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Foto:Nagel |
der eigentliche Baubeginn
auf dem Gelände der 1786 abgebrochenen gotischen
Barfüßerkirche (bzw. Franziskanerkirche), Frankfurts
evangelischer-lutherischer Hauptkirche,
war das Jahr 1789, doch erst am 9.
Juni 1833 wurde der bis dahin Centralkirche
genannte Rundbau eingeweiht und in Paulskirche
umbenannt. Die über vierzig Jahre währende Zeit der Fertigstellung
wurde hauptsächlich durch die Wirren der Napoleonischen Kriege
und der damit verbundenen finanziellen Notlage der Stadt mitverursacht.
Zeitweise war der leerstehende Rohbau des Kirchenbaus als schlichtes
Warenlager und gar als Futtermagazin zweckentfremdet!
nach einem Entwurf des
Stadtbaumeisters Joh. Andreas Liebhardt,
später vollendet durch den Stadtbaumeister Joh.Friedrich
Christian Heß entstand ein für seine Zeit sehr
moderner, streng klassizistischer Bau, räumlich die größte
aller Frankfurter Kirchen. Vor dem elliptischen Zentralbau steht
ein viergeschossiger Turm. Mitten hineingebaut in den gewachsenen
Organismus der Altstadt mit den vielen alten Häuschen wirkte
der runde Kirchenbau aus rotem Sandstein mit seinen damals imponierenden
Abmessungen (40x30 m, 28 m bis Traufhöhe) allerdings wie ein
eingezwängter Fremdkörper.

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blick in die Paulskirche.
Zu sehen sind der Altar, die Orgel und die Zwischengeschosse mit
ihren auf Säulen gelagerten Emporen. Auf der Galerie und in
der Rotunde waren Platz für rund 2000 Menschen. Jahrzehntelang
diente sie neben ihrer Funktion als Frankfurts evangelischer
Hauptkirche auch bei großen übergemeindlichen
Zusammenkünften, politischen und kulturellen Veranstaltungen
als Versammlungsraum. Über die deutschen Grenzen hinaus ist
die Paulskirche als Tagungsstätte des ersten deutschen Nationalparlamentes
1848 bekannt geworden.
1848 war das Jahr der Französischen
Revolution, der Funke aus Paris
sprang über. Nun lehnte sich auch das deutsche Volk gegen die
Macht der Fürsten auf, man hoffte auf die Verwirklichung nationaler
Einheit und Freiheit der nur lose zusammengefaßten deutschen
Kleinstaaten sowie einer liberalen Umgestaltung durch eine Verfassung.
Ein sogenanntes "Vorparlament"
beschloß die Ausschreibung allgemeiner Wahlen zu einer verfassungsgebenden
Nationalversammlung in Frankfurt.
Die Begeisterung in der Stadt kannte keine Grenzen, Triumphbogen
wurden an vielen Straßen errichtet; Balkons, Laternenpfähle,
sogar die Masten der Schiffe am Main waren mit Fichtenreisen geschmückt
und beleuchtet. Unter tausenden Fahnen, Transparenten, Glockengeläut,
lautem Geschützdonner und dem Jubel der Massen zogen am 18.
Mai 1848 die Abgeordneten der Ersten
Deutschen Nationalversammlung in die Paulskirche ein. (Bild
unten)
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dort
entstand nach langen Debatten eine Reichsverfassung mit einem -nach
amerikanischem Vorbild- geschaffenen Grundrechtekatalog. Aus der
Paulskirche war nun ein Gebäude
der Demokratie geworden; der Altar wurde verhängt und die Kanzel
wurde zur Rednertribüne.
bereits im September
1848 wird die Demokratische Bewegung nach Barrikadenkämpfen
durch überwiegend preußische Truppen zerschlagen, die
in Frankfurt rund 50 Menschenleben kosteten. Im Mai 1849 verläßt
das Parlament das Gebäude. Nach dem schnellen Scheitern der
ersten parlamentarischen Demokratie führte die
Paulskirche wieder ein stilleres, weniger aufsehenerregendes
Leben als Gotteshaus.
bis zu ihrer Zerstörung
1944 nannten auf den Sitzbänken noch Messingschilder die Namen
der bekanntesten Abgeordneten von 1848, darunter "Turnvater
Jahn" und Heinrich von Gagern.
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Zerstörung und Wiederaufbau
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der letzte Sonntagsgottesdienst
in der Paulskirche fand am 12.
März 1944 statt. Einige Tage später stand der riesige
Raum der Paulskirche in hellen Flammen, glühte durch die enorme
Hitze der Brände aus und stürzte samt Dach in sich zusammen,
es standen nur noch die 28 m hohen Umfassungsmauern. Das Kreuz,
das einst auf der Turmspitze stand, hing traurig vom Dach herunter.
Aus den Trümmern der niedergebrannten Altstadt ragte die massive
Ruine der Paulskirche wie der Torso eines antiken Tempels in den
Himmel. Auch die Paulsgemeinde
bestand nun nicht mehr, da die Altstadt
nach den Luftschlägen vom März 1944 schlichtweg keine
Bewohner mehr hatte!
im Gegensatz
zum Goethehaus
gab es keine grundsätzlichen Diskussionen um einen Wiederaufbau
der Paulskirche, die "Wiege
der deutschen Demokratie" sollte auch dem demokratischen Neubeginn
symbolisch zur Verfügung stehen. Doch die Frage war, ob das
Gebäude so wieder errichtet werden sollte, wie sich die Kirche
im Jahre 1848 dargestellt hatte. Dies wurde leider verworfen, man
müsse "für das deutsche Volk ein Bauwerk schaffen,
das schlicht und einfach sei, jedoch allen künstlerischen Ansprüchen
genüge." Aufgrund der gravierenden baulichen Eingriffe
in die historische Substanz der alten Paulskirche läßt
sich bis heute streiten, ob ein in der deutschen Geschichte so wichtiges
Bauwerk damals nicht doch besser hätte in seiner ursprünglichen
Gestalt wieder aufgebaut werden sollen.
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schon am 11.
April 1946, sechs Wochen vor der ersten
Kommunalwahl, hatte der von der amerikanischen Besatzungsmacht eingesetzte
Oberbürgermeister Dr. Kurt Blaum
in einer Sitzung des Bürgerrats
davon gesprochen, die Paulskirche wieder herzustellen
und sie zum Parlamentsgebäude einer zukünftigen neuen deutschen
Republik zu machen, womit er Frankfurt als zukünftige Hauptstadt
in die Diskussion brachte. Zur Gestaltung der Kirche sollte ein Ideen-Wettbewerb
ausgeschrieben werden. Eile war durch den Termin der 100-Jahr-Feier
des ersten deutschen Parlaments gegeben, der im Mai
1948 begangen werden sollte. Länger
verhandelt werden mußte mit der Evangelischen
Kirche, bis von dort die Zustimmung vorlag,
daß die Stadt allein über die Nutzung der Paulskirche verfügen
konnte. Die vormalige Ratskirche, die alte Nikolaikirche
,
wurde anstelle der Paulskirche dem evangelischen Gottesdienst der
Paulskirchengemeinde
zur Verfügung gestellt. 1950
wurde schließlich die Katharinenkirche
an der Hauptwache
offiziell neue evangelische Hauptkirche in Frankfurt. |
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Foto:Nagel
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im Juni
1946 wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, zugelassen waren
alle im Gebiet Groß-Hessens
wohnenden deutschen Architekten, Bildhauer und Maler. Ausgeschlossen
diejenigen, die vom Nationalsozialismus belastet waren. Gefordert
wurde ein Bau, der "gleichermaßen Kirchenraum als
auch Tagungsstätte sein sollte", "ohne Auflagen
in Richtung Rekonstruktion", so besagte es die städtische
Ausschreibung. Vorschläge waren bis zum 16.
September 1946, 12 Uhr mittags einzureichen; an Preisen
wurden ausgesetzt: ein 1.Preis von 3000 Reichsmark, ein 2.Preis
von 2000 Reichsmark und ein 3.Preis von 1000 Reichsmark. Ab dem
20. Oktober wurden der interessierten Bevölkerung knapp vier
Wochen lang schließlich 109 eingegangene Entwürfe in
der Weidenborn-Mittelschule vorgestellt.
Im bitterkalten Winter 1946/47
beschließt die Stadtverordneten-Versammlung,
"die Paulskirche nach den vorgelegten Plänen mit
einem Gesamtkostenaufwand von 2,7 Mill. Reichsmark wieder aufzubauen"
und zugleich das "politisch Visionäre und Bekenntnishafte"
dieses "Kraftaktes" durch den zeitgleichen Wiederaufbau
der teilweise zerstörten Friedrich-Ebert-Siedlung
zu ergänzen, um Kritik an dem teuren Paulskirchen-Projekt
von vielen tausend notleidenden und frierenden Frankfurtern in
diesen schweren Tagen abzufangen.
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Mainzer Landstraße, Friedrich-Ebert-Siedlung
die ab 1930 gebaute
Arbeitersiedlung im Gallusviertel
wurde 1944 stark zerstört. 1946
versuchte die städtische AG
für kleine Wohnungen sie wieder
bewohnbar zu machen. Das gründlich vorbereitete Projekt drohte
an den unzureichenden Zuteilungen von Baumaterialien zu scheitern,
als im Kreise von Magistrat und Stadtverordneten der Wunsch laut
wurde, den Wiederaufbau der Paulskirche
doch symbolisch mit der Wiederherstellung einiger Wohnungen innerhalb
dieses ausgesprochenen Arbeiterwohnviertels zu verbinden. So wurde
schließlich knapp eine Stunde nach dem ersten Spatenstich
an der Paulskirche am 17. März
1947 auch der Wiederaufbau der Friedrich-Ebert-Siedlung
in Angriff genommen.
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während
aber für den Paulskirchenbau aus ganz Deutschland Steine, Zement
und Holz in Frankfurt eintrafen, gingen die Arbeiten an der Wohnsiedlung
nur sehr schleppend voran. Im Juli
1947 berichtete ein Abgeordneter dem
Stadtparlament über den daraus folgenden Unmut in der Bevölkerung
und drängte auf Fortschritte. So wurde der Oberbürgermeister
Walter Kolb
überparteilich aufgefordert, sich persönlich um die Ebert-Siedlung
zu kümmern. Kolb fand daraufhin den zugkräftigen Titel
"Jahrhundert-Siedlung" für das Projekt, und damit
konnte der Plan doch noch verwirklicht werden, wenn auch nicht ganz
fristgerecht. Immerhin zogen wenige Wochen nach der Hundertjahrfeier
der Deutschen National-Versammlung
am 18. Mai 1948
die glücklichen Mieter in 103 wiederaufgebaute Wohnungen ein.
Die vielen notdürftig und eng zusammenhausenden Frankfurter empfanden
die Wiederherstellung der ersten Nachkriegswohnsiedlung in ihrer Stadt
als ein wichtiges Ereignis, als einen Hoffnungsschimmer im Wohnungselend.
Das war kurz vor der Währungsreform ein erster Erfolg, vor allem
für den Oberbürgermeister und seine Partei. |
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Spenden für die Paulskirche
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der neu gewählte
Oberbürgermeister Walter Kolb
rief im Januar 1947 energisch zur
Mithilfe auf: "Die Demokratie, die wir nun wieder errichten,
braucht auch ihr Vaterhaus. Alle deutschen Städte und Gemeinden
sollen die Paulskirche wieder aufbauen, von außen und von
innen, im Stein wie im Geiste. Wieder soll die Paulskirche den ehrwürdigen
Raum bilden, in dessen aufsteigendem Rund das deutsche Volk zu Aussprache
und Feier sich immer wieder versammelt." Die Paulskirche
müsse, "koste es was es wolle, bis zum 18. Mai 1948
fertig sein", so Kolb.
es wurde festgestellt,
daß für den Wiederaufbau des Nationaldenkmals nicht allein
Geld gebraucht wurde, sondern Materialspenden aller Art. Gespendete
Lebensmittel waren zudem erwünscht, um die Bauarbeiter bei
Laune zu halten. Es wurde sowohl nach Fachleuten wie auch nach Trümmerbeseitigern
gesucht, die dafür dann eine Ehrenurkunde erhielten: "Er
hat am freiwilligen Bürgereinsatz für die Trümmerbeseitigung
teilgenommen und damit einen demokratischen und sozialen Aufbauwillen
bewiesen, für welchen die Stadt Frankfurt durch diese Ehrenurkunde
dankt". Im März 1947
war in der Lindenstraße 27
ein "Büro Paulskirche"
eingerichtet worden. Von hier aus wurden alle deutschen Länder
zu Geld- und Sachspenden aufgefordert und der Wiederaufbau koordiniert.
Die Bürgervertretung gab zudem viel Geld für begleitende
Werbemaßnahmen frei. Mit Kalendern, Broschüren, Kinospots,
Plakaten, Dias und Zeitungsanzeigen warb Frankfurt für die
Unterstützung des Vorhabens. Zur Finanzierung trug auch eine
Lotterie bei.
Bild: Gleich einer antiken Ruine
stehen die ziegelsteinernen Säulenschäfte des Innenraums,
die einstmals die Emporen trugen, sie wurden beim Neuaufbau abgerissen.
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| viele Städte
und Gemeinden, die seinerzeit selber in größten Nöten
steckten, brachten in jedweder Form Spenden auf -von Wein und Zigarren
für die an dem Bau Beteiligten bis zu einer kompletten Orgel
für die Kirche. Auch aus dem Ausland wurden Spendengelder gesammelt.
Unten: Auszug aus der Spendenliste. |
- Bad Gandersheim: 1 Waggon Gips
- Gemeinde Anspach/Taunus: 1.000 Arbeitsstunden
- Gemeinde Bergen-Enkheim: 5 Zentner Äpfel
- Gemeinde Brackwede im Kreis Bielefeld: 10.000 Kalksteine
- Gemeinde Ebersbach a.d. Fils: 1 Waggon Gipsersand
- Industrie und Handelskammer der Bizone: Fußboden der Paulskirche
- Kreis Fulda: 20 t Kalk
- Land Thüringen: Holzspende im Wert von rund 30.000 Mark
- Landkreis Kochem: 100 Flaschen Wein
- Landkreis Leipzig: 5.000 Klinkersteine
- Landkreis Lichtenfels: Muschelkalksteine
- Landkreis Rügen: 1 Waggon Kreide
- Landkreis Sondershausen: elektrotechnisches Installationsmaterial
- Oberlahnkreis/Weilburg: 1 Taufbecken aus Marmor
- Ruhrkreis Ennepe: sämtliche Türschlösser
- Saline Bad Wimpfen: 1 Waggon Gips
- Stadt Bad Orb: 2.000 Zigarren
- Stadt Bernkastel-Kues: 50 Flaschen Wein
- Stadt Bockenem: 3 Zentner Zement
- Stadt Brandenburg: 25 Sack Zement
- Stadt Deggendorf: Werkgranit
- Stadt Düsseldorf: 1 Fenster
- Stadt Elbingerode: Kalk
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- Stadt Freiburg im Breisgau: 18 Zentner Bronze
- Stadt Hamm: Nägel für 500 Reichsmark
- Stadt Hannov.Münden: 1 Waggon Eichenstämme
- Stadt Herdeeke: Ruhrsandstein für Treppenstufen
- Stadt Krefeld: Ausstattung aus Samt und Seide
- Stadt Marburg an der Lahn: 1 Bank, 1 Gestühl, einige Waggons
Sand
- Stadt Markdrewitz: 5 fm Holz
- Stadt Mühlacker: 25 kg Leim
- Stadt Neckarsulm: 1 Maßstab und 1 Hobel
- Stadt Neuötting: 2 Waggon Kies
- Stadt Niederlahnstein: 200 kg Drahtstifte
- Stadt Passau: 1 Fenster
- Stadt Rothenburg o.d.T.: Werkstück aus Muschelkalk
- Stadt Schmalkalden: Bauholz und Werkzeuge
- Stadt Solingen: Beschläge für Fenster und Türen
- Stadt Straubing: 4.500 Ziegelsteine
- Stadt Trier/Landkreis Trier: 1 Fuder Wein
- Stadt Vilbel: Mineralwasser
- Stadt Wittlich: 1 Eiche
- Stadt Zell/Mosel: 100 Flaschen Wein
- Stadt/Landkreis Ludwigsburg: 1 Orgel
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baubeginn und feierliche
Grundsteinlegung war am 17. März
1947 unter strahlenden Frühlingshimmel.
Oberbürgermeister Kolb
gab um acht Uhr morgens mit einem ersten Hammerschlag das Zeichen
zum Beginn des Wiederaufbaues der Paulskirche. Die Arbeiten begannen
mit der Einmauerung einer Kassette, die die Darstellung der Zerstörung
der Paulskirche, den Beschluß des Stadtparlaments zum Wiederaufbau
und die neuen Baupläne enthielt. Die Urkunde im Grundstein
lautete: "Heute beginnen wir mit dem Wiederaufbau der Paulskirche.
Sie wurde zerstört, weil wir die sittlichen Gesetze mißachteten.
Mögen unsere Nachkommen sich selbst überwinden, über
die Grenzen hinaus allen Völkern die Hand reichen. Dies ist
unser Wunsch und unser Vermächtnis."
die Architektengruppe
um Professor Rudolf Schwarz
aus Köln
mit den Frankfurter Architekten Gottlob
Schaupp (er hatte den 1.Preis des Wettbewerbs
gewonnen) und Johannes Krahn
wollten dem Bau eine "mönchische Strenge und Bescheidenheit"
verleihen, auf das "darin kein unwahres Wort möglich
sein sollte". Die neue Paulskirche sollte eine weltoffene
Bühne werden, von der aus "große nationale und
übernationale Gedanken ihren Weg in die Welt nehmen".
Sie wurde vor allem in den Innenräumen stark verändert
wiederaufgebaut, die Außenfassaden blieben weitestgehend erhalten.
Wie erhofft kamen für den Paulskirchenbau aus ganz Deutschland
Steine, Zement und Holz, die Arbeiten gingen gut voran, schon am
8. November 1947
wurde das Richtfest gefeiert.
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der einstige 28
Meter hohe Kirchenraum
wurde neu unterteilt, die alten Säulen samt ihrer Emporen und
die untere Decke wurden nicht wiederhergestellt, zu ihrer Erinnerung
wurden Lichterketten von der Decke gehängt (Abb rechts).
Eine großflächige Verglasung ersetzte
die traditionellen Sprossenfenster. Der Saalboden wurde vier Meter
angehoben, dadurch entstand ein darunterliegendes Foyer mit einer
Wandelhalle
und ein zusätzlicher Keller
mit Garderobenablage, Nebenräumen und Telefonanlage. Fenster
wurden in die Außenmauern gebrochen, die Eingänge für
den Wandelgang vertieft. Wegen dem starken Mangel an Holz wurde
das einstmals hohe Mansarddach durch ein Flachdach
ersetzt, im Bild oben sieht man die Montage der Kuppel, einer elektrisch
geschweißten Rohrkonstruktion mit einem Durchmesser von 38
Meter und einer Höhe von vier Meter durch die altbekannte Frankfurter
Firma J.S.Fries Sohn .
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Foto:Sobek-Sietzen
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worüber zu dieser Zeit nicht öffentlich
gesprochen wurde, waren weitergehende Überlegungen der Stadt
mit dem Bau der Paulskirche als Tagungs- und Plenarstätte den
Bundestag nach Frankfurt holen
zu können. Das geht aus Akten des Magistrats hervor, die vorsahen
im geplanten Bau "600 Abgeordnete mit Tischen" unterbringen
zu können. Doch die stille Hoffnung, an dieser traditionellen
Stätte die Wiedergeburt eines demokratischen deutschen Staates
vollziehen zu können, mußte schon bald aus politischen
Gründen wie aus Rücksicht auf die für ein Parlament
ungünstigen Raumverhältnisse der Paulskirche aufgegeben
werden. Stattdessen baute die Stadt auf dem Gelände der ehemaligen
Pädagogischen Akademie an
der Bertramswiese 1949 ein modernes
Parlamentsgebäude ;
- es half alles nichts: Am 3. November
1949 entscheidet sich das Bundesparlament mit 200 gegen 176
Stimmen gegen Frankfurt für die Stadt Bonn
als provisorische Hauptstadt des geteilten Westdeutschlands.
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18. Mai 1948 - Einweihung zur Hundertjahr-Feier
der ersten deutschen Nationalversammlung
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der große
Tag rückte näher. Einige Tage vor der Wiedereinweihung
wurde in Bremerhaven
ein Sternlauf von Fackelträgern zur Paulskirche
gestartet. Am Pfingstsonntag, dem 16.
Mai 1948 begann die Festwoche zur Jahrhundertfeier
mit einem umfangreichen Programm von kulturellen Veranstaltungen,
wissenschaftlichen, politischen Konferenzen und Tagungen. In den
Räumen des Kunstvereins an der Eschenheimer
Anlage wurde eine 1848-Gedächtnisausstellung
eröffnet.
dienstag, der 18.
Mai war in Frankfurt ein Halbfeiertag. Städtische Ämter
und Dienststellen waren geschlossen, die Polizeistunde war während
der Festwoche bis Mitternacht verlängert. Viele Gäste
aus aller Welt kamen nach Frankfurt, Hotels gab es fast keine in
der Stadt, so mußten Frankfurter Bürger ihre Gastfreundschaft
unter Beweis stellen und die Gäste in ihren Wohnungen unterbringen.
Der Turm der Paulskirche war zu diesem Zeitpunkt noch von einem
Stahlgerüst umgeben, die Arbeiten waren dort noch nicht vollständig
abgeschlossen. Auch lagen in der Umgebung des Paulsplatzes
noch überall Trümmergrundstücke, man deckte sie notdürftig
mit Tannenzweigen zu. Als am Nachmittag die sechs Glocken
der Paulskirche feierlich zu läuten begannen, befand sich unter
ihnen eine aus dem Jahre 1830, die bereits 1848 während des
Einzugs der Abgeordneten des ersten deutschen Parlaments geläutet
hatte.
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alle Veranstaltungen gipfelten in einem
feierlichen Akt in der Paulskirche am Nachmittag. Kurz nach drei
fingen die Glocken zu läuten an, die geladenen Gäste zogen
in den historischen Rundbau ein (Bild oben). Durch die hohen Fenster
und die Kuppel schien die helle Frühlingssonne, in den Wandelgängen
wurde man von weißen und roten Rosen empfangen, den Farben
der Stadt. Generalmusikdirektor Bruno
Vondenhoff begann die Uraufführung des von
der Stadt in Auftrag gegebenen "Frankfurter
Konzertes" von Harald Genzmer.
Oberbürgermeister Walter Kolb
begrüßte den nach New York
emigrierten deutschen Dichter Fritz
von Unruh (in der Bildmitte, rechts
OB Kolb), der nach langem Exil in seine ehemalige Heimatstadt
zurückgekommen war. Er hielt eine bewegende Rede an die deutsche
Nation. Ein Empfang durch das hessische Staatsministerium am Abend
beendete den denkwürdigen Festtag. Obwohl sich nach einer Zeitungsumfrage
viele Frankfurterinnen über die "Stoffverschwendung"
für die vielen Fahnen bei den Feierlichkeiten aufregten, waren
doch die meisten Bewohner der verwüsteten Stadt wohl sehr stolz
auf ihre "neue" Paulskirche!
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bis zum heutigen Tag finden in der Paulskirche
die geistig und politisch bedeutendsten Veranstaltungen der Stadt
Frankfurt statt, als Kirche wurde sie nach dem Krieg nicht mehr
genutzt. Der Friedenspreis
des deutschen Buchhandels sowie der Goethepreis
der Stadt Frankfurt
werden hier als international begehrte Auszeichnungen des Geistes
-und Kulturlebens verliehen. Unter den Preisträgern des Goethepreises
nach dem Krieg waren unter anderen die Dichter Thomas
Mann (1949), Carl Zuckmayer
(1952), der Architekt Walter Gropius
(1961), der Schriftsteller Ernst Jünger
(1982) und der Regisseur Ingmar Bergman
(1976). Auch wichtige Staatsgäste hielten hier ihre Reden,
am 25. Juni 1963 war beispielsweise
der amerikanische Präsident John
F. Kennedy zu Gast.
rechts: der vollbesetzte Innenraum
im Jahre 1958.
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Foto:Kerner
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Foto:dpa
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an der Außenwand
der Paulskirche befinden sich eine Reihe von Gedenktafeln, die ältesten
hatte die Stadt Frankfurt schon 1898 neben dem Haupteingang der
Paulskirche anbringen lassen, sie galten der Erinnerung an das Erste
Deutsche Parlament und die Deutsche
Nationalversammlung. Beide bronzenen Gedenktafeln wurden
während des zweiten Weltkrieges entfernt und im Karmeliterkloster
aufbewahrt. Sie waren durch Bombensplitter stark beschädigt.
Die Tafeln wurden nach dem Krieg durch Bildhauer instandgesetzt
und im April 1953 an der alten
Stelle zu beiden Seiten des Haupteinganges der Paulskirche anmontiert.
Weitere Tafeln an der Paulskirche gedenken an den Bundespräsident
Professor Theodor Heuss (1884-1963)
und dem 1963 ermordeten amerikanischen
Präsidenten John F.Kennedy.
Genau drei Jahre nach seinen bedeutenden Besuch in Frankfurt ließ
die Stadt am 25. Juni 1966 an der
Ostseite der Paulskirche ein Porträt-Relief von dem Frankfurter
Bildhauer Georg Krämer zur
Erinnerung anbringen .
bild links: Bei der Verfassungsfeier
am 11. August 1926 war an der Paulskirche
ein Erinnerungsmal für den ersten Reichspräsidenten der
Weimarer Republik, Friedrich
Ebert, enthüllt worden. Die Gewalthaber des "Dritten
Reiches" scheuten sich nicht, die Skulptur für die Metallsammlung
im Jahr 1940 zu entfernen. Am 25. Todestag des Reichspräsidenten,
am 28. Februar 1950, konnte an
der wiederaufgebauten Paulskirche das von Bildhauer Professor Richard
Scheibe geschaffene Ebert-Standbild
wieder feierlich enthüllt werden, um damit das Andenken an
die Geburtsstunde der deutschen Demokratie und an den ersten Reichspräsidenten
des demokratischen Deutschlands zu wahren.
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am Nordportal
steht ein Mahnmal für die Opfer
des Nationalsozialismus .
Eine in die Knie gezwungene Gestalt versucht vergeblich ihre Fesseln
zu brechen. Auf dem roten Sandsteinsockel
stehen die Namen von 54 Konzentrations- und Vernichtungslagern.
Professor Hans Wimmer aus München,
hatte dieses Mahnmal im Auftrag der Stadtverordnetenversammlung
geschaffen, am 24. Oktober 1964
wurde es in einer Feierstunde enthüllt. "Wir wissen",
sagte der Stadtverordnetenvorsteher Heinrich
Kraft, "daß jene schreckliche Zeit vorbei
ist, aber wir wissen auch, daß die Mörder noch unter
uns sind. Wir haben noch lange an unserer Vergangenheit zu tragen.
Daran soll das Mahnmal erinnern."
bild rechts:
Vor dem Turm der Paulskirche, umgeben von vielen Autos, steht
ein weißer Kalksteinobelisk mit breitem Sockel, das Einheits-Denkmal.
1903 wurde es zu Ehren der Vorkämpfer der deutschen Einheits-
und Freiheitsbewegung errichtet. Auch hier wurden 1941 die bronzenen
Originalfiguren eingeschmolzen. Der wenig feierliche Großparkplatz
am Paulsplatz, der noch lange
Jahre nach dem Krieg bestand, ist heute verschwunden.

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Foto:Strache
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