zur serie

serie zur nachkriegszeit
modernes bauen in frankfurt 1949-53.  
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zwischen den beiden Weltkriegen galt Frankfurt als aufgeschlossener Wegbereiter des "Neuen Bauens" in Deutschland, in den zwanziger Jahren vor allem vertreten durch den Baustadtrat Ernst May, dem es gelang überdurchschnittliche Architekten nach Frankfurt zu holen, um der Stadt einen neuen, modernen Anstrich zu verleihen. Das gelang vornehmlich im sozialen Wohnungsbau mit seinen richtungsweisenden Großsiedlungen, aber auch repräsentative Gebäude wie die frühen Hochhäuser der IG-Farben und des Gewerkschaftsbundes , die Großmarkthalle , das Verwaltungsgebäude der Farbwerke Hoechst und viele bis heute vorbildliche Bauten entstanden in der Stadt am Main.
Die Nationalsozialisten beendeten 1933 abrupt diese fortschrittlichen Bautätigkeiten, bis zur Währungsreform 1948 lag das moderne Bauen praktisch 15 Jahre nieder. Danach griffen Bauherren, Stadtverwaltung und die Architekten die Ideen dieser Pioniere des "Neuen Bauens" wieder auf und entwickelten sie weiter - die nächsten drei Folgen der Serie dokumentieren chronologisch am Beispiel von rund 100 Gebäuden den modernen Wiederaufbau der Stadt von 1949 bis etwa ins Jahr 1966.

 

1949/50:


Foto:Herzog

Rechts: Das dunkelgestrichene, unverkleidete Betonskelett kontrastierte mit den hellen, gemauerten Platten. Dieses auffällige Zeigen des konstruktiven Gerippes war bei Bauten in den fünfziger Jahren ein beliebtes Gestaltungsmittel der Architekten.

Für das 40 Meter hohe Haus entwickelte die AEG ein eigenes, neuartiges Beleuchtungssystem aus Leuchtröhren, das allen Räumen eine gleiche, tageslichtähnliche Helligkeit gab und damit Tischlampen auf Schreibtischen überflüssig machte. Sehr modern war auch die ebenfalls von der AEG in das Haus montierte Lautsprechanlage, mit der man innerhalb des Gebäudes kommunizieren konnte.
Architekten: H. Bartolmes, H.Assmann

hochhaus Süd, Theodor-Stern-Kai 1

Luftbild des ursprünglich als Bundesarbeitsministerium geplanten, elfstöckigen Hochhaus Süd mit dem dreistöckigen Seitentrakt, der zunächst vom Arbeitsamt genutzt wurde. Im April 1951 übernahm der Elektrokonzern AEG das ganze Bauensemble. Der Turm stand praktisch als südlicher Brückenkopf der 1951 fertiggestellten neuen Friedensbrücke .

Foto:Jäger

ursprünglich als Plenarsaal des Deutschen Bundestags geplant, wurde der 1950 fertiggestellte Rohbau der Rotunde für den neuen Eigentümer, dem Hessischen Rundfunk bis 1953 zu Studio- und Büroräumen umgebaut. Ab 1954 wurde dem gläsernen Rundbau am Dornbusch ein Konzertsaal mit rund 1200 Plätzen angebaut.

Architekten: G.Weber, G. Schäfer


Foto:Jäger

haus der IG-Metall, Untermainkai 70-76

Am 20. Oktober 1948 wurde von den Delegierten des Vereinigungsverbandstages der IG-Metall die Stadt Frankfurt am Main als Sitz ihres Vorstandes bestimmt. 1949 zählte die Gewerkschaft bereits 1,2 Millionen Mitglieder. Das Verwaltungsgebäude baute sich die IG-Metall 1949/50 am Main in direkter Nachbarschaft zum alten Hochhaus des DGB von 1930, dem ersten Hochhaus Frankfurts, auf dem Bild rechts erkennbar.

 

weitere Neubauten 1949/50:

 
Cronstetten-Haus Deutsche Verkehrs-Kredit-Bank
Kaufhof Hauptwache, erster Bauabschnitt Geschäftshaus am Steinweg

 


1951:

junior-Haus, Kaiserstraße 19/21

Der Bau des Junior-Hauses am Kaiserplatz, einem der belebtesten Plätze der Stadt, war eines der ersten Ausrufezeichen der sich neu entwickelnden Innenstadt. Der Eckbau mit dem charakteristischen Treppenhaus-Turm und den goldleistenprofilierten Fenstern galt zwar zu dieser Zeit schon als etwas altmodisch, das tat der Begeisterung für das noch ungewohnt hohe, mit zahlreichen Leuchtreklamen versehenen Haus aber keinen Abbruch.

Damals hießen Kaiserplatz und die Kaiserstraße noch Friedrich-Ebert-Platz, bzw. -Straße. Diese nach dem Krieg durchgeführte Umbennung wurde aber schnell wieder rückgängig gemacht, so sehr hatten sich die Frankfurter an die "kaiserliche" Straße gewöhnt.

Architekt: Dr. W. Berentzen

Foto rechts: Jäger

 

Blick in die Gallusanlage, Einmündung Kaiserstraße, ca 1957. Das Hochhaus der stark expandierenden Bank war nun bereits durch einen Anbau erweitert, die hier rechts neben dem Haus erkennbaren Gebäude mußten 1964 für weitere Vergrößerungen Platz machen. Heute steht hier das Gallileo-Hochhaus.

Architekt: A.Brösicke, W.Drevermann

dresdner Bank

Die Rhein-Main-Bank (ab 1957 wieder Dresdner Bank ), errichtete an der Gallusanlage, Ecke Kaiserstraße ihr neues Hochhaus.

Die am Rohbau erkennbaren Stahlrohrgerüste lösten direkt nach dem Krieg an vielen Baustellen der Stadt die alten Holzgerüste ab, -einmal war Holz weniger stabil, zum anderen war es noch lange nach Kriegsende knapp und recht teuer. Die Systembauweise der neuen Stahlgerüste ließen auch ausgefallenste Konstruktionen zu günstigen Preisen bei der Errichtung von Hochbauten zu.


Foto:Woscidlo

 

Blick auf die in den Frankfurter Anlagengürtel reichende Rückfassade an der Taunusanlage, der große Baukörper wurde durch die senkrecht betonten Treppenhäuser und verschiedenfarbigen Natursteinplatten in der Fassade aufgelockert. Einzugstermin für die Bediensteten der Bank war der 14. Oktober 1952.

Architekten: Apel, Letocha, Rohrer und Herdt.

landeszentralbank von Hessen

Mit einer Nutzfläche von 17000 qm und einer Höhe von 34 Metern war der Neubau der Landeszentralbank einer der größten Bauten der frühen Nachkriegsjahre.

links: Baubeginn für das Dienstgebäude der Landeszentralbank in der Neuen Mainzer Straße 47/49 war das Jahresende 1950.

Foto:S.Jäger

Foto:Pfau

 

weitere Neubauten 1951:

 
Insel Hotel Deutsche Genossenschaftskasse
MOHA-Milchfabrik Frankfurter Druckhaus
Versandhaus Neckermann T & N Werk II
Institut für Sozialforschung Basler-Haus
Haus des deutschen Kunsthandwerks Kongreß- und Ausstellungshalle

 


1952:


Foto:Woscidlo

Bild oben: die Baustelle 1952, ein scheinbar schwebendes Dach wird auf den Rohbau gesetzt, architektonisches Vorbild war das Columbushaus von Mendelsohn in Berlin.

In den tiefliegenden Fenstern der plattenverkleideten Fassade spiegelte sich an sonnigen Tagen der alte, gegenüberliegende Wehrturm. Im Erdgeschoß befand sich ein Wandelgang mit einigen Ladengeschäften.
Architekt: Stefan Blattner

bayer-Haus, Eschenheimer Tor 2, ein modernes Verwaltungsgebäude, dass sich Anfangs der fünfziger Jahre mit seiner Höhe noch vorsichtig dem historischen Eschenheimer Turm unterordnen mußte. Weniger Vorsicht ließen die Stadtplaner allerdings walten, indem sie das Haus des Chemiekonzerns direkt in die Grünflächen des Anlagenring setzten, der eigentlich unbebaut bleiben sollte.

Foto:Falke

chemag-Haus an der Senckenberg-Anlage 10-12, Ecke Westendstraße.

Das Kasseler Erdöl- und Erdgasunternehmen Wintershall AG baute für ihre Tochtergesellschaften "Chemag" und "Nitag" 1952 ein neues Gebäude. Ca. 250 Mitarbeiter fanden auf dem recht engem Grundstück gebauten neuen Haus Platz. Trotz schwieriger Fundamentierungsarbeiten, bei denen die "schiefgedrückte" Betonplatte des Vorgängerbaus wieder zurechtgerückt und wiederverwendet werden konnte, wurde dieses schöne Haus in erstaunlich kurzer Zeit erbaut. Neben dem runden Treppenturm waren der reizvolle Kontrast der weißen Wand mit den tiefschwarzen, spiegelnden Fensterbrüstungen aus Gußglas bemerkenswert.
Architekt: Ernst Balser

zweigniederlassung Frankfurt der Coca-Cola GmbH in der Rheingauallee 100 (heute Theodor-Heuss-Allee). Der vierstöckige Trakt mit dem Eingangsportal beherbergte die Verwaltungsabteilung, in dem dreigeschossigen Trakt befand sich die Getränkeproduktion. Durch die dort angebrachten großen Schaufenster im Erdgeschoß konnten Neugierige die Abfüllung der nach dem Krieg so begehrten Brauseflaschen an den Fließbändern beobachten.

Architekten: Max Meid, Helmut Romeick

Foto:Klar

Foto:Woscidlo

Nach Trakt und Stockwerk farbig verschieden abgesetzte Türen gaben dem Inneren des Baus eine freundliche Note, weitere Annehmlichkeiten waren ein Reisebüro, ein Friseursalon und ein gutsortierter Zeitungsstand.

Im Bild der Sitzungssaal für 500 Personen, verziert mit mahagonifarbenen Wandplatten und einem grünen Boden. Er lag hinter einem buntverglasten Riesenfenster an der weitgestreckten Längsfassade des Haupttrakts.
Architekten:
W.Wagner, E.Köllner, FAAG

bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten an der Adickesallee 40, Ecke Bertramstraße.

Das Verwaltungsgebäude war mit rund 17500 qm Nutzfläche das bis dahin größte Gebäude nach dem Krieg. Nach nur neun Monaten Bauzeit wurde das 30 Meter hohe, aus vier Trakten bestehende Haus im Juli 1952 fertiggestellt. Auffallend war das Hauptportal mit den zehn Eingangstüren und der fächerartigen, weit vorspringenden Überdachung.

constantin-Haus

Das Büro- und Geschäftsgebäude der Constantin-Handelsgesellschaft, eines Kohlegroß- und Einzelhändlers, wurde 1951/52 in der Stiftstraße 30 errichtet. Auch hier wieder der für diese Epoche typische gläserne, quadratische Treppenturm und ein Arkadengang im Erdgeschoß. Dort befand sich ein, für die Menschen zu damaliger Zeit noch ungewohnter Selbstbedienungsladen für Lebensmittel, der "durch die Übersichtlichkeit der Anordnung starke Anziehungskraft auf die Frankfurter Bevölkerung ausübt", so die damalige Beschreibung eines heute recht gewöhnlichen Supermarkts.

Architekt: Dr. W. Berentzen

haus der Jugend

Am Sachsenhäuser Deutschherren-Ufer in der Nähe der Alten Brücke entstand ab August 1951 diese Jugendherberge mit Blick auf den Main. Der Grundriß wurde u-förmig um einen romantischen Innenhof gelegt, in dem der mittelalterliche Kuhhirtenturm, einst Teil der Alt-Sachsenhäuser Stadtbefestigung steht. Das Haus der Jugend war zu jener Zeit mit seinen Unterkunftsmöglichkeiten für rund 500 junge Gäste eine der größten Jugendherbergen in Deutschland.

Architekt: Dr. Massing

Foto:Grieshaber

das IPA-Haus

an der Düsseldorfer Straße 15. Dieser Neubau am vielbefahrenen Kreisel am Platz der Republik zwischen Hauptbahnhof und Messegelände war vor allem nachts ein Blickfang mit seinen großen Leuchtreklameschriften (Bild rechts). Das kleine Holzhäuschen vorne an der Straße diente dem Schutz der weißgekleideten Verkehrspolizisten bei ungemütlichen Regenwetter, man sah sie häufig an den großen Verkehrskreuzungen Frankfurts.

frankfurter Volksbank an der Börsenstraße 1, Ecke Große Bockenheimer Straße ("Freßgass")

Die "rhythmische Reihung vertikaler Bauelemente" verlieh dem Haus der Volksbank den typischen, architektonischen Anstrich der fünfziger Jahre. Eine Zeitung schrieb weiter dazu: "Eine mutige Idee! Ein Streben in die Höhe liegt in der Linienführung und nimmt dem Großstädter das Gefühl der Enge. Die Großstadt von heute braucht Häuser, die die Straßen weit und geräumig erscheinen lassen, sonst wäre es nicht mehr auszuhalten".

Das Haus steht heute noch, Abriß und Neubau sind aber beschlossene Sache.

Architekt: S.Blattner


Foto:Woscidlo

 

der große Bürokomplex der Alten Leipziger Lebensversicherungsgesellschaft (im Bild hinten) und vorne das Verwaltungsgebäude der Frankfurter Aufbau AG/ Bundesstelle für den Warenverkehr an der Ecke Bockenheimer Landstraße 42/Liebigstraße. Die Häuser wurden im Mai 1952 fertiggestellt und standen auf einem alten Parkgelände. Im Januar 1985 wurden sie abgerissen und das große Grundstück mit dem Triton-Haus bebaut.

Architekt: H.Lahde, Frankfurter Aufbau AG

Foto:Woscidlo

 

weitere Neubauten 1952:

 
Bieger-Haus Hotel Hessischer Hof
Accumulatoren Fabrik AG Maggi-Haus

 


1953:

bundesrechnungshof, Berliner Straße 51

An der Südseite der 1953 fertiggestellten neuen Berliner Straße lag das achtgeschossige Hauptgebäude und zwei fünfstöckige Seitengebäude, die zusammen eine z-ähnliche Form ergaben. Hinter der mit Tonklinkerplatten verkleideten Fassade befanden sich auf einer Nutzfläche von ca 2400 Quadratmetern 395 Büroräume für alle Dienststellen des Rechnungshofes.

Architekten: Steinmeyer, Dierschke

berliner Straße, kurz vor der Fertigstellung 1953.

Vorne an der Ecke zur Hasengasse das achtstöckige Wohn- und Geschäftshaus der Architekten Hebebrand und Schlempp, das Hochhaus bildete eine der ersten baulichen Dominanten der Wiederbebauung der Altstadt; nach links das kammartige, aus vier fünfgeschossigen Blocks erstellte Gebäude der Architekten Meid und Romeick. Die Bauweise der beiden Häuser zeigt gut die Absicht der Städteplaner, eine aufgelockerte Bebauung für die "neue Altstadt" zu erreichen.


Foto:Englert

Bild rechts: frühe Modellzeichnung des Baukomplexes, er wurde noch leicht aufgestockt.

in Stahlbetonskelett-Bauweise ließ die Degussa ihr dreizehnstöckiges Hochhaus mitsamt des 20 Meter hohen Seitenflügels an der Ecke Weißfrauenstraße, Neue Mainzer Straße in einer Bauzeit von nicht einmal einem Jahr errichten, die Eröffnung fand im August 1953 statt. Es gab zwei Personenaufzüge und ein Lastenaufzug, die Linoleumböden waren trittschallisoliert, insgesamt wurden 25000 Kubikmeter Raum umbaut.

Architekt: F.J. Ziegler

 

hochhaus der Bundesbahn-Hauptverwaltung,

bezugsfertig im September 1953, im Bild das Hochhaus und der Verbindungstrakt zum langgestreckten Direktionsgebäude der Deutschen Bundesbahn von 1952. 300 Büros befanden sich auf einer Nutzfläche von 6300 qm, der Turm stand direkt neben dem Eingang zur Frankfurter Messe am damaligen Platz der Republik.

Architekt: Waltenberg, FAAG

 

Die Direktionsräume lagen im 11. und 12. Obergeschoß, unter dem Laterndach des 45 Meter hohen Turms gab es einen Rundgang mit gutem Ausblick auf das benachbarte Messegelände und die Stadt. In dem Hochhaus waren auch die Presseabteilung der Bahn und ein Reisebüro untergebracht. Bild links: Blick in das Kasino im seitlichen Anbau, in denen sich die Wirtschaftsräume und 15 Zimmer für Übernachtungen befanden. Im April 1994 wurde dieses frühe Hochhaus spektakulär gesprengt.

auf dem spitzwinkligen Eckgrundstück am Oeder Weg in direkter Nachbarschaft zum zerstörten Volksbildungsheim baute die Frankfurter Bezirksdirektion der Gladbacher Feuerversicherungs AG ihr Gebäude. Die Einweihung fand im April 1953 statt, die Frankfurter bestaunten die helle Fassade des sechsstöckigen Hauses mit den kontrastreichen schwarzen Fenstergewänden und den silberfarbigen Leichtmetall-Fensterrahmen an diesem stark frequentierten Verkehrskreisel. Völlig neuartig waren Doppelfenster mit zwischen den Scheiben eingelassenen Sonnenrollos nach skandinavischem Vorbild.

Architekt: Georg Scotti

Foto: Universal

 

weitere Neubauten 1953:

 
Bundesanstalt für Flugsicherung Bürohaus der National-Versicherung
Mutterschutz und Säuglingsheim  
© JHS, 05.11.03
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