| Die Fernsprech-
und Funktechnik
Die Raumanordnung
Bei der Grundplanung war es eine Hauptaufgabe,
die verschiedenartigen technischen Einrichtungen der Fernsprechtechnik
in logischer Weise räumlich anzuordnen und aufzuteilen. Die
Verbindungen zwischen Übertragungsweg, Übertragungstechnik
und Vermittlungstechnik mußten so kurz wie möglich gehalten
werden.

Der Übertragungsweg Funk endet an den Antennen
auf dem rund 70 m hohen Westturm des Fernmeldehochhauses. Auf seiner
Antennenplattform sieht man scheinwerferartige Gebilde, die Parabolantennen
für den Richtfunk darstellen (Bild oben). Der Übertragungsweg
Kabel führt dagegen über zwei große Einführungsschächte
im Norden und Süden des Gebäudes in den Tiefkeller auf
zwei etwa 3o m lange Stahlrostschleifen, wo für manche pupinisierte
Kabel ein Auslauf bis zu einer Länge von 210 m möglich
ist. Von hier führt der Weg dann weiter durch Deckenschlitze
in den darüberliegenden Muffenraum, von wo aus die Kabel aufgeteilt
in den darüberliegenden Kabelendverschlußraum (KE-Raum)
gelangen. Hier endet dann der Übertragungsweg für etwa
10 Fernkabel, 15 Ortsfernkabel und 17 Bezirkskabel. Eine Ausnahme
bilden die 10 Trägerfrequenzkabel, die an besonderen Kabelendstellen
(KE-Gestelle) im Trägerfrequenzverstärkeramt abgeschlossen
sind.
An diese KE-Gestelle schließt sich nun die
Übertragungstechnik an, da es ja zunächst vor jedweder
Vermittlungstätigkeit notwendig wird, die Gespräche aus
ihrer Übertragungslage in die natürliche Regellage umzusetzen
und die Gespräche, die einen weiten und hindernisreichen Weg
zurückgelegt haben, zu verstärken und zu entzerren. Dies
geschieht im ersten Obergeschoß im Trägerfrequenzverstärkeramt
und im zweiten Obergeschoß im Niederfrequenzverstärkeramt
in Nachbarschaft mit der Rundfunkübertragungsstelle, wo es
dem hochwertigen Rundfunkprogramm ebenso ergeht wie den Gesprächen
in den erstgenannten Räumen.
Den hochfrequenten Teil unserer Richtfunkübertragungstechnik
finden wir selbstverständlich in der Nähe der Antennen
im 12-, 13. und 14. Obergeschoß des Westturmes. Den Einrichtungen
der Übertragungstechnik folgen nun die Einrichtungen der automatischen
und manuellen Vermittlungstechnik. Da Frankfurt künftig ein
Wählerfernamt erhalten soll, dessen Einrichtungen eng mit denen
der Landesfernwahl zusammenarbeiten, war es zweckmäßig,
im 3.Obergeschoß das Zentralamt des Selbstwählferndienstes
unterzubringen und das 4.Obergeschoß für die manuelle
Vermittlungstechnik des In- und Auslandsfernamtes vorzusehen. Die
Technik der Rundfunkprogrammschaltung befindet sich in der Rundfunkübertragungsstelle
selbst.
Das Trägerfrequenzverstärkeramt
Wie schon oben erwähnt, befinden sich die
technischen Einrichtungen, die eine Mehrfachausnutzung von Fernsprechleitungen
ermöglichen, im 1.Obergeschoß. Unter Mehrfachausnutzung
ist hierbei die Möglichkeit zu verstehen, daß auf einer
Leitung gleichzeitig ohne gegenseitige Beeinflussung mehrere Gespräche
geführt werden können. Neben den modernen Weitverkehrssystemen
V 6o und V 12o (6o bzw. 120 Sprechkanäle auf einer symmetrischen
Vierdrahtleitung) sowie V 96o (96o Sprechkanäle bzw. 1. Fernsehband
auf einer koaxialen Vierdrahtleitung) zeigen sich hier auch Bezirkssysteme
wie Z 12 N und Z 6 N mit 12 bzw. 6 Sprechkanälen auf einer
Zweidrahtleitung. Mit rund 7oo qm Nutzfläche ist in diesem
Betriebsraum Platz für etwa 8000 Kanäle. Rund 3000 Kanäle
sind zur Zeit in Betrieb (Januar 1956). Die Erweiterung um etwa
750 Kanäle für den Weitverkehr und etwa 250 Kanäle
für den Bezirksverkehr ist geplant, so daß bis Ende 1956
etwa 4000 Kanäle geschaltet sein werden.
Blick in das TF-Verstärkeramt, erstes
OG
Foto:Fmtz Darmstadt
Die Tragfähigkeit des Bodens von 1000 kg/qm
sowie die Wärmeentwicklung in den Gestellen machten einen Gestellabstand
von 1,95 m (Mitte bis Mitte) notwendig. Der erste Bauabschnitt sah
den Aufbau einer sogenannten Umschalteinheit vor, die es im nachfolgenden
zweiten Bauabschnitt ermöglichen sollte, die technischen Einrichtungen
aus den provisorischen alten Räumen ohne Unterbrechung des
Betriebes in die neuen Räume überzuleiten. Diese Umschalteeinheit
(5 x 60=3oo Kanäle) war demnach ein organisch kompletter Amtsteil,
der nach seiner Fertigstellung im September 1954 systemweise in
Betrieb genommen wurde. Jedes dieser neugeschalteten Systeme ließ
im alten Amt ein System frei werden, das nun abgebaut, ins neue
Amt übergeleitet und dort nach Überholung wieder aufgebaut
werden konnte. So wurden nach und nach in Abständen von je
einer Woche die Systeme in das Hochhaus ohne Störung des Betriebes
übergeführt. Diese Umschaltungen wurden jeweils während
der Nacht von Samstag auf Sonntag, also in einer sehr betriebsschwachen
Zeit, vorgenommen. Zunächst waren dies die V60-Einrichtungen,
die zusammen mit dem 24-Paarigen Trägerfrequenzkabel (1,2 mm-Ader)
bisher das Standard-Weitverkehrssystem bildeten. Nebenher wurden
aber auch schon die Einrichtungen der modernen Systeme V 120 und
V 96o aufgebaut. V 12o, ein symmetrisches System, ist speziell für
den neuen Kabeltyp 17 (16 x 1,3 mm starke, styroflexisolierte Paare
+ 1 Koaxialkern 2,6mm/9,4mm) vorgesehen. Der Koaxialkern dieses
Kabels kann mit V 96o betrieben werden, das die Übertragung
von 16 Übergruppen gemäß CCIF ermöglicht. Zugleich
wurden moderne Pilot- und Fernüberwachungseinrichtungen aufgebaut
und zum Teil schon in Betrieb genommen.
Die Pilot-Überwachung tastet in einem Zeittakt
von 1 Sekunde den 6o kHz-Pilot jeder Leitung ab und überwacht
dessen Pegel. Abweichungen von größer als 0,2 N vom Sollwert
werden sofort akustisch und optisch im Amt signalisiert. Unabhängig
von diesem Leitungspilot ist beabsichtigt, jeder Gruppe (12 Kanäle)
einen gesonderten Pilot, den sogenannten Gruppenpilot zuzuordnen,
der die Möglichkeit bietet, den Pegel einer Gruppe über
mehrere hintereinandergeschaltete Leitungsabschnitte hinweg zu überwachen.
Eine Versuchsanlage, erstmalig mit Transistoren ausgerüstet,
befindet sich auf der Strecke Frankfurt-Paris in Betrieb. Die Fernüberwachung
ermöglicht es, Unregelmäßigkeiten in den unbemannten
Verstärkerämtern, die im Zuge der Trägerfrequenzkabel
liegen, sofort im Überwachungsamt erkennen zu lassen. So können
zum Beispiel Einbruch, Feuerausbruch, gestörte Netzersatzanlage,
gegebenenfalls Ausfall eines Rundfunkleitungsverstärkers unter
anderem sofort als solche in einem Schauzeichenfeld erkannt werden.
31 verschiedene Signale, über einen Phantomkreis eines Tf-Vierers
als Wechselstromimpulse übertragen, können mit dieser
Einrichtung gegeben werden.
Zu erwähnen sei ferner die Fernspeisungsanlage
im Zusammenhang mit dem System V 96o. Mit dieser Anlage erhalten
die unbemannten Verstärkerämter eines Versorgungsabschnittes
(in der Regel 3) ihre Stromversorgung über den Koaxialkern
des Fernkabels, derselben Leitung also, die hochfrequent die 960
Gespräche überträgt. Dabei hat jeder Innenleiter
(koaxiale Vierdrahtleitung) 750 V gegen Erde am Außenleiter,
so daß jedes unbemannte Verstärkeramt Mit 2 x 750 =1500
V Wechselstrom versorgt wird. Der Durchschnittsverbrauch eines solchen
Amtes beträgt im Höchstfall etwa 0,8 kVA. Abschließbare
Kabelendgestelle in Schrankform mit steckbaren Ringübertragern,
voll verkleidete Kabelroste und dergleichen mehr sind Zeugen modernen
Amtsbaues.
Das Niederfrequenzverstärkeramt
Die Einrichtungen des Niederfrequenzverstärkeramtes
im 2. Obergeschoß dienen in erster Linie der Entdämpfung
und Entzerrung von ankommenden Fernsprechleitungen und der Rufübertragung.
Wir finden hier den universell einsetzbaren Allverstärker II,
Tonfrequenzrufumsetzer 5oo/20 Hz, 2280 Hz und 3000 Hz. Der Betriebsraum
umfaßt etwa 900 qm Nutzfläche und kann im Endausbau bis
zu 1600 Allverstärker und 3000 Tonfrequenzrufumsetzer aufnehmen.
Zur Zeit sind rund 800 Allverstärker II und 1450 Tonfrequenzrufumsetzer
in Betrieb, außerdem noch etwa 120 Zweibandendsatzverstärker
sowie 20 Zweibandzwischenverstärker. Der Gestellabstand beträgt
hier 1,40 m/1,20 m(Mitte bis Mitte) bei einer Bodenbelastbarkeit
von 600 kg/qm.
NF-Verstärkeramt, zweites OG
Foto:Fmtz Darmstadt
Der Aufbau der Einrichtungen und die Überleitung
von den alten Räumen in das Fernmeldehochhaus vollzog sich
mit Hilfe einer Umschalteeinheit in ähnlicher Weise wie im
Trägerfrequenzverstärkeramt. Einer reiflichen Überlegung
bedurfte es bei der Vorplanung hinsichtlich der Kabelführung,
der Anordnung von Hauptverteilern und Amtskabelrosten. Einmal galt
es, die umfangreiche, mannigfaltige Schaltlast in übersichtlicher
Weise zu bewältigen, und zum anderen durfte man im Hinblick
auf künftige Erweiterungen sich die Wege nicht verbauen und
mußte daher zweckmäßige Reserven schaffen. Das
Problem wurde zunächst durch die Aufstellung und Beschaltung
zweier Hauptverteiler neuerer Bauart mit je 17 Verteilergestellen
gelöst. Während der eine (Vh Tf) mit den Kanalein- und
Ausgängen aller Tf-Systeme beschaltet ist, nimmt der andere
(Vh Nf 1) sämtliche Amtseinrichtungen des Niederfrequenzverstärkeramtes
auf. Der Tf-Hauptverteiler und der Nf-Hauptverteiler befinden sich
also Front an Front in gleichen Betriebsräumen. Die Aufstellung
eines weiteren Hauptverteilers (Vh Nf 2) ist geplant.
Selbst die Angaben, daß hier an Ort und Stelle
etwa 250000 Lötstellen gefertigt und im Erstausbau an die 25
km Systemkabel verlegt wurden, können kaum ein Bild von den
ungeheuren Schaltarbeiten vermitteln. Mit Blech verkleidete Gestellfüße,
in denen sich die Netzanschlüsse für Handlampe oder Lötkolben
befinden und verkleidete Amtskabelroste zeigen auch hier eine sehr
moderne Amtsbautechnik. Die Systemkabel werden nicht mehr gebunden,
sie liegen lose, von Abstandstiften zu einem Paket gehalten, in
den Amtsrosten. Die Wechselstrommeßstelle wird mit neuzeitlichen,
hufeisenförmig abgewinkelten Meßtischen ausgerüstet,
die ein Pegelbildgerät und einen Pegelschreibzusatz enthalten.
Für die Abwicklung des Fernkabeldienstleitungsverkehrs wird
eine Vermittlung mit 5 Schränken F 36 aufgebaut, deren Vielfachfeld
mit rund 4oo Klinken beschaltet wird.
Die Richtfunkstelle
Im 12., 13. und 14. Obergeschoß des Westturmes
sind die Funkdienste untergebracht.
Richtfunkgeräte in den Dachgeschossen
Foto:Fmtz Darmstadt
Wir treffen hier die Einrichtungen der beweglichen
Funkdienste (Land- und Rheinfunk), die einen Fernsprechverkehr zwischen
einem Fahrzeug auf der Autobahn, einem Schiff auf dem Rhein oder
neuerdings einem Fahrgast eines Fernschnellzuges zwischen Frankfurt
und Dortmund und einer ortsfesten Sprechstelle und umgekehrt ermöglichen.
Für die Vermittlungstätigkeit ist zunächst ein sogenannter
Überleitungsplatz aufgebaut worden, der eine Aufnahmefähigkeit
von 4 Kanälen besitzt, die wahlweise durch Schalter (ohne Stöpsel
und Schnur) mit einer ankommenden bzw. abgehenden Orts- oder Fernamtsleitung
verbunden werden können. Aus den alten Räumen wurden die
Dezimeterrichtfunkgeräte älterer Art (Michael) mit den
dazugehörenden Tf-Systemen für die Modulation (FTF 10,
MEK 8 und Tfb) vorübergehend in das Hochhaus übergeleitet.
Zur Zeit befinden sich zwei Michael-Geräte in Richtung Nürnberg
in Betrieb und zusammen etwa 6o Tf-Kanäle, die zum Teil Michael-Geräte
der Richtfunkstelle auf dem Großen Feldberg im Taunus modulieren.
Der 72 Meter hohe Turm der Richtfunkstelle
Feldberg wurde bis zum 1.Juni 1950 vom Hessischen Rundfunk wiederaufgebaut
und eröffnet.
An modernen Richtfunkgeräten sind 4 PPM 24-Systeme
in Richtung Mannheim und 2 PPM 24-Systeme in Richtung Kassel aufgebaut
worden und in Betrieb. Diese pulsphasenmodulierten Dezimeterrichtfunksysteme
erlauben es, im 2000 MHz-Band über einen Parabolspiegel mit
3 m bzw. 1,75 m Durchmesser 24 Fernsprechkanäle von 300-34oo
Hz zu übertragen. Ferner ist hier eine FM 6o-Anlage aufgebaut
und in Richtung Würzburg über einen 3m-Parabolspiegel
in Betrieb genommen worden. Dieses frequenzmodulierte System, das
ebenfalls im 15 cm-Gebiet arbeitet, wird von einer Obergruppe (6o
Fernsprechkanäle) des Trägerfrequenzverstärkeramtes
moduliert.
Parabolspiegel auf dem Dach des Westturms
Die Rundfunkübertragungsstelle
In der Rundfunkübertragungsstelle im 2. Obergeschoß
des nordöstlichen Seitenflügels werden die hochwertigen
Rundfunkleitungen entdämpft und entzerrt sowie optisch und
akustisch überwacht .
Außerdem werden die Schaltungen der Modulationsleitungen,
Programmzubringerleitungen und der Programmaustauschleitungen zwischen
den einzelnen Rundfunkgesellschaften durchgeführt. Für
das neue Amt ist der Rundfunkleitungsverstärker 54 in Schrankbauweise
vorgesehen, der speziell für die rundfunkmäßige
Ausnutzung der modernen Tf-Kabelvierer geeignet ist. Da das bisherige
Kreuzschienenverteilerschaltfeld die geforderten 40 Programmwege
(bei insgesamt 240 Rundfunkleitungen) nicht mehr aufnehmen kann,
wurde ein neues Schaltfeld mit Drehschaltern entwickelt, das erstmals
in Frankfurt aufgebaut wird.
Schalt- und Überwachungsfeld für
Rundfunkübertragungen
Neben vier akustisch hochwertigen Kontrollzellen
werden außerdem zwei moderne Studioräume für Band-
und Dimaphonaufnahmen
eingerichtet, die technisch mit einem Regieraum gekoppelt sind.
Der Aufbau dieser Einrichtungen wird erst im Herbst 1956 beendet
sein. Bei der Anordnung der Kontrollzellen und der Studioräume
sind vor allem die akustischen Bedingungen berücksichtigt worden.
Das Zentralamt des Selbstwählferndienstes
An die Einrichtungen der Übertragungstechnik
knüpft sich nun die Vermittlungstechnik an. Die automatische
Vermittlungstechnik im 3. Obergeschoß des Hauptgebäudes
besteht aus den Selbstwählferndiensteinrichtungen für
das Zentralamt 6, das Doppelhaupt- und Doppelknotenamt Frankfurt.
Bei der Einrichtung des Zentralamtes konnten zahlreiche technische
Fortschritte verwirklicht sowie jüngste Erkenntnisse auf dem
Gebiet der Fernwahltechnik nutzbringend angewandt werden.

Foto:Göllner
Der etwa 96 m lange und 16 m breite Betriebsraum
(Bild oben) mit rund 1500 qm Nutzfläche ist durch den sogenannten
Hauptverteilerraum halbiert worden. Während sich in dem östlichen
Teil zur Zeit ausschließlich die Wählimpuls-Übertragungstechnik
befindet, ist in der westlichen Hälfte die gesamte Fernwähltechnik
mit ihren zentralen Gliedern untergebracht. Nicht nur aus amtsbautechnischen
Gründen (Kabelführung), sondern vor allen Dingen aus rein
betrieblichen Erwägungen heraus hat man der Wählimpuls-Übertragungstechnik
in ihrer Gesamtheit einen eigenen Platz zukommen.lassen, zumal diese
Geräte ein Koppelglied zwischen Übertragungstechnik und
Vermittlungstechnik darstellen. Das vieldiskutierte Problem "Elektronenröhre
im Wählersaal?" fand hier eine geschickte Kompromißlösung.
In diesem "Übertrager-Saal", wie er allgemein genannt
wird, finden wir so neben den in ankommender Richtung betriebenen
Gleichstrom- und Wechselstromübertragungen in der Hauptsache
die Tonwahlübertragungen für beide Richtungen mit den
zum Teil zugeordneten Gabelübertragungen. Lediglich die in
abgehender Richtung betriebenen Gleich- und Wechselstromübertragungen
befinden sich, direkt hinter den Endamtsgruppenwähler im Wählersaal.
Die Tonwahlübertragungen für die Städtefernwahl sind
hauptsächlich nach dem Einfrequenzwahlsystem mit 3ooo Hz ausgeführt,
jedoch befinden sich auch Übertragungen nach den vom CCIF empfohlenen
Zweifrequenzwahlsystem mit 2400/2040 Hz in Betrieb.
In dem langgestreckten Fernwählersaal erwies
sich eine hufeisenförmige Kabelführung über die mannigfaltigen
Einrichtungen hinweg als sehr zweckmäßig. Anfang und
Ende dieses Hufeisens stoßen dabei auf den quergestellten
Hauptverteiler. Dementsprechend ordnen sich die einzelnen Gruppen
gemäß der Übergangstechnik wie folgt an:
- Hauptverteiler (Vh),
- Umsteuerwähler (UW),
- Zählimpulsgeber (ZIG) mit Suchwähler
(SW) und Verzoner (VZ),
- über Kabelbrücke in der Zwischendecke
zum Zentralamtsgruppenwähler (ZGW),
- Hauptamtsgruppenwähler (HGW),
- Knotenamtsgruppenwähler (KGW),
- Endamtsgruppenwähler (EGW),
- abgehende Gleich- bzw. Wechselstromübertragung
zurück zum Hauptverteiler.
Diese Anordnung brachte ein Optimum hinsichtlich
der Amtsverkabelung. Drei quer durch den Stahlskelettbau verlaufende
sogenannte Dehnungsfugen machten bei den Amtskabelrosten Ausgleichsbrücken
notwendig, damit bei Ausdehnung des Gebäudes die einzelnen
Adern nicht reißen. Außer dem Hauptverteiler (71 Buchten)
wurden 15 Zwischenverteiler aufgestellt, die zur Aufnahme von Verbindungskabeln
mit Kabelrosten untereinander verbunden sind. Die Kabelquerverbindungen
zur Überbrückung des Mittelganges befinden sich unsichtbar
in der Zwischendecke. Die Schienen für die Stromversorgung
sind mit einem Querschnitt von 3000 qmm über die Gestellreihen
hinweg geführt. An jedem Gruppenrahmen ist zum Mittelgang hin
eine Griffsicherung angebracht, die es gestattet, bei Gefahr (zum
Beispiel Kurzschlußbrand) sämtliche Gestelle dieses Gruppenrahmens
von -6o V zu trennen.
Um sich eine Vorstellung von dem Umfang der Arbeiten
für den Erstaufbau machen zu können, sei erwähnt,
daß während des einjährigen Aufbaues etwa 80000
Montagestunden von durchschnittlich 40 Monteuren geleistet wurden.
In etwa 360 m Gestellreihen wurden über 3000 Gruppenwähler,
1200Übertragungen, 619 UW, 240 ZIG, 48 SW und 48 VZ eingebaut,
eine Einrichtung, die für etwa 16000 Gespräche pro Tag
berechnet war. Diese erste Baustufe ging am 19.Februar 1955 in Betrieb.
Der unerwartet starke Verkehrsanfall machte eine sofortige Erweiterung
notwendig. Dies geschah dann in der zweiten Baustufe, die neben
den Einrichtungen für die vierdrähtige Durchschaltung
eine vierte Gruppe ZIG/SW/VZ (1 Gruppe 70 ZIG + 16 SW + 16 VZ) enthielt.
Die Einrichtungen dieses Bauabschnittes wurden am 22.April 1955
in Betrieb genommen. Mit dieser Anlage wurde im Monat Mai 1955 ein
Tagesdurchschnitt von rund 21500 Selbstwählferndienstgesprächen
mit einer durchschnittlichen Gesprächsdauer von 3 Minuten erzielt.
Der Tagesdurchschnitt der Belegungen lag bei etwa 90000 mit einer
durchschnittlichen Belegungsdauer von 1 Minute. Der große
Unterschied zwischen der Anzahl der Belegungen und der Anzahl der
SWFD-Gespräche erklärt sich hierbei in erster Linie aus
den Anrufen des Fernamtes und der Sonderdienste, die umgesteuert
werden müssen, den Fällen "Teilnehmerbesetzt"
bzw. "Gassenbesetzt" und den Falschwahlen infolge der
Änderung mancher Ortskennzahlen.
Inzwischen sind zwei weitere ZIG-Gruppen in Betrieb
gegangen, so daß von den 6 Gruppen (420 ZIG, 96 SW, 96 VZ)
im Dezember 1955 ein Tagesdurchschnitt von 33500 Gesprächen
geleistet werden konnte. Zur Zeit (Januar 1956) besteht neben dem
Selbstwählferndienst innerhalb des Doppelknotenamtsbereiches
und teilweise des Doppelhauptamtsbereiches die Städtewahl in
beiden Richtungen mit München, Stuttgart, Mannheim, Düsseldorf,
Köln und Bonn. Für das Rechnungsjahr 1956 ist die Aufnahme
weiterer Verkehrsbeziehungen in den Selbstwählferndienst, wie
zum Beispiel Hamburg, Hannover, Nürnberg, Kassel, Gießen,
Aschaffenburg u.a. vorgesehen.
Der Fernsaal
Die manuelle Vermittlungstechnik im 4.Obergeschoß
sieht für den Inlandsferndienst ein Wählerfernamt mit
Vermittlungstischen in "Schulbankaufstellung" vor. Es
wird dann eine Gesprächsverbindung nicht mehr mit Stöpsel
und Schnur und einem Vielfachfeld, sondern mit Hilfe von Richtungstasten
und Wählern hergestellt werden. Der Aufbau des Übersee-
und Auslandsfernamtes soll etwa im Herbst 1956 begonnen werden.
In 5 Schrankreihen werden je Reihe 16 Betriebsplätze (F 36/5o
mit Zahlengeber) und 2 Aufsichtsplätze aufgestellt. Die 840
+ 480 durchgangsfähigen Leitungen des Inland- und Auslandvielfachs
werden über neue Gabelklinkenübertragungen (mit Seiteneingang
für Fernwahl) herangeführt. Jeder Platz ist als Sprachensonderplatz
für eine von 5 Sprachengruppen schaltbar. Spricht also z.B.
die Beamtin am Platz 26 Italienisch, so kann sie an ihrem Platz
in einem besonderen Tastenfeld die Taste "Italienisch"
ziehen. Sämtliche Gesprächsanmeldungen in italienischer
Sprache können sodann von allen übrigen Plätzen auf
den Platz 26 durch Tastendruck übergeben werden.
Das Überseeamt wird für 30 Kanäle
angelegt (z.Zt. sind 12 in Betrieb). Die Kanalplätze, die künftig
ohne Hilfsplätze arbeiten, sind mit einem sog. Übersee-Betriebsschaltplatz
gekoppelt, der die jeweilige Betriebsrichtung festlegt und sämtliche
Kanäle betrieblich überwachen kann. Vier Übersee-Ermittlungsplätze,
zwei Auskunfts, Leit- und Gebührenstellen, die über Rohrpost
mit den Fernplätzen verkehren, sowie eine Platzwähleranlage
sorgen für eine flüssige Betriebsabwicklung, soweit möglich
im Sofortverkehr. Es ist ferner in Aussicht genommen, einen Betriebsversuch
mit der CCI-Codewahltechnik (Zweifrequenzwahl) für den halbautomatischen
Dienst durchzuführen. Er soll sich zunächst auf zwei Leitungspaare
(ankommend und abgehend) erstrecken. Für diesen Versuch sind
als Gegenämter die zwischenstaatlichen Fernämter der Schweiz
und der Niederlande vorgesehen.
Dipl.Ing. Eisenhut, Postassessor, 1956
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