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erster wolkenkratzer - das zürich-hochhaus.  
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in städtebaulich prominenter Lage wollte die Schweizer Zürich-Versicherungsgesellschaft in direkter Nachbarschaft zur Ruine der Alten Oper Mitte der fünfziger Jahre ein neues Bürohaus errichten. Erste Entwürfe sahen zunächst ein langgestrecktes, neunstöckiges Gebäude an der Bockenheimer Anlage vor, doch dieser massive Bauriegel parallel zum einstigen Prunkbau befriedigte weder Stadtplaner noch Bauherren. So entschloß sich die Versicherung in enger Abstimmung mit den Planungsbehörden für die Kombination eines schlanken Hochhauses mit einem Längsgebäude, das einen ausreichenden Abstand zum Opernplatz vorsah. An diesem markanten Ort sollte nun also Frankfurts erster "echter" Wolkenkratzer entstehen!

im Herbst 1958 stellen die Architekten Udo von Schauroth (Frankfurt) und Werner Stücheli (Zürich) das Modell des neuen Hochhauses erstmals der Öffentlichkeit vor. Am Opernplatz sollte ein 19-stöckiger, auf Stützen stehender schmaler Turm gebaut werden, zum Rothschildpark ein achtgeschossiger Langbau. Die Baukosten wurden auf ca. 15 Millionen Mark geschätzt.

lageskizze des Zürich-Areals an der Ecke Bockenheimer Landstraße/Bockenheimer Anlage an der südlichen Ecke des Rothschildparks. Der Abstand zur Ruine des 35 Meter hohen alten Opernhauses (unten angeschnitten) betrug 65 Meter. Zum Park hin wurde ein öffentlicher Durchgang von der Bockenheimer Anlage geschaffen, -nur wenige Jahre später wurde ein weiterer Teil des Rothschildparks von der gleichen Versicherungsgesellschaft mit einem Neubau überbaut und damit leider noch stärker verkleinert.

Foto:A.Kern

1959 entsteht Frankfurts größte und tiefste Baustelle. Mitsamt dem weit in die Erde reichenden Fundament wurde eine zweigeschossige Tiefgarage für rund 200 Fahrzeuge gebaut. Das unterste Parkdeck lag bereits unter Grundwasserniveau, was eine kostenintensive, isolierende Unterkellerung notwendig machte.

im Bildhintergrund rechts sieht man die Ruine der Alten Oper, links das alte Gebäude der Metallgesellschaft am Reuterweg (Bild vom Sommer 1959)

im Herbst 1959 wuchs der Bau dann schnell in die Höhe. Für jedes Stockwerk des Stahlbetonbaus brauchten die Arbeiter rund eine Woche, so konnte schon im April 1960 das Richtfest gefeiert werden. Der schmale, 68 Meter hohe Turm hatte einen quadratischen Grundriß mit Seitenlängen von nur jeweils 22 Metern. In dem 7 x 7 Meter breiten Versorgungskern lagen Aufzüge und Toiletten, das Nottreppenhaus wurde an eine Außenseite gelegt. In das obere Geschoß des Langbaus wurden die Kantine und eine Terrasse gebaut, ein eigener Lastenaufzug stand der Küche im achten Stock zur Verfügung.

weitere technische Besonderheiten waren zwei Druckerhöhungsanlagen für Trink- und Löschwasser, die das Wasser in die obersten Geschosse beförderte, ein Notstromaggregat konnte die Versorgung der Aufzüge sowie die Beleuchtung der Treppenhäuser und Flure gewährleisten. Modern war damals die automatische, selbstauslösende Sprinkleranlage in den Parkgaragen im Keller.

 

beim Bau des Zürich-Hauses kam eine damals noch recht unübliche, sogenannte Curtain-Wall-Fassade zum Einsatz, bei der einzelne Fassadenteile wie ein Vorhang an das Stahlbetonskelett gehängt und zeitsparend nur noch verschraubt werden mußten.

diese nur acht Zentimeter dicken, vorgefertigten Teile bestanden aus flachen Schichten von eloxiertem Aluminium, blauem Opalglas und Installationselementen, die wie ein Sandwich übereinander geklebt und dann auf der Baustelle montiert wurden. Leider hatte man damals die Wärmeableitung der dünnen Fassadenelemente noch nicht im Griff, was schnell zu thermischen Problemen im Hausinneren führte.

so schön das elegante Haus mit seinen blauen Fensterbändern bei Sonnenlicht auch glänzte, für die dort Beschäftigten wurden warme Tage sehr unangenehm. Die Glas-Blech-Fassade war einfach zu dünn geraten, um Schutz vor der Sonne zu bieten. Das Haus heizte sich sehr stark auf, -froh konnte sein, wer einen Ventilator auf dem Schreibtisch stehen hatte!

besser ging es da den beiden schwindelfreien Fensterputzern, denen hoch über den Dächern Frankfurts der Wind um die Nase wehte. Bis Windstärke 5 gab ihnen die eigens auf dem Dach installierte Windmeßanlage grünes Licht. Wenn alle 1400 Fenster endlich fertig geputzt waren, ging die wacklige Arbeit in den an Seilen hängenden Alu-Körben wieder von vorne los. Wetten, daß trotzdem manche der Staunenden unten am Opernplatz gerne mal einen Tag mit den Fensterputzern getauscht hätten...?

november 1960 zogen die ersten Mieter zunächst in das Hochhaus des Gebäudekomplexes ein, der auf insgesamt 14000 Quadratmetern Bürofläche rund 1000 Beschäftigte aufnehmen konnte. Prominente Erstmieter waren das Schweizerische Generalkonsulat, Procter & Gamble, Merill Lynch, Morgan Guaranty, Crédit Lyonnais, Alitalia, Siemens, Lurgi und weitere international agierende Konzerne.

die Post "spendierte" dem vornehmen Haus sogar eine eigene Sonderadresse: "Zürich-Haus am Opernplatz" stand auf Briefen aus dem neuen Frankfurter Wahrzeichen.

alle Etagen des Langbaus waren ausschließlich von der deutschen Direktion der Zürich-Versicherung belegt, die Inneneinrichtung dieses 70 Meter langen Gebäudes wurde vielsagend von den "Fortschritt-Büro-Einrichtungsfabriken GmbH" mit dem "Fortschritt-FOB-Programm" gestaltet. Nichts schien gut und teuer genug für die stolzen Schweizer Hochhausbesitzer.

bild: das Eingangsportal des Langbaus, ganz im Design der frühen 60er: viel Glas, Holzdecken und Mosaike an den Natursteinwänden.

 

im historischen Kaisersaal des Frankfurter Römers fanden am 28. Mai 1962 im Beisein des Schweizer Generalkonsuls die Übergabefeierlichkeiten statt. Offizielle Eröffnung des 20 Millionen Mark teuer gewordenen Zürich-Hochhauses war einen Tag später, im Kasino hatten sich zahlreiche Gäste aus Politik und Wirtschaft versammelt, Oberbürgermeister Bockelmann überbrachte die Glückwünsche der Stadt, danach überreichten die Architekten symbolisch einen Riesenschlüssel mit den Wappen Zürichs und Frankfurts. Anschließend durften die geladenen Gäste dann den Wolkenkratzer besichtigen und die zu ihren Füßen liegende Stadt am Main aus fast siebzig Metern Höhe bewundern.

im Bild der Architekt des Hauses Udo von Schauroth (links) im Gespräch mit einem Vorstandsmitglied der Züricher Versicherungsgruppe.

 

 

drei schnelle automatische Aufzüge mit einer Geschwindigkeit von drei Metern in der Sekunde ließen die röhrenbestückten, elektrischen Relaisschränke im Steuerraum stark ins Schwitzen kommen, an mikrochip-gelenkte Lifts war zu jener Zeit eben noch nicht zu denken. Das abgebildete, enge Treppenhaus stand lediglich für Notfälle zur Verfügung, spätere Feuerschutzbestimmungen erforderten schließlich den Bau eines zusätzlichen, häßlichen Nottreppenhauses an der Außenseite des Zürich-Turms.

 

die modernen, hohen Häuser mit ihren schattigen Durchgängen im Grünen wurden von Fotografen gerne als Kulissen genutzt. Nicht selten ließen sich hier Models mit neuesten Modeschöpfungen bei ihrer Arbeit beobachten.

 

hohen Aufwand betrieben der Bauherr und die Architekten mit den Grünanlagen, Blumenbeeten und dem Durchgang zum Rothschildpark, der der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen sollte.

im November 1962 zog in die vornehme Adresse Bockenheimer Landstraße 2-4 das "United States Trade Center" ein. In dem amerikanischen Handelszentrum versuchten kleinere, aber hochspezialisierte US-Firmen im Rahmen von Ausstellungen und Veranstaltungen Kontakte zu deutschen Firmen herzustellen.

im US Trade Center wurden vorwiegend technische Erzeugnisse, Maschinen usw. vorgestellt, oftmals handelte es sich um absolute Weltneuheiten, die hier erstmals einem Publikum außerhalb der USA gezeigt wurden (Bild links). Dementsprechend gut besucht waren die Veranstaltungen im Ladentrakt des Zürich-Hauses.

mit dem Zürich-Hochhaus begann zwar eine für Frankfurt zukunftsweisende Bauepoche, -eine bedenkliche Entwicklung aber sollte sich schon bei der Eröffnungsrede von Oberbürgermeister Bockelmann 1962 ankündigen. Dort erklärte er das Westend zum City-Erweiterungsgebiet, in dem der sogenannte "tertiäre Sektor" angesiedelt werden sollte, also Banken, Handel, Versicherungen und private Dienstleister. Das bedeutete den Startschuß für eine ganze Armee von Investoren und Spekulanten, Bodenpreise explodierten, Hausbesitzer verkauften gerne und schnell, Bewohner vieler Häuser wurden über Nacht vor die Tür gesetzt. Neben lange leerstehenden Spekulationsruinen entstanden in Windeseile renditeversprechende Betonklötze, das einst noble Westend veränderte sein Gesicht.

die Stadtverantwortlichen entzogen sich dabei vielfach jeder politischen Verantwortung, sie orientierten sich ausschließlich an den Interessen privater Investoren, ein Netz aus Filz und Korruption legte sich über die Stadt, deren Ruf stark zu leiden begann. Für viele stand Frankfurt nun wie keine andere deutsche Kommune als Synomym für bewußte Stadtzerstörung, maßloses Profitstreben auf Kosten der Bevölkerung, man sprach von der unregierbaren Stadt.

 

Das Ende des Zürich-Hauses

Bauhistorisch vielbeachtet kam das Hochhaus 1989 unter Denkmalschutz, der sieben Jahre später aufgehoben wurde. Leider ließen sowohl die ungünstige Raumausnutzung als auch mangelhafte Materialqualität aus der Nachkriegszeit eine kostengünstige Sanierung der Anlage nicht mehr zu, 2002 wurde Frankfurts erster Wolkenkratzer abgerissen. Seitdem ist das Gelände eine große Freifläche und wartet auf eine erneute Bebauung, letzte Planungen sehen hier ein 170 Meter hohes Gebäude vor, wann aber wieder gebaut wird, steht nicht fest.

Aktuelle Bilder von dem Gelände:
© JHS, 01.10.03
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