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serie zur nachkriegszeit
die stadt um 1958.  
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nach dem zweiten Weltkrieg übernahm Frankfurt wieder die Rolle der "Finanzhauptstadt" Deutschlands, die sie längst an die Hauptstadt Berlin abgegeben hatte. Aufgrund der zentralen Lage der Stadt ließen sich unzählige öffentliche und private Bankinstitute nieder, darunter auch 1948 die Bundesbank, die hier die Währungsreform vorbereitete . Durch die darauf beginnende Marktwirtschaft konnte auch das Börsengeschäft wieder aufleben, Wertpapier-, Devisen-, und Effektenbörse ließen Frankfurt sehr schnell zum führenden Börsenplatz Deutschlands aufsteigen. Als Symbol dieser "Wiedergeburt" galt die Wiedereinweihung des großen Börsensaales am 9. Februar 1957 (Bild rechts). Der 1879 errichtete Saal war größer als vergleichbare Räume in Berlin oder Paris, was die Frankfurter damals stolz vermerkten -und auch dem Umfang der hier getätigten Geschäfte durchaus entsprach!

Foto:roebild

Fotos: W.Keim

als "Haus der Völkerfreundschaft" weihte Oberbürgermeister Bockelmann am 6. Mai 1957 das Amerika-Haus in der Staufenstraße ein. Neben der großen Bibliothek gab es auch einen Saal für Konzert- oder Theateraufführungen mit 320 Plätzen.

 

rechts: Blick in den Leseraum des Amerika-Hauses mit seiner umfangreichen Bibliothek im Erdgeschoß. Hier standen ca. 30000 Titel amerikanischer Autoren, auch eine gutsortierte Musikabteilung mit 3000 Schallplatten, sowie ein Filmverleih für Schulen waren in dem Haus untergebracht.

Foto:DB
das größte Gleisbild-Stellwerk Europas, "Fpf" wird am 11. August 1957 auf dem riesigen Gleisgelände des Frankfurter Hauptbahnhofes in Betrieb genommen. Die Steuerung von täglich etwa 1200 Reisezügen konnte zentral von hier aus geregelt werden. Doch nicht nur der direkte Bahnhofsbereich, auch die vorgelegenen Abzweigstellen und Bahnhöfe konnten dadurch weitgehend automatisiert gesteuert werden. Rechts der Blick in die Kommandobrücke des Zentralstellwerkes.

am 19. November 1957 fährt zum ersten Mal eine elektrische Lokomotive in den Hauptbahnhof ein, damit begann eine neue Ära im südwestdeutschen Schienenverkehr. Frankfurt war damit an das elektrische Streckennetz der Schweizer, Österreichischen und Italienischen Bahnen angeschlossen. Der reguläre Betrieb mit den die Bahnstrecken so lange prägenden Dampflokomotiven wird auf dem Hauptbahnhof nach fast achtzig Jahren im Jahre 1967 eingestellt.

 

Foto:A.Kern

 

Luftbilder um 1958

blick auf die Innenstadt mit der Zeil und der Hauptwache.

 

 

Foto:Aerolux

Foto:Ihle

blick vom Dom auf den Bereich Berliner- Schumacherstraße und Konstablerwache . 1958 entsteht hier das Hochhaus der Ortskrankenkasse an der Battonstraße (rechts oben), 1959 wird der Wiederaufbau des Dominikanerklosters (rechts) beendet, auch am Platz der Konstablerwache (links oben) sind weitere Geschäftshäuser entstanden.

 

luftbild vom Eschenheimer Tor.

Dieser Stadtbereich hatte nach dem Krieg ein völlig neues Gesicht erhalten. Im unteren Bildbereich dominiert der 1956 entstandene achtgeschossige Neubau der landwirtschaftlichen Rentenbank an der Hochstraße , links das Volksbildungsheim von 1908, darüber der kleinere Neubau der Gladbacher Feuerversicherung (1953) . Die Autos wurden hier, wie seinerzeit oft üblich, in den Kreiselverkehr geschickt.

 

Foto:Aerolux

in der oberen Bildmitte steht das Bayerhaus von 1952 , rechts neben dem Eschenheimer Turm moderne Apartmenthäuser mit den Turmpalast-Kinos und das Haus der Frankfurter Rundschau von 1953 .

hier lebte das moderne, faszinierende Frankfurt der Wirtschaftswunderjahre, -kein Wunder das auch die vielleicht berühmteste Frankfurterin dieser Zeit hier wohnte und arbeitete: Rosemarie Nitribitt, Edel-Prostituierte mit besten Kontakten zur "besseren Gesellschaft" der Industriellen, Bänker und Politiker. Oft war sie in den Straßen am Eschenheimer Tor mit ihrem schwarzlackierten Mercedes beim "Kundenfang" zu sehen. Ermordet fand man sie am Dienstag, dem 29. Oktober 1957 in der Stiftstraße 36 (im Bild oben das längliche Apartmenthaus, rechts neben dem Eschenheimer Turm). Sie wurde nur 24 Jahre alt, die junge Bundesrepublik hatte den ersten vieldiskutierten Gesellschaftsskandal: in Nitribitts Adressbuch fanden sich angeblich zahlreiche hochangesehene Namen; weder Mörder noch das Motiv konnten je ermittelt werden...

auch in den Straßen rund um die Gallusanlage, Taunusanlage und Neue Mainzer Straße (Bild) zeigte die Stadt damals bereits ihre unterschiedlichen Gesichter. Auf der einen Seite neue Bank- und Geschäftshochhäuser, Bundesbank, Schauspielhaus und gepflegte Grünanlagen, gleich daneben das Bahnhofsviertel mit Prostitution, Glücksspiel und Kriminalität. Berüchtigt war auch der im unteren Bildabschnitt dominierende Häuserblock des "Kaiserkellers", in diesen stark verfallenen Häusern trieben sich zahllose Obdachlose und Kleinkriminelle herum. 1968 kam es hier zu einer wüsten, fünfstündigen Schießerei eines Gangsters mit der Polizei. Ein Jahr nach diesem Vorfall wurden an dieser Stelle alle Gebäude für das Hochhaus des heutigen Eurotowers (ehemalige BfG-Bank, 1977 fertiggestellt) abgerissen.

Foto:Aerolux

 

Foto:Meier-Ude

im Frankfurter Zoo wird am 28. August 1957 das Exotarium eröffnet. (siehe )

von kalten Polarlandschaften für Pinguine bis zum schwül-heißen Tropenklima in der Halle für die Krokodile (Bild) ließen sich in Aquarium und Terrarium alle erdenklichen klimatischen Bedingungen und Lebenssphären exotischer Amphibien, Reptilien, Fischen und Insekten simulieren. Dieses sehr moderne Gebäude hatte auch nach den regulären Besuchsszeiten des Zoos bis in den späten Abend hinein geöffnet und war damit eine faszinierende Bereicherung der Tierliebhaber und der Nachtschwärmer.

 

die "Große Deutsche Rundfunk, Fernseh- und Phonoaustellung" vom 2. bis 11. August 1957 auf dem Messegelände war ein großer Publikumsmagnet, nach zehn Tagen wurden 493000 Besucher gezählt, vor allem der starke Andrang aus dem Ausland wurde mit viel Stolz vermerkt. 200 Aussteller zeigten die neuesten Errungenschaften der Technik, die Festhalle war in einen riesigen Sendesaal für Fernsehsendungen hergerichtet worden, ein großer Schalldeckel sorgte für gute Akustik (Bild links). Täglich drängelten sich hier tausende Zuschauer, um eine der großen Unterhaltungsshows zu erleben. (siehe )

 

 

 

rechts: am 10. Januar 1958 wird der 50 Kilowatt-Atomversuchsreaktor der Goethe-Universität am Rebstockgelände in Betrieb genommen. Für 1,2 Millionen Mark hatte das Institut für Kernphysik den Reaktor aus Kalifornien liefern lassen und in einem runden Stahlbau mit rund 20 Metern Durchmesser montiert. Stifter war die Farbwerke Hoechst AG.

 

Foto:Inst.f.Kernphysik

 

1959 wird das neue Seminargebäude der Universität an der Gräfstraße fertiggestellt. Der Architekt Ferdinand Kramer, Leiter des Universitätsbauamtes erstellte für die philosophische Fakultät einen Neubau für rund 1500 Wissenschaftler und Studenten. In der rekordverdächtigen Zeit von nur drei Wochen wurde das neunstöckige, ca. 30 Meter hohe Stahlgerüst hochgezogen, nach dem Richtfest verzögerte sich der Weiterbau dann durch einen Streik bei einer amerikanischen Zulieferfirma.

für Architekturinteressierte: in Deutschland war hier erstmalig ein Eisenskelettbau mit nicht ummantelten Stahlstützen entstanden.

 

foto:Jaenicke

 

Foto:Keim

in Frankfurt am Main wurde schon seit dem Kriegsende am 8. Mai 1945 begonnen, sämtliche deutschsprachige Literatur aus Büchern und Schriften zu sammeln und komplett bibliographisch zu erfassen. Im April 1959 wurde ein für die Lagerung dieses Bestandes speziell entwickelter Neubau der Deutschen Bibliothek (gegründet 1946) an der Zeppelinallee eröffnet.

zu diesem Zeitpunkt hatten sich schon rund 500000 Werke aller Art angesammelt, jährlich kamen etwa 65000 neue Schriften hinzu. Zunächst hatte der Turm der Nationalbibliothek nur sechs Magazingeschosse und zwei Benutzergeschosse mit Lesesaal, doch schon bald mußte der "blaue Turm" mit weiteren Geschossen aufgestockt werden. Inzwischen befindet sich die Deutsche Bibliothek an der Adickesallee, das hier gezeigte Gebäude aus den späten Fünfzigern stand längere Zeit leer und wurde inzwischen abgerissen.

das regional bedeutendste Sportereignis der fünfziger Jahre war wohl das Endspiel um die deutsche Fußballmeisterschaft am 28. Juni 1959. Mit der Frankfurter Eintracht und den Offenbacher Kickers standen gleich zwei Vereine aus dem Rhein-Main-Gebiet im Finale, das die Eintracht nach Verlängerung schließlich mit 5:3 für sich entschied. Die Austragung dieses Spieles im fernen Berliner Olympiastadion sorgte für großen Ärger bei den einheimischen Fans, zumal das nahegelegene Frankfurter Waldstadion zu dieser Zeit erheblich mehr Zuschauern Platz hätte bieten können. Die große Meisterfeier der Eintracht auf dem überfüllten Römerberg versöhnte sie dann doch alle wieder, -auf einen weiteren Meistertitel wartet man in Frankfurt aber bis heute... Im Bild die Mannschaft der Eintracht beim Empfang im Kaisersaal des Römers.


Foto:Vack

 


Foto:Meier-Ude
blick auf Fressgaß und die Opernhaus-Ruine aus einem der etwa 30 Apartments des zehnstöckigen "Merkur-Hochhauses", am ehemaligen "Sauplätzi", wo einst der Merkur-Brunnen stand. Vom Dachgarten bis zum Atomschutzbunker war dieses Wohnhochhaus für die Mieter "mit allen Schikanen unserer baufreudigen Zeit" eingerichtet, wie eine Zeitung schrieb: "vollmöbliert, selbstverständlich mit Anschlüssen für Fernseh, Radio, Telefon und elektrischem Rasierapparat im Bad".

 


Foto:Kerner

im April 1959 begann für den Flughafen Frankfurt (siehe ) das Zeitalter der Düsenflugzeuge. Für die gegenüber den Propellermaschinen größeren Düsenjets wurde bis 1960 die neue, schmetterlingsförmige Wartungshalle der Lufthansa gebaut. Sie war zu diesem Zeitpunkt mit einer Länge von 165 -und einer Breite von 130 Metern die größte Flugzeughalle Europas. Im Bild die Großbaustelle im Jahre 1959, man sieht den mittleren Werkstättenflügel, an den Seiten die Montage der später stützenlos an Stahlseilen aufgehängten Hallendächer . Das Projekt kostete damals beachtliche 30 Millionen Deutsche Mark.

© JHS, 01.06.03
frankfurt baut auf