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Die Fernsprech- und Funktechnik

Die Raumanordnung

Bei der Grundplanung war es eine Hauptaufgabe, die verschiedenartigen technischen Einrichtungen der Fernsprechtechnik in logischer Weise räumlich anzuordnen und aufzuteilen. Die Verbindungen zwischen Übertragungsweg, Übertragungstechnik und Vermittlungstechnik mußten so kurz wie möglich gehalten werden.

Der Übertragungsweg Funk endet an den Antennen auf dem rund 70 m hohen Westturm des Fernmeldehochhauses. Auf seiner Antennenplattform sieht man scheinwerferartige Gebilde, die Parabolantennen für den Richtfunk darstellen (Bild oben). Der Übertragungsweg Kabel führt dagegen über zwei große Einführungsschächte im Norden und Süden des Gebäudes in den Tiefkeller auf zwei etwa 3o m lange Stahlrostschleifen, wo für manche pupinisierte Kabel ein Auslauf bis zu einer Länge von 210 m möglich ist. Von hier führt der Weg dann weiter durch Deckenschlitze in den darüberliegenden Muffenraum, von wo aus die Kabel aufgeteilt in den darüberliegenden Kabelendverschlußraum (KE-Raum) gelangen. Hier endet dann der Übertragungsweg für etwa 10 Fernkabel, 15 Ortsfernkabel und 17 Bezirkskabel. Eine Ausnahme bilden die 10 Trägerfrequenzkabel, die an besonderen Kabelendstellen (KE-Gestelle) im Trägerfrequenzverstärkeramt abgeschlossen sind.

An diese KE-Gestelle schließt sich nun die Übertragungstechnik an, da es ja zunächst vor jedweder Vermittlungstätigkeit notwendig wird, die Gespräche aus ihrer Übertragungslage in die natürliche Regellage umzusetzen und die Gespräche, die einen weiten und hindernisreichen Weg zurückgelegt haben, zu verstärken und zu entzerren. Dies geschieht im ersten Obergeschoß im Trägerfrequenzverstärkeramt und im zweiten Obergeschoß im Niederfrequenzverstärkeramt in Nachbarschaft mit der Rundfunkübertragungsstelle, wo es dem hochwertigen Rundfunkprogramm ebenso ergeht wie den Gesprächen in den erstgenannten Räumen.

Den hochfrequenten Teil unserer Richtfunkübertragungstechnik finden wir selbstverständlich in der Nähe der Antennen im 12-, 13. und 14. Obergeschoß des Westturmes. Den Einrichtungen der Übertragungstechnik folgen nun die Einrichtungen der automatischen und manuellen Vermittlungstechnik. Da Frankfurt künftig ein Wählerfernamt erhalten soll, dessen Einrichtungen eng mit denen der Landesfernwahl zusammenarbeiten, war es zweckmäßig, im 3.Obergeschoß das Zentralamt des Selbstwählferndienstes unterzubringen und das 4.Obergeschoß für die manuelle Vermittlungstechnik des In- und Auslandsfernamtes vorzusehen. Die Technik der Rundfunkprogrammschaltung befindet sich in der Rundfunkübertragungsstelle selbst.

 

Das Trägerfrequenzverstärkeramt

Wie schon oben erwähnt, befinden sich die technischen Einrichtungen, die eine Mehrfachausnutzung von Fernsprechleitungen ermöglichen, im 1.Obergeschoß. Unter Mehrfachausnutzung ist hierbei die Möglichkeit zu verstehen, daß auf einer Leitung gleichzeitig ohne gegenseitige Beeinflussung mehrere Gespräche geführt werden können. Neben den modernen Weitverkehrssystemen V 6o und V 12o (6o bzw. 120 Sprechkanäle auf einer symmetrischen Vierdrahtleitung) sowie V 96o (96o Sprechkanäle bzw. 1. Fernsehband auf einer koaxialen Vierdrahtleitung) zeigen sich hier auch Bezirkssysteme wie Z 12 N und Z 6 N mit 12 bzw. 6 Sprechkanälen auf einer Zweidrahtleitung. Mit rund 7oo qm Nutzfläche ist in diesem Betriebsraum Platz für etwa 8000 Kanäle. Rund 3000 Kanäle sind zur Zeit in Betrieb (Januar 1956). Die Erweiterung um etwa 750 Kanäle für den Weitverkehr und etwa 250 Kanäle für den Bezirksverkehr ist geplant, so daß bis Ende 1956 etwa 4000 Kanäle geschaltet sein werden.

Blick in das TF-Verstärkeramt, erstes OG
Foto:Fmtz Darmstadt

Die Tragfähigkeit des Bodens von 1000 kg/qm sowie die Wärmeentwicklung in den Gestellen machten einen Gestellabstand von 1,95 m (Mitte bis Mitte) notwendig. Der erste Bauabschnitt sah den Aufbau einer sogenannten Umschalteinheit vor, die es im nachfolgenden zweiten Bauabschnitt ermöglichen sollte, die technischen Einrichtungen aus den provisorischen alten Räumen ohne Unterbrechung des Betriebes in die neuen Räume überzuleiten. Diese Umschalteeinheit (5 x 60=3oo Kanäle) war demnach ein organisch kompletter Amtsteil, der nach seiner Fertigstellung im September 1954 systemweise in Betrieb genommen wurde. Jedes dieser neugeschalteten Systeme ließ im alten Amt ein System frei werden, das nun abgebaut, ins neue Amt übergeleitet und dort nach Überholung wieder aufgebaut werden konnte. So wurden nach und nach in Abständen von je einer Woche die Systeme in das Hochhaus ohne Störung des Betriebes übergeführt. Diese Umschaltungen wurden jeweils während der Nacht von Samstag auf Sonntag, also in einer sehr betriebsschwachen Zeit, vorgenommen. Zunächst waren dies die V60-Einrichtungen, die zusammen mit dem 24-Paarigen Trägerfrequenzkabel (1,2 mm-Ader) bisher das Standard-Weitverkehrssystem bildeten. Nebenher wurden aber auch schon die Einrichtungen der modernen Systeme V 120 und V 96o aufgebaut. V 12o, ein symmetrisches System, ist speziell für den neuen Kabeltyp 17 (16 x 1,3 mm starke, styroflexisolierte Paare + 1 Koaxialkern 2,6mm/9,4mm) vorgesehen. Der Koaxialkern dieses Kabels kann mit V 96o betrieben werden, das die Übertragung von 16 Übergruppen gemäß CCIF ermöglicht. Zugleich wurden moderne Pilot- und Fernüberwachungseinrichtungen aufgebaut und zum Teil schon in Betrieb genommen.

Die Pilot-Überwachung tastet in einem Zeittakt von 1 Sekunde den 6o kHz-Pilot jeder Leitung ab und überwacht dessen Pegel. Abweichungen von größer als 0,2 N vom Sollwert werden sofort akustisch und optisch im Amt signalisiert. Unabhängig von diesem Leitungspilot ist beabsichtigt, jeder Gruppe (12 Kanäle) einen gesonderten Pilot, den sogenannten Gruppenpilot zuzuordnen, der die Möglichkeit bietet, den Pegel einer Gruppe über mehrere hintereinandergeschaltete Leitungsabschnitte hinweg zu überwachen. Eine Versuchsanlage, erstmalig mit Transistoren ausgerüstet, befindet sich auf der Strecke Frankfurt-Paris in Betrieb. Die Fernüberwachung ermöglicht es, Unregelmäßigkeiten in den unbemannten Verstärkerämtern, die im Zuge der Trägerfrequenzkabel liegen, sofort im Überwachungsamt erkennen zu lassen. So können zum Beispiel Einbruch, Feuerausbruch, gestörte Netzersatzanlage, gegebenenfalls Ausfall eines Rundfunkleitungsverstärkers unter anderem sofort als solche in einem Schauzeichenfeld erkannt werden. 31 verschiedene Signale, über einen Phantomkreis eines Tf-Vierers als Wechselstromimpulse übertragen, können mit dieser Einrichtung gegeben werden.

Zu erwähnen sei ferner die Fernspeisungsanlage im Zusammenhang mit dem System V 96o. Mit dieser Anlage erhalten die unbemannten Verstärkerämter eines Versorgungsabschnittes (in der Regel 3) ihre Stromversorgung über den Koaxialkern des Fernkabels, derselben Leitung also, die hochfrequent die 960 Gespräche überträgt. Dabei hat jeder Innenleiter (koaxiale Vierdrahtleitung) 750 V gegen Erde am Außenleiter, so daß jedes unbemannte Verstärkeramt Mit 2 x 750 =1500 V Wechselstrom versorgt wird. Der Durchschnittsverbrauch eines solchen Amtes beträgt im Höchstfall etwa 0,8 kVA. Abschließbare Kabelendgestelle in Schrankform mit steckbaren Ringübertragern, voll verkleidete Kabelroste und dergleichen mehr sind Zeugen modernen Amtsbaues.

 

Das Niederfrequenzverstärkeramt

Die Einrichtungen des Niederfrequenzverstärkeramtes im 2. Obergeschoß dienen in erster Linie der Entdämpfung und Entzerrung von ankommenden Fernsprechleitungen und der Rufübertragung. Wir finden hier den universell einsetzbaren Allverstärker II, Tonfrequenzrufumsetzer 5oo/20 Hz, 2280 Hz und 3000 Hz. Der Betriebsraum umfaßt etwa 900 qm Nutzfläche und kann im Endausbau bis zu 1600 Allverstärker und 3000 Tonfrequenzrufumsetzer aufnehmen. Zur Zeit sind rund 800 Allverstärker II und 1450 Tonfrequenzrufumsetzer in Betrieb, außerdem noch etwa 120 Zweibandendsatzverstärker sowie 20 Zweibandzwischenverstärker. Der Gestellabstand beträgt hier 1,40 m/1,20 m(Mitte bis Mitte) bei einer Bodenbelastbarkeit von 600 kg/qm.

NF-Verstärkeramt, zweites OG
Foto:Fmtz Darmstadt

Der Aufbau der Einrichtungen und die Überleitung von den alten Räumen in das Fernmeldehochhaus vollzog sich mit Hilfe einer Umschalteeinheit in ähnlicher Weise wie im Trägerfrequenzverstärkeramt. Einer reiflichen Überlegung bedurfte es bei der Vorplanung hinsichtlich der Kabelführung, der Anordnung von Hauptverteilern und Amtskabelrosten. Einmal galt es, die umfangreiche, mannigfaltige Schaltlast in übersichtlicher Weise zu bewältigen, und zum anderen durfte man im Hinblick auf künftige Erweiterungen sich die Wege nicht verbauen und mußte daher zweckmäßige Reserven schaffen. Das Problem wurde zunächst durch die Aufstellung und Beschaltung zweier Hauptverteiler neuerer Bauart mit je 17 Verteilergestellen gelöst. Während der eine (Vh Tf) mit den Kanalein- und Ausgängen aller Tf-Systeme beschaltet ist, nimmt der andere (Vh Nf 1) sämtliche Amtseinrichtungen des Niederfrequenzverstärkeramtes auf. Der Tf-Hauptverteiler und der Nf-Hauptverteiler befinden sich also Front an Front in gleichen Betriebsräumen. Die Aufstellung eines weiteren Hauptverteilers (Vh Nf 2) ist geplant.

Selbst die Angaben, daß hier an Ort und Stelle etwa 250000 Lötstellen gefertigt und im Erstausbau an die 25 km Systemkabel verlegt wurden, können kaum ein Bild von den ungeheuren Schaltarbeiten vermitteln. Mit Blech verkleidete Gestellfüße, in denen sich die Netzanschlüsse für Handlampe oder Lötkolben befinden und verkleidete Amtskabelroste zeigen auch hier eine sehr moderne Amtsbautechnik. Die Systemkabel werden nicht mehr gebunden, sie liegen lose, von Abstandstiften zu einem Paket gehalten, in den Amtsrosten. Die Wechselstrommeßstelle wird mit neuzeitlichen, hufeisenförmig abgewinkelten Meßtischen ausgerüstet, die ein Pegelbildgerät und einen Pegelschreibzusatz enthalten. Für die Abwicklung des Fernkabeldienstleitungsverkehrs wird eine Vermittlung mit 5 Schränken F 36 aufgebaut, deren Vielfachfeld mit rund 4oo Klinken beschaltet wird.

 

Die Richtfunkstelle

Im 12., 13. und 14. Obergeschoß des Westturmes sind die Funkdienste untergebracht.

Richtfunkgeräte in den Dachgeschossen
Foto:Fmtz Darmstadt

Wir treffen hier die Einrichtungen der beweglichen Funkdienste (Land- und Rheinfunk), die einen Fernsprechverkehr zwischen einem Fahrzeug auf der Autobahn, einem Schiff auf dem Rhein oder neuerdings einem Fahrgast eines Fernschnellzuges zwischen Frankfurt und Dortmund und einer ortsfesten Sprechstelle und umgekehrt ermöglichen. Für die Vermittlungstätigkeit ist zunächst ein sogenannter Überleitungsplatz aufgebaut worden, der eine Aufnahmefähigkeit von 4 Kanälen besitzt, die wahlweise durch Schalter (ohne Stöpsel und Schnur) mit einer ankommenden bzw. abgehenden Orts- oder Fernamtsleitung verbunden werden können. Aus den alten Räumen wurden die Dezimeterrichtfunkgeräte älterer Art (Michael) mit den dazugehörenden Tf-Systemen für die Modulation (FTF 10, MEK 8 und Tfb) vorübergehend in das Hochhaus übergeleitet. Zur Zeit befinden sich zwei Michael-Geräte in Richtung Nürnberg in Betrieb und zusammen etwa 6o Tf-Kanäle, die zum Teil Michael-Geräte der Richtfunkstelle auf dem Großen Feldberg im Taunus modulieren.

Der 72 Meter hohe Turm der Richtfunkstelle Feldberg wurde bis zum 1.Juni 1950 vom Hessischen Rundfunk wiederaufgebaut und eröffnet.

 

An modernen Richtfunkgeräten sind 4 PPM 24-Systeme in Richtung Mannheim und 2 PPM 24-Systeme in Richtung Kassel aufgebaut worden und in Betrieb. Diese pulsphasenmodulierten Dezimeterrichtfunksysteme erlauben es, im 2000 MHz-Band über einen Parabolspiegel mit 3 m bzw. 1,75 m Durchmesser 24 Fernsprechkanäle von 300-34oo Hz zu übertragen. Ferner ist hier eine FM 6o-Anlage aufgebaut und in Richtung Würzburg über einen 3m-Parabolspiegel in Betrieb genommen worden. Dieses frequenzmodulierte System, das ebenfalls im 15 cm-Gebiet arbeitet, wird von einer Obergruppe (6o Fernsprechkanäle) des Trägerfrequenzverstärkeramtes moduliert.

Parabolspiegel auf dem Dach des Westturms

Die Rundfunkübertragungsstelle

In der Rundfunkübertragungsstelle im 2. Obergeschoß des nordöstlichen Seitenflügels werden die hochwertigen Rundfunkleitungen entdämpft und entzerrt sowie optisch und akustisch überwacht . Außerdem werden die Schaltungen der Modulationsleitungen, Programmzubringerleitungen und der Programmaustauschleitungen zwischen den einzelnen Rundfunkgesellschaften durchgeführt. Für das neue Amt ist der Rundfunkleitungsverstärker 54 in Schrankbauweise vorgesehen, der speziell für die rundfunkmäßige Ausnutzung der modernen Tf-Kabelvierer geeignet ist. Da das bisherige Kreuzschienenverteilerschaltfeld die geforderten 40 Programmwege (bei insgesamt 240 Rundfunkleitungen) nicht mehr aufnehmen kann, wurde ein neues Schaltfeld mit Drehschaltern entwickelt, das erstmals in Frankfurt aufgebaut wird.

Schalt- und Überwachungsfeld für Rundfunkübertragungen

Neben vier akustisch hochwertigen Kontrollzellen werden außerdem zwei moderne Studioräume für Band- und Dimaphonaufnahmen eingerichtet, die technisch mit einem Regieraum gekoppelt sind. Der Aufbau dieser Einrichtungen wird erst im Herbst 1956 beendet sein. Bei der Anordnung der Kontrollzellen und der Studioräume sind vor allem die akustischen Bedingungen berücksichtigt worden.

 

Das Zentralamt des Selbstwählferndienstes

An die Einrichtungen der Übertragungstechnik knüpft sich nun die Vermittlungstechnik an. Die automatische Vermittlungstechnik im 3. Obergeschoß des Hauptgebäudes besteht aus den Selbstwählferndiensteinrichtungen für das Zentralamt 6, das Doppelhaupt- und Doppelknotenamt Frankfurt. Bei der Einrichtung des Zentralamtes konnten zahlreiche technische Fortschritte verwirklicht sowie jüngste Erkenntnisse auf dem Gebiet der Fernwahltechnik nutzbringend angewandt werden.


Foto:Göllner

Der etwa 96 m lange und 16 m breite Betriebsraum (Bild oben) mit rund 1500 qm Nutzfläche ist durch den sogenannten Hauptverteilerraum halbiert worden. Während sich in dem östlichen Teil zur Zeit ausschließlich die Wählimpuls-Übertragungstechnik befindet, ist in der westlichen Hälfte die gesamte Fernwähltechnik mit ihren zentralen Gliedern untergebracht. Nicht nur aus amtsbautechnischen Gründen (Kabelführung), sondern vor allen Dingen aus rein betrieblichen Erwägungen heraus hat man der Wählimpuls-Übertragungstechnik in ihrer Gesamtheit einen eigenen Platz zukommen.lassen, zumal diese Geräte ein Koppelglied zwischen Übertragungstechnik und Vermittlungstechnik darstellen. Das vieldiskutierte Problem "Elektronenröhre im Wählersaal?" fand hier eine geschickte Kompromißlösung. In diesem "Übertrager-Saal", wie er allgemein genannt wird, finden wir so neben den in ankommender Richtung betriebenen Gleichstrom- und Wechselstromübertragungen in der Hauptsache die Tonwahlübertragungen für beide Richtungen mit den zum Teil zugeordneten Gabelübertragungen. Lediglich die in abgehender Richtung betriebenen Gleich- und Wechselstromübertragungen befinden sich, direkt hinter den Endamtsgruppenwähler im Wählersaal. Die Tonwahlübertragungen für die Städtefernwahl sind hauptsächlich nach dem Einfrequenzwahlsystem mit 3ooo Hz ausgeführt, jedoch befinden sich auch Übertragungen nach den vom CCIF empfohlenen Zweifrequenzwahlsystem mit 2400/2040 Hz in Betrieb.

In dem langgestreckten Fernwählersaal erwies sich eine hufeisenförmige Kabelführung über die mannigfaltigen Einrichtungen hinweg als sehr zweckmäßig. Anfang und Ende dieses Hufeisens stoßen dabei auf den quergestellten Hauptverteiler. Dementsprechend ordnen sich die einzelnen Gruppen gemäß der Übergangstechnik wie folgt an:

  • Hauptverteiler (Vh),
  • Umsteuerwähler (UW),
  • Zählimpulsgeber (ZIG) mit Suchwähler (SW) und Verzoner (VZ),
  • über Kabelbrücke in der Zwischendecke zum Zentralamtsgruppenwähler (ZGW),
  • Hauptamtsgruppenwähler (HGW),
  • Knotenamtsgruppenwähler (KGW),
  • Endamtsgruppenwähler (EGW),
  • abgehende Gleich- bzw. Wechselstromübertragung zurück zum Hauptverteiler.

Diese Anordnung brachte ein Optimum hinsichtlich der Amtsverkabelung. Drei quer durch den Stahlskelettbau verlaufende sogenannte Dehnungsfugen machten bei den Amtskabelrosten Ausgleichsbrücken notwendig, damit bei Ausdehnung des Gebäudes die einzelnen Adern nicht reißen. Außer dem Hauptverteiler (71 Buchten) wurden 15 Zwischenverteiler aufgestellt, die zur Aufnahme von Verbindungskabeln mit Kabelrosten untereinander verbunden sind. Die Kabelquerverbindungen zur Überbrückung des Mittelganges befinden sich unsichtbar in der Zwischendecke. Die Schienen für die Stromversorgung sind mit einem Querschnitt von 3000 qmm über die Gestellreihen hinweg geführt. An jedem Gruppenrahmen ist zum Mittelgang hin eine Griffsicherung angebracht, die es gestattet, bei Gefahr (zum Beispiel Kurzschlußbrand) sämtliche Gestelle dieses Gruppenrahmens von -6o V zu trennen.

Um sich eine Vorstellung von dem Umfang der Arbeiten für den Erstaufbau machen zu können, sei erwähnt, daß während des einjährigen Aufbaues etwa 80000 Montagestunden von durchschnittlich 40 Monteuren geleistet wurden. In etwa 360 m Gestellreihen wurden über 3000 Gruppenwähler, 1200Übertragungen, 619 UW, 240 ZIG, 48 SW und 48 VZ eingebaut, eine Einrichtung, die für etwa 16000 Gespräche pro Tag berechnet war. Diese erste Baustufe ging am 19.Februar 1955 in Betrieb. Der unerwartet starke Verkehrsanfall machte eine sofortige Erweiterung notwendig. Dies geschah dann in der zweiten Baustufe, die neben den Einrichtungen für die vierdrähtige Durchschaltung eine vierte Gruppe ZIG/SW/VZ (1 Gruppe 70 ZIG + 16 SW + 16 VZ) enthielt. Die Einrichtungen dieses Bauabschnittes wurden am 22.April 1955 in Betrieb genommen. Mit dieser Anlage wurde im Monat Mai 1955 ein Tagesdurchschnitt von rund 21500 Selbstwählferndienstgesprächen mit einer durchschnittlichen Gesprächsdauer von 3 Minuten erzielt. Der Tagesdurchschnitt der Belegungen lag bei etwa 90000 mit einer durchschnittlichen Belegungsdauer von 1 Minute. Der große Unterschied zwischen der Anzahl der Belegungen und der Anzahl der SWFD-Gespräche erklärt sich hierbei in erster Linie aus den Anrufen des Fernamtes und der Sonderdienste, die umgesteuert werden müssen, den Fällen "Teilnehmerbesetzt" bzw. "Gassenbesetzt" und den Falschwahlen infolge der Änderung mancher Ortskennzahlen.

Inzwischen sind zwei weitere ZIG-Gruppen in Betrieb gegangen, so daß von den 6 Gruppen (420 ZIG, 96 SW, 96 VZ) im Dezember 1955 ein Tagesdurchschnitt von 33500 Gesprächen geleistet werden konnte. Zur Zeit (Januar 1956) besteht neben dem Selbstwählferndienst innerhalb des Doppelknotenamtsbereiches und teilweise des Doppelhauptamtsbereiches die Städtewahl in beiden Richtungen mit München, Stuttgart, Mannheim, Düsseldorf, Köln und Bonn. Für das Rechnungsjahr 1956 ist die Aufnahme weiterer Verkehrsbeziehungen in den Selbstwählferndienst, wie zum Beispiel Hamburg, Hannover, Nürnberg, Kassel, Gießen, Aschaffenburg u.a. vorgesehen.

 

Der Fernsaal

Die manuelle Vermittlungstechnik im 4.Obergeschoß sieht für den Inlandsferndienst ein Wählerfernamt mit Vermittlungstischen in "Schulbankaufstellung" vor. Es wird dann eine Gesprächsverbindung nicht mehr mit Stöpsel und Schnur und einem Vielfachfeld, sondern mit Hilfe von Richtungstasten und Wählern hergestellt werden. Der Aufbau des Übersee- und Auslandsfernamtes soll etwa im Herbst 1956 begonnen werden. In 5 Schrankreihen werden je Reihe 16 Betriebsplätze (F 36/5o mit Zahlengeber) und 2 Aufsichtsplätze aufgestellt. Die 840 + 480 durchgangsfähigen Leitungen des Inland- und Auslandvielfachs werden über neue Gabelklinkenübertragungen (mit Seiteneingang für Fernwahl) herangeführt. Jeder Platz ist als Sprachensonderplatz für eine von 5 Sprachengruppen schaltbar. Spricht also z.B. die Beamtin am Platz 26 Italienisch, so kann sie an ihrem Platz in einem besonderen Tastenfeld die Taste "Italienisch" ziehen. Sämtliche Gesprächsanmeldungen in italienischer Sprache können sodann von allen übrigen Plätzen auf den Platz 26 durch Tastendruck übergeben werden.

Das Überseeamt wird für 30 Kanäle angelegt (z.Zt. sind 12 in Betrieb). Die Kanalplätze, die künftig ohne Hilfsplätze arbeiten, sind mit einem sog. Übersee-Betriebsschaltplatz gekoppelt, der die jeweilige Betriebsrichtung festlegt und sämtliche Kanäle betrieblich überwachen kann. Vier Übersee-Ermittlungsplätze, zwei Auskunfts, Leit- und Gebührenstellen, die über Rohrpost mit den Fernplätzen verkehren, sowie eine Platzwähleranlage sorgen für eine flüssige Betriebsabwicklung, soweit möglich im Sofortverkehr. Es ist ferner in Aussicht genommen, einen Betriebsversuch mit der CCI-Codewahltechnik (Zweifrequenzwahl) für den halbautomatischen Dienst durchzuführen. Er soll sich zunächst auf zwei Leitungspaare (ankommend und abgehend) erstrecken. Für diesen Versuch sind als Gegenämter die zwischenstaatlichen Fernämter der Schweiz und der Niederlande vorgesehen.

Dipl.Ing. Eisenhut, Postassessor, 1956

 
frankfurt baut auf