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| eine der letzten
und die ohne Zweifel schwierigste und teuerste Wiederaufbaumaßnahme
Frankfurts war die Wiederherstellung und der Umbau des alten Opernhauses
zum Konzert- und Kongreßzentrum "Alte
Oper". Fast vierzig Jahre sollte es dauern, bis der Prachtbau
nach seiner Zerstörung im zweiten Weltkrieg im Jahre 1981
wieder dem Kulturbetrieb der Stadt zur Verfügung stehen konnte.
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als das alte
Comödienhaus
zu klein wurde, ging von der wohlhabenden Frankfurter Bürgerschaft
die Initiative zum Neubau eines speziellen Opernhauses
aus. Ende 1869 hatten 67 wohlhabende
Familien mit einer neuartigen Aktion den Anstoß für die
Ausführung dieses Projektes gegeben: gegen ein Vorrecht auf das
Abonnement von Logen im neuen Haus wurde der Grundstock des erforderlichen
Baukapitals von 480000 Gulden der Stadt Frankfurt zur Verfügung
gestellt, unter der Bedingung, daß diese aus öffentlichen
Mitteln dann die übrigen Kosten trage. Am 9.
Februar 1871 beschloß die Stadtverordnetenversammlung
einen Opernhausneubau zu verwirklichen, man entschied sich mehrere
im Theaterbau erfahrene Architekten aufzufordern, Entwürfe für
das neue Opernhaus auszuarbeiten. Mit Gottfried
Semper und Friedrich Hitzig
gehörten zwei der bedeutendsten deutschen Architekten jener Zeit
zur Jury, die am 14. August 1871
zur Entscheidung über die vorgelegten Entwürfe zusammenkam.
Aus dieser Konkurrenz ging der Berliner Architekt Professor
Richard Lucae als Sieger hervor. |
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am
6. Juni 1872 wurde das Projekt von
der Stadtverordnetenversammlung grundsätzlich genehmigt. Kurz
darauf begann Lucae den Bau eines
Gebäudes, das mit den berühmten Opernhäusern in Paris,
Dresden und Wien konkurrieren
konnte. Das Bild oben stammt vermutlich aus der Zeit des Richtfestes
am 28. August 1876. Nur einige Monate
später, am 26. November 1877,
stirbt der Schinkel-Schüler Richard
Lucae noch während der laufenden Arbeiten, die Architekten
Becker und
Giesenberg führten das Werk nach seinen Plänen zu
Ende. Als der Opernbau mitsamt der Nebenbauten und der teuren Inneneinrichtung
endlich vollendet dastand, waren die Gesamtkosten infolge mangelhafter
Kontrolle von ursprünglich geplanten 4,2 auf 6,8 Millionen Goldmark
geradezu explodiert. "Das können sich nur die Frankfurter
leisten", soll Kaiser Wilhelm I.
bei der Einweihung des Hauses gesagt haben... |
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bis 1880
entstand in den Formen italienischer Renaissance ein prächtiger
Monumentalbau, verblendet mit einer weißleuchtenden Fassade
aus französischem Savonnières-Kalkstein.
Auf 4000 Quadratmeter bebauter Grundfläche erreichte das Gebäude
eine Höhe von 35 m bei fast 100 m Länge. Um das Haus wurde
ein großer, repräsentativer Platz
angelegt, den große Kandelaber ausleuchteten (Abb. rechts,
um 1930).
das erste Werk, das am Abend der Eröffnung,
dem 20. Oktober 1880,
über die Bühne ging, war "Don
Giovanni" von Mozart.
Das Haus, "Dem Wahren, Schönen, Guten" nach
der Giebelinschrift geweiht, hat in den nächsten Jahrzehnten
weitere glanzvolle Opernaufführungen mit bedeutenden Dirigenten,
Komponisten, Bühnenbildnern und Sängern erlebt, wie den
großen Caruso. 40000 Menschen
standen 1907 Schlange, ihn singen
zu hören.
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wer das hohe, mehrstöckig von Arkaden
umgebene Vestibül mit der
breiten Doppeltreppe (Bild) durchschritten
hatte, trat in ein Logentheater ein, das einschließlich der
Stehplätze auf den oberen Rängen etwa 2000 Plätze
bot. Das Orchester war verdeckt
angeordnet und hatte für 80 Musiker Platz. Die Bühne
mit 13 m Breite, 28 m Tiefe und 30 Meter Höhe war damals eine
der größten Bühnen Deutschlands. Bedeutende Bildhauer
und Maler der damaligen Zeit haben an der Ausgestaltung des Opernhauses
mitgewirkt.
in den ersten Jahrzehnten
des zwanzigsten Jahrhunderts, am Beginn der großen Stilkrise
und Stilwende der Musik und des gesamten Theaters, ist das Frankfurter
Opernhaus
wie kaum ein anderes Theater für Erneuerung und Modernität
eingetreten. Die Frankfurter Oper
war berühmt für ihre Ur- und Erstaufführungen und
wurde
zu einem Mittelpunkt des europäischen Kulturlebens. Der stetige
Aufschwung der Stadt, besonders während der Amtszeit des Oberbürgermeisters
Franz Adickes,
hatte dafür die wirtschaftlichen Voraussetzungen geboten. Auch
künstlerisch konnte Frankfurt bestehen, denn die Stadt leistete
sich nicht nur das prächtige Gebäude, sondern auch die
dazugehörigen Künstler.
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mit Emil
Claar (1880-1900) war ein erfahrener
Theaterfachmann erster Intendant des neuen Opernhauses geworden.
Es folgten Paul Jensen
(1900-1911), Robert Volkner
(1912-1917), Dr. Karl Zeiss
(1917-1920) und Dr. Ernst Lert
(1920-1923). Intendant Prof. Clemens
Krauss (1924-1929), Opernregisseur
Dr.Lothar Wallerstein
und Bühnenbildner Ludwig Sievert
gestalteten in den 20er Jahren großes musikalisches Theater.
Prof. Josef Turnau
(1929-1933) und Hans Meissner
waren schließlich die letzten Generalintendanten der Frankfurter
Oper vor dem zweiten Weltkrieg.
bild: Der verkehrsreiche
Platz vor der Oper um 1935
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am 28.
Januar 1944 ging nach einer Vorstellung
des "Zigeunerbaron"
zum letzten Mal der Vorhang nieder. Am nächsten Tag wurde das
Opernhaus bei einem Luftangriff so schwer beschädigt, daß
an eine Weiterführung des Spielbetriebes vorerst nicht zu denken
war. In der Nacht zum 19. März
1944 mußte das Gebäude zusätzliche
Schäden bei einem weiteren Luftangriff hinnehmen. Einige Tage
später, am 22. März 1944,
wurde das Opernhaus durch Spreng- und Brandbomben bis auf die Außenmauern
völlig zerstört. Geblieben waren lediglich die sechs Kandelaber
vor dem Eingang, die immer noch imponierende, vom Wind durchzogene
Fassade und der feste Wille, die trostlose Ruine wieder herzurichten.
(Das Bild zeigt vor dem Haus eine Flugabwehrkanone der US-Armee im
März 1945).
Die Dichterin und Schriftstellerin Marie-Luise
Kaschnitz schrieb in jenen Tagen: Die
roten Polster, das Gold der Logen, die Stimme des Don Giovanni, wohin
war alles geraten? Da war nichts mehr als Trümmergestein, Staub,
Sonne und Wind. Wie müde war die graue, klagende Stadt - und
doch wie durstig nach ein wenig Schönheit, nach den Stimmen der
Dichter, nach dem Beständigen im schrecklichen Wandel der Zeit. |
1945 - 1971
Das lange Ringen um den Wiederaufbau.
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verständlicherweise
hatte man in den ersten Nachkriegsjahren andere Sorgen, als sich
um das Schicksal der Opernhaus-Ruine zu kümmern, erst im Oktober
1949 stellte der Magistrat fest:
das Gebäude ist im allgemeinen noch als standsicher"
zu betrachten. Nach der Bausatzung der Stadt war der zerstörte
Bau von 1880 ein "geschütztes Bauwerk", "städtebaulich
und städtebaugeschichtlich von besonderer Bedeutung",
"Sinnbild der Geschichte eines Zeitabschnittes"
und "Zeuge der Geschichte der Stadt Frankfurt und ihrer
Entwicklung". Als im Januar 1953
das Hochbauamt
einen Teil der Ruine aus Sicherheitsgründen abreißen
lassen will, protestieren verschiedene hervorragende Persönlichkeiten,
unter ihnen Thomas Mann, Albert Schweitzer
und Paul Hindemith .
Um ihre Ansicht befragt, ob sie einen Wiederaufbau des Opernhauses
für wünschenswert hielten, antworteten sie zustimmend.
Der Dichter und Schriftsteller Mann 1953:
"Rechnen Sie mich also, bitte, zu denen, für die die
pietätvolle Erhaltung des Opernbaues eine wahre Herzenssache
ist". Der Komponist und ehemalige Frankfurter Konzertmeister
Paul Hindemith telegraphierte:
"Unterstütze dringend Aktion für Erhaltung des
Opernhauses in würdiger Form. Hoffe Stadtväter entschließen
sich weltbekanntes Kunstdenkmal zu retten." Auch der Arzt
und Philosoph Albert Schweitzer
schloß sich in einem Brief wehmütig an: "Damit
wäre etwas vom alten schönen Frankfurt gerettet!"
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es erhoben sich allerdings
keinerlei Bedenken, als man um 1950
anfing, für den Wiederaufbau des Schauspielhauses
am Theaterplatz noch verwertbare
Gegenstände aus der Opernhaus-Ruine zu entfernen. Schrotthändler
durften später unter Duldung des Magistrats rund 400 Tonnen
"wertlose Eisenteile" herausbrechen, darunter unversehrte
Kandelaber, kunstvolle Gußeisenteile, Wandleuchten, selbst
die Marmorstufen der Kaisertreppe
wurden herausgerissen. Der Bau wurde Plünderern und dem Zerfall
überlassen. Das Bild rechts zeigt die Ruine im Sommer 1953,
rechts die Baustelle der Bundesanstalt
für Flugsicherung ,
hier stand einst das 1944 zerstörte
Kulissenhaus der Oper.
im September 1953
startet eine erste Sammelaktion eines Komitees Rettet
das Opernhaus", 150000 Mark an Bürgerspenden für
den Bau eines Notdaches werden gesammelt, die Politik verweigert
mit dem Hinweis auf fehlende Wohnungen aber weitere Gelder, statt
des Daches werden zumindest provisorische Sicherungsarbeiten an
der Ruine durchgeführt.
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gefährlich und verboten war das
Betreten der Opernhausruine; ausgeglühte Mauern, umwachsen
von Unkraut, verdreckt mit Taubenkot ließen jede Besichtigung
zu einem Abenteuer werden. Zwar waren um 1955
Sicherungsgerüste in die Ruine eingebaut worden, zu dieser
Zeit waren aber bereits die Würfel für einen großen,
modernen Theaterbau
an anderer Stelle gefallen, zusätzliche Gelder und der hohe
Aufwand für eine Bühne im alten
Opernhaus waren von der Stadt nicht zu realisieren. Als positives
Signal an die Befürworter des alten Opernhauses ließ
der Magistrat im Februar 1959 dennoch
ein Gerüst aufstellen; darauf nahmen neutrale Gutachter Platz,
welche die Standfestigkeit des alten Gemäuers prüfen sollten.
Das Gutachten bezeichnete den Zustand des äußeren Mauerwerks
als "gut und für den Einbau eines Konzertsaales brauchbar".
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die Architekten Otto
Apel, Udo von Schauroth und Hermann
Senf wurden im Frühjahr 1960
beauftragt, baureife Pläne für den Ausbau der Ruine zu
einem Konzerthaus zu erarbeiten, Oktober 1961
beginnt die Detailplanung. Die den Architekten gestellte Aufgabe
lautete, in dem bestehenden Skelett einen Konzertsaal für 2200
Besucher und einen kleinen Konzertsaal für 500 Personen mit
entsprechenden Foyerflächen, Garderoben und Nebenräumen
neu einzubauen. Im Februar 1962
beschließt die Stadtverordneten-Versammlung
die zukünftige Funktion der Alten Oper als "Konzerthaus
, Kongreß- und Veranstaltungshaus". Doch wieder passierte
wenig, man schob sich Kostenvoranschläge zu, bestätigte
am 5. September 1962 erneut Volle
Einigkeit über das Opernhaus", faßte Beschluß
um Beschluß und beschäftigte die Architekten mit ständig
neuen Änderungsvorschlägen. Auch großzügige
Spenden gutmeinender Bürger und das Angebot eines Bankenkonsortiums,
die damals auf 30 Millionen Mark geschätzten Baukosten auf
dreißig Jahre vorzuschießen, blieben im Rathaus
Römer ungehört. Alle Hoffnungen, daß mit
der Beauftragung der drei Architekten auch bald der Wiederaufbau
beginnen werde, hatten sich als trügerisch erwiesen, die Ruine
zerfiel weiter!
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die Wende für das alte Haus kam
mit Gründung der Aktionsgemeinschaft
Opernhaus Frankfurt am Main e.V." am 9.
Oktober 1964. Unter dem Vorsitz des
einflußreichen Präsidenten der Industrie- und Handelskammer
Fritz Dietz
wurde eine Organisation geschaffen, die in der Lage war, den Willen
der Bürger zu mobilisieren und gegen einen zögerlichen
Magistrat durchzusetzen. Dietz
scheute sich nicht, in der Öffentlichkeit harte Worte zu gebrauchen,
wenn Magistrat und Stadtverordnete wieder einmal in die übliche
Verzögerungstaktik verfielen. Schnell hatte die Aktionsgemeinschaft
einen ersten sichtbaren Erfolg: Der neugewählte Oberbürgermeister
Willi Brundert
wurde im November 1964
durch einen Magistratsbeschluß ermächtigt, Fritz
Dietz die Zusage zu geben, in der Weihnachtszeit
die Opernhausruine mit Scheinwerfern anzustrahlen!
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bis zum Jahresende 1964
war es der Aktionsgemeinschaft Opernhaus
gelungen 1,2 Millionen Mark Spenden einzunehmen. Dazu dienten
neben international stark beachteten Presseberichten über das
Vorhaben auch zahlreiche Aktionen wie die Herausgabe einer Schallplattenkassette,
der Verkauf von Weihnachtskarten, die Bürger kauften Tombola-Lose
und die Einnahmen aus der Galapremiere der Revue Holiday
On Ice" wanderten in den Aufbaufond. Die Verantwortlichen
der Stadt waren sichtlich beeindruckt, am 18.
Januar 1965 nahm der Magistrat die Pläne der Aktionsgemeinschaft
offiziell zustimmend zur Kenntnis". An die Bauverwaltung
erging der Auftrag, gemeinsam mit dem Amt
für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung ,
der Frankfurter Aufbau AG
und dem Revisionsamt Pläne
und Kostenvoranschläge zu prüfen. Die erste für den
Bürger sichtbare Arbeit an der Ruine war das Aufstellen der
großen Kandelaber am
29. Juni 1966 (Abb.links). Die
Aktionsgemeinschaft hatte die Buderus'schen
Eisenwerke beauftragt, die noch vorhandenen Kandelaber instandzusetzen
und die verloren gegangenen durch Nachgüsse zu ersetzen.
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viele Bürger spendeten, aus Anlaß
des 88.Geburtstages des Physikers und Frankfurter Ehrenbürgers
Professor Otto Hahn am 8.
März 1967 wurden beispielsweise fast 110000 Mark zugunsten
der Alten Oper überwiesen
(der höchste gespendete Einzelbetrag: 600000 Mark!). Galakonzerte
mit Künstlern wie Herbert von Karajan
füllten die Kasse der Aktionsgemeinschaft.
Doch all diesen kleinen Fortschritten standen immer wieder herbe
Rückschläge gegenüber. Als die AG zum Jahresende
1966 von der Stadt vertragliche
Festschreibungen über den Wiederaufbau und die Gründung
einer Stiftung fordert, formuliert der Magistrat nach gewohnt langer
"Prüfung" am 5. Juni 1967:
"Die Stadtverordnetenversammlung sieht keine Möglichkeit,
daß die Ruine innerhalb der nächsten Jahre durch die
Stadt aufgebaut, ein Konzert- und Kongreßhaus in städtischer
Verwaltung betrieben oder durch Beteiligung an einer Stiftung gefördert
wird." Immerhin stellte die Stadt die Ruine und das Grundstück
nun kostenfrei zur Verfügung.
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oben: Die Umgebung des Opernplatzes
hatte sich Mitte der Sechziger stark verändert. Neue Hochhäuser
im Westend überragten den einst
so mächtig wirkenden Opernbau .
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vier Jahre nach der Gründung
1964 waren rund 8 Millionen Mark
auf das Spendenkonto der Aktionsgemeinschaft
Opernhaus eingegangen, mit diesem Betrag war es nun möglich
in eigener Regie erste Baumaßnahmen durchzuführen. Am
5. Oktober 1968 starteten die Feierlichkeiten
zum Beginn der Arbeiten Konzerthaus
Alte Oper". Danach begannen die ersten Sicherungsarbeiten,
Gerüste wurden um das Haus gezogen, die Statik der Fassaden
und Innenwände geprüft, viele Trümmer aus dem Innenraum
wurden weggeschafft. Die Aktionsgemeinschaft
hatte extra eine Spezialfirma aus Paris
beauftragt, die gut erhaltene Südfassade
mit den alten Steinen aus Lothringen
zu reinigen. Hinter dem großen Gerüst sahen die Frankfurter
nach und nach die Fassade ihres Opernhauses strahlend hell durchschimmern.
Danach begannen dort aufwendige Steinmetzarbeiten diverser
Frankfurter Betriebe und der großen Baufirma Holzmann
,
die schon 1880 unter Richard
Lucae das Bauwerk errichtet hatte.
Im Herbst 1971 meldete die
Aktionsgemeinschaft den Abschluß
der Steinmetzarbeiten an der Südfassade.
Dafür waren weit über eine Million Mark an Spendengeldern
ausgegeben worden.
im Dezember 1970
und 1971 fand wegen des U-Bahnbaus
am Römerberg erstmals der
Weihnachtsmarkt vor der Opernruine
statt, die im Licht der neu gegossenen Kandelaber strahlende Festlichkeit
verbreitete. Das gelang wider Erwarten so gut, daß manch einer
sich damals fragte, ob der Weihnachtsmarkt der Frankfurter nicht
immer hier stattfinden solle.
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im Jahre 1972
wurde damit begonnen, den Nordgiebelvorbau
und die Westfassade instandzusetzen.
Den Auftrag erteilte wiederum, da die Stadt ja noch immer nicht
den Wiederaufbau beschlossen hatte, die Aktionsgemeinschaft
Opernhaus. Im Mai 1972 stellte
Fritz Dietz aus dem Spendenaufkommen
dafür weitere 2,3 Millionen Mark bereit.
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Alte Oper - Neues Haus. Der Wiederaufbau 1971
- 1981.
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trotz optischer Fortschritte an den Außenfassaden
sah es in der Ruine selbst nach wie vor finster aus (Bild unten).
Es war der Aktionsgemeinschaft
natürlich nicht möglich, den damals auf 85 Millionen Mark
geschätzten Bau eines Konzert- und Kongreßzentrums alleine
zu tragen. Ohne Unterstützung der Stadt war der eigentliche
Wiederaufbau nicht zu realisieren. Die politische Wende nach Jahrzehnten
des Aufschiebens und Verzögerns kam mit der Wahl des neuen
SPD-Oberbürgermeisters Walter Möller
am 11. Juni 1970. Der pragmatische
ehemalige Verkehrsdezernent, der schon den U-Bahnbau kräftig
angeschoben hatte, bekannte sich schon in seiner Antrittsrede zur
Alten Oper und es gelang ihm schrittweise
seine zögerliche Partei zu überzeugen. Ein Antrag, die
Stadt solle von sich aus ein Architektenteam mit der Planung beauftragen,
ging ohne Zeitverlust erfolgreich durch die Parteigremien. Das war
der Durchbruch.
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| die
Stadt vergab den Auftrag an das Architektenteam Helmut
Braun und Martin Schlockermann.
Ab Februar 1971 wurde eine Arbeitsgruppe
gebildet, bestehend aus je sieben Vertretern der Aktionsgemeinschaft
und der Stadt, -sie erarbeitete ein Raum- und Funktionsprogramm mit
dem Titel "Forum für Kunst und Kultur" für
ein "multifunktionales" Konzerthaus, das für alle Bevölkerungskreise
nutzbar sein sollte. Eine Ladenstraße sollte entstehen, im Erdgeschoß
wollte man ganz zeitgemäß Räume für Beat, Pop,
Jazz schaffen, eine Diskothek und Kommunikationsräume sollten
entstehen. Im Frühsommer 1973
legten die Architekten die Vorentwurfsplanung vor. Vorgesehen waren
u.a.: ein großer Saal mit 2500 Sitzen; ein kleiner Saal für
500 Besucher; Foyerebenen für Ausstellungen, Kunstauktionen,
Kunstmärkte; ein Forum im Erdgeschoß mit Werkstatt-Theater.
Vieles von diesem "progressiven Konzept" konnte schließlich
nicht durchgesetzt werden, 1977 wechselte
im Frankfurter Römer die politische
Mehrheit, die nun regierende CDU
setzte andere Prioritäten, z.B. als sie den Einbau eines Kammermusiksaales
durchsetzte, was nochmal gehörigen Wirbel in die fortgeschrittenen
Bauplanungen brachte, doch immerhin stand endlich die Finanzierung.
(Bild rechts: das zerstörte Foyer mit der Kaisertreppe,
sie fiel dem Wiederaufbau zum Opfer.) |
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offizieller Baubeginn für die Alte
Oper war zwar der 1. April 1977,
doch schon um 1972 wurde hinter
den Mauern mit den vorbereitenden Sicherungsmaßnahmen begonnen,
die noch durch Spendengelder finanziert wurden. Der Wiederaufbau
des Opernhauses war von Anfang an mit der Forderung verknüpft,
daß die äußere Form des Gebäudes gewahrt bleibe
und in den zerstörten Bereichen wieder ergänzt werde;
die noch tragfähigen Bauteile sollten soweit wie möglich
in das Gebäude einbezogen werden. Die unsicheren, alten Außenwände
waren nicht als tragende Konstruktion zu verwenden, neue Innenwände
sollten ihrerseits die alten Wände abstützen. Die Sicherungsmaßnahmen
dienten also einerseits der Standsicherheit der alten Teile, waren
zugleich aber auch schon Bestandteil der endgültigen Konstruktion.
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die verbliebene Ruine des Frankfurter
Opernhauses bestand aus den Umschließungswänden des innen
liegenden Kernhauses und den ringsum
angeordneten Gürtelbauten.
Das Mauerwerk im Innern war durch die Bomben, als auch durch die
schweren Eingriffe der Schrotthändler zerstört, die nach
dem Krieg Stahlträger aus den Wänden gerissen hatten.
Dadurch klafften große Löcher und lange Risse in den
Mauern, teilweise so stark, daß die nördliche
Giebelwand bis zu 25 Metern Höhe keine Verbindung mehr
zu den Seitenwänden hatte. Die Decken der Obergeschosse und
große Teile des hölzernen Hauptdaches waren eingestürzt,
überall verteilt lagen Schuttberge. Zunächst mußten
im Labor die Tragfähigkeit des Mauerwerkes und des Fundaments
untersucht werden, um die Verwendbarkeit der lange der Witterung
ausgesetzten Bauteile beurteilen zu können. Bevor Bautrupps
in die Ruine einziehen konnten, mußte festgestellt werden,
wie gefährlich das sein würde. Mit einem Kran, an dessen
Ausleger ein Gewicht hing, hatte man vorsichtig gegen die Seitenwände
geschlagen und festgestellt, daß die Mauern im oberen Ende
ca. 15 Zentimeter ausschlugen. Besonders labil aussehende Stellen
wurden darum herausgebrochen, damit sie kontrolliert herunterfielen
und nicht die Arbeiter gefährden konnten (Bild rechts). In
dieser ersten Bauphase war sogar das Wetteramt
in Offenbach beauftragt die Bauleitung
zu verständigen, wenn ein Sturm aufzog. Ab Windstärken
von mehr als 6 war man in der Ruine höchst gefährdet,
es gab aber keinen ernsthaften Unfall.
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weil das Haus nicht mehr Oper, sondern
Konzerthaus sein würde, war
die alte Drittelung des Baukörpers (Bühne, Zuschauerraum,
Pausenflächen) hinfällig. Die zwei stabilisierenden Querwände,
die einst die Aufteilung begrenzten, konnten abgebrochen werden.
Um die Längsmauern nicht zu
erschüttern, entschloß man sich, die Wände mit Gerüsten
zu umgeben, um die Steine in Handarbeit abzutragen. Nachdem die
Mauern weggeräumt waren, konnten Bagger und Lastwagen durch
einen großen Durchbruch an der Ostfassade
ungehindert in die Ruine einfahren, um die rund 6000 Kubikmeter
Schutt abzufahren. Auf der Mauerkrone wurden Stahlfachwerkverbände
aufgelegt, die die labilen, bis in
40 Meter schwindelerregende Höhe reichenden Seitenwände
stützten (Bild). der Keller
war einst aus Mainsandstein gebaut worden, auf die dann die Außenwände
gemauert wurden. Niemand hatte anno 1880 daran gedacht, eine Schutzschicht
gegen aufsteigendes Grundwasser einzulegen, -die Nässe war
langsam von unten in die Mauern hochgezogen. Da man aber die feuchten
Mauern nicht einfach abtragen konnte, um eine Sperrschicht einzubauen,
entschied man sich für ein Verfahren, bei dem im Abstand von
40 cm Bohrlöcher in die rund 2,80 Meter dicken Wände eingebracht
wurden. In diese wurde schließlich mit hohem Druck eine Silikatlösung
in das Mauerwerk gepreßt um das weitere Vordringen von Feuchtigkeit
aufzuhalten. Anschließend kam eine Kunststoffabdichtung auf
den Baugrund, bevor die bis zu 1,10 Meter dicke Gründungsplatte
betoniert wurde.
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in unglaublichem Tempo wurde dann in
den alten Mauern der Rohbau für
drei neue Säle hochgezogen: der Große
Saal/Olymp (2063 qm, siehe Abb.), der Mozartsaal
(854 qm) und der Hindemithsaal
(260 qm). Schon am 7. Dezember 1978
wurde das Richtfest gefeiert. Weitere drei Jahre waren dann ganze
Heerscharen von Kunsthandwerkern, Kunstmalern, Stukkateuren und
Steinmetzen mit der Restaurierung der historischen Teile in Foyer,
Vestibül, den Gängen und den alten Außenwänden
beschäftigt. Zimmerleute brachten die Holztäfelungen der
neuen Säle an, Akustiker sorgten für den bestmöglichen
Klang. Unmöglich, hier alle Baufachleute und Künstler
aufzuzählen, die an der Alten Oper
mitgewirkt haben.
die Geschichte von der kunstvoll gestalteten
Pantherquadriga mit der Siegesgöttin
Viktoria,
die heute auf dem Podest
über dem Hauptgiebel des Unterbaus der Alten
Oper steht, bewegte die Stadt und soll daher kurz erzählt
werden.
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die von dem Bildhauer Franz
Krüger geschaffene Gruppe hatte die Zerstörung
des Schauspielhauses am Theaterplatz
überstanden, mußte
aber um 1960 der modernen Fassade
der Theater-Doppelanlage weichen.
Sie geriet bald in Vergessenheit. Im Jahre 1973
entdeckte ein Fotograf das verschollene Kunstwerk zufällig
auf einem Schrottplatz im Stadtteil Nieder-Eschbach
(Abb). Er fotografierte es und
zeigte die Bilder der Redaktion einer Lokalzeitung, die aber zunächst
auch nichts damit anfangen konnte. Ein Anruf im Stadtarchiv
ergab: Es war die verschollene Pantherquadriga
vom Schauspielhaus! Der Abbruchunternehmer, der die Gründerzeitfassade
des Hauses seinerzeit demontiert hatte, hatte sie an einen Interessenten
in Wehrheim verkauft, in dessen
Garten sie ein Jahrzehnt lang ausharrte. Dann wurde sie an den Schrotthändler
im Norden Frankfurts weiterverkauft. Von diesem erwarb die Aktionsgemeinschaft
Opernhaus das Kunstwerk für 25000 Mark. Die Quadriga
ersetzt ab 1981 die frühere,
aus Zink gestanzte Gruppe des Apoll,
der einen von zwei geflügelten Greifen gezogenen Sonnenwagen
lenkte. Dieses Werk war im Flammenmeer des Krieges geschmolzen.
Auch der auf dem Firstsockel über dem Südgiebel stehende
Pegasus, das
"geflügelte Musenpferd", war im Krieg zerstört
worden, es wurde vom Künstler Georg
Hüter neugestaltet und am 19.
August 1981, wenige Tage vor der Eröffnung
der Alten Oper mit einem
Kran spektakulär auf das Dach gehoben.
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| am 28.
August 1981 wurde die Alte Oper
und der neugestaltete Opernplatz
- mit Ausnahme der Bereiche oberhalb des bis 1985
im Bau befindlichen U-Bahnhofes -
durch den damaligen Bundespräsidenten Karl
Carstens eröffnet.
querschnitt durch das neue Opernhaus,
zu sehen von links der Eingangsbereich
mit dem restaurierten historischen Vestibül
und dem Foyer,
in dem auch das Café liegt, dann der Kleine
Saal (Hindemith-Saal) mit 700 Plätzen, daneben der Große
Saal mit 2500 Plätzen. Unten der Mozart-Saal
(300 Plätze), der auch als Foyer genutzt werden kann.
Ganz rechts der Bereich mit den Salons
und Konferenzzimmern. Im Keller
befinden sich das Restaurant und
ein Bistro.
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