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Geschichte 1872 - 1944
eine der letzten und die ohne Zweifel schwierigste und teuerste Wiederaufbaumaßnahme Frankfurts war die Wiederherstellung und der Umbau des alten Opernhauses zum Konzert- und Kongreßzentrum "Alte Oper". Fast vierzig Jahre sollte es dauern, bis der Prachtbau nach seiner Zerstörung im zweiten Weltkrieg im Jahre 1981 wieder dem Kulturbetrieb der Stadt zur Verfügung stehen konnte.
als das alte Comödienhaus zu klein wurde, ging von der wohlhabenden Frankfurter Bürgerschaft die Initiative zum Neubau eines speziellen Opernhauses aus. Ende 1869 hatten 67 wohlhabende Familien mit einer neuartigen Aktion den Anstoß für die Ausführung dieses Projektes gegeben: gegen ein Vorrecht auf das Abonnement von Logen im neuen Haus wurde der Grundstock des erforderlichen Baukapitals von 480000 Gulden der Stadt Frankfurt zur Verfügung gestellt, unter der Bedingung, daß diese aus öffentlichen Mitteln dann die übrigen Kosten trage. Am 9. Februar 1871 beschloß die Stadtverordnetenversammlung einen Opernhausneubau zu verwirklichen, man entschied sich mehrere im Theaterbau erfahrene Architekten aufzufordern, Entwürfe für das neue Opernhaus auszuarbeiten. Mit Gottfried Semper und Friedrich Hitzig gehörten zwei der bedeutendsten deutschen Architekten jener Zeit zur Jury, die am 14. August 1871 zur Entscheidung über die vorgelegten Entwürfe zusammenkam. Aus dieser Konkurrenz ging der Berliner Architekt Professor Richard Lucae als Sieger hervor.
am 6. Juni 1872 wurde das Projekt von der Stadtverordnetenversammlung grundsätzlich genehmigt. Kurz darauf begann Lucae den Bau eines Gebäudes, das mit den berühmten Opernhäusern in Paris, Dresden und Wien konkurrieren konnte. Das Bild oben stammt vermutlich aus der Zeit des Richtfestes am 28. August 1876. Nur einige Monate später, am 26. November 1877, stirbt der Schinkel-Schüler Richard Lucae noch während der laufenden Arbeiten, die Architekten Becker und Giesenberg führten das Werk nach seinen Plänen zu Ende. Als der Opernbau mitsamt der Nebenbauten und der teuren Inneneinrichtung endlich vollendet dastand, waren die Gesamtkosten infolge mangelhafter Kontrolle von ursprünglich geplanten 4,2 auf 6,8 Millionen Goldmark geradezu explodiert. "Das können sich nur die Frankfurter leisten", soll Kaiser Wilhelm I. bei der Einweihung des Hauses gesagt haben...

bis 1880 entstand in den Formen italienischer Renaissance ein prächtiger Monumentalbau, verblendet mit einer weißleuchtenden Fassade aus französischem Savonnières-Kalkstein. Auf 4000 Quadratmeter bebauter Grundfläche erreichte das Gebäude eine Höhe von 35 m bei fast 100 m Länge. Um das Haus wurde ein großer, repräsentativer Platz angelegt, den große Kandelaber ausleuchteten (Abb. rechts, um 1930).

das erste Werk, das am Abend der Eröffnung, dem 20. Oktober 1880, über die Bühne ging, war "Don Giovanni" von Mozart. Das Haus, "Dem Wahren, Schönen, Guten" nach der Giebelinschrift geweiht, hat in den nächsten Jahrzehnten weitere glanzvolle Opernaufführungen mit bedeutenden Dirigenten, Komponisten, Bühnenbildnern und Sängern erlebt, wie den großen Caruso. 40000 Menschen standen 1907 Schlange, ihn singen zu hören.

wer das hohe, mehrstöckig von Arkaden umgebene Vestibül mit der breiten Doppeltreppe (Bild) durchschritten hatte, trat in ein Logentheater ein, das einschließlich der Stehplätze auf den oberen Rängen etwa 2000 Plätze bot. Das Orchester war verdeckt angeordnet und hatte für 80 Musiker Platz. Die Bühne mit 13 m Breite, 28 m Tiefe und 30 Meter Höhe war damals eine der größten Bühnen Deutschlands. Bedeutende Bildhauer und Maler der damaligen Zeit haben an der Ausgestaltung des Opernhauses mitgewirkt.

in den ersten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts, am Beginn der großen Stilkrise und Stilwende der Musik und des gesamten Theaters, ist das Frankfurter Opernhaus wie kaum ein anderes Theater für Erneuerung und Modernität eingetreten. Die Frankfurter Oper war berühmt für ihre Ur- und Erstaufführungen und wurde zu einem Mittelpunkt des europäischen Kulturlebens. Der stetige Aufschwung der Stadt, besonders während der Amtszeit des Oberbürgermeisters Franz Adickes, hatte dafür die wirtschaftlichen Voraussetzungen geboten. Auch künstlerisch konnte Frankfurt bestehen, denn die Stadt leistete sich nicht nur das prächtige Gebäude, sondern auch die dazugehörigen Künstler.

mit Emil Claar (1880-1900) war ein erfahrener Theaterfachmann erster Intendant des neuen Opernhauses geworden. Es folgten Paul Jensen (1900-1911), Robert Volkner (1912-1917), Dr. Karl Zeiss (1917-1920) und Dr. Ernst Lert (1920-1923). Intendant Prof. Clemens Krauss (1924-1929), Opernregisseur Dr.Lothar Wallerstein und Bühnenbildner Ludwig Sievert gestalteten in den 20er Jahren großes musikalisches Theater. Prof. Josef Turnau (1929-1933) und Hans Meissner waren schließlich die letzten Generalintendanten der Frankfurter Oper vor dem zweiten Weltkrieg.

bild: Der verkehrsreiche Platz vor der Oper um 1935

am 28. Januar 1944 ging nach einer Vorstellung des "Zigeunerbaron" zum letzten Mal der Vorhang nieder. Am nächsten Tag wurde das Opernhaus bei einem Luftangriff so schwer beschädigt, daß an eine Weiterführung des Spielbetriebes vorerst nicht zu denken war. In der Nacht zum 19. März 1944 mußte das Gebäude zusätzliche Schäden bei einem weiteren Luftangriff hinnehmen. Einige Tage später, am 22. März 1944, wurde das Opernhaus durch Spreng- und Brandbomben bis auf die Außenmauern völlig zerstört. Geblieben waren lediglich die sechs Kandelaber vor dem Eingang, die immer noch imponierende, vom Wind durchzogene Fassade und der feste Wille, die trostlose Ruine wieder herzurichten. (Das Bild zeigt vor dem Haus eine Flugabwehrkanone der US-Armee im März 1945). Die Dichterin und Schriftstellerin Marie-Luise Kaschnitz schrieb in jenen Tagen: Die roten Polster, das Gold der Logen, die Stimme des Don Giovanni, wohin war alles geraten? Da war nichts mehr als Trümmergestein, Staub, Sonne und Wind. Wie müde war die graue, klagende Stadt - und doch wie durstig nach ein wenig Schönheit, nach den Stimmen der Dichter, nach dem Beständigen im schrecklichen Wandel der Zeit.

 

1945 - 1971
Das lange Ringen um den Wiederaufbau.

verständlicherweise hatte man in den ersten Nachkriegsjahren andere Sorgen, als sich um das Schicksal der Opernhaus-Ruine zu kümmern, erst im Oktober 1949 stellte der Magistrat fest: das Gebäude ist „im allgemeinen noch als standsicher" zu betrachten. Nach der Bausatzung der Stadt war der zerstörte Bau von 1880 ein "geschütztes Bauwerk", "städtebaulich und städtebaugeschichtlich von besonderer Bedeutung", "Sinnbild der Geschichte eines Zeitabschnittes" und "Zeuge der Geschichte der Stadt Frankfurt und ihrer Entwicklung". Als im Januar 1953 das Hochbauamt einen Teil der Ruine aus Sicherheitsgründen abreißen lassen will, protestieren verschiedene hervorragende Persönlichkeiten, unter ihnen Thomas Mann, Albert Schweitzer und Paul Hindemith . Um ihre Ansicht befragt, ob sie einen Wiederaufbau des Opernhauses für wünschenswert hielten, antworteten sie zustimmend. Der Dichter und Schriftsteller Mann 1953: "Rechnen Sie mich also, bitte, zu denen, für die die pietätvolle Erhaltung des Opernbaues eine wahre Herzenssache ist". Der Komponist und ehemalige Frankfurter Konzertmeister Paul Hindemith telegraphierte: "Unterstütze dringend Aktion für Erhaltung des Opernhauses in würdiger Form. Hoffe Stadtväter entschließen sich weltbekanntes Kunstdenkmal zu retten." Auch der Arzt und Philosoph Albert Schweitzer schloß sich in einem Brief wehmütig an: "Damit wäre etwas vom alten schönen Frankfurt gerettet!"

es erhoben sich allerdings keinerlei Bedenken, als man um 1950 anfing, für den Wiederaufbau des Schauspielhauses am Theaterplatz noch verwertbare Gegenstände aus der Opernhaus-Ruine zu entfernen. Schrotthändler durften später unter Duldung des Magistrats rund 400 Tonnen "wertlose Eisenteile" herausbrechen, darunter unversehrte Kandelaber, kunstvolle Gußeisenteile, Wandleuchten, selbst die Marmorstufen der Kaisertreppe wurden herausgerissen. Der Bau wurde Plünderern und dem Zerfall überlassen. Das Bild rechts zeigt die Ruine im Sommer 1953, rechts die Baustelle der Bundesanstalt für Flugsicherung , hier stand einst das 1944 zerstörte Kulissenhaus der Oper.

im September 1953 startet eine erste Sammelaktion eines Komitees „Rettet das Opernhaus", 150000 Mark an Bürgerspenden für den Bau eines Notdaches werden gesammelt, die Politik verweigert mit dem Hinweis auf fehlende Wohnungen aber weitere Gelder, statt des Daches werden zumindest provisorische Sicherungsarbeiten an der Ruine durchgeführt.

gefährlich und verboten war das Betreten der Opernhausruine; ausgeglühte Mauern, umwachsen von Unkraut, verdreckt mit Taubenkot ließen jede Besichtigung zu einem Abenteuer werden. Zwar waren um 1955 Sicherungsgerüste in die Ruine eingebaut worden, zu dieser Zeit waren aber bereits die Würfel für einen großen, modernen Theaterbau an anderer Stelle gefallen, zusätzliche Gelder und der hohe Aufwand für eine Bühne im alten Opernhaus waren von der Stadt nicht zu realisieren. Als positives Signal an die Befürworter des alten Opernhauses ließ der Magistrat im Februar 1959 dennoch ein Gerüst aufstellen; darauf nahmen neutrale Gutachter Platz, welche die Standfestigkeit des alten Gemäuers prüfen sollten. Das Gutachten bezeichnete den Zustand des äußeren Mauerwerks als "gut und für den Einbau eines Konzertsaales brauchbar".

die Architekten Otto Apel, Udo von Schauroth und Hermann Senf wurden im Frühjahr 1960 beauftragt, baureife Pläne für den Ausbau der Ruine zu einem Konzerthaus zu erarbeiten, Oktober 1961 beginnt die Detailplanung. Die den Architekten gestellte Aufgabe lautete, in dem bestehenden Skelett einen Konzertsaal für 2200 Besucher und einen kleinen Konzertsaal für 500 Personen mit entsprechenden Foyerflächen, Garderoben und Nebenräumen neu einzubauen. Im Februar 1962 beschließt die Stadtverordneten-Versammlung die zukünftige Funktion der Alten Oper als "Konzerthaus , Kongreß- und Veranstaltungshaus". Doch wieder passierte wenig, man schob sich Kostenvoranschläge zu, bestätigte am 5. September 1962 erneut „Volle Einigkeit über das Opernhaus", faßte Beschluß um Beschluß und beschäftigte die Architekten mit ständig neuen Änderungsvorschlägen. Auch großzügige Spenden gutmeinender Bürger und das Angebot eines Bankenkonsortiums, die damals auf 30 Millionen Mark geschätzten Baukosten auf dreißig Jahre vorzuschießen, blieben im Rathaus Römer ungehört. Alle Hoffnungen, daß mit der Beauftragung der drei Architekten auch bald der Wiederaufbau beginnen werde, hatten sich als trügerisch erwiesen, die Ruine zerfiel weiter!

die Wende für das alte Haus kam mit Gründung der „Aktionsgemeinschaft Opernhaus Frankfurt am Main e.V." am 9. Oktober 1964. Unter dem Vorsitz des einflußreichen Präsidenten der Industrie- und Handelskammer Fritz Dietz wurde eine Organisation geschaffen, die in der Lage war, den Willen der Bürger zu mobilisieren und gegen einen zögerlichen Magistrat durchzusetzen. Dietz scheute sich nicht, in der Öffentlichkeit harte Worte zu gebrauchen, wenn Magistrat und Stadtverordnete wieder einmal in die übliche Verzögerungstaktik verfielen. Schnell hatte die Aktionsgemeinschaft einen ersten sichtbaren Erfolg: Der neugewählte Oberbürgermeister Willi Brundert wurde im November 1964 durch einen Magistratsbeschluß ermächtigt, Fritz Dietz die Zusage zu geben, in der Weihnachtszeit die Opernhausruine mit Scheinwerfern anzustrahlen!

bis zum Jahresende 1964 war es der Aktionsgemeinschaft Opernhaus gelungen 1,2 Millionen Mark Spenden einzunehmen. Dazu dienten neben international stark beachteten Presseberichten über das Vorhaben auch zahlreiche Aktionen wie die Herausgabe einer Schallplattenkassette, der Verkauf von Weihnachtskarten, die Bürger kauften Tombola-Lose und die Einnahmen aus der Galapremiere der Revue „Holiday On Ice" wanderten in den Aufbaufond. Die Verantwortlichen der Stadt waren sichtlich beeindruckt, am 18. Januar 1965 nahm der Magistrat die Pläne der Aktionsgemeinschaft offiziell „zustimmend zur Kenntnis". An die Bauverwaltung erging der Auftrag, gemeinsam mit dem Amt für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung , der Frankfurter Aufbau AG und dem Revisionsamt Pläne und Kostenvoranschläge zu prüfen. Die erste für den Bürger sichtbare Arbeit an der Ruine war das Aufstellen der großen Kandelaber am 29. Juni 1966 (Abb.links). Die Aktionsgemeinschaft hatte die Buderus'schen Eisenwerke beauftragt, die noch vorhandenen Kandelaber instandzusetzen und die verloren gegangenen durch Nachgüsse zu ersetzen.

viele Bürger spendeten, aus Anlaß des 88.Geburtstages des Physikers und Frankfurter Ehrenbürgers Professor Otto Hahn am 8. März 1967 wurden beispielsweise fast 110000 Mark zugunsten der Alten Oper überwiesen (der höchste gespendete Einzelbetrag: 600000 Mark!). Galakonzerte mit Künstlern wie Herbert von Karajan füllten die Kasse der Aktionsgemeinschaft. Doch all diesen kleinen Fortschritten standen immer wieder herbe Rückschläge gegenüber. Als die AG zum Jahresende 1966 von der Stadt vertragliche Festschreibungen über den Wiederaufbau und die Gründung einer Stiftung fordert, formuliert der Magistrat nach gewohnt langer "Prüfung" am 5. Juni 1967: "Die Stadtverordnetenversammlung sieht keine Möglichkeit, daß die Ruine innerhalb der nächsten Jahre durch die Stadt aufgebaut, ein Konzert- und Kongreßhaus in städtischer Verwaltung betrieben oder durch Beteiligung an einer Stiftung gefördert wird." Immerhin stellte die Stadt die Ruine und das Grundstück nun kostenfrei zur Verfügung.


o
ben: Die Umgebung des Opernplatzes hatte sich Mitte der Sechziger stark verändert. Neue Hochhäuser im Westend überragten den einst so mächtig wirkenden Opernbau .

vier Jahre nach der Gründung 1964 waren rund 8 Millionen Mark auf das Spendenkonto der Aktionsgemeinschaft Opernhaus eingegangen, mit diesem Betrag war es nun möglich in eigener Regie erste Baumaßnahmen durchzuführen. Am 5. Oktober 1968 starteten die Feierlichkeiten zum „Beginn der Arbeiten Konzerthaus Alte Oper". Danach begannen die ersten Sicherungsarbeiten, Gerüste wurden um das Haus gezogen, die Statik der Fassaden und Innenwände geprüft, viele Trümmer aus dem Innenraum wurden weggeschafft. Die Aktionsgemeinschaft hatte extra eine Spezialfirma aus Paris beauftragt, die gut erhaltene Südfassade mit den alten Steinen aus Lothringen zu reinigen. Hinter dem großen Gerüst sahen die Frankfurter nach und nach die Fassade ihres Opernhauses strahlend hell durchschimmern. Danach begannen dort aufwendige Steinmetzarbeiten diverser Frankfurter Betriebe und der großen Baufirma Holzmann , die schon 1880 unter Richard Lucae das Bauwerk errichtet hatte. Im Herbst 1971 meldete die Aktionsgemeinschaft den Abschluß der Steinmetzarbeiten an der Südfassade. Dafür waren weit über eine Million Mark an Spendengeldern ausgegeben worden.
im Dezember 1970 und 1971 fand wegen des U-Bahnbaus am Römerberg erstmals der Weihnachtsmarkt vor der Opernruine statt, die im Licht der neu gegossenen Kandelaber strahlende Festlichkeit verbreitete. Das gelang wider Erwarten so gut, daß manch einer sich damals fragte, ob der Weihnachtsmarkt der Frankfurter nicht immer hier stattfinden solle.

im Jahre 1972 wurde damit begonnen, den Nordgiebelvorbau und die Westfassade instandzusetzen. Den Auftrag erteilte wiederum, da die Stadt ja noch immer nicht den Wiederaufbau beschlossen hatte, die Aktionsgemeinschaft Opernhaus. Im Mai 1972 stellte Fritz Dietz aus dem Spendenaufkommen dafür weitere 2,3 Millionen Mark bereit.

 

Alte Oper - Neues Haus. Der Wiederaufbau 1971 - 1981.

trotz optischer Fortschritte an den Außenfassaden sah es in der Ruine selbst nach wie vor finster aus (Bild unten). Es war der Aktionsgemeinschaft natürlich nicht möglich, den damals auf 85 Millionen Mark geschätzten Bau eines Konzert- und Kongreßzentrums alleine zu tragen. Ohne Unterstützung der Stadt war der eigentliche Wiederaufbau nicht zu realisieren. Die politische Wende nach Jahrzehnten des Aufschiebens und Verzögerns kam mit der Wahl des neuen SPD-Oberbürgermeisters Walter Möller am 11. Juni 1970. Der pragmatische ehemalige Verkehrsdezernent, der schon den U-Bahnbau kräftig angeschoben hatte, bekannte sich schon in seiner Antrittsrede zur Alten Oper und es gelang ihm schrittweise seine zögerliche Partei zu überzeugen. Ein Antrag, die Stadt solle von sich aus ein Architektenteam mit der Planung beauftragen, ging ohne Zeitverlust erfolgreich durch die Parteigremien. Das war der Durchbruch.

die Stadt vergab den Auftrag an das Architektenteam Helmut Braun und Martin Schlockermann. Ab Februar 1971 wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, bestehend aus je sieben Vertretern der Aktionsgemeinschaft und der Stadt, -sie erarbeitete ein Raum- und Funktionsprogramm mit dem Titel "Forum für Kunst und Kultur" für ein "multifunktionales" Konzerthaus, das für alle Bevölkerungskreise nutzbar sein sollte. Eine Ladenstraße sollte entstehen, im Erdgeschoß wollte man ganz zeitgemäß Räume für Beat, Pop, Jazz schaffen, eine Diskothek und Kommunikationsräume sollten entstehen. Im Frühsommer 1973 legten die Architekten die Vorentwurfsplanung vor. Vorgesehen waren u.a.: ein großer Saal mit 2500 Sitzen; ein kleiner Saal für 500 Besucher; Foyerebenen für Ausstellungen, Kunstauktionen, Kunstmärkte; ein Forum im Erdgeschoß mit Werkstatt-Theater. Vieles von diesem "progressiven Konzept" konnte schließlich nicht durchgesetzt werden, 1977 wechselte im Frankfurter Römer die politische Mehrheit, die nun regierende CDU setzte andere Prioritäten, z.B. als sie den Einbau eines Kammermusiksaales durchsetzte, was nochmal gehörigen Wirbel in die fortgeschrittenen Bauplanungen brachte, doch immerhin stand endlich die Finanzierung. (Bild rechts: das zerstörte Foyer mit der Kaisertreppe, sie fiel dem Wiederaufbau zum Opfer.)

offizieller Baubeginn für die Alte Oper war zwar der 1. April 1977, doch schon um 1972 wurde hinter den Mauern mit den vorbereitenden Sicherungsmaßnahmen begonnen, die noch durch Spendengelder finanziert wurden. Der Wiederaufbau des Opernhauses war von Anfang an mit der Forderung verknüpft, daß die äußere Form des Gebäudes gewahrt bleibe und in den zerstörten Bereichen wieder ergänzt werde; die noch tragfähigen Bauteile sollten soweit wie möglich in das Gebäude einbezogen werden. Die unsicheren, alten Außenwände waren nicht als tragende Konstruktion zu verwenden, neue Innenwände sollten ihrerseits die alten Wände abstützen. Die Sicherungsmaßnahmen dienten also einerseits der Standsicherheit der alten Teile, waren zugleich aber auch schon Bestandteil der endgültigen Konstruktion.

die verbliebene Ruine des Frankfurter Opernhauses bestand aus den Umschließungswänden des innen liegenden Kernhauses und den ringsum angeordneten Gürtelbauten. Das Mauerwerk im Innern war durch die Bomben, als auch durch die schweren Eingriffe der Schrotthändler zerstört, die nach dem Krieg Stahlträger aus den Wänden gerissen hatten. Dadurch klafften große Löcher und lange Risse in den Mauern, teilweise so stark, daß die nördliche Giebelwand bis zu 25 Metern Höhe keine Verbindung mehr zu den Seitenwänden hatte. Die Decken der Obergeschosse und große Teile des hölzernen Hauptdaches waren eingestürzt, überall verteilt lagen Schuttberge. Zunächst mußten im Labor die Tragfähigkeit des Mauerwerkes und des Fundaments untersucht werden, um die Verwendbarkeit der lange der Witterung ausgesetzten Bauteile beurteilen zu können. Bevor Bautrupps in die Ruine einziehen konnten, mußte festgestellt werden, wie gefährlich das sein würde. Mit einem Kran, an dessen Ausleger ein Gewicht hing, hatte man vorsichtig gegen die Seitenwände geschlagen und festgestellt, daß die Mauern im oberen Ende ca. 15 Zentimeter ausschlugen. Besonders labil aussehende Stellen wurden darum herausgebrochen, damit sie kontrolliert herunterfielen und nicht die Arbeiter gefährden konnten (Bild rechts). In dieser ersten Bauphase war sogar das Wetteramt in Offenbach beauftragt die Bauleitung zu verständigen, wenn ein Sturm aufzog. Ab Windstärken von mehr als 6 war man in der Ruine höchst gefährdet, es gab aber keinen ernsthaften Unfall.

weil das Haus nicht mehr Oper, sondern Konzerthaus sein würde, war die alte Drittelung des Baukörpers (Bühne, Zuschauerraum, Pausenflächen) hinfällig. Die zwei stabilisierenden Querwände, die einst die Aufteilung begrenzten, konnten abgebrochen werden. Um die Längsmauern nicht zu erschüttern, entschloß man sich, die Wände mit Gerüsten zu umgeben, um die Steine in Handarbeit abzutragen. Nachdem die Mauern weggeräumt waren, konnten Bagger und Lastwagen durch einen großen Durchbruch an der Ostfassade ungehindert in die Ruine einfahren, um die rund 6000 Kubikmeter Schutt abzufahren. Auf der Mauerkrone wurden Stahlfachwerkverbände aufgelegt, die die labilen, bis in 40 Meter schwindelerregende Höhe reichenden Seitenwände stützten (Bild). der Keller war einst aus Mainsandstein gebaut worden, auf die dann die Außenwände gemauert wurden. Niemand hatte anno 1880 daran gedacht, eine Schutzschicht gegen aufsteigendes Grundwasser einzulegen, -die Nässe war langsam von unten in die Mauern hochgezogen. Da man aber die feuchten Mauern nicht einfach abtragen konnte, um eine Sperrschicht einzubauen, entschied man sich für ein Verfahren, bei dem im Abstand von 40 cm Bohrlöcher in die rund 2,80 Meter dicken Wände eingebracht wurden. In diese wurde schließlich mit hohem Druck eine Silikatlösung in das Mauerwerk gepreßt um das weitere Vordringen von Feuchtigkeit aufzuhalten. Anschließend kam eine Kunststoffabdichtung auf den Baugrund, bevor die bis zu 1,10 Meter dicke Gründungsplatte betoniert wurde.

in unglaublichem Tempo wurde dann in den alten Mauern der Rohbau für drei neue Säle hochgezogen: der Große Saal/Olymp (2063 qm, siehe Abb.), der Mozartsaal (854 qm) und der Hindemithsaal (260 qm). Schon am 7. Dezember 1978 wurde das Richtfest gefeiert. Weitere drei Jahre waren dann ganze Heerscharen von Kunsthandwerkern, Kunstmalern, Stukkateuren und Steinmetzen mit der Restaurierung der historischen Teile in Foyer, Vestibül, den Gängen und den alten Außenwänden beschäftigt. Zimmerleute brachten die Holztäfelungen der neuen Säle an, Akustiker sorgten für den bestmöglichen Klang. Unmöglich, hier alle Baufachleute und Künstler aufzuzählen, die an der Alten Oper mitgewirkt haben.

 

die Geschichte von der kunstvoll gestalteten Pantherquadriga mit der Siegesgöttin Viktoria, die heute auf dem Podest über dem Hauptgiebel des Unterbaus der Alten Oper steht, bewegte die Stadt und soll daher kurz erzählt werden.

die von dem Bildhauer Franz Krüger geschaffene Gruppe hatte die Zerstörung des Schauspielhauses am Theaterplatz überstanden, mußte aber um 1960 der modernen Fassade der Theater-Doppelanlage weichen. Sie geriet bald in Vergessenheit. Im Jahre 1973 entdeckte ein Fotograf das verschollene Kunstwerk zufällig auf einem Schrottplatz im Stadtteil Nieder-Eschbach (Abb). Er fotografierte es und zeigte die Bilder der Redaktion einer Lokalzeitung, die aber zunächst auch nichts damit anfangen konnte. Ein Anruf im Stadtarchiv ergab: Es war die verschollene Pantherquadriga vom Schauspielhaus! Der Abbruchunternehmer, der die Gründerzeitfassade des Hauses seinerzeit demontiert hatte, hatte sie an einen Interessenten in Wehrheim verkauft, in dessen Garten sie ein Jahrzehnt lang ausharrte. Dann wurde sie an den Schrotthändler im Norden Frankfurts weiterverkauft. Von diesem erwarb die Aktionsgemeinschaft Opernhaus das Kunstwerk für 25000 Mark. Die Quadriga ersetzt ab 1981 die frühere, aus Zink gestanzte Gruppe des Apoll, der einen von zwei geflügelten Greifen gezogenen Sonnenwagen lenkte. Dieses Werk war im Flammenmeer des Krieges geschmolzen. Auch der auf dem Firstsockel über dem Südgiebel stehende Pegasus, das "geflügelte Musenpferd", war im Krieg zerstört worden, es wurde vom Künstler Georg Hüter neugestaltet und am 19. August 1981, wenige Tage vor der Eröffnung der Alten Oper mit einem Kran spektakulär auf das Dach gehoben.

am 28. August 1981 wurde die Alte Oper und der neugestaltete Opernplatz - mit Ausnahme der Bereiche oberhalb des bis 1985 im Bau befindlichen U-Bahnhofes - durch den damaligen Bundespräsidenten Karl Carstens eröffnet.

querschnitt durch das neue Opernhaus, zu sehen von links der Eingangsbereich mit dem restaurierten historischen Vestibül und dem Foyer, in dem auch das Café liegt, dann der Kleine Saal (Hindemith-Saal) mit 700 Plätzen, daneben der Große Saal mit 2500 Plätzen. Unten der Mozart-Saal (300 Plätze), der auch als Foyer genutzt werden kann. Ganz rechts der Bereich mit den Salons und Konferenzzimmern. Im Keller befinden sich das Restaurant und ein Bistro.

© JHS, 01.09.04
frankfurt baut auf