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Erste Ballonfahrt am 3.Oktober im Jahre 1785 Dies reizende und prächtige Schauspiel gehört ohnstreitig mit zu den interessantesten Begebenheiten, die sich in unseren Gegenden im Jahr 1785 zugetragen haben, und verdienet daher auch vorzüglich einen Platz in unseren Blättern. Wie viel tausende unserer Leser haben solches mit ihren eigenen Augen angesehen, und denen es daher nicht unangenehm sein wird, den ganzen Verlauf dieser merkwürdigen Luft-Schiffart hier mit allen Umständen in einem ordentlichen Zusammenhang noch einmal zu lesen, und diese Erzehlung gleichsam als ein Document, wie weit es der Mensch durch Anstrengung seiner Verstandskräfte bringen kann, für seine Nachkommenschaft aufzubewahren. |
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Dem Königl. Französischen Offizier, Herrn Schweizer, hatte Frankfurt dieses Vergnügen vorzüglich zu verdanken. Er war es, der am ersten Herrn Blanchard einlud, hierzu zu kommen, und der auch hernach durch seinen unermüdeten Verstand alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen wußte. Durch das davon allenthalben bekannt gewordene Gerücht hatten sich allhier eine erstaunliche Menge Menschen versammelt, um dies herrliche Schauspiel, welches eigentlich schon am 27.Sept. vor sich gehen sollen, mit anzuschauen. Herr Blanchard hatte auch an jenem Tage schon Anstalt zu dieser Luftreise gemacht, auch die heftigen Sturmwinde, die an demselben Tage herrschten, konnten ihn nicht davon abwendig machen. Der Ballon war bereits majestätisch angefüllt. Herr Blanchard saß schon in der Gondel und ein grosser deutscher Prinz wollte ihn begleiten. Allein in eben dem Augenblick, da er auffahren wollte, zerrissen die Winde den Ballon. Er war daher gezwungen, sein Unternehmen auf den 3. Oktober zu verschieben, wo es ihm denn auch damit über allemaßen gelung. Nach dem Herr Blanchard an gedachten Tage seinen von Calais mitgebrachten Ballon, welcher 40 Schuh hoch und 24 Schuh weit war, in einer von Diehlen dazu errichteten hohen Einfassung, um solchen vor dem Winde zu schützen, füllen lassen, so kam derselbe um 10 Uhr 20 Minuten aus seinem bisherigen Behälter hervor und stieg langsam, aber sehr reizend und majestätisch in die Höhe. Nachdem Herr Blanchard, der sich in einer unten daran mit Stricken befestigten sehr schön ausgezierten Gondel bestand und 1 Bouteille Wein und 2 Milchbrote mitgenommen hatte, ohngefehr 100 Schuh von der Erde entfernt war, salutierte er auf dem Rand seines Wagens, die zahlreiche Menge seiner Zuschauer, erst mit dem Hute, und dann mit einer weissen Fahne, worauf sich die 3 Frankfurter Linien präsentierten, bey welcher Gelegenheit ihm dann jedermann durch Händeklatschen und Vivatrufen seinen Beifall zu erkennen gab. Er entledigte sich hierauf vom Ballast, die er aus dem Schiff herauswarf, worauf er in Zeit von 5 Minuten eine Höhe von 2000 Schuhe erreichte, und West -Südwestwärts nach Bockenheim zu getrieben wurde. Es war gewiß ein majestätischer Anblick den kühnen Luftschiffer unter dem prächtig gefüllten Ballon in seiner Gondel herum handthieren zu sehen. Nachdem er das Gleichgewicht wieder erreicht hatte, so ließ er seinen selbst erfundenen Fallschirm, woran ein Hund fest angemacht, im Angesicht aller Zuschauer herunter, welch letzterer denn auch ohnweit der Bockenheimer Warte glücklich wieder auf die Erde kam, und unter Zulauf vielen Volks zum goldnen Löwen gebracht wurde. Kaum hatte er den Fallschirm herunter gelassen, als er stracks wieder einige tausend Schuh höher stieg. Man sah den Aeronauten hierauf Nordwestwärts längs den Gebirgen hin dirigiren. Er glaubte ohngefehr 6000 Fuß hoch zu sein, als er über die Stadt Homburg an der Höhe hinwegfuhr, wo er auf Befehl Sr. Durchlaucht des Herrn Landgrafen mit 3 Kanonenschüssen salutiert wurde. Er ließ sich hierauf etwas herunter, um mit seiner Fahne ein Gegenkompliment zu machen, und war anfangs willens hier niederzusteigen, als er eine ganze aneinander hängende Reihe von Gebirgen wahrnahm, so entschloß er sich, darüber hin zu segeln. Er folgte auch dem Profil des Gebirges ganz regulair, wo man ihn denn von Frankfurt aus mit Telescopen immer sehen konnte. Nachdem er auch Usingen paßiert war, langte er endlich um 11 Uhr 15 Minuten in der Gegend von Nassau-Weilburg an. Hier entschloß sich Herr Blanchard herunter zu steigen. Er wurde aber zweimal in seinem Vorhaben verhindert, weil die Leute auf dem Felde die französische Sprache nicht verstunden. Er ließ zweimal seinen Anker herunter fallen, um sich mittels desselben zu bevestigen und sichergestalt eine Zeitlang im Anblick der dortigen Einwohner über der Stadt zu schweben. Allein bey dem erstenmal machte ein Kind den Anker wieder los, und das 2te mal ein Schäfer, weil sie glaubten ihm dadurch einen Gefallen zu erweisen. Er gab ihnen zwar einen Wink, es nicht zu thun, allein sie verstunden ihn nicht. Endlich warf er zum 3tenmal seinen Anker in den Lahnfluß, wo ihn niemand störte und stieg darauf jenseite des Flusses aus. Er wurde hierauf von einer grossen Menge Einwohner bewillkommt, bis endlich auch die Herren Regierungsräthe herbeykamen, die ihm denn gleichfals über seine glückliche Reise die größte Complimente machten. Man bedauerte aber recht sehr, daß Ihre Fürstliche Durchlaucht Selbst nicht zugegen waren. Demohngeachtet nahm man Herrn Blanchard in dem Fürstlichen Schloß auf, und veranstaltete ihm zu Ehren ein herrliches Fest. Den anderen Tag reiste Herr Blanchard wieder nach Frankfurt zurück, und brauchte nun einen ganzen Tag zu der Reise, die er Tags zuvor in 39 Minuten gemacht hatte. Es war nachts um halb 10 Uhr als er in Frankfurt eintraf, demohngeachtet mußte er noch in die Comödie fahren, wo er mit allgemeinen Beyfall und Vivatrufen empfangen wurde. |