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serie zur nachkriegszeit
die stadt um 1964.  
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in Frankfurt waren seit der Währungsreform 1948 neue Häuser überall wie Pilze aus dem Boden geschossen, die Frankfurter hatten sich längst an Staub und Lärm gewöhnt. Ab Anfang der sechziger Jahre sollten den Bewohnern der Stadt aber noch ganz andere "Unannehmlichkeiten" bevorstehen. Nun begann man die Stadt am Main für den explosiv gestiegenen Verkehr umzurüsten, Straßen und Kreuzungen wurden großzügig erweitert, ab 1963 wurde eine ganze Serie von neuen Brücken errichtet und der U-Bahnbau sollte Frankfurt in den nächsten Jahrzehnten in eine Riesenbaustelle mit ständig wechselnden Umleitungen für Passanten und Autofahrer verwandeln.

vor allem im Norden Frankfurts kam es ab 1963 zu erheblichen Störungen für Bewohner und Verkehrsteilnehmer. Am 28. Juni 1963 begannen mit dem ersten Rammschlag in Höhe der Miquel-Adickes-Allee die eigentlichen Tunnelrohbauarbeiten am 1.Baulos der Frankfurter U-Bahn, das sich über eine Länge von 540 Meter von der Straße "Am Grünhof" bis südlich des damaligen Verkehrskreisels Miquel-Adickes-Allee hinzog. Noch im gleichen Jahr, am 22. Oktober 1963 wurde das anschließende Doppellos 2/3 bis zur Hansaallee mit einer Länge von rund 960 Meter in Angriff genommen. Am 10. Juli 1964 wurden die Arbeiten für Los 4 mit einer Strecke von ca. 540 Meter, von der Hansaallee bis zum Volksbildungsheim begonnen. Die Autofahrer mußten dabei auf abenteuerlichen Umwegen um die vielen Baustellen des Tunnelbaues manövrieren, im Bild die aufgerissene Eschersheimer Landstraße, ca 1964.

 

auch dem Fußgänger öffneten sich ungewohnte Wege, am 21. November 1963 wird nach einjähriger Bauzeit unter dem Vorplatz am Hauptbahnhof ein Fußgängertunnel fertiggestellt. Der Tunnel war in erster Linie als Verbindung zwischen Bahnhof und Bahnhofsviertel gedacht , -er war aber auch ein ca. drei Millionen Mark kostendes "Versuchsbauwerk" für die Frankfurter Tiefbahn.

so war die 80 Meter lange und 8 Meter breite Unterführung zum Test bereits mit den emaillierten, massiven Stahlblechplatten verkleidet, die später auch an den neuen U-Bahnhöfen zum Einsatz kommen sollten. Zur Verschönerung der nüchternen "B-Ebene" wurde im Sommer 1966 allerdings noch ein zeitgemäßes Wandmosaik aus Keramikplatten mit Frankfurter Symbolen des Künstlers Erich Husemann angebracht. Die pro Stunde 8000 Menschen fassenden Außenrolltreppen waren damals fast noch eine Sensation für die Frankfurter, die vier Treppen dienten als "Versuchsballon" für die spätere Verwendung bei der U-Bahn. Die Pläne eines Tunnels an dieser Stelle waren nicht neu, schon 1928 sollte auf Anregung der Stadt ein Fußgängertunnel unter dem stark belebten Platz erstellt werden. Damals konnte man sich allerdings mit der Bahndirektion nicht auf ein solches Projekt einigen.

eines der größten geschlossenen Siedlungs-Vorhaben Deutschlands zu jener Zeit entsteht ab 1962 auf einem ca. 160 Hektar großen, bisher größtenteils landwirtschaftlich genutzten Geländes im Stadtteil Niederursel. Im Februar 1959 beschlossen die Stadtverordneten den Bau einer eigenständigen Trabantenstadt mit 6400 Wohnungen und Eigenheimen, davon 5400 durch sozialen Wohnungsbau gefördert. Die Realisierung übernahmen die Baugesellschaften Gewobag , Nassauische Heimstätte und die AG für kleine Wohnungen . 1960 wurde der Architekt Walter Schwagenscheidt mit der endgültigen Planung des Projektes "Nordweststadt" beauftragt. Geplant wurden mehrgeschossige Wohnhäuser, Hochhäuser und Einfamilienhäuser, ein großes Kultur- und Geschäftszentrum, ein Schulzentrum sowie mehrere kleinere Einkaufs- und Kulturzentren für mehr als 40000 Menschen.

Foto:Meier-Ude

september 1962 begann die Produktion vorgefertigter Bauelemente in einem Werk bei Neu-Isenburg. Sechs Wochen danach konnte das erste Richtfest gefeiert werden, weitere 6 Wochen später zogen die ersten Mieter in ihre Wohnungen ein. Die hellen, zweckmäßig zugeschnittenen Wohnungen waren ausgestattet mit den Errungenschaften der damaligen Technik: Fußbodenheizung, Müllschlucker, Aufzüge, zentrale Waschanlagen usw. Im Frühjahr 1964 war mit 1200 Wohnungen knapp 20% des gesamten Wohnungsbauprogramms "Nordweststadt" verwirklicht.

 

 

Brückenbauten
gleich eine ganze "Bauserie" von neuen Frankfurter Brücken wurde durch die Initiative der Farbwerke Hoechst AG eingeleitet. Der Chemiekonzern wollte einen kurzen Weg zwischen dem nördlichen Werksgelände und den Erweiterungsbauten auf dem südlichen Mainufer und baute bis 1960 eine private Werksbrücke . Die öffentliche Hand folgte schon bald nach und in den Jahren 1963/64 konnten gleich drei neue Mainbrücken dem Verkehr übergeben werden: Die Kaiserleibrücke zwischen Offenbach und Frankfurt in Höhe des Ratswegskreisels, die provisorische Flößerbrücke, die man über den Main schlug, um den Nachkriegsbau der Alten Brücke den Anforderungen des Schiffahrts- und des Straßenverkehrs anpassen zu können, sowie eine Mainbrücke bei Schwanheim.
die neue Mainbrücke bei Schwanheim bildete den 1.Bauabschnitt eines ebenfalls neuen Straßenzuges, der an die Mainzer Landstraße anknüpfte, zwischen Griesheim und Nied an den Main geführt wurde und jenseits des Mains am Schwanheimer Wald entlang bis Kelsterbach verläuft. Etwa 600 Meter flußaufwärts stand bereits seit 1907 eine kleinere Brücke, die im Krieg zerstört wurde und danach von der US-Armee bis 1954 stückweise einspurig ersetzt wurde. Im Frühjahr 1964 wurde diese Behelfskonstruktion abgebrochen.

die neue 489 Meter lange und 29 Meter breite Stahlbrücke, sowie die in den Brückenrampen liegenden 3 kleinen Stahlbetonbrücken wurden in den Jahren 1960-1962 errichtet. Am 21. September 1963 wurde sie vom damaligen Oberbürgermeister Bockelmann unter starker Beteiligung der Frankfurter Bürger dem Verkehr übergeben, es gab Würstchen und Eis für alle. Im Luftbild sind die langen Auf- und Abfahrten auf Schwanheimer Seite deutlich erkennbar.

eine im „Baukastensystem" zusammengesetzte Brücke war die provisorische Flößerbrücke über den Main. Sie diente der Umleitung des aus Süden in die Innenstadt strömenden Verkehrs während der Erneuerung der "Alten Brücke" , die 1965 vorgenommen wurde. Auf ihr waren drei Fahrspuren und ein Fußgängerweg vorhanden, der in beiden Richtungen benutzt wurde. Die 207 Meter lange Behelfsbrücke in Gitterfachwerk aus Stahl wurde am 8. Mai 1964 in Dienst gestellt, -eigentlich nur für wenige Jahre gedacht, entwickelte sie sich zu einem verkehrswichtigen "Dauerprovisorium", sie wurde erst Mitte der Achtziger demontiert und durch die heutige Schrägseilbrücke ersetzt. Im Bild zu sehen ist der Einbau des 65 Meter langen und 65 Tonnen wiegenden Mittelstücks der Flößerbrücke über den Main mit dem schweren Schwimmkran MAN 1 am 16. November 1963, hinten die Obermainbrücke .

 

die ersten Beschlüsse, die sich mit dem Bau einer großen Tangentialstraße zwischen Frankfurt und Offenbach befaßten, stammten schon aus dem Juli 1957. Der Bau dieser Straße war als Teilstück einer Nord-Süd-Verbindung zwischen der Autobahn Frankfurt-Kassel und Frankfurt-Würzburg unter Umgehung der Zentren beider Städte notwendig geworden. Dazu gehörte als erster Bauabschnitt des Projekts auch der Bau einer den Dimensionen des autobahnähnlichen Ausbaus der übrigen Teilstücke angepaßten Straßenbrücke über den Main.

bereits vor dem 1.Weltkrieg faßte man den Entschluß, an dieser Stelle eine Massivgewölbebrücke aus Stein zu bauen. Pferdefuhrwerke karrten Erde herbei, um auf der Frankfurter Mainseite in Höhe der Riedhofstraße eine Anfahrtsrampe aufzuschütten. Der Ausbruch des 1.Weltkrieges machte alle Planungen zunichte, doch beim Bau der neuen Kaiserleibrücke konnte die Rampe noch genutzt werden, über 50 Jahre später! Die seinerzeit kühne Brückenkonstruktion, wie sie bis dahin in Deutschland in diesen Ausmaßen noch nicht zu sehen war, wurde in ihren Hauptbestandteilen im Ruhrgebiet gebaut. Auf dem Wasserweg gelangten die Montagestücke dann an die Frankfurter Baustelle.

die Erdarbeiten begannen im September 1960 am Frankfurter Ufer, wo man eine breite Betonwand für die Stützpfeiler baute, im Dezember 1961 waren bereits die Betonierarbeiten an den Pfeilern und Widerlagern abgeschlossen. Im Juli 1962 starten die Stahlbauarbeiten am Brückenüberbau, verbunden mit der Herstellung der Fahrbahn. Beide von den jeweiligen Ufern in den Fluß hineingebauten Teilstücke wuchsen nun langsam zu einer 220 Meter langen und 36,70 Meter breiten Brücke zusammen (Abb. oben). Im April 1963 begannen die Brückenbauer mit der Montage des östlichen Stahldoppelbogens, es folgte der westliche, die Bogenelemente wurden mit 86000 Gewinde- und Mutterstücken verschraubt. Die Brückenweihe fand im dichtem Winternebel am 18. Dezember 1964 statt. Bundesverkehrsminister Seebohm übergab in Anwesenheit des neugewählten Frankfurter Oberbürgermeisters Willi Brundert die Kaiserleibrücke dem Verkehr. Nach dem endgültigen Abschluß der Bauarbeiten beliefen sich die Kosten ohne die Verkehrsanbindung auf etwa 15 Millionen Mark.

 

eines der längsten Brückenbauwerke Frankfurts entstand im Stadtteil Fechenheim. Die "Fußgänger- und Radwegbrücke Cassellastraße" wurde von April 1963 bis zum 13. Oktober 1964 gebaut. Gleichzeitig mit der Verkehrsübergabe der Brücke wurde die Cassellastraße zwischen Hanauer Landstraße und Jacobsbrunner Straße für den öffentlichen Verkehr geschlossen und diente nur noch dem Werksverkehr der Cassella-Werke an der Mainkur. Das Bauwerk beginnt im Süden an der Leo-Gans-Straße und Jacobsbrunner Straße und wird auf einer Länge von 500 m und in einer Höhe von etwa acht Metern bis auf die Nordseite der Hanauer Landstraße geführt. Je zwei lange Abgänge mit einer Gesamtlänge von ca. 250 Meter befinden sich an den beiden Brückenenden. Die Brückenbreite beträgt 5,4 Meter, Fußgänger- und Radweg wurden durch einen Bordstein voneinander getrennt.

im Bereich des Hauptbahnhofes wurde am 05. November 1964 nach einer Umgestaltung des Bahnhofvorplatzes und im Zusammenhang mit dem Bau des Fußgängertunnels und eines Großparkhauses auch eine provisorische Überbrückung des Platzes der Republik an der Kreuzung mit der Mainzer Landstraße fertiggestellt. An diesem wichtigen städtischen Kreuzungspunkt kam es auf dem vorhandenen Verkehrskreisel immer wieder zu Dauerstaus im Bereich Messe/Hauptbahnhof. Die sogenannte Fly-over Brücke übersprang den Platz mit 8 Öffnungen, von denen die größte eine Stützweite von rund 35 Metern hatte. Die Breite der Fahrbahn mit zwei Fahrspuren betrug schmale sechs Meter und führte nur in eine Fahrtrichtung von der Messe zum Hauptbahnhof. Die Brücke selbst wurde in Montagebauweise erstellt, was mit bedeutenden Vorteilen verbunden war: die sehr kurze Bauzeit von zwei Wochen, geringe Störung des Verkehrs während der Arbeiten und die mögliche Wiederverwendung an anderer Stelle. Im Jahre 1971 wurde das Provisorium wieder abgebaut.

das Bild zeigt die Brücke in Höhe der Düsseldorfer Straße in Richtung Messe, im Hintergrund sieht man das lange nach dem Krieg brachliegende "Mendelssohnsche Trümmergrundstück". Auf diesem "Schandfleck an markanter Stelle", so die Presse, entstand ab 1971 das rund 140 Meter hohe, dunkle Hochhaus des persischen Geschäftsmannes Ali Selmi, das höchste Haus Deutschlands.


Foto:Bertram

 


 

am 27. Oktober 1963 wird in der Frankfurter Taunusanlage vor dem Opernplatz der Marshallbrunnen von Professor Toni Stadler aus München enthüllt (Abb. rechts). Der Brunnen wurde durch die Anregung von Industrie- und Handelskammer und der Stadt geschaffen; er sollte die Dankbarkeit der Bürgerschaft der Stadt gegenüber der großen Hilfeleistung des amerikanischen Volkes nach dem zweiten Weltkrieg zum Ausdruck bringen. Am 8. September 1960 war ein Kuratorium "Marshall-Denkmal" gegründet worden, dem auch der Magistrat seine volle Unterstützung zusagte. Ein Spendenaufruf an alle im Frankfurter Handelsregister eingetragenen Firmen erbrachte einen Betrag von etwa 400000 Mark. Der Künstler wählte den Brunnen mit seiner wasserspendenden Quelle und der aufnehmenden Schale als ein auffälliges Symbol des Gebens und Nehmens. Auf dem Wasser liegen drei weibliche Gestalten, die drei Grazien. Eine Steinplatte enthält die Verse aus dem 2. Teil des Faust, in denen Goethe die drei Grazien als Gestalten des Gebens, Nehmens und Dankens symbolisiert:

  • Aglaia: Anmut bringen wir ins Leben; Leget Anmut in das Geben.
  • Hegemone: Leget Anmut ins Empfangen; Lieblich ist's, den Wunsch erlangen.
  • Euphrosine: Und in stiller Tage Schranken höchst anmutig sei das Danken.

das am 5. Juni 1947 vom Außenminister und Träger des Friedens-Nobelpreises General George C. Marshall (im Bild mit seiner Frau Katherine, sie war bei der Einweihung des Brunnens dabei) veröffentlichte Hilfsprogramm sah die finanzielle Unterstützung Europas durch die Vereinigten Staaten vor, eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Gesundung der europäischen Wirtschaft. Die Starthilfe dieses sogenannten Marshallplanes führte zu dem starken Anstieg der Konjunktur, der die gesamte westdeutsche Wirtschaft in der Nachkriegszeit boomen ließ. Der Frankfurter Brunnen war die weltweit erste Gedenkstätte für den amerikanischen General und Politiker, der am 16. Oktober 1959 starb.

die Kritik an dem eigenwilligen Kunstwerk war zunächst groß: Goethe werde dadurch beleidigt, hieß es, „Anmut" sei nirgends zu spüren. Doch die Frankfurter gewöhnten sich schnell: "Attentate" mit Farbpulver und Waschmitteln, wie am Anfang, gab es bald nicht mehr. Dafür wurde der moderne Brunnen ab den späten Sechzigern sogar zu einem beliebten Treffpunkt der "Gammler und Hippies". August 1970 mußte der Marshall-Brunnen wegen des S-Bahn-Baus im Bereich des Opernplatzes für längere Zeit demontiert werden.

von 1959 bis 1963 wurde die sogenannte Theater-Doppelanlage gebaut. Diese Theateranlage verfügte über drei verschiedene Bühnen: das "Große Haus" mit 1450 Plätzen, das Schauspielhaus mit 1000 Plätzen und eine Studiobühne mit 250 Zuschauerplätzen. (Ausführliches berichtet dieser Teil über die Geschichte dieses Hauses ).

in der Nacht zum 12. November 1987 wurde das Bühnenhaus der Oper durch Brandstiftung total verwüstet, der Bühnenturm stürzte ein (im Bild rechts), weite Bereiche der angrenzenden Gebäudeteile wurden in Mitleidenschaft gezogen. Wenige Tage zuvor war der völlig renovierte Zuschauerraum der Oper erst in Betrieb genommen worden. Es entstand ein Schaden in dreistelliger Millionenhöhe. Am 6. April 1991 konnte die Oper wiedereröffnet werden.

 

frankfurt bekommt einen neuen Oberbürgermeister

Am 15. Juni 1964 scheidet der amtierende Frankfurter Oberbürgermeister Dr. Werner Bockelmann nach acht Jahren aus dem Amt. Auf ihn folgte am 27. August 1964 Professor Dr. Willi Brundert , bislang als Staatssekretär Chef der Hessischen Staatskanzlei. Am 2. Juli 1964 wurde Professor Brundert, ein Jurist, Verwaltungs- und Finanzfachmann, von der Stadtverordnetenversammlung für zunächst sechs Jahre zum Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt gewählt. Im Bild die Amtseinführung von Oberbürgermeister Willi Brundert (links) durch den Stadtverordneten-Vorsteher Heinrich Kraft.

als letztes und größtes Projekt der Universitätsbebauung, die der Universitäts-Baudirektor Ferdinand Kramer zu verantworten hatte, wurde der Bau der Stadt- und Universitätsbibliothek im Jahre 1964 nach 30 Monaten Bauzeit fertiggestellt. Am 2. November 1964 nimmt die Bibliothek im neuen Gebäude an der Bockenheimer Landstraße/Zeppelinallee den Ausleiheverkehr auf.

der 1898 in Frankfurt geborene Architekt und Designer Ferdinand Kramer war nach dem Krieg als ehemaliger Vertreter des modernen "Neuen Frankfurts" der 20er Jahre in ein öffentliches Amt aus den USA nach Frankfurt zurückgekehrt. Er errichtete ab 1952 zahlreiche wegweisende und vieldiskutierte Gebäude auf dem Universitätsgelände.


Foto:Archiv Kramer

eines der schönsten Frankfurter Gartenhäuser des 18. Jahrhunderts, das idyllische Willemer-Häuschen auf dem Mühlberg am Hühnerweg in Sachsenhausen wurde am 18. Oktober 1964 der Öffentlichkeit übergeben. Der beschieferte Fachwerkbau des Rokoko war in seiner historischen Form wiederentstanden, die Baukosten von 50000 DM wurden finanziert von der Stadt, dem Freien Deutschen Hochstift und den Sachsenhäuser Bezirksvereinen. Im zweiten Weltkrieg war die Goethe-Erinnerungsstätte ausgebrannt, nur das Sockelgeschoß blieb stehen. Eine wohlhabende Frankfurter Familie pflegte aber weiterhin den reizvollen Garten der Biedermeierzeit - mit seinen Rasenrondellen, Blumenrabatten und den Buchsbaumhecken und veranstaltete hier auch kleine Theateraufführungen. Bei der Restaurierung hatte man die kleinen achteckigen Räume mit einem Mobiliar aus dem frühen 19.Jahrhundert ausgestattet, einer Leihgabe des Museums für Kunsthandwerk . Reproduktionen von Bildern und Handzeichnungen an den Wänden erinnern an Johann Wolfgang Goethe und Marianne von Willemer. Am 18. Oktober 1814 hatten beide von hier aus die Freudenfeuer auf den Taunusbergen beobachtet, die zur Erinnerung an die Schlacht bei Leipzig und die Niederlage Napoleons entfacht worden waren. An diesem Tag entstand dann jene Zuneigung und Liebe Goethes zu Marianne, die als "Suleika" aus dem "West-Östlichen Diwan" in die Literatur eingegangen ist. Nicht nur die Bankiersfamilie von Willemer, auch andere wohlhabende Frankfurter bauten um die Mitte des 18.Jahrhunderts solche Gartenhäuser. Es entsprach dem damals neu erwachten Naturgefühl, vor den Toren der Stadt ein "Baumstück" oder einen Garten zu kaufen. Vom Sachsenhäuser Berg aus hatte man einen herrlichen Blick gegen den Nordwesten der Stadt, eingebettet in die weite Fläche des Maintales, das die Silhouette des Taunuskammes abschließt. Ein Ausblick, der Goethe immer wieder begeistert haben soll.

 

nahe dem Eschenheimer Turm und am alten Wallgraben liegt die Peterskirche mitsamt den Resten des ältesten christlichen Friedhof Frankfurts von 1454. Bis zum Bau des Hauptfriedhofs im Jahre 1828 war der Peterskirchhof Frankfurts wichtigste Begräbnisstätte, auch Goethes Eltern lagen hier. Die alte Peterskirche, 1454 eingeweiht, fiel Ende des 19.Jahrhunderts der Straßenverbreiterung zum Opfer, ebenso große Teile des Friedhofs. Die Kapelle wich dem Neubau einer geräumigeren, der stark anwachsenden Gemeinde entsprechenden Kirche. Die im Turm eingelegte Bauurkunde datiert auf den 22. März 1894. Genau auf den Tag, fünfzig Jahre später, fiel das Gotteshaus der Bombennacht des 22. März 1944 zum Opfer. Was blieb, war Schutt, Asche und eine Ruine, die noch um 1960 an jene Nacht erinnerte. Ein 1959 ausgeschriebener Wettbewerb leitete den Wiederaufbau ein, die Architekten Theo Kellner und Dr.Wilhelm Massing wurden damit beauftragt. Anfang 1960 begannen Bagger die Ruine der Kirche vom Schutt zu befreien. Fünf Jahre dauerte es, bis die stark zerstörte Kirche ihre Pforten am Pfingstsonntag, den 6. Juni 1965 wieder zum Gottesdienst für rund 1200 Besucher öffnen konnte. Bewußt hatte man die Architektur des Kirchturms als historisches "Wahrzeichen" der Stadt erhalten. Ganz auf die Zwecke einer Gemeindekirche abgestellt, wurde das Kircheninnere aber völlig umgestaltet und modernisiert (Abb.). Mit der Peterskirche war die letzte der großen Frankfurter Kirchen zu Kosten von fast vier Millionen Mark nach dem Krieg wiedererstanden.

© JHS, 01.10.04
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