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serie zur nachkriegszeit
die stadt um 1962.  
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steinernes Haus am Alten Markt

Am 8. November 1962 fand die Wiedereröffnung des kriegszerstörten Steinernen Hauses in der Nähe des Römerbergs statt. Nach drei Jahren Bauzeit konnte damit eines der wenigen verbliebenen Frankfurter Baudenkmäler der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden. Das spätgotische Haus wurde weitgehend in seinen historischen Formen wiederhergestellt, erhielt daneben auch einen modernen Anbau (siehe Abb.), das Innere wurde für die Nutzer, dem Amt für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung und dem Frankfurter Kunstverein in moderner Ausstellungsarchitektur eingerichtet.

unten: Der Vortragssaal im ersten Obergeschoß hatte Platz für rund 200 Personen, daneben gab es weitere Ausstellungsräume mit rund 1000 Quadratmeter Fläche, Büroräume und einen Lesesaal. Die Gesamtkosten für den Wiederaufbau des 500 Jahre alten Hauses beliefen sich auf ca. 2,4 Millionen Mark.

das mit seinem Zinnenkranz, den Ecktürmchen und dem hohen schiefergedeckten Walmdach wie ein Wehrgebäude wirkende Haus wurde 1464 durch den reichen Kunst- und Seidenhändler Johann von Melem als eines der ersten Steinhäuser der Stadt errichtet. 1898 wurde es von der Stadt übernommen, die es ab 1906 der Frankfurter Künstlergesellschaft als Heim überließ und sich als bedeutendes Kunstzentrum Geltung verschaffte.

 

1963 waren die letzten Gerüste am Deutschordenshaus gefallen, einer barocken Dreiflügelanlage (gebaut 1715) am Sachsenhäuser Brückenkopf der Alten Brücke, die schon 1943 durch Brandbomben zerstört worden war. Rechts im Bild die in die Schloßanlage eingebettete Deutschordenskirche von 1309 mit dem charakteristischen Fassadenturm mitsamt der Zwiebelhaube. Während die Kirche schon bis Weihnachten 1947 provisorisch wiederhergestellt war, zogen sich die ca. 1960 begonnenen, aufwendigen Innenausbauten und Restaurationsarbeiten am Deutschordenshaus lange hin, erst am Samstag, dem 29. Mai 1965 war die feierliche Einweihung des wohl bedeutendsten Baudenkmales auf der Sachsenhäuser Stadtseite. Neben einem Pfarrsaal, einem Altenclub und der Hauskapelle gab es im Erdgeschoß einen großen Veranstaltungssaal, die ersten beiden Stockwerke dienten den Geistlichen, die beiden Dachgeschoße wurden zu einem Studentenwohnheim für ca. 70 Studierende der Goethe-Universität ausgebaut.

der Deutsche Orden, Ritter vom weißen Mantel und schwarzem Kreuz, einst Träger der Eroberung und Christianisierung des heidnischen Preußenlandes, residierte an dieser Stelle nachweislich schon um 1190. Sein Reichtum und seine ausgezeichneten Kontakte zu weltlichen und geistlichen Würdenträgern hatten zur Folge, dass hier Kaiser, Könige und Priester weilten. Auch währte die Deutschordenskommende hinter ihren dicken Mauern den Besitzlosen, aber auch Dieben und Räubern Frieden und Asylrecht, was häufig zu Konflikten mit der auf ihre Sicherheit bedachten Bürgerschaft führte. Der Orden feierte 1965 gleichzeitig mit der Wiedereröffnung des Hauses sein 775-jähriges Bestehen, nun als Träger seelsorgerischer und karitativer Arbeit.

st.-Christophorus Kirche

Ein sehr auffälliger Kirchenbau entsteht bis Ostern 1962 am Festeburgring im Stadtteil Preungesheim. Wie ein großes Schiff erhebt sich der Neubau der katholischen St.-Christophorus Gemeinde, der Architekt Harald Greiner verzichtete auf den üblichen Kirchturm, stattdessen zog er den Kirchenraum parabelförmig-spitz zulaufend in die Höhe, um ihn dort an der höchsten Stelle durch ein Kreuz aus Stahlbeton zu krönen.

der Innenraum der Kirche war schlicht und nüchtern gehalten, das weiße Mauerwerk rauh verputzt, der Boden mit schwarzem Kunststein ausgelegt, auch die Kirchenbänke waren in schwarz gehalten. Senkrecht verlaufende Lichtschlitze sorgten für strahlende Helligkeit, abends wurde der für 550 Besucher ausgelegte Raum durch an den Wänden angebrachte messingne Leuchter mit Glühbirnen erhellt.

 

 

 

blick auf die Kreuzung am Taunustor, im Hintergrund das 1962 eröffnete Zürich-Hochhaus , zu dieser Zeit das höchste Haus der Stadt, rechts der langgezogene Riegel der Landeszentralbank von 1951/52.

heute ist die parkähnliche Taunusanlage, wo sich einst die Stadtbefestigung befand, von vielen hohen Wolkenkratzern umgeben und erinnert ein wenig an New Yorks "Central Park".

luftbild Sachsenhausen-West

Vorne die Verwaltungsbauten des AEG-Konzerns , links davon gut erkennbar die Stresemannallee mit den Neubauten der Verbände für Elektrowirtschaft , in der Bildmitte die bis 1960 umgebaute und vergrößerte Kreuzung Stresemann-/Kennedyallee. Im Bildhintergrund Gleisanlagen des Güterbahnhofes Süd.

weitere große Straßenumbauten mit Verbreiterungen, Zusatz-, und Abbiegerspuren sowie dem Ausbau der Lichtsignalanlagen betrafen ab 1960 den nördlichen Alleenring mit den Kreuzungen Eckenheimer Landstraße (Abb.) 1961, Bockenheimer Landstraße 1962 und den Nibelungenplatz 1965.

1962 wird zudem ein erster Gesamtverkehrsplan für die Stadt Frankfurt vorgestellt, der die Koordinierung aller zukünftigen verkehrstechnischen Maßnahmen sowohl für das Straßensystem als auch der Straßenbahn und U-Bahn vorsieht.

zur Frühjahrsmesse 1963 wurde auf dem Messegelände das neue Messehaus 4 in Betrieb genommen (98 Meter lang, 70 Meter breit und 25 Meter hoch). Auf vier Stockwerken standen über 23000 Quadratmeter modernste Ausstellungsflächen zur Verfügung.

mit diesem Gebäude war die bauliche Kapazität des alten, 200000 qm großen Messegeländes ausgeschöpft, erst der Durchbruch des angrenzenden Bahndammes 1964/65 vergrößerte das Gelände der Frankfurter Messe nach Westen um weitere 170000 Quadratmeter.

am 4. Juli 1961 beschließen Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung den Bau der U-Bahn . Nach Berlin und Hamburg bekam Frankfurt a. M. nun als dritte deutsche Stadt eine Tiefbahn.

im Juni 1962 starten die Vorbereitungsarbeiten in der Eschersheimer Landstraße, eine Baufirma errichtet dort Hütten und Gerätelager, dann werden Bäume gefällt und die Straße aufgerissen, ab Oktober beginnen die Arbeiter neue Kanäle und Leitungen zu verlegen.

freitag, 28. Juni 1963 - Erster Rammschlag für das Baulos 1 in der Eschersheimer Landstraße (Bild). Dort entsteht in drei Jahren Bauzeit der erste Tiefbahntunnel Frankfurts mit einer Länge von rund 540 Metern zwischen der Humser Straße und dem damaligen Verkehrskreisel Adickesallee. Dieses Baulos war das erste Teilstück der insgesamt 9 Kilometer langen Strecke von der Hauptwache zur neuen Nordweststadt für die erste U-Bahn Linie A, die am 4. Oktober 1968 eröffnet wird.

Foto:Weiner

 

im Stadtwald wird Sommer 1961 der Spiel- und Erholungspark "Tannenwald" eröffnet, mit einer Fläche von über 5 Hektar war das an der Gemarkungsgrenze Neu-Isenburg liegende Areal der größte Spielpark Deutschlands. Wassersprühanlage (siehe Abb.) und Wasserrutsche, Planschbecken, Rollschuhlaufflächen, Hockeyplatz, Tischtennishallen, Minigolf-, Federball- und Bocciaspielflächen und zahlreiche Kinderspielgeräte begeisterten Kinder und Erwachsene.

Nach dem Krieg waren durch Bomben und Minenschäden sowie Abholzung rund 1800 Hektar Waldfläche des Frankfurter Stadtwaldes zerstört, etwa ein Drittel des Waldgesamtbestandes im Stadtgebiet (siehe ).

 

am Dienstag, dem 25. Juni 1963 besucht der amerikanische Präsident John F.Kennedy Frankfurt. Im Kaisersaal des Römers trägt sich der 35. Präsident der Vereinigten Staaten in das Goldene Buch der Stadt ein (Bild rechts), neben ihm der damalige Frankfurter Oberbürgermeister Werner Bockelmann. Zum ersten Mal besuchte ein amtierender US-Präsident die Stadt am Main, die geschichtlich immer eng mit Amerika verbunden war (allein 20 Städte in den USA tragen den Namen Frankfurt).

Contribution to freedom - Sons of Frankfurt in America,
Americans in Frankfurt

nach der Landung und anschließender Empfangsparade durch NATO-Einheiten auf dem Hubschrauberlandeplatz der US-Army in Erlensee (damals Langendiebach) bei Hanau, setzte sich der lange Troß der Fahrzeuge vormittags in Richtung Frankfurt in Bewegung. Links im Bild sieht man die Autos und Polizeimotorräder auf der Hanauer Landstraße in Höhe der Messer-Griesheim-Werke.

Neben Kennedy saßen der hessische Ministerpräsident Georg August Zinn und der damalige Vizekanzler Ludwig Erhard im offenen Mercedes.

über 150000 Menschen bereiteten dem Präsidenten einen begeisterten Empfang, vor allem auf dem Römerberg standen die Neugierigen dichtgedrängt, um den Fahrzeugkonvoi mit "Kennedy, Kennedy" Rufen zu bejubeln. Dann sprach er zu der Frankfurter Bevölkerung, allgemeine Überraschung löste Kennedys Mitteilung aus, er habe als junger Kongreßabgeordneter die Stadt 1948 schon einmal besucht. Er verglich das verheerende Bild dieser schweren Tage mit dem der Gegenwart und leitete ab, "was die Bürger dieser Stadt seitdem alles geleistet hätten". Eine weitere Rede hielt er nachmittags in der Paulskirche.

Niemand konnte an diesem denkwürdigen Tag erahnen, dass John F. Kennedy nur fünf Monate später einem Attentat in Dallas zum Opfer fallen würde. Nach der Meldung seines Todes am 22. November 1963 versammelten sich spontan unzählige Bürger Frankfurts zu einer Trauerfeier am Römerberg. Ihm zu Ehren wurde die auf Sachsenhäuser Stadtseite gelegene Forsthausstraße in Kennedyallee umbenannt, an der Paulskirche wurde zu seiner Erinnerung eine Gedenktafel angebracht .

 

neben dem Kennedy-Besuch stand Frankfurt vom 19. bis 26. Juni 1963 wegen des hier stattfindenden 6.Welt-Erdölkongreß und der internationalen Erdöl-Ausstellung "Interoil" im Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit. Zum ersten Mal fand der alle vier Jahre tagende Wirtschaftskongreß in Deutschland statt; unter der Schirmherrschaft des damaligen Bundespräsidenten Lübke führte er rund 6000 Wissenschaftler, Techniker und Kaufleute der Öl-Industrie aus 60 Ländern zusammen. Die Ausstellung "Interoil" auf dem Messegelände (rechts: Blick in die Festhalle) sollte Interessierten die neuesten technischen Entwicklungen nahebringen, dort zeigten auf 70000 Quadratmetern Ausstellungsfläche 547 Firmen der Zulieferindustrie ihre Erzeugnisse.

ein für Frankfurt ungewöhnlich kalter Winter zauberte zur Jahreswende 1962/63 diese schönen Bilder vom verschneiten Eisernen Steg und dem Main, auf dem das Packeis trieb. Von November 1962 an lag die Stadt fast vier Monate unter einer geschlossenen Schneedecke, es war bitterkalt mit Temperaturen von bis zu minus 15 Grad.

links: Die Alte Brücke mit der Maininsel, rechts der Dom. Die Schiffahrt war ab Januar 1963 zwischen dem Hafen Offenbach und Frankfurt-Höchst stark behindert, der Eisbrecher "Taunus" versuchte noch zwischen Offenbach und Griesheim das Fahrwasser vom Eis freizuhalten, wenige Tage später aber mußte die Schiffahrt dann komplett eingestellt werden.

© JHS, 01.02.04
frankfurt baut auf