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serie zur nachkriegszeit
die frankfurter messe 1951-71.  
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Foto:Römer

zu Beginn der fünfziger Jahre hatte die Frankfurter Messe die Bedeutung früherer Jahre zurückerlangt, die sie während der Naziherrschaft praktisch völlig verloren hatte. Oberbürgermeister Walter Kolb sprach 1952 voller Stolz von Frankfurt als "neues deutsches Tor zur Welt". Die Stadt hatte dafür kräftig investiert: neben dem ständigen Ausbau des Messegeländes wurde vor allem an der allgemeinen städtischen Infrastruktur gearbeitet; hierbei vorzuheben sind der Ausbau der wichtigen Zufahrtstraße über den Hauptbahnhof, die 1951 neugebaute Friedensbrücke , der Ausbau des Flughafens und die schnelle Wiederaufnahme des Omnibus- und Straßenbahnbetriebes. Sie sicherten die schnelle Erreichbarkeit der Messe für Aussteller und Gäste. Auch der Neu- und Wiederaufbau von Hotels, Gaststätten und Nachtlokalen wurde stark forciert, wie schon im Mittelalter entstand in Frankfurt während der Messezeiten eine fast volksfestähnliche Stimmung, die viele Gäste aus aller Welt anzog. Die nächtliche Kaiserstraße im Bahnhofsviertel wurde in einer Zeitung gar als "Broadway Europas" beschrieben!

Abb. links: Messe-Werbung zur Frühjahrsmesse 1950 an der Hauptwache

 

auch auf dem Messegelände ruhten die Arbeiten nicht: Bis März 1951 entstanden dort zwei weitere Hallen (4 und 12), darunter das neue Kongreß- und Ausstellungsgebäude, mitsamt der Halle 12. Es entstand auf den Fundamenten des früheren, im Kriege zerstörten Haus der Moden von 1925.

 


Foto:Jäger

die Hauptgaststätte an der Festhalle (rechts), eröffnet im März 1951, sie diente der Entspannung der Aussteller und der vielen Messegäste.

blick in die neue Kongreßhalle (links), mit einem Fassungsvermögen für rund 2000 Personen. Hier fanden nach dem Krieg zahllose Frankfurter Großveranstaltungen statt: Tagungen, Ausstellungen, Tanzveranstaltungen, später auch viele Konzerte. Die Halle wurde vor einigen Jahren für das neue "Congress Center Messe Frankfurt" abgerissen.
Foto:Wolff

haus des deutschen Kunsthandwerks

1951 wurde der bedeutenden Ausstellergruppe des Kunsthandwerks ein eigenes Haus erbaut, geeignet vor allem für kleine kunstgewerbliche Gegenstände, die in diesem leichten, pavillonartigen Bau mit viel Glas und Licht gut zur Geltung kamen. Auch die Buchmesse fand in diesem hellen Gebäude einen gut geeigneten Platz. Die Eröffnung fand am 2. September 1951 statt.

 

1951 - Internationale Automobilausstellung
die größten Besucherzahlen auf dem Messegelände werden alle zwei Jahre von der Internationalen Automobilausstellung erreicht. Die ersten Veranstaltungen dieser Art fanden bereits in den Jahren 1900 und 1904 in Frankfurt statt, danach zog diese sehr erfolgreiche Ausstellung nach Berlin, kleinere Automobilschauen fanden aber auch weiterhin in der Stadt am Main ihr Publikum. Nach dem zweiten Weltkrieg kam die IAA über den veranstaltenden "Verband der deutschen Automobil-Industrie" mit Sitz in Frankfurt wieder zurück und konnte 1951 die lange Tradition der großen Berliner Vorkriegsausstellungen fortsetzen. Führende Automobilfabriken und Zubehörfirmen aus aller Welt gaben einen "Überblick über den Stand und die Fortschritte der Automobiltechnik" und sollten helfen, "neue Käufer zu gewinnen und das Interesse weiter Kreise des In- und Auslandes für den Gedanken der Motorisierung zu fördern".

Foto:Kerner

schon auf der ersten Automesse vom 19. bis 29. April 1951 befanden sich unter den 537 Ausstellern 36 ausländische Firmen aus 8 Ländern, unter den 570000 Besuchern auf dem von Menschenmassen bevölkerten Messegelände waren Besucher aus aller Welt, um eine Übersicht über den damaligen Automarkt zu erhalten. Von den Besucherzahlen als auch vom Umsatz, der mit 420 Millionen DM angegeben wurde, war es die bis zu diesem Zeitpunkt erfolgreichste Veranstaltung auf dem Messegelände nach dem Krieg.

Die Abbildung links zeigt den aufwendig gestalteten Haupteingang zum Messegelände.

bemerkenswert an dieser ersten Automobilmesse 1951 waren die zahlreichen Geschäfte zwischen ausländischen Ausstellern und ausländischen Einkäufern, was die zukünftige Bedeutung dieser Ausstellung für den Weltmarkt andeutete. Das Verkaufsgeschäft übertraf vor allem im Export alle Erwartungen. So war es wenig verwunderlich, dass sich auch zahlreiche hohe Gäste aus Politik und Wirtschaft in Frankfurt einfanden, im Bild der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer beim Messerundgang.

die ständig fortschreitende Motorisierung, der Traum vom eigenen Auto und die einsetzende Reisewelle waren maßgeblich am überwältigendem Erfolg dieser Messen beteiligt, der sich weiter steigerte:

1953 sahen 655000 Besucher das Angebot von 584 Ausstellern, unter denen 43 ausländische Firmen aus 10 Ländern teilnahmen. Zwei Jahre später, im Herbst 1955, besuchten schon 758000 Menschen aus mehr als 60 Ländern die 37. IAA (siehe Abb.). "In diesen Tagen scheinen alle Straßen nach Frankfurt zu führen", hieß es im Eröffnungsbericht. Am letzten Messetag, dem ersten Oktobersonntag, kamen allein 100000 auswärtige Fahrzeuge in die Stadt, 165000 Menschen schoben sich durch die überfüllten Hallen. Die Frankfurter Verkehrspolizei stand dabei vor fast unlösbaren Aufgaben und war sicher froh, als das traditionelle Hupkonzert die Automobilausstellung abschloß. Eine kurze Übersicht über die IAA 55, die Hallenbelegung und die Fahrzeughersteller jener Zeit: .

Zur Automobilausstellung 1957 kamen 800000 Besucher, die fünfziger Jahre waren wirklich ein Jahrzehnt des Automobils!

 

1951 - Internationale Fahrrad- und Motorrad-Ausstellung

automobile und Kraftstoffe gab es nach dem Krieg praktisch nicht mehr, so hatte das Fahrrad als erstes Verkehrsmittel die Wege durch die zertrümmerten Straßen der Städte erschlossen. Wenig später trat das Moped seinen Siegeszug an, dann kam der Motorroller als mittelständischer Auto-Ersatz, -die Entwicklung der Zweiradindustrie zu dieser Zeit war besonders interessant und in ständiger Bewegung. Der wachsende Wohlstand brachte laufend neue, bequemere und immer leistungsfähigere Modelle auf den Markt, was die Übersicht für die Nutzer dieser volkstümlichen Verkehrsmittel zunehmend erschwerte. Vom 28. Oktober bis zum 4. November 1951 sah das Frankfurter Messegelände daher erstmals eine eigenständige Internationale Fahrrad- und Motorrad-Ausstellung IFMA, über 300000 Besucher und Abschlüsse von rund 70 Millionen Mark machten sie zu einem großem Erfolg.


Fotos:Vack

fahrräder, Mopeds, Motorräder, Motorroller und später auch Rollermobile wurden auf der IFMA, die ab 1951 in unregelmäßigen Abständen in Frankfurt stattfand, im neuesten Stand der Entwicklung gezeigt und der große Kreis der Zweiradliebhaber konnte sich über die ungeheure Modellvielfalt informieren. Die Erzeugnisse der Zweirad-Industrie mit ihren manchmal recht eigentümlichen Erfindungen waren besonders in den fünfziger Jahren eng mit dem sozialen Aufstieg und den technischen und sportlichen Interessen breiter Bevölkerungskreise verknüpft.

 

 

die bis 1951 abgehaltenen Messen und Ausstellungen, vor allem die Fahrzeugausstellungen, hatten klar gezeigt, dass das Messegelände dringend einer Erweiterung bedurfte, um das weitere Expandieren dieser erfolgreichen Veranstaltungen für den Standort Frankfurt nicht zu gefährden.

am 5. August 1952 stand die Grundsteinlegung für mehrere neue Messehallen und ein Verwaltungsgebäude für die Frankfurter Messegesellschaft auf dem freien Ostdreieck des Messegeländes an. "Für den Frieden! Für den Wohlstand! Für die Freiheit!" bestimmte Oberbürgermeister Walter Kolb mit den drei traditionellen Hammerschlägen diesen großangelegten, 25000 Quadratmeter großen Gebäudekomplex des Architekten Franz C. Throll, der das Gelände abrunden sollte.

 


Foto:Vack

im Winter 1952/52 entstanden in der rekordverdächtigen Bauzeit von nur sechs Monaten bis zum April 1953 das neue Verwaltungsgebäude mit der Verkehrshalle im Erdgeschoß und der neugestaltete westliche Eingangsbereich (rechts Abb.von 1955) sowie die neuen, großräumigen Messehallen 14-17, die die Gesamtausstellungsfläche auf 85000 Quadratmeter erhöhte.

 

verkehrshalle im Erdgeschoß des neuen Verwaltungsgebäudes am Messeeingang. In der 1000 Quadratmeter großen Halle waren Auskunftsschalter und Servicedienste untergebracht.
Foto:Woscidlo

blick in die zweistöckige Halle 14 (Auto-Halle), sie besaß als erstes Messegebäude eine moderne Sprinkler-Anlage zum Feuerschutz.

rechts: die glasgedeckte Halle 17 auf dem neuen Ostgelände, fertiggestellt im Frühjahr 1953

 


Foto:Aero-Lux
luftbild Messegelände von 1953 mit dem neuen Eingangsbereich aus Richtung Platz der Republik (heute Friedrich-Ebert-Anlage). Zu dieser Zeit standen bereits 16 moderne Hallen und 8 Auslandpavillons, nur sechs Jahre nach Baubeginn auf dem damals völlig zerstörten Frankfurter Messegelände!

 

Hallenübersicht 1955

Halle / Baujahr
1 - Festhalle - 1909/1950
2 - 1940/1950
3 - Haus der Technik - 1922/1948
4 - 1950
5 - 1950
6 - H.d.Kunsthandwerks - 1951
7 - 1948
8-11 - 1948
12 - Kongreßhalle - 1951
14-17 - 1953
18-22 - Pavillons - 1949-53
Verwaltungsgeb. vorne - 1953

 

1956 - Internationale Kochkunstausstellung

nach der Gründung des Internationalen Verbandes der Köche 1896 mit ständigem Sitz in Frankfurt, wurde die erste Internationale Kochkunstausstellung IKA im Jahre 1900 in Frankfurt abgehalten und entwickelte sich zu einem weltweit angesehenen Treffpunkt der "Weißen Zunft". Sie besaß unter den regelmäßig wiederkehrenden Ausstellungen in Frankfurt die längste Tradition. Die Stadt, seit dem frühen Mittelalter gewöhnt, Kaiser, Fürsten, Handelsherren und zahlreiche Messebesucher als Gastgeber mit erlesensten Speisen zu bewirten, war für eine solche Veranstaltung geradezu prädestiniert. In den Nachkriegsjahren wurde die IKA vom Berufsverband der deutschen Köche dann erneut ins Leben gerufen, sie fand zum ersten Mal vom 30.9 bis zum 7.10.1956 in Frankfurt statt und konnte gleich wieder an die erfolgreichen Veranstaltungen der Vergangenheit anknüpfen.

in 9 Hallen und 6 Pavillons zeigten 843 Aussteller neben Rohmaterialien, Spirituosen, Genuß- und Nahrungsmitteln auch Maschinen und Hilfsmittel für Küche, Konditorei und Fleischerei, Kühlanlagen, Großküchenanlagen, Geschirrspülautomaten, Tiefkühl- und Auftaugeräte, sowie alles für den Hotelbedarf. In besonderen Werbeschauen konnten die Besucher ein Musterhotel, und das "moderne Restaurant" beobachten, hinter Glas produzierten eine Konditorei und eine Großbäckerei. In der mit Medaillen prämierten Kochkunstschau, "Olympia der Köche" genannt, konkurrierten 400 Köche aus 11 Nationen und zeigten ihr Können in einer großen Schau aus kalten Platten und fertigen Gerichten. Im "Internationalen Restaurant" bereiteten diese Kochkünstler den Messegästen täglich wechselnde Nationalgerichte zu. Die IKA 1956, die gemeinsam mit der 7.Bundesfachschau für das Hotel- und Gaststättengewerbe stattfand, zog über 250000 Gäste aus aller Welt an.

 

1956 - Musikmesse

zur Frühjahrsmesse 1952 beteiligte sich auch die deutsche Musikinstrumenteindustrie erstmals an einer Mustermesse. So erfolgreich, dass sich im Jahre 1956 diese Branche definitiv für Frankfurt als einzigen deutschen Messeort für ihre Erzeugnisse entschied. Man beschloß, von nun an jedes Frühjahr an der Internationalen Frankfurter Messe teilzunehmen. Die Musikmesse ist bis zum heutigen Tag weltweit der wichtigste und größte Treffpunkt für Musikinstrumentehersteller, Fachmarkt, Musiker und dem an der Musik interessierten Besucher.

 

im Frühjahr 1957 konnten die Messebesucher an der Halle 3 die Errichtung eines 1000 Tonnen schweren Stahlgerüstes für einen Erweiterungsanbau beobachten. Schon am 2. August 1957 war die Einweihung der "Walter-Kolb-Halle", benannt nach dem ein Jahr zuvor verstorbenen Oberbürgermeister und Aufsichtsratvorsitzenden der Messe- und Ausstellungs-Gesellschaft mbH. Zusammen mit dem Altbau der Halle 3 umspannte der neue Erweiterungsbau 16000 qm Fläche, die auf 16 Mittelstützen ruhende Shedhalle war 43 Meter weit gespannt und 15 Meter ausgekragt. Die nunmehr größte zusammenhängende, überdachte Ausstellungsfläche in Frankfurt diente sowohl den Messen als auch großen technischen Ausstellungen und wurde für diese Aufgabe mit einer 15-Tonnen-Brückenkrananlage zum Transport schwerster Aggregate, direktem Gleisanschluß zum benachbarten Hauptgüterbahnhof und einem für schwerste Fahrzeuge befahrbaren Boden ausgestattet.
Bild: Herbst 1957, hinten rechts die neue Kolb-Halle.

 

1957 - Große Deutsche Rundfunk-, Fernseh- und Phono-Ausstellung
vom 2. bis zum 11. August 1957 war das Frankfurter Messegelände Schauplatz der Großen Deutschen Rundfunk-, Fernseh- und Phono-Ausstellung, die von der Industrie in zweijährigem Turnus durchgeführt wird und 1957 erstmals in Frankfurt stattfand. Zur Eröffnung der Ausstellung wurde auf dem Messegelände zugleich die neu erbaute Walter-Kolb-Halle ihrer Bestimmung übergeben. Über 200 Firmen der Rundfunk-, Fernseh- und Phonoindustrie, darunter Radio- und Fernsehhersteller, Bauelemente-Fabriken, Antennenproduzenten, Röhren- und Meßgeräte-Firmen, aber auch Hersteller von Schallplatten, boten auf 50000 qm Ausstellungsfläche der Fachwelt und der stark interessierten Öffentlichkeit die neuesten Erzeugnisse. Neben Rundfunk und Fernsehgeräten, -auf dieser Ausstellung waren erstmals in Deutschland tragbare Fernsehgeräte zu sehen, -interessierten sich die Besucher damals auch besonders für Schallplattenspieler (Bild unten) und die neuartigen Tonbandapparate. (Im Bild die Vorstellung eines neuen Transistorradios der Firma Telefunken, links zum Vergleich ein tragbarer Radioempfänger von 1924)

die Inlandsabschlüsse waren so gut, daß die Produktion vieler Herstellerfirmen auf Monate hinaus ausgelastet war. Große Überraschung löste das starke Interesse von ausländischen Gästen und Fachleuten aus, -über 80 der mehr als 100 Länder, in die Rundfunk- und Fernsehgeräte "made in Germany" damals schon wieder exportiert wurden, waren durch Einkäufer in Frankfurt vertreten. Auch den Besuchern wurde eine Menge geboten: Die Festhalle war in einen riesigen Sendesaal für Fernsehsendungen verwandelt worden , täglich fanden hier "live" Unterhaltungssendungen statt , ebenso wie in zwei Fernsehstudios in der Kongreßhalle. Tausende Zuschauer drängten sich dort voller Neugierde, um etwas von der neuen, bunten Medienwelt mitzubekommen. 493000 Besucher aus dem In- und Ausland wurden während der ersten Ausstellung 1957 auf dem Messegelände gezählt, zwei Jahre später kamen sogar 532000 Interessierte, doch Frankfurt war 1959 zum letzten Mal Ausstellungsort. Heute befindet sich die Internationale Funkausstellung in Berlin.


Foto:Kerner

 

1959 - Interstoff -Fachmesse für Bekleidungstextilien

 

die Textilbranche mit ihren Druckern, Webern und Veredlern war derart erfolgreich, dass sie im Rahmen der Internationalen Frankfurter Messe Ende der fünfziger Jahre aus allen Nähten platzte, das Standangebot war einfach zu klein, viele Bewerber mußten zurückgewiesen werden. Die Messeleitung kam nicht umhin, der Stoffbranche den Vorschlag zu unterbreiten, aus der allgemeinen Messe auszuscheiden und eine eigene Fachmesse auf dem Messegelände zu gestalten. Diese fand dann erstmals vom 7.-10. Juli 1959 unter der Bezeichnung "Interstoff" mit 83 Ausstellern und 2600 Einkäufern statt.

 

zum Ende der fünfziger Jahre konnte die Messe- und Ausstellungs-Gesellschaft ein sehr positives Zwischenergebnis ziehen, in einer deutschen Zeitung wird um diese Zeit wohl erstmals der vom Ausland geprägte Begriff des "Wirtschaftswunders" in einem Artikel über die Frankfurter Messe verwendet. Und in der Tat hatte sich der Messeplatz innerhalb zehn kurzer Jahre zu dem Musterplatz für Fertigwaren und Konsumgüter aller Art entwickelt, die vielen verschiedenen Ausstellungen hatten sich weit über die deutschen Grenzen etabliert.

so positiv dies alles auch war, problematisch wurde nun aber die räumliche Beschränkung des mitten in der Stadt liegenden Messegeländes für die weitere Entwicklung der für Frankfurt enorm wichtigen Messen und Ausstellungen. Vor allem die Abtrennung durch einen ungünstig gelegenen Bahndamm der ehemaligen Main-Weser-Bahn, der ein als Großparkplatz genutztes Freigelände westlich abgrenzte, stand einer Ausweitung stark im Wege. Um 1960 wurde ein eigener Generalbebauungsplan entwickelt, der neben mehreren neuen Ausstellungshallen vor allem die Erschließung dieses, der Messegesellschaft gehörenden westlichen Areals vorsah, das durch 170000 zusätzliche Quadratmeter enorme Entwicklungschancen bringen sollte.

modell Messe- und Ausstellungsgelände aus dem Jahr 1962, ganz rechts das geplante Messehaus 4, oben gegenüber die Walter-Kolb-Halle 3. Die Hallen 9, 10 und 11 an der sogenannten Hauptstraße des Messegeländes wurden bis zum Frühjahr 1962 baulich zu einem großen, ebenerdigen Hallenkomplex vereint. Das neu zu erschließende Freigelände im Westen ist hier noch nicht abgebildet.

 

für die eher als Provisorium angelegte Leichtbauhalle 4 aus der frühen Nachkriegszeit, die 1961 abgerissen wurde, entstand als erste große Baumaßnahme der sechziger Jahre das neue, vierstöckige Messehaus 4. Im Februar 1963 in Betrieb genommen, ist der rund 100 Meter lange Bau (später Halle 6) nach der Festhalle heutzutage das älteste Gebäude auf dem weitläufigen Messegelände.

mit diesem neuen Messehaus war die Nutzkapazität des alten Ostgeländes mit rund 200000 Quadratmetern nun endgültig ausgeschöpft.

zum Jahresende 1964 wurde mit dem Bau einer 65 Meter breiten und 4,50 Meter hohen Unterführung als Durchgang zum zukünftigen westlichen Messegelände begonnen, hinter der neuen Bahnbrücke wurde etwa zur gleichen Zeit auch eine Hochstraße (Emser Straße) geplant, die die Stadtteile Bockenheim und das Gallusviertel verbinden sollten. Die Skizze zeigt die Brücke bzw. den Tunnel, links die Walter-Kolb-Halle, rechts das Messehaus 4.

im Spätherbst des Jahres 1965 war der Durchbruch fertiggestellt, jetzt begannen die Bauarbeiten für die gigantische Messehalle 5, eröffnet pünktlich zur Chemiemesse ACHEMA am 21. Juni 1967 (Abb links). Diese Halle, zu dieser Zeit Europas größte ebenerdige Ausstellungshalle mit 30000 Quadratmetern Ausstellungsfläche, sprengte alle bisherigen Maßstäbe auf dem Frankfurter Messegelände. Die quadratische Halle mit ihren Seitenlängen von 180 x 180 Metern war in der Lage, komplette Fachmessen aufzunehmen, beispielsweise konnten sämtliche ausgestellten Fahrzeuge der IAA 1967 unter dem in fünf Schiffe gegliedertem Sheddach untergebracht werden. Im westlichen Teil der 30-Millionen-Mark-Halle wurde von dem ausführenden Architekten von Steinbüchel-Rheinwall zudem ein weitläufiger Bürotrakt integriert. Ein neues Großrestaurant und eine Caféteria rundeten die Bauarbeiten an dem neuen westlichen Messegelände 1967 ab.

 

die erste große Erneuerung des Messegeländes in den siebziger Jahren betraf die alten, direkt nach der Währungsreform gebauten, lediglich einstöckigen Messehallen 6-11 an der Hauptstraße des Messegeländes, darunter auch das Haus des Kunsthandwerks. Sie wurden ab Sommer 1970 für eine neue, mehrstöckige Hallengruppe (Halle 8) abgerissen. Das Bild zeigt die neue Großhalle zwischen Messehaus 4 und der Kongreßhalle nach der Fertigstellung im August 1971.

bis heute sind viele weitere, moderne Messebauten entstanden und haben die ehemaligen Gebäude der frühen Nachkriegszeit ersetzt. Das Gesamtgelände umfaßt momentan eine Ausstellungsfläche von über 400000 Quadratmeter, der 1990 fertiggestellte 256 Meter hohe Messeturm ist heute das weithin erkennbare Wahrzeichen der Frankfurter Messe. Frankfurt ist der drittgrößte Messeplatz der Welt.

 

 

Festhalle Kongreßhalle Verwaltungsgebäüde Halle 2 Halle 17 Halle 3 Halle 4 Halle 5 Hallen 8-11 Hochhaus der Bundesbahn Eingangsbereich Hotel Hessischer Hof Bundesbahn-Verwaltung Walter-Kolb-Halle 3 Halle 2 Festhalle Haupteingang Pavillons in der Messe-Hauptstraße "Straße der Nationen" Halle 4 Hallen 8-11 Halle 7 Kongreßhalle/Messehalle 12 Gleisanlagen des Hauptgüterbahnhofs Hauptrestaurant Walter Kolb Halle 3 Halle 2 Hallen 14-17 Festhalle Messe-Hauptgaststätte Messe-Verwaltungsgebäude Kongreßhalle/Halle12 Hallen 8-11 Halle 4 Messehaus 4 Halle 7 Haus des Kunsthandwerks/Halle 6 Halle 5 Fernheizung Halle 5 Meeseparkplatz Messehaus 4 Walter Kolb Halle 3 Halle 2 Bosch-Haus Hauptgüterbahnhof Brücke und Durchgang zum westlichen Messegelände Festhalle Kongreßhalle Halle 8-11 Halle 7 Halle 5 Bundesbahn-Hochhaus Ringlokschuppen der Bundesbahn Gallusviertel Theodor-Heuss-Allee (ehemalige Rheingauallee) Halle 5 Messehaus 4 Halle 8 Halle 3 Halle 2 Festhalle Messerestaurant Hallen 14-17 Messe-Verwaltung Kongreßhalle
© JHS, 01.04.04
frankfurt baut auf