen Bergwerks- und Hütten AG in Hannover
sowie beim Hochhaus "Am Plärrer" in Nürnberg,
ferner bei der Errichtung der Kraftwerke Wölfersheim und Offleben
beteiligt. Eine Spannbetonbrücke entstand in Kaiserslautern.
Schleusen wurden für die Staustufen Offenbach am Main und Wieblingen
am Neckar gebaut. Für die Emscher Genossenschaft mußte
ein großer Druckluftsenkkasten 14 Meter tief beim Pumpwerksgebäude
Duisburg-Stockum abgesenkt werden.
In den Jahren der Hochkonjunktur 1954/55 stiegen
die Umsätze wiederum beträchtlich an. Weiterhin lag das
Schwergewicht beim konstruktiven Ingenieurbau. Fast die Hälfte
aller Aufträge wurden von der Industrie im Rahmen ihrer Investitionsprogramme
erteilt, etwa 30% kamen von der öffentlichen Hand. Gemeinschaftsarbeiten
spielten wieder, insbesondere bei den Großbauten, eine bedeutende
Rolle. So wirkten Wayss & Freytag 1954 beim Bau des Verwaltungsgebäudes
für die Farbwerke Hoechst
und 1955 bei der Errichtung des Bürohochhauses E 100 der BASF
in Ludwigshafen mit. Im Wege der Arbeitsgemeinschaften wurden auch
der Fernsehturm bei Stuttgart-Degerloch als Stahlbetonsäule
und das Amerikanische Generalkonsulat in Frankfurt ,
dieses in Stahlbetonskelettbau mit allen Nebenarbeiten bis zur schlüsselfertigen
Übergabe, errichtet. Die Neckarstaustufe Besigheim und die
Schleuse der Rheinstaustufe Birsfelden bei Basel, die Eindeichung
der Ortschaft Obernzell an der Donau und das Rheinhafen-Kraftwerk
Karlsruhe wurden in der gleichen Form erstellt. Auch beim Bau der
Wahnbach-Talsperre haben Wayss & Freytag 1955
mitgewirkt.
Zu den bedeutendsten Arbeiten,
die das Unternehmen allein ausführte, gehörten 1954 das
Wohn-Hochhaus "Am Roseneck" in Berlin-Schmargendorf, eine
Leerguthalle des Großmarktes Hamburg-Hammerbrook, eine Salzlagerhalle
der Farbwerke Hoechst und die Spannbetonbrücken im Berliner
Westhafen, in Hannover, bei Lengfurt am Main und bei Dillingen an
der Saar. 1955 konnten Brückenbauten in Etterzhausen über
die Naab, in Hamburg und 1957 die Tigrisbrücke bei Mossul im
Irak vollendet werden. In Hamburg wurde das Büro- und Betriebsgebäude
"Herz", bei Nürnberg das Wasserwerk Mühlhof-Erlenstegen
gebaut. Vom Kölner Randkanal übernahmen Wayss & Freytag
zwei Lose mit 1637 Meter Stollen, der im Hufeisenprofil mit Betonverkleidung
ausgeführt wurde. Gemeinschaftsarbeiten waren wieder die Kraftwerke
Fortuna III des RWE -mit zwei monolithischen Stahlbetonschornsteinen
von 80 Meter Höhe und den Fundamenten für zwei Turbosätze,
die nach eigenem Patent erbaut wurden-, Frimmersdorf I des RWE und
Hüls für die Chemische Werke Hüls AG. Den Erweiterungsbau
des Kraftwerkes Borken der Preußag übernahmen Wayss &
Freytag allein.
Auch in den Jahren 1956 und
1957 hat sich die gute Beschäftigung des Unternehmens fortgesetzt.
Die Aufträge beanspruchten seine gesamten Kapazitäten.
Für deren maschinelle Ausrüstung wurden seit der Währungsreform
Jahr für Jahr bedeutende Aufwendungen gemacht. Ebenso stellte
die Gesellschaft alljährlich stattliche Beträge für
freiwillige soziale Leistungen zur Verfügung. Sie erreichten
1954 und 1955 etwa die Hälfte der gesetzlichen Sozialabgaben.
Daneben gewährt sie ihren Mitarbeitern Gratifikationen. Da
bei den Bauarbeitern stets nur ein begrenzter Kreis von Männern
zu der Stammbelegschaft zählt, hat die soziale Fürsorge
ein anderes Gesicht wie in einem Fabrikationsbetrieb, ganz abgesehen
davon, daß die Tarifvereinbarungen für das Baugewerbe
in den letzten Jahren viele Leistungen, die ursprünglich einmal
freiwillig gewährt wurden, zu festen Lohnbestandteilen gemacht
haben.
Dem Aufsichtsrat des Unternehmens
gehörte Dr.Alfred Petersen, der Vorsitzende des Vorstandes
der Metallgesellschaft AG, dreißig Jahre lang bis zu seinem
Ausscheiden im Jahre 1957 an. Dadurch war eine gute Verbindung der
Großbaufirma mit dem weltbekannten Frankfurter Handelshaus
gegeben.
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